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Full text of "Archivalische Zeitschrift"

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ARCHIVALISCHE 

ZEITSCHRIFT. 



HERAUSGEGEBEN 



DURCH 



DAS BAYERISCHE ALLGEMEINE REICHS ARCHIV 

IN MÜNCHEN. 



NEUE FOLGE. NEUNTER BAND. 



MÜNCHEN 
THEODOR ACKERMANN 

KÖKIQLICBER HOF-BVCHHÄSDLER 

1900. 



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•( '\7 



\XJLX\AJU U>-^-vV(^» 



K. Hof-Buohdruckerei Kästner & Lossen. 



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Inhaltsanzeige. 



Seite 
I. Die brandenbnr^ische Kanzlei im Mittelalter. Von Dr. Felix 

Priebatsch in Breslau 1—27 

II. Naehträge zu den Mittlieiliuigren ül>er die Sammlung yon Sie^el- 
abgttssen des k. allgemeinen ReiclisarcliiYes. Von Karl 
P r i m b 8 , k. Reichsarchivrath a. D. (Fortsetzung zu 

Band VIII, Seite 283) 28-101 

Ifl. Beschreibung der Reise des Herzogs Ferdinand yon Bayern 
naoh Lüttieli im Jahre 1581. Mit Erläuterungen herausge- 
geben von Franz Hüttner, k. Kreisarchivar a. D. in 

Würzburg 102-131 

IT. Briefe des Jesnitenpaters Nithard Biber an den Churfttrsten 
Auselm Casimir von Mainz, gesehrieben auf seiner Romreise 
1645/4^ Herausgegeben von Dr. Georg Hansen, k. Reichs- 
archivsassessor fc . . . . 132—175 

y. Die Passio s. Floriaui und die mit ihr zusammenhängenden 
ürlLundenfälschnngen. Von Julius Strnadt, k. k. Ober- 
landesgericht srath in Kremsmünater. Zweiter (polemischer) 
Theil. Entgegnung auf den Widerspruch Dr. Bernhard Sepp 's 

in der Augsburger Postzeitung 176—314 

I. Charactoristik der Reoeusion 176—184. 
II. Einleitung. Ueber die Passio s. Floriani und deren Ent- 
stehung 185-203. 
III. Erster Abschnitt. Prüfung jener Nachrichten und Ur- 
kunden, welche für eine ununterbrochene Verehrung des 
heiligen Florian und für den vorkarolingischen Bestand 
des „alten** Klosters S. Florian zu sprechen scheinen. — 
Das testimonium ex süentio. 204—280. 

Aventins Handschrift von Mönchsmünster 217—235. 
Ueber die Herkunft imd das Verbreitimgsgebiet des 
Cultus des heiligen Florian 235—274 (zwei Karten 
hiezu S. 262 und nach S. 262). 



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Seite 
IV. Zweiter Abschnitt. Das historische „alte Kloster* S. 

Florian und die an die passio s. Floriani geknüpften 

Urkundenfälschungen 280—303. 

Nachträge 304-308. 

Inhalts-Uebersicht 309-313. 

Schreibversehen und Druckfehler (in den Bänden VIII 

und IX) 314. 
Tl. Ein oberpf&lziseher Aktengammelbaud. Von AlbertGUmbol, 

k. Kreisarchivsekretär in Nürnberg 315—374 

Beilagen aS6-374. 



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1. Die brandenburgische Kanzlei im Mittelalter. 

Von 
Dr. Felix Priebatsch in Breslau. 



Die mittelalterliche Kanzlei ist die Trägerin der persön- 
lichen EntSchliessungen des Herrschers. Sie besteht aus Männern, 
denen er sein volles Vertrauen schenkt, von denen er sich in- 
formiren und vertreten lässt, zu deren Controle ihm jedoch nahezu 
jedes Mittel abgeht. Sie bildet die am frühesten entwickelte 
Centralbehörde , die einzige, die schon feste Regeln für ihre 
Geschäftsführung besitzt. Andrerseits gründet sich ihr Ansehen, 
ihre Bedeutung nur auf das Zutrauen des Pursten und erlischt 
nicht selten bei jeder Wandlung im Regimente. Neue Herrscher- 
häuser, vornehmlich, wenn sie nach Revolutionen emporkommen, 
ziehen neue Leute, Männer ihres Vertrauens zu den Kanzlei- 
geschäften heran und behalten höchstens den einen oder andern, 
dessen Sachkenntniss sie nicht zu entbehren vermochten. Solche 
Veränderungen im Känzleipersonale führen zu Umwandlungen 
des Schematismus, der Kanzleigebräuche. Von der grösseren 
oder geringeren Zahl und Bedeutung der beibehaltenen alten 
Beamten hängt es ab, ob der Wechsel im Regimente zu einer 
Verdrängung der alten Kanzleigrundsätze oder nur zu einer 
Verschmelzung verschiedener Systeme Veranlassung giebt. 

Die Mark Brandenburg, ein Colonialgebiet, in dem ohnediess 
in jedem Zweige kultureller Thätigkeit starke und stossweise 
erfolgende Beeinflussungen durch das Mutterland zu allen Zeiten 
wahrzunehmen sind, hat in jedem Jahrhundert schroffen Wechsel 

Archivalische Zeiteohrift. Neue Folge IX. i 



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2 Dr. Felix Priebatsoh: 

in der Regierung erlebt, hat nacheinander unter den nieder- 
deutschen Ascaniern, den süddeutschen Wittelsbachem , den 
halb wälschen, lialb böhmischen Luxemburgern und dann unter 
den Hohenzollern gestanden und selbst innerhalb derselben 
Dynastie beim Ableben oder Rücktritte der einzelnen Mark- 
grafen jähen Wechsel aller Einrichtungen gesehen. 

Auch das Kanzleiwesen der Mark weist daher eine bunte 
Mannigfaltigkeit auf. Zeitweise erscheint die märkische Kanzlei 
in engster Verbindung mit der kaiserlichen, der entwickeltsten 
deutschen Behörde, zeitweise behilft sie sich hinwiederum mit 
so primitiven Formen, wie dies sonst nur in bedeutungslosen, 
zurückgebliebenen Kleinstaaten vorkommen mochte. In buntem 
Wechsel finden wir nieder- und oberdeutsche Beamte, ungarisches, 
czechisches, wallonisches Kanzleipersonal mit dem Urkunden- 
wesen des Landes befasst, und es bietet keine geringen Schwierig- 
keiten, sich in diesem Gewimmel zurecht zu finden. In den 
neuen Darstellungen, in denen man Aufklärung über diese 
Dinge zu erwarten berechtigt ist, wird von alledem sehr wenig 
gesprochen. In Lindners Urkundenwesen Karls IV. wird zwar 
der Nebenkanzleien, selbst der unbedeutendsten, z. B. der ober- 
pfälzischen, in ausführlicher Weise gedacht, aber von der 
brandenburgischen, die doch ebenfalls über ein Menschetialter 
luxemburgischen Herrschern diente, ist mit keinem Worte die 
Rede. Eine neuere fleissige Dissertation ^) über das Urkunden- 
wesen der ersten beiden HohenzoUernschen Markgrafen giebt 
gute Analysen der Registerbände und Copialbücher und enthält 
manche treffende Beobachtung; sie schwebt aber sozusagen in 
der Luft, da sie weder über die frühere, noch über die spätere 
Geschichte ihres Gegenstandes orientirt erscheint. Die zahl- 
reichen Darstellungen der märkischen Verwaltung und des 
Beamtenthums greifen nur den Kanzler als den Minister, den 
leitenden Staatsmann heraus, ohne dem Geschäftsgange der ihm 
unterstellten Behörde viel Interesse zuzuwenden. Die diploma- 
tische Seite bleibt ganz ausser Betracht. Nur das Geschäft 
der Besiegelung hat mehrere eingehende Darstellungen gefunden. 

Es kann im Folgenden nicht versucht werden, eine aus- 
führliche Geschichte der märkischen Kanzlei zu geben oder 
auch nur gewisse Partien in ihrer Entwicklung in erschöpfender 

*) Lewinski, Die brandenburg. Kanzlei. Strassburg 1803. 



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Die brandenburgische Kanzlei im Mittelalter. 3 

Weise darzulegen.*) Mehr noch als der Mangel an brauch- 
baren Einzeluntersuchungen drückt auf die Betrachtung des 
märkischen Urkunden wesens die unzulängUche Art, in der das 
meiste von dem nicht unbeträchtlichen märkischen Urkunden- 
vorrathe bei Riedel u. A. bisher publicirt worden ist. Gerade 
diejenigen Dinge, die den Diplomatiker interessiren müssen, sind 
da nur obenhin behandelt oder ganz übersehen worden. Und 
da es dem Verfasser der vorliegenden Skizze bisher nur für die 
Zeit der HohenzoUern möglich gewesen ist, Originale in ge- 
nügender Anzahl kennen zu lernen, muss sich die Betrachtung 
hinsichtlich der älteren Zeit auf die inneren Merkmale der 
Dokumente beschränken. Es kann also im Folgenden nur eine 
kurze Uebersicht der wesenthchsten Wandlungen in der Ge- 
schichte des märkischen Kanzlei- und Urkundenwesens geboten 
werden; eine ausführliche Begründung streitiger Einzolpunkte, 
eine eingehende Beleuchtung interessanter Detailfragen werde 
späteren Arbeiten vorbehalten. 

Urkunden aus der ältesten Epoche der Mark, aus der Zeit 
der Ascanier, sind grösstentheils nur in späteren Copialbüchern 
enthalten. 

Die Kanzlei in der Mark hat sich wie in den meisten Terri- 
torien aus der Heranziehung der Hofgeisthchkeit zu den noth- 
wendigen schriftlichen Arbeiten entwickelt. Geschäfte dieser 
Art wurden in der Regel einem bestimmten oder einigen wenigen, 
durch Erfahrung und Bildung hervorragenden Männern über- 
tragen. Bei dem steigenden Umfange des Schreib wesens wurde 
aus diesen gelegentlichen Schreiberdiensten eine ausschliessliche 
Beschäftigung mit Kanzleisachen. Das Bedürfniss nach einer 
Regelung des Betriebes, dei^ Voran tworthchkeit, der Aufbewahr- 
ung, der Controle, führte zur Bildung einer förmlichen Kanzlei- 
behörde. 

Der älteste mit Namen genannte märkische Kanzleibeamte 
ist der 1170 vorkommende capellanus Wiriscus mit dem Zusatz 
Prancigena. 1187 wird ein scriptor Hermann, 1200 ein notarius 
Gottfried erwähnt. Wenngleich die allgemeine Bezeichnung 
capellanus auch in der Folgezeit in sehr vielen Fällen vor- 
kommt, wird doch allmählich der Titel notarius, meist mit der 

*) Es ist daher auch meist von der Angabe der Belege Abstand ge- 
nommen worden. 

1* 



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4 Dr. Felix Priebatsch: 

Beifügung noster, nostre curie, einmal auch nostre curie et 
imperialis aule für denjenigen Kanzleibeamten, der die Urkunde 
zwar nicht immer schreibt, aber für ihre richtige Herstellung 
und Abfassung die Verantwortung trägt, durchaus üblich. Ein 
cancellarius wird zwar 1282 und dann noch einige Male 
erwähnt, aber da dieselbe Person — es ist der Pfarrer Johann 
von Gardelegen — vorher und nachher notarius genannt wird, 
darf man aus dem abweichenden Titel cancellarius keine Fol- 
gerungen ziehen. Seit dem Jahre 1291 wird andauernd ein 
protonotarius erwähnt, dem meist ein subnotarius oder 
schlechthin ein notarius gegenübersteht. Wenn wir uns auch 
von der Thätigkeit des Protonotarius kein sicheres Bild machen 
können — als Recognoscent erscheint er selten -^ so zeigt doch 
die bevorzugte Stellung, in der er genannt wird, sowie die 
Uebersetzung des Aratstitels mit „oberster Schreiber", dass wir 
in ihm den Kanzleivorstand zu erblicken haben. Die Kanzlei- 
beamten sind sämmtlich Kleriker, wenn man nicht etwa den 
cancellarius Sloleke, der mit einem gleichnamigen später er- 
wähnten dapifer identisch sein könnte, für einen Laien halten 
will. Bei recht vielen dieser Hofnotare lässt sich die geistliche 
Laufbahn, ihre spätere Versorgung in guten Pfründen landes- 
herrlichen Patronats bequem verfolgen. 

Unter den Kanzleibeamten erscheinen viele Landeskinder, 
darunter einige Mitglieder adeliger Familien, z. B. der Krakow. 
Ein Theil stammt aber auch aus der Fremde, aus dem anhalti- 
nischen Koethen, aus Braunschweig, aus Hamburg. 

In den Zeugenreihen stehen die märkischen Kanzleibeamten 
in der älteren Zeit meist am Ende der GeistUchen, wofern nicht 
dem einen oder anderen seine hohe kirchliche Würde zu Gute 
kommt. Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts steht das Kanzlei- 
personal meist am Schlüsse der Urkunde. Allerdings wird ein- 
mal der Protonotar Heyso von Krakow unter die übrigen Mit- 
glieder seines zahlreichen und angesehenen Geschlechtes gesetzt; 
die landesherrlichen Notarien werden bisweilen zwischen Herren 
und Ritter oder zwischen diese und die Knappen eingereiht. Im 
Allgemeinen kann man aber sagen, dass die Kanzleibeamten 
als solche, selbst der Protonotar, noch keinen bestimmten Rang 
unter den Hofleuten besitzen. 

Auf Reisen bedienten sich die Markgrafen wohl auch schrift- 



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Die brandenburgische Kanzlei im Mittelalter. 5 

kundiger Geistlichen an Stelle des nicht immer raitgeführten 
Schreiberpersonals. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts wenden 
sie sich gelegentlich auch an die jetzt allmähhch in Deutsch- 
land zahlreicher werdenden öffentlichen Notare. Dies sind be- 
kanntlich öffentliche Schreiber geistlichen Standes mit römisch- 
rechtlicher Bildung; sie berufen sich übrigens in der Mark in 
der älteren Zeit stets nur auf die kaiserliche Autorität. Die 
ältesten in der Mark erwähnten sind Kleriker aus den beiden 
ins brandenburgische Gebiet übergreifenden Nachbarbistümern 
Verden und Hildesheim.*) Beweiskraft besitzen ihre Beurkund- 
ungen zunächst an sich nicht; die Aussteller berufen sich eigens 
auf die zugezogenen Zeugen. Die älteste bekannte Notariats- 
urkunde hat kein besonderes Notariatszeichen; der Notar weist 
auf seine Handschrift, d. h. Unterschrift, hin. Ausser in ein- 
zelnen Fällen im Dienste der Landesherren treten diese Noianen 
in immer steigendenv-Maasse bei Gerichtsurkunden, sowie bei 
privaten Rechtsgeschäften aller Art hervor; wahrscheinlich 
haben sie auch im Auftrage privater Bittsteller Dokumente her- 
gestellt, die dann in die markgräfliche Kanzlei gebracht wurden 
und dort ihre Erledigung und Beglaubigung fanden. Dem steht 
freilich entgegen, dass die grosse Mehrzahl der erhaltenen fürst- 
lichen Urkunden ein durchaus kanzleimässiges Aussehen zeigt. 
Das märkische Urkundenwesen der Ascanierzeit kann nicht 
auf ganz niedriger Stufe gestanden haben. Aus dem Gebiete 
der Mark stammt eines der ailerberühmtesten Pormelbücher der 
Zeit^ die sächsische summa prosarum dictaminis, die nach Vor- 
trägen des Bischofs Gemand von Brandenburg zusammengestellt 
wurde. Sie ist nicht nur durch die ziemlich reiche Muster- 
sammlung, die sie enthält, und durch den verhältnissmässig 
reinen Stil bemerkenswerth; sie imponirt auch durch die grössere 
Freiheit, mit der ihr Autor dem überlieferten Schematismus 
gegenübersteht. Er verwirft z. B. den ganzen überflüssigen 
Formelkram bei Briefen und will ihn nur bei ganz feierlichen 
Fällen und besonders hochstehenden Personen gegenüber gelten 
lassen.*) Mindestens zwei Kleriker, die unter Gernand in der 

*) Vgl. einzelne Urkunden. Riedel. Cod. dipl. Branden burgensis A. 
XIV 54. VII 248. IX 19 f. VIII 232. 

*) Vgl. über ihn die Arbeiten Rockingers in den Quellen und Er- 
örterungen zur bayer. und deutschen Gesch., passiin. Michael, Die Formen 
des immittelbaren Verkehrs S. 70. 



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6 Dr. Felix Priebatsch: 

Kanzlei des Brandenburger Stifts erscheinen, werden auch als 
Notarien der Markgrafen genannt. In den Eingangszeilen der 
markgräflichen Urkunden überrascht uns ebenfalls die Fülle 
verschiedenartiger Wendungen; in dem Bau der Urkunden 
waltet eine gewisse Freiheit in Bezug auf die Befolgung der 
Muster, vor Allem in Bezug auf die Gliederung. Auf die Corro- 
boratio folgt z. B. niemals eine Pönformel. Angaben über den 
Schreiber finden sich nirgends, selbst über den Recognoscenten 
wird nicht immer berichtet. Wo dies nicht unterlassen wird, 
geschieht dies einmal durch die Bemerkung: ego Johannes 
notarius marchionis subscribo — ego Johannes, notarius marchionis 
recognovi;^) einmal auch durch die Aufzählung in der Zeugen- 
reihe: et ego Guntrammus notarius, meist aber durch datum 
per manus.*) Dieses datum per manus steht meist rechts unten 
unter der Urkunde, oft aber auch in besonderer Zeile unter der 
Zeugenreihe oder in der Datumzeile, die" sich dann folgender- 
massen gestaltet: datum Spandowe per manum Johannis 
notarii,*) datum in nova Brandenburg per manum Bartoldi 
nostri notarii.*) 

Die Ausdrücke actum et datum haben bereits die Bedeu- 
tung gewonnen, dass das eine die Handlung, das andere die 
Fertigstellung der Urkunde bezeichnet. In der Datirung wer- 
den bisweilen die Regierungsjahre der Kaiser und der Diöcesan- 
bischöfe angegeben.*) Nirgends wird, wenigstens in den uns 
vorliegenden Drucken von einem fürstlichen Monogramm, ge- 
schweige denn einer Unterschrift berichtet. Bei den einfachen 
Verhältnissen, die unter den Ascaniern bestanden, war es nicht 
nötig, die Person besonders zu nennen, die den Beurkundungsbefehl 
erteilte. Der Hofnotar befand sich jedenfalls stets bei den fürst- 
lichen Rathssitzungen. Die Zeugenreihe bezieht sich in den 
wenigen Fällen, wo sich das kontroliren lässt, auf die Handlung.^) 

Fälschungen aus der Zeit der Ascanier sind nur wenige 
bekannt. Als eine solche gilt eine angebliche Urkunde Walde- 

>) Riedel B. I 7. 

') einmal: datum per manus predicti domini Zaoharias. 
») Riedel A. XI 300. 

*) oder noch acta sunt hcc in TangermUnde anno etc. et data per 
manum domini Alwardi. Riedel A. VII 408. 
») Riedel A. IX 2. 
•) huius autem donationis testes sunt. Riedel B. l 11. 



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Die brandenburgisohe Kanzlei im Mittelalter. 7 

mars, worin er der Altstadt Brandenburg den Kietz bei der 
Stadt schenkt. 

Nach dem Aussterben der Ascanier erlitt jedenfalls auch 
das Kanzleiwesen des Landes zunächst eine arge Erschütterung. 
Die wenigen Schreiber, die auch nach der Katastrophe genannt 
werden, begegnen uns im Dienste der Markgräfin Agnes und 
ihres Gatten, des Herzogs Otto von Braunschweig. Einer von 
ihnen, Herman von Lüchow, erscheint dann auch unter den 
Witteisbachern in wichtiger Stellung. Er wird bald Protonotar 
genannt, bald erscheint neben ihm ein andrer in gleicher Würde, 
der Stendaler Propst Seger, ohne dass näheres über ihr gegen- 
seitiges Verhältnis zu erkunden wäre. Erwähnt werde aber, 
dass dieser Propst Seger stets nur unter den Zeugen , niemals 
aber in den Kanzleivermerken genannt wird , während Herman 
von Lüchow hinwiederum vorwiegend in diesen vorkommt, 
also ein wirklich thätiger Kanzleibeamter gewesen zu sein 
scheint. Die Zahl der Kanzleibeamten der Witteisbacher ist 
nicht gering, es erscheinen einige Bayern darunter, wie ein 
Wolfstein; auch ein Regensburger Domherr, der allerdings 
lausitzischer Herkunft ist, wird mehrmals genannt. 

Nicht geringeres Interesse aber, als dies Erscheinen fremder 
Beamten, die z. T. der Kanzlei des Vaters der jungen Mark- 
grafen, Kaiser Ludwigs, ihre Ausbildung verdankten, bietet das 
erste sichere Auftreten des Laienelementes, das gleich mit 
einem hervorragenden Manne seinen Einzug in die märkische 
Kanzlei hält. Johann von Buch, der Glossator des Sachsen- 
spiegels, einer der ersten norddeutschen Laien, die in Italien 
studirten, wird mehreremale als secretarius bezeichnet. Von 
seiner Wirksamkeit in der Schreibstube finden sich indess keine 
Spuren. Das Hauptfeld seiner amtlichen Thätigkeit lag in den 
Berufen eines Hofrichters und Hauptmanns der Altmark. Immer- 
hin bleibt es aber bemerkenswerth, dass auch dieser auf vielen 
Gebieten bewährte Mann seinen Weg durch die Kanzlei ge- 
macht hat. 1350 wird in einer auf Veranlassung des Lebuser 
Bischofs gegen Markgraf Ludwig den Römer und dessen An- 
hänger erlassenen Bannbulle ein Wilhelm von Rochow als mark- 
gräflicher Sekretär aufgeführt.*) Der Mann kommt sonst nir- 
gends vor; es liegt nahe, an ein Mitglied der bekannten bran- 

') Riedel B. II 302. 



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8 Dr. Felix Priebatsch: 

denbiirgischen Adelsfarailie zu denken. Da ihm das Prädikat 
dominus, das den Geistlichen in dieser Bannbulle nicht vorent- 
halten wird, fehlt, darf man ihn als Laien ansehen. Der 1368 
als Kanzler Markgraf Ottos genannte Conrad CurapleiusO ist 
wegen des Titels „ersaraer" mit ziemlicher Sicherheit unter die 
Laien bürgerlichen Standes zu rechnen. 

Die starke Verwendung laiischer Schreiber kann bei dem 
gebannten und von der Kirche so hart verfolgten, sich mit ihr 
in heftigen principiellen Streitigkeiten messenden Herrscherhause 
nicht allzu sehr auffallen. 

Während der kurzen Episode des falschen Waidemars, des 
von Karl IV. begünstigten Rivalen Ludwig des Römers, stellen 
sich mehrere Leute ungefähr gleichzeitig als markgräfliche 
Schreiber oder Kanzler ein, ein Anhaltinischer Propst Dietrich 
von Koswig, ein Herr Nicol. Plonitz, ein Herr Beless u. A. Es 
sind dies ohne Zweifel Beamte derjenigen Fürsten, die dem 
Prätendenten ihre Macht liehen; sie treten natürlich nach dem 
Verschwinden Waidemars nicht mehr in märkischen Sachen 
hervor. 

In der zweiten Hälfte der Regierung Ludwigs des Römers 
wirkt als oberster Schreiber oder Protonotar Dietrich Mörner, 
erst Dechant zu Soldin, später Propst zu Bernau. Er ist der 
ständige Begleiter der Markgrafen und erscheint nach der Man- 
nigfaltigkeit seiner Geschäfte, nach der Fülle der Beweise fürst- 
lichen Vertrauens und fürstlicher Anerkennung als ein leitender 
Staatsmann, als der Mittelpunkt der Verwaltung, als ein Kanzler, 
wie ihn die alten Kaiser besessen hatten. Neben ihm wird noch 
ein andrer Spross einer bekannten neumärkischen Adelsfarailie, 
ein Elsholtz als Sekretär erwähnt ; ihm werden Gesandtschaften 
bis nach Frankreich aufgetragen. 

Wie die Stellung des Leiters der Kanzlei wuchs auch 
die Bedeutung der Kanzlei innerhalb der gesammten Verwaltung 
angesichts der vielgestaltigen weitreichenden Beziehungen der 
Witteisbacher, angesichts der Nothwendigkeit, namentlich in 
den verwickelten kirchlichen Händeln Streitschriften und Wider- 
legungen ausgehen zu lassen, die Vertheidigung der herrschaft- 
lichen Politik vor der Welt zu führen. Es wurde jetzt noth- 
wendig, alles Material beisammen zu halten; da die Wittels- 

Riedel B. II 493. 



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Die brandenburgisohe Kanzlei im Mittelalter. 9 

bacher in der Mark nur auf wenige zuverlässige Anhänger 
zählen konnten, rausste ihnen viel daran gelegen sein, über 
alle Verhältnisse im Lande sichere Kunde zu bekommen und 
eine untrügliche Uebersicht zu gewinnen. Dies führte zur An- 
lage von Copialbüchern und Registern. 

Die Register führung war im Reiche erst durch den 
Vater der Markgrafen, Kaiser Ludwig, geregelt und dauernd 
aufrecht erhalten worden. Bei der engen Verbindung zwischen 
dem Kaiser und seinen Söhnen, bei der Verwendung bayerischer 
Beamten im märkischen Dienste versteht sich die Uebernahme 
dieses neuen Brauchs in der Mark fast von selbst. Die Register- 
führung wurde namentHch unter Ludwig dem Römer sehr ge- 
nau gehandhabt; für die einzelnen Landschaften wurden ge- 
sonderte Register geführt. Die Eintragung erfolgte nach Ge- 
nehmigung des Concepts, das Datum, unter dem die Urkunde 
ausging, wurde nachgetragen. Unter Ludwig dem Aelteren 
wurde die erste märkische Landesaufnahme durch den Kanzler 
vorgenommen und wenigstens für die Neumark abgeschlossen. 
Neben dieser ordnenden und sichtenden Thätigkeit, neben der 
Heranziehung der Laienbildung kennzeichnet die wittelsbachische 
Zeit ein dritter grosser Portschritt, die Aufnahme der deut- 
schen Sprache. Sie bricht sich hier — früher als im übrigen 
Nordosten — völlig Bahn in wenigen Jahrzehnten. Das Latei- 
nische wird nur für die rein kirchlichen Dokumente, für den 
Verkehr mit dem Auslande und für feierliche Staats vertrage 
aufgespart. 

Die allmähliche Reception der deutschen Sprache *) bewirkte 
natürlich ein weiteres Zurücktreten des mittelalterUchen Ur- 
kundenformalismus. In der Muttersprache Hess sich die strenge 
Gliederung der Urkunde nicht aufrecht erhalten. Der Gedanke 
sprengte die Form. Neue Briefsteller entstanden indess erst 
nach und nach. Diejenigen Formeln, die man nicht zu entbehren 
wusste, Hess man lateinisch, z. B. Adresse, Datum, Gruss; 
andere übersetzte man, verkürzte sie jedoch, bis wenig mehr 
von dem üblichen Schema übrig blieb. Die Corroboratio wird oft 
zu einem blossen „zu urkund", die Salutatio zu einem „unsern 
Gruss zuvor"; die Arenga fällt meist ganz weg. Die Kanzlei- 

*) Vgl. die Preisschrift von Vanesa in den Sehr, der Jablonowskischen 
Gesellschaft. 



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10 Dr. Felix Priebatsoh: 

vermerke werden, und zwar in deutschen wie in lateinischen 
Urkunden dieser Zeit besonders stiefmütterlich behandelt. Die 
Namen der Kanzleibearaten erfahren wir nur aus den Zeugen- 
reihen, in denen sie meist am Ende stehen, oder aus ihnen direkt 
ertheilten Bewilligungen. Angaben über den Recognoscenten 
finden sich nur ein einziges Mal, wo ein nur dieses eine Mal als 
Schreiber auftretender fremder Kleriker seinen Namen unter 
der Urkunde angibt. Sorgfalt wird nur auf das Datum ver- 
wandt und hierbei der Unterschied zwischen Handlung und 
Ausfertigung streng gewahrt. Aber die Rechnung nach Indic- 
tionscyklen, nach Papstjahren scheint zu umständlich und findet 
sich nur in Notariatsdokumenten, die ebenso wie ein Teil der 
städtischen schriftlichen Arbeiten lateinisch bleiben. Die Titu- 
latur der an Titeln und Würden sehr reichen bayerischen Mark- 
grafen wird selten in voller Ausführlichkeit wiedergegeben, 
z. B. der lausitzische Markgrafen-, ja selbst der bayerische 
Herzogstitel öfters weggelassen. 

Karl IV., der die Witteisbacher aus der Mark verdrängt, 
lässt in den verschiedenen Ländern, die seinem Szepter ge- 
horchen, gesonderte Kanzleien bestehen, ohne jedoch damit eine 
strenge Trennung zu bezeichen und ohne darauf zu verzichten, 
durch die Ilauptkanzlei auch partikuläre Fälle erledigen zu 
lassen. In diese Hauptkanzlei nimmt er jedoch einige Märker 
auf, so den Prenzlauer Dietrich Damerow, von dessen literari- 
schen Interessen einige Proben vorliegen,*) den Lebuser Dom- 
herrn Peter u. A. In der Mark besteht aber, wie bereits an- 
gedeutet, noch eine besondere Kanzlei, deren Vorstand den 
böhmischen Titel Landschreiber erhält und die dem Hauptmann 
der Mark zur Verfügung steht, indess nur provinzielle Bedeutung 
besitzt. Mit der grossen Politik hat sie nichts zu thun, wohl 
aber wird ihr das erst jetzt geordnete und centralisirte Rech- 
nungswesen aufgebürdet. An den Landschreiber werden alle 
Steuern abgeführt; ohne ihn darf der Hauptmann keine Aus- 
gaben machen. Auch an der von Karl angeordneten und durch- 
geführten grossartigen Landesaufnahme wird die Kanzlei in aller- 
erster Linie betheiligt gewesen sein. Der von den Witteis- 
bachern eingeführte Brauch der Registerführung scheint eine 

M Näheres in einem in den Forsch, z. preu88.-brand. Gesch. XII 2 ver- 
öffentlichten Auf Satze des Verf. S. 19 f. 



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Die brandenburgische Kanzlei im Mittelalter. H 

Weile beibehalten worden zu sein; wenigstens ist später unter 
Wenzel von brandenburgischen Registern aus der Zeit Karls IV. 
die Rede;*) erhalten hat sich nichts mehr davon. 

Da ein grosser Theil der die Mark betreffenden Urkunden 
in der Prager Hauptkanzlei des Kaisers hergestellt wurde, 
weisen sie in ihrer Mehrzahl natürlich die Gepflogenheiten der 
kaiserlichen Kanzlei auf,*) über die wir die eingehende Unter- 
suchung Th. Lindners besitzen. Aber auch die in der märki- 
schen Kanzlei entstandenen zeigen eine starke Anpassung an 
die luxemburgischen Kanzleigebräuche. Karl hat ja in seiner 
energischen Art in den wenigen Jahren, >^ie er über die Mark 
regieren durfte, auch in das Schreib- und Urkundenwesen des 
Landes mächtig eingegriffen, z. B. das tief verfallene öffentliche 
Notariat zu reformiren versucht und durch Lehre und Vorbild 
den in seinen Stammlanden bereits durchgedrungenen Regeln 
Eingang verschafft. Im Gegensatze zu der wittelsbachischen 
Zeit wird jetzt der Name desjenigen, der den Beurkundungs- 
befehl ertheilt, ebenso der Name dessen, der die Ausführung 
überwacht, angegeben; es geschieht dies mit der Formel ad 
mandatum oder de mandato domini, z. B. capitanei, Ortwinus. 

In den Ordnungen, die Karl IV. hatte schaffen wollen, war 
der Mark eine wichtige Rolle, aber nur geringe Selbstständig- 
keit zugedacht. In ihren kirchlichen und politischen Beziehungen 
sollte sie fest mit Böhmen verbunden sein. Unter seinen un- 
einigen Söhnen hat sich aber gerade die Mark ganz besonders 
mit partikularistischer, centrifugaler Gesinnung erfüllt. Der 
Landschreiber, der ein Organ des Gesammthauses , dessen Ver- 
treter auf diesem entlegenen Aussenposten hatte sein sollen, 
wird allmählich zu einem Vertrauensmanne des Landes der 
Herrschaft gegenüber. Da in dem fast vierzigjährigen Zeit- 
räume des luxemburgischen Regiments nur zwei Leute den 
Posten bekleideten, beide, die Berliner Pröpste Ortwin und 
Johann von Waldow, hervorragende Männer waren, wurde das 
der natürliche Weg. Im Wesentlichen sich selbst überlassen, 
nur gelegentlich von den fernen Markgrafen gestört, unter 



') Monum. Zollerana VII 405. 

*) Interessant ist. dass Karl sich in einer für einen märkischen Herrn 
ausgestellten Urkunde des Siegels weiland Kaiser Heinrichs VII. bedient. 
Lindner 51, vgl. auch 60, 65. 



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12 Dr. Felix Priebatsch: 

rasch wechselnden Hauptleuten, mussten die Landschreiber als 
die einzigen ständigen Beamten oder BevoUmächtigten der 
Centralverwaltung die Leitung der Geschäfte im Lande über- 
nehmen. Sie allein können es wagen, gelegentlich der herein- 
brechenden Anarchie zu steuern, sie berufen die Landtage, 
stiften Landfriedenseinungen, bemühen sich, Fehden auszu- 
gleichen, die Forderungen der entfernten Landesfürsten nach 
Möglichkeit abzuwenden und sind unter den zwiespältigen 
Märkern die einzigen, die das Gesammtwohl des Landes zu ver- 
treten suchen. Viel Erfolg ward ihnen nicht zu Theil; aber 
das Land blickt auf zu ihnen; sie vereinigen selbst unter so 
zerfahrenen Verhältnissen, wie sie damals in der Mark herrschten, 
eine so bedeutende Macht, dass sich die Nachfolger der Luxem- 
burger, die HohenzoUern, bei ihrem Erscheinen in der Mark be- 
eilten, diese der Fürstengewalt möglicher Weise gefährliche 
Institution, so bald sie konnten, aufzuheben. Gegen die Persön- 
lichkeit des derzeitigen Landschreibers Job. v. Waldow hatte 
Burggraf Friedrich L von Nürnberg, der erste HohenzoUer, 
wahrscheinhch nichts zu erinnern; er setzte sogar später seine 
Erhebung auf den Lebuser Bischofssitz durch. 

Unter Friedrich rückt aber die Kanzlei wieder in eine 
durchaus dienende Stellung. Statt eines Prälaten, wie bisher, 
ernennt der neue Landesherr einen adeligen Laien, Oertel 
von Zehmen, aus einer meissnischen. aber auch bereits im 
Ordenslande heimisch gewordenen Familie. Zehmen wurde 
später Küchenmeister und dann Hofrichter der Altmark. 

Neben ihm stehen allerdings zwei Kleriker, von denen der 
eine, Johann Sommer, 1426 an Stelle Zehmens die Leitung der 
Geschäfte übernimmt, ziemlich rasch aber wiederum von einem 
adeligen Laien und zwar einem Märker, Heinz Kracht, ab- 
gelöst wurde. 

Friedrich L, der die Tüchtigkeit hervorragender Laien in 
Kanzleisachen an dem Beispiele des Kaspar Schlick am Kaiser- 
hofe kennen gelernt hatte, zeigte eine ausgesprochene Vorliebe 
für die Anstellung nichtgeistlicher Schreiber. Er sprang z. B. 
in Frankfurt a. 0. dem von der niederen Bürgerschaft ange- 
griffenen Stadtrathe bei, als dieser einen Laien zum Stadt- 
schreiber ernennen wollte und setzte die Duldung des von der 
erregten Menge Bekämpften durch,^) 

*) Priebatsch, Die HohenzoUern und die Städte der Mark S. 67. 



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Die brandenburgisobe Kanzlei im Mittelalter. 13 

Sein Sohn Friedrich II. berief nach dem Rücktritte Krachts 
1445 wieder einen Geistlichen, aber einen wirklichen Rechts- 
gelehrten, den ersten promovirten märkischen Kanzler. Die 
schwierigen Verhandlungen, die er dazumal mit der Curie zu 
führen hatte, seine nicht leichte Stellung gegenüber dem Basler 
Concil, dem Reformeifer der Mitkurfürsten, bei seiner eigenen 
Hinneigung zu Eugen IV., machten jedenfalls die Besetzung 
des Kanzleramtes mit einem in geistlichen Dingen wohl er- 
fahrenen Juristen nothwendig. Ernannt wurde Dr. jur. utr. 
Friedrich Sesselmann, ein Franke aus Herzogenaurach, Spröss- 
ling einer Familie, die den fränkischen Hohenzollern schon eine 
Reihe tüchtiger Beamten geschenkt hatte und auch weiterhin 
schenken sollte. 

Friedrichs U. Brüder, Albrecht Achill und Johann der 
Alcbymist, die die süddeutschen Besitzungen des Hauses er- 
halten hatten, blieben der Praxis, das Laienelement zu bevor- 
zugen, treu. Die namhaftesten ihrer Kanzler, Absberg und 
Volker, der Protonotar Spet u. A. waren Laien. Auch der Proto- 
nötar Howeck in der Mark war ein Laie. 

Mit dem Titel Protonotar wurde jetzt in der Mark der 
eigentliche Vorstand der Kanzlei bezeichnet, der für ihren ge- 
ordneten Betrieb verantworlliche Beamte. Die Stellung des 
Kanzlers wuchs sich aus zu der eines leitenden Ministers. Das 
war eine Wirkung der bedeutenden Persönlichkeit des der- 
zeitigen Inhabers dieser Würde. 

Dr. Friedrich Sesselmann hatte in Erfurt und Bologna 
studiert, war Doktor des kanonischen und des kaiserlichen Rechts 
geworden und wurde nun durch seinen neuen Herrn, dem er 
sich unentbehrlich zu machen wusste, zum Oechanten und 
schliesslich mit seiner Unterstützung zum Bischöfe von Lebus 
emporgehoben. Er blieb fast 40 Jahre der nächste Rathgober 
Friedrichs und seiner Nachfolger. Er ist der vornehmste Kanzlei- 
beamte, den die Mark je besessen hat und sicher der einfluss- 
reichste. In den eigentlichen Geschäften der Kanzlei tritt er, 
wie bereits angedeutet, nur bei besonders feierlichen Gelegen- 
heiten oder als Siegelbewahrer hervor. Im Uebrigen aber ist 
er leitender Minister. Zeitweilig wird er unter Friedrichs Nach- 
folger Albrecht Achill sogar neben dem jungen Markgrafen Johann 
statt des fernen Herrschers Regent des Landes. Den Pflichten- 



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14 I>r. Felix Priebatsch: 

kreis, den er zu erfüllen hatte, könnte man etwa folgender- 
massen umschreiben. Er ist zunächst der Syndicus des Fürsten, 
der Reohtsbeistand, der Standesbeamte des fürstlichen Hauses, 
er hat ferner in wichtigen Angelegenheiten Staatsschriften zur 
Vertheidigung der landesherrlichen Politik auszuarbeiten. Er 
führt alle auswärtigen Verhandlungen, rauss die Botschaften 
überwachen, fremde Gesandte empfangen, mitunter auch selbst 
Botschaften übernehmen oder seinen Fürsten auf Tagfahrten be- 
gleiten, auf denen er sein Worthalter ist. 

Als Bischof einer der vornehmsten Landstände, ist er der 
gegebene Landtagskommissar für alle Verhandlungen mit den 
Ständen. Er muss den zahlreichen gerichtlichen Austrägal- 
kommissionen bei Streitigkeiten präsidiren, durch die die Mark- 
grafen die verfallene landesherrliche Justiz wieder emporbringen 
und die Unterthanen wieder an den Rechtszug an den Fürsten 
gewöhnen wollen. Er ist der Vorsitzende des sich bildenden 
Kammergerichts. Unter Joachim L steht im Diensteide des 
Kanzlers die Verpflichtung, den Parteien nach seinem Verstände 
zum Rechte zu verhelfen. 

Bei den hohen geistUchen Würden Sesselmanns ist seine 
Stellung als geistlicher Vertrauensmann d^r fürstlichen Familie 
selbstverständhch ; er muss z. B. auch seine geistlichen Macht- 
mittel in den Dienst der geistlichen Reformpläne des frommen 
Friedrich stellen. 

Der Kanzler hatte die Amtsführung aller kurfürstlichen 
Diener wenigstens nach der finanziellen Seite hin zu kontroliren 
und die eingehenden Rechnungen zu prüfen. Vor Allem ist 
der gesammte Haushalt der markgräflichen Familie, der seit der 
Mitte des Jahrhunderts nicht mehr einem Küchenmeister in 
Regie übergeben wird, seiner Prüfung unterworfen,^) und diese 
erstreckt sich nicht nur auf die Ausgaben, sondern auch auf 
die Beaufsichtigung des Inventars der Schlösser, auf die Ver- 
wendung der Vorräthe, auf die Thätigkeit und Beköstigung 
der Hofbeamten. Bei grossen Festlichkeiten der Markgrafen 
liegt ihm die Beschafl*ung alles Nöthigen ob. Es hat etwas 
Sonderbares, wenn man sehen muss,^) wie sich ein gelehrter 
hoher kirchlicher Würdenträger wie Sesselmann vor der Hoch- 

*) Vgl. Publicationen aus den kgl. Preuss. Staatsarchiven. Bd. 67. 564 f. 
*) ebenda S. 181. 



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Die brandenburgisohe Kanzlei im Mittelalter. 16 

zeit eines Prinzen um das Bettzeug, den Wein, die Turnier- 
geräthe kümmern muss und zugleich als die natürliche Autorität 
in allen Fragen des Ceremoniells gilt. Der Kanzler hat das 
Archiv zu überwachen, dessen Bestände immer mehr anwachsen 
und nicht mehr an einem Orte untergebracht werden können. 
Er trägt die Verantwortung für die Erledigung der Briefschaften, 
obwohl er vermuthlich selten in der eigenthchen Schreibstube 
geweilt haben wird; er nimmt neue Schreiber an und entlässt 
sie. Er ist der Vorgesetzte der immer zahlreicher werdenden 
gelehrten Räthe des Landesherrn, die, ohne zu der Kanzlei zu 
gehören, in Diplomatie, Rechtsprechung und Finanzsachen eine 
immer grössere Verwendung finden. Kurz, er hat Pflichten so 
mannigfacher Natur, wie^sie in ähnlichem Umfange, aber freilich 
bei Geschäften ganz anderer Art, etwa der an einigen süd- 
deutschen Höfen vorkommende Landhofraeister zu bewältigen hat. 

Auch Sesselmanns Nachfolger Dr. Siegmund Zerer/) wieder 
ein fränkischer Rechtsgelehrter, jedoch ein Laie, hat ausser den 
eigentüch geistlichen, ziemlich dieselben Obliegenheiten wie sein 
Vorgänger. Dessen Ansehen, das sich auf die hohen kirch- 
Hchen Pfründen gründete, konnte er trotz des Vertrauens seiner 
Gebieter nicht erringen. 

Das 16. Jahrhundert hindurch bleibt der Kanzler der erste 
der gelehrten Beamten des Fürsten, der einflussreichste Mann 
und die thatsächliche Spitze der Centralverwaltung. Man 
braucht blos an die Namen der märkischen Kanzler dieser Zeit 
zu erinnern, Breitenbach, Kettwig, Weinlöben, Distelmeyer, um 
dies bestätigt zu finden. 

Die Kanzlei als solche nimmt nur in gewissem Sinne an der 
bedeutenden Stellung ihres Chefs Theil. Wohl wird die Mehr- 
zahl ihrer Beamten in derselben Weise wie der Kanzler, zu 
dessen Unterstützung in denselben Geschäften wie dieser ver- 
wendet; aber man kann die Kanzlei als Behörde doch nur cum 
grano salis als den Kern des Staatsraths, den Vorläufer des 
Kammergerichts, den Rechnungshof des Landes bezeichnen. 
Die Unterschiede der Herkunft, der Bildung, der Beschäftigung 
beginnen die Kanzlei zu theilen. Die blossen Schreiber trennen 
sich von den Gelehrten, den Fachmännern. Aber unleugbar 



*) Vgl. über ihn den Artikel in der Allg. deutsch. Biographie. 



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16 Dr. Felix Priebatsch: 

wächst ihre Bedeutung auf ihrem eigentlichsten Gebiete bei der 
ungeheuren Vermehrung des Schreibwerks. Sie ist in Wahrheit 
die Schlagader des Staatsorganismus; sie bietet den empor- 
strebenden Talenten Gelegenheit, ihr Fortkommen zu finden; 
sie greift in alle Verhältnisse im Lande ein. Fast jeder Unter- 
than kommt doch wenigstens einmal im Leben in die Noth- 
wendigkeit, sie um eine Bestätigung, ein Zeugniss anzugehen. 
Sie beginnt grosse Erträge abzuwerfen, auf die die Fürsten 
lüstern werden und die sie den Schreibern zu entziehen suchen. 
Weiter unten wird das näher auszuführen sein. Der Verkehr 
in und mit der Kanzlei wird geregelt, sie nimmt immer festere 
Formen an. Es liegt bereits genügendes Material vor, um ihren 
Geschäftsgang, das Getriebe in ihr genau verfolgen zu können.^) 
Mit der Vermehrung des Schreibwerks wuchs die Zahl der Be- 
amten. Seit 1482 gibt es vorübergehend einen ernannten Unter- 
kanzler, ^j seit Joachim I. einen ständigen Vicekanzler. Wenn 
sonst der oberste Schreiber als Kanzler bezeichnet wird, wie 
dies schon betreffs Howecks erwähnt wurde, ist dieser Titel 
missbräuchlich in Anwendung gekommen. Hinsichtlich des 
sonstigen Kanzleipersonals gelangt man leicht zu Fehlschlüssen, 
da fränkische Beamte namentlich in den Zeiten, in denen Franken 
und die Mark vereinigt einem Fürsten gelierten, fortwährend 
zur Aushilfe und oftmals bei den wichtigsten Geschäften heran- 
gezogen wurden. In der fränkischen Kanzlei der HohenzoUern 
amtirten ausser dem Kanzler und dem Protonotar, deren Stellen 
übrigens nicht immer förmlich besetzt waren, 2 — 3 Secretäre. 
Sie haben besonders viel mit Rechnungssachen zu thun und den 
Rentmeister zu controlliren. Unter ihnen stehen mehrere Kanzel- 
und für das Rechnungswesen Kammerschreiber, die die eigent- 
Hche Schreibarbeit besorgen, allmählich aber, wenn sie Befähi- 
gung zeigten, zum Range der Secretäre aufsteigen. Daneben 
fehlt es nicht an gelegentlich verwendeten Aushilfskräften, an 
geschworenen Boten und Dienerpersonal. Einer der fränkischen 
Protonotare hielt sich einen Privatschreiber, der, weil er in der 
Kanzlei ein- und ausging, auch für die Markgrafen vereidigt 

*) Für das Folgende sind die Arbeit Lewinskis und die bekannten 
Arbeiten F. Wagners aus dieser Zeitschrift überall, wo nicht anderes an- 
gegeben wird, zu vergleichen. 

«} Publ. 1. c. Bd. 71, 228. 



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Die brandenburgische Kanzlei im Mittelalter. 17 

wurde. Die märkische Kanzlei zeigt eine ähnliche Gliederung; 
nur ist ihr Personalbestand geringer. Als Kanzleiknecht wird 
einmal ein Mitglied einer ehedem angesehenen, aber 1448 bei 
der Erhebung der Stadt gegen den Kurfürsten ruinirten Berliner 
Familie erwähnt. Unter den eigentlichen Schreibern sind die 
Söhne der niederen Hofbeamten , der Thorwarte, Köche u. s. w. 
sehr stark vertreten. Die höheren Stellen werden durch Be- 
rufung auf Grund v.on Empfehlungen mit Pranken, aber auch 
andern Ausländern besetzt. Infolge des oft hervortretenden Vor- 
urtheils der Markgrafen gegen ihre brandenburgischen Unter- 
thanen finden diese, wenn sie nicht als Adlige Berücksichtigung 
erheischen, selten Verwendung. Albrecht Achilles traut z. B. 
dem Stilgefühle der Märker wenig zu und spricht den zahlreich 
im Lande vorhandenen Doctoren in Bausch und Bogen die 
Fähigkeit ab, einen geeigneten Brief an einen gebildeten Car- 
dinal zu schreiben.^) 

Nach der Genehmigung der Ausstellung einer Urkunde wird 
im kurfürsthchen Rathe zur Weiterbeförderung des Beurkundungs- 
befehls ein Relator ernannt und gleichzeitig einem aus der 
Schreibstube die Abfassung des Conceptes aufgetragen. Ein 
solcher Entwurf wird in allen irgendwie wichtigen Fällen selbst 
dann angefertigt, wenn Formelbücher oder Vorurkunden eine 
sofortige Reinschrift gestattet hätten. Dies Concept, das zunächst 
nur den Context und einen Theil des Protokolls, aber die 
namentliche Angabe des betreffenden Relators enthält, wird ge- 
prüft, in sehr vielen Fällen dem Landesherrn direct vorgelegt. 
Wenn dieser seine Zustimmung ertheilt, und der Vermerk dominus 
per se oder dominus in consilio etc. hinzugefügt ist, wird dem 
Concepte Datum, Siegelankündigurtg und Intitulatio hinzugefügt, 
und die Mundirung vorgenommen. Die Reinschrift wird vom 
Protonotar oder vom Kanzler mit dem Concepte verglichen und 
bei wichtigeren Stücken dem Fürsten nochmals gezeigt, der 
sein vidit et examinavit hinzufügen lässt. Jetzt erst erfolgt der 
Vollziehungsbefehl, die Besiegelung und die Aushändigung. Der 
Kanzler muss in seinem Diensteide schwören , nichts ohne Willen 
des Herrschers ausgehen zu lassen. Die Concepte wurden zu- 
nächst nicht vernichtet und nach ihnen , so oft es die Zeit er- 
laubte, früher oder später, Eintragungen in die Registerbücher 

') Publ. 1. 0. Bd. 59, 389. 
ArohiTAlische Zeitoohrüt. Neue Folge IX. 2 



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18 Dr. Felix Priebatsoh: 

gemacht. Die Concepte wurden zu diesem Zwecke gleich An- 
fangs mit dem Vermerke registretur versehen, und bisweilen 
ein registratum est hinzugefügt. Mitunter erfolgte die Registrir- 
ung auch bereits vor Fertigstellung der Reinschrift. Diese ent- 
hält niemals eine Notiz über die vorgenommenen Eintragungen. 

Verleihungen etc.,* über die der Empfänger keine besondere 
Urkunde wünschte, wurden in der Kanzlei gemeldet und dort 
gebucht. 

Die Aufbewahrung der Urkunden und Briefschaften blieb 
ebenfalls Sache der Kanzlei. Ein gesondertes Archivwesen 
hatte sich noch nicht entwickeln können. Doch besass die 
Kanzlei selbst nicht genügend Raum, bot auch wohl nicht aus- 
reichende Sicherheit, als dass man ihr alle die werth vollen 
Stücke dauernd hätte überlassen können. Man behielt daher 
Jahrhunderte lang die Sitte bei, den Schatz von Urkunden 
einem befreundeten Kloster, bisweilen auch einem Stadtmagi- 
strate anzuvertrauen, und wo man einmal davon abging, wie 
unter Friedrich IL, wo in dem kurfürstlichen Residenzschlosse die 
Urkunden untergebracht wurden, aber bei dem ßürgeraufstande 
von 1448 der Vernichtung anheimfielen, belehrten diese Erfahr- 
ungen den Kurfürsten, dass eine Aufbewahrung an geschütztem 
und sacrosanctem Orte vorzuziehen sei. Und in der That wur- 
den seitdem die wichtigsten Archivalien in der Sakristei des 
Berliner grauen Klosters, im Kloster zu Köln an der Spree oder 
im neugegründeten Berliner Schlossstifte niedergelegt. Andere 
wurden nach Tangermünde an das dortige Marienstift überge- 
führt ; unter Friedrich I. und dem II. lag dort sogar die Haupt- 
masse der Dokumente. Als Kurfürst Friedrich II. 1447 mit 
seinem jüngeren Bruder Friedrich dem Feisten die Mark theilen 
musste, wurde ausgemacht, dass die wichtigsten Urkunden, die 
beide Landeshälften gemeinsam angingen, in Brandenburg auf 
das Domstift gebracht werden und zu beider Fürsten Nutzen 
verwahrt werden sollten. Dort bUeben sie auch nach des 
jüngeren Friedrich Tode. Bei dem Rücktritt Friedrichs IL Hess 
Albrecht eine Revision der Brandenburger Archivbestände vor- 
nehmen, und aus dem jüngst veröffentHchten ^) Berichte dieser 
Beamten ist ein ziemlich sicheres Bild von der Art der Aufbe- 
wahrung der Archivalien zu gewinnen. Die Urkunden lagen 

>) Bei Lewinski 1. c. 161 flf. 



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Die brandenburgische Kanzlei im Mittelalter. 19 

in aufeinandergethürmten Schachteln und Dosen, die aussen mit 
einem Buchstaben des grossen Alphabets signirt und nuramerirt 
waren. Die einzelnen Stücke trugen als Signatur einen kleinen 
Buchstaben an der Pressel. In einem Archivrepertorium , auf 
das oft zurückgegriffen wird, sind die Bestände mit Angabe 
dieser Zeichen vermerkt. Einzelne Kästen , die gleichartiges, 
in Menge vorhandenes Material enthielten, wurden einfach als 
die Krossnische, die Pommersche, die Sächsische Lade be- 
zeichnet. 

Infolge der Personalunion, in der die Mark lange Zeit mit 
Bayern, Böhmen, Franken stand, wurden viele brandenburgische 
Urkunden in diese Länder verschleppt, und trotz der Jahrhun- 
derte lang wiederholten Versuche der späteren Markgrafen, die 
verlorenen Stücke wieder zusammenzubringen, bewahrten die 
Archive der Plassenb urg, des Karlsteins, des Münchner und des 
Landshuter Schlosses werthvolle märkische Dokumente. Kurfürst 
Albrecht betrieb mit besonderem Eifer die Rückgabe solcher 
entfremdeten Stücke,^) hatte aber nur mit wenigen Urkunden, 
die er genau zu bezeichnen vermochte, Erfolg. In der von ihm 
verfügten dispositio Achillea untersagte er die Wegführung 
märkischer Urkunden nach Pranken. Sein Vater Friedrich I. 
hatte bereits 1437 das Verbleiben der märkischen Archivalien 
in Tangermünde gewünscht; die Linien in Franken sollten auf 
Verlangen Abschriften bekommen können. 

Durch die Saumseligkeit einzelner Beamten sind übrigens 
ebenfalls eine Menge von Schriftstücken verloren worden. Es 
ist von Urkunden die Rede, die man im Schlafzimmer einer 
Markgräfin gefunden, und ein kurfürstlicher Rath berichtet auf 
eine Anfrage ganz naiv, die gewünschten Dokumente würden 
sich vermuthlich in seiner Kammer unter seinem Bette Vorfinden.^) 
Indessen die Kanzlei hatte es nur verhältnissmässig selten 
nöthig, auf die Originale zurückzugehen. Sie besass, wie bereits 
erwähnt. Registerbände und Copialbücher über alle Ein- und 
Ausgänge und hatte an diesen Ausweisen genügendes Material 
zur Orientirung. 

Die Registratoren schrieben zumeist auf einzelne Lagen 
Papier, die erst später in feste Bücher zusammengebunden wur- 

») Publ. Bd. 59, 100 f., 254 f., 258 f. 
«) ebenda 265. 

2* 



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20 br. Felix Priebatsch: 

den. Vor Allem verdient die Art Bewunderung, wie die fleis- 
sigen Kanzleibeamten ihren Stoff immer wieder durcharbeiteten, 
nach neuen Gesichtspunkten ordneten, Bücher auf Bücher über 
die Pommersche, die Glogauer Frage, über die sächsischen Be- 
ziehungen, über die Reichspolitik, anlegten, historische oder das 
Ceremoniell betreffende Notizen hinein verflochten, die ange- 
fertigten Copialbücher wieder durch Prachthandschriften ersetz- 
ten, Inventare hierzu zusammenstellten und alles thaten, was 
einer bequemen und raschen Benutzung, der Gewinnung einer 
ausreichenden Uebersicht über alles einschlagende Material för- 
derlich sein konnte. 

Diese Bücher enthielten im wesentlichen die Ausgänge der 
Kanzlei, oft aber auch Abschriften der einlaufenden Schreiben. 
Es war Sitte, jedem anlangenden Schriftstücke einen kurzen 
Präsentationsvermerk mit Angabe des Absenders und oft auch 
des Hauptinhalts beizufügen. In dieser Form gelangten dann 
die Briefe oft in die Copialbücher. Mit welcher Gewissenhaf- 
tigkeit und welchem Eifer die erwähnten Bücher geführt wur- 
den, zeigen auch die so oft nachträglich angebrachten Hinweise 
über gleichartige Notizen, die Eintragungen über Kassirungen 
und Widerruf von Urkunden u. s. w. 

Es gehörte übrigens auch zu den Pflichten der Kanzlei, 
eine Art von Geschäftskalender über noch zu erledigende 
Sachen, über zu besuchende Verhandlungstage u. s. w. zu 
führen*) und bei später einmal vorzunehmenden Verleihungen 
alle etwa in Frage kommenden Ansprüche im voraus zu ver- 
merken.^) 

Diese geschilderte Thätigkeit gibt ein schönes Bild von 
der Berufsfreudigkeit dieser Beamten. Von den materiellen 
Grundlagen ihrer Stellung, von ihren Besoldungsverhältnissen 
ist wenig überliefert. Die Geistlichen in der Kanzlei wurden 
auf Pfründen vertröstet und wussten sich, da sie ja an der 
Quelle Sassen, die Erfüllung der Versprechungen zu sichern. 
Dem Sekretär Gorlin, der Thesaurar am Kölner Domstifte wurde, 
ward wegen seiner Beschäftigung in der Kanzlei die Entbindung 
von der allen Stiftspräbendaren vorgeschriebenen und sonst 



>) Publ. 67, 319 f. 
«) ebenda 71, 129. 



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Die brandenburgische Kanzlei im Mittelalter. 21 

von dem frommen Kurfürsten Friedrich IL streng geforderten 
Residenzpflicht ausgewirkt. 

V Im brandenburgischen Pranken erhält die Kanzlei auf der 
Plassenburg um 1500 25 fl. und ein Fuder Wein; sie klagt, 
vor 20 bis 25 Jahren habe sie 20 fl., aber jeder einzelne noch 
Naturalien an Wein und Korn bekommen. Wichtiger als das 
Gehalt waren in der Regel die Sportein und Gebühren, die sich 
nicht nachrechnen Hessen und zwar schwankende, aber nicht 
geringe Einkünfte abwerfen raussten. Eine feste Gebührenordnung 
existirte nicht. Eine Klage über ungerechte Vertheilung der Ge- 
fälle durch den Kanzleivorstand wird einmal in Franken erhoben.') 
Diese Nebeneinnahmen bestanden mehr in kleinen Trinkgeldern 
und Ehrungen für rasche Expedition, als in pflichtmässigen 
Abgaben des Urkunden verlangenden Publikums. Auch solche 
mussten indess für die Ausfertigung der Urkunden entrichtet 
werden, flössen jedoch nur zum Theil in die Taschen der Schreiber. 
In Franken , wo der Landschreiber am burggräflichen Gericht 
ursprünglich durch Sportein für jeden Brief, den er ausstellte, 
ein Einkommen von mehr als 500 fl. erzielte, wurde er seit der 
Mitte des 15. Jahrhunderts auf ein Fixum von 50 fl. gestellt; 
ausserdem wurden ihm nur noch die kleinen Gebühren für die 
Versiegelung gelassen.*) Albrecht Achill, der am kaiserlichen 
Hofe die hohen Erträge einer gut geleiteten Kanzlei kennen 
gelernt hatte, suchte mit Erfolg aus der Kanzlei eine wichtige 
Einnahmequelle für seinen eignen Säckel zu machen. Bei seinem 
Regierungsantritte in der Mark erhöhte er die Taxen für Urkunden 
jeder Art, und auch in Franken begegnete sein skrupelloses 
Vorgehen nach dieser Richtung hin mancher Anfeindung. Da 
er überdiess eine erhöhte Lehnwaare forderte, verzichteten 
viele auf einen neuen Lehnbrief und begnügten sich mit der 
Eintragung der Lehnserneuerung in die markgräflichen Register. 
Recherchen, die auf Wunsch von Privatleuten vorgenommen 
wurden, mussten ebenfalls vergütet werden. 

Die Boten wurden vereidigt; Reisen, die sie in gerichtlichen 
oder nicht ausschliesslich landesherrlichen Angelegenheiten 
machten, mussten von den betreffenden Privatleuten etc. ver- 

») Archiv. Ztsohr. X. 28. 

*) Vogel. Des Ritters Ludw. v. Eyb Aufzeichnung über das kaiserl. 
Landgericht S. 65. 



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22 I^r. Felix Priebatsch: 

gütefc werden; die Entfernung der Wege wurde der Kosten- 
berechnung zu Grunde gelegt. 

Die Ausstattung der Urkunden entspricht den Gepflogen- 
heiten der Zeit. Die strenge Rücksicht auf die Form hat sich 
namentlich bei den deutsch abgefassten Schriftstücken noch 
weiterhin vermindert, ohne doch ganz aufgegeben zu werden. 
Die HohenzoUern zeigen sehr viel Sinn für würdige und ange- 
messene Ausstattung ihrer Briefschaften und führen sogar Be- 
schwerde, wenn ihnen nicht ebenso erwidert wird. Ihre Ur- 
kunden und selbst ihre Briefe sind auf grossem Formate und 
zeigen viel Raumverschwendung. Kostspielige Herstellung der 
Urkunden wird indessen vermieden. Das Hängesiegel ist meist 
nur an einer Pressel befestigt; kostbare Siegel fehlen völlig. 
Farbiges Pergament oder bunte Tinte werden nicht verwendet. 

Die Diplome sind durchweg auf Pergament. Patente — 
um diese Eintheilung beizubehalten — sind nur in einigen 
wenigen Concepten von Geleitsbriefen bekannt, die allerdings 
auf Papier geschrieben sind. Zu den Briefen verwandte man 
nur Papier. 

Bei Diplomen wird, um der zu bezeugenden Handlung 
— denn nur auf diese beziehen sich die Zeugen jetzt — grössere 
Feierlichkeit beizulegen, eine Zeugenreihe hinzugefügt. Es ge- 
schieht das übrigens nur bei Urkunden, die mit Hängesiegeln 
versehen sind. Intervenienten werden bisweilen genannt, einmal 
sogar ein promotor causarum im Kanzleivermerke erwähnt. 

Eine Invocatio findet sich nur bei wenigen lateinischen, 
nie mehr bei deutschen Urkunden; die Arenga fällt ganz weg; 
die Salutatio findet sich nur in Briefen; die Promulgatio wird 
auf ein kurzes „bekennen und thun kund", die Corroboratio 
auf ein „zu urkund" oder eine blosse Ankündigung der Be- 
siegelung beschränkt. Die Datirung enthält nur Ort und Zeit- 
angabe, letztere nach dem Nätivitätsstil, ohne Angabe der 
Herrscherjahre oder sonstige chronologische Stützmittheilungen. 
Anspielungen auf den Cisiojanus fehlen in landesherrlichen 
Urkunden durchaus, während sie im städtischen Kanzleiwesen, 
z. B. dem Frankfurter, vorkommen.^) Abweichungen und Un- 
sicherheit in Bezug auf den Kalender selbst bei ganz bekannten 



») vgl. Publ. 1. c. Bd. 71. 520. 



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Die brandenburgische Kanzlei im Mittelalter. 23 

Terminen, wie z. B. Mittfasten, sind nicht selten.^) Die Kanzlei- 
vermerke, von denen oben die Rede war, finden sich auf der 
äusseren oder inneren Seite des Buges rechts unten. 

Briefe an Höherstehende haben die Intitulatio unter, an 
Gleichstehende oder Untergebene über dem Schreiben. Die 
Salutatio enthält meist nur die Worte „unsern Gruss zuvor", 
doch nicht, ohne dass in Briefen an Niedrigere der Gunst und 
Gnade, in Schreiben an Ebenbürtige der Freundschaft, an 
Höhere der Ergebenheit Ausdruck gegeben wird. Heissblütige 
Fürsten wie Markgraf Albrecht besinnen sich nicht lange, an 
Leute, denen sie feindlich gegenüberstehen, jede Titulatur und 
Grussformel zu unterdrücken oder wenigstens, wenn sie nicht 
allzusehr anstossen wollen, zu schreiben: „unsem Gruss, soweit 
es itzund zwischen uns steht.** Auf Titulaturen legen die Mark* 
grafen sehr hohen Werth. Es wird in einer ganzen Reihe von 
Copialbüchern die umfangreiche Liste der möglicher Weise ein- 
mal Anzuredenden aufgenommen und der jedem zukommende 
Titel vermerkt. Markgraf Albrecht rühmt sich bei verschiedenen 
Gelegenheiten, dass seine Kanzlei die richtigen Titel zu schreiben 
wisse und thut sich auf seine Kenntniss in solchen Fragen 
selbst da viel zu gute, wo seine haarspaltenden Unterscheid- 
ungen ihm nur Schaden bringen können.*) 

Eigenhändige Unterzeichnung der Briefe durch die Fürsten, 
wie sie seit Maximilian L in Deutschland häufig wird, findet 
sich ausser in fürstlichen Privatbriefen erst bei Joachim I. 

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts kommen gedruckte 
Patente auf. 

Ein Ohirographus, hier gewöhnlich „ausgeschnittener Zettel*' 
genannt, kommt nur bei provisorischen Abmachungen, vor Allem 
bei den oftmaligen kurzfristigen Waffenstillständen mit Pommern 
zur Anwendung. 

Die Sprache der Urkunden ist überwiegend deutsch. Sie 
ähnelt der für die Entwicklung der deutschen Schriftsprache 
so wichtig gewordenen Magdeburger Kanzleisprache. Nieder- 
deutsch wird nur im Verkehr mit den nördlichen Nachbarn und 
den Unterthanen in der Neumark oder Uckermark angewandt. 
Die zahlreichen fränkischen Schreiber übertragen manchen 

>) ebenda Bd. 67, 479. 

•) vgl. Publ. Bd. 67, 428 f. 



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24 I>r. Felix Priebatsch: 

heimischen Laut in diese fremde märkische Welt. Die lateinische 
Sprache findet sich nur noch in Notariatsdokumenten, sowie im 
Briefwechsel mit dem Papst und den Italienern, mit Burgund, 
Frankreich und Polen. Nach Ungarn, Dänemark und Böhmen 
wird fast stets deutsch geschrieben. Doch wird auf eine ele- 
gante lateinische Schreibweise sehr viel Werth gelegt, ein 
italienischer Humanist zur Unterweisung der Kanzleibeamten in 
der neuen Schreibart auf die Plassenburg berufen, und bei 
Briefen nach Italien keine Mühe und keine Verzögerung ge- 
scheut, um für die Abfassung einen eleganten Stilisten zu ge- 
winnen.*) 

Die Anwendung einer Geheimschrift für den intimeren 
diplomatischen Verkehr, wie sie z. B. Nürnberg in seiner Be- 
sorgniss vor den lauernden Markgrafen in höchst origineller 
Weise sich schuf, ist nicht bezeugt. Man half sich damit, ver- 
fängliche Schriftstücke durch unverdächtige Boten befördern zu 
lassen. Der Träger erhielt einen ausgehöhlten Wanderstab, in 
dessen Höhlung der Brief geschoben wurde.*) Namen wurden 
in solchen Oorrespondenzen umschrieben; statt Bayern z. B. 
„der grosse Vogel", statt anderer Namen „der Mann", „die 
grosse Stadt" u. s. w. gesetzt. Diese Umschreibungen sind 
freilich so plump, dass sie für Keinen ein Räthsel gebildet 
haben werden. Erst Joachim I. hat sich für eine wirkliche Ge- 
heimschrift interessirt und des Trithemius Versuche, ein für ihn 
geeignetes neues System zu erfinden, eine Zeitlang begünstigt.^) 

Das Papier wird auch die märkische Kanzlei wohl aus 
Nürnberg bezogen haben. Das Siegel wachs lieferte der Berliner 
Apotheker. Er hatte das ausschliessliche Recht hierzu; das 
Pfund musste er um 18 Groschen*) abgeben. Auch über die 
Preise von Tinte, Papier, Einbänden finden sich gelegentliche 
Notizen. 



Von den übrigen Kanzleien der Prälaten, Edelleute, Oom- 
munen ist wenig zu sagen. Ueber die Kanzleien der drei Bis- 
thümer existirt nicht viel Material; die weltliche Einflusssphäre 

vgl. Publ. Bd. 59, 389. - Forsch, z. brand.-pr. Gesch. XII 339 f. 
») Publ. Bd. 71, 428, 434. 
«) Archiv. Ztschr. XI 165. 
*) Riedel C. I 515 f. 



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Die brandenburgisohe Kanzlei im Mittelalter. 25 

der märkischen Bischöfe war klein, ihre geistliche zeigt keine 
besonderen Eigenthümlichkeiten. Das Schreibwerk der Herren 
und Edelleiite war unbedeutend und konnte bequem von dem 
Hauskaplan oder dem Dorfpfarrer besorgt werden. Laiische 
Schreiber, wie z. B. der eines Kotze, der mit rauben geht, sind 
selten (1411). Adelige finden sich bei den Biberstein, den 
Herren von Beeskow und Storkow und den Grafen von Lindow. 
Bei den letzteren zeichnete sich ausserdem jener Matth. Hentzeke 
aus, der mit einem der Grafen das Landbuch der Herrschaft 
Ruppin zusammenstellte. Privatsekretäre einzelner fürstlichen 
Beamten kommen natürlich auch mitunter vor. 

Wichtiger ist das Urkundenwesen der Städte. Dietrich 
Schäfer hat einmal die feine Beobachtung gemacht, dass die 
Städte des Colonisationsgebietes, weil ihre rechtliche Existenz 
sich auf ihre Privilegien gründete, Brief und Siegel in ganz 
anderer Weise hochhielten, als Staatswesen oder Corporationen, 
die in gesicherteren Machtverhältnissen lebten. Auch die Klöster 
stehen ihnen hierin bei Weitem nach. Mag man diese Er- 
scheinung daneben auch darauf zurückführen können, dass die 
Städte in Zeiten entstanden, in denen bereits der Urkunden- 
beweis allenthalben völlig durchgedrungen war und die Noth- 
wendigkeit der Beschaffung triftiger Dokumente Jedem ein- 
leuchten musste; die Thatsache, dass in den Städten für Ver- 
wahrung der Archivalien, für Anlage von Copialbüchern, für 
Abfassung von Merkzetteln gesorgt ward, steht fest und wird 
in der Mark nicht minder als im übrigen Nordosten belegt. 
Die Städte haben sogar ziemlich früh ganz neue Formen ge- 
funden, z. B. nach Erwerbung des Gerichts oder nach Gewinnung 
oder Usurpirung gerichtlicher Befugnisse in den Eintragungen 
in die Stadtbücher ein neues Beweismittel geschaffen; sie haben 
zeitig gelernt, sich das öffentliche Notariat nutzbar zu machen; 
sie haben, um den kommenden Geschlechtern das Urtheil auf 
Grund aller Präcedenzfälle zu erleichtern, der Aufzeichnung 
wichtiger Begebenheiten viel Aufmerksamkeit gewidmet. Mit 
verwunderlicher Zähigkeit hingen übrigens die norddeutschen 
Städte an der alten lateinischen Urkundensprache und gewöhnten 
sich erst sehr spät daran, den fürstlichen Kanzleien folgend, 
deutsch schreiben zu lassen.^) 

*) vgl. Vancsa 1. c. 57. 



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26 Dr. Felix Priebatsch: 

Zur Besorgung der Schreibgeschäfte raiisste irgend ein dera 
Rathe verpflichteter Geistlicher oder der Schulmeister herhalten, 
und durch die ganze mittelalterliche Städtegeschichte der Mark 
ziehen sich die Versuche der Stadtbehörden hin, Kleriker und 
Schulleiter für solche Zwecke zu benutzen. Als das neu- 
märkische Königsberg wahrnahm, dass die Kleriker sich vor 
erfolgter Präsentation zu den einträglichen Stadtpfründen bereit- 
willig zum Schreiberamte erboten, nachher aber diese übernom- 
menen Pflichten sehr leicht nahmen oder ganz verweigerten, 
betrieb die Stadtverwaltung kurz entschlossen die ewige Ver- 
einigung der Stadtschreiberei mit etlichen städtischen Pfründen. 
Aehnliche Versuche zeigen sich in Spandau. Den grösseren 
Städten genügte diese doch nur verdrossen ausgeübte neben- 
amtliche Thätigkeit indessen nicht; sie verstanden sich daher 
gern zur Anstellung eines besoldeten Stadtschreibers. Einzelne 
Communen bevorzugten ausdrücklich Laien; es ist schon oben 
mitgetheilt worden, dass Frankfurts Rath sich die Berufung 
eines Laien erkämpfte. In Stendal gab es in der zweiten Hälfte 
des 15. Jahrhunderts mehrere Stadtschreiber, von denen einer 
als der „oberste" bezeichnet wird. Einen rechtsgelehrten 
Syndikus ernannten die Städte erst gegen Ende des Mittel- 
alters. In BerUn wurde aber schon um die Mitte des 15. Jahr- 
hunderts der Kanzler Friedrichs des Feisten, Dr. Hasselmann, 
für ständige Rathertheilung in Rechtsfragen gewonnen. 

Die bedeutende politische Thätigkeit der Stadtschreiber kann 
hier übergangen werden. Eine eigentHche Tradition bildete sich 
in den Schreibstuben der Städte schwerer als in den Kanzleien 
der Fürsten. Auf die Individuahtät des Schreibers kam hier 
natürlich mehr als dort an. Fest geregelt waren nur das Ge- 
bühren- und Sportelwesen für schriftliche Arbeiten, die Privaten 
zu Gute kamen, für Ausstellung von Zeugnissen und Bürger- 
briefen^) oder für Recherchen in den städtischen Büchern.*) 
Der Zug, der durch die Hohenzollern in die märkische Kanzlei 
kam, die Neigung, die Pflichten der Repräsentation auch auf 
das Schriftwesen auszudehnen, ging an den märkischen Städten 
nicht spurlos vorbei. Für den Verlust der communalen Auto- 
nomie entschädigte Friedrich IL die Städte Berlin und Köln 

vgl. Riedel A 14. 461. 9. 243 ff. 
») A 9, 243 ff. 



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Die branden burgisohe Kanzlei im Mittelalter. 27 

durch die Verleihung des Vorrechts, mit rothem Wachse zu 
siegeln. Die anderen Städte wollten nun voll Neid derselben 
Vergünstigung theilhaftig werden. Durch die HohenzoUern 
wurde übrigens der eine oder andere städtische Schreiber ge- 
legentlich auch zu landesherrlichen Geschäften herangezogen. 
Von der Arbeit der städtischen Kanzleien hat sich nicht 
gerade viel auf unsere Zeit hinübergerettet; aber die erhaltenen 
Proben, vornehmlich eine Reihe Stadtbücher aus den ver- 
schiedenen Jahrhunderten zeigen, dass die meisten von ihnen 
auf ziemlich hoher Stufe gestanden haben; und die wenigen 
Fälle, in denen sich ein Blick in das städtische Kanzleiwesen, 
z. B. Frankfurts, thun lässt, können das nur vollauf bestätigen.^) 

') Publ. 71. 520 ff. - Forsch. XII 344 f. 



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IL Nachträge zu den Mittheilungen über die 

Sammlung \'on Siegelabgüssen des k. allgemeinen 

Reichsarchives. 

Von 

KarlPrimbs, k. Reichsarchivrath a. D, 

(Fortsetzung.) 



Rabe Albrecht 1407 und Friedrich 1417. Viermal gequert. 

Helm: Rabe. 
Rabenstein von Conrad 1377. Rabe. 

„ Conz 1364. Drei Füsse in der Deichsel. Dieses 

Wappen führt nun eine Linie der Geuder, die sich Geuder, 

genannt Rabensteiner, schreibt. 
Rabenstein Wenzel, Freiherr 1477. Leoparde. 

„ Härtung, Bürger zu Dingolfing, 1440. Drei unten 

mit Ringen versehene Stangen, die oben mit Federbüschel 

besteckt sind. 
Rabin Dietrich 1344, Offener Flug. 
Rabinolt Conrad 1372. Sparre. 
Rade zum Reinhard 1405. Gequert, oben wachsender Löwe, 

unten 2 . 1 Ballen. 
Radecker Conrad 1353. Rad. Nach Regensburger Siegeln 

eckiges. 
Raebitzer Markhard 1392. Balke, eigentlich zweimal gequert. 

Gehörten dem Wappen nach wohl zur Sippe FeiUtzsch. Vgl. 

Verhandlungen des bist. Vereines f. Ob.-Pfalz, Band 33. 



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Mittheilungen über Siegelabgüsse des allgem. Reichsarchivs. 29 

Raeckel Heinrich 1430. Stufengiebel. B. 

Raengers Hans, Vogt von Montfort, 1397. Tischwange. Sw. 

Raethen Hans, Richter zu Werd, 1438. Schräg geschachter 
Balke. 

Rain von Conrad 1362. Schrägbalke. Sw. 
„ Jakob 1385. Gleiches Wappen. 

Raindorfer Hans 1390. Mit Federn besteckter Hut. B. 

Rainolt Rudolph 1469. Steinbockhorn. Dieses Bregen zer Ge- 
schlecht schrieb sich von dem nahe bei Bregenz gelegenen 
Sitze Babenwol. 

Ray dt Hans, Richter und PiBeger zu Mollenbeck, 1416. Quer 
gestelltes gebandetes Hiffhorn. Oest. 

Raiser Ulrch 1433. Zwei Binderschlägel in gelängtem Schild. Sw. 

Raitenau von Burkard 1366. Kugel. Sollen aus der Schweiz 
stammen, sassen aber schon im 14. Jahrh. zu Raitenau bei 
Lindau, und im 16. Jahrh. auf Schloss Höfen bei Bregenz. 
Das Wappen führen nun die Grafen von Welsberg neben 
dem ihrigen. Wolf Dietrich, Erzbischof von Salzburg, ge- 
hörte jenem Geschlechte an. 

Rambach Conrad 1402. Lilie. Sw. 

Ramsberger von Ratonszell Heinrich 1380. Steigender 
Rammel. Helm: Rammel. Ob.-Pf. 

Ramung Achaz in Schärding 1440. Gelängt mit gelängter 
Spitze. 

Ran deck von Horman 1387. Löwenkopf. Sw. 

Randeck Conrad 1378. Balke, oben 3, unten 2.1 Vierecke. 
Pfalz. 

Rannenberg von Friedrich 1393. 6 mal geschrägt, im Haupt 
Löwe; Friedrich 1379, 2 Schrägbalken, Haupt: Löwe. 

Rape Hans, Richter zu Bingen, 1382. Stern in geschindeltem 
Felde. 

Rappenstein von Friedrich 1503. Rabe auf Fels; Helm: 

Rabe. 
Rappoldstein Bruno, Herr zum Hohen-Rappoldstein, 1383. 

2.1 Schilde; Helm: Büste zwischen 2 Löwen. 
Raschauer Conrad 1381. Fische in die Deichsel gestellt. 
Rasp Kari Gottfrid 1432. Zwei Arme. B. 
Rattelkofer Stephan, Kastner zu Burghausen, 1409. Behütete 
Büste. B. 



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30 K. Primbs: 

Ratzenhofe n von Ulrich 1381. Gequert, oben wachsender 

Adler. 
Raub er Niklas 1475. Halber Ochs, der Ring in den Nüstern 

trägt. Boeh. 
Raub er Rupert 1429. Fisch haltender Arm. 
Rh au von Holzhausen Adolph Can., 15. Jahrh. Balke; Helm: 

mit Balke belegte Büffelshörner. 
Rhaugraf zu der Alten- und Neuen Bäuraburg, Otto's Frau 

Margreth von Salm, 1412. Zwei Schilde, rechts abgekehrte 

Salme, ihr Familienwappen, links gelängt. 
Rhaugraf Conrad 1335. Gelängter Schild, links oben Stern. 
„ Rupert 1274. Gekrönter Löwe in geschindeltem 

Felde. 
Rauhenecke von Heinz 1377. Schrägbalke. 
Rauke Cläselin, Schultheiss zu Worms, 1373. Mit 3 Kronen 

belegter Schrägbalke. 
Raumbsattel Urban 1560. Schwert schwingender Arm; Helm: 

Löwe. 
Raupat Rüdiger, Bürger von Augsburg, 1378. Gelängt, rechts 

4 mal geschrägt. Ist Rappolt. 
Raupolt Wilhelm, Bürger von Kaufbeuren, 1363. Gelängt, 

links 2 linke Schrägbalken. Nicht auch Rappolt? Sw. 
Rauscher Heinrich. Schachrössel. 

Rauschner Otto 1330. Mit drei Aehren belegter Schrägbalke. 
Rausmar Heinrich, Bürger von Riedenburg, 1339. Adler- 
kopf. B. 
Rauss von Heinrich 1371. Helm: Adler. Sw. 

„ von Fischen Heinrich 1366. Gleichfalls auf dem Helm 

den Adler; Heinrich 1379. Adler; ebenso 1338 Heinrich 

und Heinz. 
Raussengrüner Heinrich 1385. Quer gestellter Fisch. O.-F. 
Ravensburger Hans, Bürger von Wien, 1440. 2.1 Einhorn- 
köpfe, von denen einer gestürzt; Helm: Flug. 
Rebestock Johann, Bürger von Würzburg, 1357. Mit Kutte 

bekleideter Wolf. F. 
Rebhuhn Andreas 1393. Rebhuhn auf Berg. Sw. 
Rechenberg von Conrad 1374. Rechen, Helm: Rechen zwischen 

Büffelshörnern. 
Rechenberg Ulrich führte 1354 gleichen Schild, Irmgards Siegel 



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MittheiluDgen über SiegelabgUsse des allgem. Reichsarchivs. 31 

zeigt 1374 2 Schilde, rechts der Rechen, links gelängt mit 
vorbrechendem Adler und nach links gekehrtem Löwen. 

Rechen berg Caspar 1410. Widderkopf. 

Redelnheira (Rödelnheim) von Winter 1382. Abgekehrte 
Radfelgen. 

Regeldorfer Mathäus 1444. Schild und Helm: halbes Ein- 
horn. B. 

Regner Peter, Mautner zu Straubing, 1438. Schräg gestellter 
Regenbogen. B. 

Reich Jakob von Päntzing 1373. Seitensparre. B. 

„ Erhard 1412. Zwei mit Lilien besteckte aufsteigende 
Spitzen, 1 unten und 2 oben. Reiches Regensburger Pa- 
triziergeschlecht. 

Reichen von Heinrich 1380. Kugel unter Haupt. B. 

Reichen bach von Bentz 1412. Schrägfluss. Als Stadtamann 
von Kempten führte er 1419 gleiches Wappen. Sw. 

Reichenbach Heinrich 1388. Zwei Balken. F. 

Reicher Rupert 1420. Geschrägt, oben Zweig mit 3 Blättern. 

Reichershofe n von Gerlach 1364. Gekrönter Löwe. 

Reichner Georg 1457. Adler. B. 

Reicholf Oswald, Bürgermeister zu Wien, 1452. Zwei Fische; 
Helm: 2 Fische quer vor Federständer gestellt. Oest. 

Reiffenberg von Gottfrid 16. Jahrh. Zwei Schrägbalken, 
oben Tournierkragen; Helm: 2 Eselsohren. 

Reicker zu Pidenbach Andreas 1353. Wappen wie Abth. II. 

„ Caspar. Gelängt unter Haupt. B. 
Reinhard Hans 1424. Balke unter Zackenhaupt. Sw. 
Reinoldshausen von Curt 1369. Rad; Helm: 2 Federköcher, 

durch welche quer einer gesteckt ist. 
Reischach von Conrad 1454. Eberkopf; Eberhard 1360 

gleiches Wappen. Noch im Grafen- und Freiherrnstand 

in Baden und Württemberg blühendes aus dem Sigmaringen- 

schen stammendes Geschlecht. Hans 1368 das gleiche 

Wappen. 
Reiss von Reissenstein Eberhard 15. Jahrh. Schild und Helm: 

Bär. 
Reitorner Eckard 1485. Käfer. B. 
Reizze Hans 1362. Schachrössel. F. 



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32 K. Primbö: 

Reitzenstein von Heinrich 1358. Zinnenmauer. Wohl kaum 

mit dem noch in Bayern blühenden Geschlecht identisch. 
Reckenrode von Dolde arm. 1369. Fallender Flügel. 
Rhem Hans 1393. Stehende Kuh. Eines der ältesten und 

angesehensten Patriziergeschlechter Augsburgs, das erst in 

diesem Jahrhundert erloschen. 
Remolt Hans, weltlicher Richter zu Mainz. 1443. Mit Zange 

belegter Balke, oben 2, unten 1 Rose. 
Rengelderode von Conrad 1350. V vorbrechender Löwe. 
Renner Egli 1438. Schräg gestellter Pfeil — schwarz in Weiss. 

Lindauer Sünfzengeschlecht. Sw. 
Renolt Christian 1416. Schwert haltender gebogener Arm. B. 
Resch von Ottmaring Peter 1436. Helm: wachsender Brake. 
Rettersbach von Göz 1386. Leopard auf gequertem Schild. F. 
Reuchner Hildebrand 1372. Adler ohne Kopf. B. 
Reuter von Pfaffstätt N. 1422. Büste. B. 

„ Hermann 1410. Mit 3 Rosen belegter Balke. 
Richard shofen von Ulrich 1388. Halber Bär. Sw. 
Riehen von Eberhard c. 1230. V Löwe. 
Ried Caspar 1080. Schafscheere. 

„ von Friedrich 1495. Balke auf gegittertem Schild. Hart- 
mann 15. Jahrh. Gleiches Wappen; Helm: offner Flug mit 

dem Balken. 
Ried Conrad 1432. Drachenkopf. 

„ Erhard 1349. Auf Topfhelm mit 3 Ringen besetzt.er 

Drachenkopf. 
Ried Hans, Bürgermeister von Clausen 1436. Drache. Tyr. 
„ Hermann 1320. Sitzender Vogel. Tyr. 
„ Stephan 1523. Drache, Helm: Drachenkopf. Tyr. 
Rieden Conrad 1373. Drei Lilienstängel auf Stufengiebel. 

„ Bernold 1360. Aufrechte Fische. F. 
Rieder Friderich 1445. Geschränkte Eichenzweige. 

„ Hans 1355. Schnabelkrug, Helm: 2 Schwanenhälse. 
Rieder er Ulrich 1424. Sterne 2.1.2 gestellt. Noch in Bayern 

blühendes Geschlecht, das sich meist von Paar schrieb und 

Schönau seit undenklicher Zeit besitzt. 
Riedler Gabriel 1436. Mit Flitschenpfeil belegter Schräg- 

balke. Eines Stammes mit dem erloschenen Geschlecht 

Ligsalz und dem noch blühenden der Schrenk. 



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Mittheilungen über SiegelabgUsse des allgem. Reichsarchivs. 38 

Riegler Conrad, Bürger von Rothenburg, 1380. 6raftl gelängt. 

Rieneck von Anna 1382. Rechts Rieneck, links Schild mit 
Haupt. 

Rieneck Ludwig 1382. Zehnmal gequerten Schild. 

„ Adelheid 1331. () Frau hält zwei Helme, unter denen 
die Schilde angebracht sind. Der linke Schild gelängt, 
rechts 2 Löwen übereinander, Hnks gelängt; der rechte 
Schild zeigt das Wappen von Rieneck. 

Rienolt Elsbeth 1418. Schachrössel; Heinrich 1386 führte 
ebenfalls dieses Bild im Wappen. Altes Lindauer Raths- 
geschlecht, das gegen Ende des 14. Jahrhunderts einen ge- 
fährlichen Bürgerkrieg zu Lindau veranlasste. 

Riesenhofe r Gewolf 1342. Mit drei Lilien belegter Schräg- 
balke. B. 

Rietberg von Conrad, Propst von St. Martin in Worms, 1416. 
Adler. 

Riet er Jakob. Feld 1 und 4 Bock, Feld 2 und 3 Sirene. 
Nürnberger Geschlecht, das auch zur fränkischen Reichs- 
ritterschaft gehörte und Kornburg besass. 

Riet heim von Friedrich 14. Jahrh. Esel. Noch in Bayern 
blühendes uraltes Adelsgeschlecht. Sw. 

Rickona Gerlach 1363. Schachschrägbalke. 

Rimhofer Heinrich 1431. Zwei aufsteigende Spitzen; Helm: 
Steinbockhörner; Albrecht zu Herrenhaselbach führte 1438 
gleiches Wappen. B. 

Rindshül Georg 1472. Geschränkte Fische; Helm: Busch. 

Rindsmaul zu Sondersdorf Marquard 1372. Quer gestellter 
Ochsenkopf. F. 

Ringer Burkard 1380. Kürn. 

Rinke von Eberhard 1349. PfahL 

Rinkenbergen von Ludwig 1265. Burg. 

Rinnen von Albert 1370. Rabenkopf. 

„ Conrad 1370. Balke auf gelängtem Schild. 

Riperg vpn Conrad 13.48. Adler. 

Risperg von Johann. Haupt, lieber den Schild ist ein auf- 
rechter Rechen gelegt. 

Rischach von Hans 1368. Ist Reischach. Sw. 

Riachej Hans 16. Jahrh. Rechen in gequertem Schild, rechts 
oben Stern. 

ArohiTftliBohe Z«it0ohrift. Neue Folge IX. 3 



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34 K. Primbs: 

Riser Thomas 1424. Aufrechtes Reis. 

„ Joseph 1430. Schild und Helm: Zweig. 

Riss in Baltasar 1536. Gestürztes Bandmesser. 

Rittersburg von Siegfrid 16. Jahrh. Zwei Schrägbalken, dar- 
über Tournierkragen. 

Robera von Arnold, Keller zu Niedern-Olsun ? 15. Jahrh. 
Stehender Bettler. 

Rodbolt 1369. Abgekehrte Rohrkolben. B. 

Roden von Diemar 1464. Geschacht, Helm: Federn. 

Rodenskeim von Cuno 1377. Adlerflügel. 

Rodenstein von Erkinger's Frau Katharina von Meckenheim, 
1453. Balke. 

Rodler Ulrich 1391. Weinleiter. Baden. 

Roebell Conz, Amtmann zu Suntheim, Bürger zu Memmingen, 
1441. Von 2.1 Sternen beseiteter Sparre. Sw. 

Roedelnheim von Winter's Frau Mäza, 1382. Abgekehrte 
Radfelgen. Vide Redeinheim. 

Reeder Hans 1402. Balke, eigentlich zweimal gequert. Ge- 
hören zur Sippe Feilitzsch. 

Roesche Götz, Bürger zu Würzburg, 1376. Gestürzter Mond. 

Roezler Karl 1659. In gequertem Schilde Baum über Hiffhorn. 

Rofe Wolf, Bürger zu Würzburg. Stern. 

Rontinger Ulrich, Richter zu Nabburg, 1378. Getreidegarbe. 

Ropp von Saulenheim Hans 1378. Balke, links oben Stern. 

Rorer von Pemstein Peter 1391. Balke auf gelängtem Schild; 
Franz 1366, Ober- und Unterort; Hans, Lilie zwischen ent- 
wurzelten Bäumen. 

Rorer Heinrich, Bürger von Günzburg, 1363. Spitzhut. Sw. 
„ Linhard 1430. Zwei Rohrkolben auf Droiberg. 
yf Georg, Bürger von Eger, 1433. Schneckenschnitt. 
„ Georg, Bürger von Weiden, bediente sich gleichen 
Wappens, 

Rorich Johann Vikar von St. Johann in Mainz, 1430. Mit 
drei Sparren belegter Schrägbalke, oben Löwe. Wappen 
wie Udenheim und Sparr. 

Rorschach von Egli 1430. Löwe. Schwz. 

Rosenberg von Ulrich 1437. Schild und Helm: Rose. Boeh. 
„ von Anna 1394. Frau hält zwei Schilde, rechts 

Rose, links Veh. F. 



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Mittheilungen über Siegelabgüsse des allgem. Reiobsarobiys. 36 

Rosen harz von Hans 1371. Vogelkopf. Sw. 

j, Rüdiger 1364. Mit Pederbart besteckter Schwanen- 

hals. Sw. 

Rosenharz Werner 1364. Hasenkopf. 

Roetenberg von Ulrich 1499. Zwei Dreiberge übereinander 
— roth in weiss. Lindauer Sünfzengeschlecht. 

Rossau Hans Gteorg 1696. Mit Zinnen gequert. 

Rot Friedrich und Peter 1370. 1) Fisch quer über Helm ge- 
legt, 2) der Fisch im Schild schräg gestellt. Seifrid hat 
den Fisch nach der Quere gelegt. B. 

Rot von Bussmanshausen Hans 1429. Gelängt, links Balke. 
Noch in Baden blühendes uraltes schwäbisches Geschlecht. 

Rotha von Anzo, Can. von St. Stephan in Mainz, 1328. Schach- 
balke in geschindeltem Felde. 

Rottenbauer Conrad 1326. Steinbockkopf. F. 

Rotenstein von Heinrich 1366. Heinrich und Frik 1348 
führten gleiches Wappen: gegitterter Schrägbalke. 

Roubin von Gottfrid, genannt Wildegrove. Löwen 2.1 ge- 
stellt. Sw. 

Rozzess Ulrich 1331. Stehendes Ross. 

Ruchinger Hans 1324. V Schrägbalke, darüber Faden- 
schrägbalke. 

Rudolf Ulrich 1521. Adler auf Dreiberg. B. 

„ Hugo, Bürger von Kempten, 1420. Stern unter 
Sparre. Sw. 

Rü d von Friedrich 1326. Löwe auf 6 mal gequertem Schild. Sw. 
„ von Heinrich 1392. Gebandeter Rüde. B. 
„ Martin 1403. Helm: auf Kissen sitzender Rüde. 

Rüde von Betenkam Eberhard miles 1338. Rüdenkopf. 

„ Gute 1364. Frau hält 2 Schüde, rechts Rüdenkopf, 
links Bandmesser. 

Rüdesheim von Rudolph decan. Worms 1454. Balke, oben 
wachsender Stern, unten Rose. 

Rüghausen von Ulrich 1386. Krebs. Ist Ruhausen. 

Rüll Conrad 1437. Geschränkte Glefenstäbe — weiss in blau. 
Constanzer Geschlecht, das auch in den Sünfzen zu Lindau 
aufgenommen wurde. 

Rüsch Heinrich, Stadtamann zu Kempten, 1343. Lediger 
Dreiberg. Sw. 

8* 



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36 K:. Primb«: 

Rüst Jos 1421. Brakenkopf. Sw. 

^ Hans, Bürger von Memraingen, 1461. Schild undHelra: 

Adlerkopf. 
Rüst Conrad, Bürgermeister von Kempten, 1419. Schild und 

Helm: Adler. Sw. 
Ruckel Eberhard 1365. Balke auf gelängtem Schild. 
Ruck er Anselm 1372. Schrägbalke. 
Rum er Conrad, Iudex in Chamb, 1379. Zinnenbalke. 
Rumlang Heinrich 1383. Helm: Einhorn. 
Rumtorfer Hans 1390. Mit Federn besteckter Hut. O.-Pf. 
Runke Cläslin, Schultheiss von Worms, 1372. Mit drei Kronen 

belegter Schrägbalke. Vide Ranke. 
Runkel von Theodor 1319. Drei Pfähle und rechtes Freiviertel. 
Rupiin Peter 1373. Schrägbalke. Sw. 
Rupp Hans, Bürger von Memmingen, 1399. Schild und Helm: 

Hut. Sw. 
Rüsberger Hans 1467. Quer gestellte Leiter, darüber Dreiberg. 
^ Hans R., genannt Qiglinger, war Bürger zu Winter- 

thur. 
Ruesdorfer Albrecht 1319. Aufrechter Spinnrocken. B. 
Rusteberg von Friedrich und Conrad 1360. V Tisch wange, 

nach Mülverstedt Henkelkrug. 

Rüster Joseph 1421. Biberkopf. Sw. 

„ Hans 1349. Halber Bär. 
Rutz Erhard, Bürger von Nürnberg, 1387. Eberkopf. 
Ruzelespeis Andreas 15. Jahrh. Fallender Wind. 

8. 

Saechsl Friedrich 1401. Schräg gestellter Pfeil zwischen 
2 Sternen. 

Saechsl Heinrich 1400. Schräg gestelltes durchbrochenes, 
oben mit Kreuz besetztes Quadrat. 

S a e 1 1 e 1 i n Gordian 1 639. Sattel. Nach dem Wappenbrief rot 
in Gold; Helm: Flug mit dem Sattel. 
Altes Memrainger Rathsgeschlecht, kurze Zeit in Bayern 
landsässig. 

Sailer Jakob, Amon zu Veldkirch, 1411. Abgekehrte Adler- 
köpfe. Vorarlb. 



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Mittheilungen über Siegelabgüsse des allgem. Reiohsai-ohivs. 37 

Sack Ulrich 1467. Sohrägbalke, Helm: Plug. Gehörte zur 

Sippe Reitzenstain. P. 
Salchinger Peter zu Moosburg 1409. Helm: mit drei Pedem 

besteckter Ring; Georg und Kilian 1476. 1) Balke, Helm: 

mit Pedem besteckter hoher Stulphut; 2) mit Pederköcher 

besetztes m auf Kissen. B. 
Salza von Hans 1369. Helm: gekrönte Jungfrau. P. 
Salzkastner Hermann 1378. Schachbalke; Stephan 1380. 

Zwei Vierecke auf gequerten Schild; Catharina seine Prau: 

gezäumter Rosskopf. 
Salz kern von Alzey Ulrich 1409. Gelängter Schild mit 

schräg gestellter, einer Laute ähnlichen Pigur; Helm: Plug. 
Salzmann Bertold 1383. Abgekehrte Monde. 
Sant V in er Heinrich, Amtman im Walgau, 1401. Brennender 

lediger Dreiberg. Vorarlb. 
Sandelach von Kestenburg Philipp 1476. Sechsmal gelängt; 

Helm: behütete Puppe. 
Sandersdorfer Hans 1399. Springender Hund; Ulrich 1396, 

schreitender. 
San eck von Hans 1399. Adlerflügel. 
Santner Hermann 1370. Presch. 
Sarmsheim Arnold und Caspar 1480. Adlerflügel. 
Sassenflur von Gottfrid 1338. Schachbalke. P. 
Satelberger Hans 1462. Balke, Helm: Büffelshömer mit 

dem Balken belegt. Ist das Wappen der von Satelbogen. B. 
Satler Hans 1497. Adler, Helm: Plug. 
Sattelraaier Georg 1444. Pallender Biber. 
Satzdorfer von Satzdorf Sighard 1391. Balke, Helm: offner 

Plug mit dem Balken belegt; Hans, Conrad und Sighard 

1378 gleiches Wappen. 
Satzenhofen von Palkenstein Dietrich 1376. Zwei Balken 

unter Haupt; Helm: Brackenkopf. Noch blühendes uraltes 

oberpfalzisches Adelsgeschlecht, das in einer Linie sich auch 

in den Rheinlanden niederliess. 
Saulenheim von Wilhelm 1347. Monde 2 . 1 in geschindeltem 

Pelde. 
Saulenheim von Gau wer 1330. Geflügelte Büste auf Helm 

im Schild. 
Saurer Ulrich 1430. Spitze, Helm: Pederbusch. 



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38 K. PrimbB: 

Sax von Johann 1432. Gelängt In mehrere Linien getbeiltes 

längst erloschenes Graubündtner Hermgeschlecht 
Schaber Leonhard 1409. Adlerflügel. 
Schade Conrad, Cointhur zu Hdmbach. Schrägbalke über 

fünfreihigem Veh. 
Schaden von Heinrich 1320. Fuchs. B. 
Schaeftlinger Christian 1424 Zwei geschränkte Lanzen 

über aufrechtem. B. 
Schaelklingen von Conrad 1313. Mit Spitzen belegter 

Schrägbalke. Sw. 
Schaerfenberg von Heinrich 1253. Fünf Schilde zwischen 

von einer Rose ausgehenden Kugelstäben. Jeder Schild ist 

mit einer Krone belegt. Oest. 
Schaerding Seibrecht 1282. Zwillingsschrägbalke. 

j, von Seibrecht 1282. Zwei Schrägbalken. B. 

Schaeuerbeck Hans 1378. Drei Balken. 
Schaafhausen von Ulrich 1362. Viermal gequert Sw. 
Schaffrat von Epplsheim Conrad 1466. Vehschrägbalke, 

Helm: Federbusch auf liegendem Hiffhorn. 
Schafoltinger Ulrich 1476. Viermal geschrägt, Helm: Flug 

mit gleicher Theilung. B. 
Schaler Werner miles 1367. Helm: gefiedertes mit Rauten- 

schrägbalke belegtes Brett. Altes Elsässer Adelsgeschlecht. 
Schallen berger Baltasar 1439. Wachsender gekrönter Löwe. 
Schampeck Niklas 1406. Gestürzte Spitze in gelängtem 

Schilde. 
Scharfenstein Hans 1479. Wind, Helm: gleich. 
Scharrer Wernher, Richter zu Bingen, 1406. Lindenbaum. 
Schaufler Andreas 1404. Hausmarke auf Mauerzinne. Sieht 

wie gestürzter Anker aus. 
Schaunstetter Peter, Burgpfleger zu Passau, 1431. Adlerkopf. 
Seh eben von Dietrich 1396. Balke, Helm: hoher Stulphut. 
Schechingen von Emfrid 1415. Gequert, oben gelängt; Helm: 

Flug. 
Scheff staller Albrecht 1414. Mann im Schiff. 
Scheichs Conrad, Stadtaraann zu Menmiingen, 1411. (be- 
schränkte unkenntliche Figuren. 
Schellang Qwer (Quirin) 1636. Schild imd Helm: Hahn. 



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MittheiluDgen über Siegelabgüsse des allg^m. Reiohsarohivs. 39 

Schellenberger Mathias, Richter zu München, 1395. Ge* 

schränkte Hirschstangen, Helm: Gans vor Federbüschel. 
Schenk von Apolda Heinrich 1299. Topf heim mit 2 liegenden 

Pfauwedeln. 
Schenk von Au Eberhard 1415. Flügel. 

„ von Erbach Conrad 1366. 2 . 1 Sterne auf gequertem 

SchUd. 
Schenk Heinrich 1430. Gequert, oben wachsender Löwe. 

„ von Hofstetten N. 1282. V Helm: Löwe. Smd die 

Schenk von Geyern. 
Schenk von Limburg. Im Vierpass: Scheuer. 

„ von Otelswang Herman 1382. Widerhacke. Sw. 

„ von Rossberg Agnes 1370. Frau hält zwei Schilde, 

rechts Balke, hnks Hahnenkopf. 
Schenk von Rossberg Wolfram 1337. Wappen: Grumbach nüt 

dem Mohren. F. 
Schenk von Rosenberg Heinrich 1293. Adlerflügel auf Topf- 
helm. 
Schenk von Reut Wolfram und Eberhard 1260. Rautenschräg- 

balke. F. 
Schenk von Schmidberg Niklas 1662. Gürtelschnalle. 

„ von Schneiten Friedrich 1354. Hirschstange. F. 

„ von Schweinsberg Guntram und Eberhard 1295. 1) oben 

Löwe, unten gerautet, 2) oben Löwe, imten 3.1 Rauten. 

Noch blühendes Hessisches Adelsgeschlecht. 
Schenk von Schweinspeunt Rembot. 1340. Gequert, unten 

geschacht. Sw. 
Schenk von Sebam Ulrich 1353. Gequert. Oest. 

^ von Simmen N. 1388. Mit 3 Fischen belegter Schräg- 

balke. Sind die Schenk von Simau. 
Schenk von Staufenberg Wilhelm 1579. Balke zwischen zwei 

Löwen; Helm: Büfifelshörner. Noch blühendes schwäbisches 

Adelsgeschlecht. 
Schenk von Stein Georg 1398. Hirschstange. F. 

„ von Tuttenheim Heinrich 1289. V 4 Schrägbalke, im 

Feld rechts Krone; Rudolph 1289, V 8 mal geschrägt. 
Schenk von Uttendorf Ulrich 1369. Widerhacke. Sw. 

, von Uttenhofen Fritz 1439. Gequert, Helm : offner Flug. 



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40 K- Primbs: 

Schenk von Winterstetten Johann 1617. Feld 1 . 4, 2 . 1 Tannen- 
zapfen, 2.3 Widerhacke schräg gestellt; recht. Helm: 
Tannenbaum, 2. Puppe. 

Schenk Agnes, des Eberhard Frau, 1382. Frau hält 2 Schilde, 
rechts Balke, links gebandeter Rüdenkopf; Agnes 1370, 
Frau hält 2 Schilde, rechts Hahnenkopf — Tetelbach — 
links Balke. F. 

Schenk Berenger 1370. Egge. Sw. Legende: S. B. de Eglingen. 
„ Wilhelm 1436. Spitze unter Haupt. Gehörte wohl zu 
den Schenken von Neideck-Anzenkirchen. B. 

Schenk Wilhelm, Richter zu Wolfrathshausen. Steigender Bär. 
.Schenk Conrad 1366. Zwei Wellenbalken. Sind die Schenken 
von Sulzbach. Sw. 

Schenk Andreas 1369. Aufrechte geschränkte Schwerter. 

Schenking Hans 1667. Drei HiflFhörner auf Schrägbalke; 
Helm: Büffelshörner. 

Schenking zum Wyck Hermann 1368. Mit 3 Gamskrückeln 
belegter Schrägbalke; Helm: 2 Krückeln. 

Scheppach von Wilhelm 1416. Adlerfüsse in die Deichsel 
gestellt. Sw. 

Scherrich Hieronymus 1639. Halber Mann Zweige haltend. 

Scherraar Eglof 1386. Zugekehrte nackte Knaben. B. 

Scherpfenberg von Heinrich 1268. Vide Scher fenberg. 

Scherzlin Hans 1360. Schnabelkrug. F. 

Scheufler Sigmund 1613. Auf gelängtem Schild geschränkte 
Schaufeln. 

Schierlinger Urban 1387. Ochsenkopf mit Ring im Maul. 
Ob.-Pf. 

Schiesser Leonhard 1467. Gestürztes Fallgatter. 

Schifer Dietrich 1331. Vogel mit Ring im Schnabel. Altes 
steyrisches Adelsgeschlecht, das zur Zeit der Reformation 
nach der Oberfalz auswanderte. Eine 7 Bände umfassende 
Handschrift eines Schifer, namentlich für den Oberpfälzer 
Adel sehr werthvoll, besitzt die Hof- und Staatsbibliothek. 

Schick Peter, Bürger zu Mainz, 1441. 3 Fadenbalken, ober- 
halb Adlerkopf, unten 3 Ochsenköpfe. 

Schick Hans 1387. Mit 3 Mooskolben besteckte Sohrägmauer. 

Sohither Martin 1366. . Helm: Flügel mit gebrochenem Sparren. 



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MittheiluDgen über Siegelabgüsse des allgem. Reichsarohivs. 41 

Schillinger ßertold 1518. Kanne. Sind die noch in Württem- 
berg blühenden Schilling von Kannstadt. 

Schils Heinrich 1339, Heinze 1376 und Arnold 1329. Drei- 
reihiger Schachschrägbalke, für Heinrich und Arnold oben 
links Rose, bei Heinze Löwe. 

Schilter Dietrich 1378. Zwei Hauptspitzen in gelängtem Schild. 
Waren in der Katze zu Constanz, im Sünfzen in Lindau. 

Schindacher Heinrich 1355. Gelängt, rechts Balke. 

Schlaetz Friedrich 1387. Sparre auf gelängtem Schild; Helm: 
Büffelshörner. 

Schiandersberg von Hans 1392. Mit Spitzen gelängt. Tyrol. 

Schlederer Simon 1347. Drei Ballen auf Schrägbalke. Sind 
die Schliderer von der Lachen. Pf. 

Schlegler Hans 1369. Mit drei Schlägeln besteckter Topfhelm. 

S<;hleizzer Hans 1426. Schräg ge viert. 

Schlemper von Hartheim Andreas 1342. Zinnenthurm; Andreas 
1342. Derselbe auf Zinnenmauer stehend. Bad. 

Schliderer Simon 1347. Mit 3 Ringen belegter Schrägbalke. 
Schliderer von der Lachen. 

Schlüchtern von Conrad 1350. Stern unter Haupt. 

^ von Erfenstein Friedrich, Schultheiss zu Mompsen- 

heim, 1526. Löwe unter Haupt. Helm: Pfauwedel zwischen 
sitzenden Löwen. 

Slüntl Friedrich 1459. Mit drei Sternen belegter Schrägbalke; 
Helm: Büffelshörner. 

Schüssler Qerbert der 1317. Geschränkte Fische. 

„ Engelbrecht 1312. Veh auf Schrägbalke. B. 

Schmeling Walther 1415. Schräg gestellte Leiter; Ulrich 
hat 1415 auf dem Helm eine Büste. 

Schraeltzer Conrad, Bürger von Memmingen, 1387. Ge- 
schränkte Pfeile. Sw. 

Schmyche vom Hayne Conz 1364. Adler. 

Schmidhauser Hans 1466. Abgekekrte Gemskrückeln auf 
gelängtem Schild. B. 

Schmidingen von Hans 1303. Ein Stück Rad mit 2 Eich- 
zweigen besteckt. F. 

Schmitt Heinrich 1460. Schwert quer haltender stehender 
Krieger. 

Schmitticher Heinrich 1364. Kopf von 2.1 Rosen beseitet. 



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42 K. Primbs: 

Schnaitter Wetzel 1448. Winzermesser. Sw. 

Schnaeuttinger Conrad 1360. Schrägbalke. Ober- und 
Unter-Schneiding bei Straubing. B. 

Schneberger Bartel von Linz 1433. Lediger Dreiberg unter 
Haupt. Oest. Baltasar, Bürger von Passau, Dreiberg unter 
Haupt; Helm: Bracke. 

Schneeberg Hans 1397. Kessel. Nach dem Sünfzen wappen- 
buch ist derselbe von schwarz und Gold geschacht, das Feld 
weiss. 

Schneidbeck Peter 1384. Bretze. B. 

Schneider Albrecht 1404. Schere. Sw. 

Sn eil mann Hans 1388. Weinleiter wie Horneck von Wein- 
heira. Dem Wappen nach von den Augsburger Snellmann 
verschieden. Sw. 

S c h n e c k Erhard 1463. Damkürn — weiss in blau. Regens- 
burger Rathsgeschlecht. 

Schnidelauch Conrad miles 1386. Drei Pfahle. 

„ von Kestenburg Philipp 1475 führte gleiches 

Wappen. 

Schnitzer Hans 1411. Ast mit 2 Blättern schräg gestellt. 

Schnitzenpaumer Martin 1475. Behütete Büste. 

Schock Heinrich 1415. Gatter. 

S c h o e n Hans 1382. Mit Busch besteckte Lilie. B. 

Schoenau von Hans 1370. Halbes Reh. 
„ von Hans 1371. Lilie. 

„ von Helwig 1377. Viermal gequert. 

j, von Heinrich 1377. Viermal gequert. 

Schoenberg von Mathias, Stettmeister und des Rathes zu 
Worms, 1535. Drei Büsten, dazwischen Sparre; Helm: Frau 
zwei Rosensträuche haltend. 

Schoenenberg von Otto 1360. 3.2.1 Schilde. 

Schoenhofer von Schoenhofen Hans 1405. Zacken- auf 
Querbalke. Meist führten sie 2 Spitzen auf Querbalke. Ob.-Pf. 

Schoenstein von Heinrich 1389. Gequert, oben geschacht. 
Aeltestes Lindauer Geschlecht. 

Scholing Zacharias 1354. Helm: Hirschkopf. 

Scholl Tibold 1362. Schachschrägbalke, oben links Stern. 

Schondorfer Otto, Pfleger und Richter zu Päl, 1440. Ge- 
krönter Wolfskopf. Schondorf am Ammersee unfern von Päl. 



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Mittheilungen über Siegelabgüsse des allgem. Reicbsarchivs. 43 

Schongau von Oswald, Stadtaniann zu Kempten, 1437. Ge- 
längte Kugel; Helm: Mit Federn besteckte Kugel. Sw. 

Schowenburg von Heinrich der Junge 1367. Geviert. 

Schrantz Stephan, Mautner zu Passau, 1405. Salzkufe. B. 

Schreiber Ulrich 1369. Wellenschrägbalke; 1370 zwei solche; 
1379 mit Wellen geschrägt. Lindauer Rathsbürger. 

Schrewitzer Peter 1377. Fünf aufrechte Rauten. Sw. 

Schrikede von Hans, genannt ßoppenhauser, 1361. Balke. 

Schröfel Hieronymus, Bürger von Passau, 1448. Geschrägt, 
oben und unten Stern; Helm: Flug mit Schildbild. Pass. 

Schrofenstein von Hartmund 1348. Halber Steinbock. Tyrol. 

Schrot Achaz 1350. Gelängt, links viermal gequert. 

Schrotzberg von Conrad 1384. Schaf schere quer ober Sparre. 

Schrumpf Heinrich, Bürger von Cham. Salzkufe. Ob.-Pf. 

S c h r u f f Heinrich 1333. Pfauenkopf. B. 

Schuler Hans 1358 Mainz. Balke. 

Schultheis Leopold 1342. Drei aufrechte Rauten. 

Schumitfloss Rudolph 1353. Ringe 2.1 gestellt, 

Schuss Conrad, Bürger von Memmingen, 1438. Aufrechte 
Pfeile. Sw. 

Schwab Friedrich, Richter zu Word, 1438.' Hörn, Helm: mit 
Hom belegter Flug. 

Schwab Conrad 1392. Vogelköpfe 2.1 gestellt; Egg 1369, 
Pfahl, auf den schräg 3 Pfeilspitzen gelegt. Nach einem 
Siegel von 1389 langer Schaft, an den 3 Spitzen hinter- 
einander befestigt. Ob nicht Pfeil mit Doppelgefieder? 

Schwalbach von Hans 1464. Drei Vögel (Schwalben?) 
auf Schrägfluss. 

Schwalbach Sifrid 1484. Feld 1 und 4, drei Vögel auf 
Schrägbalke; 2.3, drei Balken; Helm: mit drei Balken be- 
legte Büflfelshörn er. Wilhelm 1468, auf Schrägbalke; Helm: 
hoher befiederter Stulphut. 

Schwankendorf von Diepold 1296. V Schrägfluss. Ob.-Pf. 
Schwandorf. 

Schwanser Friedrich 1306. Gelängt, rechts vorbrechender 
Adler, links Schrägbalke. 

Schwartz Benz, Bürger von Lindau, 1435. Schräg gestellter 
Widerhacke. Sw. 



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44 K. Primbs: 

Schwartzaoh von Hermann 1371. Drei Fische auf Schräg- 

balke. Manchmal liegen die Fische auf Pfahl. Das Ge- 
schlecht war in der Katze zu Constanz und im Sünfzen zu 

Lindau. 
Schwartzburg von Stephan 1363. Burg. Sw. 
Schwarzenberg von Conrad 1410. Viermal gequert. 

von Chol 1364. Winkelhacke. Ob.-Pf. 
Schwarzenburg von Volchmar, Aman zu Bünau, 1336. 

Helm: Och^engewaff. Sw. 
Schweinheim von Conrad 1466. Schräg gestellter Ger in 

in beschindeltem Feld; Helm: Flug. Ein Schweinheim liegt 

bei Aschaffenburg. 
Schweithart Otto 1444. Greif. Vide Schweithartinger. B. 

„ Ulrich 1439. Ebenfalls Greif. 

Schwenfkrusel Hans 1365. Von 2 . 1 Rosen begleiteter 

Balke. 
Schweppermann Härtung 1382. Vehschragen. F. 
Schwinar von Borziwoy 1387. Im Vierpass Ochsenkopf. 

Boeh. 
Schwinbeck von Schwinpach Conrad 1433. Schräg gestelltes 

mit Spitzen besetztes Hörn; Helm: gleiches Hörn. 
Schwindacher Heinrich 1354. Rechter Seitenbalke. B. 
Schwingseisen Veit 1444. Drei Messer quer übereinander; 

Helm: Büste zwischen 2 aufrechten Messern. 
Schwinte Albert 1436. Sparre zwischen 2.1 Rosen. 
Sebeche von Reichard 1367. Seeblätter 2.1 gestellt. Wohl 

Seebach. Böhm. 
Sebrach von Sigmund 1475. Stufenpfahl. Oest. 
Sedlitz von Jan 1436. Rad. Sachs. 
Seebach von Jodok 1397. Seeblätter 2.1 gestellt Böhm. 

„ von Jodock 1397. Gestürzter Sparre über 2 P'aden- 

balken gelegt. 
Seereuter Andreas 1472. Seeblätter in der Deichsel; Helm: 

behütete Mannsbüste; Seebald 1455 gleiches Wappen. 
Seifridsdorfer Wernhard 1422. Gequert, oben Stern. B. 
Seygger Claus, Bürger von Memmingen, 1367. Mit 6 Ballen 

besetztes S. Sw. 
Seinsheim von Sophie 1349. Frau hält 2 Schilde: rechts 

Seinsheim, links Rose. 



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Mittheilungen über Siegelabgüsse des allgem. Reiohsarchiys. 45 

Sekke Arnold 1386. Wachsende Monde 2.1 gestellt und der 

erste mit Rose belegt. 
Seibach, genannt Loe, Hans 1414. Aus 3 Rauten gebildeter 

Schrägbalke, oben links Rose. 
Selbold von Hermann 1414. Mit 3 Federbüscheln besteckter 

gebogener Schrägbalke. 
Seideneck von Friedrich 1341. Rechts 4 mal gequert, links 

Balke. 
S eisen von Heinrichs Sohn Johann Faut 1366. Balke. 
Selzer Hans 1380. Schräg geviert. 
Semler Barbara 1390. Gelängt; Martin 1390. Aufrechter 

Wecken. 
Seng Ortlieb 1441. Gelängt, rechts Sparre, links zwei ge- 

stümmelte Aeste übereinander; Helm: mit Federbart be- 
steckter Schwanenhals. 
Seng wein Ulrich 1373. Auf Topf heim sitzender Bracke. 
Servat von Gottfried 1338. Einhornkopf. Ist Selvat. 
Setzepfand Conrad 1365. Löwe. 

Setzer Margreth 1358. Langgestieltes vierblättriges Kleeblatt 
Seuboldsdorfer Leonhard 1428. Doppelstufe, Helm: Büffels- 

hömer. B. 
Seutter Rudolph 1478. Aufrechter Bolzpfeil zwischen 2 Sternen. 

Sw. 
Sewer Heinrich 1355. Drei Blätter in der Deichsel. B. 
Sidenschwantz Caspar, Bürger von Halle, 1380. Sitzender 

Bracke. Sw. 
Siebenpeck Stephan 1436. Aufrechte birnartige Figuren ; Helm : 

Flug mit diesen 2 Figuren. 
Sieb er Bertold, Bürger zu Lindau, 1405. Abgekehrte Winkel- 
hacken in gelängtem Schild. Sünfzengeschlecht, das die 

Herrschaft Schomburg in Schwaben besass. 
Siegenhamer Thomas 1446. Zwei Gänse hintereinander; 

Helm: 2 Ganshälse. S. 
Siegershofe n von Hans 1406. Helm: Gemskopf. B. 

„ Hans 1414. Helm: Widderkopf. 

Sigberck von Arnold, Herr zu Düllingen, 1488. Zackenbalke 

unter Turnierkragen. 
Sighardshausen von Wigand, Schultheiss zu Marburg, 1363. 

In gelängtem Schilde drei Herzen in die Deichsel gestellt. 



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46 K. Primbs: 

Sigg Niklas, Bürger von Lindau, 1392. Maultromrael. Sw. 
Sigl zu Entzenreut Heinrich 1392. Henne. Ob.-Pf. 
Siglin Friedrich 1377. Topf? 

Si greiser Heinrich 1353. Gebogener Frauenarm. F. 
Silberberg von Hans, Amtmann zu Oedernheim, 1494. Mit 

drei Rauten belegter Schrägbalke; Helm: mit Kugel be- 
besteckter niederer Stulphut. 
Symmern von Ulrich 1360. Sechsmal gequert; auf Theilung 

1 . 3 und 2 liegen 2 . 1 Billets. Wilhelms Schild zeigt 1360 

statt der Billets Veh. 
Simon Heinrich 1369. Drei linke P^adenschrägbalken. Sw. 
Singen von Ulrich 1448. Mit Kreuz besteckter Ring. Sw. 
Singer Eberhard, Vogt zu Mindelheim, 1393. Auf dem Helm: 

laufender Löwe. 
Sinnbrunn von Sifrid 1356. Fisch. F, 
Syrg Luz 1372. Schrägbalke. Uraltes, später freiherrliches, 

seit wenigen Jahren erloschenes Patriziergeschlecht zu 

Ravensburg, das sich später von Syrgenstein schrieb. 
Syrg Ludwig 1412. Geschränkte Krückstöcke — weiss in Roth. 
yy Veit 148L Mit Adler alias Lerche belegter Schrägbalke; 

Helm: mit Federbusch besteckter Hut. 
S o b e von Johann 16. Jahrh. Schachkreuz. 
Sobernheim von Johann, Decan von St. Peter in Worms. 

Eichkätzchen. 
Sockinger Ulrich, Bürger von Passau, 1330. Socken 2.1 

gestellt. 
Sommer Valentin, Doktor, 1616. Aufrechtes Mühleisen. 
Sorgenloch, genannt Qänsfleisch, Hans 1434. Bettler, Helm: 

Puppe mit Qugel. Mainzer Patriziergeschlecht. 
Spachinger Ulrich 1361. Mit Federbusch besteckter Hut. B. 
Spaett Hans 1401. Drei Stege übereinander. 
Spahn Ulrich, Bürger von Augsburg, 1350. Im Siegelfeld 

Bretze. 
Sparer Hans 1642. Gelängt, rechts Sparre. Er war Land- 

amann des Abtes zu Kempten. Sw. 
Spachelbling Hans, Bürger von Lindau, 1395. Sparre. Sw. 
Sparre von der Heinrich 1413. Adlerflügel. 
Specht von Bubenheim Dietrich 1449. Balke, oben rechts 

Vogel, 



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Mittheilungen über SiegelabgüBse des allgem. Reichsarohiys. 47 

Speerreuter Claus Dietrich 1644. Geviert, 1. und 4. Lanze 
mit abgebrochener abhängender Spitze, 2. Büste, 8. gequert, 
oben drei Rauten. 

Spengler Heinrich 1448. Füllhorn. Sw. 

Sperberseck von Wilhelm 1378. Geschacht, Helm: geschlos- 
sener Flug. Sw. 

Spielberger Eberhard 1391. Ein Würfel die 5 zeigend. B. 
„ von Hageno Herr 1342. Lilie. Oest. 

Spickel Ruf 1369. Zwei aufrechte Scheren über Dreiberg. Sw. 

Spindelwanger Mathias 1412. Schräg gestellte Spindel. 

Spiess Martin, rect. Scol. von S. Victor in Mainz, 1480. Mit 
3 Sparren belegter Schrägbalke, oben Marke. 

Springe Werner 1362. Fallender Adler. 

Sponheim-Vianden Simon Graf von. Auf gekröntem Helm: 
Pfauwedel. 

Sponheim von Simon 1261. Geschacht; Johann 1250 V ge- 
krönter Löwe. 

Staden von Hermann 1330. Balke zwischen 2.1 Kreuzen. 

Stadel von Conrad, Vogt zu Talersdorf, 1370. Gekrönte Figur 
die Schwert und Scepter hält. 

Stadion von Georg Wilhelm 1579. Drei Bandmesser überein- 
ander; Helm: Flug. Noch in Württemberg blühendes Grafen- 
geschlecht. 

Stadler Fritz, Landamann zu Rotenfels, 1481. Zange. Sw. 
„ Erhard, Chorherr der alten Kapelle in Regensburg, 
1392, Balke, Helm: Hahn. 

Staezlinger Otto 1416. Katze. Sw. 

Staffel von Wilhelm 16. Jahrh. Löwe, Helm: aufrechte Bären* 
pranke. 

Stahl Conrad der 1320. Hut mit abhängenden Bändern. B. 

Stalpaum Caspar 1410. Salzkufe? 

Stampach von Dietrich 1399. Schreitender Wolf. F. 

Stang Hans, Bürgermeister zu Oppenheim, 1469. Gequert, 
oben wachsender Löwe, unten 2 . 1 S; Helm: Löwe. 

Starkenberg von Gundacker 1346. Mit Eisenhutschnitt ge- 
gelängt Oest. 

Staudacher Wernher 1354. Abgekehrte Stauden auf Dreiberg. 

Stauf-Ehrenfels Hans Bernhard, Freiherr von, 1590. Feld 1 
und 4 Haupt, meist gequert. — Stauf — 2.3 drei eins 



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48 K. Primbs: 

Rauten; Helm: rechts Stulphut mit Federn, links Krone mit 
gerandetem Hiffhorn. Im Siegelfeld rechts 1571 lAR. 

Stauphen von Heinrich 1363. Gelängt. Sw. 

Stau ff er Ulrich 1370- Schilde 2. 1 gestellt. Sind die Staufer 
von Glapfenberg. 

St auf f er Friedrich 1360. Geschrägt, oben gerautet. Sind die 
Staufer von Regenstauf. 

Stebenhaber Eglof, Stadtamann zu Memmingeu, 1498. Ge- 
längt, rechts Löwe, links sechsmal geschrägt; Helm: Rad- 
stück mit drei Federbüscheln besteckt. Angesehenes Raths- 
geschlecht daselbst. 

Steden von N. 15. Jahrh. Balke zwischen 2.1 Rauten. 

Stevelt Hilmar 1317. Pfahl. 

Steiger Hermann 1360. Ziegelsteine in die Deichsel gestellt. F. 

Stein von Diemantstein Heinrich 1415. Gequert-, oben linker 
Schrägbalke. 

Stein von Rechtenstein Ursula 1458. Zwei Schilde, links 
3 Sterne auf Schrägbalke, rechts drei gestürzte Bandmesser 
übereinander. Sw. 

Stein von Glas 1371. Gekrönter Löwe. 
„ Glas 1308. Adler. Gest. 
„ Johann Wilhelm 16. Jahrh. Rose, Helm: Hundskopf. 

Stein bacher Peter und Sigmund, Bürger von Memmingen, 1430. 
Schrägfluss, Helm: Büflfelshömer. Sw. 

Steinbacher Dietrich 1315. Geschränkte Lanzeneisen. 

„ Hans, Bürgermeister zu Kempten, 1386. Fünf- 

blättrige Staude. Sw. 

Steinbeck Eberhard, Marschall in Passau, 1363. Steinbock. 
„ Eberhard 1357. Behütete Mannsbüste. B. 

Stein berger Wolfram 1345. Löwe. 

„ Hans, Stadtamann zu Memmingen, 1394. Ge- 

schränkte Krücken. Sw. 

Steinberger Bertold, Stadt- und Landrichter zu Landsberg, 
1421. Mit 3 Rosen belegter hnker Schrägbalke. B. 

Steinberger Dietrich 1.396. Stufengiebel, Helm: Ochsenkopf 
mit Ring im Maul; Georg 1393 den Stufengiebel ledig. 

Steinbüchel Hochbrand 1376. Reiherkopf. 

Stein heim von Seitz 1368. Zwei Sparren unter Haupt. 
„ von Seitz 1368. Balke zwischen 2 . 1 Rauten. 



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Mittheilungen über SiegelabgUsse des allgem. Reiohsarchivs. 49 

Steinlinger Georg 1395. Lediger Stufengiebel. 

Stephlinger Ludwig 1417. Mit 5 Ballen belegter Sparre. 

Stepper Bertold 1394. Gelängt. F. 

Stern Hans 14. Jahrh. Siebenblättrige Rose. 

Stern berg von Conrad 1369. Stern, Helm: Büffelshörner. 

Sternberger Hermann, Bürgermeister von Mainz, 1458 und 

1471. Balke zwischen 2 . 1 gekrönten Büsten. 
Stetten von Achaz 1475. Pfahl, Helm: Plug mit dem Pfahl. 

„ von Simon 1377. Beile 2 . 1 gestellt. Sw. 
Stettner von Altenbeuern Bertold 1400. Löwenkopf. B. 

„ Conrad, Bürgermeister zu Neunburg, 1418. Im Bogen 

gequert; Helm: Pfaufede zwischen zugekehrten Vögeln. 
Stettner Jakob 1362. Löwenkopf. Stettner von Altenbeuern. 
Stezüff von Merle 1379. Lilien 2.1 gestellt. 
Stich Agnes 1387. Mit Rose besteckter Pusssparre. Sw. 
Stöbel Hans 1308. Abgekehrte Beile. Ist Stikl. 
Stö»^ Friedrich 1227. V siegelt mit dem Löwen, doch ist der 

Schild nicht gequert. Ob.- Pf. 
Stoffeneck von Georius, Frau Catharina Gäss, 1371, Drei 

Sterne auf Balke. Wappen Stoflfeneck. Sw. 

Stockhausen von Lamprecht 1330. Baumstumpf mit zwei 
abhängenden Eicheln und Blättern. 

Stockheim von Philipp, Amtmann zu Algersheim, 1543. 

Schräg gegittert unter Haupt; Helm: BüflTelshömer. 
Stockheim von Henne 1458. Spitzenhaupt, Helm: Flug mit 

gleiche) Theilung. 
Stosser Heinrich 1402. Mann hält in der Rechten einen 

Stein. Sw. 
Stotzheim von N. 15. Jahrh. Drei Pfähle, rechts und links 

am Schildesrand vier Ballen; Helm: Brackenkopf. 
Strachner Jakob, Marschall zu Passau, 1361. Gelängt über 

Puss. Oest. 
Straeller Heinrich 1424. Quer gestelltes Jagdhorn. 
„ Heinrich 1373. Schräg gestelltes A. Sw. 

St ranz Ulrich, Bürger von München, 1410. Adlerkopf. 
Strassburg zu Erkenbold, Bürger zu Mainz, 1334 und Johann 

Canon, daselbst. Balke zwischen 2 . 1 Schwanen. Bei 2 

ist auf den Balken ein Stern gelegt. 

ArchivaliBche Zeitschrift. Neue Folge IX. 4 



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50 K. Primbs: 

Strasser Ulrich, Hofraarschall, 1384. Drei Kugeln schräg links 

gestellt. Oest. 
Streber Hans 1412. Gequert, 2. 1 Eicheln. Ob.-Pf. 
Streif f Hans, Bürger von Kempten, 1400. Kamm mit quer 

über den Griff gelegtem Stab. Sw. 
Strekefuzz Seiz 1385. Adler. F. 
Strettwitz Georg 1445. Auf gequertem Schilde abgekehrte 

Monde. 
Strobel Hans 1388. Geschränkte Jagdspiesse. B. 

„ Eampold 1331. Vierzinkige Hirschstange, oben mit 

Rose besteckt. 
Stauben von Conrad 1420. Fensterrahmen. Sw. 
Stuchs Eberhard 1376. Haube. F. 
Stübig Wernher 1368. Linkes Spitzenort. F. 
Stüdlin Jos, Stadtamann zu Memmingen, 1430. Zwei schräg- 
gestellte Stäudlein mit 3 abhängenden Blättern. Hans, 

Bürgermeister zu Kempten, bediente sich 1390 gleichen 

Wappens. Sw. 
Stumph Heinrich 1362. Halbes Einhorn. 

„ von Rugn\enz Eberhard 16. Jahrh. Gelängt, Helm: 

Büffelshörner. 
Stüpf Hans 1408. Sechsmal gesparrt. Angesehenes Münchener 

Rathsgeschlecht, später landsässig. 
Stuhs von Kreglingen Ludwig 1310. Hahnenkopf. F. 
Stüsslingen von Hans 1440. Balke, Helm: Puppe zwischen 

Büffelshörnen, die mit dem Balken belegt sind. Sw. 
Stutternheim von Lutold 1358. Doppeladler. Dem Wappen 

nach dem noch blühenden Geschlechte dieses Namens nicht 

angehörig. 
Subingen von Hartmann 1342. V Tisch wangen — Säulen? 
Such Hans 1399. Schreitender Löwe. F. 
Sulz von Rudolph Graf 1384. Drei aufsteigende Spitzen ; Helm: 

Flug mit den Spitzen. Eis. 
Sulzbach von Albert 1373. Im Schild auf Flügel eine Gans. 
Sulzpeck Hans 1386. Schrägbalke aus drei Rauten bestehend. 

U. 

Udenheim von Philipp, Burggraf zu Alzey, 1458. Mit 3 Sj)arren 
belegter Schrägbalke. 



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Mittheilungen über Siegelabgüsse des allgem. Reichsarchivs. 51 

Uebelein Hans 1390. Viermal gequert, oben wachsender Adler. 

„ Heinrich 1390. Viermal gequert, im Haupt Rose. P. 

Ueberacker Hans 1405. Gekürzter Hauptpfahl. Noch im 

Grafenstande blühendes Geschlecht. B. 
Uetzel, genannt Steinbrecher, Hans 1439. Schrägfluss. Er 

war Amtmann zu Nessel wang. Sw. 
Uetzel Georg 1428. Hammer. Sw. 

Ulner Hans, Canon, von S. Martin in Worms, 1547. Vase. Hess. 
Ulrainer Ulrich 1379. Fusspfahl; Helm: Brackenkopf. B. 
Ulrichsberg von Heinrich 1308. Mit Zinnen geschrägt. 
Ulrichsdorf von Conrad 1386. Viermal nach der Quere ge- 
kerbt. 
Umbhausen von Hans 1341. Halber Bär. B. 
Unfels Conrad 1437. Geschränkte Brände. 
Ungelter von Teisenhausen Peter 1439. Gegengezinnter 

Balke. Noch blühendes uraltschwäbisches Adelsgeschlecht. 
Ungemuet Walther 1371. Gelängt, rechts vorbrechender 

Adler, links aufrechtes Bandmesser. Sw. 
Unruhe Hermann 1362. Gequert — eigentlich Haupt — oben 

wachsender Löwe. F. 
Unruhe Merbot 1406. Schrägfluss, in der oberen Ecke ge~ 

stürztes T. 
Unterberger Heinrich 1370. Mit Federn besteckter spitziger 

Hut, an dem sich zwei Ballen befinden. F. 
Unterm Himmel Niklas, Stadtrichter zu Wien, 1426. Mit 

drei Sternen belegter Balke ; Helm ; geschlossener Flug mit 

Schildbild. Oest. 
Urach von Fritz 1362. Viermal gequert. Aurach? 
Ursenbeck von Peter 1436. Gequert; Helm: Rad. B. 
Urschmalz Peter 1405. Mit Federbusch besteckter Stiefel. 
Usselheim von Brusses Frau Catharina von Helmstatt 1375. 

Führte nur ihr Familienwappen: Vogel — Adler. 
Uttelhofer Wilhelm 1370. Oben mit fünf Blättern besteckte 

Platte. Die Ittelhofer von Ittelhofen. O.-Pf. 
Uttenried von Jos 1431. Mit 3 Kugeln belegter Schräg- 

balke. Sw. 
Utz Jordan, Bürger von Straubing, 1375. Gelängt, an der 

Theilung und linken Schildrand mit Spitzen gelängt. B. 
Utzlingen Gerhard, Richter zu Pforzheim, 1373. Gans. 



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52 K. Primbs: 

Wachenheim Heinrich 1414. Stern im gebürdeten Schilde. 
„ von Dietrich und Erieut seine Mutter. Drei 

Vögel hintereinander über Balke. Diez 1392, 3 Adler über 
Balke. Hans miles 1475 wie Dietz, Helm: Flug. Pf. 

Wachenheim Eberhard 15. Jahrh. Drei Vögel auf Balke; 
Helm: Plug. 

Wagenbach von Engelhard 1380. Gans. 

Waibling Georg 1489. Kürn; Helm: Kürn. WUhelm 1467 
gleiches Wappen. 

Wayt Conrad, Spitalmeister zu Passau, 1400. Pferdekopf mit 
Beisskorb. B. 

Waidolfs teter Conrad 1385. Wolf. Sw. 

Wainherr Heinrich, Stadtamann in Memmingen, 1380. Ge- 
längt, links Sparre; Helm: Weltkugel. Vide Kempter und 
Amann 

Waise — Orphanus — Marquard 1267. Geflügelter Adlerfuss; 
Helm: Federn. P. 

Waise Heinrich 1378. Zackenschrägbalke. 

Wackerstein von Conrad 1369. Mit drei Lilien belegter 
Schrägbalke. 

Wal von Bertold 1346. Pentalpha — Drudenfuss. Sw. 

Walbach von Nikolaus 1447. Mit 3 Vögeln belegter Schräg- 
balke. 

Walch Heinrich, genannt von Rietheim, 1358. Mit zwei 
Pfählen belegter Balke. F. 

Walchsinger Hans 1414. Geschränkte Turnierlanzen. B. 

Wald eck von Marquard 1385. Aufrechte Monde 2. 1 gestellt. 
„ Burkard 1350. Flügel; Helm: Hut mit zwei Feder- 

ballen besteckt. 

Waldeck Manhard 1350. Flügel. 

Waidenstein von Heinrich 1366. Schrägbalke, darüber Löwe. 

Waldertheimer Georg 1397. Rad. 

W a 1 h u s e r Fritz, Burggraf in Augsburg, 1351. Aufwachsen- 
des langgestieltes Kleeblatt, oben von 2 Sternen beseitet. Sw. 

Walkbach von Albert 1368. Leopard. Sw. 

W a 1 k i r c h von Achaz 1398. Löwe auf gequertem Schild. Sw. 

Wall von Ulrich, Burggraf, 1331. Fussspitze in gelängtem 
Schild. 



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Mittheilungen über Siegelabgüsse des allgem. Reichsarchivs. 53 

Wall an Heinrich 1290. Gürtelschnalle. 

Waller Paul und Georg 1403. Messer, bei 1. schräg, bei 2. 
quer gelegt. 

Warleich von der Planken Ratzko. Kugel; Helm: mit Federn 
besteckte Kugel. Boeh. 

Wallending von Friedrich 1366. Gelängt, links Balke. F. 

Wallendorf von Ulrich 1669. Löwe; auf gekröntem Helm: 
Zugekehrte Löwen. 

Wallenhausen von Engelhard 1356. Löwe. F. 

Walmersbach von Anna 1377. Drei Schrägbalken. F. 
^ Kraft 1377. Balke. 

Walrab Engelhard 1403. Mauerzinne; Helm: Büste in der 
Gugel. O.-Pf. 

Walshofer Heinrich, Burggraf von Augsburg. Ist Walhauser. 

Walsee von Heinrichs Wittwe Clara Schenk, 1357. Frauen- 
büste, darunter 2 Schilde, rechts Balke — Walsee — links 
Widerhacke der Quere nach gestellt — Schenk von Winter- 
steten. Sw. 

Walt mann Hans 1414. Abgekehrte Winkelhacken. H. 

Wambold Adelheid 1375. Frau hall zwei Schilde, rechts 
Imbord im gebordeten Schilde, — Ihr Familien wappen — 
links vier aufrechte Rauten im gequerten Schild — Wam- 
bold. Noch blühendes hessisches Geschlecht. 

W an gel Liebhard 1389. Balke, oben absteigende und unten 
2 aufsteigende Spitzen. 

Wangen von Michel 1457. Mit drei Rosen belegter Sparre. 

Wannbach Dietrich 1369. Heuständer. F. 

Wann er Heinz 1389. Stehender Ochse. Sw. 

Wartenberg Hans 1332. Balke zwischen 2. 1 Kugeln; Helm: 
Büffelshörner. Sifrid 1382, gleiches Wappen. Kolb von 
Wartenberg. 

Warten f eis von Burkhard 1407. Gelängt, rechts zwei Balken; 
Helm: Brackenkopf. Oest. 

Warthausen von Michael, Zollner zu Graisbach, 1495. Auf 
gequertem Schild geschränkte Glefen; Helm: Die Glefen. 
Im Siegelfelde 1459. 

Wasen von Päza, des Niklas Wittwe, 1377. Frau im Wittwen- 
schleier hält zwei Schilde, rechts doppelköpfiger Storch, 
— Wasen — links Doppeladler. Hess. 



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54 ^- Primbs: 

Was ho f er, Jobst des Rathes zu Krembs, 1423. Männchen 
machender Hase. Oest. 

Was n er Friedrich 1336. Stufengiebel. Oest. 

Wassenaer Henrich 1422. Feld 1 und 4 Halbmonde 2.1 ge- 
stellt, Feld 2 und 3 ßalke; Helm: Federköcher. 

W a t z d o r f von Phihpp, Amtmann zu Wiesbaden. 1535. Ge- 
längt; Helm: Büffelshörner. 

Watzmansdorf von Engelhard 1391. Schrägbalke. O.-Pf. 

Wechmar von Otto 1395. Mit Spitzen gelängt. 

Weger Bertold, Mautner zu Deckendorf, 1387. Fisch quer 
haltender Arm. Peter 1382. Die Schildzier. Dieses Wappen 
führten später die von Deckendorf stammenden Preu von 
Findelstein. 

Weidner Werner 1420. Schräg gestellte Fische über Dreiberg. 

Weierberg von Conrad 1326. V Balke. 

Weigel Pignot 1381. Wappen wie Muffel und Neuenmarckt, 
gelängt mit Löwe und Fisch. 

Weihenberger Eberhard 1406. Heuständer auf Dreiberg. 

Weiler — Wyler — Conrad, Vogt zu Rotenfels, 1410. Mit 
Wellen geschrägt; Helm: Büffelshörner mit Wellenschrägung. 
Sind die Weiler zur Altenburg. 

Weilheim von Eberhard 1255. Drei Regenbogen übereinander. 
^ Heinrich 1300, desgleichen; Qebhard 1262. Gequerte 

Bogen. B. 

Weimar Michel 1415. Adler. B. 

Weinberg von Conrad 1326. Ist Weierberg. 

Weineck von Hermann 1475. Gelängt, zweimal gequert; Helm: 
gleich dem Schild getheilte Büffelshörner. 

Weinheim von Katharina, des Heinrich von Altdorf Frau, 1468. 
Schräg gestellte Weinleiter. Ihr Familienwappen. 

Weinmann — Winman — Stiftsamann zu Lindau 1317. Löwe. 
Wein mar Michael 1415. Adler. B. Ist Weimar. 
Weinsberg von Anna, geborne von Hohenlohe, 1398. Geviert, 

1 und 4 Balke, 2.3 die Leoparden übereinander. 
Weintinger Ulrich 1387. Geschränkte Adlerfüsse. Entweder 
ein anderes Geschlecht oder doch andere Linie, denn die 
Regensburger führton die abgekehrten Radfelgen. 
Weintinger Anna und ihre Söhne Läutwein und Hart wich ab- 
gekehrte Radelfgen; Pernold, Hans und Heinrich — die 



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Mittheilungen über Siogelabgüsße des allgem. Reichsarchivs. 55 

Aman zu Weinting — 1313 ein Stück Radfeige schräg 

gestellt. Die Urkunde stammt aus Schwaben. 
Weisbeck Heinrich 1404. Wernhard 1406. 1) gerautet, oben 

2 Sterne, 2) mit 4 Stäbchen besteckte Raute. 
Weise von Feuerbach Eberhard 1320. Löwe. 
Weissenbach von Eglof. Helm: Schwanenkopf. 
Weissenfelder Peter. 1.4 gelängter Sparre in gelängtem 

Schild, 2.3 Adler; rechter Helm: Plug mit dem Sparren, 

linker: Adler zwischen Büffelshörnern. Münchener Raths- 

geschlecht, das später mit Hilkersberg in Niederbayern land- 

sässig ward. 
Weischolfs von Stiebel 1381. Gelängt, rechts Haupt, links 

Balke resp. drei kurze Haupt-Pfahle. Ist das Wappen Thoss. 
Weisingen von Gerlach 1409. Aufrechtstehendes Grabscheit? 

1376 zwei Laternen? auf Dreiberg. Sw. 
Weitenmühle von der Stanislaus Ritter, Unterland vogt im 

Elsass, Schultheiss zu Hagenau, 1382. Drei Schilde, rechts 

Balke, links Mühlstein, im oberen Schilde: Adler. 
Weitenmühle von der Sebastian 1524. Mühlstein; Helm: mit 

Federn besteckter Mühlstein. Boeh. 
Weiter Christian, Richter zu Ybs, 1415. Stange mit zwei 

Seitenarmen. Oest. 
Weitzenberger Albert 1391. Adler. O.-Pf. 
Welbhusen von Gerhus 1354. Ring auf gelängtem Schild. F. 
Weide von der Jakob 15. Jahrh. Unten durch Querstange 

verbundene geschränkte Hacken. 
Wellentitz von Johann 1384. Mit Federn besteckter Helm. 
Welsberg von Karl 1540. Geviert; Helm: gevierte Büffels- 

hörner. Noch im Grafenstande blühend. Tyrol. 
Welser Ulrich 1340 Hausmarke, Bartolomäus, Lilie. Noch 

blühendes uraltes Augsburger Rathsgeschlecht, das frühe in 

das Patriziat kam. Die Spaltung von Schild und Lilie ist 

nicht zu erkennen. 
Welzer Friedrich, Pfleger zu Oberwels, 1436. Eckkeil; Helm: 

Federbusch. Pass. 
Wendelstein Jeremias, Rath und Richter zu Passau, 1439. 

Zinne nach rechts, darunter Zinne nach Hnks. Das gleiche 

Wappen wie die Familie dieses Namens zu Nürnberg. 
Wengenkeim von Hans 1366. Offener Flug. Ist Wenckheim. 



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56 K. Primbs: 

Wenger Christian und Hans 1376. Löwe. Altbayerisehes 
Adelsgeschlecht. 

Wenger Friedrich 1397. Gebandeter Wmd. 

Wenns Wilhelm 1410. Gequert, unten viermal gelängt. 

Wepflar Richolf 1356. Gestielte Rosen in die Deichsel gestellt. 

Werberg von Hermann 1363. 2 Blätter mit geschränkten langen 
Stielen. 

W^erbeze Albert 1347. Helm: zwei Sonnenblumen. Feder- 
scheiben ? 

Werch meist er Andreas 1424. Drei gestümmelte Aeste über- 
einander — golden in schwarz — ; Helm : Federn. Lindauer 
Sünfzengeschlecht, das auch in Wangen und Kempten ver- 
bürgert war. 

Werchmeister Hans 1417. Drei Fadenbalken — wohl 4 mal 
gequert ; Helm : Stulphut mit Federn besteckt und mit dem 
Balken belegt. 

W^erchmeister Hans, Stadtamann zu Kempten, 1433. 3 Balken; 
Helm: Hut. 

Werdenau von Burkard 1418. Mit 3 Ballen belegter Schräg- 
balke. 

Werdenberg von Albert Graf 1409. Stufenschrägbalke: Helm: 
Brackenkopf. 

Werdenberg Hugo Graf von 1373. Reitersiegel; im Schild 
die Fahne. Sw. 

Werdenberg Hang Graf von 1460. Feld 1 und 4 die Fahne, 
2 und 3 Stufenschrägbalke; Helm: Bischofsmütze und 
Brackenkopf. Sw. 

Werder Thomas zu Ambstetten 1443. Armbrustschütze. Oest. 

Wem von Gerhard 1313. Eberkopf. 

Wernau von Wilhelm 1609. Mit 3 Balken belegter linker 
Schrägbalke; Helm: Büffelshömer mit Ballen belegt. Ist 
Werdenau. 

Wernsdorfer Urban 1446. Ringe 2 . 1 gestellt. B. 

Wersing Hermann 1340. V Winzermesser 2.1 gestellt. Der 
Schild seines Bruders Adrian zeigt nur eines. 

Wespach von Georg 1421. Stehender Ochs. Sw. 

„ Otto 1446. Mit drei Rosen belegter Balke; Helm: 
Büffelshömer mit Balke und Rose. 

Wesel Friedrich, Camerar, in Mainz, 1482. Geisel mit drei 



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MitlheiluDgen über SiegelabgUsse des allgeni. Reichsarchivs. 57 

Striemen. Auf dem Siegel steht : Hans Heidolf. Ein Hans 

war 1360 und 1369 Stadtaraann, ein anderer 1416. Ersterer 

hatte den Schild viermal gequert, wie ihn Claus 1360 führte. 
Wesen von N. 15. Jahrh. Drudenfuss. 
Westerndorfer Kaspar 1439. Ring; Helm: Mit Ring belegter 

Flug. 
Westerburg von Reinhard Graf 1329. Kreuz, in den Winkeln 

oben 4, unten 3 Kreuze; Bertha 1342. Frau hält zwei 

Schilde, rechts: Haupt, links: das Kreuz. 
Westernach von Hans 1415. Gekrönter Wolf. In diesem 

Jahrhunderte erloschenes schwäbisches Rittergeschlecht, das 

Jahrhunderte lang die Kronburg bei Meramingen sein Eigen 

nannte. 
Westernach Hans 1495. Gelängt; Helm: sitzender Wolf. 
Westhausen von Hermann 1391. Gestürzte gebandete, abge- 

kekrte Hiffhömer. 
Weze von Heinrich Dr. Feld 1 und 4: steigender Hirsch; 

Feld 2 und 3:2.1 Schafscheren ; Helme : rechts gekrönter 

Adler, links Löwe. 
Wezel Erhard 1409. Stulphut mit abhängenden Bändern. 
Wichsenstein von Hilpert 1412. Wolf. F. 
Wicke de von Dietrich 1445. Gequert, oben Lilie. 
Wieland Ulrich 1403. Haupt. Sind die Wieland von Uster- 

ling. Altes bayerisches Geschlecht. 
Wieland Marquard 1416. Gleichfalls Haupt. Manchmal ist 

der Schild gequert. 
Wieler von Heinrich 1382. Doppelköpfiger Storch. Sind die 

Weiler. H. 
Wiesen von der Rudolph 1369. Mit Spitzen gelängt. 
Wieshler Albert 1362. Mit 4 Spitzen belegter Balke; Helm: 

mit Federbart bestecktes Büffelshorn. Sw. 
Wigenheim von Bertold 1347. Geflügelte Büste; auf ge- 
kröntem Helm: die Büste. F. 
Wilbach von Adam 1442. Mit Veh? belegter Schuh. 
Wild Otto 1336. Gestürzter Mond. O.-Pf. 

„ Otilia. Gequert, oben und unten Vorhängschloss. Regensb. 
Wildberg von Ulrich 1357. Stein bockgewaff^. Sw. 
Wilden fei s von Dietrich. Radgespänge; Helm: hoher Hut; 

Heinrich 1374 geschrägt. 



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58 K. Primbs: 

Wildenstein von Dietrich miles, Heinrich und Dietrich zu 
Heufeld gesessen seine Brüder 1327. 1) Mühlrad im Siegel- 
feld, 2) selbes im Schild; Helm: Hut. 

W i 1 d g r a f Elsbeth 1.^92. Geschränkte Aeste. Sw. 

„ Friedrich 1335. Topf heim mit Hut , der mit 2 . 1 

Löwen belegt, und auf der Spitze drei Tannenzapfen zeigt. 

W i 1 d g r ä f Gottfried 1286. 2 . 1 Löwen. 

Wildungen von Berchtold, Propst von S. Peter in Mainz, 
1423. Fuchskopf. 

Wildungsmauer von Conrad 1420. Gelängt, links 4 mal 
gequert. Oest. 

Wilenau von Rose 1382. Löwe. 

Wiler von Conrad 1351. Balke. Sw. 

Wyler von Johann 15. Jahrh. Balke, oben gelängt, rechts 
2 . 1 Eicheln, Hnks 2 . 1 Schindeln; unten 3 . 2 Schindeln. 

Wilhermsdorf von Stephan 1373. Im Haupt drei Rauten. F. 

Willich von Alzey Wernhard 1318. Schräg gestellte Laute 
im lihenbesäeten Schild. 

Willing Hans 1430. Steinbockkopf. 

Wim eis hausen von Heinrich 1445. Drei Rauten schräg hnks 
gestellt. 

Wymersheim von Jakob 1351. Zwei Balken zwischen 
3.3.2 Kleeblättern. 

Wimpfelin Nikolaus 1448. Tischwange. 

Windeck von Rupert, Schultheiss zu Worms, 1469. Blumen- 
strauss. 

Winden von Heinrich 1353. V Löwe, auf Spitzenfuss zuge- 
kehrte Vögel, zwischen denselben Staude. 

Windheim von Siboto 1281. Helm: wachsende abgekehrte 
Winde. 

Win eck von Parzifal 1422. Zweimal gequert, einmal gelängt. 
Sind die Tyroler Weinecker. 

Win heimer Conrad arm., Amtmann zu Marientraut, 1482. 
Rosen 2. 1 gestellt; Helm: offener Flug mit 2 Rosen. 

Winkel Heinrich, Bürger von Ulm, 1377. Geschränkte Hacken. 

Winkler von Kindsberg Trost 1352. Fisch. Böhm. 

Winreben zu der Mathias, Schöffe zu Trier, 1427. Krone; 
Helm: Schirmbrett mit der Krone. 

Winter von Langenegg Georg 1493 Stufe mit S belegt. 



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Mittheilungen über SiegelabgUsse des allgem. Reichsarchivs. 59 

Wintorf von Dietrich 15. Jahrh. Zwei Pfähle unter Haupt. 

Winzer er Caspar, Zollner zu München, 1437. Tasche. 

Wirnt Ulrich, Bürger von Kaufbeuren, 1409, Zwei Balken 
mit rundem Griff. — Ringe — beim einen nach oben, beim 
andern nach unten gelegen. 

Wisenbach von Eglof 1355. Helm: Adlerkopf. Sw. 

Wyshar Adam arm., Schultheiss zu Speyer, 1482. Gelängt, 
rechts vorbrechender Heugabel haltender Arm, links längs 
gewellt; Helm: die Gabel haltender wilder Mann. 

Wisland Jos 1431. Muscheln 2.1 gestellt. 

Wissinger Heinrich, Stephan und Conrad 1483. Schräg ge- 
stelltes Schwert. 

Wistatt von Bernold, decan. zu Worms, 1437. Balke; Helm: 
Büffelshörner. 

Witolsheim von Rupert 1360. Fallender Rabe. 

Witt statt von Hans 1420. Balke; Helm: 2 Büffelshörner. 

Woelwarth von Otto 1299. V Pelzrundhaupt. Uraltes, dem 
Riesgau entstammendes noch blühendes Adelsgeschlecht, 
das sonst stets einen Mond im Schild hat. 

Woelwarth Wilhelm 1545. Halbmond; Helm: Halbmond. 

Wohlen von Jakob, genannt Landrichter, 1370. Geviert. 
Vorarlb. 

Wolf Heinrich 1347. V Wolfskopf; Ulrich 1287 laufende 
Wölfin. 

Wolf Friedrich 1482. Mit 3 Muscheln belegter Schrägbalke. 
„ von Sponheim Heinrich 1391. Geschacht, im Unken Frei- 
viertel Adler. 

Wolf egger Hans 1395. Wolf auf Dreiberg. Sw. 

Wolfersdorf er Wilhelm 1390. Wolf. B. 
Hartwig 1369. Wolfskopf. 

Wolfolt Hans 1371. Hüte 2.1 gestellt. Sw. 

Wolfsatel Walther 1363. Gekrönter Stiefel. Sw. 

Wolkenstein von Wilhelm 1540. Feld 1 und 4 mit Wolken 
geschrägt, 2 und 3 drei Spitzen auf Fuss. Noch blühend. 
Tyrol. 

Wolkramshausen von Seifrid 1373. Balke. 

Wollendorf von Ulrich 1559. Löwe; Helm: Abgekehrte 
Löwen. 

Wolle nsdorfer Wilhelm 1390. Wolf. 



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60 K. Primbs: 

Wolmershausen von Katharina 1369. Vogel. P. 

Won ecke Hans Ritter 16. Jahrh. Schrägbalke zwischen 
Padenschrägbalke; Helm: Plug mit den Balken; Jakob 
15. Jahrh. gleiches Wappen. 

Wo ringen von Pritz 1377. Rad. Sw. 

Wucherer — Usurarius — Wilhelm gleiches Wappen wie 
Hans. Vide Abth. IV I 

Wuerfel von S. Polten Peter 1382. Würfel mit ; ; bezeichnet. 
„ Paul 1375. Raute; Helm: Plug mit der Raute be- 

legt. Oest. 

Wulp Magens 1340. Pallender Wolf. B. 

Wulzendorf von Leuthold, Untermarschall von Oesterreich, 
1475. Gekrönter Löwe im Schild und auf dem Helm. Oest. 

Wurmrauscher Göz 1382. Henkelkorb. Manchmal ist der 
Korb mit Laub gefüllt, in dem wohl der Wurm rauscht. 
Ob.-Pf. 

Wuerzestat Heinrich 1349. Balke. P. 

Wuester Conrad 1380. Radgespänge. P. 

Wuzler Werner 1444. Wachsender Schwan; Helm: Schwan 
mit offnen Plügeln. 

Z. 

Zaechling Hans, des Rathes zu Passau, 1473. Halber Löwe, 
Rachen mit durchstossenera Schwert; gekrönter Helm mit 
dem Schildbild. Pass. 

Zaler Hans 1369. Rehlauf. 

Zalgen von Ulrich 1427. Drei Bäume auf Dreiberg. 

Zandt Albert 1359. Löwe mit Menschenkopf im Rachen. Die 
Dens zählten zu den ältesten und angesehensten Raths- 
geschlechtern von Regensburg. Sie hatten bei der Alten 
Capelle ihre eigene Capelle. 

Z a n t e r von Mörnsheim Dionys 1434. Gelängt. Marquard be- 
diente sich schon 1365 dieses Wappens. 

Zaunrued Andreas 1353. Halber Rüde. B. 

Zebingen von Walther 1437. Schild und Helm: springende 
Katze. Sw. 

Zedwitz von Heinrich 1379. Balke, oben Spitzen; Priedrich 
1377 führte gleiches Wappen. Die noch im Grafen- und 
Herrenstande blühenden Zedwitz , Stammgenossen der 
Peilitzsch etc., führen zweimal gequerten Schild. 



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Mittheilungen Über SiegelabgUsse des allgem. ReichBarohivB. 61 

Zehen er Conrad 1383. Zinnenmauer. Sw. 

Zehendtner Wilhelm und Hans 1398. Geschränkte Kreuze. Sw. 

Zehentner Heinrich 1392. Balke, Schwert schräg über den 

Schild mit der Spitze nach oben gelegt. 
Zeierner Erhard 1425. Geschränkte Arme. F. 
Zeilhof er Peter 1400. Gelängt, rechts Balke. B. 
ZeiselmüUner Hans 1472. Halber Ritter mit Mühlstein auf 

dem Helm hält den Schild, in dem sich ein Mühlstein be- 
findet. 
Zellenberger Mathias 1472. Linker Zinnenschrägbalke ; 

Helm: Büffelshörner. 
Zeller von Zell Conrad 1387. Gekrönter Löwenkopf; Conrad 

1444 Schild und Helm: der Löweukopf. 
Zeller Niklas, Richter zu Passau, 1408. Vorbrechende Sau, 

nach anderen Siegeln halber Eber. 
Zeller Leonhard, Bürger von Passau, 1408. Eberkopf. 

„ Stephan 1388. Aufrechter Fischerhacke. B. 
Zen dring Niklas. Gelängt, rechts vorbrechender Adler, links 

sechsmal geschrägt Sehr altes Lindauer Sünfzengeschlecht. 
Zen er Pankraz 1444. Schild und Helm: Bracke. 
Zengraf Leopold 1380. Halber fallender Ochs. F. 

„ Hans 1367. Schrägfluss. F. 
Zenstner Conz, genannt Choppermann, 1410. Geschrägt, mit 

darüber gelegtem linken Schrägbalken. 
Zerrhelm Ludwig 1331. Gestürzter Dolch. B. 
Zieh er Wilhelm 1385. Abgekehrte Ambrustwangen. Sw. 
Ziethelm von Hanemann 1350. Fallendes Pferd. 
Zimmern von Christoph Graf 1559. Feld 1 und 4 gekrönter 

Löwe in geschrägtem Felde, 2 und 3 Löwe mit Halbparte. 
Zimmern Werner Graf 1369. Löwe Halbparte in den Pranken 

haltend. 
Zipplingen von Wilhelm 1366. Fallender Wolf. Sw. 

„ Reinhold, Georg und Seitz 1400. Fuchs. Sw. 

Zirckendorfer Friedrich 1409. Gestürzter Zirkel. F. 
Zischingen von Luitfrid 1404. Ballen 2.1 gestellt. Sw. 
Zobel Luke 1316. Ballen 2.1 gestellt. F. 
Zoll er zu der langen Ketten Peter, Schultheiss zu Worms, 1449. 

Abgeledigter Sparre zwischen 2,1 Rosen; Helm: Rose 

zwischen Büffelshörnem. 



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62 K. Primbs: 

Zollner Peter 1419. Sparre von 2.1 Rosen begleitet. 
Zorn von Weiprecht 1466. Thurra. 

y, von Bulach Adam 1479. Stern auf Haupt; Helm: 

Brackenkopf. Elsässer. 
Ztange Heinrich 1363. Gelängt, rechts halber Radreif, links 

Balke. 
Zu eichen Walther 1395. Aufwachsender Mann. Sw. 

, von Ulrich 1427. Drei Bäume. 

„ Hans 1420. Vogel; Helm: Büste. 

Zuercher Dietrich 1377. In die Deichsel gestellte Füsse. 

^ Hans, Stadtamann zu Ravensburg, 1417. Vogel; 

Helm: Puppe mit Kürn am Kopf. 
Zugmantel Friedrich 1371. In gequertera Schilde Adlerkopf. F. 
Z w e r g e r Heinrich 1313. Gelängt. B. 
Zwergkeuchner Hans 1390. Gequert, oben rechtes Ort. 

Boeh. 
Zweybruecken von Elise und Eberhard, Graf von, 1378. 

Sie: 2 Schilde, rechts Löwe, links Löwe .mit Turnierkragen. 

Er: Löwe. 
Zweybruecken Agnes, des Simon Wittwe, geborne Gräfin 

von Lichtenstein, 1367. 2 Schilde, links Löwe im gebor- 

detem Schild, rechts Löwe. 
Zweybruecken Eberhard 1 197. Reitersiegel. 

„ Simon der Wecker 1479. Schild und Helm : 

Löwe. 
Zwicker Markus 1449. Muscheln 2.1 gestellt. Angesehenes 

Rathsgeschlecht der Stadt Kempten. 
Zwicker Diepold, Bürger zu Memmingen, 1444. Das gleiche 

Wappen ; Helm : Baum. 
Zwingenstein von Elsbeth 1392. Geschränkte Adlerfüsse. Sw. 



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Qoo^<z 



Mittheilungen über Siegelabgüese des allgem. Reichsarehivs. 63 



A.rxJtxekirkf^. 



Siegel aus dem Archiv der ehemaligen Reichsstadt 
Regensbnrg. 

A. 

Abensberg von Winhard 1368. Im gequerten Schild 2. 1 ge- 
stürzte Hufeisen, dazwischen ein W; bei seinem Bruder 
Ludwig findet sich an dessen Stelle ein L. 

Altmann Hans 1398. Zwei Sparren; Helm: bärtige Büste, 
vom Hute derselben hängt ein langer Zipfel ab. 

Amann Bertold 1338. Auf gelängtem Schild geschränkte Stäbe. 
Albrecht Amann zu Osten führte 1352 gleiches Wappen wie 
Bertold. Pernold und Hans die Aman zu Weinting — wohl 
Burgweinting — 1346. Schräg gestellte Radfelge. 

Amann Friedrich, Bürger von Nürnberg. Geschränkte Löwen. 
Dies Geschlecht ging in Nürnberg zu Rath. 

An dem Markt Engelbert 1342. Von zwei Sternen beseitete 
vorbrechende Lilienspitze. 

Ardinger Ulrich 1403. Unter Fadenhaupt Stufengiebel oben 
mit 3 Kugeln besteckt. 

Arnold Mathias 1375. Vorbrechender Stufengiebel. 

Au in der Ulrich 1371. Zu beiden Seiten von drei Rosen pfahl- 
weise begleitetes V. 

Aumaier Liebhard 1398. Drudenfuss; Peter 1342 Schild im 
Schnecken geschnitten. 

Aunpeckh Hans und Sigfrid 1360. Von blau-weiss-roth ge- 
schrägt; Helm: geschlossener Flug gleich Aunkofer. 

BP. 

Paer Conrad 1391. An Kette gelegter gebandeter Bär. In der 
Ostenvorstadt gab es ein Haus zum Bären an der Kette. 



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64 K. Prirabs: 

Parrauter — Bernreuter — Eberhard 1389. Zwischen zwei 
Salzkufen über liegendem halben Rad aufrechtes Stosseisen. 

Parazhauser — Beratzhausen in der Oberpfalz — Friedrich 
1367. Aufrechter Pfeil. 

Paulser Hildebrand 1376. Gegengestürzte halbe Lilie. In Regens- 
burg gab es ein Stadtviertel „Paulser Wacht *^. 

Paulser Bertold 1338. Zugekehrte geschränkte Hacken. 
„ Conrad 1363. Geflügelter Adlerfuss. 
„ Leupold 1391. Zinnenschrägbalke — weiss in schwarz- 
rothem Schilde. 

Payer Hartwig 1328. MÜ Kreuz besetzter Fusssparre. 

Peckstaetter Gottfried 1373. Arm hält einen Zweig mit drei 
Blättern. 

Peffenhauser Conrad 1369. Schräg gegitterter Schild. 

Behaim Heinrich 1362. () Tra Siegelfelde eine Hacke. 
„ Wenzel 1423. Wachsender Mond. 

Peisinger Marquad 1387. Unter ausgebrochenes, oben mit 
2 Kronen )esteckteö Rad, weiss in roth. Nach anderen 
Siegeln sind es drei Lilien. 

Berger von Appelsdorf Conrad 1405. Mit Eisenhutschnitt ge- 
längt. 

Berg hauser Otto 1398. Mit drei Rosen belegter Schrägbalke. 

Pez Thomas Stadtsöldner 1391. An Kette laufender Bär. 

Pf äff Hermann der Müllner 1371. Mühlstein. 

Pfalzner Herdegen von Prag 1397. Im Dreipass Prauenbüste 
mit gesträubtem Haar, emporgehobenen Händen, Gehörte 
er zu der in Nürnberg zu Ansehen gelangten, ebenfalls aus 
Prag stammenden Familie Valzner? 

Pfaitler Chatharina 1400. Fussspitze. 

Pferinger Albert 1369. Schräg getheilter, oben mit einem 
Häckchen besteckter Stern. 

Pfolenkofer Johann 1380 und Conrad 1383. Gebogener ge- 
spornter Fuss. Die auf „kofen" endenden Ortsnamen finden 
sich um Regensburg ziemlich oft. 

Bi burger Friedrich 13()8. Linken Seitenberg erklimmender 
Biber. 

Pirkensee'r Friedrich 1378. Nach links gekehrter Arm, der 
abwärts gekehrten Dolch hält. 

Plankenfels von Engelbert 1398. Im Siegelfeld aufrechter Arm. 



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MittheiluDgen über SiegelabgUsse des allgem. ReichBarchivs. 65 

Plessing Hans 1424. Schild und Helm: Prackenkopf. 

Poemflinger Hans 1385. Abgesetzter Balke. 

Poppenberger Hans 1422. Rose; Helm: Flügel mit Rose belegt. 

Portner Heinrich 1328. Staude auf Dreiberg. Gehörte dem 
Wappen nach nicht zum Regensburger Rathsgeschlecht dieses 
Namens. 

Poschendorfer Erhard 1430. Ein „Boschen" auf Dreiberg. 
„ Ulrich 1404. Baum. 

Preitenauer Hans 1387. Schräg geviert. 

Prenner Heinrich 1352. Aufrechter Fischerhacken. 

j, Lukas 1352. Drei Seitenflammen ; Ulrich 1330 gleiches 
Wappen. 

Prennberg Albert 1410. Unter Haupt sechs aufsteigende 
Flammen. 

Pretpeck Qebhard 1470. Schild und Helm: mit Federbart 
bestecktes Büff^elshorn. 

Proebstl Conrad 1395. Im gelängten Schild abgekehrte Sicheln. 

Pruckner Ulrich 1379, Conrad 1385 Brücke; Ulrich 1385 Lilie 
mit 2 Staubfäden wie Prunhofer. 

Pruenne 1350. Gequert, oben von 2 Sternen beseiteter Sparre, 
unten Raute. 

Prunnhofer Jakob, Schultheiss in Regensburg, 1378. Lilie 
mit 2 Staubfäden — weiss in roth — ; Helm : Flug mit der 
Lilie. Altes Rathsgeschlecht von Regensburg. 

Prunnleite an der Greiraold 1349. Gebogenes quer gestelltes 
mit fünf aufrechten Röhren versehenes Wasserrohr — weiss 
in rot. Ein am westlichen Ende der Stadt Regensburg 
gegen Prebrunn zu gelegener Stadttheil heisst noch jetzt 
an der Prunnleiten. Ist eines der ältesten Regensburger 
Geschlechter. 

Pucher Werner 1345. Im gelängten Schild durchschlagene 
fallende Buchenblätter. 

Pucher Ulrich 1366. Geviert. 

Puckveler Rüger 1364. Gestürztes Schabmesser. 

Puel von Wernhard 1398. Schräg gestellter Wasserkübel. 

Punzinger Ulrich 1369. Gerautet unter Haupt. 

Burger Gotfrid 1373. Aus linkem Eck vorbrechende Hirsch- 
stange, auf der ein Zweig mit 3 Blättern steckt. Siegel- 
legende: G. Planchsteter. 

ArohivaÜBche Zeiteohrift Neue Folge IX. 5 



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66 K. PrimbB: 

Burgstall von Volkmar 1355. Löwe auf gequeriem Schild;- 
Helm : Doppelscheuer. Tyrol. 

Puttinger Jakob 1416. Auf Berg auf drei Seiten mit Feder- 
büscheln besteckte Kugel. 

CK. 

Kapfelberger Rüger 1390. Zinnenthurm. 

K aedel Conrad, Stadtdiener von Chamb, 1304. Geschrägt; 

Helm: Puppe in Gugel. 
Ceschinger Heinrich 1338. Sparre auf gelängtem Schild. 
Chaerlinger Otto 1335. Klimmender Marder. Tyrol. 
Chastner von Mezzing Conrad 1402. Schrägbalke — schwarz 

in gold-weissem Schild; Helm: 2 Pederbüschel. 
Chemnater Heinrich 1402. Viermal gequert. 
Kollner Marquard 1408. Krone auf gelängtem Schild. Er 

war Stadtapotheker. 
Kolmberg Bertold 1351. Gelängt, rechts gerautet. 
Krapf Caspar 1416. Abgekehrte innen gekerbte Monde über 

gestürztem Mond. 
Cuchler Conrad 1348. Pfahlsparre; Helm: Flügel mit dem 

Schildbild. 
Kuechenmeister Ludwig 1326. Aufwachsende Lilie. 
Kuerschner Hang 1372. Gegengezinnter Vehbalke. 

^ Philipp. Pfahl auf Balke, beide von Veh. 

DT. 

Taberzhofer Heinrich 1392. Am Ende mit Federn besteckter 
Widerhacke ; im Felde links eine Rose. 

Taeuerlinger Schweicker 1390. Gebandeter Brackenkopf. 

Dann er Ulrich zu Stampfreut 1385. Tanne. 
„ Conrad 1363. Drei Fadenschrägbalken. 

Tapfheimer Conrad 1390. Ochsenkopf. 

Taucher Ulrich 1338. Auf gelängtem Schilde 2 Ringe über- 
einander. 

Taucher Engelbrecht 1349. Schifferhacke mit Ring an der 
Stange. 

Taii^fkirch Conrad 1376. Im Vierpass gequerter Schild mit 
zwei Ankerkreuzen übereinander. 

David Weinmann 1341. Abgekehrte, mit den Hälsen ver- 



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MittheiluDgen über SiegelabgUsse des allgem. Reichsarchivs. 67 

schränkt« Schwäne; Leonhard 1387 gleiches Wappen. Die 
Simon führten ähnliches Wappen. 

Techpeter Seifrid 1370. Abgekehrte Bockshörner. 

Tegelhofe r Hans 1391. Um einen Ring gesteckte Püsse — 
Messerklingen ? 

Tegerpeck Seifrid 1342. Hacke. 

Tegerndorfer Friedrich 1361. Pfeil und Widerhacke ver- 
schränkt. 

Teiierlinger von Bernhards wald Ulrich 1395. Halber Rüde. 

Teufel Seifrid 1391. Mit drei Blättern belegter Schrägbalke. 

Teuffen von Jakob 1399. Gequert, oben Löwe. 

Todenacker Ulrich 1342. Zugekehrte Löwenköpfe in ge- 
längtem Schilde ; Albrecht Zackenbalke mit 2 . 1 Lilien be- 
steckt. 

Toebs Hermann 1432. Geschrägt. 

Toefringer Dietrich 1370. Löwe; Friedrich 1393 gleiches 
Wappen. 

Toesch Jos 1402. Rose. 

Tollinger Christina 1364. Menschenkopf auf Stern. Ist ihr 
Familien Wappen : „Sterner von Miesbrunn." 

Tollinger Elsbeth 1364. Im Siegelfeld Straussenkopf mit Huf- 
eisen im Schnabel vor Radfelge. Sind Theile des Wappens 
der Tollinger und Weintinger, aus welch letzterem Ge- 
schlechte sie war. Diese Art von AUiancewappen dürfte 
sich wohl nur selten finden. 

Tollinger Friedrich 1349. Strauss mit Hufeisen im Schnabel 
— weiss in roth. Das Stammhaus dieses uralten Regens- 
burger Rathsgeschlechtes, einst eine Sehenswürdigkeit von 
Regensburg, ist leider einem Neubau zum Opfer gefallen. 

Traeubl Albert 1376. 2.1 Vehwammen. 

Trainer Heinrich 1412, Ulrich 1422. Berockter aufrechter 
Fuchs. Der Helm des Letzteren zeigt ebenfalls einen Fuchs. 

Treflinger Hans 1414. Drei Rauten balkenweise gestellt. 

Tuerlein zum Otto 1366. Hauptstufengiebel. 

Duernstetter Conrad 1358. Lilienspitze. Altes Rathsgeschlecht. 

„ Conrad 1330. 2 mit Lilien besteckte Spitzen. 

Tundorfer Stephan 1367. Lilie zwischen zwei Sternen — 
weiss in roth. Diesem Geschlechte entstammte Leo Bischof 
von Regensburg, der Wiederhersteller des Doms. 



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68 K. Primbs: 

Tunz Otto 1371. Schachbalke. 

Tyslaba die „Jüdin" 1391. Stern über wachsendem Monde. 
In einer Regensb. Sammlung von Siegeln finden sich noch 
die von Simon dem Cahnan 1384, das einen Hahn zeigt; von 
David 1331 mit einköpfigem Adler; David 1391 mit Druden- 
fiiss; Feiel 1384 Stern vor Mond; Gnandl 1384 auch mit 
Hahn. Alle haben hebräische Umschriften. 

E. 

Eis nein Peter 1390. Drei schräg gestellte Messer. 

Eisenmanger Ortlieb 1351. In die Deichsel gestellte Pflug- 
scharen. 

Eni ekel — Enkel — Conrad 1374. Auf Stecken reitender 
nackter Knabe, Geisel schwingend. 

Eni ekel Stephan 1362. Stehender nackter Knabe. 

Enzengruber Friedrich 1370. Viermal geschrägt. 

Entzenhauser Ulrich 1392. Geknicktes Kreuz mit langem 
Schwenkel an der linken Seite. 

Erendsfelder Ulrich 1361. Mit Rose belegter Balke; Heinrich 
1408 gleiches Wappen. 

Ernst Luck 1334. Stufengiebel. 

Eschelloch von Heinrich 1335. Gelängt, rechts vorbrechender 
Adler, links Balke; Helm: Pfau. Sind die Grafen von 
Eschenlohe. Siegelt roth. 

Etelsdorfer Hans 1417. Schräg gestellte Fahne — Gatter? 

FV. 

Vaessler Diepold 1367. Drei schräg gestellte Bolzpfeile — 

weiss in blau; Helm: Büffelshörner. 
Vazzler Gebhard 1377. Sparre. 
Velberger Hans 1422. Aufrechter gestümmelter Ast mit drei 

Blättern. 
Velser Ulrich. Im Siegelfelde stehende nackte Figur in obscöner 

Stellung, rechts und links von' 4 Rosen beseitet. 
Villanders von Engelmar und Georg 1335. Zackenbalke. Tyrol. 
Vilser Paul 1437. Kreisförmig gebogener, den Schwanz im 

Rachen haltender Fisch. 
Vilser Ulrich 1412. Gelängt, links Balke. 
Fluderer — Flösser — Wernhard 1347. In gelängtem Schilde 

aufrechte abgekehrte Fischerhacken. 



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Mitthoiiungen über SiegelabgUsse des allgem. R^iohsarchivs. H9 

Flu derer Ulrich 1374. Fischerhacke vor Kleeblatt. 

Flüstel Ulrich, Bürger von Innsbruck, 1351. Nackter Knabe, 

zu beiden Seiten von drei Rosen begleitet. 
Volcholt Volkmann, Burgmann und sein Vetter Engelhard, 

Pfleger zu Thann — Burgthann in Mittel franken. Schräg 

gestellter Anker. 
Vor Brück Conrad 1341. Gequert, oben 2 Rosen, unten Lilie. 
Forster Ulrich 1409. Zwei linke Schrägbalken; Helm: Arme 

halten einen Balken. 
Fritzenwanger Georg 1393. Helm und Schild: drei Rosen- 

stängel. 
Füchsel Niklas 1344. Seitenberg ersteigender Fuchs. 
Fürst Ernst 1420. Sparre auf gelängtem Schild. 
Fuerter Ulrich 1400. Ueber 2 Pfiähle gelegter Schrägfluss. 

0. 

Garaered Margreth, geborne Woller, verwittwete Setzer. Hat 
das Setzersche Wappen — gestielte Rose — im Schild. 

Gangkofer Ortlieb 1344. Schräg gestellter Schifferhacke; am 
Stiel ist ein Ring befestigt. 

Gärtner Martin. Stufengiebel. 

Gebenbeck Martin 1396. Stern im rechten Unterort; Helm: 
Flügel mit dem Stern im Unterort. 

Gehring Marchard 1342. Halbes Einhorn. 

Gern Heinrich 1350. Abgekehrte Monde. 

Gessler Heinrich 1399. Von 2.1 Sternen beseiteter Balke; 
Helm : Pfauenkopf. Die noch in Proussen blühenden Gessler. 

Gielsdorfer Ruprecht 1302. Mit 3 Lilien belegter Schrägbalke. 

Glacksberger — Glabsberger — Martin 1414. Schachrössel. 

Glein dienst Walther 1360. Linkes Ort. 

Gmainer Peter 1423. Fadenbalke mit fünf aufsteigenden 
dünnen Spitzen. 

Goldschmid Pesold 1397. In die Deichsel gestellte Glocken. 

Goppel t Conrad 1380. Fallender Mann, der Hammer schwingt. 
Die Familie schrieb sich eigenthch Koppelt. 

Geringer zu Lichtenau Wolfgang Ritter, Stadthauptmann zu 
Regensburg, 1417. Im gelängten Schilde abgekehrte Sensen- 
blätter. Sind die Jörger von Tolbat, steyerischer Adel. 
Gosdorfer Conrad 1329. Geviert, 1 und 4 Peltz. Sind die 
Jahrsdorfer. 



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70 K. Primbg: 

Graf Conrad 1350. P'adenbalke, oben wachsender Löwe, unten 
Stern. Ein anderer Conrad: Wagenkipf; Otto dagegen 1370 
und 1410 das Wappen von Conrad von 1350. 

Grreygg — Chrayg — Conrad 1422. Geschrägt; Helm: ge- 
schrägter Flügel. Oest. 

Grazmann — Gresraann — Eberhard 1389. Ständer zwischen 
abgekehrten Monden. 

Grat z er Georg 1361. Steigender Marder? 

Gredinger Ulrich 1392. Aus Schrägzaun aufwachsender 
Baum. 

Greimolt Franz 1368. Gebogenes Rohr mit daraus aufsteigen- 
den drei Röhren. 

Greimolt Albrecht 1400. Gestürzter Pfeil zwischen 2 Rosen, 
an den Schaft stossen schräg 2 Kreuze. 

Greimoltshofer Hans 1300. Stiefel — Socke? 

Gruber Friedrich 1409. Werkstuhl — kurzes Brett mit drei 
Füssen. 

Grueb in der Albrecht 1347. Stufengiebel; Alhard 1345 
gleiches Wappen. Unfern der ,,Hayd" gelegene Gasse, in 
der sich Jahrhunderte hindurch das Gravenreuter'sche Fidei- 
kommisshaus befand. 

Grün Heinrich 1391. Von 2.1 Muscheln begleiteter Balke. 

Grünbeck Hildebrand 1436. Mit zwei Sparren belegter Schräg- 
balke. 

Grueninger Leonhard 1392. Lilie unter Haupt. 

Gulden Dietrich 1380. Mit 3 Sternen belegter Balke. 

Gunsdorfer Niklas 1436. Beil schwingender Arm. 

H. 

Hadrer Ulrich 1353. Kreuz mit rechtem Seitenschwenkel. 
„ Conrad 1364. Kreuz mit linkem Seitenschwenkel bildet 
mit dem Pfahl fast ein h. 

Hadrer Ulrich 1337. Kleeblatt mit aus den Winkeln vorgehen- 
den Stäbchen. 

Hadrer Ulrich 1391. Bärtiger Kopf in der Gugel. 

Haeblkofer Klara 1412. Wagenkipf. Ist das Wappen der 
Regensburger „Schickh*. 

Haeblkofer Hans 1413. Schild und Helm: Fuchskopf. 

„ Hans 1412. Gelängt, links Balke ; Helm : Brackenkopf. 



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Mittboiiungen über ^iegelabgUsse des allgem. Reicbsarchivs. 71 

Haenthaler zu Kemnaten Heinrich 1402. Gequerter Balke. 

„ Hans 1402. Prauenbüste. 

Haeubler Otto 1338. Schrägbalke über sechsmal gequerten 

Schild. Der Schild findet sich auch zweimal gequert. 
Haid von der Heinrich 1422. Balke resp. zweimal gequert. 

Noch blühendes, zur Sippe Roeder-Feilitzsch gehöriges Ge- 
schlecht. 
Haydtvolckh Heinrich 1377. Drei Mooskolben auf Wellen. 
Hall er Jakob 1410. Ungarische Mütze. 

„ Heinrich 1326. Zwei Schilde übereinander. 

, Karl 1342. Abgekehrte Monde über gestürztem. 

„ Conrad 1345. Gleiches Wappen, doch in der Mitte ein 

Stern. 
Handschuster Oswald 1395. Schräg gestellter Handschuh. 

Das Passauer Geschlecht führte gleiches Wappen. 
Hartlieb Erhard 1383. Gelängt, an der Theilung und linkem 

Schildrand mit Spitzen gelängt. 
Haus vom Hans 1395. Nach den Ecken gerichtete Stäbchen 

mit abhängenden Eichblättern. 
Hausmating Sighard 1391. Dreiberg. 
Heidelberger Nikolaus 1394. Gequert, oben Löwe, unten 

gegittert. 
Helbling Albrecht 1385. Heuständer. 
Helmsmid Heinrich 1342. Zwei Kreuze in gelängtem Schild. 

„ Conrad 1342. Helm. 

Henflid Ulrich 1388. Löwe in Dreipass, rechts und links ge- 
geflügelter Kopf, oben bartiger Kopf. 
Hentlinger Georg, Richter zu Neusiedl in Ungarn. Fisch 

von schräg gestelltem Ger durchbohrt. 
H e r r a n t Georg 141 1 . Abgekehrte Büffelshörner ; Helm : Peder- 

köcher. 
Herwester Hans 1361. Im Siegelfeld Flügel. 
Hess Mayer Jude 1384. Sterne vor Mond. 
Hinkofer Hans 1416. Hacken? 2.1 gestellt. 
Hirs im Georg. Wagenkipf; Helm: Puppe mit Büffelshörnern. 
Hoeher Ulrich 1361. Mühlrad. 
Hof vom Wigalois. Mit Balke belegter Löwe. Ist das Wappen 

der später zu Riekofen landsässig gewordenen Hildbrand 

in Regensburg. Sass wohl zu Stadtamhof. 



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72 K. Primbs: 

Hofmeister Albrecht 1411. Auf Spaten gestürzter GHefen- 
stab. Er war Richter in dem Regensburg nahe gelegenen 
Pentling. 

Hofmeister Friedrich 1399. Büste zwischen Kürn. 

„ Heinrich 1371. Büste mit Kürn statt der Arme. 

„ Peter 1391. Thurm. 

„ Ulrich 1376. Aus dem rechten Winkel vor- 

gehendes Sensen blatt. 

Helens t einer Heinrich 1386. Fallender Adler. 

Hoppler Franz 1399. Stern; Helm: Stern zwischen Büffels- 
hörnern. Sein Bruder, der Pfarrer war, führte Flug mit 
dem Stern auf dem Helm. 

Hornbeck Erhard 1347. Lediges Pattenkreuz. 

Hörndler Erhard 1395 und 1411. Gebandete Hiffhörner über- 
einander; Helm: zugekehrte aufrechte gebandete Hiffhörner. 
Conrads Siegel zeigt 1330 nur ein schräg gestelltes Hiffhorn. 

Huber Ulrich 1389. Rosenzweige auf Dreiberg. 

„ Ulrich 1400. In gelängtem Schilde Büffelshörner, die 
je mit drei Rosen belegt sind. 

Huntheimer Conrad 1360. Sitzender Hund. 

IJ. 

Inkofer Hans 1416. Vogelfüsse 2.1 gestellt. 
Ingolstetter Elsbeth 1396. Stern auf gelängtem Schild. 

War ihr Familienwappen. 
Ingolstetter Conrad und Heinrich 1349. Aufrechter ge- 

stümmelter, oben mit Kreuz besteckter Ast. Sonst führten 

sie den Ast der Quere nach gelegt, auf schwarzem Balken 

in gold-weissem Schild. 
Irlacher Seitz 1416. Fussspitze; Helm: Büste in der Gugel. 
Islinger Erhard, Bürger von Regensburg, 1390. Zirkelartige 

Figur. 

Lader Ulrich 1382. Vierfüssige Truhe — Lade. 
Lantstein Wilhelm 1347. Schild und Helm: Rose. 
Lauterpeck Leonhard 1369. Aufrechter gestümmelter Ast. 
„ Hans 1403. Viermal geschrägt; Helm: behütete 

Büste. 
Lauterpeck Ruprecht 1386. Schrägäuss. 



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Mittheilungen Über Siegelabgüsse des ailgem. Reicbsarchivs. 73 

Lech Ulrich 1412. Löwenkopf, aus dessen Rachen und Ohren 
kurze Glefenstäbe hervorgehen. Sehr altes angesehenes 
Rathsgeschlecht, dem man mit Unrecht den berühmten 
Minoritenprediger Bertold in Regensburg zuzählte. 

Lerchenfelder Leopold 1376. Abgesetzte Krückenstöcke 
mit aufgebogenen Füssen. Dem Wappen nach kaum dem 
noch blühenden einst in Regensburg und Straubing ver- 
bürgertem Qeschlechte dieses Namens zuzuzählen. 

Leutwein Hans „auf Tunau*' 1328. Schrägfluss im — blau- 
rothen — Schilde. Dieses angesehene Rathsgeschlecht hatte 
seinen Sitz hauptsächlich in der Donaustrasse. Vide Probst I 

Loebl Leonhard 1364. In die Deichsel gestellte Schilde. Eine 
andere Linie führte in rothem Schild goldnen Löwenkopf, 
aus dessen Ohren und Rachen weisse Glefenstäbe hervor- 
gehen. 

Loesel Conrad 1355. Zweig mit vier Blättern auf Stufengiebel. 

Luch Jakob 1456. Auf drei Seiten mit Federn besteckte 
Kugel auf Dreiberg. Eine andere Familie Luch hatte 
2 . 1 Lilien im Schilde. 

M. 

Maeutze Conrad 1316. Gelängt, rechts Löwe, links Arm- 
brustwange. 

Maierhofer Simon 1389. Schräg gestellte Pferdebremse. 

Maisenburg Walther 1347. Im Haupt drei Vögel. 

Maller Peter 1408. Viermal links — von roth und weiss — 
geständert; Albert 1366 gleiches Wappen; Niklas 1326 
Hausmarke. 

Maninger Ulrich 1413. Schräg gestellte Kürnstange. 

Markt an dem Goswin 1290. Büste. 

Mattreyer Ukich 1375. Schild und Helm: Hahn. Tyrol. 

Mausdorfer Conrad 1394. Geschrägt, Vogel, Kirschen im 
Schnabel tragend, unten Arm, der Kürnstange hält. 

Maurer Dietrich 1357. Richtblei auf Schrägbalke. 

Mautner Heinrich , Bürger von Chamb , 1386. Schild und 
Helm: Arm, der Dolch hält. 

Meokenhausen von Conrad 1329. Viermal gelängt unter 
Haupt; Helm: hoher Stulphut mit Federn besteckt. 

Mendorfer Heinrich 1369. Zwillingsschräg balke mit steigen- 
dem und fallendem Blatt. 



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74 K:. Primbs: 

Metenpeck Ulrich 1351. Steigender Bär. 

^ Conrad 1341. Mit 3 Lilien belegter Schrägbalke; 

Helm: Lilie. 

Miliner Hermann „der Pfaflf« 1371. Mühlstein. 

M II e 1 b a c h Rüper 1325. Lilien 2 . 1 gestellt. 

Mugelbach Hans 1395. Stern ober vorbrechenden Rädern. 

Mulbeck Conrad 1367. Gelängt, rechts ein c, links bärtiger 
Kopf; Johann 1376 gleich, doch rechts ein h. 

Munser, Ernsts Sohn Luck, 1334. Durchbrochener Stufen- 
giebel. 

Murher Ulrich 1414. Aufwachsende Lilie, im Haupt Kugel. 

N. 
Naumburg von Karl 1366. Geviert. Ist Neunburg. 
Notscheft Erhard 1463. Zwischen zwei Sparren ein Vogel, 

dessen Brust von Pfeil durchbohrt; Helm: Flügel mit 

Schildbild. 
Notzel Berchtold 1353. Durchbrochener Fünfberg. 

„ Albrecht 1410. Seitensparre, am rechten Fuss ist ein 

Kreuz angebracht. 
Notzel Martin 1330. Gelängter Mantelschnitt. 
Nussberger Achaz 1425. Dreireihiger geschrägter Schach- 

balke; Helm: Federbusch. Schildhalter ein Löwe, der mit 

dem Kopfe im Helm steckt. Der Löwe scheint, w^ie bei 

Paulsdorfer, auf die Mitgliedschaft des Löwlerbundes zu 

weisen. 

0. 

Oberdorfer Conrad 1336. Kreuz auf Schildfuss. 

„ Ludwig 1331. Helm. 

Oelenheimer Albrecht 1391 . Kreuz mit umgeknickten Schaft. 
Oetlinger Niklas 1394. Bärtige Büste in Gugel. 
Olvendorf von Michael 1409. Heuständer. 

Rabenkopf Friedrich 1344. Rabenköpfe 2 . 1 gestellt. 
Raedel Conrad 1404 Geschrägt; Helm: Büste in Gugel. 
Raemelsberger Friedrich 1391. Rammelkopf auf Hut ge- 
steckt. 
Rascher Conrad 1409. Kreuz zwischen geschränkten Nägeln. 



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Miitheilungen über SiegelabgUsse des ailgern. Reichsarchivs. 75 

Rauscher Weibold 1402. Mauerzinne. 

Reich Hans 1412. Absteigende Lilienspitze zwischen zwei 

aufsteigenden. Angesehenes Regensburger Rathsgeschlecht. 
Reichraann Agnes 1368. Halber i\dler auf Ring. Nach 

besser erhaltenem Siegel: im Haupt wachsender Adler, im 

Schild Ring. 
Reiffer Albrecht 1363. Widerhacke auf ledigem Postament. 
Reutter Martin 1370 und Conrad 1307. Geschränkte Kreuze 

auf Stufengiebel. 
Reutter Liebherr 1383. Schräg gelegte drei Glieder starke 

Kette. 
Rietenburg von Ulrich 1375. Vogel auf Dreiberg. 
Rinpach Ulrich 1390. Schrägfluss über Seitendreiberg. 
Robel Albrecht 1414. Sichel. 

Rosschedel Weinhard 1347. Gezäumter Rosskopf. 
Rotenburg von Heinrich, Hofmeister von Tyrol, 1335. Burg. 
Rotz in er Franz von Ockersheim 1356. Mit Spitzen geschrägt. 
Rudner Friedrich, Pfarrer von S. Kassian in Regensburg, 1357. 

Sense. 
Rumer — Römer — Berchtold 1416. Vorbrechender Arm 

hält Gabel. 

S. 

Sadian der Jude 1391. Rose. 

Saerchinger Conrad 1315. Zugekehrte Seebrode über wach- 
sendem. 

Saerchinger Conrad 1328. Ballen 2.1 gestellt. 

Salacher Albrecht 1388. Geschränkte Streitkolben. 

Schambach von Conrad, Richter zu Lanquad, 1359. Doppel- 
anker mit Ring oben und unten. 

Schambach Conrad 1369. Mit 4 Rosen belegter Kranz. 

Schamerlin Andreas zu Pföring 1370. Gechränkte Schwerter. 

Schenk von der Lippen — Bercka von Duba — 1347. 
Geschränkte gestümmelte Aeste. Zu beiden Seiten im 
Felde eine Krone; Helm: quer gestellter Fisch. Boeh. 

Sehen na von Conrad 1335. Gequert, oben wachsender Löwe. 
Helm: Beutelstand mit dem Schildbild. Tyrol. 

Schickh zu Giessdorf Ulrich 1391. Aufwartender Bär. 
, Conrad 1329. Seitenberg erkletternder Bär. 



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7f> K. Primbs: 

Schikkenberger 1387. Drei Mohnstängel auf Schrägmauer. 
Im Dreipass oben zwei Männer, unten liegender Löwe. 

Schillingsfürst von Conrad 1329. Verkehrtes S. 

Schlondorfer Conrad 1360. Tannenbaum zwischen abge- 
kehrten Stiefeln. 

Schmidl Ulrich 1569. Gekrönter halber Ochse. 

Schmuck Thomas 1421. Zwei Sparren. War Baumeister. 

S c h n e c k Erhard 1387. Damktlrn — weiss in blau. 

Schreiber Ulrich 1420. Schräg gestellte Hirschstange. 

Schueter Dietrich 1329. Ballen 2.1 gestellt. 

Schwaiger Nikolaus 1361. Rad. 

Schwarzenberg von Conrad 1358. Steigender Steinbock. 

Schwein furter Hans 1368. Gestürzter Anker. 

Schwindauer Ludwig 1387. Abgekehrte Fische. 

Senft von Wörth Heinrich 1388. Gelängt, rechts vorbrechende 
Lilie, links Balken. 

Senft Ulrich 1460. Strauss, Hufeisen im Schnabel haltend. 

Setzzer Conrad 1344. Gestielte Rose mit 4 Blättern. 

Simon Stephan 1367. Abgekehrte roth gebandete, rück- 
schauende grüne Papageye in weiss; offener Plug mit den 
Papageyen. 

Sit au er Heinrich 1333. Geschränkte Krückstöcke — weiss in 
roth. Rathsgeschlecht von Regensburg. 

So er gel Peter 1366. Halbe abgekehrte vorbrechende Räder. 

Speekmuckh Erhard 1356. Geschrägt, mit in der Mitte vor- 
gehender Spitze. 

Spiegel Seifrid 1371. Aus den Ecken vorgehende Arme, 
welche abwärts gekehrte Dolche halten. 

Spitzer Nikolaus 1384. Eber erklimmt Seitenberg. 

„ Conrad 1321. Arme mit verschränkten Händen. 

Stadeldorfer Conrad 1395. Stulpmütze; Helm: Büste. 

Stadelotter Hans 1385. Mit Zinnen geschrägt mit aus- und 
einspringendem Kreutz. 

Stagel Eberhard 1399. Steinbock. 

Steinmetz Mainhard 1362. Geschränkte Hämmer. 

Steinsdorfer Merbot 1372. M über Stufengiebel. 

Stefner Perwein 1344. Hut über Spitze. 

Stegner Ulrich 1377. Oben gespaltene Lilie. 



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Mittheilungen Über SiegelabgUsse des allgem. Keichsarohivs. 77 

Stein ach von Heinrich 1331. Balke, oben 2 abgeledigte Stufen- 
giebel, unten aufsteigender. 

Stern er Conrad 1440. Mit goldgelocktem Menschenkopf be- 
legter Stern in blau. 

Stern er Rüger 1330. Zwei Zackenbalken. 

Stetpeck Hans 1389. Zweig rait 2 Eicheln und Blättern. 

Stock Heinrich 1400. Kreuz auf Dreiberg. 

Stock er Ulrich 1383. Vorbrechender Greifenfuss. 
„ Rüger 1300. Stock — Straf Werkzeug. 

Straubinger Ludwig 1367. Mit Spitzen belegter gebordeter 
Schrägbalke. 

Straubinger Heinrich 1345 und Andreas 1366. Gelängt, links 
zwei Schrägbalken. Gehören zu den Rainern von Rain. 

Straubinger Agnes 1363. Im Siegelfeld stehendes Lamm mit 
Fahne. 

Straubinger Marie 1369. Gelängt, links die Schrägbalken, 
rechts Windspiel. Wohl ihr Familien wappen. 

Streber Thomas 1411. Im Haupt Balke auf zwei Schrägbalken. 

Stumpf Rudolph, Stadtsöldner, 1401. Schnabeltopf. 

Suenching von Jakob 1390. Sparre rait Kreuz besetzt. 

Sulzbeck Hans 1405. Mantelschnitt; Helm: Büffelshörner. 

Swestersun Hans 1362. Flügel. 

ü. 

Ulenchofer Friedrich 1389. Vogel vor schräg gelegtem 

Widerhacken. 
Unthael Merbot 1406; Schrägfluss, oben gestürztes T. 

W. 

Waiter Conrad 1321. Seiten berg erkUmmender Eber. 

„ Leonhard 1321. Verschlungene Arme; Conrad 1330 
gleich. 
Waiter Hans 1393. Stufenschrägbalke. 

„ Ulrich 1330. Mit Stufen schräg geviert. 

„ Heinrich 1378. Zackenschrägbalke. 
Wacker Bertold 1339. Fahne. 
Walter Conrad 1321. Hauender Eber. 
Waltenhofer Berchtold 1339. Rübe rait Kraut. 
Waltinger Albrecht 1405. Rosskaram; Helm: offener Flug 
rait dem Rosskamm. 



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78 K. Primbs: 

Wartener Ulrich, Stadtschreiber, 1345. Mit drei Lilien belegter 
Pfahl. 

Weich s von Walther, Richter zu Haidau. Vogel. 

Weidner Leonhard 1371. Drei Weidenzweige; Rüger führte 
1391 gleiches Wappen. 

Weidenhüler Hans 1402. Balke. 

Weihenstephener Berchtold 1344. Qequert, oben Hut? unten 
Raute. 

Weintinger Berchtold 1346. Schräg gestellte Radfelge. Das 
Geschlecht führte für gewöhnlich abgekehrte Radfelgen im 
Schilde. Seine Capelle bei den Barfüssern in Regensburg 
besteht noch. Vide Aman von Weintingl 

Weispeck Heinrich. Aufrechte, an den Ecken mit kurzen 
Stäbchen besteckte Raute. 

Weispeck Wernhard 1406. Von 2 . 1 Sternen begleiteter Zirkel; 
Helm: geschlossener Plug mit Zirkel und Sternen. 

Weissen berg von Hinatzko, genannt von der Duba, 1391. Ge- 
schränkte gestümmelte Aeste. Boeh. Vide Berka von der 
Duba! 

Welser Ulrich 1356. Hausmarke. 

Wetelszell von Walther 1336. Gelängter gebordeter Schild. 

Wild Friedrich 1315. Dreieck; Georg 1389 desgleichen und 
auf dem Helm bärtiger Kopf mit hohem Stulphut. 

Wild Otilia 1412. Gequert, oben Vorhängschloss. 

Wildinger Ulrich 1420. Eichblatt; Helm: mit Federn be- 
steckter Stiefel. 

Wisend Ulrich 1360. Quer gestelltes gebandetes Hiffhorn. 

Wisenter Friedrich 1402. Zwillingsschrägbalken. 

Wishey Carl 1383. Mühlrad. 

Wismaier Heinrich, Bürger von Landshut. Rad. 

Wolfhaeuser Peter 1354. Schreitender Wolf. 

Wülfinger Hans 1396. Helm: Federbusch zwischen ge- 
schränkten Schwertern. 

Wüstorf von Hans 1396. Aufrechte Dietriche. 

Z. 

Zach reis Conrad 1389. Eichblätter um Eichel gesteckt. In 

der Urkunde heisst er ZaecherL 
Zachreis Conrad, Bürger von Passau, 1395. Zwei Pfähle. 



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MittheiluDgen über SiegelabgUsse des allgetn. Reichsarchivs. 79 

Zaendel Ortlieb, Hofmeister des Bischofs Albert von Passau, 

1326. Zwei Schilde übereinander. 
Zaller Berchtold von Vohburg 1370. Spitze. 
Zaunstricker Pecho 1392. Geschränkte Drabtnadeln. 
Zant Friedrich 1353. Mühlstein über Wellen. Gehörte wohl 

nicht zum alten angesehenen Rathsgeschlecht der „Dens". 
Zehentner Heinrich 1372. Balke mit schräg darüber gelegtem 

Schwert. 
Zeller Heinrich 1400. Mit Federn besteckter Hut. 
Zenft Heinrich 1358. Gelängt, links Balke, rechts verbrechende 

Lilie. Vide SenftI 
Zierenschaub Jordan 1390. Arme „zerren" ein „Schaub" 

Getraid auseinander. 
Zollner Dietrich 1358. Gestüramelter Ast quer über einem 

aufrechten. 

In den vorhergehenden Abtheilungen wurden die Wappen 
folgender Regensburger beschrieben : 

Au I., Burgtorer L, Gameret 1., Gravenreuter I., IL, Haeuss I., 
Haid an der (Gumpert) L, IL, IIL, Lerchenfeld L, Luch L, 
Ruess L, Wahlen unter den (Haymo) IIL, Zauner L, Hof am IL, 
Ingolstetter IL, IIL, Loebl IL, Sterner IL, Adler IIL, Ann- 
kofen III., Portner mit dem Dännel IIL, Probst IIL, Krazzer IIL, 
Taucher IL, Davit UL, Tollinger IIL, Frumold IIL, Hilde- 
brand HL, Laeutwein auf Tunau III., Notangst IIL, Rock- 
inger IIL, Schickh IIL, Waag auf der IIL, Weintinger IIL, 
Weltenburger IIL, Woller IIL, Zeller IIL, Rontinger IV. 



Siegelmatrizen and Siegel des Miltenberger (Haberschen) 

Archives. 

Alken von Johann Ernst 15. Jahrb. Stern unter Balke. 

Allendorf von Kaspar 1530. Stern vor wachsendem Monde. 

Aitenkirch von Heinrich 15. Jahrh. 2 Sterne über abge- 
kehrten Monden. 

Anger vbn Hans 15. Jahrh. Stern über abgekehrten Winzer- 
messern. 



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80 K. Primbs: 

Appian Philipp Dr. M. 1580. Doppelköpfiger Adler in Doppel- 
wolkenkranz; Helm: gleich. Matr. 
Paloch Mathias Graf von 1434. Lilie auf gekröntem Helm. 

Matr. 
Bathiany Baltasar 1543. Löwe mit Schwert in Felsenhöhle. 

Noch blühendes Grafengeschlecht. Matr. 
Bathiany Hans 15. Jahrh. 3 schräg gestellte Würfel. 

„ Hans 15. Jahrh. Stern über Heuständer; Greif hält 

den Schild. 
Beyer Johann Conrad 1608. Widderkopf. Matr. 
Berger Conrad 1361. Stehender Steinbock. Matr. 
Bethlen von Niklas, Palatin von Ungarn, 1384. Drei in die 

Deichsel gestellte Schilde, auf jedem aufrechte Reichsapfel 

im Maul haltende Schlange. Nach dem Verzeichniss Niclas 

de Gara. 
Bluehten Heinrich 15. Jahrh. Zugekehrte Seitensparren. 
Bonn von Richard 1358. Mit 5 Adlern belegter Schrägen; 

oben ebenfalls einer. 
Porten von der Hermann 1342. Schachschragen. 
Brendel von Sponheim Simon 1554. Schachschrägbalke. 
Puchheim von Veit Albrecht 1583. Feld 1 und 4 Vögel 2. 1 

gestellt, Feld 2 und 3 Balke. Matr. 
Buch holz von Hans 1609. Balke, oben Vogel, unten Ring. 

Matr. 
Buess von Buessenberg Hans Wilhelm 1609. Mit 3 Seeblättern 

belegter Schrägbalke. Matr. 
Busichart Claus 15. Jahrh. Im Kreis über 2 Sternen eine 

Muschel. 
Butte le Hermann 15. Jahrh. 2. 1 Butter unter Turnierkragen. 
Cilli von Ottenburg Ulrich Graf von 1454. Geviert, 1 und 4 

Sterne 2 . 1, 2 und 3 Balke. Matr. 
Kirchdorf von Hans 1494. Balke, in der rechten Ecke Stern. 
Clobelauch Reinold 1407. Schräg gestellter Strahl. 
Knaus Frank 1558. Mannsbüste. Matr. 
K nur er Adam 1453. Dreimal mit Spitzen gequert. 
Koenigsbacli von, genannt Nagel, Hans 1411. Gekrönter 

Löwe. 
Koenigsberg von Kolman 1495. Feld 1 und 4 vorbrechende 

Räder, 2 . 3 gelängt, rechts Balke. Matr. 



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Mittheilungen über SiegelabgUsse des allgem. Reichsarchivs. 81 

Közler Carl 1659. In gequertem Schilde Lindenstaude über 
gebandetera Hilf hörn ; Helm: Staude auf HiflFhorn zwischen 
Büffelshörnern. Matr. 

Krane Bertold 14. Jahrh. Mit drei Adlern belegter Sparre. 

Kranich von Kirchheim Johann, Can. in Speier, 1497. Kranich. 

Dalsheim Dorothea 1487. Stehender Heiliger? zwischen nach 
rechts gekehrten Sittichen in geschindeltem Felde. 

Dax he im Albrich Graf von 1474. Achtmal gequert. 

Demone Ludwig 1298. Gebogener Fuss in beschindeltem 
Schilde. 

Teufel Georg Christoph 1528. Feld 1 und 4 Kissen mit 
4 Quasten an den Ecken, 2.3 springendes Pferd; Helm 
rechts : Hiff hörn auf Kissen, links : wachsendes Pferd. Matr. 

Dien heim von Wigand. Löwe unter Haupt; Helm: Löwe 
zwischen Büffelshörnern. 

Di rn stein von Heinrich 1418. Veh unter Haupt. 

„ Anthis 1383, Bärenpranke unter Vehhaupt. 

Tresch Christoph 1577. Gequert, oben Löwe, unten 4 Spitzen ; 
Helm: Löwe. Matr. 

Tschernembl von Hans 1578. Geviert mit Mittelschild ; 
1 und 4 Adler, 2 und 3 Rosskopf, Mittelschild schräg ge- 
stellte Schafschere; rechter Helm: Adler, linker: Rosskopf. 
Oest. Matr. 

Duerckheim Valentin, Doktor in Worms, 1498. Sparre. 

Dunuengk Hans 1505. Mit 3 Pfählen belegter Balke. 

Dueruengsheim von Ulrich 1423. Schräg gestellte Laute 
im beschindelten Felde. 

Enenckel zu Albrechtsburg Albrecht 1 595. Geviert mit 
Mittelschild ; 1 und 4 Pferdskopf, 2 . 3 in gequertem Feld 
Greifenfuss; Mittelschild: Schrägbalke; 1. Helm: Büste 
zwischen Büffelshömern, 2.: geschlossener Flug, 3.: ge- 
schlossener Flug mit Greifenfuss. Matr. 

Esel Hans Philipp 1581. Gequert. Matr. 

Valchenstorf von Jörg 1449. Viermal mit Wellen gelängt. 
Matr. 

Pischbeck Arnold 1488. Spitzenbalke unter Zinnenbalke. 

Plehingen von Ulrich 15. Jahrh. 2.1.2 Ballen. 
„ Reinhart hatte 1439 gleiches Wappen. 

Völkra Wolfgang Ritter von. Feld 1 und 4 an gestümmeltoin 

Archivalisciio Zoitsobrift. Neue Folge IX. (j 



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82 K. Primbs: 

aufrechten Ast stehende Krähen, Feld 2 und 3 Balke; Hehn: 

2 Krähen halten den Stamm, offener Flug mit dem Balken. 
Matr. Oest. 

Freuberg Eberhard 1482. Fallender Flügel. 

Fron au von Gamereth 1484. Pfahl; Helm: geschlossener 
Flug mit dem Pfahl. Matr. 

Gerhardstein von Philipp 1441. Schild. 

Ger st Heinich 1355. Bund Gerste. 

Greul Peter, Schultheiss zu Algisheim, 1346. 2.1 Lilien. 

Gudinburg von Theodor 1345. Zwei Turnierkragen über- 
einander. 

Güss von Güssenberg Hans Wilhelm 1609. Schrägbalke mit 

3 Blättern belegt; Helm: behütete Büste mit dem Schräg- 
balken. 

Gundersdorf von Hans 15. Jahrh. Ast mit Eichel und Blatt. 

Hane Eberhard 1436. 2.1 Hahne. 

„ Heinrich 15. Jahrh. 2 . 1 Kleeblatt. 

Heide von der Heinrich 15. Jahrh. Entlaubter Baum. 

Heiden Conrad 1442. Mohrenkopf. 

Helfen stein Georg Graf von 1547. Feld 1 und 4 Helphaut 
auf Dreiberg, 2 und 3 geschnitzter Schrägbalke — Gundel- 
fingen. > 

Heimbach von Heinrich 15. Jahrh. Geschränkte Fischköpfe. 

Heppenheim Johann 15. Jahrh. Balke zwischen 2 . 1 Rauten. 
Hess. 

Hettenheim Bertold 1435. Balke von 2 . 1 Rosen begleitet. 

Hick Heinrich 15. Jahrh. Kreuz, im Feld 2 „Stern.** 

H i n i k e n Hans 1362. Sparre zwischen 2 . 1 Adlern. 

Höwdorf von Hans 1491. Geviert, 1 und 4 gelängt, rechts 
drei Widerhacken übereinander, 2 und 3 Adler; Helm: ge- 
krönte Puppe, die Krone mit Federn besteckt. 

H oben fei s von Philipp 1286. Reitersiegel. Im Armschild Rad. 

Holtmund Heinrich 1352. Toulouser Kreuz. 

Hornbach von Erlekeim Heinrich 1374. Löwe. 

Horne-Altena Jakob Graf von. 2.1 Hiffhörner. Matr. 

Hör wen von Dietrich 1370. Drei Pfeile schräg übereinander. S. 

Lecke Otto 1386. Monde 2 . 1 gestellt. Auf dem Rechten eine 
Rose. 

Leniss Christian 1436. Widerhacke in geschindeltem Felde. 



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Mittheilungen über Siegelabgüsse des allgem. Heichsarchivs. 83 

Leonberg Pernger Graf von 1295. Löwe Seiten vierberg er- 
klimmend; im Siegelfeld P-A. 

Leonberg Wemhard Graf von 1279 gleiches Unterwappen. 
„ Heinrich Graf von 1316 gleiches Unterwappen. 

Limburg von Albrecht Herr 1488. Geviert, 1 und 4 der 
fränkische ,,Rechen", 2 und 3 Kolben 3 . 2 gestellt ; Helm : 
der Schenkenpokal zwischen Büffelshörnern. 

Lindenberg von Johann 15. Jahrh. Geschränkte Glefen. Matr. 

Lobdeburg von Hermann 1273. Schrägbalke. Matr. 

„ von Otto 1273. Helm mit offnem Flug. Matr. 

Lochinger Andreas 1537. Einmal gelängt, zweimal gequert. 
Matr. 

Low von Steinfurt Eberhard. Hirsch. 

Loewenstein Ludwig Graf von 1559. 1 und 4 Löwe auf 
Vierberg schreitend, 2 und 3 Löwe, gerauteter Mittelschild; 
auf gekröntem Helm : sitzendender Löwe. Matr. 

Masbach von Lindenfels Andreas 15. Jahrh. Hirschstange, 

Meckenheim von Margret h 1450. Balke. 

Mubeck Stephan Graf von, Hofrichter des Königs Ludwig, 1364. 
Helm mit Manteldecke, darüber Helm von 2 gestürzten 
Fischen getragen. Matr. 

Mussman Andreas 1575. Schrägen von 2 Rosen beseitet. Matr. 

Nollen Carfehus 15. Jahrh. Schräg gegittert, oben rechts Hut? 

Nussbaum zum Heinrich 1447. Von 2 . 1 Herzen begleiteter 
Schachbalke. 

Ried von Friedrich 1495. Balke auf gegittertem Schilde. 
„ Hartmann 14. Jahrh. gleiches Wappen. 

Rucker Johann 1355. Kerbenpfahl. 

Rudenkeim von Helfried, Deutsch-Ord.-Comth. Gebogener 
Schrägbalke, oben mit 3 Rosen? besteckt. 

Salz kern Ulrich 1407. Gurke oder ßirn schräg gelegt auf 
gelängtem Schild. 

Saulenheim von Georg 1355. Drei Monde unter Turnierkragen. 

Schains Adam, genannt Kesselhut, 1490. 3 Würfel schräg 
links aneinander gereiht. 

Schoenecke von Hans 1457. Balke. 

Schübel Emicho jud. mog. 1310. Gegengezinnter Balke. 

Schwalbach von Sifrid. 1 und 4 Schrägbalke, 2 und 3 acht- 
mal gequert. 



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84 K. Primbs: 

Seibach von Hermann 1414. Rautenschrägbalke, rechts oben 
Rose. 

Solos Ludwig 1481. Gequert, oben Lilie, unten an der Theilung 
liegendes halbes Mühlrad. 

Sponheim von Gewolf 1380. Geschacht. 

Steppus Jacob Comes de 1376. Gebogener Arm hält Stäbchen. 
Matr. 

Strom Johann 15. Jahrh. 6 Ballen um einen grösseren Ballen 
~ Rose? 

Strotzberg von Erkenbald 1334. Balke zwischen 2 . 1 Schwänen. 

Ungedank Peter 16. Jahrh. Aufrechte Eichel. 

Waymesheira Jakob 1351. Zwei Balken in geschindeltem Felde. 

Weinsberg von Johann 1427. ' 1 und 4 Trauben 2. 1 gestellt, 
2 und 3 geschränkte Streugabeln. 

Wickersheira Johann 1411. Gebogener Arm. 

Winnebam Mathias 1427. Krone. 

Winsheim von Katharina 1468. Schräg gelegte Leiter. (Wein- 
heim.) 

Wyssen von Paula 15. Jahrh. Drudenfuss. 

Zochin Dausa Comes palatin. Judex Cumano. Sechsmal ge- 
querter Schild; oben Kreuz, rechts und Unks abhängende 
Fahnen? mit je 4 Kreuzen belegt, darunter A. Matr. 

Zonnck Laderus Woiwoda Comes de 1391. Greif. Matr. 



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Mittheil ungeu über Siegeiabgüsse des allgem. Reichsarohivs. 85 



zu den 
AbtheUangen ni and lY. 



Abtheilung III (Adel und Geschlechter). 

Altraanshofen Ulrich 1393. Hirschkopf. S. 

Aman Conrad, Bürger von Memmingen. 3 Rosen auf Balke. S* 

Apotheker Heinrich 1474. Gelängt, rechts Löwe, links zwei 
Sterne. 

Baidung, Richter zu Mainz, 1293. V Balke zwischen 2.1 
Gänsen. 

Behera Aulber 1396. Strauss. Sw. 

Bellenheim von Hugo mil. 1376. Aufrechter geflügelter Fisch. 
Legende G. v. Spiegelberch. 

Pels Hans 14.. Im von Greifen gehaltenem Schilde ein Heu- 
ständer, darüber Stern. 

Berchtold Uli, Bürger von Leutkirch, 1366. Schrägbalke. S. 

Pfenningmann Hans, Castner zu Landsberg, 1427. Ver- 
schlungene Schwanenhälse. Schrieben sich auch Sestaller. F. 

Pfettener Paul, Frau Catharina von Lochen, 1396. 2 Schilde, 
rechts gelängt, links 3 Stege übereinander. Ad 1: ist das 
Wappen von Lochen. 

Birchtel Ytal, Bürger von Memmingen, 1314. Gelängt, links 
Sparre. S. 

Blenhart Hans 14.. Schräg gestellter gestümmelter Ast. 

Bluehten Heinrich 14.. Zugekehrte Seitensparren mit ab- 
steigendem Keil dazwischen. 

Brendel von Sponheim Simon 1554. Zweireihiger Schach- 
schrägbalke. 

Pruckhamb Hans Bernhard 1591. Aus Dreiberg aufwachsen- 
der geschränkte Beile haltender Mann ; Helm : gleiches Bild. 



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86 K- Primbs: 

Brunner Michael 1416. Aus Ei vorkommendes Hühnchen. Sw. 

Puchheim von Veit Albrecht 1583. Geviert, 1 und 4 Garben 
2 . 1 gestellt, 2 und 3 Balke; gekrönte Helme, rechter: Feder- 
busch, linker: geschlossener Flug mit dem Balken belegt. 

Buch holz von Hans 1609. Balke zwischen Vogel und Ring. 

Busichart Claus 14.. In einem Kreis Muschel über zwei 
Schrägen. 

Busteten von Helwig 1387. Schrägbalke. 

Buttele Hermann. 2.1 Flaschen unter Turnierkragen. 

Butzer Dietrich 1392. Schrägbalke. Vorarlb. 

Kempten von Conrad 1357. Gelängt, rechts Sparre. Sw. 

Chol von Algund, kaiserlicher Notar, 1303. Statt dem allge- 
mein üblichen Notariatszeichen setzte er an die Spitze der 
Urkunde sein gezeichnetes Wappen: Im Schild schrägge- 
stellter Maueranker. 

Kizin Hans, Bürger von Lauingen, 1387. Rehkitz. 

Knaus Frank 1558. Mannsbüste. 

Knetstul Conz, Stadtamann zu Memmingen, 1350. Helm: mit 
drei Sternen besteckte Kugel. Sw. 

Knurer Adam 1453. Viermal mit Zacken gequert. 

Koestler Arnold 1480. Offener Flug. 

Koppo Conrad von Husen 1288. Vogel auf Häuschen. Das 
gleiche Wappen, wie es Bertold von Bobingen 1275 führte, 
nur dass hier an Stelle des Häuschens ein kleiner Thurm. 
Tyr. 

Kraeler Michael 1473. Schild und Helm: Rehkopf? Sw. 

Krane Kraft und Bertold 13 . . Mit 3 Adlern belegter Sparre. 

Kreishover Wilhelm 1380. Sparre. 

Kresser David 1669. Auf gequertem Schild mit Pfeil belegter 
Schrägbalke. Oben und unten Doppeladler; 2 gekrönte 
Helme, rechter: wachsender, den Pfeil haltender Mann, 
linker: Doppeladler. 

Kronburg Ytal, Bürger von Memmingen, 1358. Baum, 

Kussenfelder Peter 14.. Geviert, 1 und 4 Sparre, 2 und 3 
Vogel auf Berg. 

Taefingen von Johann 1324. Schräg gestellter Fisch. 

Tannern von Johann der Eisolsrieder. Im gebordeten und 
gequerten Schilde oben 2 Rauten ; sein Bruder -Eisolsrieder 
Heinrich 1314 gleiches Wappen, ohne Schildborde. 



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Mittheiluugen über SiegelabgUsso des allgeni. Reiebsarohivs. 87 

Daxsheiin Alberich Philipp Graf 1474. Auf gelängtem Schild 

zwei Zwillingsbalken; Helra: BüflPelshörner. 
Dirmstein Anthis 1383. Bären pranke unter Vehhaupt. 
Dresch Christoph 1577. Gequert, oben Löwe. 
Duenzelbach Hartmann 1285. Schrägfluss, oben Stern. Sw. 
Turaaier Hans 1414. Löwe. Sw. 
Duracher Hans 1370. Wappen wie Brunner. 

„ Heinrich, Stadtamann zu Memmingen, 1427 ebenfalls. 

Düringsheim von Ulrich 1423. Schräg gestellte Laute in 

geschindeltem Felde. 
Ebersbeck von Nannhofen Anton 1424. Vorbrechender Eber. S. 
Ecker Hans, Vizedom an der Rott, 1363. Im Schild Panther. 

Ist also eigentlich Amtswappen: der Ortenburger Panther 

für Niederbayern. 
Eggen thal Heinrich 1398. 3 aufrechte kegelartige Figuren; 

Helm: befiederter Stulphut. 

Eglofer Michael, Bürger von Memmingen, 1419. Einhorn- 
kopf. Sw. 

Eisenhofe n von Ulrich 1476. Drei schräg gestellte Schaf- 
scheren. 

Endringen von Heinrich 1357. Regenbogen quer gestellt. 

Engelmar Hans 1358. Gequert, oben Greif, unten Veh. 

Entringen von Hans, Richter zu Biberach. Frauenbüste mit 
Steinbockhörnern . 

Vainagk Heinrich, Bürger zu Memmingen, 1419. Einhorn. Sw. 

Voehlin Erhard, Bürger von Memmingen Mit drei P belegter 
Balke. 

Volkensdorf von Kreuzen Jörg 1449. Mit Pelzschwänzen be- 
säter Schild; Helm: Kreuz zwischen Büffelshörnern. 

Gerhart Heinz 1387. Geschränkte Gerre. Sw. 

Gerhardstein von Philipp 1441. Gebordeter Schild. 

Gerstinger Felix 1408. Unter Haupt 2 . l gestellte Kugeln. Sw. 

Gmeinder Conz 1387. Geschränkte gestürzte Schwerter. Sw. 

Qraeter Diepold 1418. Mit Biber belegter Schrägbalke. Sw. 

Gregg Bertold 1410. Pfahl in durchbrochenem Dreieck. Sw- 

Greul Peter, Schultheiss zu Algersheim. Lilien 2.1 gestellt. 

Groedel Rudolph, Bürger von Memmingen, 1357. Rose auf 
Fusssparre. Sw. 



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88 K. Primb«: 

Günzburg C, Bürger von Memraingen, 1419. Schild und 
Helm : 2 . 1 Köpfe. Sw. 

Hafner Georg 1387. h unter Sparre. Sw. 

Hahne von Eberhard 1436. Hahne 2 . 1 gestellt. 

Haldenberg von Conrad. Der Alte bediente sich der drei 
Schafscheren, sein Sohn Hermann führte bloss eine. 

Heiden von der Heinrich 14 . . Entlaubter Baum. 

Heiden Conrad 1442. Mohrenkopf. 

Heidolf Hans 1482. Aufrechte Geisel mit drei Strängen. 

Heinzl Hans 1399. Schräg gestelltes Schwert. Sünfzenge- 
schlecht von Lindau. Sw. 

Hergersbach Hans 1344. Pfauenkopf. S. 

Holz he im Hans 1406. Sparre. Sw. 

Hovemesser Johann 1366. Gelängt,, rechts Balke, links 
schräg links gestelltes Metzgerraesser. 

Huerenbach von Wernher 1371. Drei schräg gestellte Stein- 
bockhörner. Sw. 

Lang Hans, Stadtamann von Kaufbeuren, 1430. 3 gestürzte 
Monde auf Schrägbalke. S. 

Lechsberg von, Conrads Frau Margreth Portner, 1391. Nach 
der Siegellegende heisst sie Stroelerin, nach dem Schildbild 
war sie an einen Stroeler verheirathet, ihr Pamilienschild 
steht aber rechts. Sie gehörte dem Augsburger Geschlechte 
der Portner mit den drei Schlüsseln im Schilde an und be- 
diente sich keines neuen, sondern des Siegels als verheirathete 
Strölerin. 

Liebenau von Johann und sein Bruder Mangold von Lichtenau 
siegelten mit gleichem Wappen: fünfmal geschrägt unter 
Haupt. 

L i n d un von Heinrich 1356. Wurzelfüssige Staude mit 3 Blättern. 

Loechler Wentz, Bürgermeister von Biberach, 1418. Vier- 
eckige Tafel. 

Maugenbuch von Wolf 1393. Widderkopf. Sw. 

Meldingen Pernger c. 1270. S^ Helm: Eselskopf. Kaish. S. 

Membrechtsweiler von Heinrich, Bürger von Biberach, 
1387. Halber Wolf. Sw. 

Merz Eberhard und Franz 1394. Drei Biber übereinander. Sw. 

Moeringer Erhard, Schreiber des Herzog Stephans von 
Bayern, und Ulrich sein Bruder, 1357. Linker Seitenbalke. S. 



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Mittheilungeu über SiegelabgUsse des allgeiii. Reichsaichivs. 89 

Müller Ulrich, Bürger von Ulm, 1376. Mühleisen. Sw. 
Mulried er Heinrich 1356. Geschränkte Pfeile. S. 
Miingeldingen von Walther 1290. Aufrechter Strahl. S. 
Mu SS mann Andreas 1B76. Zwischen zwei Rosen abgeledigter 

Schrägen; Helm: Büffelshörner. 
Narr Hans, Bürger von Biberach, 1357. Becher 2 . 1 gestellt. Sw. 
N o r d h o 1 1 z von Heinrich 1293. Im Schild Helm mit Rad. S. 
Oetlinsteten von Heinrich 1420. Kreuz über Mond. Sw. 
Reichenbacher Conrad 1340. Schrägbalke. S. 

„ Walther 1347. Im Siegelfelde quergestellte 

Wurftaube. 
Rodenstein von Hermann 1407. Gelängt, zweimal gequert. 
Rotenstein von Ulrich 1392. Gegitterter Schrägbalke. Sw. 
Rudolf Hug, Bürger von Kempten, 1424. Stern unter Sparre. 
Ruf Ortolf, Stadtamann von Kaufbeuren, 1375. Gegitterter 

Schrägbalke. S. 
Rupp Hans 1399. Hut mit Kugel darauf. Sw. 
Saulenheim von Ganber 1350. Im Siegelfeld Helm mit ge- 
flügelter Mannsbüste. 
Saulenheim Boppo 1378. Balke, rechts oben Stern. 
Schauers Werner 1405. Baum. 
Schatzman Conrad 1 394. Schwertgürtel. S w. 
Scheichs Conrad 1388. Geschränkte Dolche. Sw. 
Scheyns Adam 1490. Mit drei Rauten belegter Schrägbalke. 
Schluchter von Helfenstein Friedrich 1526. Löwe unter Haupt. 
Schmelz Conrad, Bürger von Memmingen, 1388. Geschränkte 

Pfeile. 
Seh midi Ulrich 1569. Vorbrechender gekrönter Ochs. O.-Pf. 
Schnellmann Hans von Büchlen 1382. Eine schräg gestellte 

Säge. 
Schnellmann Hans, Pfleger im Inthal — wohl derselbe — 

ebenfalls nur eine Säge. 
Schoenburg von Mathias 1535. Sparre von 2.1 Büsten 

beseitet. 
Schoenegger Hans, Bürgermeister von Augsburg, 1314. 

Panther. S. 
Schoenenburg von Otto 1360. Schilde 3.2.1 gestellt. Rh. 
Schreck Heinrich 1378. Steigender Hirsch. 



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90 K. Primbs: 

Schreiber Otto, Bürger von Kempten, 1381. Gelängt, rechts 

vorbrechendes Rad, links zwei Rosen untereinander. 
Schrot Achaziäs 1B30. Gelängt, links viermal gequert. 
Schul Peter 1441. Padenbalke, oben Vogelkopf, unten drei 

Ochsengewaffe. 
Schwabegg von Conrad 1371. Sparre. Sw. 
Schwinkrist Jos zu Holzheim bediente sich 1390 bloss eines 

Messers als Wappen. 
Selos Ludwig 1481. Geviert, oben wachsende Lilie, untenan 

Theilung liegendes Kammrad. Sw. 
Sick Hans, Bürger von Mömpelgard, 1413. Mit drei Blättern 

belegter Pfahl. 
Sigg Hans 1378. Vogel auf Berg. Sw. 
Spickel Peter 1398. Ochs. Sw. 
St au ff er Hans 1465. Frau hält gelängten Schild. F. 
Stein von Wolf Ritter 1393. Im Schilde befinden sich nur 

zwei gestürzte Bandmesser; Stein von Wolf, genannt 

„Scheuerhaven zu dem rechten Stein" führte 1384 wie 

üblich 3 Bandmesser; Schilher Hans vom Stein von Jung- 
ingen 1396 drei Bandmesser. 
Steinfurt von Bauem 1458. Schwan. Westph. 
Steinhövel, Stadtamann zu Memmingen, 1406. Geschränkte 

Hämmer. Sw. 
Stockheim von Heinrich 1458. Spitzenhaupt. Rh. 
Strobel Ulrich 1378. Hirschstange F. 
Stuedlin Jos, Bürger von Memmingen, 1478. Zwei schräg 

gestellte Stauden mit je drei abhängenden Blättern. Sw. 
Übel in Jos, Vogt von Schwabegg, 1377. Gelängt, rechts 

viermal gequert, links Löwe. S. 
U d e n h e i m von Philipp, Burggraf von Alzey, 1458. Mit drei 

Sparren belegter Schrägbalke. Pf. 
Wachenheim von Peter 1394. Mit Spitzen gequert. Pf. 
Waise von Heinrichs Frau Clara Schenkin von Winterstetten, 

1357. Frauenbüste über 2 Schilden; rechts Balke, links 

Widerhacke. Sw. 
Waltersheim von Georg 1432. Rad. 
Weissenberger Conrad, Pfleger zu Gundelfingen, 1399. 

Geviert, mit Haupt im rechten obern und Fuss im linken 

untern Feld. 



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Mittheilungen Über SiegelabgUsse des allgeu. Kt'iehsar(*hiv8. 91 

Werder Conrad, Bürger von Aichach, 1341. Eichel mit zwei 
Blättern. B. 

Winhard Hans 1486. Kreuz auf Dreiberg. Am Kreuz ein 
schräg gestellter gestümmelter Ast. 

Win s he im von Catharina 1468. Schräg gestellte Weinleiter, 
wie bei Horneck von Weinheim. Bad* 

Wyrentz Ulrich, Bürger von Kaufbeuren, 1420. Gequert, 
oben und unten unbestimmte Figur. S. 

Wysirer Ulrich, Stadtamann in Kaufbeuren, 1427. In ge- 
längtem Schilde Kürn, rechts und links von je 4 Kegeln 
beseitet. 

Wissen von Ponte 14 . . Pentagon. 

W o 1 1 e n s N. 14 . . Laufendes Reh. 

Zehentner Wilhelm 1398. Geschränkte Schwerter. Sw. 

Abtheilung IV (Städte und Genossenschaften). 

Abensberg 1368. Geschrägt mit linkem Schrägbalken. B. 

Durchmesser 26. 
Allersberg Mkt. M.-P. 161B. Dreithürmige Zinnenburg, davor 

der Schild des Domkapitels Eichstätt : Drei Leoparden über- 
einander. D. 32. 
Altdorf Stadt M.-F. 1472. Im Siegelfelde der böhmische Löwe. 

D. 45. 
Altstäten Swz. 466. Im Siegelfeld nach links schreitender 

Bär, darüber fünfstrahliger Stern. D. 37. 
Araberg O.-Pf. 1412. Gerautet, im Haupt wachsender Löwe. 

Kleineres Sekretsiegel: der Schild von gekrönter Figur 

gehalten. D. 30. 
An weil er Pfalz 1290. Im Siegelfeld durch einen schmalen 

Stab getrennt, rechts Burg, links Kirche. D. 70. 
Appenzell Canton 1666. Im Siegelfeld streitender Bär. D. 53. 
Asmanshausen Nass. 1467. Gelängt, rechts Kreuz, links Rad. 
Assenheim Gericht Hess. 1597. S. Oionys stehend und seinen 

Kopf auf der Hand tragend. D. 30. 
Aufkirchen Markt M.-F. 1290. Im Siegelfeld gekrönter 

Adler nach hnks. D. 55. 
Augsburg Stadt Contra-Sig. Schrägbalke. Legende: Ottonis 

de Ulm. Ist das Wappen der noch blühenden Familie Kraft 

von Ulm. D. 27. 



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92 K. Primbs: 

Augsburg, Sekretsiegel: Burg mit offenem Thor, in dem der 

Stadtpyr steht. D. 42. 
Augsburg. Landpflegamt: Im schön cartouchirten Schild etc. 

Stadtpyr. D. 32. 
Baernau Stadt O.-Pf. 1577. Schreitender Bär trägt auf der 

Schulter gevierten Schild, 1 . 4 Löwe, 2 . 3 gerautet. D. 57. 
Pegnitz Stadt O.-F. 1364. Seitenfluss erkHmmender gekrönter 

Löwe. D. 44. 
Berching Stadt M.-P. 1370. Bischofsbüste unter geschränkten 

Bischofsstäben. Ehedem zum Bisthum Eichstätt gehörig. 

D. 57. 
Bergheim Elsass 1382. Innerhalb Rundmauer zwei gedeckte 

Thürme, dazwischen über Dreiberg Bindenschild. D. 48. 
Bergzabern Stadt Pf. 1629. Dreithürmige Burg mit Zinnen- 
mauer. Im offenen Thore sitzt die Muttergottes mit dem 

Kinde. S. oppidi Zabernae Spir. Dyoc. D. 55. 
Pfaffenhofen a/I. O.-B. Im Siegelfelde Pfaffenbüste en face. 

D. 31. 
Cöln a/Sp. 1346. Im Siegelfeld rechtsschauender Adler. D. 59. 
Pf oe ring Markt O.-Pf. 1407. Zweithürmige Burg, dazwischen 

gerauteter Schild. D. 35. 
Biel Stadt (Gant. Bern) 1570. Im Siegelfeld nach rechts stehen- 
der Ritter mit Beil in der Rechten und geschränkten Beilen 

im Armschilde. D. 43. 
Bingen Stadt Rh. 1254. S. Martin sitzend zwischen zwei 

Thürmen. Innenlegende: S. Martinus. D. 80. 
Bischofs heim Baden. Im Siegelfelde zwischen 2 Rosen Helm 

mit Rad besteckt. D. 32. 
Bodenheim Hess. Amtssiegel: 1608. Rechtsgekehrter knieen- 

der betender Mönch. D. 53. 
Bonn Schöffensiegel. Im gequerten Schilde oben Kreuz, unten 

Löwe. D. 34. 
Bossenheim Gerichtssiegel 1790. Geharnischter hält den 

Schild, der unter Haupt geschacht ist. I). 27. 
Prag Landgerichtssiegel „Jenseits der Berge". Unter Baldachin 

sitzender König mit Schwert und Schild, der mit dem Löwen 

geziert ist. D. 37. 
Brück (b. Fürstenfeld) Markt O.-B. 1544. Ueber Brücke 

laufender Löwe. D. 29. 



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Mittheilungen über SiegelabgUsse des allgem. Reichsarehivß. 93 

Bubenheim b. Zell Gericht 1536. S. Martin zu Pferd, dem 

Bettler einen Teil seines Mantels gebend. D. 32. 
Budenheim Gericht Hess. 1604. Ritter hält Schild mit Kreuz. 
Büdesheim Gerichtssiegel 1565. Knieender Heiliger, zu Füssen 

Schild: von 2 Lüien beseiteter Schrägfluss. 
Burghausen Stadt O.-B. Sekretsiegel 1385. Dreithürmige Burg 

mit offenem Thor. D. 34. Ein Stempel von 1496. D. 60. 
Burglengenfeld Stadt O.-Pf. Landgerichtssiegel 1464. Ge- 

rauteter Schild. 
Burglengenfeld 1539. Ritter hält gespaltenen Schild, rechts 

Thurm auf Berg, links Baum auf gerautetem Felde. D. 90. 
Kaiserslautern 1373. Pfahl mit 2 Fischen zwischen Dom 

und Stadtthor. War früher irrig Luzern zugetheilt. 
Calmünz Markt O.-Pf. 1448. Drei Rauten unter Krone. 
Calstadt Gerichtssiegel. Ueber Zinnenmauer nach rechts 

schauender Adler. D. 36. 
Cham Stadt O.-Pf. Zinnenraauer und Thürme. In der Mauer 

der Schild mit dem Kamm. Auf dem Helm des Schildes 

offener Flug, sehr schöner Stempel. D. 60. 
Kauf heuern St. Sw. 14.. Im Dreipass gelängter Schild, 

rechts vorbrechender Adler, links Schrägbalke zwischen 

zwei Sternen. D. 34. 
Coblenz Welt. Gericht 14 . . Im Feld mit Kreuz belegte Rose. 

D. 37. 
Coburg Vogt Christian 1307. Im Siegelfeld mit Schwert be- 
waffneter kämpfender Löwe. D. 43. 
Koesching Markt O.-B. 1532. Gerauteter Schild, rings von 

8 gestielten Kastanien umgeben. D, 34. 
Colmar Stadt Eis. 1334. Im Siegelfeld rechts schauender ge- 
krönter Adler. D. 80. 
Constanz Stadt Bad. 1531. Dreithürmige Burg, im Thor des 

Mittelthurmes Heiligenbüste, darunter Schild: Kreuz vmter 

Haupt. D. 43. 
Krembs Stadt Oest. 1313. Lindenbaum zwischen den Schilden 

von Steyermark (Panther) und Oesterreich. 1). 56. Ein fast 

gleicher Stempel von 1276. D. 59. 
Kron-Weissenburg Eis. Im Siegelfeld Zinnenmauer mit 

offenem Thor und zwei Zinnenthürmen. 1). 41. 



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f)4 K. Primbs: 

Sec.'Siegel: Büste S. Peters unter Kuppelthurm, der von 

zwei Spitzthürmen beseitet ist. D. 67. 

Gerichtssiegel: Muttergottes mit dem Kinde; rechts hält 

ein Engel den Schild mit dem Kreuz, links einer mit der 

Burg. Zu Füssen Schild mit Löwe unter Haupt. D. 53. 
Kuf stein Stadt Tyrol. Im Siegelfeld Salzkufe auf Stein, 

rechts und links ein Zweig. D. 35. 
Tachau Stadt Böhm. 1454. Im Dreipass Helm mit Adlerflügel. 

D. 39. 
D ah 1 heim Gericht Hess. 1619. Im Siegelfeld S, Georg den 

Drachen erstechend. D. 28. 
Danzig Stadt Preuss. 15.. Gerichtssiegel: Kriegsschiff, an 

dem ein Schild mit zwei Kreuzen unter Krone, ü. 49. 
Deggendorf Stadt N.-B. Burg mit offenem Thor über Wellen 

— Donau — , darüber gerauteter Schild. D. 50. 
Teinitz Stadt Böhm, 1369. Im Siegelfeld rechts dreithürmige 

Burg, daneben links ein Haus. D. 40. 
Taennesberg Markt O.-Pf. 1312, Gerauteter Schild zwischen 

zwei Tannenbäumen auf Dreiberg. D. 40. 
Tettnang Stadt Württ. 1409. Nach rechts springender Hund. 

D, 30. 
Diessenhofen Stadt Schweiz. \/ Helm: Löwe mit Pederbart 

am Rücken besteckt. 
Dietfurt Stadt M.-P. 1336. Rose auf Schägbalke. D. 32. 
Dillingen Stadt S. 1303. Ludovicus minister: von 2 Lilien 

beseiteter Schrägbalke. D. 33. 

Gerichtssiegel 1419: Schrägbalke, oben und unten je zwei 

Löwen. Das Wappen der Grafen von Dillingen. 
Dolnstein Markt M.-P. 14CX>. Von Ringmauer umgebene Burg. 

D. 29. 
Donauwörth Stadt S. 1544. Im Siegelfeld Doppeladler, auf 

dessen Brust ein Schild mit W, auf dem Adler Kaiserkrone. 

D. 55. 
Trostberg Stadt O.-B. 1342. Im Siegelfeld auf Dreiberg drei 

einzehie gedeckte Thürnie. D. 65. 
Thurgau Swz. Geriohtssiegel : Schrägbalke zwischen 2 Löwen. 

Unten in der Legende Schild mii Kreuz, 1453. D. 40. 
Ebers heim Hess. Gericht lÜTi), Rost, D. 28. 



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MittheiluDgen über SiegelabgUsse des allgem. Reichsarohivs. 95 

Eggenfelden Markt N.-B. Gequert, oben wachsender Löwe, 

unten gerautet. D. 32. 
Eisenburg Herrsch. S. Im Siegelfeld Bogen zwischen zwei 

Thürmen, darüber Doppelkreuz auf gestürztem Hufeisen. 

D. 32. 
Eltville Stadt Nass. 1480. S. Peters Büste, darunter 2 Räder. 

D. 30. 
Erb ach Hessen 1476. Im Schild geflügelter Markus-Löwe. In 

der Legende 12 A9. D. 21. 
Euskirchen preuss. Sachsen, Bürgermeister und Rath. Zwei- 

thürmige Burg mit aufgezogenem Fallgatter. Im Feld rechts 

und links gegen die Burg gekehrter springender Löwe. D. 37. 
Vach Markt M.-F. Im Siegelfeld Bischof mit Stab und Buch. 

D. 32. 
Feldkirch Stadt Vorarl. 1469. Im Siegelfeld Burg, links davon 

der Montforter Schild mit der Kirchenfahne, ü. 28. 
Vlissingen HoU. Engel hält 2 Schilde, rechts Balke, links 

Vase. D. 55. 
Vohenstrauss Stadt O.-Pf. 1365. Strauss mit Hufeisen im 

Schnabel nach links gekehrt, den ein Wolf in den Kragen 

beisst. 
Vorlande Oest. Herzog Friedrich von Teck als Verwalter: 

Im Zweipass der Bindenschild, über dem gerauteten Schild 

von Teck. 
Priedberg Stadt O.-B. 1366. Im Siegelfeld Kreuz auf Berg 

zwischen Lilienstäben. D. 28. 
Prontenhausen Markt N.-B. 1604. Einstöckiges Haus en 

front. D. 30. 
Fulda Stadt Hess. 1391. Heiliger mit Schwert, die Linke auf 

Schild stützend. Im Schild 3 Lilien auf Dreiberg. D. 39. 
Gailendorf Markt Württ. Gequert, oben gelängt, oben das 

Wappen der Schenken von Limburg: der fränkische Rechen 

und 3 . 2 Streitkolben, unten eine Hürde. 
Gaisa Hess. 1391. Heiliger hält zwei Schilde, rechts Lilien- 

stängel, links Kreuz. War ehe Fuldisch. D. 31. 
Germersheim Stadt Pf. 1417. Im Siegelfeld rechtsschauender 

Adler. D. 42. 
Gerolds hofen Stadt U.-F. 1359. Im Schild der fränkische 

Rechen. D. 53. 



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9(> K. Primbs: 

Goemar Stadt Elsass 1585. Gerichtssiegel: im Schild eine 

Egge zwischen 2 . 1 Schilden , — Rappoltstein — unten 

Fisch. D. 33. 
Goeppingen Stadt Württ. 1605. Gebogene Hirschstange unter 

Haupt. D. 23. 
Grafen woerth Stadt O.-Pf. 1602. Von Bayern und Pfalz 

gelängter Schild, oben 1563. 
Graisbach Ijandgericht Sw. 1419. Schild 6 mal gequert. D. 50. 
Greding Stadt M.-F. 1400. Auf Stuhl sitzender Richter. 

D. 56. 
Grünich Hess. O. 1440. HeiHger mit Fahne und Kreuzschild. 

D. 26 ä 60. 
Grünsfeld Markt 1559. Lilie zwischen zwei Schilden; rechts 

Balke, links Pfahl. D. 33. 
Gundelsheira Hess. 1639. Gerichtssiegel: im Dreipass zwei 

Räder übereinander zwischen zwei Thürraen, unten 1639. 

D. 31. 
Gunzenhausen Stadt M.-F. Im Siegelfeld Haus von P^ach- 

werk en face. D. 45. 
Haag Markt O.-B. 1457. Im Schild „Gurre^ D. 33. 
Ilagenau Eis. Stadt 1369. Dreithürmige Burg mit rück- 
schauenden Adler auf dem mittleren Thurm. 

Gerichtssiegel: Doppeladler über einem Schild mit Balke 

zwischen 2 . 1 Ringen. 

Ditto über Schild mit 2.1 Vögeln. 
Hahnbach Markt O.-Pf. Gequert, oben gerautet, unten Hahn. 

Rechts und Hnks im Siegelfeld Pfauen. D. 54. 
Hang-Weisheim Gericht. Gequert, oben IWI, unten gerautet. 

Im Schildfuss Dreiberg. 
Hassenheim Stadt Hess. 1348. Zwei Heilige, zu Füssen 

Schild mit Mühlrad. D. 33. 
Haus zur elenden Herberge 1536. Haupt des Johann Baptist. 
Heichelheim (Heichlum in der Legende). Heiliger mit Stab 

und Buch. D. 30. 
Heidingsfeld Stadt U.-F. 1381. Burg über Wellen, dazwischen 

gekrönter Löwe. D. 52. 
He mau Stadt O.-Pf. 1479. — Hembauer — Reiter mit Banner. 

Im Armschild ein Kreuz. D. 44. 



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Mittheilungen über Siegelabgüsse des allgem. Reichsarchivs. 97 

Herbestein Hess. 1391. Schild mit Kreuz. D. 35. 

Hernsheim Markt Hess. 1569. 3 Lilien unter Spitzen haupt. 
(Aus dem Wappen Dalberg.) , D. 37. 

Her ie den Stadt M.-P. 1475. Sitzender Hase, der Bischofsstab 
hält. Gehörte früher den Bischöfen von Eichstätt. 

Hersbruck Stadt M.-F. 1413. Widder über Brücke schreitend 
zwischen zwei Thürmen. D. 34. 

Hesheim. Gerichtssiegel: Mann zwischen 1 .2 Sternen, rechts 
oben H. D. 34. 

Hildes heim Stadt Rh. Hess. Bischof mit Stab und Buch 
unter Dreibogen zwischen 2 Thürmen sitzend. Der Drei- 
bogen ist mit fünf Thürmchen besetzt. D. 75. 

Hilpoltstein Stadt M.-P. 1496. Unter Haupt auf Dreiberg 
rechtsschauender Adler. D. 47. 

Hirsch au Stadt O.-Pf. 1474. Springender Hirsch. D. 38. 

Hirschberg Landgericht 1341. Stehender Hirsch mit einer 
Stange. D. 52. 

Hofkirchen Markt N.-B. 1491. Kirche. D. 36. 

Ingolstadt Stadt O.-B. S. Moritz mit Banner und Schild, in 
dem sich der Ortenburger Panther zeigt. D. 70. 

Ingolstadt Stadt O.-B. 1309. S. Moritz, der Patron des Klosters 
Niederalteich, welches einst zu Ingolstadt einen Mayerhof 
besass. D. 60. 

Landau Stadt Pf. 1394. Zweithürmige Burg, aus den Thürmen 
wachsen zwei Frauenzimmer auf, welche den Schild mit 
dem Pfälzer Löwen halten. Der Schild ist von acht Sternen 
umgeben, rechts und links eine Rose. D. 80. 

Landfrieden „citra Rhenum" 1334. 2.1 Schilde: gekrönter 
Adler, Rad, gabelfüssiger Schrägen. D. 56. 

Landfrieden fränkischer 1378. Kaiserbüste mit Schwert und 
Reichsapfel, rechts Schild mit Adler, Hnks mit Löwe. 

Landfrieden rheinischer 1347. Doppeladler mit dem Schild 
der Erbach auf der Brust. 

Landfrieden Böhmens. Aus Zinnenmauer aufwachsender 
Löwe. 

Landsberg Stadt O.-B. 1602. Kreuz auf Dreiberg. D. 46. 

Lerschheim Gericht Hess. Bischofsbüste unter Bogen, dar- 
unter ein Schild mit vier Balken. D. 32. 

Leuchtenberg Markt O.-Pf. Geviert mit Mittelschild. 1 und 4 

ArchivaliBcho Zoitschrift. Neuo Folge IX. 7 



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98 K. Primbs: 

Eichenzweig, 2 und 3 Lindenzweig. M. Seh. der Balke der 

Leuchtenberger Landgrafen. Im Feld 15 — 7. D. 48. 
Luhe Markt 0. -Pf. 1458. Gelängt, rechts vorbrechender Adler, 

links aufrechte Hirschstange. D. 50. 
Luxenburg. Rathssiegel: gekrönter Löwe auf 10 mal ge- 

quertem Schild. Oben und zu den Seiten das Feuereisen 

aus dem Vliessorden. D. 75. 
Mainz, kaiserliches Karamergericht, 1618. Schild mit Rad, der 

Schild ist mit Hut, Schwert und Stab umgeben. D. 41. 
Geist. Gericht. Sitzender Bischof, auf der Brust ein Schild 

mit drei Balken ; rechts im Feld knieender Bettler. 
Marienborn Markt Hess. 1766. Im Siegelfeld nach links 

sitzende Muttergottes mit LUienzweig in der Rechten. Da- 
vor ein Springbrunnen. D. 37. 
Marburg Stadt Hess. 1353. Reiter mit gekröntem Löwen im 

Armschild. D. 75. 
Marburg 1508. Helm mit Büffelshömem, die mit Linden- 
zweigen besteckt sind. D. 45. 
Memmingen Stadt S. Rathssiegel: Kaiser unter Thron, davor 

gelängter Schild mit vorbrechendem Adler und Kreuz. D. 42. 
Gerichtssiegel : Im Siegel feld rechts längs getheilter Adler, 

links Königsbüste. 
Miess Stadt Böh. 1373. Im Siegelfelde Lilie. D. 54. 
Mindelheim Stadt S. Im Siegel felde über Wellen — Mindel- 

fluss — Glocke. D. 45. 
Monheim Stadt S. 1544 und 1565. Stern über liegendem Mond. 

D. 48. 
M ü h 1 h e i m Stadt 13 1 8. Nach rechte? schauender Adler. D. 28. 
Mut t er Stadt Stadt Pf. Im Siegelfeld S. Peter auf Postament. 

Gerichtssiegel: S. Peter. D. 38, 
Nabburg Stadt O.-Pf, 1560. Dreithürmige Burg. Unten Fisch 

in Wellen- Nab. D. 40. 

Landireriohtssiesrel 1461. Schild: Löwe auf gerautetera 

Feld. O. ,m 
Xeu-Leininsren Stadt Pf, 1735. Sohragbalke über 2.1 Adler 

gt^egt, D. 3^>. 
Xouniarkt Stadt O.-Pf. 1444. V rechtsschauender Adler. 

D. 43 .\ 58. 



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Mittheilungen über Siegelabgüsse des allgem. Reicbsarcbivs. 99 

Neu-Oetting Stadt O.-B. Im Siegelfelde die Gnadenkapelle 
mit ofifenem Thor, in dem die Muttergottes sitzt. D. 60. 

Niederingelheim Stadt Hess. Im Siegelfelde rechtsschauender 
Adler. 

Niederheimbach Hess. Gericht 1501. Unter Thron Bischof 
und Muttergottes zugekehrt stehend. D. 42. 

Niederseitzheim Hess.-Nass. Gericht. Zweig mit einem Blatt 
und zwei Eicheln. D. 37. 

Nürnberg, Provinzialgericht des Burggrafenthums. Büste mit 
Schwert unter Thron aus Zinnenmauer aufsteigend. Auf 
der Brust der Schild mit dem Brandenburger Adler, rechts 
Schild der Burggrafen von Nürnberg: Löwe in gestückter 
Borde, links der Schild von Zollern. D. 50. 

Oberhaimbach Gericht Hess. 1580. Knieender vor Bischof. 
Im Feld 1543. D. 33. 

Ochsenfurt Stadt U.-P. 15.. Gerichtssiegel: schräg gestellte 
gevierte Fahne. D. 30. 

Oestrich Nass. 1596. Gerichtssiegel: S. Martin zu Pferd. 

Oettingen Stadt S. 1415. Schrägen. Theil des Oettingen'schen 
Wappens. D. 30. 

Offingen Markt S. 1444. Seitensparre z wichen 2 F. Theil 
des Oettinger Wappens. D. 35. 

Olme Stadt Westph. Burg mit drei Zinnenthürmen. D. 45. 

Osthofen Gericht 1401. Im Zweipass 2 Strausse, dazwischen 
Pattenkreuz. D. 40. 

Ratten berg Stadt Tyrol 1374. Rad über Dreiberg, aus dem 
3 Zweige aufsteigen. D. 56. 

Rennertshofen Markt S. 1343. Springender Fuchs. D. 31. 

Rexheim Gericht Hess. 1597. Quer gestellter gebogener Fisch. 
D. 27. 

Roemhild Stadt Sachs.-Mein. 1464. Helm: mit zwei Feder- 
ballen besteckter Hut. D. 32. 

Ronsberg Markt S. Gekrönter Löwe. D. 33. 

Rothaimünster Markt N.-B. 1480. Kirche. D. 40. 

Salzungen Stadt Sachs.-Mein. 13.. Stehender Bischof. Im 
Feld rechts und links Zweig. D. 55. 

Sauerschwaben heim Stadt Hess. 15.. Rechts schauende 
Adler, oben 15—31. D. 35. 



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100 K. Primbs: 

Schärding Stadt Oest. 1369. Geschrägt, oben gerautet, unten 
Schere; 1466 gleiches Wappen. D. 41. 

Schrobenhausen Markt O.-B. 1328. Gequert, oben gekrönter 
Löwenkopf, unten gerautet. D. 40. 

Schwandorf Stadt O.-Pf. 1544. Stiefel, im Haupt wachsender 
Löwe. D. 37. 

Sorgenlohe Hess. 1600. Im Siegelfeld Rebstock. D. 33. 

Spalt Stadt M.-F. 1444. Kirche. D. 33. 

Speier 1347. Gerichtssiegel: S. Johann Baptist mit Buch, auf 
dem ein Adler sitzt. D. 33. 

Spensheim Gericht 1574. Gelängt, rechts Löwe, links 2.1.2 
Schindeln. Im Schriftband 1536. D. 35. 

Spiesheim Gericht Hess. 1599. Engel hält 2 Schilde, rechts 
Löwe, links Laute in geschindeltem Felde. Zu Füssen ge- 
längter Schild, rechts Löwe, links ? D. 30. 

Studernheim Ger. 1620. Büste von S. Peter. Im Feld 1494. 
D. 25. 

Stühlingen Landgericht. Baum zwischen 2 Helmen. Rechter: 
Schwanenhals, Hnker: behütete Büste. D. 44. 

Sulzbach Stadt O.-Pf., zur Zeit der böhmischen Herrschaft. 
Zweithürmige Burg mit offenem Thor, oben Banner mit dem 
böhmischen Löwen. 

Sulz b ach Stadt O.-Pf. 1419. Prov. Siegel. Im Dreipass ge- 
quert, oben gelängt, 1. Löwe, 2. gerautet, 3. Lilien 2.1 
gestellt. D. 47. 

ü 1 m Stadt S. Unter Baldachin gekrönter Adler ober gequertem 
Schild. D. 40. 

Ungarn Hofgericht. Im Siegelfeld auf Dreiberg Patriarchen- 
kreuz. D. 36. 

Waldbockelnheim Gericht 1530. Rad, oberhalb Zweig mit 
5 Schwämmen. D. 26. 

Walds hut Stadt Bad. V Ein ^Bote«. D. 45 ä 53. 

Wein heim Stadt Bad. Gericht 1516. Gelängt, rechts Kreuz, 
links Löwe. Der Schild wird von einem Heiligen gehalten. 

Weisenhorn Markt S. 1446. Drei gebandete Hiffhörner über- 
einander. Wappen der Grafen von Neiffen. D. 32.' 

Wels Stadt Oest. 1436. Zweithürmige Burg, oberhalb ge- 
krönter Kopf. D. 41. 



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Mittheilungen über Siegelabgüsse des allgem. Reichsarehivs. 101 

Werading Stadt S. 1496. Rechter Seitensparre in mit Lilien 
besäetem Schilde. D. 33. 

Weter Stadt Hess. 1312. Kaiser und Bischof unter Doppel- 
bogen sitzend, dazwischen Schild mit Löwe. D. 55. 

Wien Stadt Oest. 1305. Im Siegelfeld rechts schauender Adler. 
D. 76. 

W i s s h e i m Gericht Rhein-Preuss. 14 . . Im Siegelfeld auf- 
rechter Zweig zwischen T und *. D. 25. 

Worms Stadt 1418. Sek.-Sieg. : Heiligenbüste unter Burg- 
bogen. D. 37. 

Wülstenau Gericht Hess. Nach rechts gewendeter Pfaffe 

mit Stab, von links gegen ihn springender Löwe. D. 40. 
Würzestadt Gericht Hess. 1565. S. Laurentius mit dem Rost. 
Wylcac Ung. 1431. Zinnenthurm und -Mauer, gegen den 
rechts und links ein Löwe anspringt, ober deren Häupten 
2 Schilde, rechts Balke im Haupt, links ? D. 60. 

Zweybrücken Stadt Pf. Gelängt, rechts Löwe, links ge- 
rautet. D. 32. 



fiorichtigung: Oben Seite 80, Zeile 11 von unten (bei Buttele) lies 
Butten statt Butter. 



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111. Beschreibung einer Reise des Herzogs 

Ferdinand von Bayern nach Lüttich 

im Jahre 1581. 

Mit Erläuterungen herausgegeben von 
Franz Hüttner, k. Kreisarchivar a. D. 



Einleitang. 

MaxLossen, Der Kölnische Krieg, Vorgeschichte 1565 — 1581, 
(Gotha 1882) hat auf Seite 733—754 eingehend die Wahl des 
Herzogs Ernst von Bayern, eines Sohnes des Herzogs Albrecht IV. 
und von dessen Gemahlin Anna, Tochter des Kaisers Ferdinand I. 
(vgl. Häutle, Genealogie des Stammhauses Witteisbach, München, 
1870, Seite 50) zum Bischof von Lüttich im Jahre 1581 ge- 
schildert. Durch diese Wahl hatte das katholische Bayern eine 
Stellung „mitten in dem Ueberfluthungsgebiete protestantischer 
Propaganda" gewonnen. (Ritter, Deutsche Geschichte im Zeit- 
alter der Gegenreformation 1,312.) 

Ueber den Einritt des Bischofs in das Bisthum Lüttich 
bietet zu dem von Lossen Beigebrachten einiges Neue eine Be- 
schreibung der Reise, welche Herzog Ferdinand von Bayern, 
der damals im 32. Lebensjahre stehende Bruder des Bischofs, 
als Vertreter seines älteren Bruders, des regierenden Herzogs 
Wilhelm V., zu diesem Zwecke unternommen hat. 

Die Beschreibung ist in zwei Exemplaren erhalten. Die 
beiden Handschriften sind von einander unabhängige Abschriften 
des, wie es scheint, nicht erhaltenen Originals und sind höchst- 
wahrscheinlich von demselben Schreiber angefertigt. Die eine 



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Besohreibung einer Reise des Herzogs Ferdinand von Bayern. 103 

Abschrift stammt aus der Kanzlei der Landgrafen von Leuchten- 
berg zu Pfreimd, die andere aus dem geheimen Kabinet des 
Herzogs von Bayern. 

Die erstere (A) ist jetzt im k. Kreisarchive Amberg auf- 
bewahrt,*) die andere (B) befindet sich im k. bayer. geh. Haus- 
archive.*) Herr Reichsarchivrath Dr. Baumann hatte die Güte, 
mich auf das Citat bei Rockinger, Ueber ältere Arbeiten zur 
baierischen und pfalzischen Geschichte im geheimen Haus- und 
Staatsarchive, Abh. d. IlL Gl. d. k. Ak. d. Wiss. XV. Bd. 
in. Abth., Seite 133 sub b) aufmerksam zu machen, und hat, um 
die Herstellung eines möglichst zuverlässigen Textes zu ermög- 
lichen, das Manuscript des k. Kreisarchives Amberg mit dem 
des k. geh. Hausarchives coUationirt und die Abweichungen des 
letzteren von jenem an dessen Rand verzeichnet. Es wird je- 
doch bemerkt, dass dabei die vielen willkürlichen Verschieden- 
heiten in der Schreibweise beider Handschriften nicht ver- 
zeichnet wurden, weil diese nach jetziger Uebung bei Heraus- 
gabe von Texten des 16. und 17. Jhrhdts. zu vereinfachen war.') 

Einschlägige Akten des k. geh. Hausarchives durfte ich in 
dessen Räumen einsehen. 

Ein dort aufbewahrtes „Verzaichnus, was der durchleuchtig 
hochgeborn unser genediger fürst vnd herr herzog Ferdinand in 
Bayrn etc. ungevarlichen für hofgesindt von herren und vom 
adl, auch sonsten auf vorsteende littichische rais mitzenemmen 
gnedigst entschlossen** nennt das zahlreiche Gefolge, welches 
Ferdinand nach Lüttich begleiten sollte. Es liegt einem Schreiben 
Ferdinands an seinen Bruder Wilhelm, vom 23. Februar aus 
Landshut datirt, bei. Das Schreiben befasst sich mit der Beschaf- 
fung der zur Reise nöthigen Geldmittel. Ferdinand erbot sich, ein 
Drittel derselben von seiner jährlichen Apanage*) zu bestreiten. 



*) Sie ist 18 beschriebene Papierblätter stark und trägt die Signatur 
„Standbuch 35". 

*) Dieselbe zählt 23 beschriebene Papierblätter und hat auf dem 
letzten Blatte den Titel: „Beschreibung unsers gnedigen fursten und herrn 
hertzog Ferdinanden in Bayrn etc. littiohischen rais und einrits de 
anno etc. 81." 

•) Es wurden — von den Namen abgesehen — gi'osse Buchstaben 
auf Satzanfänge beschränkt, u und v nach heutigem Gebrauche gesetzt 
und zwecklose Konsonanten-Verdoppelungen gestrichen. 

*) Apanage von 350000. (Cf. Büchner, Gesch. v. Bayern 7, 1. S. 276.) 



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104 Franz Hüitner: 

Auch über die Kleidung des Gefolges hatte sich F. mit 
seinen Käthen besprochen und seinem Bruder vorgeschlagen, dass 
es durchaus gleichmässig in Wolle gekleidet werden solle. 

Am 1. März antwortete Wilhelm, er wolle 8000 fl. zur Reise 
aufbringen, wenn Ferdinand 4000 fl. herbeischaffe. Bezüghch 
der Kleidung schien es ihm ansehnlicher, wenn statt der Wolle 
die bayrischen Adeligen durchaus in schwarzem Sammet aus- 
staffirt würden. 

Das Verzeichniss oder den Futterzettel schickte Wilhelm 
mit eigenhändigen Abänderungen an seinen Bruder zurück. 
Diese Aenderungen beziehen sich hauptsächhch auf die aus- 
auszuwählenden Personen des Gefolges. So setzte er den Grafen 
Schweickhart von Helfenstein ^) in das Verzeichniss, weil dieser 
ohnehin den Herzog W. als Gesandter in Lüttich vertreten sollte. 
Auch musste auf Wilhelms Wunsch der Erzieher des Herzogs 
Ernst, Dr. Andreas Fabricius, mitreisen, damit er mit seinen 
Kenntnissen im Latein und Französischen aushelfe; zudem wäre 
Fabricius ein Lütticher. Je mehr Leute im Zuge wären, welche 
der französischen Sprache kundig seien, desto mehr Annehm- 
lichkeit stehe den Reisenden bevor. Deshalb wählte Wilhelm 
auch den Kämmerer Pernage, einen eifrigen Katholiken, „denn 
die Litticher seien eiffrigst Catholisch", und den Kämmerer Ernst 
von Rechberg. 

Im Auftrage seines Bruders Wilhelm war Ferdinand nach 
Prag an den kaiserlichen Hof gereist und schrieb von dort am 
8. März, er sei mit den von Wilhelm am Futterzettel getroffenen 
Abänderungen einverstanden. Doch würden, meinte er, „was 
die Kleidung der Herren und vom Adel anlangt, solche sametene 
Mützen und Kleidung merers für schreiberisch als reutterisch 
angesehen und gehalten". 

Die Zahl des Gefolges wurde nunmehr endgiltig folgender- 
massen festgesetzt: 

Der Landgraf von Leuchtenberg, 10 Personen, 10 Pferde. 

Der Hofmarschall von Maxlrain,^) 6 Personen, 6 Pferde. 

Graf Schweickhart von Helfenstein, 6 Personen, 6 Pferde. 

Stephan v. Gumppenberg, 4 Personen, 4 Pferde.^) 

») Vgl. Oberb. Archiv 31, 335. 

*) Wolf Wilhelm v. M. auf Wallenburg, cf. Primbs, Die altbayer. 
Landschaft, oberbay. Archiv 42, 8. 
«j Vgl. Oberb. Arch. 31, 335. 



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Beschreibung einer Reise des Herzogs Ferdinand von Bayern. 105 

Andreas Fabricius, 5 Personen, 5 Pferde.') 
Herr Conrad v. Bemell)erg, 6 Personen, 6 Pferde.^) 
Kämmerer Pernage und Herr Werckha, zusammen 4 Per- 
sonen, 4 Pferde. 

Der von Dandorf, 4 Personen, 4 Pferde.^) 

Herr Küclienmeister, 3 Personen, 3 Pferde. 

Hans Heinrich Nothaft, 3 Personen, 3 Pferde.'*) 

Armansperger. 3 Personen, 3 Pferde.^) 

Kämmerer Ernst von Rechberg, 3 Personen, 3 Pferde. 

3 Einspännige mit 3 Pferden. 

Des Herzogs Ferdinand 24 Leibpferde. 

Stallmeister Lew mit 2 Personen. 

Ein Bereiter. 

Sechs Edelknaben, 8 Stallknechte, 9 Stalljungen, 9 Pferde. 

Der Hofmeister von Laubemberg, 4 Personen, 4 Pferde. 

Kanzler Dr. Ludolf Halver, 3 Personen, 3 Pferde. 

Jägermeister Auer, 3 Personen, 3 Pferde. 

Hörwart, 3 Personen, 3 Pferde. 

St^ckhl, 3 Personen, 3 Pferde. 

Sandizeller, 2 Personen, 2 Pferde. 

Ettlinger, 2 Personen, 2 Pferde. 

Merlinzkhi, 2 Personen, 2 Pferde. 

Weichsner, 2 Personen, 2 Pferde. 

Rammel, 2 Personen, 2 Pfenle. 

Riederer, 2 Personen, 2 Pferde. 

Joachim Laubemberger, 2 Personen, 2 Pferde. 

Oberst Mathäus Schel, 4 Personen, 4 Pferde. 

Heinrich Völckher v. Freyberg, 3 Personen, 3 Pferde. 

Hans Christoph v. Schellen berg, 3 Personen, 3 Pferde. 

Medikus (2 Personen). 

6 Kammerdiener. 

1 Kaplan. 

1 Sekretari. 

1 Barbier. 



>) Vgl. dagegen Lossen 1, 749. - =*) Vgl. Oberb. Arch. 31, 241. 
») Vgl. Lossen 1, 749. 

*) Hans Heinr. N. auf Wackerstein u. Dorf bach, cf. Oberb. Arch. 42, 
^^ U.48. 

') Vgl. Oborb. Arch. 31, Ml 40, 170 ff. 



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106 Fra.iz Hüttner: 

Kimraerl. 

2 Hausmeister mit 2 Pferden. 

Der Furier Hans Pierbach beritten. 
Vetz, beritten. 
Gedeon, beritten. 

3 Trompeter beritten.*) 
Ein Weinmeister. 

Ein Mundkoch sammt einem Gehilfen. 

Ein Mundkeller (beritten). 

Ein Einkäufer und sein Gehilfe (2 Pferde). 

Vier Lackaien. 

Ein Plunderwagen mit 6 Rossen (2 Personen). 

Ein Truhenknecht. 

Drei Kutschen (4 Personen, 14 Pferde). 

2 Maulthiere, 4 Pferde, 8 Trabanten. 

Diese stattliche Anzahl von 171 Personen zog Ende Mai 
von München ab. Ueber die Reise selbst gibt die nunmehr 
folgende Beschreibung genügenden Aufschluss. 



*) Herzog Ferdinand wollte anfangs den Trompeter Cäsar mitnehmen ; 
weil dieser aber „Obrister und das gestirn unter den tromettern erhellt, 
und da er nit dabey, das ander alles erligt", Hess ihn Herzog Wilhelm 
in München. Ueber den Hofmusiker Joh. Mart. Cesare vgl. Oberbayer. 
Arohiv für vaterl. Gesch. 31, 251. 



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Beschreibung einer Reise des Herzogs Ferdinand von Bayern. 107 



Verzaichnus , wie der durchleüchtig hochgeborn unser genediger 

fürst und herr, herzog Ferdinand in Bayrn etc. von Minchen» 

aus nach Lüttich den weeg genommen, was sich auch ungefer- 

lich auf solcher rays zugedragen. 

Erstlich ist der gantz hauflfen der mitraisenden (ausser i. f. 
gn. , so erst sarabtviert hernach postiert, und zu demselben zu 
Geisslingen gestossen) von Minchen '^ aus geen Brugkh 
drey meil weegs geraist, so am sambstag den 27 may gewest. 

Sonntags ° den 28. may früer tagszeit von Brugkh geen 
Fridberg zum morgenmal, alda man auch über nacht ge- 
bliben, fünf meil geraist. 

Montags d den 29. may von Fridberg zum morgenmal geen 
Well den ^ vier meil weegs® geraist. Alda i. f. g. der pfaltz- 
grave etc.* auslesen lassen.^' Zum nachtleger geen Lau gingen,^ 
alda pfalzgraf ebenmessig auslesen lassen. 

Erchtags» den 30. may zum früemal geen Weiten steten,^ 
ein dorff, vier meil weegs geraist. 

Zum nachtleger geen Geisslingen zway meil geraist, 
alda i. f. g.** zum hauffen khomraen. 

Mitwochen den lotsten may zu Geisslingen sein i. f. g. geen 
Vberching^ins baad hinaus gangen, darhach wider geen Geiss- 
lingen zum früemal gefaren. Und nach demselben zum nacht- 
leger geen Göppingen drey meil weegs geraist. Alda der 
hertzog von Würtemberg^ etc. i. f. g. empfacht und aus- 
lesen lassen. 

aß: München, b ß: München, c ß: Sonntag, d Montag, ©weegs 
fehlt hier imd so auch später in B in solchen Meilenangaben fast immer. 
i Dieser nachgetragene Satz steht in B von erster Hand geschrieben. 
«B: Erohtag. hß noch: wider. 

* Weiden, Markt nordwestlich von Augsburg. — ^ Philipp Ludwig 
von Neuburg. — ' Die Gasthaus-Rechnung bezahlen oder bewirthen 
lassen. Vgl. Schmeller- Frommann 1, 1517. — * Lauingen. — * Weiden- 
stetten nördlich von Ulm. — ^ Ueberkingen, Dorf südwestlich von Geis- 
lingen. — ' Herzog Ludwig von W. geb. 1554, f 1593. 



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108 Franz Hüttner: 

Pfintztags den ersten juny zum raorgenraal von Göppingen 
geen Bloching/ in ain dorff, vier meil geraist. 

Nachts geen Stuettgart zway meil weegs geraist. Hoch- 
gedachter hertzog von Württemberg etc. sambt graf Friderichen 
von Mürappelgart^ etc. ist i. f. g. ungevar ein viertel meil 
weegs hinaus mit ettlichen wol gerüsten pferdten entgegen 
geritten. 

Freitags den 2. juny ^ sein i. f. g. zu Stuettgart stillgelegen, 
alda zu morgens mit dem von Würtemberg etc. und graven 
von Mümppelgart etc. in palon* gespilt. 

Nach mittag ist ein fechtschuel gehalten und nach dem 
nachtmal wider in palon gespilt worden. 

Sambstags den 3. juny sein i. f. g. mit den fürnembsten 
herrn und vom adl auf die vestin genannt Asperg*^ und der 
uberig hauffen geen Vayin gen ^ zum fruemal drei meil weegs 
geraist. Dahin* der hertzog und hertzogin i. f. g. das glaidt 
geben. Zum nachtleger geen Maulbrunn drey meil geraist, 
alda i. f. g. auch herzu khommen. 

Sonntags den 4. juny haben i. f. g. im closter zu Maul- 
brunn mess gehört und das fruemal alda genommen, und zum 
nachtleger geen BruesseF drey meil geraist. Die bischof- 
lichen speyrischen commissary sein i. f. g. auf ein viertel meil 
weegs entgegen geritten, und sein i. f. g. allain im schloss mit 
fünf tischen ausgelest worden. 

Montags*^ den 6. juny haben i. f. g. in der pfarrkhirchen 
zu Bruessel mess gehört, das fruemal umb acht uhrn daselbs 
genommen und nach demselben geen Speyr^ zum nachtleger 

a B : Dahin geen Asperg. b B : Montag. 

* Plochingen, nordwestlich von Göppingen. — * Die Grafschaft Möm- 
pelgard wurde öfter württ^mbergischen Prinzen als abgeteiltes Erbe ge- 
geben. — • Am 2. Jimi teilte Ferdinand seinem Bruder Wilhelm mit, 
dass er in Stuttgart glücklich angekommen sei. (Hausarchiv). — * Am 
21. Juni schrieb Ferdinand von Lütticli aus an seinen Bruder Wilhelm: 
Von dem herzog zu Württemberg haben wir mit dem palonspil bis in 
300 fl gewonnen und sind willens, sein l. am heimreisen wieder zu er- 
suchen und etwas bessers zu striglen. (Geh. Hausarchiv.) — ^ Hohen- 
asperg über dem Dorfe Asperg. — * Vaihingen, Stadt nordwestlich von 
Stuttgart. - ^ Bruchsal. — * Von dort aus schrieb Ferdinand am 5. Juni 
au den Landgrafen von Leuchtenberg: Wir haben aus e. l. schreiben vom 
2. diss vernommen, aus was Ursachen sy uns zu Speir mit, sonder Gob- 



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Beschreibung einer Reise des Herzogs Ferdinand von Bayern. 109 

drey meil geraist. Alda das thurabcapittel, auch geraaine Stadt 
iren f. g. zu vorhabender rais glickh gewinscht, sy underthenig 
empfangen, und die vom thumbcapiti 40 und die von der stat 
24 flaschen mit wein iren f. g. verehrt. 

Erchtag den 6. juny haben i. f. g. zue morgens umb 7 uhrn 
zu Speyr mess gehört, daselbs umb 8 uhr das früemal genommen, 
und nach deme geenWormbs zum nachtleger sechs meil weegs 
geraist. Alda auch das thumbcapitel i. f. g. underthenig em- 
pfangen und zu solcher rays glickh gewinscht, und viertzig 
flaschen weins verehrt. Gleichsfals die von der statt auch 
zwaintzig flaschen. 

Alheer geenWormbs hat pfaltzgrave Joannes Casimir^« 
seinen hofmaister zu i. f. g. abgefertigt, und sy berueffen geen 
Kaiserslau ttern. Ist ime aber von wegen des starckhen vort- 
raisens abgeschlagen worden. 

Mittwochen den 7. juny haben i. f. g. umb 7 uhr*^ zu Wormbs 
mess gehört. Darnach das früemal daselbs genommen und zum 
nachtleger geen Oppenheim, ein statt dem pfaltzgraven etc. zu- 
gehörig, drey meil weegs geraist. 

Alda die von der statt i. f. g. empfangen und sechzechen 
flaschen weins verehrt. Alda hat auch der churfürst* i. f. g. und 
die vom adl, auch° thails officier speisen und auslesen lassen. 

Pfintztag den 8. juny^ von Oppenhaim zum früemal geen 
Maintz drey meil geraist, alda der churfürst drey oder vier 
vom adl, bis in zwelff pferdt, i. f. g. entgegen hinaus geschickt, 

a B: pfaltzgraf Hanns Casimirus. ^B: uhrn. o B: und. 

lenz anzutreffen entschlossen. Wiewol wir uns nun getröstet, e. 1. solle 
sich zu unserer herkunft zu Speir (dahin wir heut abents gott lob sambt 
den unserigen glickhlich angelangt, und auf morgens, gonnts gott, nach 
Wormbs vortzuruckhen willens sein) sambt den iren allerdings gerüstet 
finden und sechen haben lassen , nemmen wir doch o. 1. irer firwendung 
dess bequemlicheren wegs halb freundt- und billich fir entschuldigt an, 
u. sein derselben zu berüertem Coblenz oder in negstem nachtleger dar- 
nach gewertig. (Or. im Kreisarchive.) 

^ Geb. 1543 in Simmern, f in Heidelberg 1592. Durch letztwillige 
Verfügung seines Vaters hatte er 1578 Neustadt und Lautern als Deputat 
orhalteo. — * Kurfürst von Mainz, Daniel Brendel von Homburg, gewählt 
1555, t 22. März 1582. — ' Am 8. Juni schrieb F. aus Mainz an Wilhelm: 
Und obwohl uns vorkommt, dass es dieser orten hinab gar imsicher und 
gefährlich zu reisen sei, wellen wir nichts weniger den weg fortsetzen. 
(Hausarchiv.) 



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110 Franz Hüttner: 

und der churfürst das gesind im schloss speisen lassen. Und 
ist der churfürst zur ankhunft iren f. g. in hof herab entgegen 
gangen und hat dieselb bis ins zimmer belailtet. Alda ist auch 
der herr landgraf ^* von Leüchtemberg etc.*^ zu i. f. g. gestossen 
a B: landtgravG. t> B: etc. fehlt. 

' Georg Ludwig von Leuchtenberg, geboren c. 1560 als der Sohn des 
Landgrafen Ludwig Heinrich und von dessen Gemahlin Mechtiid, Tochter 
des Grafen Robert von der Mark und Aremberg, kam sehr früh an den Hof 
des Herzogs Albrecht V., „der damals vortheilhaft abstach von dem grossen 
Durchschnitt der deutschen Höfe, wo man in einer Abwechselung von 
wüsten Zechgelagen mit theologischen Zänckereien sein seltsames Be- 
hagen fand" (Riezler, Zur Würdigung Herzog Albrechts V. von Bayern 
und seiner inneren Regierung, Abhandlungen der bist. Cl. der k. b. Akad. 
d. Wissensch. 21. Bd., I. Abt. München 1895, Seite 111). Im Jahre 1576 
(5. Mai) theilte Albrecht V. der Mutter des Landgrafen mit, ihre Schwester 
Margaretha geb. Gräfin von der Marckh und zu Arnburg Witwe wünsche 
dem Landgrafen Ludwig Heinrich, welcher damals in Ingolstadt studirte, 
ihren jungem Sohn sammt noch einem jungen Grafen von Oberstein als 
Studiengenossen zu geben (Or. im Kreisarchive). Der junge Landgraf 
war am 18. Oktober 1576 auf ein halbes Jahr zum rector magnificus ge- 
wählt worden (nach Akten im Kreisarchive); er blieb in Ingolstadt bis 
zum April 1580, wie aus einem Schreiben des Pfalzgrafen Philipp Ludwig 
von Neuburg vom 28. März 1580 hervorgeht (Or. im Kreisarchive). Am 
30. April 1581 schrieb Herzog Ludwig zu Württemberg an den Land- 
grafen: „Wir haben e. 1. schreiben von dero lakaien wol empfangen und 
daraus dero abreisen nach Speyer, und dass dieselb heut vergangene nacht 
zu Cannstadt gelegen, vernommen.** Er bedauert, ihn nicht getroflFen zu 
haben und lädt ihn ein zum Besuche seines Hof lagers in Stuttgart, wenn 
er (der Landgraf) zurückreise. (Or. im Kreisarchive.) Herzog Wilhelm hatte 
nemlich durch den jungen Landgrafen das Kammergericht in Speyer visi- 
tiren lassen, (Vgl. Abb. d. Ak. III. Gl. 6. Bd. 3. Abt. S. 20.) 

Zu dem Einritt in Lüttich hatte Herzog Ernst am 9. März 1581 den 
Landgrafen eingeladen (Or. Schreiben im Kreisarchive), als letzterer zur 
Wahl in Lüttich gratulirt hatte. »Und weil wir unsern fürstlichen bischof- 
lichen einritt alda uf sontag nach Medardi den 19. juni schierist, dann 
zuvor den hildesheimischen, auch uf sontag nach corporis Christi den 
28. Mai nechstkonftig zu halten entschlossen, aber e. 1. darzu neben an- 
dern unsern geliebten sonders gern sehen wollten, so ersuchen wir e. 1. 
freundlich bittend, die wollen uns angeregte beide einritt zieren und ver- 
richten helfen, daruf wir dann e. 1. neben den hochgeb. fürsten, herrn 
Ferdinanden pfalzgrafen bei Rhein . . . und herrn Philippen markgrafen 
zu Baden und Spanheim (bey denen e. l.der manir imd claidung halber erinne- 
rung haben mögen) freundlich ge wertig sein wellen. Doch bitton wir, uns ihres 
gesinds und pferd ein ordenliche futterzettel , in wellicher der vom adel 
namofi in Sonderheit benennet sein aollen, mit dem ersten zukommen zu 



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bescbreibung einer Reise des Herzogs Ferdioand von Bayern. Hl 

mit seinem gesindt ^ *. Disen tag ist man daselbs^ stillge- 
legen. 

Preytags den 9. jnny haben i. f. g. zu Maintz mess gehördt, 
darnach das früemal genommen und nach mittag bis geen 
Pinngen aufm Rhein vier meil weegs gefaren zum nacht- 
leger, alda yederman aufm schiff heraussen geessen. Ir chur- 
fürstlich gn. von Maintz etc.° haben i. f. g. zum abzug auf das <* 
schiff heraus belaittet, und daselbs voneinander urlaub genommen. 

Sambstag® den 10. juny haben i. f. g. zu Pinngen umb 
4 uhr mess gehört, darnach aufm Rhein bis geen Hertzenach*, 
ein dorff dem von Tri er ^ etc.' gehörig, gefaren, daselbs zu- 
gelendet und das früemal genommen. Nach deme zum nacht- 
leger geen Cobelenntz gefaren. 

Zway meil weegs« ausser Cobelenntz hat der churfürst 
Ludwig^ etc. zu Haidelberg ein vass weins bei 7 emern un- 
gevar iren f. g. aufm Rhein durch zween abgesandte praesen- 
tirn lassen. 

Volgendts, ein meil weegs auch ausser Cobelenntz haben 
hochgedachter churfürst und landgraf** von Hessen,^* so beede 
zu Braubach*^ (alda der von Hessen hof helt) beisamen ge- 
wesen, ettliche ire rath für die gedachte statt Braubach heraus 
geschickht, die i. f. g. zum nachtmal berueffen, und weiln es 
gleich umb 5 uhrn gewesen, haben ir f. g. das bewilligt und 
also miteinander an einem rundt tisch geessen. Die herrn und 

a B : mit seiner f. g. gesindt zu ir f. g. gestossen. b B : also zu Maintz. 
c B: etc. fehlt. dB: zum. e B: Sambstags. ' B: etc. fehlt. «B: un- 
gevar 2 meil wegs. ^ B: landtgrave. i B: etc. 

lassen. G. uf unserm hildesheimischen residenzhaus Steurwald den 
9. martii 1581." 

* Ein im Kreisarchive aufbewalirtes Schreiben des Herzogs Wil- 
helm V. von Bayern an den Landgrafen in Speyer vom 17. Mai 1581 
lautet: „Was aber die littichisch raiss betrifft, wollen wir alhie (in 
München) zwaien vom adl beuelhen lassen, dise raiss auf e. 1. ze 
warten. Damit also e. 1. anzal der zwelf pferdt erfület werde, weiten 
wir derselben nit verhalten." — * Hirzenach nordwestlich von St. Goar. 
— ■ Kurfürst von Trier war Johann VII. von Schonenburg, gewählt 
im Mai 1581. — * Kurfürst Ludwig VI. von der Pfalz 1570—1583. — 
* Landgraf Georg L war der Stifter der Linie Hessen-Darmstadt, ge- 
boren 1547, t 1596. — ® Am rechten Rheinufer. Das Amt Braubach mit 
der Stadt Braubach gehörte zu der obern Grafschaft Katzenelln bogen, 
welche Landgraf Georg I. im Jahre 1567 erhalten hatte. 



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112 Franz Hüttner; 

vom adl, auch tails der officier haben auch alda geesseii. Das 
uberig gesindt aber ist strackhs auf Cobolenntz vortgefaren.* 

Sonntag den 11. juny zu Cobolenntz mess gehört umb 4 uhrn, 
darnach 7 meil bis geen V n n c k h e 1 , ^ ein dorff , zum fruemal 
gefaren, alda man zugelendet. 

Nach dem früemal geen Colin, allda bürgermaister und 
rath bey i. f. g. audienz begert, sy auf ein gefelHge stundt zu 
empfachen. Sein darauf des andern tags umb 10 uhr*> nach 
besuchtem gottsdienst vier furnemme alte menner vom rath 
erschinen, die i. f. g. zu irer ankhunft° glickh gewinscht und 
daneben ein vass weins^ zu acht emern ungevar praesentirt. 

Montag den 12. juny^ umb 8 uhr haben ir f. g. in dem 
thumb mess gehört. Darnach das heiligtumb der heihgen drey 
kunig® besichtigt; darnach widerumb ' in des von Sigen^ hauss 
zum fruemal gangen. Alda die bürgermaister sambt ettlichen 
thumbherren mit i. f. g. das früemal eingenommen haben. 

Erchtag den 13. juny von Colin umb 4 uhr zu morgens 
geenBerhaim^ zum fruemal, ein dorff dem von GüUch gehörig, 
drey meil weegs geraist. Gleich auf ein meil weegs von Colin 
aus sein ettliche bis in 100 schützen zu ir f. g. gestessen, so dem 

aß hat weiter: umb 7 uhr ungevar sein irf. g. von bemeltem Brau- 
baoh wider abgoschiden und auch geen Cobolentz nachgeruckht. b B: 
uhrn. c B. : rays. ^B: mit wein. «B. :künigen. f B.: wider. 

* Unkel, Flecken am rechten Rheinufer. — * Am 12. Juni F. an 
Wilhelm aus Köln: Wir hahen samt den unsrigon gestern abends glück- 
lich hieher geschiffet, an heut lassen wir hie still ligen, die pferde und 
blunder vom wasser nufs land wieder staffiren und richten, damit wir 
auf morgens nach Jülich fortschreiten möchten. Ob wir aber den herzog 
von J. dort antreffen werden, können wir noch zur zeit für gewiss nicht 
wissen, sondern warten auf antwort von seiner 1. Wir sind glaubwürdig 
berichtet worden, dass sich um Cöln bis in 1000 archibusieri wohlge- 
rüstetes kgl. m. zu Hispanien kriegsvolk aufhalten solle, um den stadi- 
schcn auf ihren weitern trotz und ungehorsam zu begegnen. Weil wir 
dann dieselben an unserm morgigen fürzug antreffen sollen, wollen wir 
nicht unterlassen, weil sie königlich sein sollen, uns bei inen anzumelden 
und weiter mit ihnen zu besprechen. — ' ,Auf dem Holzmarkt am 
Rhein lag der Palast des Ritters und kais. Rates Arnold von Siegen, 
• ler zwölfmal regierender Bürgermeister gewesen war und nun seit 1564 
Ml wohlverdienter Ruhe lebte. Bei ihm pflegten Kaiser und Fürsten ab- 
zusteigen." (Ijossen, der Kölnische Krieg, I, S. 158.) Vgl. A. Fahne, 
(jcsohichte der Kölnischen, Jülichschen und Bergischen Geschlechter I, 
Seite 400. — * Bergheim. Fle( ken westlich von Köln. 



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Beschreibung einer Reise des Herzogs Ferdinand von Bayern. 113 

hertzogen von GüUch ^ etc. * gehörig gewesen,^ und haben sy ^ 
und den gantzen haufiFen belaittet, weiln es von CöUn aus bis 
geen GüUch gar unsicher ist. 

Nachts sein ir f. g. mit den fürnembsten herrn^ zu dem 
von Güllch etc. auf ein schloss Hambach* und das uberig ge- 
sindt geen Güllch gezogen drei meil weegs. 

Vor bemeltem Hambach ist hertzog*^ von Güllch etc.® un- 
gevar ain halbe raeil iren f. g. selbs personlich mit wenigen' 
Personen entgegen geritten und zu ainem gejaidt so under 
wegensfif zugericht'* gewesen,* gefüert, aber nicht darbey ge- 
fangen, und^ sonsten der gantz^ hauffen, so wol zu Güllch als 
Hambach frey ausgehalten worden. 

Umb 8 oder 9 uhr nachts ist die post khommen™, was"^ sich 
für ein missverstandt und lärmen* mit' ir f. g. dem bischouen 
und ettlichen spännischen khriegsleuthen zugetragen.® 

» B.: etc. fehlt, bß.: zugehört, o B. anstatt sy: also ir f. g. dB: der 
hertzog. « B: etc. fehlt. 'B: wenig. «B: wegs, ^B: zugerichtet. iB: 
gewest. ^B: und ist. IB: gantze. ni B: geen Hambach kommen. nB: wz. 
»Ebenso ist in B dieser Satz lückenhaft. 

* Wilhelm IV. Herzog von Jülich-Cleve-Berg; er starb 1592. Seine 
Gemahlin war geisteskrank und starb im Dezember 1581. — * Darimter 
Wolf Wilhelm Freiherr von Maxirain und Hans Jakob von Dandorf, welche 
auf Wunsch der Witwe des Herzogs Albrecht V. von Bayern den Plan 
der Verheiratung des Markgrafen Philipp von Baden, seit 1571 regierenden 
Herrn der Markgrafschaft Baden-Baden, mit Sibylla von Cleve, der jüngsten, 
katholisch gewordenen Tochter des Herzogs Wilhelm von Jülich, in Er- 
innerung brachten. Vgl. Lossen, Sitzungs-Ber. 1895, Seite 37. — ' Südöst- 
lich von Jülich. — * Am 15. Juni schrieb Ferdinand an seinen Bruder 
Wilhelm : „Vorgestern abends sind wir nach Jülich gekommen. Nachdem 
sich aber auf den 12. mit herrn Ernst und etlichem spanischem kriegsvolk, 
so den Rhein aufwärts gefahren, ein rumor zugetragen, davon daroben 
allerlei und weit anders, als vorgelaufen, geredt werden möchte, haben 
wir e. 1. dasselbe gründlich zu entdecken. Als Ernst auf den 12. ds. samt 
allen dienern und gesinde über den Rhein geschifft und wol gerüstet [ge- 
wUst?], dass etlich 100 gerüstetes kriegsvolk daselbs am Rhein sich auf- 
halte, welches sich gleichwol für königlich ausgebe, dass doch s. I., seit- 
mal dieselben kriegsleute alles diesorts aufrauben und zu sich fassen, jne 
für gewiss nit getrauen dürfen: hat derwegen s. 1. am ersten den Rhein 
hinüber geschifft und die diener und übriges gesinde nachfolgen lassen. 
Und da sie schier alle bis an das letzte schiff hinüber geraicht, ist den- 
selben ein nachen den Rhein aufwärts mit angespannten rossen zuge- 
fahren, daraus etliche schüsse geschehen, wie denn einer auf s. 1. ritt- 
meister den von Holen (Asche von Holle, Lossen 1, 497) gangen, aber nit 
Archivalisoho Zeitsohrift. Neue Folge IX. 3 



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114 Franz Hüttner: 

Zwischen 1 und 2 uhrn* in der^ nacht sein ir f. g. der 
bischof ^ mit ettüchen dienern auch alheer geen Hambach geritten. 

a B: uhr. *>B: derselben. 

getroffen, desgleichen auf sein lieb selbs die büchsen zweimal angetragen 
worden, aber jedesmal losgebrannt und das röhr nicht abgehen wellen.* 

,,Als nun solches s. 1. zugethone ersehen, hat einer in dieselb nache 
hinüber geschossen, davon der, so auf s. 1. erstlich angetragen, samt noch 
einem schützen todt geblieben; und wie imderdeme sie in berührter nacho 
schier ans gestade gelangt, hat s. 1. samt den ireu das ross zuvor an der 
nache gezogen, beim zügel gefasst und also stark gewendet, dass die 
nache damit an das gestade kam, und alsbald darauf sie die zu derselben 
nache gewest, warum sie also schiessen und wer sie seien, bespracht; 
darüber sie sich für Engländer ausgaben und dazu der oberst, als wenn 
er geschlafen, und solcher tumult ausser seines wissens vorgegangen 
wäre, sich entschuldigt. Auf solche unbeständige ihre reden hat s. I. den 
oberst samt noch 3 seinen mitgesellen gefangen genommen imd mit ge- 
führt; aber gleich wol hernach auf weitere geschehe besprachung gegen 
einer urfehde entlassen.** 

Die Urfehde, datirt den 13. Juni zu Grauenbruch, lautet: 

„Ich Jobst Walrab zum Grienberg, des wolgebornen herrn Georgen 
grafen zur Naleen [richtig: Lalaiu] und Rennenberg, k. m. zu Hispanien 
generalkapitäns und feldherm in Friesiand, befehlshaber und quartier- 
meister über eine anzabl kriegsvolk, bekenne: Weil Ernst, bischof der 
Stift Hildesheim und Freising, erwählter bischof des stifts Lüttich, auch 
postulirter administrator und fürst zu Stahl und Malmandis, pfalzgraf bei 
Rhein, herzog in Ober- u. Niederbayern, und zu Bullion, markgraf zu 
Francimont, graf zu Lohen und Lonigen, gestern montags 12. juni zu 
Stein bei Düsseldorf im land zu Bergen samt reitern und gesinde über 
Rhein gekommen, hat sich leider zugetragen, dass ich sammt meinen ge- 
sellen Dietrich von Parieben und Ludolf Khaal samt dreien Soldaten oder 
schützen nach unsern in der Stadt Neuss verrichteten geschäften zunächst 
bei s. f. g. genommen überfahrt an den Rhein gelangt und in 2 zusammen 
geschlagene nachen begeben, dass gedachte meine gesellen und schützen, 
doch gleichwol ausser und ohne meine heissens un wissens (und wissens ?), 
rat und that, ohne alle Ursache, aus vollem mutwillen 2 Schüsse getan; 
auch hernach, da man ims, wer wir seien, frug, haben sie die schützen 
für engliche kriegsleute ausgethan, und einer aus ihnen nicht allein nach 
hertzog Ernst zu schiessen angetragen, darauf zweimal losgebrannt, also, 
da der allmächtige ire f. g. nicht sonderlich behütet, übel um das leben 
gebracht wäre, sondern obgenannter v. Parieben sich gegen benanten 
schützen vernehmen lassen und gesagt, er welle inen zu erkaufung pulver 
und blei einen halben thaler schenken, sie sollen nur tapfer schiessen. 
Darüber er nebst einem schützen einen schuss empfangen, davon sie tod 
geblieben." 

* Der Bischof Ernst. Vgl. Ritter, Deutsche Gesch. im Zeitalter der 
Gegenreformation 1, 308-311. 571-577. 



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Beschreibung einer Reise des Herzogs Ferdinand von Bayern. 115 

Mitwochen den 14. juny sein beede ir* f. g. zu*^ Hambach 
stillgelegen und under tags, weil des hertzogen von Güllch etc. ^ 
böser tag gewesen, ain weil miteinander gespilt. 

Pfintztags ^ den 16. juny umb 8 uhr vormittags sein beede 
ir® f. g. sambt denen von Güllch etc.' von Hambach geen 
öüllch gezogen; alda zu Güllch hat man zum einritt das« 
geschiz abgeen lassen. 

Nach essen sein die fürsten sambtlichen wider nach Ham- 
bach an ein gejaid geraist, daselbs über nacht und das uberig 
gesindt zu Güllch über nacht gebliben. Alda raans, wie ob- 
gemelt, ausgelest*^. 

Von bemeltem jhaidt ist man erst umb 10 uhr zur nachts 
haimbkommen und^ 2 hirschen gefangen worden. 

Freitags den 16. juny ist das^ gesindt von Hambach und 
Güllch zum fruemal geen A a c h ^ vier meil geraist. Ire f. g. 
aber sein ein viertel meil weiter hinaus geruckht, mit wenig 
Personen ins warme baad geen Purschet*. Alda burger- 
raaister und rath ir ^ f. g. empfangen und ein fueder weins sambt 
einem fueder habers ™ praesentirt. 

Haben auch zuvor am einreiten ^ ire schützen, deren ein guete 
anzal gewesen, fein ordenlich abschiessen lassen. 

Nach essen haben ire f. g. im warme baad alda gebaadet. 

Sambstags® den 17. juny zu Aach umb 5 uhr morgens ist 
man aufgewest^ und bis geen Wisett*<i drey meil weegs zum 
früemal geraist. 

Sonntags ' den 18. juny zu Wisett « morgens mess gehört. 
Darnach das früemal genommen und nach demselben 2 meil geen 
Lüttich geraist. 

Ehe* ire "f. g. geen Wisett^ khommen, sein inen von der 
statt 3 fendl landtskhnecht mit muschceten entgegen zogen. 
Item ain compania, so mit muschceten geschossen. 

aß: ire. ^B: zum. o B: etc. fehlt. dB: Pfintztag. e B: ire. f B: 
etc. fehlt. fl:B: dz. bß: und der von Gilch alles ausslesen lassen, 
i B: und sein. kB: dz. IB: ire. mB: habem. nB: zum einritt. oB: 
Sambstag. pB: aufgewesen. qB: Wesett. r B: Sonntag. »B: Wesett. 
fc B: Ee und zuvor, uß: ir. vß: Wesett. 

» Aachen. — ' Burtsoheid. — ' Vis^, Wezet, Stadt in der belg. 
Provinz Lüttich, westlich von Aachen. 

8* 



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116 Franz Hüttner: 

Mer ain compania mit pendereutter ^ ungeverlich bei zwaintzig. 

Mer ain alter herr mit 16 archibusieros. Hat ir f. g. em- 
pfangen. 

Als man zu der statt tor khommen, haben die von der statt 
mit 2 silberen schlüsseln in ainer silberen Schüssel ire f. g. frantzö- 
sisch empfangen und derselben die Schlüssel praesentirt. 

Darnach mitten in der statt hat ein oberster aus dem hertzog- 
tumb Bullion* ir f. g. latine empfangen. 

Und nach disem ist man zu der khirchen khommen, auch 
daselbsthin der brobst sambt andern canönicis entgegen gangen, 
mit einem heiligthumb, und ir f. g. latine empfangen, auch das 
heiligtumb zu khüssen gegeben. 

Es sein auch der thumbbrobst von Lüttich, und andere 
canonici* alheer geen Wisett*^ khommen undir^f. g. empfangen. 

Undter*^ essen sein dieselben® herrn von der statt' khommen« 
und einen vergolten pecher, bei 100 fl. wert, praesentirt. 

Nach disem hat man in der khirchen coraliter das Te deum 
laudamus und Veni sancte spiritus sambt andern lobgesangen ** 
solenniter gesungen, auch sonsten die gantze statt Wisett* mit 
gebundtnen rosenkhrentzen,^schmeckhetenpluemen, und grüenen 
paumen geziert, auch in allen gassen feurwerckh gehabt. 

Wie man also undter weegs nach Lüttich gewest, ist man 
zu HertzstalP abgestanden und ein wenig^ stillgehalten, her- 
nacher vortgeruckht. 

Und nachdem ir™ f. g. der porten Lüttich zugerückht, 
sein derselben der statt Lüttich zween bürgermaister entgegen 
geritten, und mit disen was*» wenig verhalten. 

Daneben iren f. g. das erst juramentum von den bürger- 
maistern fürgehalten, und der statt Schlüssel uberantwort worden. 
Und zuvor** irP f. g. in die statt geritten, sein die portten ver- 
spert gewesen, und vor verschlossner portten ir^ f. g. zu drey 
mal gefragt worden, wer sy seyen, darauf antwort ervolgt. 

Da ir ^ f. g. in die statt geraicht und khommen, ist ain junckh- 

a B; thumbherren. b So hier auch B. o B: ire. d B: undter dem. 
e B : die. ' B : statt Wisett. s B : erschienen, h B : lobgesengen. i B : So 
hier auch B. kB: rosencrentzen. IB: ein clains. mB: ire. »B: wz. 
oB: Zuvor und ehe. pB: ire. qB: ire. r B: ire. 

* Fendlreutter ? Vgl. Lossen 1, 750. — * Das Herzogthum Bouillon 
war 1095 von Herzog Gottfried an das Bisthum Lüttich verpfändet worden, 
bei dem es bis zum J. 1672 verblieb. — • Herstal, H^^ristal. 



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Beschreibung einer Reise des Herzogs Ferdinand von Bayern. 117 

frau auf aira arcu triumphali gesessen, welche zu der ankhunft 
herab gelassen worden und ir f. g. gallica lingua salutiert, da- 
neben ein pischelein präesentirt. Dabey ein schöne musica ge- 
halten. Nach disera allem ist gedachte junckhfrau widerurab auf 
den arcum erhöcht worden. 

Und ist also der einritt nacheinander gevolgt. 
Erstlich der thumbbrobst zu Lüttich, herr Weingarttner, 
sambt seinem haulfen ungevar 200. 

Zum andern die kürisser von Masstrich )ioo 

Zum 3. die khürüsser von Hasselt^ ^ 

Zum 4. Statthalter von B u 1 1 i o n mit dem adl 
von Lüttich 200. 

Zum 6. lüttichische herrn und vom adl sambt 
iren dienern mit grossem hauffen 600. 

Zum 6. des alten hertzogen von Arschcot* 
schützen zu ross mit langen rohreu 300. 

Zum 7. der prinz von S i ra e i , * hochermelts her- 
zogen von Arschcot söhne 200. 

Zum 8. des hertzogs von Güllch etc. herrn 
vom adl sambt den dienern 360. 

Zum 9. arenbergische* leüth 100. 

Zum 10. unserer genedigen fürsten und herrn, 
-^^^ÄOg Ernsten und hertzog Perdinannden in Bayern 
fiy^^ herrn, vom adl und diener 1000. 

^ Zum 11. ir f. g. landgraf zu Leüchtemberg 

^\,4:^^^ und graf von Arenberg etc. Nach disen sein 
i. f- g. hertzog Ferdinand etc., hertzog zu Arschcot 
et<3- und hertzog zu Güllch etc. geritten. Auf dise 
dr^3^ hertzogen sein ir f. g. der bischof zu Lüttich 
ei<3- mit zwayen lüttichischen bürgermaistern ge- 

« B: eto. fehlt. 

* Stadt in der belgischen Provinz Liraburg, nordwestlich von Maas- 

tti^csl:^.-!). — * Philipp v. Croj, Herzog v. Arschot. Vgl. Lossen 1, 748 und 

ß^^i cihtigungen. — • Karl v. Croy, Prinz v. Chimay. — * Die Herzoge 

vö^x Arenberg und Arschot waren eine Linie des fürstlichen Hauses 

^^S^^^. Johann von Ligne erheiratete 1547 die Herrschaft Arenberg und 

oalxTn Titel und Wappen derselben an. Karl V. ertheilte 1549 die reichs- 

gräfliche, Maximilian H. 1576 die reichsfUrstJiche Würde. Die hier weiter 

g^n^iinten Mitglieder der Familie waren der gefiirstete Graf Karl von 

^Jfönberg und die Gräfin-Wittwe Margaretha von Arenberg. 



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QiOo<^z 



118 Franz Hüttner: 

volget. Und auf sy die schiltjungen sambt dem 
nachtrab bei 200. 

Irn f. g. dem bischoven hat man ein vergolt schwerdt vor- 
gefüert. 

Vom thor an bis zu der khirchen sein zu baiden seitten 
schützen von der statt Lüttich bis in 25,000 mann, darundter 
maistes tails moscatieri, geordnet gewest. 

Und ist diser einritt bis in 3250 und ettwas darüber starckh 
gewest, ausser der schützen zu fuess. 

Volgendts sein ir f. g. zum ersten theatro khommen, daselbs 
ettliche junge khnaben von der statt derselben zway facilet mit 
ainer threu neben gethaner gratulation underthenig uberantwort. 

Voigt ain hocher pyramis* ex arbustis, in welches apice 
Bacchus coUocirt, daraus rotter wein geflossen- 

Darauf volgt ain theatrum, auf welchem ettliche khnaben 
vom adl, die ir f. g. empfangen und derselben ein pischelein, 
darinnen ein* schwerdt praesentirt. 

Das dritt theatrum, welches ir f. g. erraicht, hat derselben 
ein silberen hertz offerirt. 

Auf dem vierten theatro ist ein d. legum gesessen , der ir 
f. g. mit einer zierlichen oration empfangen. 

Hernach ir f. g. in das haus scabinorum genannt khommen, 
in welchem ir die weltliche claidung, auch stilfei und sporn 
volgender gestalt abgethan und den dienern gebürendt uber- 
antwort worden. 

Daselbs ir f. g. leibpferdt, welches sy wol geschmückht be- 
sessen, dem thumbscantori gebürt und gegeben worden. 

Auch ir f, g. weltliche leibsclaidung des bluettrichters diener 
gebürt haben. 

Item, da ir f. g. also weltlicher claidung ordenlich abgethan 
worden, haben sy geistlichen habitum übergenommen und in 
der mitte mit dem brobst, auch decano der khirchen zugangen. 

Daselbs ir f. g. von den canonicis ain juramentum fürgelesen, 
darauf das Te deum laudamus frölich gesungen imd volgend 
ir f. g. zu den gloggen belaittet worden. 

Letztlich sein ir f. g. in das palatium * mit grossem hauffen ^ 

aß: ein silbern. *> B : magna caterva stipata. 

* Vgl. Lossen 1, 752. — ' Es war im J. 1533 aus Blausteinquadern 
aufgeführt, mit einem halbmauriscben Säulenhofe. 



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Beschreibung einer Reise des Herzogs Ferdinand von Bayern. 119 

eingetretten, und die bürger und schützen darnach ordenlich 
durchpassiert. Baldt die bürger und schützen alle, deren ein 
grosse anzal gewest, fürgangen, haben die fürstenpersonen, wie 
auch hernach sambt andern herrn im palatio an ainer langen 
tafel das nachtmal genommen. 

Montag den 19. juny ist ir f. g. der bischof mit den andern 
fürstenpersonen und herrn umb 9 uhr zur khirchen gangen, 
und nach verrichtem gottsdienst ain procession mit dem hoch- 
würdigen sacrament altaris umb den gantzen stockh der khirchen 
und palatii gehalten worden. 

Nach vollendtem khirchgang sein die Soldaten von Prancon 
durch das palatium in irer rttstung ordenlich gezogen. Item 
die vom rath ir f. g. dem bischoven mit trommetten und pauggen 
volgende Verehrung gethan. Als zway vass mit wein, sechs 
gemostet ochsen, 25 hammel, 50 seckh mit habern, 12 silberene 
Schüssel und 12 silberene teller; volgendt sy vom rath ir f. g. 
auf das statthauss zum khünftigen morgenmal berueffen. 

Nach genommem morgenmal sein zu meinem g. fürsten 
und herrn, hertzog Ferdinanden etc. die andern fürstenpersonen 
khommen. Daselbs conversirt und lobliche musicam gehalten. 
Das nachtmal ist nachts umb 9 uhr angefangen und umb 2 uhr 
gegen tags vollendet*. 

Darbei der grevin von Arenberg frauenzimmer gewesen, 
und ist zur tafel ainer yeden fürstenperson zu beeden seitten 
ain frauenzimmer zugesetzt worden, auch auf das nachtmal ain 
tantz ervolgt. Sein an diser tafel bis in 72 personen gesessen. 

Erchtags den 20. juny zu morgens umb 6 uhr hat ir f. g. 
hertzog Ferdinand etc. im palatio den palon gespilt und umb 
8 uhr der fürstlich orator* vor dem capitulo sein causam expe- 
dirt, darnach man den gottsdienst besuecht. 

Zum morgenmal umb 1 uhr nachmittags sein ir f. g. der 
bischof mit andern fürstenpersonen auf das statthauss gezogen. 
Darbei gleichwol der hertzog von Güllch seiner obligenden 
schwacheit halb nit gewest. 

Zum beschluss diser malzeit sein allerlay zünfften mit 
truramel und pfeiffen für die tafel khommen, ir f. g. beschau- 

a B: vollendet worden. 

' Der englische Priester Robert Turner, vgl. Losson 1, 749. 



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120 F'ranz Hüttner: 

essen, aus zuckher gemacht, verehrt, daneben lingua gallica 
congratulirt. 

Nach dem morgenraal sein ir f. g. auf die Mass hinauss 
gezogen, daselbs die burger ain thurm mitten in der Mass auf- 
gesetzt und den gestirmet. Welcher sich nit starckh eingehalten, 
ist in das wasser gefallen. Und ist seer lustig zu sechen ge- 
wesen. 

Das nachtraal ist auch umb 9 uhr bei dem printzen von 
Simei und darbei ein tantz bis umb 2 uhr gegen tags gehalten 
worden. 

Mitwochen den 21. juny haben die f. tromraetter mit iren 
trommetten und die khriegstrumraelsehleger mit iren pauggen die 
fürstenpersonen im palatio umb 7 uhr zu morgens aufgeweckhtJ 

Darnach man den gottsdienst besuecht; umb 12 uhr mittags 
haben die fürstenpersonen . das morgenmal bey herrn thumb- 
brobst, herrn Joann. a Weingarten genommen. 

Sein gleichwol daselbshin zu fuess gegangen. Und ir* f. 
g. der bischof ist auf der rechten seitten, in der mitte der hertzog 
von Arschcot etc. als kün. mt. zu Hispanien etc. commissarius * 
und auf der lingkhen seitten ir f. g. hertzog Ferdinand etc. 
gangen. 

Bey disem morgen mal ist auch der von Eisen bürg* und 
das frauenzimmer gewest. 

Nach verrichtem morgenraal ungevar umb 5 uhrn haben die 
fürstenpersonen, als hertzog Ferdinand etc.,^ hertzog von 
QüUch etc.,*^ hertzog von Arschcot etc.^ und der landgraf von 
Leuchtemberg etc.® den palon gespilt. 

aß: ire. bß: etc. fehlt, o ß-, etc. fehlt, dß: etc. fehlt, eß nur: 
der landgrave. 

' Am 21. Juni schreibt aus Lüttich F. an Wilhelm: Auf euer 1. 
schreiben, uns bei ihrem curier überschickt, geben wir diesen bcricht, 
dass wir e. 1. auf dieser reise anjetzt zum 4. mal geschrieben und guter 
hoffnung sein, e. 1. sollen die vorigen schreiben nunmer zukomen sein. 

Morgen will der herzog von Jülich wieder von hier aufbrechen ; wenn 
aber die andern hinach folgen, ist uns noch Verborgen. 

Wir sind sonsten willens, auf künftige woche von hier auch zu reisen, 
aber noch nicht entschlossen, ob wir den weg stracks aufwärts oder durch 
Lothringen (weil es dahin nicht weit um sein soll) nehmen werden. 

Die kurzweil, so alhie getrieben wird, ist, dass man von einer mitter- 
naoht zur andern dem essen, trinken und tanzen auswart —'S. oben 
S. 117 Anm. 2. — ' Salentin von Tsenburg. Vgl. Lossen 1, 748. 



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Besohreibung einer Reise des Herzogs Ferdinand von Bayern. 121 

Umb 8 uhr hat man das nachtraal bey dem gräven von 
Arrenberg genommen, nach demselben auch ein tantz gehalten 
und widerumb umb zway uhr gegen tags schlaflFen gangen. 

Pfintztags den 22. juny haben die trommetter abermals die 
fürstenpersonen umb 9 uhr aufgeweckht. Darnach vier burger- 
raaister in ir f. g. hertzog Ferdinanndeh etc. Vorzimmer khommen, 
sich anmelden lassen und darauf denselben ein fueder weins 
verehrt. Nach disem hat man den gottsdienst besuecht, vol- 
gendts umb 1 uhr das morgenmal bey dem hertzogen von 
Arschcot etc. genommen. Darbei auch ein tantz gehalten worden. 

Nach volbrachtem tantz umb 6 uhrn sein ir f. g. der bischof 
und hertzog Ferdinand etc. in einen lustgarten Giren, ein meil 
weegs von Lüttich mit wenigem gesindt gezogen, und darinnen 
über nacht gebliben. 

Freitags den 23. juny sein beede ir f. g. morgens umb 
8 uhrn widerumb aus dem lustgarten geen Lüttich khommen, 
daselbs den gottsdienst besuecht und umb 12 uhrn im palatio 
das morgenmal genomen. Darauf der hertzog von GüUch etc.* 
umb 4 nhrn mit den seinen abgeraist, und haben ir f. g. dem 
von GüUch etc., auch vier herrn bürgermaister ein fueder weins 
verehrt. 

Nach dessen verruckhen hat ir f. g. hertzog Ferdinannd etc. 
inpalon gespilt; darnach ungevar umb 10 uhr sich zur rhue getan. 

Sambstag den 24. juny, s. Joannis tag, sein ir f. g. hertzog 
Ferdinand etc. umb 8 uhr aufgestanden. Darauf sy ire^ f. g. 
der bischof im zimmer besuecht, volgendts sein sy miteinander 
zum gottsdienst gangen und das früemal umb 12 uhrn angefangen. 
Darbei gewesen ir f. g. der bischof, und hertzog Ferdinand etc., 
hertzog von Arschcot, printz von Simei, landtgraf von Leuchtem- 
berg« und 16 bürgermaister. Welche bürgermaister dann letzt- 
lich mit zimblichera genommen trunckh abgeschiden. 

Das nachtmal hat man umb 6 uhrn in der frauen grevin von 
Hoohenstrass^ garten, an der Mass ligendt, genommen. 

Und ist disen tag den rittmaistern von ir f. g. dem bischoven 
völlig abgedanckht worden. 

Sonntag den 25. juny hat man den gottsdienst umb 10 uhrn 

a B feblt etc. bß: ir. c B nur: landgraf. 

' Hochstraten? 



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122 Franz Hüttner: 

im palatio solenniter gehalten, iind nach deme das fruemal bey 
heim Gruespeckhen, archidiacono^ des vorgewesten bischoven' 
vettern, genommen. 

Nach solcher malzeit sein ir f. g. hertzog Ferdinannd etc., 
der von Arschcot etc. und der von Eisenburg zu ir f. g. dem 
bischoven gangen, dasei bs bis zum nachtessen, so im palatio 
gehalten, gespilt. 

Auch disen tag haben die Itittichischen landtstendt, der adl 
und von den stedlen, die vom capitul* und statt Lattich auf 
die proposition, die ir f. g. der bischof in domo scabinorum den 
stenden fürtragen Jassen, sambt und sonder in frantzösischer 
Schrift antwort übergeben. Nach deme ervolgt umb 10 uhr der 
gottsdienst, darnach bey dem herrn archidiacono genannt Leuinus 
das fruemal genommen. 

Nach disem fruemal haben die fürstenpersonen prunirt und 
das nachtmal ir f. g. hertzog Ferdinand etc. mit dem bischoven 
in seiner f. g. canimer allain genommen. 

Montag den 26. juny sein die fürstenpersonen, hertzog Fer- 
dinand ^ und hertzog Ernst etc. umb 4 uhr morgens mit wenigem 
gesindt geen Huio*, ein vestung, die Mass aufwerts geschifiFet, 
daselbs umb 1 uhr nachmittags ankhomen, den halben thail der 
vestungen daselbs vor dem fruemal und den uberigen thail dar- 
nach besüchtigt. 

Erchtag den 27. juny sein ir f. g. von berüerten Huio wider 
geen Lüttich umb 12 uhr zum fruemal khommen. Welches 
fruemal im palatio genommen. Volgendts umb 3 uhr sein ir 
f. g." hertzog Ferdinannd etc. zu valedicieren ausgangen und die 
grevin von Arenberg etc.^ erstlich besuecht, darnach die von 
Arschcot etc. visitirn wellen, sy aber leibsschwacheit halber nit 
raolestirt worden. Und haben ir f. g. das nachtmal bey dem 
von Aronberg etc. genommen. Doch ist der bischof obligender 
schwacheit halb darvon ausgebliben. Ist abermals ein tantz 
gehalten worden, der bis auf 3 uhr zu morgen gewert. 

Mitwochon den 28. juny haben ir f. g. zu Lüttich umb 
9 uhr den gottsdienst besuecht, nach demselben das fruemal im 

a B: capittl. ^ B: hat hier eto, o B: ire fürstliche gnaden. dB: etc. 

I'ohlt. 

' Dos im J. 1580 gestorbenen Bischofs Gerhard van Groesbeek. — 
^ Huy sUdwesllioh von Lllttieh. 



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Beschreibung einer Reise des Herzogs Ferdinand von Bayern. 123 

palatio genommen, und umb 2 uhr von dannen geen Pranci- 
mondt^ drei meil geraist. 

Ir f. g. der bischof hat das glaitt ein halbe meil weegs 
für die Stadt hinaus mit ettlichen pferdten gegeben. Daselbs 
ire f. g. aneinander valedicirt. 

Undter weegs von Lüttich, ein meil weegs ungevar ausser 
Francimondt, sein drei fendl mit schützen iren f. g.* entgegen 
gezogen, haben mundter geschossen, und man hat auch aufm 
schloss Francimondt das geschitz zur ankhunffc ir f. g. ungevar 
umb 10 uhr in der nacht abgeen lassen. 

Alsbald ir f. g. ankhommen, haben sy sich strackhs zur 
rhue gethan, das gesindt aber hat erst das nachtmal genommen.*^ 
Nach deme, ungevar umb 1 uhr von dannen aufgewest und 
geen Stabel*) zum nachtleger geraist, drey meil weegs. 

Alda die schützen mit zwayen bayrischen fanen wol ge- 
gerüstet iren f. g. entgegen gangen und sy von der stadt zum 
schloss Stabel, ungevar ein vierttel meil weegs belaittet. Do 
ire f. g. auf die höche von Francimondt khommen, haben sy 
den von Danndorff nach Spach* zu commissarien geordnet, 
alda die hertzogin von Nouilla, so daselbs im baadt war, zu 
salutim. Darbey auch gewest herr landtgraf etc.,® herr von 
Bemmelberg** und herr von Hermenstein.* 

Freitags den 30. juny haben ir f. g. umb 6 uhr mess gehört, 
und nach Verrichtung derselben das früemal daselbs genommen. 
Alsdann umb 9 uhr geen Wastena,^ ist künigisch,*^ sechs meil 
wegs geraist. 

Alda zu Wastena sein auch die schüzen entgegen hinaus 

a B : iren fürstlichen gnaden, b B hat hier weiter : Der bischof hat 
zu commissarios aufs schloss Francimondt verordnet den graven von 
Sultz, den von Schwartzenberg« vnnd den haubtmann zu Franci- 
mondt. Pfintztag den 29. junii haben ir f. g. umb 8 uhr mess gehert, 
darnach alda zu Francimondt das frUemal genommen. Dann kommt der 
Text wie in A. o B: herr landgraf zu Leuchtenberg etc. dß: Wastma, 
so küngisoh ist. 

* Franchimont, Frankenberg nordwestlich von Spa. — * Staveloi, 
Stablo südöstlich von Spa. — ■ Hans Jakob v. Dandorf; vgl. Lossen, 
Sitzungsber. d. Ak. 1895, Seite 37. -- * Spa. — ^ Konrad Freiherr v. 
Bemelberg. Vgl. Lossen 1, 749. — * Graf Schweickhart v. Helfenstein. 
— ' Bastogne, südwestlich von Stavelot. — ® Adolf Freiherr von 
Schwarzenberg. Vgl. Lossen 1, 749. 



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124 Franz Hüttner: 

gezogen und haben ir f. [g.] die von der stadt 12 khandten weins 
praesentirt. 

Sambstags den ersten july umb 6 uhr morgens mess gehört 
zu Wastena, darnach das früeraal genommen und geen Aralun,^ 
so künigisch ist,* 5 meil weegs geraist. Alda man auch die 
schützen, weiln bis in 2 fendl khnecht daselbs sollen ligen, 
schiessen lassen. Umb 6 uhr das*^ nachtmal genommen, und 
umb 9 uhr schlaffen gangen. 

Und haben die vom stadtlein Arlun^ iren f. g. 6 grosse 
khandten weins praesentirt. 

Sonntags den 2. july umb 8 uhr zu Aralun mess gehört, 
darnach das früemal daselbs genommen und umb 2 uhr auf- 
gewest bis geen Longwy,^ ist lottringisch , drey meil weegs 
geraist. Wie ir f. g. angelangt, habens die schützen von der 
burgerschaft einbelaittet. Alda die lottringischen commissary 
ir f. g. empfangen. 

Montags** den 3. july zu Longwy umb 5 uhr mess gehört, 
darnach aufgewest und zum früemal geen Norrei' vier meil 
geraist. Und gleich vor der statt Longwy heraussen sein den 
güetterwägen, so gemach heernach gefaren, bis in 40 reütter 
mit langen röhren zugestossen. Weil aber® ir f. g. mit dem 
gantzen hauflfen derselben ' verstendigt, sein sy zurugg geeilet, 
und sy beschpracht. Darauf sy sich für des herrn graffen von 
Manssfeldt quardj ausgegeben. Sein also darnach durchpassiert. 
Von Norrei» zum nachtmal geen Conflan* drey meil geraist. 

Erchtags** den 4. july zu Conflan umb 5 uhr mess gehört, 
darnach zum früemal geen Nouilla'^ * 4 meil ^ geraist. 

Von Nowilla* zum nachtmal geen Pontamousson ^ 3 meil 
geraist. Alda der bischof von Metz,^ jung hertzog von Guisa,^ 

aß: „ist" fehlt, bß: dz. o B: Aralun. dß: Montag, e ß: und weil, 
f ß: derselben reutter. «B: Von beruertem Norrej. hß: Erohtag. > B: 
Nawuille. tß: meil wegs. iß: Nawuille. 

> Arlon, südlich gegen Osten von ßastogne. — * Südlich gegen 
Westen von Arlon, in Frankreich. — * Norroy-le-Sec, Dorf südlich gegen 
Osten von Longwy. — * Conflans, Flecken südlich gegen Osten von 
Norroy-le-Sec, — * Wahrscheinlich falsch gehört und Onville oder Arna- 
ville nördlich gegen Westen von Pont-ä-Mousson gemeint. — ^ Pont-ä- 
Mousson. Dort befand sich seit 1571 eine Universität. — ^ Karl von 
Vaudomoiit (f 1607), Sohn des Herzogs Karl II. (III.) von Lothringen. — 
^ Vermuthlich Karl, der 1571 geborne Sohn des Herzogs Heinrich von Guise. 



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Beschreibung einer Reise des Herzogs Ferdinand von Bayern. 125 

und ain hertzog von Vaderaont* etc. ir f. g. zur ankhunft im 
losament visitirt. Ir f. g. haben* nit zur nacht geessen, darfür *> 
den palon gespilt. 

Mitwochen den 5. july ^ sein ir f. g. in der herrn jesuittern 
(so alda profitirn, und bis in 1000 studiosos bey sich haben sollen) 
coUegium gegangen, daselbs möss gehört, und ir collegium be- 
sichtigt. Gleich wie ir f. g. zu Pontaraousson in der herrn 
jesuitern collegium geeu wellen,^ sein derselben undter weegs 
auf der pruggen obgemelte fürstenpersonen, der bischof von 
Metz, hertzog von Guisa und Vademont® entgegen khommen, 
und miteinander also' den gottsdienst bey den herrn jesuittern 
besuecht. Nach demselben» haben ir f. g. sechs edlkhnaben 
aus dem coUegio mit lateinischen und graecischen '^ carrainibus 
empfangen. 

Darnach umb 10 uhr das morgenraal im schloss, beym thor 
gelegen, genommen, umb* 1 uhr aufgewest und bis geen Nannci 
geruckht. 

Daselbs* vor der statt heraus ist der hertzog von Lot- 
tringen* etc., Cardinal von Vademont* etc.,^ marhes,^ des 
hertzogen söhne, und marches de Heur etc. iren f. g. mit ett- 
lichen pferdten entgegen geritten, und haben sy empfangen. 

Pfintztags°^den 6. july sein ir^ f. g. zu Nannci umb 7 uhr 
aufgestanden, darnach die ^ schreiben nach Mümchen p gefertigt, 
volgendts umb 9 uhrn ^ den gottsdienst besuecht. Entzwischen 

a B: Allda haben ir f. g. bß: sonder darfür. oB fügt bei: ^u Pon- 
tamouson. d B: gleich wie ir f. g. in diss collegium geen wellen, e B: der 
bischof — Vademont fehlt. 'B: die also miteinander. äB: nach deme. 
hB: griechischen. » B: und umb. kB: etc. fehlt. ^B: marches. m B : 
Pfintztag. «B: ire. «B: etliche. pB: München. qB: uhr. 

* Vermuthlich Heinrich, der 1663 geborne älteste Sohn des Herzogs 
Karl II. (III.) von Lothringen aus dem Hause Vaudomont. — * Aus 
Nancy am 5. Juli schrieb F. an Herzog Wilhelm: Uns hat herr Carol 
herzog zu Calabrien und Lothringen mit etlichen seiner 1. pferden heute 
abends alhie einbelaittet. 

Nachdem wir sonsten 8 tage her aneinander stets gereist und die 
pferde des harten wegs und angefallner hitzigen zeit halb etwas ermüdet, 
sein wir willens, etliche tage hier bei s. 1., an dero wir einen guten wirt 
haben, auszurasten, darnach stracks heimwärts fortzurücken. Doch möchte 
uns der herzog von Württemberg auch etliche tage aufhalten. — 
» Karl IL (UL). — * Diess müsste Karl (f 1587), der mit Herzog 
Karl II (III.) von Lothringen üeschwisterkind war, gewesen sein. 



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126 Eranz Hüttner: 

der currier vom printzen von Parm^i^ etc. mit schreiben 
khommen. 

Vor dem frueraal haben ir f. g. mit dem hertzogen* von 
Lottringen etc. in dem palhaus mit der rageten, die andern 
mit der pelotten gespilt. 

Nach dem fruemal haben ir f. g. den palon gespilt mit dem 
graven von Salm, umb 7 uhr das^ nachtmal genommen, und 
nach demselben ist ein tantz gehalten worden, umb 10 uhr 
schlaffen gangen. ° 

Freitag den 7. july zwischen 4 und 5 uhr^ morgens wider 
aufgestanden, und an ein gejhaidt hinaus gezogen, daran zween 
hirschen gefangen, und umb 1 uhr nach mittag wider zum 
fruemal heereinkhommen. Bey dem® fruemal sein gewest hertzog ' 
von Lottringen etc., cardinal von Vademont, des hertzogs» von 
Lottringen etc. eltester ^ sone, ^ und des cardinals brueder,* mein 
f g. und herr hertzog Ferdinand in Bayrn^ etc., item herr^ 
landgraf von Leuchtemberg etc.,™ marggrave'* von Haure. Nach 
demselben^ fruemal haben die Jäger die hirschen gewürchet 
und davon die hundt im palatio in beysein der fürstenpersonen 
und hofgesindts gefaistet. 

Umb 6 uhrP abent den palon gespilt, umb^ 7 uhr^ das^ 
nachtmal genommen, und nach demselben wider bis in * 10 uhrn 
gedantzt. 

Sambstags" den 8. july zwischen 5 und 6 uhr^ sein ir f. g. 
aufgestanden, und umb 7 uhr^ zum gottsdienst gangen, darnach 
zwischen 9 und 10 uhr^ von Nannci bis geen S. Nicolaus ^ 
2 meil geraist zum fruemal, dahin auch der hertzog ^ von Lott- 
ringen etc. das glaitt gegeben. 

aß: herzog, bß: dz. o B: gegangen, dß: uhrn. © B: disem. fß: 
ir f. g. herzog. «B: herzogen. ^B: eltister. iß: son. k in Bayrn fehlt 
in ß. Iherr fehlt in B. mß: etc. fehlt, nß: marggraf. oß: solchem, 
pß: uhrn. qB: und umb. rß: uhrn. sß: dz. tß: auf. uß: Sambstag. 
▼ B: uhrn. w ß: uhrn. xß: uhrn. yß: ir f. g. herzog. 

* Alexander Farnese, Prinz von Parma, spanischer Statthalter, Nach- 
folger des am 1. Oktober 1578 im Lager bei Namiu: gestorbenen Don Juan 
d'Austria. — * Diess war wohl Philipp Emanuel, Herzog von Mercoeur, 
Geschwisterkind mit Herzog Karl iL (lil.) von Lothringen. — • St. 
Nicolas-du-Port südlich gegen Osten von Nancy. 



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Beschreibung einer Reise des Herzogs Ferdinand von Bayern. 127 

Urab 1 uhr sein sy von einander abgeschiden und ir f. g. 
zum nachtleger geen Linstet** 2 meil geraist^ 

Daselbs zu Linstet «^ vor dem nachtraal gleich zur ankhunft 
ist der PränndtP edlkhnab geschossen worden. 

Sonntags ^ den 9. july urnb 4 uhr haben ir f. g. zu Lintstet 
mess gehört, darnach geen Blanckhenburg* 4 meil zum 
fruemal geraist. 

Nach dem fruemal haben sy im zimmer mit dem von 
Herraenstain* und Casparn^ Notthafften gespilt. 

Montags den 10. july ^ sein ir f. g. zu Blannckhenburg umb 
4 uhr zum gottsdienst gangen, darnach zum fruemal geen Sar- 
bruckh^ 3 meil geraist. 

Dahin auch der hertzog von Lottringen etc. seine commis- 
sarios und reütter beschiden, die ir f. g. auch von Sarbrugkh 
ein meil weegs bis aufs pfaltzgrevisch gebiet belaittet. 

Zum nachtleger zu Pfaltzburg® umb 7 uhrn ankhommen, 
vor der® Stadt heraussen sein ir f. g. der pfaltzgrave' Georg 
Hanns ^ etc. mit ungevar 30 pferdten entgegen geritten, nach 
essens umb 10 uhr schlaffen gangen. 

Erchtag den 11. july sein ir f. g. umb 7 uhr^ aufgestanden, 
umb 9 uhr das^ fruemal zu Pfaltzburg genommen und umb 

aß: Lintstet. l>B: vortgeraist. o B: Leintstedt. dß: Sonntag. 
B: derselben. ' B: pfaltzgraf. ff B: uhrn. h B: dz. 

* Lun^ville südöstlich von St. Nioolas-du-Port. — * Im Futterzettel 
des Herzogs Ferdinand nicht ausdrücklich aufgeführt. Vielleicht ein Sohn 
des Wolf Georg Prentel, Landsassen auf Irnsing, cf. Oberbayerisches Archiv 
für vaterl. Gesch. 42, Seite 19. — ' Blamont, östlich von Lunöviüe. 
— ^ Graf Schweickhart v. Helfeustein. — * Verschrieben für: Hans 
Heinrich. — ' *» Ein im Kreisarchive aufbewahrtes Schreiben des Bischofs 
Johann von Strassburg, Landgrafen zu Elsass, an Landgraf Georg Ludwig 
zu Leuchtenberg ist datirt Zabern den 10. Juli 1581 und lautet: „Wir 
haben zu e. 1. den wolgebornen unsern vettern, auch vesten hochgelehrten, 
unsere rät und liebe getreuen Johann Diebolden freihcrrn zu der Hohen- 
sax neben andern unsern raten an e. 1. in unserm namen (alss dieselb 
von jnen vernehmen werden) etwas zu werben abgefertigt. E. I. hierauf 
freundlich bittend, gemelte unsere räth in solcher ihrer Werbung gütlich 
zu hören.* A tergo „Adj den 10. julii zu Pfaltzburg bej herzog Georg 
Hansen empfangen vom bischoff von Strassburg." — ^ Saarburg, im 
jetzt wieder deutschen Theiie Lothringens, nordöstlich von Blamont. — 
* Nordöstlich von Saarburg. — ® Georg Johann Pfalzgraf von Veldenz 
(t 1592). 



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128 Franz Hüttner: 

1 1 uhr * von dannen aufgewest, geen Strassburg 6 meil geraist. 
Der pfaltzgrave^ Georg Hanns etc. hat ir f. g. bis geen Elisas 
Zabern^ zum bischoven von Strassburg* das glaitt gegeben. 

Wie man von berüertem Pfaltzburg aus auf ein halbe meil 
weegs ungfar und auf das bischoflich gehüet khoraraen, hat der 
bischof daselbs mit ungefähr 30 pferdten gewarttet, ir f. g. das 
gelaitt geen Zabern ° gegeben und ir f. g. aufs hechst ersuecht, 
bey ime über nacht ze bleiben. Das aber ir f. g. nit willigen 
wellen, sonder ainen trunckh bey ime gethan, und also^ vort- 
geruckht. Hat doch der bischof sambt dem von Pfaltzburg etc. 
das ® glaitt fürs thor hinaus gegeben. 

Umb 9 uhr sein ir f. g. zu Strassburg angelangt, die von 
Strassburg haben iren f. g. zuembotten, wann sy also' spadt 
nach gewohnlicher spörr die statt antreffen sollen, wollten sy» 
iren f. g., wann es schon zu mitternacht were, das thor wider** 
öffnen lassen. 

Ir f. g. haben sy zur ankhunft alsbald zu rhue gethan und 
nicht zur nacht geessen. ^ 

Mitwochen den 12. july sein ir f. g. umb 7 uhr aufgestanden, 
und umb 8 uhr zu Strassburg in das zeughauss, darnach ins 
traidthauss und ins münster gangen, darnach umb 11 uhr*^ das 
fruemal genommen, bey deme ettliche rathsherrn gewest. 

Vor dem* morgenmal haben die herrn von Strassburg iren 
f. g. 20 seckh mit habern, 2 vass weins und ein grossen rhein- 
salmen sambt andern herrlichen vischen praesentirt.°* 

Nach essen ist ainer aufm sail vom hauss herabgefaren. 
Umb 1 uhr** sein ir f. g. von Strassburg geen Schwartzach 
4 meil zum nachtleger geruckht. 

Die von Strassburg haben ir f. g. über die hültzen Rhein- 
prugkhen auf ire grenitzen belaittet. 

Vor Schwartzach ^ daraussen sein die f. baadischen com- 
missarii iren f. g. zugestessen. 

»uhr fehlt in B. bß: hooligedaohter pfallzgraf. o B: beriertem 
Zabern. dB: also strackhs. e B: dz. ' B: ob sy wol. ffB: wolten sy 
dannoch. h B: widerumb. i B: Als ir f. g. zu Strassburg ankommen, haben 
sy sich alsbaldt und imgeessen zu rhue schlaffen gethan. kß: uhm. 
1 B : disem. m ß ; verehrt. ^ B : uhm. 

* Zabern südöstlich von Pfalzburg. — * Johann IV. von Mander- 
scheid. — ' Südwestlich von Baden. 



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Beschreibung einer Reise des Herzogs Ferdinand von Bayern. i2d 

Pfintztags • den 13. july haben ir f. g. umb 6 nhr raess 
gehört zu Schwartzach, darnach auf Baaden vortgeruckht 
3 meil, umb 10 uhr daselbs angelangt. 

Nach dem essen haben ir f. g. ir die ross daselbs fürreiten 
lassen. 

Und ^ ist disen abent sonders nichts ® fürgangen. 

Freitags den 14. july sein ir f. g. umb 6 uhr morgens an 
ein gejaidt ausgeritten, aber nichts gefangen, umb 1 uhr wider 
khommen,*^ ein weil primirt, umb 6 uhr® den palon zu spilen 
angefangen. 

Wie ir f. g. ans' gejaidt geritten, ist inen abermals der 
currier von Parma etc.* mit schreiben zugestessen. 

Umb 7 uhr** das nachtmal genommen und* umb 9 uhr 
schlaffen gangen. 

Sambstags den 15. july sein ir f. g. umb 3 uhm zu Baaden 
aufgewest und mit 3 guttschien geen Scheibenhardt * 3 meil 
zum fruemal und der uberig hauffen geen Ettlingen 4 meil 
geraist. 

Nach disem früemal sein ir f. g. zu Ettlingen durchgefahren 
und zu Pfortzhaira das nachtleger genommen. Alda iren f g. 
raarggraf Jacob zu Baaden etc. ^ mit ettlichen pferdten ent- 
gegen zogen und ir f. g. ins schloss belaittet. 

Sonntags* den 16. july haben ir f. g. das morgenmal zu 
zu Pfortzhaim genommen und das nachtleger zu Lenberg.* 
Auf disen sonntag ist der uberig hauffen nach genommem frue- 
mal zu Ettlingen geen Pfortzhaim zum nachtleger 3 meil zogen, 
und haben allda die marggraven^ etc. ausslesen lassen. 

Montag den 17. july haben ir f. g. zu Lenberg das fruemal 
genommen und sein auf Stuetgart vortgeruckht. 

Undter weegs, ehe sy geen Stuettgart khommen, ist der 
hertzog von Württemberg etc.™ inen zugestessen, und hat ein 
gejaidt angestellt, darbey 8 hirschen gefangen worden. 

aB: Pfintztag. bß: Sonsten. oß: nichts sonders, dß: widerkhert. 
B: 5 uhr abents. 'B: an dz. sB: vom prinzen von Parma; etc. fehlt. 
^B: Umb 7 nhr abents haben ir,f. g. »ß: und sein darauf, kß: etc. 
fehlt. Iß: Sonntag, m ß -. etc. fehlt. 

* Das jetzt grossherzogliche Jagdschloss Scheibenhard südwestlich 
von Karlsruhe. — ' Leonberg nordwestlich von Stuttgart. — • Die 
Brüder Ernst Friedrich und Jakob von Baden. 
ArchiyaliBchfl Zeitschrift. Neue Folge IX. 9 



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130 t'^ranz Hüttner i 

Auf disen montag hat der uberig hauffen urab 8 uhr zu 
Pfortzhaim das* fruemal genommen. Darnach geen Lenberg 
zum nachtleger drey meil geraist. ^ 

Erchtag den 18. july ist gemelter uberig hauffen, so nach 
ir f. g. geraist, zu Lenberg umb 4 uhr aufgewest und 2 meil 
geen Stuettgart nachgevolgt. 

Ir f. g. haben alda zu Stuettgart umb 5 uhrn mit dem 
von Württemberg etc. « und marggraven Jacoben etc. den palon 
gespilt, urab 9 uhr zum fruemal gangen.^ 

Umb 4 uhrn haben die fürstenpersonen das® nachtmal im 
garten genommen, urab 7 uhr' ein« tantz bis auf 10 uhr** ge- 
halten. 

Mitwochen den 19. july umb 6 uhrn* sein ir f. g. aufge- 
standen, darnach in palon gespilt, umb 9 uhr das frueraal ge- 
noraraen. 

Nach dera*^ fruemal ist ein fechtschuel von beederseits vil 
fechtern bis auf 6 uhrn * gehalten worden. Umb 6 uhr ist das 
nachtmal gehalten,™ und nach deme ein^ tantz.^<^ 

aß: dz. »>B: zuzogen, cß: etc. fehlt, dß hat hier weiter: nach 
demselhen gespilt. © B: dz. ' B: uhrn. ff B: einen, hß; uhrn. iß: 
umb 6 uhr zu Stuetgardten. kß: disem. Iß: uhr. m ß: umb 6 uhr hat 
man dz nachtmal genommen, nß: einen, o ß: tantz gehalten. 

' Am 19. Juli empfiehlt F. seinem Bruder Wilhelm den Georg Sig- 
mund von Weichs, der ihm auf dieser Reise unterthänig und fleissig auf- 
gewartet habe, auf das durch den Tod des Sebald von Hechenkirch er- 
ledigte Pflegamt Reichenburg. 

Am gleichen Tage F. an W. : Wie uns der prinz zu Parma im namen 
der k. maj. zu Hispanien nach Niderlanden gemauet, und wir s. lieb ge- 
antwortet, werden e. 1. aus beigeschlossenen originalschreiben u. copien 
vornehmen. (Diese Schreiben sind nicht erhalten.) 

Sonsten ist der junge markgraf Jakob zu Baden und Hochberg (vgl. 
Lossen, Die Verheiratung der Markgräfin Jakobe von Baden, Sitzungsber. 
1895, Seite 63) ein gar bescheidenlicher junger herr, mit uns von Pfortz- 
heim hieher gelangt. Und nachdem er München zu sehen lust und be- 
gierde trägt, wollen wir ihn mit uns auf nächsten samstag auf der post 
hinaufkommen lassen, also, dass wir miteinander auf den montag darnach 
zu München anlangen, folgends ihm das losament in unserm haus am 
Rindermarkt einzugeben entschlossen, und sind brüderlicher Zuversicht, 
e. 1. werde ihm gleichfalls alle ehre und freimdschaft erweisen. 

Gestern haben wir von e. 1. schreiben und Zeitungen empfangen; 
weü sie aber sonderer antwort nicht bedürfen, lassen wir es gleichfalls 
zu unserer heimkunft also beruhen. 



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Beschreibung einer Reise des Herzogs Ferdinand von Bayern. 131 

Pfintztags den 20. july haben ir f. g. umb 7 uhr * das ^ 
frueraal genommen und sein mit einander umb 10 uhr von 
Stuettgart aus auf Asperg geritten, daselbs ein gejaidt gehalten 
und 11 hirschen gefangen. 

Freitag den 21. july haben die fürstenpersonen umb 8 uhr 
das fruemal zu Asperg genommen, darnach wider ein gejaidt 
gehebt, die hundt gefaistnet. Nach disem hat man das geschütz 
daselbs abgeen lassen, und sich wider heerein geen Stuettgart ^ 
zum nachtmal gefüegt. 

Umb 7 uhr hat man ^ geessen, zur « letzten tract ist die 
rausic von 35 und allerlay Instrumenten umb die fürstentafel ' 
herumbgangen und musicirt. 

Nach disem nachtmal ist ein tantz gehalten bis auf 11 uhr. 
Darnach man sich zur« rhue gethan. 

Sambstags den 22. july haben ir f. g. sambt 14 umb 4 uhr 
morgens die post nach München genommen, wie sie dann da- 
selbs auf montag darnach glickhHch ankhommen. Und^ also 
ist gottlob dise rays vollendet. 

aß: uhrn. t>B: dz. o B: Stuetgardten. dB: man darauf, e B: und 
zur. ftafl. flrB: zu. hB: „Und« fehlt. 



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IV. Briefe des Jesuitenpaters Nithard Biber an 

den Churfürsten Anselm Casimir von Mainz, 

geschrieben auf seiner Romreise 1645/46. 

Herausgegeben von 
Dr. Georg Hansen, k. Reichsarchivsassessor. 



Für den November des Jahres 1645 hatte der Jesuitenorden 
einen allgemeinen Konvent nach Rom ausgeschrieben, dessen 
wichtigste Aufgabe die Wahl eines neuen Generals sein sollte. 
Unter den MitgHedern, die sich von allen Enden der Welt auf 
die Reise machten, befand sich auch der Schreiber der auf den 
folgenden Blättern abgedruckten Briefe : Nithard Biber aus Mainz.*) 

Ueber seine Persönlichkeit wissen wir wenig. Es ist weder 
bekannt, wann und wo er geboren, noch wann er gestorben ist. 
Er ist so wenig literarisch hervorgetreten wie politisch thätig 
gewesen. Seine Stellung innerhalb des Ordens muss jedoch eine 
angesehene gewesen sein. Das beweist schon die Delegirung 
zum Konvent. Bald nach seiner Rückkehr aus Rom scheint er 
dann Rektor des Mainzer Kollegs geworden zu sein. Als solcher 
kauft er 1649 den zum Noviziat bestimmten Ysenburger Hof in 
Mainz an. Von 1648 bis 1651 und dann wieder von 1653 bis 
1656 ist er Provincial der oberrheinischen Ordensprovinz. Nach 
De Backer soll er vor 1678 gestorben sein. Halten wir mit 
diesen Daten zusammen, dass Biber selbst von» sich sagt, er 
pflege seit zwanzig Jahren in allen Briefen die empfangenen 



^) Der Briefwechsel befindet sich im Kgl. Kreisarchiv Würzburg unter 
der Signatur: Mainzer Regierungsarchiv Lit. H. 8. 



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Briefe d. Jesuitenp. Biber an d. Churf. Anselm Casimir v. Mainz. 133 

zu allegiren, so können wir wohl annehmen, dass er zur Zeit 
der Romreise im besten Mannesalter stand. 

Churfürst Anselm Casimir bezeichnet in seinem Empfehlungs- 
schreiben an den Papst Biber als seinen Beichtvater. Dieser 
nahm also am Mainzer Hofe die Stellung eines vertrauten Rath- 
jQ^ebers ein und es ist deshalb natürlich, dass er von seinem 
Fürsten für die Reise verschiedene Aufträge erhielt. Auf die 
untergeordneten wird, soweit es nöthig ist, in den Anmerkungen 
eingegangen werden. Da der wichtigste Auftrag, und demgemäss 
auch der Hauptinhalt der Briefe, ein diplomatischer ist, so er- 
5?cheint es als nöthig, dass wir uns die gleichzeitige politische 
Lage vergegenwärtigen. 

Im Sommer des Jahres 1645 hat es den Anschein, als sollten 
die Priedensverhandlimgen zu Münster und Osnabrück endlich 
in rascheren Fluss kommen. Die Gesandten der Betheiligten 
sind versammelt, auch diejenigen der Reichsstände zugelassen. 
Im November langt der neuernannte kaiserliche Bevollmächtigte 
Graf Trauttmansdorff an und wird bald zum Mittelpunkt der 
Unterhandlungen. Die beiden fremden Kronen, Frankreich und 
Schweden, sind mit ihren Forderungen hervorgetreten. Der 
Wunsch, zum Abschluss zu gelangen, ist ein allseitiger, weniger 
aus Friedensliebe als in Folge der allgemeinen Erschöpfung, die 
auf Seiten der kathoüschen Partei eine vollständige ist. 

Zugleich aber tritt auch innerhalb dieser der Gegensatz 
zwischen dem Kaiser und seinem ältesten Bundesgenossen, dem 
Churfürsten von. Bayern, schärfer hervor. Der Kaiser ist nicht 
abgeneigt, sich mit den Schweden zu verständigen. Ist es doch 
norddeutsches Gebiet, das jene fordern, durch dessen Abtretung 
zwar das Reich, nicht aber die habsburgische Hausmacht ge- 
schwächt wird. Wohl aber wird diese bedroht durch das in 
Böhmen stehende schwedische Heer. Aber Schweden fordert 
auch die vollständige Wiederherstellung der Rheinpfalz. Da- 
durch werden für Bayern die Errungenschaften der glücklicheren 
Kriegsperiode: die Oberpfalz und die Chur würde, in Frage ge- 
stellt. Diese mit so vielen Opfern erkauften und mit so grosser 
Ausdauer behaupteten Erwerbungen sich zu erhalten, darauf ist 
das eifrige Bestreben des Churfürsten Maximilian gerichtet. Dieses 
Ziel hofft er am ehesten durch eine Verständigung mit Frank- 
reich zu erreichen. Fordern doch die Franzosen selbst für sich 



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134 I^r- Georg Hausen: 

einige Gebiete der Rheinpfalz. Und wie das schwedische Heer 
den Kaiser, so bedroht das am Oberrhein stehende französische 
in erster Linie den Churfürsten. Aber die Hauptforderung Frank- 
reichs ist auf die Abtretung des ganzen Elsass und der Festung 
Breisach gerichtet. Dieses Gebiet ist im Besitz der jüngeren 
tirolischen Linie des Erzhauses, repräsentirt durch die Erz- 
herzogin Claudia als Regentin für ihre beiden unmündigen Söhne. 
Den alten und werthvoUen Besitz des Hauses Habsburg aufzu- 
geben, ist der Kaiser keineswegs geneigt und es bedarf langer, 
von Bayern mit grossem Nachdruck geführter Verhandlungen, 
um ihn endlich nachgiebig zu machen. 

Die eifrigsten Förderer seiner PoUtik findet Maximilian an 
dem Churfürsten von Köln, seinem Bruder, und dem von Mainz, 
Anselm Casimir. Es ist das gleiche Interesse, welches diesen 
mit dem bayerischen Churfürsten verbindet. Seit dem Herbst 
des Jahres 1644 halten die Franzosen das ganze untere Erzstift 
einschliessHch der Hauptstadt Mainz besetzt. Der aus seinem 
Lande vertriebene Churfürst hat eine Zuflucht in Sachsenhausen 
bei Frankfurt gefunden. Es ist der sehnlichste Wunsch des 
alternden Fürsten, sein Land vom Feinde befreit zu sehen und 
selbst in seine Residenzstadt zurückzukehren. Hierfür mit aller 
Kraft zu wirken erhält Biber den Auftrag. Zunächst an den 
befreurtdeten Höfen, die er unterwegs besucVien soll, vor allem 
aber in Rom. Anselm Casimir steht in dem Glauben, der Papst 
als Haupt der katholischen Christenheit werde durch seine Für- 
sprache die allerchristlichste Königin bewegen können, ihre Heere 
aus dem geistlichen Fürstenthum abzurufen. 

Reich ausgestattet mit Empfehlungsschreiben an den Papst, 
viele Cardinäle und andere Persönlichkeiten, macht Biber sich 
auf den Weg. Am 8. Oktober hat er in München eine Audienz 
beim Churfürsten, der ihn von seinen Plänen für die Zukunft 
unterhält. In starkem Gegensatz zu diesem ersten Brief steht 
der Bericht über die Unterredung, die Biber zu Innsbruck mit 
der Erzherzogin Claudia hat. Während man in dem gleichzeitigen 
officiellen Schriftwechsel kaum etwas von einer Verstimmung 
merkt, schüttet die resolute Fürstin dem Jesuitenpater gegen- 
über ihr ganzes Herz, oder vielmehr die volle Schaale ihres 
Zornes über die Pohtik des bayerischen Churfürsten aus. Nach 
einem Besuch an dem Hofe von Mantua langt Biber am 11. No- 
vember in Rom an. 



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Briefe d. Jesuitenp. Biber an d. Churf. Anselra Casimir v. Mainz. 135 

Hier aber findet er für die Ausführung seines Auftrags die 
politische Lage so ungünstig wie möglich. 

Als Urban VIIL im Jahre 1623 den Stuhl Petri bestieg, da 
hatte es fast geschienen, als sollte sich der alte Gedanke von 
der habsburgischen Weltmonarchie verwirklichen. Das prote- 
stantische Deutschland lag besiegt zu den Füssen des Kaisers. 
In ItaUen bedrohte der spanische Erbfeind die Selbständigkeit 
der Fürsten. In seiner Bedrängniss suchte und fand Papst Urban 
einen Rückhalt an Frankreich. Aber durch die überlegene 
Politik des Cardinais Richelieu hatte sich der französische Bundes- 
genosse bald in einen Beschützer, der Beschützer in einen Be- 
herrscher des Papstthuras verwandelt. 

Bei der Wahl Innocenz X. im Jahre 1644 hegen die Dinge 
anders als bei der seines Vorgängers. Das Haus Habsburg ist 
tief gedemüthigt; der Kaiser und Spanien sind für viele Jahre 
nicht zu fürchten, wohl aber das übermächtig gewordene Frank- 
reich. Da ist es nur natürHch, dass der neue Papst sich wieder 
an die Ersteren anschHesst. Aber Frankreich ist keineswegs 
gewillt, ohne Weiteres auf den gewohnten Einfluss zu verzichten. 
Cardinal Mazarin versagt Innocenz die Anerkennung unter dem 
Vorgeben, dass er durch Simonie Papst geworden sei. Er be- 
nützt den Process, den Innocenz den Nepoten seines Vorgängers 
macht, indem er diese unter den Schutz Frankreichs stellt. 
Schliesslich entfliehen die Barberini aus Rom. Man fürchtet, 
dass ihnen andere Cardinäle folgen, dass sie unter der Führung 
Mazarins in Avignon ein neues Schisma hervorrufen könnten. 
Selbst auf kriegerische Verwicklungen macht man sich gefasst. 

Mitten in diese Wirren und Kämpfe führen uns die Briefe 
Bibers. Mancher charakteristische Zug der handelnden Personen 
wird übermittelt, manches Tagesereigniss besprochen. Nicht 
ohne Humor wird die Entweichung der jBarberini geschildert, 
mit überlegener Ironie von den Unterhaltungen mit den Cardi- 
nälen erzählt, die so viel über die deutschen Dinge reden und 
so wenig davon verstehen. Den Auftrag seines Fürsten zu einem 
glücklichen Ende zu führen, darauf muss Biber allerdings ver- 
zichten. Wie kann man von der Vermittlung eines Papstes 
etwas erwarten, der von Frankreich selbst nicht anerkannt wird! 

Biber verweilt etwas über fünf Monate in Rom. Der letzte, 
nicht mehr vorhandene Brief ist vom 17. April datirt. Kurz 



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136 I^r. Georg Hansen: 

darauf dürfte er die Reise angetreten haben. Er scheidet ohne 
Bedauern. Mögen Andere die Kirchen, die Paläste, die Gärten, 
die Statuen, die Gemälde preisen und Rom ein irdisches Paradies 
nennen; er erwartet sein Paradies dereinst im Himmel, für den 
Rest seiner Tage aber gibt er dem deutschen Pegfeuer den 
Vorzug. 

Was den literarischen Werth der Briefe anbetrifft, so wird 
wohl Niemand in ihnen neue Thatsachen zur Geschichte des 
westphälischen Friedens suchen angesichts des ungeheueren 
amtlichen Materials, das uns diese schreibselige Zeit hinterlassen 
hat. Es sind bekannte Dinge, über die berichtet wird, aber sie 
werden von einem Manne erzählt und Beleuchtet, der mit einer 
scharfen Beobachtungsgabe und nüchternem Urtheil in hohem 
Grade die Fähigkeit verbindet, seine Wahrnehmungen und Ein- 
drücke in klarer und anziehender Form wiederzugeben. Denn 
schön ist die Sprache, so wenig Aehnlichkeit sie auch mit der- 
jenigen Ciceros hat. Das ist ja auch sonst nicht ungewöhnlich, 
dass ein lateinisch schreibender Jesuit deutsch denkt, dass er 
aber auch so deutsch fühlt, wie es Biber thut, ist schon seltener. 

Zum Schlüsse einige Worte über die Bearbeitung und die 
Anordnung der Briefe. Diejenigen Bibers habe ich im vollen 
Wortlaut und in der genauen Schreibweise des Originals gegeben. 
Nur die in überreichem Masse angewandte Interpunktion habe 
ich etwas beschränkt. Dagegen ist von den Briefen des Chur- 
fürsten, gewöhnlichen Kanzleischreiben, nur der erste vollständig 
abgedruckt, um als Probe für die Formen zu dienen, in welchen 
der Briefwechsel geführt wird. Von den übrigen habe ich ledig- 
lich den Inhalt angegeben, soweit auf ihn in den Briefen Bibers 
Bezug genommen wird, oder sofern er mir von einigem histo- 
rischeu Interesse zu sein schien. Hier habe ich, auch bei wört- 
lichen Anführungen, die Orthographie der unsrigen möglichst 
angepasst. In den Anmerkungen sind einige Stellen erläutert, 
die nicht ohne Weiteres verständlich sind. Uebrigens bin ich 
mit denselben möglichst sparsam gewesen, da sie bei der Lektüre 
leicht störend wirken. 

Für die Anordnung ergab sich dadurch eine Schwierigkeit, 
dass Biber mit wenigen Ausnahmen jede Woche einen Brief 
abschickt und ebenso der Churfürst. Da aber die Post drei bis 
vier Wochen braucht, so sind in der Regel von jeder Seite drei 



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Briefe d. Jcsuitenp. Biber an d. Churf. Anselm Casimir t. Mainz. 137 

Schreiben unterwegs. Bei einem chronologischen Abdruck nach 
dena Datum würden deshalb die auf einander folgenden Briefe 
in gar keiner Beziehung zu einander stehen. Ich habe es vor- 
gezogen, die Reihenfolge in der Weise anzuordnen, in welcher 
Biber die Briefe entweder geschrieben oder empfangen hat. Die 
Schreiben des Ghurfürsten stehen also ohne Rücksicht auf das 
Datum jedesmal vor den sich auf sie beziehenden Antworten 
Bibers. Ausserdem ist in der Ueberschrift die Nummer des- 
jenigen Briefes Bibers angegeben, welcher vom Ghurfürsten be- 
antwortet wird. 

!• München, 1646 October 9. 

Eminentissime et Reverendissirae Princeps 
Domine Clementissime etc.^) 

Postquam sexta hujus per Landshutum et Prisingam Mona- 
chiura pervenissem, nihil prius habui, quam ut Serenissimum 
Eilectorem (ad quem eadem die citatis equis Junior Dux Neo- 
burgicus nescio ob quae negotia accessit) compellarem, id quod 
heri obtinui, et postquam Eminentissimae Celsitudinis Vestrae 
nomine solennibus salutandi formulis defunctus fuissem, lUeque 
vicissim perbenevolae mentis obsequia urbane admodum Celsi- 
tudini Vestrae renuntiari jussisset, prolixo ad horam circiter 
colloquio me detinuit, in quo multa super Priamo rogitans, super 
Hectore multa, Celsitudinis Vestrae adeo robustam constantiam 
dilaudavit ; aliorum quorundam Ecclesiasticorum Principum 
timores nocturnos improbavit; proindeque se consilia sua, sicut 
hactenus, ita et deinceps quoque cum Celsitudine Vestra Emi- 
nentissima communicaturum, abs Ea limanda corrigendaque, pro 
Reipublicae bono. 

De hello sermouem ingressus, aiebat sibi prorsus decretum, 
denuo cum hoste confligere, eandemque Serenissimo Archiduci 
mentem esse. Vereri tarnen se, ne hostis recedat, adeoque 
praelii occasionem decHnet, id quod nollet Serenissimus Elector. 
Multa de hostis insolentia questus, pacem se serio apud illum 
quaesivisse, neque semel tantum sollicitasse ; at nullo hactenus 
eventu, nisi quod hostis insolentiam exinde haud modice crevisse 
experiatur. 

*) Die immer gleichlautenden üeber- und Unterschriften sind bei den 
folgenden Briefen weggelassen. 



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138 I^r- Georg Hansen: 

Caeterum, de itinere meo locutus, non dubitare se, quin abs 
Celsitudine Vestra Eminentissima jussus sim praesentes Reli- 
gionis, Ecclesiastici inprirais Ordinis necessitates apud Sedeni 
Apostolicam exacte explicare, opemque Ejusdem implorare, ut 
qua gravissirais, efficacibusque adhortationibus, qua aliis modis 
Regem Christianissimum ad raeliorem mentem revocare satagat. 
Cumque replicarem, videri Suae Sanctitatis usque adeo apud 
illani gentem labefactatam esse auctoritatem, ut non multum 
ponderis habiturae sint Pontificiae comraonitiones : Ita se quidem 
rem habere, dicebat, attamen non idcirco officio suo deesse Sanc- 
tam Sedera operiere, sed opportunis, importunis cohortationibus 
Deum sua gratia adstiturum etc. Idque Apostolici muneris pro- 
prium esse etc. Addebat, a Corona Sueciae destinatum esse 
Gustavum Hornium cum formidabili exercitu in Germaniara. 
Dorstensohnium cupere liberari ab onere ductandi deinceps exer- 
citum: cui Hornius substituendus sit. Ita ferrae Serenissimus. 

Atque hisce, ne molestus sim, finio, et me Celstitudini Vestrae 
Eminentissimae (pro Cujus incolumitate Caelitibus omnibus sup- 
plex accido) gratiae demississime commendo, et pro munifico 
viatico nuper praebito humillimas gratias dico agoque. Monachii 
90 Octob. 1646. 

Eminentissimae ac Reverendissimae Celsitudinis Vestrae 
Humillimus servus et Capellanus 
Nithardus Biberus Soc. Jes. m. p. 

a. Trient, 1645 October 19. 

Accessitus, Oeniponti cum essem, ad Serenissimam Claudiam, 
multas contra Serenissimum Electorem Bavarum abs ea audivi 
quaerimonias, quarum caput erat, quod Ille provincias Alsaticas 
Regi Galliarum pro pace sancienda ultro obtulisset, se nee con- 
sulta nee consentiente. Idque mirum admodum sibi videri, ei 
contra omnis juris rectique regulas. Ecquid, inquiebat, flagitii 
commiserunt innocentes pupilli, filii mei, ut sine culpa privandi 
sint ditionibus paternis? quid illis negotii est cum Prancorum 
Rege? quid Juris habet Elector Bavariae in filiorum meorum 
paternam haereditaiem, ut aliis ipse donare, ac, pacis causa, 
tradere ausit? Ex ipsis adeo Protestantibus Principibus esse quos- 
dam, qui dicant, iniquum esse Pupillos Tirolenses sua privare 
haerediiaie; Proindeque etiam Celsitudinis Vestrae Eminentis- 



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Briefe d. Jesuitenp. Biber an d. Churf. Anselm Casimir y. Mainz. 139 

siraae opern consiliuraque implorare, ne liberos suos innocentes 
paterna exui haereditate videre cogatur. 

Post alia mäscula facundia dicebat, sibi permirum videri, 
quod inter omnes S. Imperii Principes, non nisi una et unica 
Celsitudo Vestra Caesari ac Domui Austriacae fidelis in haue 
usque diera adhaereat, quam constantiam digne satis compensari 
non posse asserebat. 

Caeterum, cum major natu filius, Ferdinandus Carolus, deci- 
raum octavum annum agat, statuisse intra paucos menses Ad- 
ministrationis munere se abdicare et filio gubernacula tradere, 
ne filii sibi aliquando objiciant, Matre Provinciam gubernante 
paternis Alsatiae ditionibus se esse spoliatos. 

Filius natu minor, Sigismundus Franciscus, Augustani Epi- 
scopatusCoadjutor, Salisburgi primam Canonicatus sui residentiam 
agit. Ea res induxit Bavaros ut crederent, de Archiepiscopatus 
illius Coadjutoria eum certum esse. Sed (si vera sunt quae 
Oeniponti audivi) falli eos certum est: neque enim in hanc usque 
diem quicquara abs illo Archiepiscopo aut Capitulo (in quo Comes 
a Thun, Decanus Metropolitanus, in omnium oculis est et Suc- 
cessor futurus putatur) ea de re actum fuit; licet in Aula Oeni- 
pontana nondum desperetur. 

Archidux Ferdinandus Carolus qui Mense Januario ad guber- 
nacula applicandus est, desponsatam sibi Magni Ducis Hetruriae 
sororem, decem annis se seniorem, proximo Majo domum suam 
ducturus est, in quo matrimonio, cum ab utriusque Parentis 
parte duplex in secundo gradu impedimentum dirimens esset, 
jam nuper Apostolica sedes dispensavit. Frater ejus decimum 
quintum annum agit; Soror natu major decimum septimum, 
Minor decimum tertium. Utrique designatus conjunx. Huic 
Regius Princeps Hispaniae ; Uli Rex Philippus : licet nondum res 
sit perfecta. 

Est vero militari prorsus ingenio Archidux Ferdinandus, ut 
vix retineri queat, quin subito arma induat, praesertim cum jam 
Philosophiae curriculo pridem decurso, Institutiones Juris, Poli- 
ticara, Poliorceticamque, et quicquid ad militiam addiscendara 
spectat, edoctus sit a peritis earum artium Magistris. 

Atque isthaec dum Tridento, quo hodie perveni, scribo E. 
C. V. humillime revereor, Ejusque Electorali gratiae me com- 
mendo. 



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140 t)''- Georg Hansen: 

3. Ferrara, 1645 October 24. 

Post ternas raeas Monachio, Oeniponto,^) et Tridento ad 
Celsitudinem Vestrara Eminentissiraam transmissas Ferrariam 
interea pervenimus Mantua, ubi cum ob festinationem scribendi 
otium non suppeteret, hucusque reservavi. Ducissa Mantuana 
filium habet aetatis annorum 16, felici quidem ingenio, attamen 
qui nolit se applicare serio ad studia literarum, licet identidem 
urgeatur, ut sapientia ac dotibus eruditionis ad gubernandi pru- 
dentiam requisitis animum excolat, eo quod ob virium imbecil- 
litatera (vix enim ossibus haerere putatur abs eo qui Principera 
adspicit) neque equitationi nee aliis gravioribus exercitiis idoneus 
sit. Hunc Franci hactenus lactarunt (sicut alios complures Reges 
ac Principes) matrimonio cum Pilia Ducis Aurelianensis, sed ea 
conditione, ut Prancicum praesidium railitare in Urbem ac Ca- 
strum (vulgo Cittadella) admittatur, educto Veneto. Praesidiarii 
namque a Republica illa pridem impositi, et non modo ii qui 
Urbem defendunt, verum etiara qui pro custodia corporis Du- 
cissae ac Pilio inserviunt, pecunia Veneta sustentantur. Solum 
praesidium quod Cittadellam insidet Ducissae nomine tenetur et 
stipendio ejusdem älitur. Eapropter, cum ab aliquot aunis 
magnas alendo praesidio impensas a se factas computent Veneti, 
nolunt Francis cedere; metuuntque vicinum adeo tarn potentem 
Regem. Hinc et matrimonii illius spes cadit. Caeteroquin Dux 
animo totus in Gallorum amicitiam propendet. 

Hujus Urbis Legatum agit Cardinalis Donghi. 

Caetera quae de Cretensi belle hie circumferuntur, cum 
pridem aliunde ad Celsitudinem Vestram perlata fuisse existimem, 
aliud non addo, quam quod JESUM benedictum obtester, uti 
Celsitudinem Vestram constanti mentis ac corporis sanitate 
gaudentem, diutissime Ecclesiae suae ac Sacri Romani Imperii 

*) Ein Brief aus Innsbruck ist nicht vorhanden, auch bezieht sich 
keine der Antworten auf ihn. Trotzdem Biber den Brief in Nr. 5 noch- 
mals aufzählt, möchte ich bezweifeln, dass er jemals existirt hat. Biber 
berichtet unterwegs lediglich über seine Audienzen an den Fürstenhöfen. 
Ueber die Innsbrucker hat er aus Trient ausführlich geschrieben. Da ist 
nicht wohl einzuseheo, was er sonst Wichtiges aus Innsbruck zu melden 
hatte. Die Lebendigkeit der Schilderung lässt vermuthen, dass er sicli 
gleich nach dem Gespräch mit der Erzherzogin Claudia Aufzeichnimgen 
gemacht, zu deren Verarbeitung er erst in Trient die nöthige Zeit fand. 
Daraus wurden ihm dann in der Erinnerung zwei Briefe. 



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Briefe d. Jesuitenp. Biber an d. Churf. Anselm Casimir v. Mainz. 141 

bono tutetur. Cujus me Electorali gratiae subraississime com- 
roendo. 

4. Rom, 1645 November 18. 

Tandem aliquando in Urbera, orbis caput, ingressi sumus, 
ipso Beati Martini, Archiepiscopatus Moguntini Patroni feste. 
Reperi turbatam utcunque Aulam Pontificiam ob insolentissimam 
arrogantiam, ut hie loquuntur, Aulae Gallicae, quae Suae Sanc- 
titatis literas, eodera nuper per peculiarera cursorem raissas, nee 
quidera dignata est aperire, sed clausas per eundem cursorem 
pridie adventus nostri remiserat. Tam insolentis irreverentiae 
causam ajunt dedisse Cardinalis Antonii ex Urbe fugam, qui 
Apes suas sub tut.ela Liliorem esse voluit; et non ille modo, sed 
et Cardinalis Barberinus, frater illius, sicut et Princeps Thadaeus, 
insignia Regis Christianissimi aedium suarum foribus praefixerunt. 
Id licet Sanctissimo Domino Nostro rairum in modum displicuerit, 
pacis tamen causa et ne Coronae illius Ministros acrius exacerbet, 
hactenus dissimulat. 

Hinc facile est divinare quam parum possit Sanctissimi 
Doraini Nostri auctoritas in commisso mihi a Celsitudine Emi- 
nentissima negotio apud Francorum Regem, qui literas Aposto- 
licas ne legere quidem dignatur. Ego vero, tametsi Dr. Mot- 
mannus ') frustra me laboraturum censeat, quippe ingenii meti- 
culosi homo, nihilominus rem meam strenue cum Dei gratia 
aggrediar, salutaturus D. D. Cardinales, quorum operam auxi- 
liumque meis conatibus prodesse posse cognovero. 

Eminentissimum Cardinalem Rossetti, Paventiae Episcopum, 
compellandi animus erat; at eadem die qua Faventiam perveni 
profoctus fuerat inde Bononiam. 

Cardinalem Carafam crastina die Celsitudinis Vestrae nomine 
salutabo. Est inprimis gratus acceptusque Suae Sanctitati, qua 
de causa eum Romae retinere decrevit et jam Praefectum Con- 
gregationis Cardinalium Interpretum Concilii Tridentini, ex quo 
cenlum coronatos singulis mensibus percipiet, constituit, jussitque 
Episcopatum Tricaricensem resignare. 

Die martis proximo, quo celebrabitur festum Praesentationis 
B. M. V. inchoabimus Congregationem Generalem. Adsunt Patres 
ex India tam Orientali quam Occidentali, adeoque ex Insulis 

') Dr. Motmann, Auditor Rotae, war Mainzer Agent. 



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142 Dr- Georg HaDsen: 

Philippinis, Goa, Japonia, Regno Sinarum, in quo, referunt, 
Regem se ipsum strangulasse. Tartaros occupasse Pequinuro 
Metropolim illius Regni, idcirco petere Sinarum Regem auxiliares 
copias a Lusitanis contra Tartaros. Dominus JESUS tueatur 
Celsitudinem Vestram diutissime sospitem, Cujus Electorali gratiae 
rae demississime commendo. 

5. Rom, 1645 November 25. 

Praeter eas, quas ante octiduum, et quaternas alias, in 
itinere meo ad Eminentissimam Celsitudinem Vestram transmisi, 
quasque omnes rite traditas opinor, nunc significo, vix dici posse, 
quam Aula Parisiensis alieno sit animo ab hoc Pontifice, a quo 
tamen nunquam laesa fuit. In hanc usque diem noluerunt Galli 
agnoscere illum pro legitime Pontifice, nondum illi gratulati 
sunt, nondum decreverunt praestare obedientiam, imo minantur 
se processum instituturos quibus probent, per Simoniam sedem 
Apostolicam conscendisse, atque inter caetera, ut Cardinalem Theo- 
dolum, Romanum (qui paulo ante obitum Urbani VIII. sese palam 
ad partes Regis Christianissimi transire professus fuerat, ob 
aliquot millium aureorum pensionem sibi promissam) ad sua pro 
Pontificatu vota retraheret, Episcopatura Imolensem spopondisse; 
et similia alia, quae libro in HoUandia impresso spargi per Urbem 
fecerunt. 

Atque ex bis causis judicarunt duo sapientes Viri, si quis 
quippiam per Pontificem apud Aulam illam Parisiensem agi 
vellet, adeo nihil obtenturum, ut eo ipso potius sibi novura 
irapetrandi obstaculum sit objecturus, et omni spe deinceps 
excidat voto suo potiendi. Quomodo enim, inquiebat quidara, 
Pontifex pro aliis obtinebit ab illis hominibus gratiam, cujus ne 
epistolam quidem dignantur reserare? praesertim cum Oratorera 
suura Rex hinc avocaverit. 

Proinde statui apud Eminentissimos Cardinales eo de negotio 
quod Celsitudo Vestra mihi commendarat silere, donec abs Ea 
raandatum Prancofurto accepero, quid fieri veUt, quod proxime 
expecto. 

Caeterum dedit heri ad me Uteras Dr. Caramuel ^) Monachio, 



') Dr. Johannes Caramuel y Lobkowitz, berühmt als Wunderkind, 
Polyhistor und einigermassen auch als Abenteurer, war im Frühjahr 1645 
vom Papste auf Wunsch Anselm Casimirs zu dessen Weihbischof ernannt 



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Briefe d. Jesuitenp. Biber an d. Churf. Anselm Casimir v. Mainz. 143 

ex domo Abbatis Furstenfeldensis, quibus petit, iit, cum in pro- 
cessu de eo facto in circumstanciis nonnullis erratum fuerit, 
proindeque alius sit hie conficiendus, ego testimonium dicam 
coram quibusdara Praelatis de ejus moribus et doctrina. 

Quod cum minime displiciturum Celsitudini Vestrae praevi- 
deam, libenter operam praestabo meam, ut tanto citius voti sui 
compos fieri queat. JESUM D. N. obsecro, ut Celsitudinem 
Vestram Eminentissimam diutissime sospitem tuealur: Cujus 
Electorali gratiae rae submississirae comraendo. 

a. 1646 November 3.*) 

Antwort auf Nr. 1. 

Anselm Casimir etc. 

Ersamb hochgelerter lieber andächtiger und getreuer. 

Gestrigen Abend spath ist uns allererst Dein zu München 
den 9. nechstverwichnen Monats Octobrjs datirtes underthenigstes 
Berichtschreiben zu recht eingeliefert worden, waraus wir lesend 
mit mehrem gnediglich verstanden, was bei unsers Herrn Mit- 
churfürsten in Bayern Liebden uf den dir mündlich ertheilten 
gnedigsten Befelch in einem und anderm deine Verrichtung ge- 
wesen, und wohin sich hochgedachto Ihre Liebden hinwieder 
gegen Dich discourendo verlauten haben lassen. Gleichwie nun 
von Dir daran gar wohl und recht beschehen, also hättest auch 
zu Deiner Ankunft nacher Rom der Pabstlichen Heiligkeit neben 
gewöhnlichen Curialien ebenmessig den Übeln und betrübten Zu- 
stand, warinnen anjezo das heilige Römische Reich begriffen 
und sonderlich, wie hoch die Katholische allein seligmachende 

worden. Welche Angelegenheit Caramuel in Rom zu betreiben hat, geht 
aus den Briefen nicht deutlich hervor. Möglicherweise hatte er Schwierig- 
keiten in der Erlangung der Bischofsweihe. Die lässige Behandlung der 
Sache, für die Biber in Nr. 19 den Agenten verantwortlich macht, ist 
vielleicht auf Caramuel selbst zurUckzufUhren, der um diese Zeit schon 
wieder neue Pläne gefasst hatte. Nach Mainz kehrte er überhaupt nicht 
zurück. Dagegen finden wir ihn noch im Jahre 1646 als Hofprediger, 
Hofrath und Festungsinspektor im Dienste des Kaisers. In dem gleichen 
Jahre wird er Abt des Klosters Emaus in Frag. Bei der Belagerung 
dieser Stadt durch die Schweden, 1648, ist er Anführer der bewaffneten 
Geistlichkeit. Vergl. den Artikel Caramuel von Stieve in der Allgem. 
deutschen Biographie, Bd. 3. 

») Die sämmtlichen Briefe des Churfürsten sind aus Frankfurt a. M. 
datirt. 



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144 Dr. Georg Hansen: 

Religion periclitiro, allerunterthenigst und beweglich zu remon- 
ötriren, uns auch von Posten zu Posten den weitern Erfolg nach 
und nach gehorsamlich zu avisiren, verbleiben Dir damit zu 
Genaden wolgewogen. Datum Prankfort den 3. Novembris 1645. 

6. Rom, 1645 December 2. 

Quas 3. Oct.^) ad me dare dignata fuit Eminentissima Celsi- 
tudo Vestra pridie S. Andreae recepi ; qui dies cum Celsitudinis 
Vestrae natalis sit, et sexagesimum quartum aetatis annum 
ingressa fuerit, adeoque prospere feliciterque anni climacterici 
scyllara ac charybdim evitarit sana et incolumis, bono JESU 
grates dico, eumque obtestor, ut Eam in complurium annonim 
seriem perennare faciat: brevique cum salute ac gaudio ad propria 
reverti. 

Salutavi interea temporis Eminentissimum Cardinalem Cara- 
fam nomine Celsitudinis Vestrae et statum rerum nostrarum 
miserabilem prolixe denarravi ; quae omnia is magno animi sensu 
et compassione excepit; poUicitus se Sanctissimo Domino Nostro 
per occasionem relaturum ; dolebatque in ea Celsitudinem Vestram 
tempora devenisse, quibus Suae Sanctitatis auctoritas in Aula 
Parisiensi nuUa pene est. 

Omnia vicissim Celsitudini Vestrae obsequia offert. 

Ego nequaquam omittam, apud varios deploratas Germaniae 
et in primis Moguntini Archiepiscopatus aerumnas explicare. 

Caeterum, Praefecti telonii Lohns teinensis filius aliam a 
Celsitudine Vestra epistolam 30. Sept. datam heri obtulit; qua 
lecta in Collegium Germanicum, quemadmodum jubebar, eum 
deduxi, et quod bimestri serius advenerit, morara ejus purgavi; 
et cum P. Rector ejusdem Collegii Celsitudinis Vestrae commen- 
datitias vidisset, facile in Celsitudinis Vestrae honorem receptus fuit. 

Sequenti hebdomada, quantum per Congregationis nostrae 
negotia licebit, reliquos Cardinales adibo. 

His diebus sepelivimus P. Gualterum Mundbrot, Assistentem 
Germaniae: qui utique in Generalem electus fuisset, si sanum 
integraque valetudine reperissemus. Atque hisce Celsitudini 
Vestrae Eminentissimae felicissima quaeque auguror, meque Ejus 
gratiae Electorali demississime commendo. 



^) Muss beisson Novembris. 



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Briefe d. Jesuitenp. Biber an d. Churf. Anselm Casimir v. Mainz. 145 

b. 1645 November 13. 

Biber, der wol unterdessen in Rom angelangt sein werde, 
erhält zwei Empfehlungsschreiben an den Papst und den Car- 
dinal Pamphili für Adam Schlaun, der sich um ein durch den 
Tod seines Bruders Werner frei gewordenes Canonicat am Stift 
unserer lieben Frau zu Aachen bewirbt, mit dem Auftrage, das 
Gesuch möglichst zu fördern. 

7. Rom, 1645 December 9. 

Epistolam Eminentissimae Celsitudinis Vestrae 13. Nov. 
datam hesterno vespere venerabundus legi, et una Copias lite- 
rarum ad Sanctum Dominum Nostrum Ejusdemque Nepotem 
Cardinalem Pamphilium in causa Canonicatus Aquisgranensis 
pro Adamo Schlaun obtinendi. Verum cum a diebus 14 in Curia 
octo Competitores praebendam illam per varios intercessores 
Cardinales prensaverint, et ante octiduum Sua Sanctitas gratiam 
illam cuidam, qui a Nuncio Apostolico, Monasterii nunc com- 
morante, mox ab initio commendatus erat (eo quod ab anno illi 
Monasterii in servitiis fuisset) praestitisse dicatur, vereor ut Cel- 
situdinis Vestrae commendatitiae serius et sine fructu perlatae 
fuerint; praesertim cum unus inter Competitores sit Cubicularius 
Suae Sanctitatis. 

Tentabo nihilominus, coUato cum Domino Beutingero et 
Motmanno consilio, an ebtinendae praebendae spes supersit. 

Ante quatriduum Krater Ducis Parmensis in Cardinalem 
creatus est, haben also die Barberini einen neuen Adversarium 
zum Cardinal. 

Caeterum Mazarini Cardinalis et Aulae illius a Summe Pon- 
tifice alienatio indies crescere dicitur; minantur enim Franci, se 
vere proximo immissuros Ducem Aurehanensem cum formidabili 
exercitu in Italiam, dem Pahst einen mercklichen disgusto zu 
geben; aut certe in Avenionensi ditione Pontificia turbas con- 
citare velle. Qui post abitum Oratoris Galli in Urbe remansit 
Residentis nomine decrevit non redire unquam ad Audientiam, 
eo quod Summus ad tria postulata negativum responsum dederit. 
Cum enim Residens Regis sui nomine postulasset, ut Oratorem 
Lufiitani Regis in Urbem ac reliqua aliis Oratoribus consueta 
ofiBcia admitteret: dein, illum qui in conjuratione contra Cardi- 
nalem Mazarinum inter complices unus esset et nunc in S. Angeli 

ArchiTalisoho Zeitoohrift. Neue Folge IX. IQ 



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146 Dr. Georg HanBen: 

Castro captivus tenetur, tradi sibi petivisset: demuin, ne Sua 
Sanctitas Barberinis, quos Rex in tutelam suscepisset, molestiam 
inferri pateretur, quae omnia cum Pontifex renuisset, hinc irae 
Gallorum et minae etc. 

Corapellavi interea Celsitudinis Vestrae noraine D. D. Cardi- 
nales Ginetum et de Lugo. Uterque ostendit gratissimas sibi 
fuisse Celsitudinis Vestrae literas, et prolixe suam in omnibus 
operara atque obsequia obtulerunt. — 

Certe Cardinalis de Lugo tanta libertate se loqui dicit apud 
Pontificem contra Gallonim insolentiam et iniquissiraa arraa, 
quibus Catholicam Religionem opprimunt et ansara dant invale- 
scenti haeresi, ut miratus fuerim. Multi sunt inter Cardinales, 
qui bona instructione egent, ut intelligant quid in Germania 
agatur. Deum precor ut Celsitudinem Vestram Eminentissimam 
sospitera tueatur, Cujus Electorali gratiae me submississime com- 
mendo. 

8. Rom, 1645 December 16. 

Sic est, uti ante octiduum scribebam me putare. Jam enim 
ocliduo antequam Celsitudinis Vestrae Eminentissiraae interces- 
sionales pro Juniore Schlaun ad Canonicatum Aquisgranensem 
proponendo allatae' fuissent, Sua Sanctitas ad instantiam D. 
Nuncii Coloniensis cuidam alteri conferri jusserat. Cumque D. 
Hochstein nihilominus pro illo, quippe affine suo, tentare rem 
se velle diceret, literas a me petiit, quas tamen, quod serius se 
adfore videret, retinuit. 

Adiissem hac hebdoraade Suam Sanctitatem, nisi ob inva- 
letudinem se domi continuisset intra conclave suura, cujus 
alterationis causam dicunt esse melancholiam ob Regem Pranciae. 
Ajunt Suam Sanctitatem decrevisse Legates : Cardinalem Mont- 
altum in Hispaniam, Cardinalem Parnesium in Galliam, Cardi- 
nalem Estensem ad Caesarem soUicitaturos pacem inter eas 
Coronas sanciendam et foedus aut suppetias contra Turcas. 
Dicunt Sanctissimum Dominum Nostrum peculiari cura intendere 
in oeconomiae et aerarii augmentum: nocturnis horis ipsummet 
rationes ac Codicillos inspicere; jamque hujus anni decursu 
summam sat magnam pecuniarum aerario intulisse. 

Est Neapoli mulier nomine Isabella Clara Eugenia Cratzin 
a Scharpfenslein, nupta Polono cuidam Dorokonsky, soror (ut 



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Briefe d. Jesuitenp. Biber an d. Churf. Anselm Casimir v. Mainz. 147 

dicunt) Junioris Comitis Cratzii. Ea mihi jara binis literis est 
molesta, percontando, num quid a Celsitudine Vestra circa se 
in mandatis habeam, quam dicit suum esse Tutorem aut Cura- 
torem. Remisi illam ad Patruum aut Fratrem suum eo quod 
Celsitudini Vestrae non vacet ad hujusmodi Curatelam, si quae 
olim fuit, intendere, quippe majoris momenti negotiis occupatae. 
Videtur curiositas muliebris Venetiis (ubi pro marito sollicitavit 
ab illa Republica debitum militiae Stipendium) eam Romam ac 
Neapolim impulisse. 

Restat ul JESum Dominum Nostrum orem, uti Celsitudinem 
Vestram Eminentissimam valetudine pristina florentem tueatur 
et annum qui prae foribus est insequentem perquam feb'cem 
esse jubeat; Cujus me Electorali gratiae submississime commendo. 

». Rom, 1645 üecember 23. 

Cum inde a meo in Urbem hanc adventu non intermiserim 
octavo quoque Celsitudini Vestrae Eminentissimae per literas 
dexteram osculari, nolo hac quoque septimana partibus meis 
deesse, tametsi non magnopere Celsitudine Vestra dignum scrip- 
tionis argumentum occurrat. 

Compellatus interea Celsitudinis Vestrae nomine a me Car- 
dinalis Barberinus mire gratam Ejus epistolam habuit, praesertim 
cum cognosceret se a Celsitudine Vestra benevolae mentis pro- 
pensione etiamnum coli in hac adversa sua et familiae suae 
fortuna; et licet Urbanus VIII. vitam cum morte commutarit, 
Celsitudo tamen Vestra vivam adhuc sui retineat memoriam: 
ut adeo non modicum animo suo solatium inde sibi enatum 
diceret, et vicissim omnem polliceretur obsequiorum prompti- 
tudinem. 

Adfui et Cardinali Columnae, quem praeter urbanitatem et 
officiosissimam erga Celsitudinem Vestram mentem reperi capa- 
eiore esse ingenio et rerum germanicarum prae caeteris Cardi- 
nalibus peritiorem, quam hactenus opinabar. 

Percontantur non raro ex me D. D. Cardinales, numquid de 
pace Monasteriensi habeam, quibus respondere cogor, nihil ad 
me eo de argumento deferri, nisi quae vulgo in novellis ger- 
manicis circumferuntur. 

Caeterum jam eo progressi sumus, ut speremus ad Epiphaniae 
festum Generalem nominatum iri. 

10* 



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148 ^r. Georg Hansen: 

Sua Sanctitas revaluit et solitis per Adventum solennitatibus 
interesse pergit. 

Bonus JESUS Celsitudinera Vestram Eminentissimam omni 
benedictione caelesti et gratia repletam per hujus quoque, quem 
post novendium ordiemur, anni uti et complurium aliorum decur- 
sum sospitera custodiat, Cujus me Electorali gratiae subraississime 
coramendo. 

10. Rom, 1645 Dezember 30. 

Tota haec septimana consumpta fuit in ceremoniis, visita- 
tionibus, salutationibus Curiae Romanae Pontificiae ; tot nimirum 
ultro citroque ad Vaticanum provectae rhedae, ut nee pluviae 
((juae a duobus jam mensibus pene quotidie cadunt) copiosae 
impedire potuerint continuum ad gratulationes ob bona festa 
aocursum. 

In Palatio Pontificis habitant Cardinalis Pamphilius et Car- 
dinalis Panziruolo. lUe Juvenis est 22 annorum, nee magni 
ingenii nee eruditionis; et licet sit Suae Sanctitatis ex Pratre 
Nepos, nihil tarnen gubernat, quod negotiorum tractandorum 
expedilionibus parum sit idoneus; ideoque Cardinalis Panziruolo, 
Consiliarius ac Secretarius Status, Pontificis dextra manus est, 
et, ut loquuntur, Factotum. Ingenio tractandarum rerum capaci 
et Pontifici a multis annis perquam familiaris. 

Est et alius qui a Sumrao valde colitur, vir egregius, Car- 
dinalis Capponius, Congregationis de Propaganda fide Praeses, 
cujus opera in multis gravibusque negotiis utitur. 

Caeterum Pontifex in Sacello sub Sacro modeste se gerit, 
et quod non fabuletur sub missae officio miraculi loco habetur; 
contra quam Urbanus, qui totum Sacri tempus fabulis terere 
consueverat. Unum in eo culpant Aulici, quod cum semper post 
mediam noctem cubitum concedere soleat, ideoque sero surgat, 
sint pauciores per diem audientiae; quo in genere Urbanus 
diversum vitae genus tenuit, qui mature lectum petere et summo 
mane surgere solitus, crebrius multo audientiam interdiu con- 
oessit. 

Ipso Xativitatis Dominicae feste solennissimo ritu Sacrura 
cantavit, assistentibus Septem Episcopis, Cardinalibus omnibus 
Mitris in capite ornatis et indutis casulis, praeter 6 Cardinales 
Diaconos, qui Dalmatica induti adstabant. 



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Briefe d. Jesuitenp. Biber an d. Churf. Anselm Casimir v. Mainz. 149 

Ad Latus throni adsistebant Orator Caesaris, Ducurn Sabau- 
diae et Florentini. Post hos Princeps Ludovisius qui Pontificis 
ex Fratre Neptem, Cardinalis Sonorem, in matriraonio habet; 
sicut et Princeps Justinianus cui altera Pontificis neptis dudum 
in uxorera data. 

Atque haec scribenda occurrere inpraesentiarum. Deum precor 
ut Celsitudini Vestrae Eminentissimae faustissima quaeque e 
caelestibus suis thesauris ubertini elargiatur, Cujus me Eleclorali 
gratiae submississime comniendo. 

c Antwort auf Nr. 4. 1645 December 8. 

Der Churfürst hat die Nachricht von den Misshelligkeilen 
zwischen dem Papst und der Krone Frankreich sehr ungern 
vernommen, „scheint wol, dass dieser Krön Ministri sich aller 
Enden nur odios zu machen und das Absehen allein auf ihre 
bishero gehabte glückliche Progress des Kriegs stellen thuen. 
Wir leben gleiwol der tröstlichen Hoffnung, der allmächtige 
Gott endlich in's Mittel kommen und die kaiserlichen und könig- 
lich spanischen Waffen dermaleins auch widerum victorisiren 
lassen werde.** Uebrigens sei Torstenson schon wieder aus 
Böhmen gewichen und in seinem Heere solle die Pest sehr stark 
grassiren. Schliesslich möchte der Churfürst gerne wissen, wie 
viele Mitglieder der Gesellschaft Jesu jetzt in Rom zum General- 
convent versammelt seien. 

d. Antwort auf Nr. 5. 1645 December 15. 

Wegen des Missverständnisses zwischen dem Papste und 
Frankreich solle Biber vorerst die ihm aufgetragene Negotiation 
bei dem Papste nicht anbringen. Vielmehr solle er sich zunächst 
mit den Cardinälen de Lugo und Caraffa sowie dem Doktor 
Motmann über die zu thuenden Schritte in's Benehmen setzen 
und dem Churfürsten Bericht erstatten. 

Für den Abt Caramuel möge sich Biber, was seine ihm 
bekannte Person sowie seine Prätension betreffe, bei der Curie 
nach Möglichkeit verwenden. 

„Schliesslich hast Du ab der Einlag mit mehrerera zu er- 



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150 Di** Georg Hansen: 

sehen, was der churtrierischen Actionen halber dieser Tagen 
aus Coblenz anhero berichtet worden.*' *) 

11. Rom, 1646 Januar 6. 

Dabit mihi Celsitudo Vestra Eminentissima veniam (ita 
demississime precor) si nunc fuero brevior, idcirco quod ab 
aliquot diebus circa informationes electionis nostrae occupati 
fuerimus plus solito et quod crastina die simus inchoaturi elec- 
tionem et visuri quem Dominus JESUS huic minimae Societati 
Praesidem elegerit. E multis tres potissimum sunt de quibus 
deliberatio instituenda erit: P. Carafa, P. Piccolomini, P. Mont- 
morency. 

Caeterum, quibus 8. et 15. Decembris me dignata fuit 
Eminentissima Celsitudo Vestra humili osculo accepi. 

Quae de rebus Trevirensibus accepi, conabor ut opportune 
communicem cum iis apud quos fructus inde sperari potest. 
Caetera post electionem aggrediar. Precor Regem Angelorura, 
ut Celsitudinem Vestram perenni mentis ac corporis valetudine 
constanter gaudere faciat, Cujus me Electorali gratiae demis- 
sissime commendo. 

e. Antwort auf Nr. 2. 1645 December 22. 

Unter den Briefschaften habe sich ein Schreiben Bibers 
aus Trient vom 19. Oktober gefunden, das bisher nicht beant- 
wortet sei. Was er darin über die Audienz bei der Erzherzogin 
Claudia und über die bevorstehende Heirath des älteren Prinzen 
und der Prinzessinnen geschrieben habe, sei dem Churfürsten 
nicht unlieb zu vernehmen gewesen, wie ihm denn auch jetzt 
berichtet werde, dass der Cardinal Trivulzio im Namen des 
Königs von Spanien bereits im Werk begriffen sei, die Werbung 

*) Was der Inhalt der Einlage war, ist aus den Briefen nioht zu er- 
sehen. Die zu Grunde liegende Thatsache ist die folgende. Der Churfürst 
von Trier, Philipp Christoph von Sötern, war, aus der zehnjährigen 
spanisch-österreichischen Gefangenschaft entlassen, am 1. September 1645 
in Coblenz eingezogen. Entgegen seinem Versprechen hatte er sogleich 
wieder die alten Conspirationen mit Frankreich angefangen und sich in 
die tollsten Händel mit seiner Geistlichkeit gestürzt, die schliesslich im 
Jahre 1648 zu einem wirklichen Krieg zwischen Erzbischof und Dom- 
kapitel führten. In den folgenden Briefen ist öfter von dem Churfürsten 
die Rede unter der ironischen Bezeichnung „Cbrysostomus redux**. 



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Briefe d. Jesuitenp. Biber an d. Churf. Ansei m Casimir v. Mainz. 151 

in Innsbruck vorgehen zu lassen. Man erwarte von Biber weitere 
iMittheilungen. Es folgen noch einige Kriegsnachrichten und 
Klagen, dass die Friedensverhandlungen in Münster und Osna- 
brück so langsam von statten gehen. 

12. Rom, 1646 Januar 13. 

Sicut haclenus non intermisi octavo quoque die ad Eminen- 
tissimam Celsiiudinem Veslram literas dare a primo raeo in 
Urbem adventu, ita et deinceps agere decrevi. Vicissim hodie 
quas Celsitudo Vestra ad me 22. Üecembris destinare dignata 
est, venerabundus accepi: Quod si aliquae ex meis ad Celsitu- 
dinem Vestrara perlatae non fuerint, haerebunt forsitan alicubi 
in itinere. 

Caeterura quod de Cardinale Trivultio, Hispanicarum nup- 
tiarum paranympho, ad Celsitudinem Vostram perscriptura fuit, 
jam tum cum Oeniponti morarer, nmltus de duplici illo matri- 
monio serrao erat. — 

Adfui interea Cardinali Panzirolo (Consilii Status Ecclesiastici 
Secretarius est, immo Director et dextra Pontificis manus) viro 
capacis ingenii et rerum apprime intelligentis, olim in Hispania 
Apostolico Nuncio ac proinde Domui Austriacae inprimis addicto. 

Is Visus est recreari Celsitudinis Vestrae literis, et urbanis- 
simis verbis operam ac servitia sua obtulit Eidem. Et tametsi 
diceret Francis non esse fidendum, quippe quibus proraissa fallere 
solenne sit, nihilominus tarnen Sanctitati suae id negotii pro- 
ponendum suasit; quod idem se facturum spopondit, licet asserat 
Suam Sanctitatem parum apud Ministros Regis Galliarum obten- 
turam; tamen bonum esse ut Sua Sanctitas Celsitudinis Vestrae 
desiderium cognoscat. Eadera aliorum D. D. Cardinalium mens est. 

Eadem die praesentavi Celsitudinis Vestrae epistolas Cardinali 
Pamphilio et Duci Savellio, Caesareo Oratori, qui grato eas 
recepere anirao, sua servitia poUiciti. Dux Savellius recepit, se 
postridie cum Sanctissimo Domino Nostro acturum. Cui cum 
diflßcultatem raoverem, videri mihi nihil obtenturam Suam Sanc- 
titatem apud Regem, quippe cujus Ministri dicturi sint, si Regis 
sui intercessionales pro Barberinis nihil a Summe Pontifice 
impetrare potuerint, nemini mirum videri debere, si vicissim nee 
Pontificiae commendatitiae apud Regem obtinuerint quod petitur; 
ad haec prudenter respondit, magnum esse inter utrumque 



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152 Dr. Georg Hansen: 

discrimen, idcirco quod Barberini sint Suae Sanctitatis Subditi, 
quos ne puniret Regem postulasse ; at vero Celsitudinem Vestrara 
Regi nequaquam subesse, sed liberum Principem etc. 

Memini nuper in meis ad Celsitudinem Vestram exaratis, 
Cardinalem Barberinum sese obtulisse ad traoiandum cum Regiis 
Ministris, ut praesidium Urbe Moguntina educeretur. Poterit 
Celsitudo Vestra Eminentissima deliberare an Illius opera uti 
placeat. Ego nihil agam, nisi abs Ea mandatum accepero. 

Dominus Beutinge^r, Auditor Rotae, Celsitudini Vestrae sese 
demississime commendat; sicut et Dr. Hochstein, qui in palatio 
Cardinalis Columnae habitat, nihil tamen salarii stipendiive abs 
illo recipit, suis semper impensis victitans. 

Deum precor ut Celsitudinem Vestram caelesti ac terrestri 
benedictione repletam, Archidioecesi suae ac Sacro Iraperio diu 
conservet, Cujus me Electorali gratiae submississime coraraendo. 

P. S.>) 

Septima die Januarii elegimus in Generalem Societatis JESU 
R. P. Vincentium Carafam, virum non sanguine tantum, sed 
multo magis sanctitate vitae, quam DEum etiam miraculis 
testatum esse asserunt, darum. Quam electionem Sua Sanc- 
titas cum gaudio ac gratulatione accepit etc. 

f. Antwort auf Nr. 6. 1645 December 29. 

Bei der eingefallenen grossen Kälte haben sich beide krieg- 
führende Theile genöthigt gesehen, die Winterquartiere zu be- 
ziehen, „und dann, damit wir und unser ohnediess hartbetrangtes 
Obererzstift nit leer ausgehen möchten, von unsers herm Mit- 
churfürsten in Bayern Liebden uns wider bessere Zuversicht 
auch zwei, als ein Dragoner- und Cuirassir-Regiment diesen 
Winter über zu unterhalten und zu verpflegen assignirt und 
bereits wirklich einquartirt worden/* 

„Was sonsten uns seithero weiter vom Moselstrom wegen 
des Chrysostomi reducis für allerhand nachdenkliche und weit- 
aussehende Zeitung zukommen, solches besagt der Beischluss 
mit mehrerem. 



^) Das ganze Postscriptum ist besonders gross und schön geschrieben. 



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Briefe d. Jesuitenp; Biber an d. Gburf. Anselm Casimir v. Mainz. 153 

18. Rom, 1646 Januar 20. 

Quibus me 29. Dec. Ceisitudo Vestra Eininenlissima dignata 
fuit, heri non sine reverenti osculo accepi. Certa sit Ceisitudo 
Vestra octavo quoque die ex quo in Urbem appuli me literas 
dedisse; forte serius illuc perferenlur, eandem ob causam, quam 
excusationis loco Veredarii Roraani nuper attulerunt, quando per 
tres continuatas hebdoraadas biduo serius advenerant, aquarum 
illuviem ob continuas a trimestri pene spatio pluvias (quae in 
hanc usque horam durant) et destructionem ponticulorum causati. 

Caeterum, Africae, quae semper aliquid monstri parit, ut in 
proverbio est, Roma similem se praebet: praeterita die Martis 
hora secunda post mediam noctem, insalutatis omnibus Cardi- 
nalis Barberinus (Pranciscus) cum Pratre Thadaeo, Praefecto 
Urbis, Roma fugit, versus mare. Divinant eum phaselo alicuhi 
conscenso in Gallias ab illius gentis hominibus transvectum tan- 
quam in Asylum. 

Voluit Summus Pontifex Barberinos reddere rationem unde- 
cim millionum coronatorum (alii dicunt 22 milliones) qui et in 
quem usum impensi fuissent ab aerario Apostolico, cujus Cardi- 
nalis Antonius Praefectus fuerat. 

Cumque Cardinalis Antonius mense Octobri hinc profugerit, 
bona tam mobilia quam immobilia Barberinae familiae arresto 
attineri jussit, usque dum scripto rationem adferrent. Exivit 
Urbe Cardinalis mutato habitu, pedes, gladio accinctus; secutus 
paulo post Princeps Thadaeus cum filiis tribus et unica filia, 
mutatis omnes vestibus, pedites omnes, ad vineam quandam 
suburbanam, ubi 4 rhedas conscenderunt, deducente D. Grimaldi, 
Cardinalis Grimaldi fratre. 

Hac hora qua haec scribo renuntiatur, duabus navibus 
exceptos fuisse in mari et a Gallis Massiliam transvehendos. 
Fuit fugae et apparatus illius conscius Cardinalis Grimaldus 
Genuensis, in Galliis olim Nuntius et nunc Nationis ac Regni 
illius Viceprotector; qui cum nuper Pontifici nomine Reginae 
bellum minatus fuisset, quod Barberinos Coronae suae clientes 
male tractaret, responsum a Sua Sanctitate tulit: non esse ea 
Reginae, utpote pientissimae, sed Cardinalitiae Mazzerinianae 
improbitatis consilia ac machinas, qui si exercitum adduci jus- 
serit, opposituram se suas quoque copias. Conscientia se adigi, 
ut inquirat in damna Ecclesiae Romanae a Barberinis illata, 



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154 Dr- Georg Haosen: 

praesertim quos in usus iiigentem illain pecuniarum summara 
impenderint; nolle se in tain pio ac justo negotio a Corona 
Franciae irapediri. 

Remansit tarnen Romae Thadaei Conjunx, Cardinalis Co- 
lumnae soror, Cui Suramus Dominus Noster doteni suam in pactis 
matrimonialibus decreiam, centum ac quinquaginta milia Coro- 
natorum, libenter dare vult. Ad tarn raram inconstantis fortunae 
vicissitudinem merito Urbs attonita haeret, dura experitur eos 
extorres ex Italia profugere, qui 20 annorum spatio auctoritate 
ac potentia Italiam tremefecerant. Nimirura sie 

Ludit in humanis Divina potentia rebus. 

R. P. Generalis noster obtulit ante octiduum Celsitudini 
Vestrae sua et Societatis nostrae obsequia. Urbs Neapolitana 
audita Ejus electione festivos per tres noctes ingnes excitavit. 
Prorex campanas in praecipuis templis compulsari, tormenta 
exonerari, Sacrum cum Hyrano Te Deum etc. decantari fecit 
et mille coronatos Domui Professae in subsidium alimoniae pro 
Congregatione transmisit; adeo ob sanctimoniae famam Neapoli- 
tanis gratus erat. 

Cardinalis Pamphilius in adjunctis respondet ad Celsitudinis 
Vestrae epistolam. Nondum accepi responsum a D. Albici Secre- 
tario Sancti Officii in negotio Worraatiensi. Sie machen mihr 
den handel also schwehr, als wan es gar viel antreffen 
thete etc. 

Absit ut ille dicatur honoreturque tam splendide nomine 
Chrysostomi reducis, qui res Chrysostomo minime dignas agit. 

Faxit Divina bonitas, ut Anselmum Casimirum, Dominum 
meum clementissimura, reducem vel Aschaffenburgi vel Mo- 
guntiae redux inveniam, qui eo titulo longe dignissimus est, 
quemque Caelites omnes diutissime sospitent, Cujus me Electorali 
gratiae submississime commendo. 

g, Antwort auf Nr. 8 und 7. 1646 Januar 5. 

Die Bewerbung des Adam Schlaun um das Aachener 
Canonicat ist als aussichtslos nicht weiter zu betreiben. 

Dass Biber die Weibsperson, die sich eine geborene Kratz 
von Scharffenstein nennt, abgewiesen hat, daran hat er recht 
gethan, denn dem Churfürsten sei dieselbe gänzlich unbekannt. 

Im Uebrigen ist nach Ansicht des Churfürsten „uf diejenige 



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Briefe d. Jesuitenp. Biber an d. Churf. Anselm Casimir v. Mainz. 155 

Bedrohung der Franzosen gegen ihre Päpstliche Heiligkeit und 
dero angehörige ditiones eben eine so grosse Reflexion um des- 
willen nit zu machen, alldieweil die von Prankreich ohnediess 
der Feindt ziemlich viel hat und deroselben an allen Orten zu 
prävaliren schwer genug fallen dürfte, neben diesem auch, wie 
wir deswegen sichere Nachricht haben, ihro die behuefige Mittel 
zum Krieg von Tag zu Tag je länger je mehr abgehen/* 

14. Rom 1646 Januar 27. 

Quod nie Eminentissima Celsitudo Vestra suis 5. Janua. 
iterum honorare dignata fuerit, humilliraas grätias ago. 

Quid interea in Wormatiensi negotio actum sit, ostendo in 
adjunctis Ad manus proprias inscriptis.*) 

D. N. Catteman, S. Albani Moguntiae Vicarius, Junioris 
Canonici a Franckenstein anno superiori Lovanii Paedagogus, 
cum Mense Majo commendatitiis a Celsitudine Vestra ad D. 
Beuttinger instructis huc pervenisset, inter Praebendarios S. 
Mariae delP Anima admissus, die Martis praeterito, post octo 
dierum febres, diem suum obiit ibidemque postera die sepultus est. 

Quod D. Cardinalis Rossettus ad meas non respondeat sus- 
picor causam esse, quod meae epistolae argumentum ingratum 
fuerit adeoque dissimulet. 

Caeterum, est quod Patres qui ex India ad Congregationem 
nostram Generalem advenerunt, et inter eos quidam P. Franciscus 
Antonius Cardim, nobili genere apud Lusitanos nätus, qui sedecim 
annis in Indiis Orientalibus et Japonia moratus est, a Celsitudine 
Vestra humillime contendit. Habuit iste P. Franciscus Antonius 
Cardim fratrem Germanum in Societate nostra, P. Joannem Cardim, 
qui ante 31 annos cum fama Sanctitatis ac miraculorum gloria 
obiit. De eo in Catalogo Beatorum conscribendo nunc hie agitur; 
et quoniam inter varios Processus, qui ejuscemodi Beatificationes 
neccessario procedere debent, requiritur quoque ut fiant Instantiae 
(sie vocant) Regum et magnorum Principum, exoravit me prae- 



*) Diese Privatangelegenheit lag dem ChurfUrsten sehr am Herzen. 
Anselm Casimir hatte von einem Oheim einen Grundbesitz in Worms 
geerbt, den er in seiner Familie weiter zu vererben wünschte. Dem stand 
aber entgegen, dass derselbe früher einem Kloster gehört hatte, nach 
kanonischem Recht also unveräusserliches Kirchengut war. Biber sollte 
in Rom den nöthigen päpstlichen Dispens erwirken. 



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156 I^r- Goorg Hansen: 

dictus P. Cardim (nunc Rector Collegii Macaensis, Jäponiae 
vicini) ut Celsitudinem Vestram demississime sollicitarera ad 
similes commendatitias pro Beatificatione P. Joannis Cardim, 
anno 1615 Bracharae cum opinione Sanctitatis mortui ad Suara 
Sanctitatem obtinendas. Ductus est ad id petendum optimus 
Pater, quod ex me in colloquio cognovisset, Archiepiscopum 
Moguntinum esse in Sacro Romano Imperio primum a Caesare 
Principem, ideoque Celsitudinem Vestram sollicitandam sibi duxit. 
Et quoniam hae literae Celsitudini Vestrae nihil adferunt . in- 
commodi, sed potius ad DEi et Celsitudinis Vestrae gloriara 
cedunt, ipseque si ad Indias Orientales redierit, beneficium sibi 
praestitura etiam apud Antipodas nostros deprae<licaturus, non 
dubito quin Celsitudo Vestra gratiose illi annuere velit. 

Qua in re Celsitudinis Vestrae clementissimam voluntatera 
expecto, poteritque P. Rector Aschaffenburgensis literas concipere. 
Voluit P. Cardim exemplar vitae hie conscriptae adjungi, quod 
facio et JESUM Dominum Nostrum precor, ut Celsitudinem 
Vestram gratia caelesti repletam et de hostibus suis triumphantem 
in multorum annorum seriem tueatur; Cujus me Electorali gratiae 
submississime commendo. 

Ad manus proprias.') 

Tandem aliquando, post tot cursitationes per Urbem, respon- 
sum accepi, Congregationem S. Officii (in qua sunt decem Car- 
dinales) Inquisitionis decrevisse scribere ad D. Chisium, Nuntium 
Apostolicum, ut is, informatione Wormatiae accepta, referat ad 
S. Congregationem, quae sit illius Domus, de qua agitur, conditio, 
tunc demum responsum categoricum datum iri. Nee vero obti- 
nere potui, ut omissa illa ad Nuntium remissione, Celsitudini 
Vestrae Eminentissimae gratificarentur, ideo quod dicerent, hunc 
esse stylum Curiae, quem mutare nefas foret. 

Quo posito considerari posset, num placeret Celsitudini Vestrae 
ad D. Chisium scribere hortarique, uti sine mora exequatur con- 
silium aut mandatum Congregationis. Et quoniam verisimile 
est, eam informationem ab lUustrissimo Principe et Episcopo 



*) Dieser Brief bildete eine mit eigener Adresse versehene Einlage 
des vorhergebenden. Am Rande findet sich der Kanzlei vermerk: „Dieses 
Sohreiben ist per Reverendissimum eigenhändig per postscriptum den 
15. dieses (Februar) beantwortet worden.'' 



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Briefe d. Jesuitenp. Biber an d. Churf. AnBelm Casimir v. Mainz. 167 

Wormatiensi aut Illius Provicario ibidem petitum iri per Domi- 
num Nuntium, deliberandura erit, quid Suae Celsitudini agendum 
sit, praesertim cum existimem nee Illustrissimum Principem 
VVormatiensem, multo minus Ejus Provicarium istic, statum 
atque originem illius Domus perspectam habere, annon expediat, 
Illustrissimum Wormatiensem prius de re tota informare, quantum 
satis est. Dico quantum satis est, nee enim necesse est omnia 
illa exprimere quae ad rem non pertinent, imo impedirent potius, 
aut saltem non parum retardarent expeditionem. Nam dum 
memoriale meum nomine Celsitudinis Vestrae obtuli, monitus 
fui a viro quodam Curiae perquam perito, ut caverem omnibus 
raodis, ne Emptionis a Domino Patruo Celsitudinis Vestrae 
faclae mentionem facerem, idcirco quod Curia Pontificia nolit 
quicquam audire de ejusmodi emptionibus inter Haereticos factis, 
nee uUo modo ratificare eas videri velit; proindeque hoc nego- 
tium prorsus impeditum iri, si emptionis meminissem: cujus rei 
dicebat saepius se experientiam habere. Quapropter in morao- 
riali expressi tantum, Eam Domum cum adjacentibus vineis et 
agris jam per tertias manus hi familiam Wamboldianam per- 
venisse, quam praetendunt olim spectasse ad Praeposiluram 
quandam Regulärem in Wirtembergia sitam. Cumque sit peri- 
culum certum, ne in manus Haereticorum devolvatur, petere 
Celsitudinem Vestram ut disponere de ea pro-haeredibus Uceat etc. 
Atque haec summa fuit Memorialis mei. Nihilominus tamen, 
quando Dominos illos, praesertim Illustrissimum Dominum Albici, 
Congregationis illius Secretarium (fuit cum Domino Cardinali 
Ginetti quinque annis Coloniae, Auditor illius Legationis, nunc 
Canonicus S. Petri et Praelatus domesticus Pontificis, vir in- 
telligens etc.) informavi, interrogantique cur ad Haereticos devol- 
vendi periculum esset, respondi, cum Patruus olim ab Haeretico 
emerit, si contractum illum invalidum fuisse Protestantes scirent, 
vi amnestiae nuper in Imperio promulgatae Dux Wirtembergicus, 
sicut alia bona Ecclesiastica, ita et Domum illam ad se rapere 
moliretur. Hanc tamen causam nollem in Informatione ad Do- 
minum Nuntium exprimi, satis fore ratus, si in genere dicatur, 
periculum esse ne ab Acatholicis eripiatur, quod praetendant 
olira spectasse ad bona Ecclesiastica. 

Atque isthaec habui quae hac vice de. Domo Wormatien.si 
Celsitudini Vestrae Eminentissimae referrem demississime. 



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158 I^r. Oeorg Hansen: 

15. Rom, 1646 Februar 3. 

Licet nuUas hac vice acceperim persto nihilominus in octi- 
duana scriptione et Eniinentissimae Celsitudini Vestrae significo, 
famam Comitis Trautniansdorfii in Aula hac non mediocriter 
lacerari arguique graviter proditae Catholicae Religionis, nee 
credi Augustissimum Imperatorem , pro pietate sua et justitia, 
consensisse, ut D. Comes in Monasteriensi conventu tarn sit 
prodigus, ut Orthodoxa fides atque Ecclesia Germanica ea 
methodo sie pessura eat. Sane quicquid ad excusandam neces- 
sitatem extremam replico, vix audior. Dumque identidem regero: 
Man habe es mit dem PHmogenito Ecclesiae bey der Bar- 
beriner regierung zu weit lassen kommen, principio occurrendum 
fuisse et extinguendam flammam, ne in ista bellorura incendia 
excresceret, respondent, se illam gubernationem praeteritara 
odisse: nunc eousque niorbum invaluisse, ut e pharmacopolio 
Innocentii remedium adferri nequeat. Pecunia ita exhaustum 
a Barberinis aerarium, ut formidabili Christiani nominis hosti 
resistendo non supersit belli nervus; et in haue usque diem illa 
una cura Pontificem angit, ut nummos eura in finem colligat. 
Atque illa causa est, cur vix unus sit qui Innocentiura arguat, 
quod a Barberinis rationes postularit. 

Interea responsuni abs Erainentissimo Cardinali Rossetto 
accepi, quibus urbani^simis verbis respondet, se Celsitudini Vestrae 
gratias agere, probare se quicquid in eo genere Celsitudo Vestra 
decrevisset; aber dass Er betvustefi A. sollte abraffen (quemad- 
modum ego ex praescripto Celsitudinis Vestrae scripseram) 
dissimulirt Er^ sed ut dimittatur consentit. 

Adjunxi autographum ad me, si forte liberet inspicere.') 

In postremis meis supplicabam Celsitudini Vestrae Eminen- 
tissimae nomine F. Antonii Prancisci Cardim, ut Celsitudo Vestra 
dignaretur commendatitias aut Intercessionales ad Suam Sanc- 



*) Der Brief des Cardin als vom 25. »Januar ist erhalten. Die betreffende 
Stelle lautet: Postremo Paternitatis tuae literae mihi significarunt inten- 
tionem Eminentissimi Principis Electoris Maguntini qui de praesenti exul 
ac Omnibus ferme bonis exspolialus volens imposterum expensis minus 
necessariis sese exonerare partem suae familiae nee non D. Augustinum 
Mayer alias ad meam commendationem in familiarium suorum numerum 
assumptum stantibus hisce iniquis belli temporibus dimittere decrevit. 
Vergl. die Anmerkung zu lit. n. 



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Briefe d. Jesuitenp. Biber an d. Ghurf. Anselm Casimir v. Mainz. 159 

titatem transnüttere pro Beatificatione P. Joannis Cardim, ut 
fusius ante octiduum perscripsi. Pacient idem alii Magni Prin- 
cipes, idque in solatium hujus Patris quem ex Japonia venisse dixi. 

Dura aliis narro miracula Chrysostomi reducis, ajunt culpam 
esse in Caesare, vei potius Trautraansdorfio: qui dum suasit ut 
in dimittendo esset Imperator Clemens, ipse fuerit demens. 

Caeterum, in negotio Principali meo a Celsitudine Vestra 
clementissime commisso nominaverat jam Sua Sanctitas Prae- 
latum, quem Parisios raitteret, ut duo perageret, alterum ut 
pacem Monasterii Regii Ministri serio tractarent, non simulate; 
2® suppetias contra Turcam submitterent, eadem occassione hactari 
poterat de abducendo Moguntia praesidio etc. Attamen, cum 
responderint Ministri, cum jam satis provisum sit utrique postu- 
lato, tum quod Plenipotentiarios Monasterium pridem miserint, 
tum quod Venetis suppetias jam promiserint, non esse quod 
Legati extraordinarii Parisiis porro agere possint. Uno verbo: 
nolunt cum Pontifice tractare. 

In quo epistolam finio, DEUM precatus, ut Celsitudinem 
Vestram cum pace, salute et gaudio reverti ad propria brevi 
faciat, Cujus me Electorali gratiae demississime commendo. 

b. Antwort auf Nr. 9. 1645 Januar 15. 

Biber möge in Zukunft die angekommenen Briefe in seinen 
Antworten ailegiren. 

Die Friedenstractate stehen noch in sehr zweifelhaften und 
ungewissen Terminis, da die französischen und schwedischen 
Bevollmächtigten ganz ungereimte Postuiata zu thun sich nicht 
entblöden. Schweden verlangt die Stifter Bremen, Osnabrück, 
Minden, Verden und Halberstadt, ja, von den kaiserhchen Erb- 
landen das ganze Schlesien. Die Franzosen prätendiren neben 
der Festung Breisach das ganze Elsass. Es sei unschwer zu 
ermessen, dass die Bewilligung solcher Forderungen nicht allein 
dem Reich zum merklichen Nachtheil gereichen, sondern auch 
der Conscientz und katholischen Religion direkt entgegenlaufen 
würde. 

Im Mainzer Domstift sei eine Priester-Präbende frei ge- 
worden. Biber möge sich erkundigen, ob nicht im Collegium 
germanicum ein qualificirtes Subjectum vorhanden sei. 



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160 I^r. Georg Hansen: 

16. Rom, 1646 Februar 10. 

Quamvis ante octiduum nullas a Celsitudine Vestra Eminen- 
tissiraa acceperim, heri tarnen datae 15. Januarii perlatae fuere, 
quas reverenti osculo excepi. Hie Comitis Traut mansdorfii 
aciiones Monasterienses supra nioduni crirainantur, imo execrantur 
et velut hominem destruendae fidei in Germania et Domus 
Austriacae perdendae malo sidere natum abominantur, Dominum 
vero niius ignaviae arguunt, qui ad focura domi tanto tempore 
deses nee ad bellum processerit, sed per infidum et verae Reli- 
gionis negligentem Ministrum omnia agat et permittat Haereticis 
orania. Mirari se quod D. D. Episcopi in Germania non reclaraent 
fortius contra illum Comitem, qui tot Archi- et Episcopatus 
Acatholicis et hostibus donare conetur et plwra alia in perniciem 
nunc Catholicarum Ecciesiarum tam Metropolitanarum quam 
Cathedralium liberaliter nimis promittat. Certo se praevidere, 
Domum Austriacam, praesertim Germanicam, sicut hactenus per 
Orthodoxae fidei conservationem ac propagationem crevit, ita 
nunc et deinceps per ejusdem Religionis neglectum et diminu- 
tionem valde diminutum ac humiliatum iri dictitant. Quibus 
dum conor saltem aliquo modo satisfacere et necessitatem prae- 
tendere, pauci aliqui acquiescunt, plures vero non intelligunt, sed 
execrari pergunt, tanquam fidei Catholicae proditorem: qui, ut 
paucas illas Domini sui Provincias haereditarias conservet, reliquos 
amplissimae Germaniae Principatus una cum Religione pessum 
ire permittat. lUam Comitis prodigam, quam Acatholicis ibidem 
offert, permissionem abs Oratore Veneto improbari, imo ab ipsis 
Gallis (si Diis placet), (jui noUent tantos Acatholicorum progressus. 
Haec et similia, dum cum Aulicis ago, audio ad nauseam. Ich 
muss mich des ö/tern mit Ihnen herumb beyssen. Sonsten 
gehet die Fassnacht zimlich züchtig ab. Princeps Borghesius 
destinaverat tantum in vestes larvatorum unum alterumve 
millenarium scutorum, ad honorandam Pamphiliorum familiam, 
Sanderlich dem adelichen Frauenzimmer {u7ider welchen bey 
14 Principesse^ Duchesse, Contesse, so alle des Pabsls Baasen, 
Oeschweyen und Verwandte sein wollen) zu fastnächtlichen 
Ehren, Verum Sua Sanctitas vetuit, ne vani illi sumptus fierent; 
nequaquam decere dictitans, ut cum alibi per Europam tellus 
Christianorum sanguine madeat, ipsi Romae genio et vanitati 
indulgeant. 



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Briefe d. Jesuitenp. Biber an d. Churf. Anselm Casimir v. Mainz. 161 

Caeterum Episcopus Viennensis a mense Novembri hie degit, 
et usus occasione pestis ac bellici furoris in Austria tunc gras- 
santis limina Apostolorum pro obligatione sua Episcopali visitatum 
advenit, et se habet al incognito, 

Quod de Alumno aliquo pro praebenda Sacerdotali idoneo 
Celsitudo Vestra mandat, agam cum P. Rectore CoUegii Ger- 
manici, et tunc rescribam quid Celsitudo Vestra porro fieri velit* 
De negotio Wormatiensi ante dies quindecini retuli Celsitudini 
Vestrae, Quam rogo ut Divina bonitas in ad versa ista fortuna 
corroboret gratia sua caelesti, Cujus Electorali gratiae me sub- 
mississime comraendo. 

i. Antwort auf Nr. 10. 1646 Januar 26. 

Da nach Bibers Bericht die Cardinäle Panziruolo und Cap- 
poni bei seiner Heiligkeit in besonderer Gnade stünden, so solle 
er, wenn es noch nicht geschehen, denselben seine Aufwartung 
machen und ihnen den traurigen Zustand Deutschlands und die 
grosse Gefahr, in welcher die katholische Religion sich befinde, 
auf Grund der Mittheilungen in dem letzten Briefe vorstellen. 

Uebrigens seien Prankreich und Schweden mit den ge- 
meldeten Forderungen noch nicht zufrieden, sondern sie ver- 
langten auch die Wiederherstellung des Pfalzgrafen in seinem 
Besitz wie in seiner Würde. 

Schliesslich wünscht der Churfürst zu erfahren, ob Doctor 
Hochstein sich länger in Rom aufzuhalten oder ob er ad loca 
Beneficii zurückzukehren gesonnen sei. 

17. Rom, 1646 Februar 17. 

Quas Eminentissima Celsitudo Vestra 26. Januarii ad me 
dare dignata est reverenti osculo venerabundus accepi. Et 
quemadmodum a 18. Novembris anni proxime elapsi usque ad 
hanc diera, id est per tres menses, octavo quoque die meas ad 
Celsitudinem Vestram destinavi, ita et in singulis addidi, an 
Celsitudinis Vestrae literae ad me perlatae fuerint (quam consue- 
tudinem in omnibus epistolis quas ad varios, cum Societatis 
nostrae, tum Externes homines, per 20 annorum spatium con- 
stanter tenere soleo) ut proinde, si non octavo quoque die meae 
istuc perlatae fuerint, in itinere Cursorum culpa intercidisse 
existimandum sit; deinde, si in meis non feci menlionem accep- 

Arohivalische Zeiteohrifli. Neue Folge IX. \\ 



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162 I^r. Georg Hansen: 

tarum abs Ea, certo Celsitudo Vestra colligat, nullas ad me illa 
septimana pervenisse. 

Caeterura quae Celsitudo Vestra de negotio tractandae pacis 
Monasterii ad me perscribi jubet, non dubitet, quin ego, ubi- 
cunque puto ea prodesse posse, cum Magnis Viris, etiam Cardi- 
nalibus coramunicem, cum non pauci id a me postulent et non 
raro mittant inquisitum, numquid de rebus illis habeam, prae- 
sertim cum Illustrissiraus Dominus Nuntius Chisius in scribendis 
ad Suara Sanctitatem diligens admodum sit, et ideo inter primas 
literas quae e Germania ad Palatium adferuntur, mox Ghisianam 
epistolam reserat. Also verkauffe ich meine wahr so theuer 
als ich kan, Dlud mihi displicet, quod adeo pauci sint inter 
Cardinales, qui rem intelligant aut cordi sibi ducant, perpauci 
vero illi, qui rerum nostrarum peritiam habent et religionis atque 
tot Ecclesiarum Cathedraiium pericula seria considerationis 
bilance ponderant, asserant, Suam Sanctitatem nee ab aerario nee 
milite instructum esse : quippe aerarium a Barberinis in proprios 
partim, partim in impertinentissimi belli usus exhaustum non modo, 
sed et multorum millionum auri aere alieno gravatum esse. Con- 
feram tamen cum Cardinalibus Panziruolo et Capponio atque in 
primis Cardinali Carafa, qui singularem erga Celsitudinem Ve- 
stram a primis statim diebus propensionem ostendit, in ejusque 
significationem nuper me prandio excepit, Cujus etiam epistolam 
hisce includo. 

Intellexi interea temporis (quod Celsitudo Vestra ante octi- 
duum in suis mandaverat) ex P. Rectore CoUegii Germanici, 
nullum esse inter Alumnos qui sit ex Nobilitate Pranconica- 
Suevica-Rhenanave, praeter Metternich zur Gracht, Canonicum 
Domicellarem Moguntinum, a Dernbach, Bamberg- et Herbilensem, 
ab Eyb Eystadiensem, Canonicos caeteros esse partim e nobili- 
tate Austriaca, Bavarica, Silesiaca, qui equestrem nobilitatem 
eo modo, quo requirit Moguntinus Archiepiscopatus, probare non 
possint. Miratur ipse non plures e nobilibus Rhenanis huc mitti. 

Quod ad Doctorem Hochstein attinet, negat se his turbu- 
lentis temporibus Moguntiam redire cogitare. Alta hie cogitat 
et prensat officia: sed plurimura dubito, num voti sui compos 
sit futurus. Intelligam tamen categoricum responsum ex eo. 

Celebraviraus in templo nostro (al Oiesu) praeterita Dominica 
Quinquagesimae et duabus sequentibus feriis Antecineralibus 



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Briefe d. Jesuitenp. Biber an d. Ohurf. Anselm Casimir v. Mainz. 163 

orationem 40 horarum. Sacnira honoranint D. D. Cardinales sua 
praesentia, et Cappella, ut vocant, habita. Theatrura excitatura 
fuit sane magnificum, 120 pedes altum, latum 62, in quo fuere 
supra 4000 lampadum, quae theatrura illustrabant, nulla tarnen 
lanipade visa. Adfuit et Sanctissimus Dominus Noster cum Aula, 
Praelatis et Cardinalibus. 

Ante dies 15 in eodem templo instituta fuerat Communio 
generalis menstrua, in qua sedecira millia hominum sacra com- 
munione refecta sunt, et inter eos qui communionem distribuerunt 
(a summo mane usque ad horam primam pomeridianam sine 
uUa interposita quiete illa distributio duravit) fuere complures 
Cardinales et Episcopi. 

Bonus JESUS Celsitudinem Vestram Ecolesiae ac Metropoli 
suae brevi restituat, et ad Catholicae fiilei ac Sacri Romani 
Imperii solatium et Societatis nostrae patrocinium annare et 
perennare faciai. 

k. Antwort auf Nr. 11 und 12. 1646 Februar 1. 

Biber erhält ein Gratulationsschreiben, das er bei dem neu- 
gewählten Jesuitengeneral abgeben soll. 

Der Churfürst habe ein Schreiben vom Herzog von Savelli, 
dem kaiserlichen Gesandten in Rom, erhalten, in welchem sich 
derselbe zu aller möglichen Beförderung seiner Angelegenheiten 
beim Papste erbiete. Bei dem Zwiespalt zwischen Prankreich 
und Rom sei jedoch wenig Aussicht auf Erfolg vorhanden. Er 
nehme aber das wohlgemeinte Erbieten mit Dank an, zumal er 
nicht wisse, wie er sich der Offerte des Cardinais Barberini be- 
dienen solle ohne beim Papste Anstoss zu erregen. 

„Das negotium Wormatiense schliesshch betreffend, da er- 
innern wir uns eigentlich nit, was diessfalls Dir in Berichten 
und Befelch ufgetragen worden, wollest Dich deswegen ein 
mehreres gegen uns expectoriren und von uns darauf die fernere 
Nothdurft zu vernehmen erwarten.** 

18. Rom, 1646 Februar 24. 

Destinatas ad me 1. Febr. venerabundus accepi: et simul 
gratulatorias ad R. P. Generalem nostrum, quas post unam horam 
Ei tradam. Negotium Wormatiense bene assecuta fuit sua con- 
jectura Eminentissima Celsitudo Vestra, de quo quid ad me 

11* 



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164 I)r. Georg Hansen: 

actum sit, ante complures septimanas fuse retuli, expectoque 
interea, quid porro in eo expediendo mihi mandare clementissime 
velit. 

Simultates inter suam Sanctitatem et Gallicos Ministros 
in dies increraenta sumunt, auctore Cardinalibus Mazzarino et 
Barberinis universim. Gerte Cardinalis Antonius intellecto, quod 
orania Barberinorum bona Fisco Apostolico addicenda essent, 
fictione et stropha Italica usus, Palatium inprirais suum, quod 
in monte Quirinali perquam augustum habet, Regi Galliarum 
donasse finxit, et Abbatiam in Nonantola dictam Cardinali Estensi 
(qui a Caesare Protectore suo ad Gallum defecit, cujus Nationis 
Protect or designatus est, foedissirao ingratitudinis exemplo) re- 
signasse se comminisci ausus füit : et jactitat se a Gallo exercitus 
in Italiam contra Magnum Ducem Hetruriae mittendi Generalera 
constitutum; quae et similia alia cum arbitrer a D. Motraanno 
ad Celsitudinem Vestram perscribi, iis repetendis ego supersedebo. 
Hoc tantum addo, in Aula a Magno quodam Praelato dictum, 
Principem Condaeum repugnare Cardinali Mazzarino in causa 
Barberinorum; velle quidem esse sub protectione Gallica, attamen 
noUe ut Corona Summo Pontifici bellum eam ob causam inferat, 
sed verbis ac precibus tantum apud Suam Sanctitatem eorundem 
immunitatem procurare allaboret. Quicquid tandem Ministri illi 
molituri sint, decrevit Sanctissimus illorum machinamentis se 
fortiter opponere, ut nuper asseruerit, se, tametsi Prancorum 
hostiles copias ad portas Romanas stare audiret, noUe propterea 
ab exequenda contra Barberinos aerarii Pontificii depeculatores 
justitia vel tantillum deflectere. Imo et dicere nuper auditus 
fuit, si contingeret DEO permittente Turcicum exercitum per 
portam del Popolo in Urbem ingredi, per aliam vero Gallicas 
copias, nolle se Roma excedere, sed apud oves suas Pastorem 
se permansurum. Magna animi fortitudo, si ut loquitur sentit. 

Praecepit insuper Sua Sanctitas Cardinalibus aliquot, Bar- 
berinorum plus aequo factioni adhaerentibus, ne sub uUo prae- 
textu, ne quidem exspaciandi causa, Urbe egrederentur. Metuit 
nimirum, ne a Barberinis incitati in GalHas profugiant et nescio 
quod conciliabuhim ad concinnandum Schisma Avenione aut 
alibi indicant. Haec et similia hie metuimus, aliunde vero meliora 
speramus e Germania percupidi cognoscere, quid tandem illi qui 
Monasterii et Osnabrugae Montes parturiunt parturi sint, pacemne 



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Briefe d. Jesuitenp. Biber an d. Churf. Änselm Casimir v. Mainz. 165 

an bellura. DEUM autorem pacis prec^-or, ut Celsitiidinern Vestram 
Eniinentissirnam honesta ac constanti pace felicem ad Suam 
Metropolira brevi reducem sistat, Cujus me Electorali gratiae 
submississirae comraendo. 

1. Antwort auf Nr. 13. 1646 Februar 9. 

Der Churfürst habe mit grossem Erstaunen gelesen, was 
Biber von dem Schicksal der Barberini berichtet. Solche Sachen 
seien bisher von keinen päpstlichen Nepoten gehört noch ge- 
sehen worden. Er halte auch dafür, dass die Antwort, die der 
Papst dem Cardinal Grimaldi auf seine Drohung gegeben, aus 
einem ganz heroischen und tapferen Gemüth geflossen sei. 

Was das Haus in Worms betreffe, so wundere sich der 
Churfürst, dass in Rom wegen einer so geringen Sache so grosse 
Schwierigkeiten gemacht würden, während man in Münster so 
ansehnUche Erzstifter und Stifter aus den Händen zu geben 
kein Bedenken trage. 

1». Rom, 1646 März 3. 

Dum hasce scribere paro adferuntur, quas Celsitudo Vestra 
Eminentissima 9. Febr. ad me dare dignata fuit. 

Interea gratulatorias Celsitudinis Vestrae ad Reverendissimum 
P. Generalem nostrum in manus Eidem consignavi, qui tum suas, 
tum Societatis universae preces ac religiosa servitia magno cordis 
affectu et mente demississima prolixe offerri mihi demandavit, 
quandoquidem alias a Card. Carrafa, suo cognato, audivisset 
depraedicari Celsitudinis Vestrae non dotes tantum ingenii et 
dignara Electore Imperii magnitudinem animi, verum etiam 
summam in Societatem nostram clementiam ac singularem muni- 
ficentiam, non posse se quin pro Ejusdem incolumitate DEo 
supplicet frequenter. 

Hoc certum est, Illum haberi a nostris Patribus tanquam 
Angelum DEi incarnatum et vivum Sanctum. 

In negotio Wormatiensi merito miratur Celsitudo Vestra 
quod tarn difficiles se praebeant in re non magni valde momenti : 
Perstant tamen illi in sentontia dicuntque ordinate omnia fieri 
debere, et lUustrissimum Nuntium Monasteriensem oportere In- 
formationem mittere priusquam Sua Sanctitas aliquid certi statuat. 
Cumque objecissem iisdem, tot Episcopatus in Circulo Saxonico 



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166 I^r- Göorg HaDBon: 

ac Westphalico Acatholicis relinquendos etc., responderunt, id a 
Sanctissimo Doraino Nostro nequaquam pendere, quippe qui 
nunquam in ejusceraodi tractatus consensurus sit; sed aperte 
per suum Nuntium protestaturus sit, cumque non possit impedire; 
nolle tarnen idcirco pacem impedire: haec et similia reponunt 
ipsi. Caeteroquin ulteriori informatione opus non habeo, sed 
expecto quam D. Nuntius sit missurus, queraadmodum fuse et 
saepius scripsi ad Celsitudinen Vestram Eminentissimam. 

In negotio Halberstadiensi conabor esse sedulus, inquiraraque 
quid facto opus sit. 

Adfui interea temporis Cardinali Panziruolo, cui ea, quae 
ex rebus Monasterii gerendis aut gestis ad me a Celsitudine 
Vestra nuper transraissa fuerant, communicavi, praesertim de 
Palatino in integrum restituendo. Cumque diceret dolere se 
quod eo desperationis ventum esset, percontabatur, num non fieri 
posset, ut saltem etiam Duci Bavariae titulus Electoris remaneret, 
adeoque ad caeteros Septem octavus adderetur: quo in genere 
si Suae Sanctitatis auctoritas aliquid praestare posset, induci facile 
posse ut cooperaretur. 

Caeterum Dominus Paulutius, quem Celsitudo Vestra novit, 
extra gratiam Pontificis est et humiliatus utcunque, quippe pri- 
vatus officio Secretarii Congregationis Rituum. 

Dominus Caramuel utitur opera cujusdam Agentis in sua 
causa, qui nihil videtur agere, forte quod pecuniarum nihil abs 
eo recipiat. Nam cum ante tres menses mihi (non ipsemet 
quidem, sed per alium ad me missum) significasset, vellemne 
testimonium in Informatione ipsius dare, et me promptum esse 
respondissem, modo statim ab electione Patris Nostri Generalis 
me vocaret; interim duo menses elapsi sunt cum nemo venit, 
tametsi saepius in hominem inquisiverim. Reliqua quae in Aula 
hac hebdomada evenerunt, cum intelligam a Domino Motmanno 
ad Celsitudinem Vestram missa, nolo ego fusior esse. 

Misi ante octiduum Catalogum P. P. Congregationis nostrae, 
non tamen expressi, ex qua quisque familia aut stirpe sit Es 
laufe das Römisch Collegium voll der Ducht, Marchesi, 
Conti etc., ita ut in unico illo Collegio plures sint ex Societate 
e magnis familiis oriundi, quam in tota nosträ Germania. Der 
Teutsch Adel vrill nicht anbeissen^ sicut Itali, Hispani, Galli etc. 

P. Casimirus habitat in Novitiatu ad S. Andream: et licet 



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Briefe d. Jesuitenp. Biber an d. Churf. Anselm Casimir v. Mainz. 167 

biennium probationis pridem absolverit, nondura tarnen ad vota 
emittenda, prohibente Rege Poloniae, admissus fuit.^) 

Deum obsecro ut Celsitudinem Vestram Erainentissiraara ab 
Omnibus mentis et corporis hostibus incoluraera diutissime so- 
spitare velit, Cujus Electorali gratiae me submississime com- 
mendo. Romae pridie S. Casirairi Celsitudinis Vestrae Patroni, 
anno 1646. 

F. S. 

Si Congregationi nostrae Dominica Palraarum finem iraposi- 
turi siraus, uti proposuimus, raox a Faschate ad iter nos pro- 
cingeraus. 

m. Antwort auf Nr. 14. 1646 Februar 15. 

Der Churfürst habe die Nachricht empfangen, dass der Car- 
dinal Chigi bereits den angekündigten Auftrag in der Wormser 
Angelegenheit erhalten habe. Er habe deshalb seinen Gesandten 
in Münster die nöthigen Instructionen geschickt zur Information 
des Legaten. 

Anlangend den in Rom verstorbenen Vicar bei St. Alban, 
Johannes Katteman, habe Biber zii berichten, ob das frei ge- 
wordene Beneficium vom Papste oder vom Churfürsten vergeben 
werden solle. 

In der Anlage wird das begehrte Empfehlungsschreiben für 
die Seligsprechung des Paters Cardim übersandt. 

n. Antwort aui Nr. 15. 1646 Februar 23. 

Der Churfürst habe „nit ohne sonderbares Befremden ver- 
norammen , dass der Graf Trauttmansdorflf zu Rom in gar 
schlechtem Credito sich befinden solle, da doch bis daher weder 
den Frotestirenden oder auch den Schweden in praejudicium 
Religionis Catholicae geringstens nichts versprochen, weniger 
wirklich eingeräumt oder übergeben worden, sondern noch zur 



*) Es handelte sich eben um den Bruder des Königs Ladislaus, und 
dieser erhob Einspruch, weil die Thronfolge nicht gesichert war. Der 
Prinz wird 1647 Cardinal, verzichtet aber im folgenden Jahre auf diese 
Würde, um als Johannes IL Casimir den polnischen Königsthron zu be- 
steigen und die Witwe seines Bruders zu heirathen. Nach zwanzigjähriger 
Regierung dankt er ab, um in den geistlichen Stand zurückzukehren. Er 
stirbt 1672 als Abt des Klosters St. Germain des Pros. 



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168 Dr. Georg Hansen: 

Zeit Alles in puris terminis tractatuum bestehen thut. Und die- 
weil wir auch neben anderem aus Deinem Schreiben so viel ab- 
nehmen, dass propter exhaustum aerarium Pontificium von ihrer 
Päpstlicheu Heiligkeit man hierauss im Römischen Reich zu 
Continuation des Kriegs kein Geldassistenz zu gewarten hat, 
als besorgen wir mehr dann zu viel, man werde, damit nit Alles 
im Römischen Reich uf einmal in malora gehen möchte, in einen 
sauren Apfel beissen und zu Erhaltung der noch übrigen Stifter 
und geistlichen Güter dem Gegentheil etwas einwilligen müssen/* 
„So viel sonsten den bewussten Augustinum belangt, zweifeln 
wir nit. Du seither von andern Orten her vernommen haben 
werdest, was wegen starken Verdachts sowohl gegen dessen 
Person als auch den Octavianum ohnlängst vorgenommen 
worden." *) 

20. Rom, 1646 März 18. 

Quominus ad datas a Celsitudine Vestra 15. Febr. ante 
octiduum responsorias meas reponerem impedivit catarrhus per- 
gravis, qui me in lectum ita abjecerat, ut Medicus vitae meae 
metueret, ratus eum catarrhum esse suffocativum, qui in Urbe 
complures infestat, ob pluviam humidamque ac nebulosam hiemem, 
qualem a 20 annis fuisse negant incolae. 

Sequenti hebdomada migrabit hinc Episcopus Viennensis: 
et nos mox a Paschate. 

Dominus Motmannus, cui interea commendaveram negotium 
Praepositurae Halberstadianae retulit superiore septimana Celsi- 
tudini Vestrae sui animi sensum, censetque Resignationem fore 
et faciliorem et minorum sumptuum quam Ooadjutoriam. Est 
penes Celsitudinem Vestram eligere utrum maluerit et de eo 
suam mentem ad eundem Motmannum perscribere, cum ego hinc 
emigraturus sim priusquam Prancofurto responsum adferri queat. 

Cum Dominus Joannes Catteman aliud praeter Vicariara 



*) Auch Joannes: Rerum Moguntiacarura Tomus I, pag. 957 erwähnt 
dieses in Dunkel gehüllte Verbrechen. Die beiden Italiener sollten mit 
dem Plane umgegangen sein, den Churfürsten zu vergiften. Da dieser 
Brief die Antwort auf Nr. 15 ist, so darf man wohl annehmen, dass der 
eine der beiden Attentäter trotz des nicht gerade italienisch klingenden 
Familiennamens identisch ist mit dem in der Anmerkung Seite 158 ge- 
nannten Augustinus Mayer. 



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Briefe d. Jesuitenp. Biber an d. Cburf. Anselm Casimir v. Mainz. 169 

S. Albani non habuerit beneficium, nemo est, qur earn hie ambiat, 
poteritque a Celsitudine Vestra conferri cui voluerit. 

Cum hucusque scribendo pervenissem, accepi datas a Celsi- 
tudine Vestra 23. Febr. quas praevio osculo venerabundus perlegi, 
„Obstupui (scilicet) steteruntque comae et vox faucibus haesit/ 

Itane vero Itali illi? ingratissimae in summum Benefactorem 
suum belluae ! Optassem saltem a Patre Rectore Aschaffenburgensi 
ad me perscriptam unicam causam in specie. Nimis enim 
generice et involute loquitur nee circumstantiam exprimit uUam, 
ut proinde non possira interrogantibus ad quaesila respondere. 
Ego tanto ferventiore conatu Regem Caelorum obsecro obtestorque, 
ut Angelis suis mandet de Celsitudine Vestra ut custodiant Eam 
in Omnibus viis suis protegantque a negotio perambulante in 
tenebris, ab incursu et daeraonio meridiano, id est ab Italo 
Assassino, qui a meridie venit. Cum quo voto me Celsitudinis 
Vestrae Electorali gratiae submississime commendo. 

P. S. 

Qui intercessionales ad Suam Sanctitatem pro P. Joanne 
Cardim beatificando concepit, (reor fuisse P. Rectorem Aschaffen- 
burgensem) erravit in una circumstantia, quando scripsit, P. 
Joannem Cardim in Japonia vixisse. Error est: nunquam in 
Japonia fuit, sed in Lusitania vixit et obiit. 

Rogat proinde humillime P. Antonius Francisous Cardim, 
ut dignetur Celsitudo Vestra mandare, ut epistola ad Summum 
Pontificem denuo exscribatur, et, correcto illo errore, aliud 
Exemplar huc destinetur ad R. P. Philippum Alegambe Socie- 
tatis nostrae Sacerdotem, qui in mea absentia Suae Sanctitati 
traditurus est. 

O. Antwort auf Nr. 16. 1646 März 2. 

Der Churfürst nimmt wieder die Politik des Grafen Trautt- 
raansdorff in Schutz, da den Unkatholischen an geistlichen Gütern 
bisher nichts bewilligt, viel weniger eingeräumt sei. „Inmitlelst 
aber möchten wir gleich wol von Dir gern vernehmen, dafern 
man in der Güte, oder auch durch zulässige Mittel und Wege 
sich mit dem Gegentheil je nit vergleichen könnte, wessen als- 
dann uf solchen Fall der Päpstlichen Heiligkeit Assistenz halber 
man sich zu versehen haben möchte." 

„In causa der vacirenden Priesterpräbende zu Mamz wollest 



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170 Dr. Georg Hausen: 

Du vor allen Dingen dahin sehen, damit ein Oberländisch quali- 
ficirtes Subjectura zur Hand gebracht werden möchte/' 

Die Wormser Angelegenheit scheint in Münster guten Ver- 
lauf zu nehmen. 

21- Rom, 1646 März 24. 

Reverenti osculo excepi quas Celsitudo Vestra Eminentissiraa 
2. Martii ad me destinare dignata fuit. In quibus dum Celsitudo 
Vestra Comitem Trautmansdorfium a crimine Praecipitantiae 
purgat, quippe qüi nihil in hanc diem Acatholicis reipsa con- 
cesserit, sed tantum in puris tractatuum terminis haereat, mihi 
quidem gratissimum lectu fuit, et facile credo rem ita se habere, 
sunt tarnen nonnuUi, qui vix sibi persuadent Comitem illum esse 
innocentem; ajunt enim, Eum jam consensisse ut Archiepiscopus 
Magdeburgensis in integrum restituatur ad Sessiones Imperiales 
et caetera jura, praesertim in Camera Imperiali admittatur; prae- 
terea, ut Reservatum Ecclesiasticorum, famosum illud Eridis 
pomum, tollatur, et similia alia, quae dicunt esse Trautmans- 
dorfianae prodigalitatis argumenta, ac proinde laudandum esse 
Serenissimum Electorem Coloniensem, qui Dominum Comitem 
moneri curaverit, ne se in Ecclesiasticorum proprias causas 
ingerat etc. Quae dum ego audio, aliud quod respondeam non 
habeo, quam nescire me, imo non credere. Tum illi, ex extracto 
Protocolli Monasteriensis et Osnabrugensis id constare. 

Quod vero Celsitudo Vestra a me inteUigere desiderat, quid 
auxihi Sacri Romani Imperii Principes Orthodoxi a Sua Sanctitate 
sperare possint, respondent mihi, nihil opis, subsidii nihil; cum 
vel solus Turcici belli metus omnes cogitationes omnesque mili- 
tares ac pecuniarias suppetias non Pontificis modo verum et 
totius Itahae requirat, ac ne sie quidem formidando illi hosti sit 
resistendo Orbis Christianus, in tot bella intestina dissectus. 
Extraordinarius Orator Venetus acriter soUicitat Suam Sancti- 
tatem, ut in gratiam Regis Galliarum Barberinorum processum 
sistat toUatque penitus: ne novo hello Italiam infestet. 

Caeterura, nuUus est in Collegio üermanico Nobilis Alunmus, 
qui ad Praebendam Sacerdotalem Metropolis Moguntinae idoneus 
sit, de quo ante mensem ad Celsitudinem Vestram perscripsi. 

Nunc sensim ad metam Congregationis nostrae decurrimus 
post quartum scilicet exactum mensem: neque id mirum videri 



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Briefe d. Jesuitenp. Biber an d. Churf. Anselm Casimir v. Mainz. 171 

debet, cum iirtra annos triginta, ab anno 1616, Generalem Con- 
ventum non habuerimus. 

Hodierno vespere adveniet Admirans Castellae,*) Ex-Prorex 
Neapolitanus, Summo Pontifici obedientiam Regis sui nomine 
praestiturus : in Palatio Cardinaiis Columnao regio splendore 
excipiendus. Qui Cardinalis utcunque apprehendit res Germaniae, 
vitio verti non posse, dictitans, si Caesar cum Principibus Catho- 
licis Episcopatus iilos Septentrionales , quos olirn invaserant, 
Protestantibus reliquerit, eo fine, ut qui hodie possidentur a 
Catholicis, salvi iisdera maneant, ne simul et hos amittant et illos 
non recuperent. Bonus JESUS Celsitudinem Vestram caelesti 
benedictione impleat et temporali pace florentem in Nestoris 
usque aevum tueatur : Cujus Eiectorali gratiae me demississirae 
coramendo. 

p. Antwort auf Nr. 17. 1646 März 9. 

Der Churfürst habe aus Bibers Schreiben entnommen, dass 
vom Papste keinerlei Hülfe an Geld oder Volk zu erwarten sei. 
Da sei man genöthigt mit dem Feinde Frieden zu schliessen, 
denn es sei immer besser Etwas in die Schanze zu st^hlagen 
und aus der Hand zu geben, als Alles auf ein Mal zu verlieren. 
Aus Münster und Osnabrück komme die Nachricht, dass man 
dort jetzt in völliger Arbeit begriffen sei. So dürfe man denn 
in Kurzem den Abschluss eines allgemeinen erbaren und reputir- 
lichen Friedens erwarten. 

Da Dr. Hochstein geringe Lust zeige, nach Mainz zurück- 
zukehren, so habe Biber es dabei bewenden zu lassen und nicht 
weiter in ihn zu dringen, da derselbe daraus einen Grund ent- 
nehmen könnte, grosse Ansprüche zu machen, die jetziger Zeit 
nicht wohl in's Werk zu richten seien. 

22. Rom, 1646 März 31. 

Quibus me nona die Martii honorare Eminentissima Celsitudo 
Vestra dignata fuit, ante duas horas reverenti osculo veneratus 
accepi, quae cum denuntient, tandem aliquando serio laborari 
in sanciendae pacis negotio, multorum animis gaudium ac solatia 

*) Der mit grossem Pomp auftretende ausserordentliche spanische 
Greeandte Henriquez de Cabrera, Herzog von Medina del Rio Secco, führte 
den erblichen Tit^l Almirante di Castilia. 



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172 Dr. Georg Hansen: 

daturae sunt, qui haotenus pene desperaverant de felici rei 
eventu, praesertim cum diflficulter sibi p^rsuadeant sincere agere 
Adversarios. 

Gerte Sua San ctitas dixit mihi, se dolere, non potuisse hac- 
tenus induci Ministros Galileos ad tarn expectatae, totque flebi- 
libus votis desideratae Principura Christianorum concordiae seriös 
atque efficaces tractatus. Cupere se, ajebat, Celsitudinem Vestram 
in Omnibus juvare. Scripturam se ad Nuntium Monasteriensem, 
ut apud Plenipotentiarios Gallicos sollicitet abductionem praesidii 
militaris e Metropoli atque Archiepiscopatu Moguntino et Celsi- 
tudinis Vestrae restitutionem. 

Quin et idem volle se Nuntio Parisiensi raandare. 

Laudabat Sanctissimus Celsitudinis Vestrae constantiam ac 
fidelitatem et zelum Catholicae Religionis. Cumque Eidem 
referrem, fuisse duos Latrones qui in Celsitudinem Vestram 
veneno necandam conspirassent, non potui tarnen respondere, 
quorum jussu execrabilis ille Assassinatus perpetrari debuerit, 
cum id me lateat. Ingerauit ad haec Summus, et solatii loco 
excurrit, uti dicebam, in Celsitudinis Vestrae laudes et prolixe 
operam suam ubi posset obtulit. 

Erit nunc penes Celsitudinem Vestram an placeat deliberare, 
num expediat, suos Monasterii Legates ea de re instruere, ut 
cum Domino Chisio istic tractent, num ejusmodi mandatum ad 
se perlatum fuerit. 

Dr. Hochstein negat consultum esse ut nunc Moguntiam se 
conferat, tum quod absente Celsitudine Vestra nolit istic in tanta 
rerum perturbatione habitare, tum quod media sustentandae 
vitae sibi nequaquam suppetant; se quidem omnia sua Celsi- 
tudini Vestrae pronissime offerre et re ipsa praestiturum omne 
obsequii genus, at non nisi cum, Marte depulso, aureis Fax alraa 
quadrigis revecta in Germaniam fuerit. Neque ego e.ura porro 
urgere pergam : maneat Roraae quam diu voluerit; ego Urbis 
hujus satur caelo tam humido diutius morari nolo. 

Non nego, innumeros esse qui Romam Paradisum terrestrem 
esse auturaent, dum Templa, Palatia, Hortos, Statuas, Picturas, 
quibus reliquus orbis nihil simile habeat, inspiciunt: Hoc ego 
Paradiso aliis relicto meum post hanc vitam in Caelo empyreo 
expectabo, pauculos qui supersunt vitae meae dies in purgatorio 
Germaniae, ad Divinae Majestatis obsequium, exacturus. JESU 



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Briefe d. Jesuitenp. Biber an d. Churf. Anselm Casimir v. Mainz. 173 

Domino Nostro supplico, ut Celsitudinem Vestram Eminentis- 
simam ad Divinae gloriae augmentum, Sacri Romani Imperii atque 
Archidioecesis Suae conservationern potenter protegat et non 
tradat Eam in aniraam inimicorum Ejus; Cujus Electorali gratiae 
me humillirae commendo. 

aS. Rom, 1646 April 7. 

Scripseram semel atque iterum videri nos raox a Paschale 
hinc discessuros, prout negotiorum tractandorum numerus id fieri 
posse persuadebat. Attamen cum interea alia supervenerint, 
praesertim a Patribus cum Occidentaiis tum Orientalis Indiae 
proposita, diflferri conclusionem Congregationis oportuit usque 
ad 14. hujus Mensis, quo finis imponendus erit. 

Erunt hae proinde penultimae meae, quibus vix occurrit, 
quod ad Celsitudinem Vestram Eminentissimam digne perscribi 
queat. Repeto, quod alias apud Celsitudinem Vestram ante duos 
raenses monui, eum qui Domini Caramuelis causam tractat nun- 
quam apud me fuisse ex quo ante quinque menses me aliocutus 
fuit, licet decies amplius in eum inquisierim. Cur id fiat me 
quidem latet: tametsi perlibenter illi gratificatus fuissem; ut adeo 
extra culpam ego sim. 

Cardinalis Pancirolo dicitur revalescere e morbo, qui initio 
putabatur letalis: non exiguam in ejus morte jacturam tulisset 
Rex Catholicus, quippe qui ejus studeat partibus. 

Cardinalis d'Este Protectoris Franciae partes agere coepit, 
numeroso famulitio stipatus per Urbem incedit, nummis gallicis 
instructus. Eum Orator Hispanus, (Almirante di Castiglia) con- 
fundere parat, si contigerit illi in plateis occurrere; imo tribus 
vicibus eum confudit, lacerata fenestra, alia fenestra atramento 
tincta, et cum alios omnes Cardinales ad equitatum invitasset, 
eum praeteriit. 

Interea quidam e nostris Patribus Constantinopoli huc per- 
venit, miros belli contra Venetos gerendi apparatus inibi fieri 
dictitans. Quae tametsi vera putentur, decrevit nihilominus 
Sanctissimus Dominus Noster naves suas bellicas contra Tyran- 
num illum Venetis dare, quantascunque minas spargant Galli 
de invadenda Italia et Magno Hetruriae Duce oppugnando. 

DEUM precor ut Celsitudinem Vestram integra incolumem 



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1 74 Hr. Georg Hansen : 

valetudine tueatur et ut hostium sublata formidine coinplures 
in annos sospitet Divina protectione tranquillos. 

q. Antwort auf Nr. 18 und 19. 1646 März 23. 

Der Churfürst dankt für die Uebersendang des Katalogs der 
Jesuitencongregation. Er habe von demselben mehrere Copien 
anfertigen und dieselben an verschiedene Orte verschicken lassen. 

Dass die Angelegenheit des Abtes Caramuel so langsam 
gehe, sei bedauerlich. Derselbe sei noch nicht zurückgekehrt, 
sondern er solle sich noch in München aufhallen. Dort werde 
ihn Biber auf der Rückreise wol treffen und könne ihm dann 
die nöthigen Mittheilungen machen. 

Von den Friedensverhandlungen sei zwar noch nichts 
Sicheres zu melden, man stehe aber in der Hoffnung, dass die- 
selben bald zum Abschluss gelangen würden, da das Friedens- 
bedürfniss auf allen Seiten ein grosses sei. 

Die Wormser Angelegenheit hafte noch bei dem Cardinal 
Chigi. 

„So viel die von Ihrer Päpstlichen Heiligkeit gefasste Reso- 
lution zu unverhoffter Ankunft der F^ranzosen und Türken nach 
Rom betrifft, lässt sich solche zwar wohl hören, ob aber dieselbe 
wegen besorgenden grösseren Uel)els, so darob der ganzen 
Christenheit entstehen könnte, auf begebenden Fall zu practiciren 
und werkstellig zu machen sein möchte, solches bleibt unsers 
gnädigsten Ermessens billig an seinen Ort gestellt.*' 

r. Antwort auf Nr. 20 und 21. 1646 April 13. 

Für die vakante Vikarie des verstorbenen Katteman habe 
sich noch Niemand gemeldet. Handelte es sich um ein Canonicat 
bei St. Victor oder St. Peter, so würden sich schon unterschied- 
liche Bewerber eingefunden haben. 

Das Empfehlungsschreiben für die Seligsprechung des P. 
Cardim wird abgeändert nach Rom geschickt werden. 

Was die Friedensverhandlungen betreffe, so sei man in Rom 
sehr ungleich berichtet und dem Grafen Trauttmansdorff würden 
mit Unrecht Vorwürfe gemacht. Wegen des geistlichen Vor- 
behalts werde den Uncatholischen nicht das Geringste nach- 
gegeben und über die Abtretung der Stifter Bremen und Verden 
an Schweden sei noch kein endgültiger Beschluss gefasst. „Und 
hast Du bei Dir selbsten unschwer abzunehmen und zu ermessen, 



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Briefe d. Jesuitenp. Biber an d. Churf. Anselm Casimir v. Mainz. 176 

dafem weder die Päpstliche Heiligkeit noch andere catholische 
Potentaten Ihrer kaiserlichen Majestät assistiren, dass deroselben 
alsdann propter jam a tot annis continuatum bellum viel zu 
schwer fallen würde, den Kriegslast länger vor sich allein zu 
ertragen und nothwendig ex duobus malis endlich quod minus 
est eligirt werden müsse.** 

Wegen der beiden Italiener werde Biber bei seiner Rück- 
kehr das Nähere erfahren. 

S. Antwort auf Nr. 22. 1646 April 20. 

Der Churfürst habe mit grosser Freude vernommen, dass 
der Papst sich für die Befreiung seines Erzstifts verwenden 
wolle. Er werde seine Gesandten in Münster beauftragen, sich 
bei dem Cardinal Chigi zu erkundigen, ob er schon die nöthigen 
Befehle erhalten habe. Uebrigens hätten die Gesandten auf das 
Bestimmteste in Aussicht gestellt, dass noch vor Pfingsten der 
Friede zu Stande kommen werde. Unter welchen Bedingungen, 
sei noch nicht bekannt. Doch sei zu besorgen, dass die beiden 
fremden Kronen Frankreich und Schweden das Römische Reich 
sine satisfactione zu quittiren nicht wol zu vermögen sein würden. 

Auf der Rückreise könne Biber ja von München den Abt 
Caramuel als Reisegefährten nach Frankfurt mitnehmen, auch 
möge er bei dem Churfürsten Maximilian und der Erzherzogin 
Claudia die gewöhnlichen Curialien verrichten. 

t. Antwort auf Nr. 23. 1646 April 26. 

Der Churfürst freut sich, dass die Verhandlungen des Kon- 
vents in Rom jetzt zu Ende gehen und wünscht Biber eine 
glückliche Heimreise. Im Uebrigen gibt er wieder der bestimmten 
Erwartung Ausdruck, dass Deutschland in allernächster Zeit 
den edlen, lieben Frieden erlangen werde. 

a. 1646 Mai 10. 

Das letzte (nicht mehr vorhandene) Schreiben Bibers, das 
er am 17. April kurz vor seiner Abreise aus Rom geschickt, 
sei angekommen. Der Churfürst hofft, Biber werde bei dem 
jetzigen guten Wetter ein glückliche Reise haben und sich nicht 
lange unterwegs aufhalten, sodass er sich bald über seine Ver- 
richtungen mit ihm mündlich werde unterhalten können. 



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V. Die Passio s. Ploriani und die mit ihr 
zusammenhängenden Urkundenßilschungen. 

Von 
Julius Strnadt, k. k. Oberlandesgerichtsrath in Kremsmünster. 

Dem Andenken meiner aufopfernden, vorständniss vollen Gattin Antonie 

geweiht. 

Zweiter (polemischer) Theil. 

Entgegnung auf den Widerspruch Dr. Bernhard S«pp's in der 
Augsburger Postzeit ung. 



I. Characteristik der Receusion. 

Habent sua fata libellil Mein kritischer Aufsatz über die 
Legende und deren Gefolge von Fälschungen, welcher im 
VIII. Bande N. F. dieser Zeitschrift veröffentlicht wurde, hat 
seine eigenartige Vorgeschichte gehabt, welche ich den Lesern 
nicht vorenthalten darf, wenn sie anders in der Lage sein sollen 
sich zu erklären, weshalb ich in den nachstehenden Erörterungen 
allgemeiner bekannte Thatsachen ausdrücklich zur Geltung 
bringe und manche Partie mit grösserer Ausführlichkeit behandle, 
als unter gewöhnlichen Umständen nothwendig schiene. 

Der dritte Band der Scriptores rerum Merovingicarum in 
der Bearbeitung von Dr. Bruno Krusch war im Laufe des 
Jahres 1896 zur Ausgabe gekommen. Derselbe enthält die 
Leidens- und Lebensbeschreibungen von Heiligen, hauptsächhch 
aus dem merovingischen Zeitalter, 39 an der Zahl, von welchen 
nur vier der Quellenkritik stand hielten; „alle übrigen Texte 
wurden unecht befunden, sind mehr oder weniger fabelhaften 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 177 

Charakters und daher historisch unbrauchbar oder verdächtig." 
Selbstverständhch hat dieses Ergebniss schon ira Allgemeinen 
raich in hohem Grade interessirt, in besonderem Masse aber der 
von Krusch geführte Nachweis der Unechtheit der passio s. 
Floriani, welcher bis auf die von Wattenbach erhobenen Be- 
denken profane und Kirchen-Historiker ein bis gegen die Römer- 
zeit hinaufreichendes Alter zuzuschreiben und die Eigenschaft 
einer lauteren Geschichtsquelle zuzuerkennen gewohnt waren. 
Nun änderte sich die Sachlage. Mit dem Nachweise ihrer späten 
Erdichtung entfiel eine Vorstellung, welche bisher das ernsthche 
Hinderniss gebildet hatte, in urkundlichen Angaben, welche 
gegen unzweifelhafte Thatsachen und Verhältnisse verstiessen, 
Fälschungen zu erkennen. So hatte ich selbst in meiner „Geburt 
des Landes ob der Ens" (1886) über die Passauer Urkunde vom 
18. Jänner 901 mit einer vorsichtigen Wendung hinweggehen 
müssen, obwohl meine Ueberzeugung von ihrer Unechtheit in 
der überlieferten Form feststand. Nun ergab mir endlich eine 
l^urchsicht der bezüglichen Urkundengruppen die Behelfe, auch 
diese die Geschichtsdarstellung Bayerns und Oesterreichs be- 
"'i'enden erratischen Blöcke verschwinden zu machen. 

Inzwischen erschien am 1. August 1897 im Literaturblatte 
^^ Wiener Leo-Gesellschaft aus der Feder eines katholischen 
''l^^ipAenhistorikers Deutschlands, einer anerkannten Auctorität 
dem Gebiete zumal der griechischen Hagiologie eine Be- 
^^^lixing, welche der Arbeit von Krusch die höchste An- 
g,.^ennung gezollt hat. Als gebürtiger Oberösterreicher, welcher 
seit 45 Jahren das Feld der deutschen Rechtsgeschichte und 
seines engeren Heimatlandes bebaut und manch^ erfreuliche Zu- 
stimmung der Fachwelt gefunden hat, erachtete ich nlich nicht 
Ä/r vin berufen, die Ausführungen von Krusch auch den weiteren 
^reisen der Geschichtsfreunde zu vermitteln; denn Geschichts- 
iügen , von wem immer sie in Umlauf gebracht worden sein 
roögen, zu widerlegen und die verschleierte historische Wahrheit 
dem TagesHchte wiederzugeben, ist die natürliche Pflicht jedes 
öbjectiven Forschers, welche verschiedene literarische Vereinig- 
ungen als einen Hauptzweck ihrer Thätigkeit erklärt und als 
evnen Hauptpunkt in ihr Programm aufgenommen haben, wie die 
Y^nres-Gesellschaft im deutschen Reiche und die Leo-Gesellschaft 
in Oesterreich. 

•'V'cshivÄlisoho Zeitaohrift. Noue Folge IX. 12 



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178 Julius Strnadt: 

Mein Aufsatz vom 18. August 1897 wurde von der Beilage 
No. 202 der Münchner Allgemeinen Zeitung am 9. September 1897 
gebracht; er enthielt in referirender Form eine kürze lieber- 
sieht der Untersuchungen Krusch's, die wörtliche Anführung 
der Aeusserungen Glück's („Die Bisthümer Noricums**) und des 
obengenannten Kirchen historikers und schloss mit folgendem 
Satze: „Die deutschen Geschichtsforscher werden aus dem Un- 
echtheitsbefund , ohne besorgen zu müssen, den Schein von 
Hyperkritik auf sich zu laden, noch weitergehende Polgerungen 
zu ziehen haben; aber erst nach Jahren wird es gelingen, die 
österreichische, im besonderen die oberösterreichische Geschichte 
von dem SchHnggewächs, das auf dem Boden der Legende auf- 
geschossen ist, vollständig zu befreien. Denn lieb gewonnene 
Anschauungen lassen sich nur schwer und unter lebhaftem 
Widerspruch mit der Wurzel ausrotten.^ 

Obwohl der nur vier Spalten umfassende Aufsatz sich streng 
innerhalb der Grenzen einer Hterarischen Anzeige hielt und jede 
polemische Spitze vermied, fand sich schon am 28. September 1897 
ein Professor der Theologie veranlasst, in einem Tagblatte, der 
„Salzburger Chronik" , Organ des Erzbischofs von Salzburg 
(Nummer 219)3^ die rein fachliche Präge auf persönliches Gebiet 
zu spielen und an mich die hämische Präge zu richten: „Oder 
soll gar das Stift S. Plorian, das weit über ein Jahrtausend 
besteht, sofort das Existenzrecht verloren haben, weil Herr 
Strnadt an den Akten, die über das Martyrium des heiligen 
Plorian handeln, etwas auszusetzen gefunden hat ?" Gleichzeitig 
mit dieser Salzburger Emanation (in der Beilage No. 59 zur 
Augsburger Postzeitung vom 9. Oktober 1897) veröffentlichte 
Lyceal-Professor Dr. Bernhard Sepp als Champion der Plorians- 
legende eine Erwiderung, in welcher er dem Dr. Krusch Ver- 
drehung, mir aber Mangel an Akribie vorwarf und folgende 
Auslassung den Eingang bildete: »Dies also ist das neueste 
Resultat moderner Legendenkritik, dass die Passion des heiligen 
Plorian, welche selbst ein Rettberg noch für echt hielt, eine 
Pälschung ist. Bruno Krusch in Hannover hat es bewiesen, 
Professor A. Ehrhard in Würzburg bestätigt und Landesgerichts- 
rath J. Strnadt in Kremsmünster urbi et orbi verkündet. Damit 
ist diese Passion begraben — wenigstens für die Leser der 
Münchener Allgemeinen Zeitung. Requiescat in pace." 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 179 

Auch ein zweites Tagblatt, das „Linzer Volksblatt", Organ 
des Bischofs von Linz, meinte nicht unterlassen zu dürfen in 
dieser Sache zu reagiren, indem es seinen Lesern den in meiner 
Abhandlung S. 18 ^) angeführten Fund einer Votiv-Ara des primus 
pilus M. Aurelius Coccejus Florianus (die Gelehrten der Volks- 
blatt-Nummer 88 vom 19. April 1898 machten daraus eine Votiv- 
„Urne^ und einen Aurelius „Corregus" Florianus) mittheilte und 
daran den mit gesperrten Lettern gedruckten Schluss knüpfte, 
„dass durch diesen Fund der unumstössliche Beweis erbracht 
sei, dass der Name Florianus kein legendarisch erfundener oder 
angedichteter sei, sondern in den römischen Legionen und speziell 
in der zehnten bekannt war, deren Gehörten auch in Getium 
stationirt waren." 

Da Dr. Krusch es vorzog, mit dem Haupte der Legenden- 
schule P. Louis Duchesne in die Polemik einzutreten — welche 
sich zur eingehenden Erörterung über die Entstehung des Mar- 
tyrologium Hieronym. und seiner Handschriften erweiterte und 
in der Hauptsache als geschlossen erachtet werden kann — 
statt seine Zeit in unfruchtbarem Streite mit Dr. Sepp zu ver- 
lieren : so fiel mir die Aufgabe zu, die Einwürfe Dr. Sepps zu 
beantworten, was ich, soweit die Handschriften des Martyrologs 
in Betracht kamen, mit dem mir von Krusch zu beliebigem 
Gebrauche zu Gebote gestellten Materiale in Beilage No. 53 der 
Münchner Allgemeinen Zeitung vom 7. März 1898 ausgeführt, 
hierbei aber das geistige Eigenthum Krusch's genau von dem 
meinen geschieden habe *), was ich den immer aufs Neue sich 
wiederholenden Verdächtigungen Dr. Sepps gegenüber aus- 
drücklich hervorzuheben genöthigt bin. 

Ich habe mich mit dieser Erwiderung nicht begnügt, sondern 
den Beweis angetreten, dass die beglaubigten Thatsachen die 
Entdeckung Dr. Kruschs bestätigen, dass dagegen jene Ur- 
kunden, welche von der Legendenschule für das hohe Alter des 



*) Nunmehr auch erwähnt im Berichte der k. k. Centralkommission 
zur Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale in Wien über ihre 
Thätigkeit im J. 1898, Wien 1899 S. 102. 

*) Seite 5 erste Spalte sagte ich: „Ich wende mich nun mit den von 
Herrn Dr. Krusch mir zu Gebote gestellten Argumenten, welchen icli 
einiges hinzuzufügen mir erlaubt habe, wider die P^inwendungen Herrn 
Sepps wider den Handschriftenbefund." 

12* 



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180 Julius Strnadt: 

Cultus des hl. Florian ins Treffen geführt werden, nur aus der 
Legende abgeleitete Fälschungen und Vermuthungen seien. 

Die Ergebnisse meiner Untersuchungen hat Herr Dr. Bern- 
hard Sepp in dem Aufsatze „Zur Florianslegende" in den Bei- 
lagen No. 68 bis 73 (11. November bis 6. Dezember 1899) der 
Augsburger Postzeitung fast durchwegs bestritten, in einem Tone 
voll Selbstüberhebung und weitestgehender Missac.htung des sach- 
lichen Gegners, welcher neuerUch zeigte, dass eine ruhige Dis- 
kussion mit Dr. Sepp nicht zu führen ist. Wäre ich Fachmann 
ex professo und könnte ich wie Krusch auf auctoritatives An- 
sehen Anspruch erheben, so würde ich gerne dem Rathe Fr. 
Hülskamps folgen, welcher in der Besprechung von K. Muths 
„die Hterarischen Aufgaben der deutschen Katholiken" erklärte'): 
„Es sollte uns nicht wundern, wenn der also Beleidigte es unter 
seiner Würde halten würde, seinem Gegner noch ein zweites 
Wort zu gönnen." 

Allein mein Recensent würde, wie er es Krusch gegenüber 
schon gethan, in jenen Kreisen, welche auf sein Wort etwas 
geben und jedem zur Rettung alter Sagen unternommenen Ver- 
suche zustimmen zu sollen glauben, meinem Schweigen eine 
falsche Deutung zu geben versuchen, um in der OeffenUichkeit 
den Anschein zu erwecken, als ob seine Argumente den Nagel 
auf den Kopf getroffen hätten. Anderseits glaube ich es den 
Lesern der Archivalischen Zeitschrift und allen Jenen, welchen 
die historische Wahrheit am Herzen liegt, schuldig zu sein, auf 
alle Bedenken und Einwendungen, welche irgend eine Berech- 
tigung zu haben scheinen, Rede zu stehen, ausserdem aber die 
vermisste Auskunft über die Handschrift aus Mönchsmünster 
zu geben. 

Gegenüber der Intensivität des Rettungsversuches halte ich 
es für unbedingt geboten, jene Begebenheiten und Zustände, 
welche ich als bekannt voraussetzen konnte und deshalb ent- 
weder übergangen oder nur flüchtig berührt habe, ausdrücklich 
zu erwähnen oder nach dem Masse ihrer Bedeutung eingehender 
zu behandeln und hierdurch das Bild meiner Beweisführung in 
Einzelnheiten anschaulicher zu gestalten. Wie ich mich über 
die paar Liebenswürdigkeiten, mit welchen mich der a. o. Pro- 

") Literarißcher Handweiser für die Katholiken deutscher Zunge 1899 
Sp. 158. 



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Dio Pji5»8!o s Floriani und deren Urkundenfälschungon. 181 

fessor Dr. Künstle in Freiburg i. B. in seiner Recension von 
Krusch Passiones Sano.torura Aevi Meroving. im Jahrbuciie der 
Görres-Gesellschaft (XX. 426 ff.) bedacht hat, gleichraüthig hin- 
aussetze; ebenso werde ich eingedenk des alten Sprichwortes: 
Wer schreit, hat Unrecht! die persönlichen Anwürfe und den 
Dialog, mit welchem Dr. Sepp seine Arbeit belebt hat, ignoriren. 
Gegen Eine Auslassung Sepp's aber muss ich entschieden 
Verwahrung einlegen, da er auf einem wissenschaftlichen 
Holragange zu vergifteter Waffe gereift und meine Ehre als 
Richter und Forscher antastet. Er sucht mich durch die frivole 
Behauptung, die Ausführungen auf S. 29 — 30 und die Anmerk- 
ung 40 auf S. 25 meiner Abhandlung seien nicht mein geistiges 
Eigenthum, sondern rühren von Krusch und Mommsen her,*) als 
literarischen Ausbeuter und Plagiator hinzustellen. Indem ich 
diese lose Verdächtigung als direkte Unwahrheit erkläre und 
den Herrn Lyceal-Pro fessor hiermit auffordere, den Beweis 
^«iner Unterstellung zu erbringen, kennzeichne ich in der 
^Öffentlichkeit zur Genüge seine Kampfesweise. 

Ich stelle fest, dass meine Abhandlung bereits am 21. Juni 1898 

//) den Händen der Druckerei Kastner und Lossen in München, 

fj^r zweite Bogen reichend bis Seite 32 Mitte August, die ganze 

ji hhandlung aber Ende September 1898 im Drucke vollendet 

war, während das 2. Heft des XXIV. Bandes des Neuen Archives 

{vint dem Anfange der RepHk Dr. Krusch's gegen Duchesne 

S. 289 — 337) erst im September 1898 ausgegeben wurde, wes- 

^^lt> ich ihren Inhalt nur in den Nachtrag meiner Abhandlung 

a'iJ 2. Oktober 1898 aufnehmen konnte, während das zweite Heft^ 

mit der Portsetzung der Entgegnung Dr. Krusch's (S. 533-569), 

auf d^ren Wortlaut Sepp offenbar seine unwahre Behauptung 

aufg^öt>aut hat, gar erst im April 1899 erschienen ist. Will Sepp 

seine leser glauben machen, dass es auffallend sei, wenn in 



*) Beilage No. 69 zur Augsb. Postzeitung: „Nebenbei bemerkt, darf 

ich <iio Art, wie Sie sich mit fremden Federn schmücken, nicht ungerügt 

lassoxx. Der ganze Passus auf S. 29 und 30 rührt nämlich nicht 

voa iVinen, sondern von Herrn Krusch — dessen Sprachorgan Sie 

®^^ S^^enüber geworden sind — her und in gleichdr Weise ist 

Antn e rkung 40 auf Seite 25 auf Professor Theodor Mommsen 

i\xr \ickzu führen . . . . Auf die Bemerkungen von Krusch und 

l^omtnsen erwidere ich folgendes:" 



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182 Julius Strnadt: 

dem Streite über die grössere Glaubwürdigkeit der einen oder der 
andern Handschrift zwei Forscher den günstigen Ausspruch 
Duchesne's für den codex Epternacensis ins Feld führen; dass 
es auffallend sei, weil ich aus den Prolegomina der Ausgabe 
des Martyrologs die apodiktischen Behauptungen Sepps mit den 
vorsichtigen Angaben seiner Gewährsmänner verglich, welche 
Vergleichung freilich nicht zu seinem Vortheile ausgefallen ist ? 
Glaubt er ganz allein das Martyrolog und die Bollandisten zu 
kennen ? 

Dass der Gegner Herrn Professor Mommsen für den Urheber 
der Anmerkung 40 erklärt, könnte mich mit hoher Genugthuung 
erfüllen, wäre diese Behauptung nicht in malitiöser Weise vor- 
gebracht worden. Wie ich mir Einsicht in Corssens schwer 
erreichbares Werk verschaffte, darüber vermögen die Herren 
Professoren Dr. Oswald Redlich und Dr. Adalbert Horcicka in 
Wien und Regierungsrath Dr. Hans Lambel in Prag prompte 
Auskunft zu ertheilen. Herr Professor Mommsen in Berlin aber 
wird nicht wenig erstaunt sein, von dem Vertreter der Florians- 
legende zu einem Hilfsarbeiter herabgewürdigt und in nicht zu 
billigender Weise in einen in Persönlichkeiten ausartenden Streit 
hineingezogen worden zu sein. 

Bei meiner Entgegnung nun hege ich natürhch nicht die 
vergebliche Hoffnung, Herrn Dr. Sepp von der Richtigkeit meiner 
Ansichten überzeugen zu können, da er einen dem meinen 
diametral entgegengesetzten Standpunkt einnimmt. Während 
er prinzipiell die Legenden als treue Wiedergabe von wirklichen 
Ereignissen hochhält, dagegen die „moderne Legendenkritik^ 
für destruktiv ansieht, da sie feindseliger Weise die durch Alter 
geheiligte Ueberlieferung umzustürzen sich vermisst: bin ich 
in den langen Jahren, in welchen ich historische Forschungen 
betreibe, zu der üeberzeugung gelangt, dass man am besten thue, 
der sogenannten Geschichtstradition grosses Misstrauen entgegen- 
zubringen und namentlich keine Legende als Gesohichtsquelle 
zu verwerthen, bevor sie nicht auf ihre Zuverlässigkeit die 
Feuerprobe abgelegt hat. Während also für Sepp den Ausgangs- 
punkt der Untersuchung die sogenannte Ueberlieferung bildet 
und er mit dieser die unzweifelhaften historischen That^achen 
in Uebereinstimmung zu bringen sich bemüht, befolge ich jene 
Methode, welche der Florianer Chorherr und Vicedirektor des 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 188 

k. k. Haus-, Hof- und Staatsarchives Josef Chmel (f 28/11 1858), 
,,die Seele der historischen Arbeiten der Wiener Akademie", 
schon vor einem halben Jahrhunderte ^) empfohlen hat und zu 
der ich mich ausdrücklich im Vorworte zu meiner „Geburt des 
Landes ob der Ens* bekannte : nemlich die vorurtheilslose Prüfung 
unbedenklicher Urkunden, welche in erster Linie das ge- 
schichtHche Bild herzustellen haben, unter steter Rücksicht- 
nahme auf die jeweiligen politischen und kirchlichen Zustände, 
erst in zweiter Linie die Benützung der gleichzeitigen Anna- 
listik, in allerletzter Linie aber spätere Quellen, weshalb ich' 
auch die sogenannte Tradition, wo sie mit echten Urkunden 
und festgelegten Thatsachen in Widerspruch kommt, unter allen 
Umständen preisgebe. Nach dieser Methode, welche nicht ich 
allein für die richtige halte, muss auch die Florianslegende im 
Zusammenhange mit den historischen Thatsachen und 
Verhältnissen betrachtet und darf nicht von denselben ein- 
fach losgelöst werden. 

Damit nehme ich aber nicht etwa eine radikale Stellung 
ein, ich theile nur die Ansicht hervorragender katholischer 
Kirchenhistoriker und wohl auch einer grossen Zahl der ge- 
gelehrten Bollandisten selbst. In dieser Richtung kann ich mich 
ruhig auf L. Helmling 0. S. B. in S. Josef bei Billerbeck in 
Westphalen berufen, dessen korrekte Gesinnung sicherlich nicht 
bestritten wird. Derselbe hat erst jüngst ^) in seiner (abfälligen) 
Besprechung der Prachtausgabe von P. Hergenröthers Leben 
der Heiligen erklärt: „Gewiss wollen wir die Legenden als solche 
nicht in Bausch und Bogen als einfachhin gefälscht aus der 
Welt schaffen .... Legenden aber, die durch solide, 
positive Beweise zur Genüge als solche dargethan 
sind, immer wieder aufs neue „dem gläubigen Volke" 
vorzuführen, das scheint uns in jeder Beziehung 
verfehlt.« 

Professor Sepp ist im Irrthum, wenn er annimmt, es habe 
seiner Dazwischenkunft bedurft, um die Frage über die Echtheit 
oder Unechtheit der passio zur Entscheidung zu bringen; der 



*) „Habsburgische Excurse" in den Wiener Sitzungsberichten der 
ph..hi8t. Kl. XI. 192 Note. 

«) Allg. Literaturblatt der österr. Leo-Gesellschaft No. 1 vom 1. Jänner 
1900 Spalte 6. 



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184 Julius Strnadt: 

Kampf darüber ist von den beiden massgebenden Kapazitäten : 
den) französischen Abbö Louis Duchesne S. J. in Paris und dem 
deutschen Gelehrten Dr. Bruno Krusch in Hannover allein aus- 
gefochten worden. Es ist daher vollständig ausreichend, wenn 
ich im Nachstehenden die gesicherten Ergebnisse dieser Polemik 
welche sich in dem Zeiträume von dem Beginne der Druck- 
legung meines Aufsatzes (21. Juni 1898) und dem heutigen Tage 
in den in der Anmerkung ') angeführten Zeitschriften abge- 
sponnen hat, in den Hauptumrissen darstelle und hiermit die 
Einleitung meiner Abhandlung über die mit der passio zusammen- 
hängenden Urkundenfälschungen auf den derzeitigen Stand der 
Forschung bringe. Dessenungeachtet werde ich mich keines- 
wegs der Aufgabe entziehen, Herrn Dr. Sepp dort zu antworten, 
wo es sich darum handelt, von ihm angeführte Thatsachen in 
die richtige Beleuchtung zu rücken. Im Grossen und Ganzen 
werde ich hierbei die Reihenfolge der Abtheilungen meiner Ab- 
handlung einhalten, weil auf diese Weise jedem Leser die 
Uebersicht erleichtert wird. 



') Duchesne im BuUotin critique 1897 No. 17 „Sainte Afra et le 
Martyrologe Hi^ronymien'* und No. 20, dann in den Analecta Bollandiana 
XVII. 421 ff., 431 ff. Krusch im „Neuen Archiv" XXIV. 294-337 („Zum 
Martyrol. Hieron.") und 385—559 („Zur Florianus- und Lupus-Legende), 
dann in den „Mittheilungen des Institutes für österr. Geschichtsforschung* 
XXI. 1—27 („Nochmals die Afra-Legende und das Martyr. Hieron."), wozu 
eine Fortsetzung das 2. Heft bringen wird. 



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Die Passio s. Floriani uad deren Urkundenrälsohungen. 185 



i 



IL Einleitmig. 

Ueber die Passio s. Floriani und deren Entstehung. 

Die Polemik, welche über die Afra-Legende und in deren Ver- 
folge über das sogenannte Martyrologium Hieronymianum sowie 
über die Plorians-Legende zwischen dem Leiter der ^cole de France 
und dem Bearbeiter der Heiligenlegenden aus dem Zeitalter der 
Merovinger sich entwickelte, hat zuvörderst den grossen Vor- 
theil gebracht, dass der Glaube an die Mustergiltigkeit der jüng- 
sten Ausgabe des Martyrologs, welche durch die Namen Rossi ®) 
und Duchesne gewährleistet schien, dahin geschwunden ist. 
Eine kurze Uebersicht der von Krusch im N. A. XXIV ff. auf- 
gedeckten Gebrechen habe ich im Bande VIII N. F. der Archival. 
Zeitschrift S. 110 — 112 gegeben, auf welche ich zur Vermeidung 
unnützer Wiederholungen verweise. Duchesne hat diese Kritik in 
den Analecta Bolland. XVII. 433 ff. beantwortet und eine Anzahl 
der von Krusch gerügten Mängel zugegeben. Seine Haltung in 
der Frage wegen des Gedächtnisstages des heil. Columban (f 615) 
macht keinen eines gewissenhaften Textkritikers würdigen Ein- 
druck. Zuerst bestritt er im Bulletin critique p. 326 überhaupt 
die Erwähnung der Columbanstelle im Urtexte des Martyrologs; 
als ihm dann Krusch (N. A. XIV. 314 ff.) aus dem Handschriften- 
verhältnisse und unter Heranziehung einer neuen Handschrift 
statt des verlornen Codex B den Beweis lieferte, dass zu 9. Kai. 
Dec. der Passus „depositio sancti Columbani" im Urtext that- 
sächlich gestanden sein müsse, flüchtete er sich hinter den Vor- 
wand, „er wisse nicht", weshalb er Columban in der Einleitung 

') Auch an Rossis Arbeiten , die sich zu einem grossen Theile auf 
seine farbigen Abbildungen und Nachzeichnungen in der Roma sotterranea 
und im Bolletino di archeologia cristiana stützen, ist neuestens von der 
römischen Schule selbst scharfe Kritik geübt und manches verworfen 
worden, was in der traditionellen Auslegung ein werthvoller Kanon schien. 
Vergl. Wilpert Jak. „Die Malereien der Sakramentskapellen in der 
Katakombe des heil. Kallistus" 1897 und Kraus Fr. X. „Geschichte der 
altchristliohen Kunst" 1896. 



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186 Julius Strnadt: 

zu erwähnen „vergessen habe/ Nun erst gab er zu, dass das 
Cokirabansfest im Archetypus vorkam und dass alle Handschriften 
aus einem nach dem Jahre 615 geschriebenen Exemplare 
stammen, womit er sich der Ansicht von Krusch, das Martyrolog 
sei in Luxeuil geschrieben worden, bedeutend genähert hat, 
auch darin, dass er den Ursprung des Martyrologs gleichfalls 
nach Burgund versetzt und nur an dem Orte Auxerre festhält. 
Wussten die Forscher seit langem, dass im Martyrolog häufig 
Doppelangaben vorkommen, Gedächtnisstage in unrichtige Co- 
lonnen gerathen und die Namen verstümmelt worden sind: so 
haben sie nun auch die unerfreuliche, aber wichtige Nachweisung 
erlangt, dass die in den Acta Sanctorum pubHcirte neueste Aus- 
gabe des Martyrologs keine absolute Zuverlässigkeit besitzt, dass 
die Angaben derselben solange nachzuprüfen kommen, bis eine 
neuerliche Bearbeitung einen kritisch gesichteten Text wird her- 
gestellt haben. 

Das Materiale für diese Erkenntniss hat die Legendenschule 
in ihren verschiedenen Apologien selbst zutage gefördert. 

Für die Abfassung der passio s. Floriani suchte 
Duchesne das 4. oder 5. Jahrhundert zu gewinnen. Er schloss 
sich dieses Mal der Ansicht Krusch's an und trat entschieden 
für die Abhängigkeit der Berner und der Weissenburger Hand- 
schrift von der Interpolation ein.^) Da er den Zusatz auf die 
Mutterhandschrift (Y) zurückführte und diese wieder unter 
Chlotar 11. (614 — 628) ansetzte, erreichte er auf diesem Wege 
den Anfang des 7. Jahrhundertes. Von da gelangte er mit 
einem kühnen Sprung, in welchem die Logik gar keine Rolle 
spielte, bis nahe der Römerzeit. „Es ist aber wenig wahrschein- 
lich - fährt er fort — , dass das Lorcher Heiligthum damals 
vorhanden war und sich überhaupt Christen in jenen Gegenden 
befunden haben: also muss die Passio vor die Stürme der 
Völkerwanderung zurückreichen, nemlich in das 4. oder 5. Jahr- 
hundert.** 

S o weiss Duchesne das Schweigen der Quellen in gewandter, 
freilich nichts weniger als wissenschaftlicher und noch weniger 
überzeugender Weise zu deuten. 



^) ,,ils nous doiment, plus ou moins au long, \me histoire qui dopend 
evidemment de la Passion." 



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Die Passio 8. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 187 

Krusch hat in seiner Entgegnung (N. A. XXIV. 535 flF.) 
die grosse Verwandtschaft unserer passio mit der passio s. Irenaei 
in der Handhing und selbst in der Uebereinstimmung nicht 
weniger Ausdrücke und Wendungen gezeigt, auf die gleichfalls 
als Interpolation erkennbare Geschichte von dem Priester Mon- 
tan us aus Singidunum, der in Sirmium wie Florian ergriffen 
und in den Pluss geworfen wurde und dessen Leib am 9. Meilen- 
steine wieder zum Vorschein kam, in den Lorscher Fragmenten ^®) 
hingewiesen und die Umwandlung des Berufes des Märtyrers 
aus einem Bischof in einen alten Soldaten mit dem militärischen 
Charakter von Laureacum, an welchen Ort das Martyrium an- 
geknüpft werden wollte, erklärt. Endlich hat er bei einer 
neuerlichen Nachprüfung der streitigen Stellen in der Hand- 
schrift A 1 festgestellt, dass die ursprüngliche Lesart Lavoriaco 
und nicht Laureaco ist, mit welch' letzterer Duchesne der 
schlechten und späten Handschrift A 2 und dem späten Corrector 
von AI folgt, weil das ausradirte o an allen drei Stellen 
noch deutlich erkennbar ist und erst ein Corrector des 12./ 13. Jahr- 
hunderts das Labor, des ursprünglichen Textes mit neuerer 
schwarzer Tinte in Laureac. umänderte, indem er auf das radirte b 
ein u setzte und über das radirte o den Verbindungsstrich nach 
dem r zog.^0 

Auch ein Duchesne hat mit dem ganzen Aufwände seiner 
Gelehrsamkeit, trotzdem er die verschiedensten Nebenfragen 
aufwarf, die Echtheit der passio s. Floriani nicht zu erweisen 
vermocht; denn die paläografisch feststehende Thatsache lässt 
sich nicht mehr verrücken, dass die kurze Nachricht in der 
Berner sowie die versprengten und aus Unverständnis theilweise 
verstümmelten Worte in der Weissenburger Handschrift nur 
Zusätze sind, welchen selbst die anderwärts wiederkehrende Be- 
merkung de quo gesta habentur mangelt, mögen auch einzelne 
gute Ausdrücke (wie ex principe ofücii) vom Interpolator der 
Bemer Handschrift aus einer echten Quelle hergeholt worden 
sein. Es ist daher ausgeschlossen, dass diese Angaben über den 



^^) „7. Kai. Apr. In Sirmi Montani presbyteri. [De Lingidonis cum 
Sirmium fugisset, conprehensus et missus est in fluvium, nono lapide in- 
ventum est corpus eius] et Maximae uxoris eius." 

") Vergl. den Befund Prof. Richters in der Grazer Handschrift der 
gesta s. Hrodberti auf S. 41 meiner Abhandlung. 



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188 Julius Strnadt: 

Heiligen aus dem Archetypus herstammen könnten. Duchesne, 
der bisher nur den gemeinsamen Text der Handschriften als den 
Urtext ansah und die Zusätze einzelner Handschriften für Inter- 
polationen erklärte, hat in diesem Falle um Floriani willen den 
von ihm selbst aufgestellten Canon zu durchbrechen versucht. 

Auf den Widerspruch Herrn Dr. Sepps (ich citire fortan 
den mir aus Regensburg zugekommenen Sonderabdruck: Augs- 
burg 1899, Druck von Haas und Qrabherr) bezüglich der Ent- 
stehung der passio S. 1 — 14, soweit die Einwendungen nicht 
bereits gegenstandslos geworden sind, erwidere ich folgendes: 

Der Sangallensis gehört, wie ich ohnehin auf S. 10 meiner 
Abhandlung anführte, der Recension A an und steht eine Ab- 
schrift der Collation Herrn Sopp zur Verfügung, da ich nicht 
berechtigt bin, die Varianten, welche mir auf mein Ersuchen 
im Frühjahre 1898 Herr Dr. Krusch mitgetheilt hat, vorgreifend 
der Ausgabe des IV. Bandes der Script, rer. Meroving., hier 
abdrucken zu lassen. 

Den Versuch, die ausführliche Passionsgeschichte Florians 
im Berner Codex auf den Archetypus zurückzuführen, hat Sepp 
nicht unternommen, er sucht sich nur an den bekannten Zusatz 
zu halten. Er trennt demnach diesen von der Passionsgeschichte 
im Bernensis und betrachtet beide besonders. Die Ortsangaben 
stehen in der Berner und in der Weissenburger Handschrift an 
verschiedenen Stellen und fehlen ganz in der Echternacher. 
Um nun B und W in Einklang zu bringen, stellt er in W Petri 
vor Floriani. Er übersieht jedoch dabei, dass die Stelle vor 
Petri in W bereits durch prbi. besetzt ist. Er vergisst ferner, 
dass die Worte Petri et in Nurico ripense loco Lauriaco 
genau so in B stehen, also Petri nicht von ihnen zu trennen 
ist. Diese Worte sind demnach in W eine Einschaltung und 
zwar eine Einschaltung an falscher Stelle, und die verschiedene 
Stellung in W B beweist , dass sie nicht in ihrer gemeinsamen 
Vorlage Y, wie Sepp will, gestanden sind. Ueber den Verbuch, 
sie nun auch noch in E einzuschmuggeln und so aus dem Arche- 
typus des Martyrologs herzuleiten, braucht kein Wort verloren 
zu werden. 

Herr Sepp ist (S. 9) überzeugt, „dass wir die Passio Floriani 
nicht in ihrer reinen und unverfälschten Gestalt besitzen, sondern 
nur in einer späteren Ueberarbeitung — dies geht schon aus 



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Die Passio s. Florinni und deren UrkundonfälschungeD. 189 

dem Satz (fons) usque hodie perseverat und aus den berichteten 
Heilungen am Grabe des heil. Märtyrers hervor." Mit dieser 
Ueberzeugung ist er der Beurtheilung der Legende unsererseits 
nähergekommen. Wenn er aber fortfährt: „Andrerseits hege 
ich aber nicht den geringsten Zweifel darüber, dass dem uns 
vorliegenden Texte, eine ältere, bis in die Römerzeit zurück- 
reichende Akte zu Grunde liegt, die mit den Worten : et statim 
oculi eins crepuerunt. Acta sunt haec etc. geschlossen haben", 
so ist er für diese seine weitere Ueberzeugung den Nachweis 
schuldig geblieben und ist ein solches Verfahren, die Quellen 
durch einfaches Wegstreichen der bedenklichen Teile mund- 
gerecht zu machen, unwissenschaftlich, der Willkür und dem 
eigenen frommen Wunsche entsprungen; denn belässt man die 
Florianslegende in dem überlieferten Zustande, so bleiben alle 
Bedenken gegen ihre Echtheit unwiderlegt. Weshalb Herr Sepp 
so plötzlich die älteste Gestalt der Legende einschränken und 
den Schluss von No. 8: Pluvius autem suscipiens martyrem 
Christi, sowie die No. 9 mit dem Wunder seiner Erhebung aus 
den Pluthen und seiner Bestattung durch Valeria preisgibt: 
darüber glaube ich bei Besprechung der Grabschrift der Valeria 
ausreichende Erklärung geben zu können. 

Die weiteren Ausführungen Sepps sind durch die Ergebnisse 
der Polemik zwischen Duchesne und Krusch überholt; seine 
Benutzungsweise der Quellen charakterisirt aber Anmerkung 11 
in Nummer 19 der Beilage zur Augsb. Poslzeitung vom 11. März 
1899, woselbst er sagt: „Die Art, wie Krusch das Fehlen dieses 
Namens (Droctoalds) erklärt, ist wirklich bestechend und man 
kann nicht in Abrede stellen, dass er hier sein Meisterstück ge- 
macht hat. Er sucht nämlich nachzuweisen, dass das Kalen- 
darium von Auxerre, welches der Redakteur des mart. Hieron. 
auszog, am Anfang und am Ende mangelhaft war, und dass 
das Datum des Todestages des Bischofs Gregor, welches dieser 
Ansicht zu widersprechen scheint, im mart. Hieron. falsch wieder- 
gegeben ist (XIV. K. Jan. statt XIV. K. Jun. s. gesta episcopor. 
Autissiodor. cap. XIII). Leider steht aber seiner Hypothese das 
Zeugniss des uralten Martyrologiums von Auxerre entgegen, 
wo ebenfalls der 19. Dezember als Todestag des Bischofs Gregor 
bezeichnet ist (a. a. 0. Col. 1256) und kein Schreib versehen, 
wie in den gesta (Jun. für Jan.) angenommen werden kann. 



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190 Julius Strnadt: 

Da auch hier der Todestag des Droctoaldus ausser Acht ge- 
lassen ist, so folgt, dass derselbe überhaupt nicht kirchUch be- 
gangen wurde, zumal jener Bischof nach Versicherung der gesta 
cap. 15 während seines kurzen Pontifikates nichts Erwähnens- 
werthes gethan hatte." 

Dr. Sepp hat bei dieser Auslassung seinen Meister Duchesne 
gegen sich. Dieser setzt in den Analecta BoUand. XVII. 439 
der Ansicht Krusch's von der Lückenhaftigkeit der Quelle des 
Martyrologiura Hieron. ein (wie er annimmt) ganz sicher in 
Auxerre compilirtes Martyrolog entgegen, wo ebenfalls 14. Kl. 
Jan. als Depositio des Bischofs Gregor angegeben sei. Er setzt 
es in das zehnte Jahrhundert und gibt p. 440 N. selbst die 
Belege für die späte Entstehung. Es handelt sich, wie Krusch im 
XXI. Bande der M. des J. f. ö. G. F. nachweist, um eine inter- 
polirte und überarbeitete Usuard-Handschrift ^*), in welcher ausser 
Handschriften des Martyrol. Hieron. auch spätere Auxerrer 
Quellen schon verwerthet sind. Dieses spätere Martyrolog nun 
verwandelt sich unter der geschickten Hand Sepps in eine 
„uralte" Quelle. Ueber einen ähnlichen Kunstgriff werde ich 
gelegentlich der gesta s. Hrodberti ausführlich berichten. 

In polterndem, schulmeisterndem Tone meint Sepp: „Noch 
lächerlicher ist es, wenn Strnadt mit Berufung auf den cod. 
Sangall., der statt IV. N. Mai: IV. K. Mad. bietet, das Datum 
des Todestages des heil. Florian anficht und noch obendrein 
die Zahl IV in VIII verwandelt (sie), um einen Florianus von 
Alexandrien herauszukriegen", meint, dass es auch mit dieser 
Entdeckung „wiederum nichts" sei, denn die Verwechslung der 
Nonen mit den Kaienden sei offenbar nur der Flüchtigkeit des 
Schreibers des cod. Sangall. zur Last zu legen und durchaus 
nicht ohne Analogen, zu dessen Erweise er ein solches Ver- 
sehen aus Lechners „Mittelalterliche Kirchenfeste und Kalen- 
darien in Bayern" (S. 12) heranzieht und meine Verirrung mit 
dem Ausrufe: si tacuisses! beklagt. Er ist der Ansicht, es 
bedürfe der Korrektur des Datums des Gedächtnisstages des 
heil. Florian nicht, der Kopist des Sangallensis habe k für n 

**) Dass der Mönch Usuard in .'^. Germain des Pres mit Zugrunde- 
legung der älteren von Hieronymus, Beda, Florus und Ado von Viennc 
erst um 876/877 ein neues Martyrolog zusammenstellte, das fast in jedem 
Kloster und jedor Kathedrale eigentümliche Zusätze erhielt, ist bekannt. 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 191 

gelesen und es sei „ein Rattenkönig von Albernheiten*^, wenn 
ich noch dazu die Vermuthung ausspräche, das falsche Datum 
sei im Archetypus des Martyrologs gestanden, denn „die Um- 
legung raüsste mithin schon am Ende des 4. Jahrhundertes und 
zwar im Westfrankenreiche (cui bono?) stattgefunden haben.** 

Obwohl ich in der Polemik mit Herrn Sepp mich an vieles 
gewöhnen musste, gestehe ich doch meinen Augen nicht getraut 
zu haben, wie ich vorstehende Aufstellung las; auf eine solche 
Fertigkeit, der Darstellung des Gegners einen ganz falschen 
Sinn zu unterlegen, war ich nicht gefasst. Sepp hat hier gegen 
sein besseres Wissen einem von mir gebrauchten unpassenden 
Ausdrucke eine falsche Auslegung zu geben versucht; ich wieder- 
hole: gegen sein besseres Wissen. Denn ich bestreite ja, dass 
der Auszug aus der Passio beim 4. oder 3. Mai ursprünglich im 
Martyrolog stand. Es zeigt schon die Voraussetzung, unter 
welcher ich an meine Arbeit herangetreten bin, dass von einer 
solchen Bejahung bei mir gar nicht die Rede sein kann. Ich 
stellte nun auf S. 28 fest, dass als Todestag des heil. Florian 
in dem S. Galler Passionarium , dessen Text Krusch als den 
ältesten anzusehen Grund hat, der 24. April angesetzt sei, 
und sprach die Vermuthung aus, dass „der Kopist des Arche- 
typus* IIU. k. m. statt Vlll. k. m. geschrieben habe, „an wel- 
chem Tage in jeder der drei ältesten Handschriften des Mar- 
tyrologs ein Florianus von Alexandrien eingetragen sei.** Der 
folgende Satz: „Diesen hat daher der Legendist, welcher zu 
Zwecken der Passauer Kirche eine passio zusammenstellte, zuerst 
herausgegriffen ; erst nach der Hand kann sein Gedächtnisstag 
auf den 4. Mai überlegt worden sein und erst nach dieser Ueber- 
legung ist der Florianus von Laureacum in die Martyrologien 
eingewandert", liess nicht im Unklarem, dass ich unter dem 
Ausdrucke „Kopist des Archetypus** den Erfinder der Legende 
verstand. Sepp hat den in die Augen springenden lapsus calami 
ausgemünzt, um eine falsche Supposition zu machen, auf welche 
gestützt er gegen mich den Beweis ad absurdum führen möchte; 
er setzt aber bei seinen Anhängern einen sehr geringen Bild- 
ungsgrad voraus, wenn er meint, dass mit einer solchen ver- 
werflichen Taktik auf dem Boden der Wissenschaft ein Sieg 
errungen werden könne. 

Wenn Sepp eine Buchstabenverwechslung von Seite des 



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192 Julius Strnadt: 

Schreibers annehmen will, dann könnte er ebenso gut die zahl- 
reichen Abweichungen des Sangallensis von dem gereinigten 
Texte der übrigen Handschriften der passio als blosse Schreib- 
versehen des Klerikers oder Mönches, der sie niederschrieb, hin- 
stellen, womit er wohl nicht bei jedermann Glauben finden wird ; 
denn durch das ganze zehnte Jahrhundert und bis nach dem 
Hinscheiden des Abtes Burchard (f 17. Juli 1022) bewahrte die 
Schule von S. Gallen ihren alten Ruhm und erhielt sich die 
wissenschaftliche Bedeutung des Klosters auf ihrer Höhe.*') Das 
setzt denn doch voraus, dass es nicht so nachlässige und ge- 
dankenlose Schreiber gehabt habe, welche die charakterischen 
Buchstaben n und k nicht zu unterscheiden vermocht hätten. 

Wenn es nun auch für die Entscheidung über die Echtheit 
oder Unechtheit der passio s. Florian! nicht ins Gewicht fällt, 
ob dieses Datum ein Schreibfehler ist oder nicht, so glaube ich 
doch darauf hindeuten zu sollen, dass ein Anlass zur Umlegung 
des Floriansfestes vorhanden sein konnte, wenn es ursprünglich 
auf den 24. April angesetzt war. Denn wie die von Lechner ^*) 
veröffentlichten mittelalterlichen Kaiendarien der Salzburger 
Kirchenprovinz zeigen, wurde der Gedächtnisstag des heil. Georg, 
des |jL£yaX6|iapxup der griechischen Kirche *^), in den Diöcesen 
Passau, Salzburg, Augsburg als hoher Festtag gefeiert, mit 
welchem das neue „festum Floriani martyris et sociorum eius" 
füglich nicht zusammenfallen durfte. 

Wohin Uebereifer im Widerspruche führt, zeigt die Be- 
lehrung Sepps, dass der Florianus von Alexandrien gar nicht 
als Africaner zu betrachten sei, „weil Alexandria und Aegypten 
nach den geographischen Anschauungen der Alten nicht zu 
Afrika, sondern zu Asien zählten." 

Auf den Anwurf, ich hätte „leichtfertig behauptet", der 

'") Ich verweise über Notker den alten (f c. 990), Notker von Lüt- 
tich, Chunibert, Ekkehard JI. in diesem Zeiträume und über die literarische 
Thätigkeit des Klosters überhaupt auf Wattenbach G. Q. Ds. im M. A. 
5. Aufl. I. 298, 358, 363 flF. und Hirsch Jahrbücher des deutschen Reiches 
unter K. Heinrich IL HI. 227. 

") In dem oben bezeichneten Werke Freiburg im Breisgau 1891 
S. 151, 192, 180, 266, 267, 193. 

^*) Die neueste Deutung der S. Georgs Logende gibt Prof. J. Fried- 
rich in den Sitzungsberichten der ph.-hist. Kl. der Akademie der Wissen- 
schaften in München 1899, IL 159-203. 



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Die Passio 8. Florian! und deren Urkundenfälschungen. 198 

Name des praeses Aqailinus sei aus der Luft gegriffen, (S. 11) 
zu antworten verlohnt sich nicht der Mühe; Sepps eigene Be- 
hauptung hängt ebenso lange in der Luft, als er für seine 
apodictischen Behauptungen nicht epigraphisches Materiale zu 
beschaffen vermag. 

Auf S. 5 meint Herr Professor Sepp, dass ich wie bei allen 

Fragen textkritischer Natur auch dort, wo ich von der neuesten 

Entileckung des Herrn Krusch, dass der heil. Florian des 4. Mai 

den afrikanischen Heiligen beizuzählen sei, den ausgedehntesten 

l Gebrauch mache, ein merkwürdiges Missgeschick an den Tag 

'^ Y '^8^- , »Nachdem er nämlich auf S. 18 auf den jüngsten Fund 

in der Wiener Altsfadt aufmerksam gemacht, führt er neben 

imserm Heiligen nicht weniger als acht Floriane auf, die im 

mart. Hieron. erwähnt werden. Sieht man aber näher zu, so 

, sind zwei derselben sofort zu streichen, denn es unterUegt keinem 

/ Zweifel, dass statt der monströsen Namensform des cod. Eptern. 

/ (zum 8. Januar) flori tiüs f(l)oriani taciae vielmehr mit B und W (Z): 

^öri, tilisfori (= Telesfori), anastasiae zu lesen ist. Und was der 

^ 'oridianus vom 7. Mai hier zu schaffen hat, ist um so weniger 

fci? begreifen, als dieser Name von dem Personennamen Floridus, 

^^/Vanus dagegen von Florus abgeleitet ist. Auch das, was 

iVfp&di S. 23 über die anderen Floriane bemerkt, ist grossen- 

^%ls irrig. Denn der Florianus vom 4. März ist sicher nicht — 

^i^ Strnadt behauptet — in Rom, der vom 30. April gewiss 

^ioht in Alexandrien, der vom 5. August zweifellos nicht in 

C/hälons-sur-Marne gemartert. IV. Non. Mart. heisst es nämlich 

in E und B ausdrücklich: Romae ... et alibi . . . Floriani; 

Prid- Kai. Mai: in Alexandria ... et alibi . . . Floriani; Non. 

A.ug. Catalaunis ... et alibi Floriani. Sollte die Bedeutung 

, dieses Zusatzes et alibi Herrn Strnadt gänzlich entgangen sein? 

Es sind mithin nur drei der von Strnadt genannten Märtyrer 

dieses Namens wirklich lokalisirt: der vom 3. März in Afrika 

(nur im Cod. Eptern.), der vom 24. April in Alexandria, der vom 

6- Mai in Mailand, die übrigen dagegen völlig unbestimmbar." 

Hierauf erwidere ich: 

Ich habe nach der Aufzählung in den Acta Sanctorum 
(^' 27 Anmerkung 43 meiner Abhandlung) alle Stellen des 
Martyrologs, in welchen ein Florianus vorkommt, und wegen 
der Nähe zum 4. Mai auch jene mit Floridianus abdrucken 

Arohivalißohe Zeitschrift. Neu© Folge IX. 13 



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194 Julius Strnadt: 

lassen, damit jeder Leser, welchem die Bollandisten nicht zur 
Hand sind, eine Uebersicht gewinne -und selbst Vergleiche an- 
stellen könne, sowie die einzelnen Floriane nach den Oertlich- 
keiten, bei welchen sie im Martyrerverzeichnisse eingetragen 
sind: Griechenland, Afrika, Rom, Alexandrien, Mailand und 
Chälons-sur- Marne geschieden. Der Beisatz alibi, der ja zu 
vielen hundertmalen vorkommt, hat mich nicht gehindert, die 
Märtyrer nach den vorausgeschickten Ortsbezeichnungen ein- 
zutbeilen, einmal der Kürze des Ausdruckes halber, andrerseits 
weil nach dem notorischen Zustande der Handschriften, deren 
Uebereinstimmung mit dem Abdrucke Duchesne's zu kontroliren 
ich nicht in die Lage kam, in nicht geringen Fällen unsicher 
ist, ob das eine oder das andere Wort, auch das alibi, an der 
richtigen Stelle eingerückt ist, um so mehr, als ja nicht alle 
diese verschiedenen Floriane zu behandeln waren. 

Ich konnte, indem ich den Lesern das Rohmaterial des 
Martyrologs darbot, gar nicht die Absicht haben, eine kritische 
Sichtung der Zahl der Floriane zu unternehmen. Diese Arbeit 
steht Koryphäen auf dem Felde der Texteskritik und nicht mir 
zu; jeder Versuch meinerseits würde selbstverständlich ernst- 
licher Anfechtung ausgesetzt gewesen sein und ohne erkenn- 
baren Nutzen für die Streitfrage eine weitablenkende Polemik 
entfacht haben. 

Der Behauptung Herrn Sepps, dass sich nur drei Märtyrer 
des Namens Florian us lokalisiren lassen, kann selbst ich die 
Bemerkung entgegensetzen, dass jenes Martyrologium Fuldense, 
welches die modernen Bollandisten abgedruckt ^^) und als abge- 
kürztes Hieronymianum bezeichnet haben, sogar nur einen 
einzigen Florian im Sinne Sepps lokalisirt, dagegen VH. Id. 
Julii einen besonderen Florian aus Rom hat. Die Einträge 
sind folgende: 

V. Non. Mart. In Africa Floriani (p. 17). UI. Non. 
Mai. In Nicea Antonini. In Africa Caelestini. In Caesarea 
Silvani et alibi Floriani, Quiriaci episcopi et mart. (p. 24). 
VII. Id. Jul. In Thomis Zenonis. In Mediolano Moeci. In 
Sicilia Feliciani. Rome Floriani. II. Non. Aug. In Nico- 
media Joci, et Roma dedicatio basilicae S. Mariae. Alibi 



'^) In den Analecta Boll. I. 9—48. 



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Die Passio s. Floriani und deren UrkundenfälschuDgen. 196 

Floriani et Bassi, s. Aristarchi discipuli s. Pauli ap. Rome 
Tertulii mart. (p. 35). 

Dafür, dass ein Plorianus in Chälons-sur-Marne oder in der 
Umgebung den Martertod erlitten habe, scheint mir übrigens 
nachstehende Thatsache zu sprechen. 

Das Kloster S. Medard bei Soissons, bekannt durch die 
ausserordentlichen Wunder, welche sich bei den dorthin aus 
Rom übertragenen Reliquien des heil. Sebastian ereignet haben 
sollen *^), besass schon im J. 841 ausser anderen heiligen Leibern 
auch jenen eines heiligen Florian und seiner sechs Brüder, 
welche nach dem gleichzeitigen Zeugnisse Nithards**) König 
Karl der Kahle, als er nach der Schlacht von Fontenoy von 
der aquitanischen Grenze auf dem Marsche nach Reims über 
Soissons kam, am 27. August*^) auf seinen Schultern in die 
neue Kirche übertrug. Von einer Entführung dieser Reliquien 
aus Italien findet sich keine Nachricht; wohl aber ist Chälons- 
sur-Marne von Soissons nur 55 bis 60 Kilometer entfernt. 

Allerdings gebe ich die Möglichkeit zu, dass das Kloster 
S. Medard auch keine Reliquien eines heil. Florian besass, 
wenn es auch vorgab, solche zu haben; denn es fuhr, wie 
man sieht, fort sich zu brüsten, es seien bei ihm auch Reliquien 
des heil. Marcelhnus und des heil. Petrus vorhanden, obwohl 
es schon vor mehr als einem Jahrzehnt von Eginhard genöthigt 
worden war, ihm die zurückbehaltenen Theile derselben auszu- 
liefern, wie ja sogar der Besitz des Leichnams des heil. Benedikt 
zwischen den Klöstern Montecasino und Fleury-sur-Loire streitig 

^') Es wurde deshalb auch das Kloster Sanctorum Medardi atque 
Sebastian! genannt. Urkunde K. Karls III. vom 23. Juni 887 Mühlbacher 
Regesta Imperii I. No. 1707. 

") Mon. Germ. Script. II. 663: Nithardi bist, über tertius: „Quod ut 
Karolus cognovit, praefatum iter accelerare coepit. Cumque Suessionicam 
peteret urbem, monachi de säneto Medardo occurrerunt illi, deprecantes 
ut Corpora sanctorum Medardi, Sebastiani, Gregorii, Tiburcii, Fetri et 
Marcellini, Marii, Marthae, Audifax et Abacuc, Honesimi, Meresinae et 
Leocadiae, Mariani, Pelagii et Mauri, Floriani cum sex fratribus 
suis, Geldardi, Sereni et domni Remigii Rotomagorum archiepiscopi, in 
basilicam ubi nunc quiescunt et iam tunc raaxima parte aediücata erat, 
transferret. Quibus acquiesoens, inibi mansit et uti postulaverant, beatorum 
Corpora propriis humeris cum omni veneratione transtulit ..." 

**) Kalendarium S. Germani in Mon. Germ. Scr. XIII. 80 „VI. Kai. 
Sept. Translatio sanoti Medardi et Sebastiani." 

13* 



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196 Julius Strnadt: 

wurde, indem letzteres behauptete, ihn noch zu verwahren, wo- 
gegen ersteres beanspruchte, ihn wieder zurückerlangt zu haben. 
Die Sucht, sich heilige Leiber oder Teile derselben zu ver- 
schaffen, war im 8. und 9. Jahrhunderte so gross, dass Laien 
und Geistliche vor keinem Mittel, auch nicht vor Gewalt, zu- 
rückschreckten, wenn es galt, der Kirche oder der Gegend durch 
den Besitz der Reliquien eines Heihgen dessen Fürbitte und 
Schutz zu sichern ^^). Die Zahl der echten und der verraeint- 
lichen Reliquien wuchs ins Unendliche ; jede Kathedrale — be- 
merkt Lechner im Vorworte — suchte möglichst viele Reliquien 
zu erwerben, welche bei der Weihe der Kirche in den Altären 
ihre Stätten fanden, und ähnlich war es bei den Pfarrkirchen, 
in deren Hauptaltar die Ueberreste des Patrons ruhten. Die 
Verzeichnisse solcher Reliquien, welche die Klöster S. Florian 
bei Ens im J. 1291 und Mönchsmünster (Schwaig) bei Vohburg 
im J. 1092 besassen oder wenigstens zu besitzen glaubten, sind 
im Anhange zur Kirchweihchronik von S. Florian und im Tra- 
ditionsbuche von Mönchsmünster enthalten**). 



*°) Abt Einhard hatte im J. 826 seinen Schreiber Ratleik entsendet, 
um ihm Reliquien für seine neuerbaute Kirche im Odenwalde zu erwerben. 
Derselbe brachte ihm aus Rom die Leiber der heil. Petrus und MarcelJinus 
zuwege; allein ein Presbyter, den ihm Abt Hilduin von S. Denis mit auf 
die Reise gegeben, entwendete dem Ratleik einen Theil der Reliquien 
und es bedurfte der ganzen Ueberredungskunst p]inhards, Hilduin zu be- 
wegen, ihm die in das Kloster S. Medard in Sicherheit gebrachten Ge- 
beine herauszugeben. (Translatio s. Marcellini et Petri cap. 22—26 u. 29 
bei Migne Patrolog. c. pl. CIV.) 

Auch die wundorthätigen Ueberreste der heil. Fides, welche kaum 
12 Jahre alt in Agen a. d. Garonne den Martertod erlitt, gelangten nur 
durch Diebstahl in das Kloster Couques (Dep. Aveyron), wo sie auf die 
Pilger aller Länder eine sehr bedeutende Anziehungskraft ausübten. 
(Liber miraculorum sancte Fidis bearbeitet von A. Bouillet in der Col- 
lection de textes pour servir a Tetude et a l'einsegnement de rhistoire 
(1897 Paris, Alf. Picardj. 

**) Czerny „Kunst und Kunstgewerbe im Stifte S. Florian" füllt 
mit dem Verzeichnisse sechs Druckseiten seines Buches (276—282). Es 
sollen vorhanden gewesen sein u. a. von der Dornenkrone, von den Windeln 
des Herrn, von den Kleidern, von der Wiege, von der Krippe des Herrn, 
von dem Rohr, mit dem er gel rankt worden ist, von dem himmlischen 
Manna, von den fünf Gerstenbroten, von den Haaren, von dem Kleide 
und von dem Oele der seligsten Jungfrau, von dem Betts, in dem sie 
gestorben ist, von ihrem Grabe, von dem Hemde und von dem ungenähten 



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Die Passio 0. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 197 

Wir kommen schliesslich zu dem Grabstein einer Valeria, 
welcher in S. Florian gezeigt wird. 

Nachdem der Herr Lyceal-Professor seinem Brauche nach 
mir deutlich zu verstehen gegeben, wie confus ich in meinem 
Urteile sei — meine Andeutung, dass der Fälscher der Legende 
bei der Suche nach dem Namen der Matrone nicht in die Feme 
zu schweifen brauchte, veranlasst ihn zu dieser Höflichkeit — , 
bemerkt er S. 14: 

„Was die Grabschrift der Valeria anbelangt, so kam es für 
mich nur darauf an, zu zeigen, dass die Lesart cio für tio be- 
reits im 3. und 4. Jahrhunderte vorkomme, was durch die In- 
schriften erwiesen ist. Da dieselben aus den Provinzen stammen, 
so kann man mit Zuversicht behaupten, dass die Inschrift der 
Valeria nicht „aus Italien eingeschleppt sei^, wo sich die reine 
Aussprache von tio am längsten erhalten hat. Zudem meldet 
die S. Florianer Chronik aus dem Ende des 13. Jahrhunderts 
ausdrücklich, dass das Grab der Valeria mit ihren Gebeinen 



Rocke des Herrn, von der Geislungssäule, von der Ruthe, mit welcher 
Er gestrichen wurde, Reliquien der Märtyrer Stefanus, Florianus, Sixtus, 
Felix u. a. 

Der Reliquienschatz von Mönchsmünster (No. LXIII des cod. trad. 
bei Nagel „Notitiae, Origines doraus Boicae sec X. et XI. illustrantes" 
München, 1804 p. 29—30) zählt namentlich auf: „de lacte See Marie quod 
per mamillam suam fluxit. de uestimento sce Marie, de catena sei Petri. 
et de ossibus et de capillis. ac de ueste nee non de planeta eins, de 
ossibus Sei Andree et de uestimento oius. de ossibus et de uestimento Sei 
Jacobi fratris domini. Reliquie Sei Johannis euang. et de reliquiis Sei. Jacobi 
fratris ejusdem Johannis. de ossibus et de talmatica sei Stephani. Genu 
totum et alie reliquie Sei Georgii . . . Reliquie Saluatoris. id est de panno in 
quo Christus mvolutus quando in presepio erat positus. Et de eodem presepio 
de arena Jordanis vbi Christus erat baptizatus sub manibus Johannis. et de 
petra et de mensa ... vbi de aqua uinum fecit . . . Testa Sei Georgii . . . 
Pfarrer Nagel bemerkt hierzu in der Note zu p. 28: „Eiusmodi reliquiae 
(vernacule Heilthum dictae) singulis etiamnum nostra annis piae agricolarum, 
tributim longo lateque confluentium, Simplicitati ostentabantur in mona- 
steriis Geisenfeldensi et Hochenwartensi et in monasterio S. Altonis. 
Mons aut^m Sacer Andecensis numero et varietate reliquiarum, quas 
reperisse ridiculus mus dicitur, omnes eiusmodi thesauros superabat, 
Razoni comiti Diezensi in acceptis refenmt. Abrogavit an. 1803 verae 
S. Religion is Studium Ducis Maximiliani Joseph! crassam haue plebis 
„Superstitionem^^ atque per summum Patriae Scholarcham D. B. de Fraun- 
berg ubique scholas publicas rurales sapienter induxif 



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198 Julius Strnadt: 

ums Jahr 1250 in der Kirche von S. Florian vor dem Stefans- 
altare gefunden wurde (Albin Ozerny, Kunst und Kunstgewerbe 
im Stifte S. Florian S. 18 f.). Es ist mithin auch nicht richtig, 
wenn Mommsen sagt, dass eine auf örtliche Auffindung führende 
Notiz nicht vorliege." 

Ich enthalte mich, diese Logik mit dem ihr zukommenden 
Namen zu belegen; ich bescheide mich sie zu beleuchten. 

Ich stelle zuerst richtig, dass nicht alle drei Inschriften, 
welche ich S. 25 Anmerkung 40 aus Corssen ausgehoben habe, 
aus den Provinzen (nach Sepp „ausser ItaHen") stammen; denn 
Sepp wird wohl nicht behaupten wollen, dass Lucanien, wo sich 
eine der drei Inschriften mit ci statt ti vor Vocalen gefunden 
hat, nicht zu Italien gehören. Seine Folgerung ist daher in ihrer 
Allgemeinheit nicht richtig. 

Herr Sepp scheint nach allem zu glauben, dass er es mit 
einem Leserkreise zu thun habe, welchem die Literatur über 
die Katakomben und die altchristUchen Cömeterien nicht bekannt 
ist; denn sonst vermöchte er kaum über die verschiedenen Fälle 
von Fälschungen stillschweigend hinweggehen, welche verübt 
worden sind, um zweifelhafte Reliquien oder selbst historische 
Thatsachen durch eine Inschrift zu bestätigen. Ich verweise 
in Betreff der Inschriften für Marius adolescens dux militum und 
für Alexander, welche ßosio (Roma sotterranea 1634), Aringhi 
(Roma subterranea novissima 1651 — 1659) und Boldetti (Osser- 
vazioni sopra i cemeteri de santi martiri ed antichi cristiani 1720) 
für echt hielten, während sie Garucci (in der Hagioglypta) und 
neuerlich de Rossi als Fälschung erkannten, auf Kraus ,Roma 
ßotteranea** S. 40; bezüglich der Unechtheit der von Boldetti 
abgebildeten beiden Inschriften zur Bestätigung der von dem 
Dichter, Aur. Prudentius Clemens^*) erwähnten Massengräber 
auf die Revue archeolog. nouv. serie 1869 No. 19 p. 441, in 
welcher le Blant ihre Unechtheit nachwies; bezüglich der In- 
schrift auf Papst Feüx, deren Fälschung Cardinal Sanctorius 



*') In den bekannten Stellen (Peristeph. hymn. XI): „doch viele 
andere schliesst ein stummer Stein ohne Inschrift, der nur die schweigende 
Zahl dir der Gemarterten nennt." 

„ . . . ein einziges Grabmal Sechzig Todte zugleich schützend dort 
unten bedeckt, deren Namen allein Christo, dem Meister, bekannt sind." 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 199 

gegen Baronius dargethan hat, auf Piper Monumentale Theologie 
S. 375. Endlich erinnere ich an den Stein im Kloster Neu- 
Classis bei Ravenna, welcher eine Bestätigung für den aus Rom 
dahin verschenkten Leib einer heiligen Argyris unter dem Hoch- 
altar bilden sollte, aber nach dem BoUandisten Papebroch 1660 
auf Befehl der Congregation der Riten in Rom entfernt wurde, 
sowie der Leib dem Cardinal, der ihn dem Kloster geschenkt 
hatte, zurückgesandt werden musste, — sowie an die Inschrift, 
welche die seltene Reliquie der Vorhaut Christi in der Kapelle 
Sancta Sanctorum in Rom beglaubigen sollte (Jac. a Voragine 
leg. aur. c. 13 p. 86). Gegen die Verchristlichung der bekannten 
Acerbius-Inschrift durch Rossi hat jüngst Dr. Ehrhard seine 
Stimme erhoben. 

Mit blossen Behauptungen führt man keinen Beweis. Sepp 
hält die Nachricht von der in der Mitte des dreizehnten Jahr- 
hundert es erfolgten Auffindung der Ueberreste der Valeria für 
einen solchen; die Erzählung der Kirchweihchronik vom J. 1291 
— denn diese berichtet das Factum — macht auf den Nicht- 
voreingenommenen im Gegenteile den Eindruck, dass man im 
Kloster von dem Vorhandensein derselben bis dahin gar keine 
Ahnung hatte. Wenn Czerny (a. a. 0. S. 19) vermuthet, dass 
vielleicht in der eisenbeschlagenen Kiste eine Bleitafel lag, 
welche die Inschrift VI. Non. Mai Deposicio Valerie Vidue ent- 
hielt, die hierauf ein mittelalterlicher Künstler in die Marmor- 
platte eingrub: so hat ihn bei der letztgenannten Vermuthung 
wohl das richtige Gefühl geleitet. Denn Rossi hat sich ebenso 
bestimmt dahin ausgesprochen, dass die Schriftzeichen selbst 
eine Mischung von römischen und neugothischen Majuskeln 
sind, wie sie schon im 11. und 12. Jahrhunderte auf mittel- 
alterlichen Denkmälern vorkommen und welcher Gattung auch 
die Zusätze f und S. vor Valerie angehören; wenn auch die 
Textierung den christlichen Grabschriften des 3. und 4. Jahr- 
hundertes entspricht. Bei dem regen Verkehr, welcher zwischen 
Deutschland und Italien im Mittelalter geherrscht hat, ist es 
durchaus nicht auffallend, wenn auch die Chorherren von S. 
Florian vom Wortlaute altchristlicher Grabschriften genaue 
Kenntniss hatten. Einigermassen Bedenken erregend wirkt da- 
gegen der Umstand, dass die Entdeckung so gelegen am Vor- 
tage vor dem Ploriansfeste erfolgte : denn als Wunder wird die- 



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200 Julius Strnadt: 

selbe nicht ausgegeben und der Zufall bringt solche Ereignisse 
denn doch nur zustande, wenn er gelenkt wird. 

Zwischen dem vierten Jahrhunderte, in welchem die Be- 
stattung der legendären Matrone Valeria geschehen sein müsste, 
und der Zeit der Auffindung im dreizehnten Jahrhunderte (das 
Jahr selbst wird nicht genannt) gähnt eine nicht ausge- 
füllte Kluft von fast einem Jahrtausende, innerhalb 
dessen der Stein keine Geschichte hat; er kann daher 
schon aus ganz gewöhnlichen Gründen zu keinem Beweise für 
die Existenz der Valeria der passio dienen. 

Wir dürfen bei Prüfung der Beweiskraft des Steines aber 
auch nicht an einer Erscheinung vorübergehen, welche genau 
in die Zeit fällt, in welcher zu S. Florian die Kirchweihchronik 
verfasst worden ist, nemlich bald nach dem J. 1291. In dem 
letztgenannten Jahre erfolgte die Wiederherstellung der Kathe- 
drale des heil. Stefan in Passau und die Errichtung eines Grab- 
denkmales der heiligen Maximilian und Valentin durch Bischof 
Wernhard von Passau und gleichzeitig die Einweihung der 
neuen Klosterkirche in S. Florian unter ausserordentlichem Zu- 
strömen des Volkes. Mit der Erhebung der Gebeine der vor- 
genannten Diöcesanheiligen wurde, wie Ratzinger^^) bemerkt, 
eine höhere Festfeier derselben verbunden, wozu Lebensbeschreib- 
ungen derselben zum Gebrauche für die Tagzeiten des Breviers, 
besonders für die Lectionen der zweiten Nocturne und für die 
Antiphone nothwendig wurden. Man empfand das Bedürfniss 
nach eigener vita des Heiligen, welchem Bedürfnisse verschiedene 
Legenden entsprangen. In Passau trat damals die berüch- 
tigte vita S. Maximiliani 2*), welche den heil. Maximilian zum 
Range eines Erzbischofes von Lorch und eines Märtyrers erhob, 
ans Tageslicht, obwohl, wie Dümmler*'^) nachweist, noch im 
J. 1253 keinerlei Quellen für die vita vorhanden waren und 
S. Maximilian noch im 11. und 12. Jahrhunderte in den Kalen- 
darien von Tegernsee und Melk als blosser Bekenner vorkommt. 
Die Legende des Passauer Klerikers, wenn nicht eines Mönches 
von Vormbaoh, gerieth so luigeheuerlich, dass man in Passau 



«8) Forschungen S. 375 ff. 

»*) Petz Script, rer. austr. I. 22-83. 

***) Piligrim von Passau S. 186 Aumerk. 10. 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 201 

Anstand nahm, davon offiziellen Gebrauch für liturgische Zwecke 
des kirchlichen Offiziums zu machen und aus der Fälschung 
nur die Erzählung, Maximilian sei wirklich Bischof von Lorch 
gewesen, in die drei Lectionen der zweiten Nocturne des Breviers 
aufnahm. 

In S. Florian , wo in eben diesem Jahrhimderte ein Chor- 
herr die metrische Passion mit den ausschweifendsten Vor- 
stellungen gedichtet hatte, (S. 46 meiner Abhandlung) empfand 
man wohl aus gleichem Anlass das Bedürfniss nach 
wundervollen Ereignissen, welchem, wie die Kirchweihchronik 
berichtet, der Zufall oder die Fügung zu Hilfe kam. Dürfen wir 
unter solchen Umständen der Erzählung des interessirten 
Florianer Chorherrn, bei der damaligen Zeitrichtung, mehr 
Glauben schenken als jener des Verfassers der vita S. 
Maximiliani? denn ganz Unwahrscheinliches, Unglaub- 
haftes berichten beide. 

Wie soll auch die Matrone Valeria zu S. Florian bestattet 
worden sein, da wir mit Ausnahme des Zwischensatzes in der 
Tradition Reginolfs, deren Werthlosigkeit eine nachfolgende 
diplomatische Prüfung ins Klare setzen wird, keine einzige 
urkundliche Bestätigung darüber haben, dass der Leib des Mär- 
tyrers selbst zu S. Florian ruhe. Wir sehen uns vergebens um 
nach einer Nachricht in jenen Urkunden, in welchen das alte 
Kloster erwähnt wird, also in jenen vom 1. April 888, 15. Fe- 
bruar 892, 900—902, 22. Juli 976 und vom 18. Juli 1002; nicht 
einmal Bischof Ulrich, der Nachfolger Altmanns, spricht davon 
(23. August 1111) und auch die weiter folgenden Urkunden 
schweigen sich vollständig aus. Es wird höchstens vom mona- 
steriura preciosi martyris christi Floriani gesprochen, aber von 
nichts weiterem. Aus diesem Verhalten der Quellen lässt sich 
füglich kein anderer Schluss ziehen, als dass bis in das späte 
Mittelalter hinein gar nicht behauptet worden ist, es ruhe 
der Leib des Märtyrers in dem nach diesem genannten Kloster. 

Diese Ueberzeugung wird durch die Fassung der Legende 
sogar noch verstärkt. Der Autor derselben hat nämüch durch 
keine Andeutung den Ort verrathen, wo eine Frau (quaedam 
raulier) den Leib des Märtyrers zu Grabe brachte; aus der 
Textirung vermögen wir nicht einmal zu entnehmen, an 



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202 Julius Strnadt: 

welchem Plussufer der Leichnam von den Pluthen gehoben 
worden ist. Die Bestattung konnte daher ebenso gut östlich 
als westlich von der Ens, flussaufwärts oder landeinwärts ge- 
schehen sein. Ausschlaggebend ist aber die Erzählung 
von dem plötzlichen Aufsprudeln einer Quelle, um die 
ermatteten Zugthiere zu erquicken. Denn die Ermüdung 
des Zuges setzt unab weislich voraus, dass die Thiere eine 
grosse Wegstrecke zurückgelegt hatten, also doch eine Anzahl 
von mehreren Stunden. Diese Voraussetzung trifft aber 
auf das heutige Stift S. Florian nicht zu, weil dasselbe 
vom Ensflusse nicht mehr als eine und eine halbe Stunde 
entfernt ist. Der Verfasser der Passio hat demnach keine be- 
stimmte Oertlichkeit, am allerwenigsten aber die Stelle von 
S. Plorian im Auge gehabt und erst spät hat eine tendenziöse 
Interpretation das Grab des Heiligen dahin zu verlegen 
unternommen. 

Das Kritische dieser Erzählung scheint Herrn Sepp 
zum Bewusstsein gekommen zu sein, als er auf einmal versuchte, 
den angeblichen Urtext der Legende nach den Worten: „et 
statim ocuU eins crepuerunt" (S. 10) zu schliessen. 

Dass der Cult des heil. Plorian diesseits der Alpen über- 
haupt kein bodenständiger war, hoffe ich am Schlüsse 
meiner Untersuchung über die Handschrift von Mönchsmünster 
glaubhaft darthun zu können. 

Pur jene, welche zu zweifeln geneigt sind, ob ein Zeitraum 
von einem halben Jahrhundert habe ausreichen können, um die 
Legende vom heil. Plorian und dessen Verehrung im Volke zu 
verbreiten, kann ich aus eigener Erfahrung an einem Palle, in 
welchem sich weder Bischof noch Klerus activ betheiligten, 
zeigen, wie überraschend schnell sogar noch in unserem 
Zeitalter eine Mythenbildung vor sich gegangen ist und für 
den Porscher ganz die Gestalt echter Ueberlieferung angenommen 
hatte, obwohl die Sage nachweisbar künstlich in die Be- 
völkerung hineingetragen worden war. Es ist diess die Sage, 
dass der Bauernhauptmann Christof Zeller im o. ö. Bauernkriege 
des Jahres 1626 Besitzer des Müniwirthshauses unweit von 
S. Agatha gewesen, und das Müniwirthshaus zum „Rütli" der 
o. ö. Bauern geworden wäre. Den von mir im J. 1889 aus dem 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 203 

Archive der Herrschaft Stauf gelieferten Nachweis teile ich in 
der Anmerkung ***) mit. 



") Im Anfange des 19. Jahrhundertes war selbst in den Aufruhrs- 
stätten das Andenken an den Verzweiflungskampf der Väter erloschen. 
Man wusste nicht mehr genau die frUhero Stätte des Fat tingergutes und 
Kurz in seiner üesch. des Bauernkrieges noch nichts vom Müniwirths- 
hause. Da fand Dechant Josef Weissbacher von Peuerbach in der Steyrer 
Chronik des Jac. Zettl die Nachricht, dass die Bauern in der Nacht nach 
dem Sonntag Rogate ,in einem WUrthshauss nagst des Fädinger HofiF^ 
zusammen gekommen seien. Zu seiner Zeit gab es nur Ein Gäuwirths- 
haus zunächst dem Fattingerhofe und dieses war das MUniwirthshaus. 
Er setzte daher in seiner kurzen Geschichte von Oberösterreich (Ried 1825 
S. 153) geradezu das MUnihaus als Sammelplatz der Bauern an, da ihm 
verborgen blieb, dass im J. 1626 auch die Wurmbtafern No. 1 in Uhering, 
dem aufständischen Bauern Hans Wurmb gehörig, eine alte Etaferne war, 
in welcher die Zehrungen abgehalten wurden. Den Ausdruck ,Wirth bei 
S. Ayden" verstand er ebenfalls falsch, indem er S. Agatha für die Ort- 
schaft statt für die Kirche ansah. So kam es, dass er den Zeller 
zum Müniwirth machte. Nun ergaben die Urkunden von Stauf, dass 
das MUniwirthshaus vom Juni 1625 bis 23. Juni 1643 ununterbrochen im 
im Besitze des herrschaftlichen Schätzmanns Stefan Hinderperger, dagegen 
das Wirthshaus in der Ortschaft S. Agatha selbst, kenntlich durch die 
dazu gehörige „Ferchetpeudt'', im Februar 1625 und noch am 3. April 1626 
(sechs Wochen vor dem Ausbruche des Aufstands) im Besitze des Christof 
Zeller gewesen, wie sich auch die Nachricht erhalten, dass es — vor seiner 
Niederbrennimg — weiter unterhalb gestanden sei. 

Stieve („der o. ö. Bauernaufstand d. J. 1626" I. 507, U. 208) hat diese 
Ergebnisse bereits vorwerthet. 

So tiefe Wurzeln hatte aber die durch Weissbacher verbreitete irrige 
Auslegung geschlagen, dass ich mit meiner Darlegung vor elf Jahren nur 
die intelligenteren Schichten der Bevölkerung von S. Agatha zu über- 
zeugen vermochte. So hatte sich an Stelle der wirklichen Vorgänge eine 
gemachte Tradition festgesetzt und im Laufe weniger Jahrzehnte 
zur „historischen" Thatsache verdichtet. 



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204 Julius Strnadt: 



III. Erster Abschnitt. 

Prüfung jener Nachrichten und Urkunden, welche für 

eine ununterbrochene Verehrung des heiligen Florian 

und für den vorkarolingischen Bestand des ^alten" 

Klosters S. Florian zu sprechen scheinen. — Das 

testimonium ex silentio. 

Herr Dr. Sepp sucht auf S. 14 — 16 darzuthun, dass Eugip- 
pius uns kein vollständiges und abgerundetes Lebensbild des 
heil. Severin geben wollte, sondern ihn blos als Wunders- 
raann darstelle und darum alles, was diesem Zwecke nicht 
förderlich war, beiseite gelassen habe, sowie dass Reste der 
romanisirt-en Ureinwohner in der Nähe von Lauriacura sitzen ge- 
blieben sein müssen. Er beruft sich auf seine Auctoritäten Czemy 
und Ratzinger und freut sich „einen neuen Beweis von der 
Oberflächlichkeit des Herrn Strnadt" festzustellen zu können, 
weil ich die spätkarolingische IVadition Ortwiks an die Kirche 
des heil. Laurenz (S. 71 Anmerkung 169 meiner Abhandlung) 
statt auf Lorch, wie er meint, auf die Kathedralkirche Passau 
bezogen habe. 

Es wäre Zeit- und Raumverschwendung, sich hierüber in 
eine neuerliche Erörterung (anzulassen; die Leser dieser Zeit- 
schrift werden sich die vita s. Severini und die ältesten Salz- 
burger L^rkunden selbst zurechtzulegen verstehen. Da jedoch 
Herrn Sepp gegenüber Vorsicht unter allen Umständen ange- 
zeigt ist, so bemerke ich ausdrücklich, dass ich S. 48 nur die 
These aufstellte, die Ansicht: es hätten in Ol)erösterreich eine 
Anzahl von Romanen ihr Volksthum bis in das achte Jahr- 
hundert hinein bewahrt, werde wenigstens für das Flach- 
land und die Donauufer des Traungaues in keiner Weise 
von den Quellen bestätigt. 

Herr Sepp gelangt nun zu den gesla s. Hrodberti, deren 
Geschick ihm um so mehr am Herzen liegt, als er in ihr eine 
vita s. Hrodberti authentica erblickt und sie in seiner Bearbeitung 



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Die Pasßio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 205 

(Ratisbonae 1891) nach denfi Vorgange ihres Entdeckers und 
Herausgebers Dr. Franz Mayer auf das Jahr 774 zurückführt. 
Auf die Gefahr hin, mir sein Missfallon in noch höherem Grade 
zuzuziehen, muss ich bekennen, dass ich, wie ich das Buch in 
der Hand hielt, nicht einsehen konnte, weshalb Sepp den bereits 
veröffentlichten Text nochmals abdruckte, wenn derselbe nicht 
einmal diplomatisch genau wiedergegeben wurde; denn die Rasur 
in dem von mir S. 41 festgestellten Falle wenigstens hat er 
gar nicht erkannt oder doch übergantren. 

Da der Herr Recensent mit Beschuldigungen so rasch zur 
Hand ist (meinerseits kann ich einfach auf eine Vergleichung 
meiner Aeusserung auf S. 40 meiner Abhandlung mit der ganzen 
Auslassung Ratzingers in den „Forschungen** S. 419 verweisen), 
so halte ich mich sogar für verpflichtet, die Willkür Sepps in 
der Behandlung von Quellen in einem hierher gehörigen Falle 
zu zeigen. 

Nach einigen gegen meine Person geschleuderten Sottisen 
meint er S. 22, „dass der Todestag des heiligen Rupert durch 
das unzweideutige Zeugniss des ältesten Salzburger Kalendariums 
Codex latinus Monacensis 15818 der Münchner Staatsbibliothek 
saec. VIII. /IX. für alle Zeiten festgestellt ist.** Das war kate- 
gorisch gesprochen. Da jedoch der gedruckte Handschriften- 
Katalog diesen Codex saec. IX. ansetzt, so hielt ich eine Nach- 
prüfung nicht für überflüssig, weil ja immerhin eine mir unbe- 
kannt gebliebene spätere Untersuchung ilieses für Sepp sprechende 
paläographische Ergebniss geliefert haben konnte. Herr Pro- 
fessor Chroust hat nun im Beginne dieses Jahres die Hand- 
schrift genau untersucht; sein Befund dd. Würzburg, 19. Jänner 
1900 ist folgender: 

„Das Beda'sche Martyrologium auf Blatt 97 bis 144' der 
Handschrift 15818 ist von einer Hand schwerhch vor der Mitte 
des neunten Jahrhundertes geschrieben und zwar, wie ich ver- 
muthe, aus einer Vorlage copirt, die in angelsächsischer Schrift 
geschrieben war. Höheres Alter ist dem Martyrolog nicht bei- 
zulegen, da die Merkmale der Schrift des endenden 8. oder be- 
ginnenden 9. Jahrhunderts gänzlich fehlen." (Folgt die ein- 
gehende Charakterisirung der Schriftzeichen sowie der zahl- 
reichen, auf spätere Zeit weisenden Kürzungen.) „Die zwei auf 
Rupert bezüglichen Stellen sind nicht nachgetragen (Blatt 109 



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206 Julius Strnadt: 

und 133'). Auf Blatt 109 ist vor dem Namen Rvdjt das an- 
lautende H getilgt worden. — Der erste Theil der- Handschrift, 
der anderen Formats ist, ist älter; das Martyrolog würde ich 
nach 850, etwa zwischen 850 und 900 ansetzen.*' 

Herr Professor Sepp hat sich demnach eines sonst nicht 
üblichen Kunstgriffes bedient, um mit dem Alter der von ihm 
angerufenen Handschrift den Handschriften Professors Friedrich 
zuvorzukommen. Es genügt, diese Warnungstafel aufzustellen, 
um jene Forscher, welche auf das sichere Auftreten Herrn Sepps 
hin dem Clm. 15818 Beweiskraft für ein früheres Zeitalter zu- 
zuschreiben geneigt wären, vor einem Fehlgriffe zu bewahren. 

Da Erörterungen über den Todestag des heil. Rupert meinem 
Thema völlig ferne liegen, so würde ich auf solche auch ohne 
den artigen Rath Herrn Sepps nicht eingehen, theile jedoch ihm 
und allen Interessenten in dieser Sache mit, dass das grosse 
Antiphonale im Stifte S. Peter zu Salzburg, welches Dr. Karl 
Lind in den Mittheilungen der k. k. Centralkommission für 
Kunst- und historische Denkmale (1869 S. 175) behandelt, nach 
dem Charakter der Feste und nach dem künstlerischen Schmucke 
aus dem zweiten Viertel des XII. Jahrhundertes stammt, im 
Kalendarium S. Rupert am 27. März nicht vorkommt, aber in 
corpore Hbri begegnet (p. 50 In Nat. s. Rudb. [in Vesperale nach 
Annunt.] und p. 570 S. Rudb. epi [off. pr. in Nocturn. nach 
Annunt], sowie dass das Clm. 210 (geschrieben im zehnten Jahr- 
hunderte nach einer Salzburger Vorlage von 809) befindliche 
Kalendarium VI. Kai. apr. Resurrectio nri Saluatoris ohne Rupert, 
dagegen VIII. Kai. octobr. Conceptio ioh. bäp. dediö. söi rvdl)thi 
epi iuuauens hat. 

Jene inneren und äusseren Merkmale, welche nach meiner 
Ueberzeugung die Entstehung der gesta im 8. Jahrhunderte aus- 
schliessen, glaube ich in meiner Abhandlung so genau entwickelt 
zu haben, dass ich heute nichts weiteres beizusetzen brauche. 

Herr Sepp findet auf S. 22 — 24: „Auch der Versuch Strnadts, 
das Zeitalter der Bischöfe Erchanfrid und Otkar zu 
bestimmen, ist kläglich misslungen. Nach ihm (S. 52) sind beide 
nur Missions- und Wanderbischöfe für das den Avaren entrissene 
Gebiet zwischen Enns und Raab gewesen, welche nicht vor 
dem ersten Drittel des 9. Jahrhundertes lebten. Ich erlaube 
mir dagegen nur eine Einwendung zu machen. Wie kommt 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfölsohungen. 207 

es, dass sowohl Erchanfrid als Otkar, deren Missionsbezirk doch 
erst am rechten Ennsufer begann, auf dem Boden der Passauer 
Diöcese: Erchanfrid in Passau selbst (s. n. 78), am Sitze des 
Diöcesanbischofs, Otkar in Puch, dem heutigen S. Florian am 
linken Ufer der Enns (s. n. 38), Schankungen für S. Stefan 
d. i. die bischöfliche Kathedrale in Empfang nehmen und Güter 
von S. Stefan dagegen geben (s. n. 38), wie wenn neben ihnen 
keine anderen Bischöfe existirten? (Was würde wohl Herr 
Landesgerichtsrath Strnadt dazu sagen, wenn einer seiner Kol- 
legen aus einem benachbarten Gerichtsbezirke ohne weiteres 
seine Geschäfte in Kremsmünster übernähme und sich an seiner 
Statt als Ordinarius gerirte?) Auch der Ausdruck anteriorum 
episcoporum temporibus in N. 44 lässt sich doch wohl nur von 
episcopi ordiiiarii verstehen. (Auch Nr. 44 dürfte in S. Florian 
ausgestellt sein, denn wahrscheinlich ist in der Schlusszeile das 
Wort Plorianum vor [dem ähnlich geschriebenen] feria II aus- 
gefallen: Actum ad scm [florianum?] feria II die XL Kl. Sept.). 
Also ist mit dieser Ausflucht, Erchanfrid und Otkar zu Chor- 
bischöfen des 9. Jahrhunderts zu machen, für die Sache des 
Herrn Strnadt nichts gewonnen, zumal sie sich auf den höchst 
fragwürdigen Umstand stützt, dass der Zeuge podalunc in N. 78 
mit dem podalungus clericus in N. 71 (aus der Zeit des Bischofs 
Hatto 806—818) und dem Putulungus von Pachmanning (unter 
ErzbiscKbf Arno s. N. Br. XV. 4) identisch sei. Mit demselben 
Rechte könnte ich behaupten, der Madalgoz in N. 38 sei der in 
der bekannten Urkunde des Bischofs Virgil N. Br. VIII. 14 ge- 
nannte Kanzler des bayrischen Herzogs, der Opportunus in N. 44 
der spätere Abt von Monsee und der gleich darauf genannte 
Willihelm ebenderselbe, welcher in der ältesten Urkunde von 
Monsee vom 10. Juh 748 (Urkundenbuch des Landes ob der 
Enns I. S. 49 f. n. 83) als Wohlthäter dieses Klosters erscheint 
— denn auch diese Namen sind durchaus nicht häufig. Zu dem 
allem Ueberfluss wird ein Bodalunc auch in einer Passauer Ur- 
kunde aus dem Jahre 754 (M. B. 28 b S. 14 f. n. 15) als Zeuge 
aufgeführt. Also fort mit diesen Albernheiten. 

Ebenso unbegründet ist, wenn Strnadt Seite 55 sagt, 
der Zwischensatz in N. 38 „ubi preciosus martyr Florianus 
corpore requiescit** sei sicherlich eine „in den Text aus der 
Feder des Copisten geflossene Glosse, da die Bemerkung mit 



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208 Julius Strnadt: 

der Sache gar nichts zu thun habe." Der Zusatz erklärt sich 
einfach daraus, dass es zahlreiche Orte des Namens Puch gab 
und dadurch eine nähere Bestimmung nöthig wurde, so wird 
z. B. auch Puch bei Altötting durch den Zusatz iuxta Oetingen 
von anderen unterschieden, s. Not. br. XL 3, Urk. Ludwigs d. Fr. 
vom 16. Juli 815 (Juvavia Anhang n. 18), Salzburger Urkunden- 
buch bearbeitet von P. WilHbald Hauthaler I. S. 105 n. 143.^ 
Ich habe die ganze Stelle hierher gesetzt, um den Lesern 
ein getreues Bild von dem Stile sowie von der Logik des Herrn 
Lyceal-Professors zu bieten. Die Art seines Widerspruches ver- 
anlasst mich nun, eine nähere diplomatische Untersuchung der 
Beurkundung des Bischofes Otkar anzustellen, sodann auch das 
Institut der Chorbischöfe und ihren Wirkungskreis im neunten 
Jahrhunderte zu behandeln, letzteres deshalb, weil ich zu meiner 
Ueberraschung gewahre, dass der Herr Recensont auf diesem 
Gebiete der Kirchengeschichte minder bewandert scheint, als 
ich nach seinem selbstbewussten Auftreten gegen meine Auf- 
fassungen zu seinem Nachtheile annehmen zu dürfen glaubte. 

Die Tradition des presbyter Reginolf. 

Ich habe bereits S. 48 meiner Abhandlung bemerkt, dass 
der codex traditionum anliquisSimus Pataviensis keine gleich- 
zeitige Urkundensammlung ist, sondern erst gegen Ausgang des 
9. Jahrhundertes anzulegen begonnen und von verschiedenen 
Händen des 10. und im weiteren Verlaufe auch des 11. Jahr- 
hundertes fortgeführt wurde. 

Da ich von der Tradition auf S. 48 meiner Abhandlung 
nur einen Auszug gegeben habe, muss ich hier, wo es sich um 
eine genaue Untersuchung nach den Grundsätzen der Urkunden- 
lehre handelt, den vollen Wortlaut, welcher sich auf Blatt 18 
des Codex von der dritten Hand, einer des 10. Jahrhundertes, 
eingetragen findet, vorführen. Es ist folgender: 

Dum non est incognitum sed coram plurimis 
ponitur noticia, qualiter Reginolf presbyter propriara 
hereditatem ad ecclesiam beati Stephani martyris infra 
muro civitate Patavie tradidit sicut hie continetur. 
Igitur euim ego Reginolf per misericordiam dei coepi cogitare 
pro remedium animae meae seu pro absolutione delictorura 
meorura ut in aliquantulum de peccatis meis in die judicii minuere 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 209 

dignetur. Quapropter trado et transfundo hereditatem raeam ad 
praefato basilicae in loco nuncupante Alpunesfeld in pago Trun- 
gouuae. hoc est cum domo cum curte cum orreo et cum terris 
arabilis cum pratis tam cultis quam et incultis cum mancipiis 
vel quicquid in ipso loco mea videtur possessio, post obitum 
meum. ut ibi sit firmum et stabilitum usque in aevum. In ea 
vero die manentibus Otkario vocato episcopo una cum 
filibus suis in loco nuncupante ad Puoche. ubi preci- 
osus martyr Florianus corpore requiescit ut ipso praefato 
presbytero a nobis humiliter rogante praestare ei quasdam 
causas a sancto Stephane uno ad Oftherigon. alia ad Tegerinpah. 
In ea vero ratione econtra. suam traditionem ipse renovavit. 
quia antea coram Erchanfrido vocato Episcopo similiter fecit. 
et nöbis placuit atque convenit. quas ipsas res quae superius 
nominavimus et praestavimus. Post obitum eins ad sanctum 
Stephanum absque ullius contradictione redeat. Et hi sunt testes. 
Egino. Reginolt. Auotilo. Erchanmar. adaiger. Salaman. Aparam. 
Vuentilger. Heripolt. Reginhart. Rihgoz. Puosilo. Aspert. Salago. 
Ruodkis. Paldheri. Madalgoz. Heriperht. Gundhart. Deothoh. 
Lantrih. Taho. Rihcouuo. Gotaperht, Werinheri. Gerhart. 

Nach dieser Aufzeichnung hat also der Priester Reginolf 
vor einiger Zeit all' sein ererbtes Gut bei Ansfelden (östlich 
von der Traun) auf seinen Todesfall der Kirche des heil. Stefan 
in Passau vergabt, wenn auch sicherlich nicht übergeben. Er 
erneuerte diese Schenkung später vor dem episcopus vocatus 
Otkar, als derselbe mit den Seinigen im Orte Puoche weilte, 
gegen Ueberlassung von Kirchenbesitz in Oftering (Pf. Hörsching 
bei Linz) und in Tegernbach (bei Grieskirchen) zum lebens- 
länglichen Pruchtgenuss. 

Es werden demnach zwei zeitlich getrennte Akte be- 
urkundet, die ursprünghche Schenkung und die Firmation der- 
selben, welche auch nach bajoarischera Rechte *^) zur Wahrung 
der Rechte der Kirche in längstens fünf Jahren wiederholt 
werden musste. 

Die Beurkundung, wie sie uns durch den codex überliefert 
wurde, ist der Form nach weder eine reine carta noch eine 
schlichte notitia. Dass zwei cartae vorhanden waren und dem 

") Bninner „Zur Rechtsgeschichte der römischen und germanischen 
Urkunde" S. 266, 268 Anmerkung 1. 
Archivalisoho Zeitsohrift. Neue Folge IX. 14 



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210 Julius Strnadt: 

Copisteii vorlagen, zeigt die subjektive Passung der Tradition, 
sowohl der Donator Reginolf als auch der Destinatar, Bischof 
Otkar, treten disponirend auf; es ist aber aus dem Texte nicht 
zu entnehmen, ob der Tradent oder der Empfänger die jeweiligen 
Urkimden ausstellte. Es fehlen der Beurkungsauftrag und die 
Subskriptionsformel des Schreibers, wie wir letztere in d«r carta 
des Priesters Sigirich unter Erchanfrid, dem Vorgänger Otkars, 
vorfinden (S. 49 meiner Abhandlung Blatt 21' des Codex), es 
mangeln auch die Signa der Zeugen *^), während die Beurkund- 
ung doch wieder nicht eine blosse Beweisurkunde wie jene über 
die Tradition der Koza unter Erchanfrid (Blatt 34 des Codex, 
S. 49 meiner Abhandlung) ist. 

Die Aufschreibung hat ziemUch dieselbe Porm wie die 
Tradition Hamminc^s an die Kirche Preising ddo. Matahcauui, 
29. November 759 ^^), an welcher Brunner (a. a. 0. 269 Anm. 2) 
gezeigt hat, wie eine subjektiv gefasste Urkunde der ersten 
Tradition und die epistola der später vor sich gegangenen Pir- 
mation Kauuo's in Eine Urkunde zusammengezogen und in 
solcher Gestalt von Kozroh oder dessen Schreiber abgeschrieben 
worden ist. 

Der gleiche Pall liegt hier vor: in der überlieferten Auf- 
schreibung sind zwei Urkunden zusammengeflossen, nämlich die 
carta antiquae traditionis, die erste Hälfte, in welcher Reginolf 
disponirt, imd die epistola nova, die zweite Hälfte, in welcher 
der Bischof verfügend auftritt. Der Schreiber des Codex hat, 
wie es Bequemlichkeitshalber öfters vorkam, beide Vorlagen in 
Eine Urkunde zusammenzuschweissen versucht, freilich mit so 
geringem Geschick, dass die Nähte förmlich in die Augen springen. 

Der Copist hat nämlich, nachdem er eine Einleitung (von 
Dum non est incognitum bis sicut hie continetur) vorausgeschickt, 
von jeder der zwei Urkunden hauptsächlich das Mittelstück, 
die narratio und dispositio, aufgenommen; das erste endet mit 
den Worten „usque in aevum", das zweite ist von dem ersten 
durch einen erzählenden Zusatz des Schreibers getrennt, welcher 
berichtet, wie es zur Conplacitation d. h. zur Wiederholung der 

'■^'^) Wie wir solche z. B. in der Freisinger Urkunde für Innichen vom 
31. Dezember 827 (Cod. dipl. Austr.-Frising. in den Fontes rer. austr. Dipl. 
et acta XXXI. 18) vorfinden. 

^) Meieholbeck bist. Frising. Ib, no. 4 p. 26. 



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Die Passio s. Ploriani und deren Urkundenfälsohungen. 211 

Schenkung Reginolfs gegen Ueberlassung von Kirchengut auf 
Lebenszeit unter Bischof Otkar gekommen ist. Der Schreiber 
föllt in diesem Zusätze, welchen ich wie die Einleitung im Text- 
abdrucke ausgesperrt habe, in die im Tone einer notitia ge- 
haltene erzählende Form, in welcher er mittheilt, dass am selben 
Tage, an welchem Bischof Otkar in dem Orte Puoche (ubi pre- 
ciosus martyr Florianus corpore requiescit) weilte, sich der Pres- 
byter Reginolf mit der Bitte genaht habe, ihm hochstiftisches 
Gut zum Fruchtgenusse zu verleihen; verlässt dann mitten in 
der Erzählung die objektive Form, um bei den Worten „a nobis 
humiliter rogante" in die direkte Redeweise der Urkunde, welche 
der Bischof dem Donator ausstellt, überzugehen, welche er dann 
mit Auslassung der Pönformel bis zum Schlüsse abschreibt. Wie 
der Schenkungsurkunde das Schlussprotokoll fehlt, so mangelt 
der Firmation das Eingangsprotokoll. 

Unter solchen Anzeichen ist es möglich und sogar wahr- 
scheinlich, dass die am Schlüsse aufgezählten Zeugen nicht alle 
bei der Firmation anwesend waren, sondern dass einige der- 
selben die erste Schenkung bekräftigten, daher sie wohl ver- 
schiedenen Zeiträumen angehörig sind. 

Wie aber die Tradition Reginolfs im vollen Texte gelautet 
haben mag, zeigt die cartula des Priesters Engilger vom 
6. Oktober 815^®), womit er sein Erbgut in „Aduualdi juxta 
aquam quae voeatur Dratihaha" (Wallern bei Qrieskirchen), ins- 
besondere die Kirche daselbst an die Kirche S. Stefans und 
S. Valentins in Passau vergabt. Sie enthält Eingangs- und 
Schlussprotokoll, dann den selbständigen Urkundentext: Arenga, 
narratio und dispositio, Pönformel und Corroboration ; nur die 
Verzeichnung der Zeugen hat der Copist unterlassen, also doch 
eine Abkürzung vorgenommen. Die Arenga „coepi cogitare pro 
remedium anime meae seu pro absolutione delictorum meorum" 
ist nahezu gleichlautend mit jener in der Tradition Reginolfs. 

Da demnach eine Ueberarbeitung zweier Urkunden, eine 
Verschmelzung zweier verschiedener Texte in einen einzigen 
vorliegt, so ist es auch klar, dass wir keine der beiden Ur- 
kunden vollständig in ihrem ursprünglichen Wortlaute vor uns 
haben; es ist hiermit, wie ich glauben darf, von mir nunmehr 



'<>) Mon. boic. XXVIll. b, 41 no. XLVI. 



14* 



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212 Julius Straadt: 

der direkte Nachweis geliefert worden, dass der Zwischen- 
satz „ubi preciosus martyr Plorianus corpore requiescit^ eine 
erläuternde Zugabe des Copisten ist. 

Damit ist aber nicht nur ein in frühe Zeiten zurückge- 
rücktes Zeugniss für die Grabstätte des heil. Florian, sondern 
überhaupt das einzige Zeugniss hiefür gefallen. 

Auch abgesehen von dieser Beweisführung wäre der viel 
berufene Zwischensatz als eine Glosse des Schreibers anzusehen. 
Solche Zusätze zum Urkundentexte sind nicht selten, ich brauche 
als dem Herrn Recensenten zunächstliegend nur auf den Salz- 
burger codex Odalberti, der auch aus dem 10. Jahrhunderte 
stammt, hinzuweisen; Beispiele aus Urkunden und Copialbüchern 
von Kremsmünster wären mir zur Hand. Ich führe aber blos 
des mährischen Landesarchivars Berthold Bretholz „Studien 55u 
den Traditionsbüchern von S. Emmeram in Regensburg" **) an, 
welcher gefunden hat, dass Originalaufzeichnungen behufs Ein- 
tragung in die Traditionsbücher mehrfach umgearbeitet und er- 
weitert wurden; er machte nemlich bei jenem Teile des Codex, 
welcher die Ramwoldurkundeu (seit dem J. 975) enthält, die 
Wahrnehmung, dass Doppelfassungen, die sich inhaltüch decken, 
aber im Wortlaut verschieden sind, vorkommen, mitunter auch 
dass das, was in den Urkunden steht, nicht in der Vorlage ent- 
halten, sondern nur aus der Erinnerung des Schreibers geschöpft 
ist, weiters dass beispielsweise die Zeugenreihe in No. 135 
eigentlich eine Compilation aus zwei Gruppen von Zeugen ist, 
die bei zwei verschiedenen Handlungen zugegen waren, daher 
auch die ganze Fassung von No. 135 zwei zeitlich ausein- 
anderliegende Grundlagen umfassen muss. 

Ich gehe zum Zwecke der Beantwortung der schon von 
Ratzinger aufgeworfenen Frage, wie denn Erchanfrid und Otkar 
Sclienkungen für die S. Stefanskirche zu Passau, noch dazu 
ersterer in Fassau selbst, beurkunden und entgegenehmen und 
von Vorgängern (anteriorum episcoporum) spreclien konnten, da 
doch bei Weihbischöfen von einer Succession keine Rede sein 
könne ^^), zur Erörterung über 

die Chorbischöfe und deren Wirkungskreis 
über. 



•'j Miltheilungon des Instit. für öst. Geschichtsforschung XII. 1 — 45. 
'*^) In den „Forschungen'* S. 331. 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundonfälschungon. 213 

Das Institut der früheren Wanderbischöfe ^*) erhielt sich 
unter den Karolingern in veränderter Form. Die Chorbischöfe 
dieses Zeitalters sind zu Gehilfen und Stellvertretern ihrer Bi- 
schöfe geworden. Die Bischöfe dieser Zeit darf man sich nicht 
als friedliche Seelenhirten vorstellen, sie weilten am Hofe, 
rückten an der Spitze ihrer Vassalien im Gefolge des Königs 
oder des königlichen Heerführers in das Feld, ergaben sich auch 
der Jagd und manch' anderem weltlichen Vergnügen. Dümm- 
1er**) zählt 2 deutsche Erzbischöfe und 8 Bischöfe auf, welche 
im Kampfe gegen die Heiden gefallen sind; im J. 791 nahm 
der grössere Theil des bayerischen Episkopats theil an der Heer- 
fahrt gegen die Avaren. Bischof Franco von Lüttich ersuchte 
im J. 870 den Papst, ihm für alle geistlichen Verricht- 
ungen zwei Chorbischöfe zu weihen, weil er selbst in vielen 
Schlachten gegen die Normannen gefochten habe; diesem Wunsche 
wurde auch stattgegeben, da eine der von ihm vorgeschlagenen 
Persönlichkeiten, Berico, schon 871 als Dungrepsis chorepiscopus 
genannt wird"). Bisweilen wurden sie auch dazu verwendet, 
bei längerer Erledigung eines bischöflichen Stuhles in der Zwi- 
schenzeit die nothwendigen Verrichtungen des Bischofs zu ver- 
sehen, dessen Rechte sohin von ihnen grösstentheils ausgeübt 
wurden'®). So ist es dahin gekommen, dass im Anfange des 
9. Jahrhunderts fast in allen Diöcesen ein Chorbischof die 
bischöflichen Funktionen ausübte*'). 

Bei den Bischöfen von Passau, die wir gleichfalls nicht 
selten am Hofe und auf der Heerfahrt sehen, wird der Chor- 
bischof um so mehr eine hervorragende Rolle gespielt haben, 
als dem Bisthum seit den Niederlagen der Avaren ein so aus- 
gedehntes Missionsgebiet zugefallen war; auf dem Boden der 
Passauer Diöcese an der Fischa wurde im J. 805 (21. Sept.) an 

••) episoopi vagantes, qui parroohias non habent (Conc. vern. 755 
c. 13 Mon. Germ. Leg. II/l. 35). 

»*) Geschichte des ostfränkischen Reiches 2. Aufl. III. 639. 

•*) a. a, 0. n. 249. 

••) a. a. 0. I. 292. 

") Hierüber zu vergleichen: Waizsäcker „Der Kampf gegen den 
Chorepiskopat", Tübingen 1859. Die pseudo-isidorische Partei scheute sich 
nicht, in ihrem erbitterten Kampfe zur Untordrückimg des Chorepisko- 
pates erdichtete Kapitularien, SynodalbeschlUsse und päpstliche Dekrete 
aufzubieten. 



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214 Julius Strnadt: 

dem Kapchan Abraham die Taufe vollzogen. Es ist daher voll- 
kommen erklärlich, wenn wir sie in der sicherlich häufigen Ab- 
wesenheit oder Verhinderung des Bischofs oder sede vacante 
als Stellvertreter des Bischofs in Wahrnehmung und Ausübung 
der Rechte desselben, sogar in der zeitweilig verwaisten Bischof- 
stadt selbst, auftreten sehen. Erchanfrid und Otkar nennen sich 
nur vocati episcopi, in Stellvertretung des Diözesanbischofs aber 
sprechen sie ganz folgerichtig von „früheren Bischöfen" als Vor- 
fahren des episcopus Ordinarius, in dessen Namen sie handeln. 

Herr Sepp dürfte nach vorstehender Auseinandersetzung 
meine Auffassung der episcopi vocati schwerlich mehr als „eine 
Ausfluchf* hinstellen können; er hat sich jedoch vorsichtig ge- 
hütet, selbst eine Erklärung zu geben. Da dieselben in die 
Bischofsreihe seit Vivilo nicht einfügbar sind, so scheint er trotz 
seiner Aeusserung auf S. 19 ^^) noch immer im Banne der Lorcher 
Bisthumsfabel zu stehen und sich die beiden Bischöfe Erchan- 
frid und Otkar als Vorgänger Vivilos vorzustellen, wodurch er 
für selbe freilich sogar noch Vorgänger auf dem bischöflichen 
Stuhle, die vielfach ins Treffen geführten episcopi anteriores, 
gewinnen würde. Mit dieser Anschauung geräth er aber nicht 
blos mit sich selbst, sondern auch mit der ganzen kirchlichen 
Vergangenheit in Widerspruch. Denn die Lorcher Bisthums- 
fabel hat Dümmler bereits im J. 1854 in seiner Schrift über 
„Piligrim von Passau und das Erzbisthum Lorch" gründlich 
widerlegt und den neuesten Versuch Georg Ratzingers (f 3. De- 
zember 1899), eine bischöfliche Nachfolge herzustellen und den 
Bischof Piligrim von der auf demselben ruhenden Last gross- 
artiger Fälschungen zu befreien, im J. 1898^^) in vernichtender 
Weise zurückgewiesen ^^). 

Will dagegen Sepp in den beiden Bischöfen Wanderbischöfe 

'*) „Nur soviel mag Strnadt zugegeben werden, dass von einer 
Fortdauer des Bisthums Lorch nach dem Tode des Bischofs Constantius 
(gest. um 480) nicht die Rede sein kann." 

•®) „Ueber dif» Entstehung der Lorcher Fälschungen" in den Sitzungs- 
berichten der ph.-hist. Kl. der Berliner Akademie d. W. XLVII. 758-775. 

*^) Wenn ich in Anmerkung 185 S. 83 meiner Abhandlung die Be- 
merkungen Ratzingers in seinen Forschungen S. 352—357 als „immerhin 
beachtenswerth" bezeichnete, so zielte ich damit auf die Bestrebungen 
Wichings, nicht auf Ratzingers sonstige Hypothesen, was schon der 
Vordersatz meiner Anmerkung ausschliesst. 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 215 

erkennen, so vergisst er darauf, dass bei den episcopi vagantes 
von einer Succession nicht gesprochen werden kann, dass in 
Baioarien vor ßonifatius überhaupt keine kirchliche Organisation 
mit einer Gliederung in Diöcesen bestand, dass die Namen Erchan- 
frid und Otkar schon das rein deutsche Geblüt und wohl auch 
die baioarische Abstammung verrathen, dass wir endlich über 
die Glaubensboten, welche aus den britischen Inseln und dem 
Prankenreiche nach Baioarien kamen, ziemlich genau unter- 
richtet sind, daher die Annahme, Erchanfrid und Otkar seien 
solche Wanderbischöfe gewesen, von denen sich jede gestjhicht- 
liche Kunde verloren, ein ganz verweifeltes Auskunftsmittel wäre. 

Auf die Gegenbemerkung Sepps, dass ein Bodalunc auch 
in einer Passauer Urkunde von 754 (M. B. 28 b No. 16) als Zeuge 
vorkomme, stelle ich einfach fest, dass ich diesen Namen nicht 
als ein Unicum, wohl aber als eine Seltenheit bezeichnete 
(S. 53 meiner Abhandlung), wogegen sein Podalunc schon aus 
dem Grunde nicht verwerthbar ist, weil derselbe in einen Zeit- 
raum fällt, in welchem die Reihe der Bischöfe von Passau völlig 
geschlossen erscheint und letztere mangels eines Missionsgebietes 
keiner Gehilfen bedurften. 

Wenn Herr Sepp schliessHch behauptet, der Zwischensatz 
ubl preciosus martyr Plorianus corpore requiescit in der Be- 
urkundung über die Schenkung Reginolfs erkläre sich einfach 
daraus, dass es zahlreiche Orte des Namens Puch gab und da- 
durch eine nähere Bestimmung nothwendig wurde, so verweise 
ich auf das Ergebniss der Untersuchung über diese Beurkundung. 
Nach dieser gehört der Zwischensatz zweifellos einzig und allein 
dem Kopisten an, welcher durch diese Einschaltung nur seine 
persönliche Meinung zum Ausdrucke brachte; diese kann um 
so weniger eine Beweiskraft haben, als sie Jahrhunderte 
hindurch völlig vereinzeint dasteht. Ja es ist nicht 
einmal die Identifizirung jener Oertlichkeit ad Puoche, an welcher 
Bischof Otkar die Vereinbarung mit Reginolf traf, mit der nach- 
mals S. Florian genannten Ortschaft durch irgend ein auch nur 
annähernd gleichzeitiges Zeugniss gesichert, sie wird nicht im 
im Urkundentexte, sondern nur in der notitia des Schreibers 
genannt. 

Ortschaften und Weiler, welche die Bezeichnung Puch 
(Buch), Puche, Puchet (Puchaech) tragen, gibt es nicht wenige 



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216 Julius Ötrnadt: 

auf dem Wege aus der Ostmark herauf bis Passau : Buch (n. von 
Strengberg, w. von Achleiten), Buchner (s.-ö. von S Valentin, 
s. von Ströbiz) [wahrscheinlich das Puchach des Lonsdorfer 
Codex], Nieder-Buch Pfarre Kirchberg im Hausruckviertel, Ober- 
Buch in der Pfarre Oftering, Buch in der Pfarre Weibern, 
Buchet in der Pfarre Eferding, Puch in der Pfarre Peuerbach, 
Puchet in der Pfarre Kalham, Buch in der alten Pfarre S. 
Florian am In (in der heutigen Pfarre S. Marienkirchen), ganz 
abgesehen von den vielen Oerthchkeiten dieses Namens im 
oberen und im mittleren Inviertel. Auch im Traunviertel, etwa 
IV2 Stunden vom Stifte S. Florian in südöstlicher und südlicher 
Richtung entfernt, verzeichnet der Lonsdorfer Codex um das 
J. 1260 zwei Weiler Puch, in deren jedem das Hochstift damals 
zwei Höfe besass: nächst Hart in der Pfarre Hargelsberg imd 
nächst Grünbrunn in der Pfarre Niederneukirchen *^). Der Kopist 
des ältesten Passauer Traditionsbuches scheint irgend ein Buch 
gekannt zu haben, wohin er die Reliquien des HeiUgen versetzte: 
denn mehr bedeuten die Worte ubi . . . requiescit corpore nicht, 
und davon, dass sein Grab in Buch sich befinde und daselbst 
eine Kleriker-Congregation bestehe, welche Tag und Nacht Gott 
diene, schweigt er vollends. Erst aus dieser Glosse hat man 
später, als das Grab S. Florians an die Stätte des heutigen Stiftes 
verlegt wurde, gefolgert, der jetzige Markt S. Florian müsse 
ursprünglich Buch geheissen haben. 

Der Anwendung des Satzes endlich, dass unter Umständen . 
das Alter des Kultus eines Heiligen den Beweis seiner Existenz 
ersetzen könne, steht die von mir erwiesene Thatsache, dass 
gerade rund um das angebliche Grab des Märtyrers 
Florian durch die bis 829 fortdauernden Stiftungen nach 
Mondsee die vorherrschende Verehrung des Erzengels 
Michael bezeugt ist, im Wege. 

Herr Sepp fährt auf S. 24 fort: »doch Herr Strnadt geht 
noch weiter. Nach seinem Urtheil (S. 37 Note 62) verdient auch 
Aventins Versicherung, im Kloster Mönchsmünster ein Buch 
gesehen zu haben, „das im Jahre 819 in S. Florian zu Ende 

*») Mon. boic. XXVIII. b, 178-180, 456-457, Abschnitt: „Hec sunt 
possessiones que attinent ecclesiae Patauiensi circa Trunam et anasum 
et circa illas partes." — Puchach ö. der Ens p. 471 , uillicatio in Puch 
bei Oftering p. 470. 



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Die Passio s. FJoriani und deren Urkundenfälschungen. 217 

geschrieben war (annal. IV. cap. 9 Ausg. d. b. Akad. Bd. II 
S. 519) keine Widerlegung; entweder ist Aventin „eine Irrung 
unterlaufen oder die Angabe überhaupt erfunden**. Gewiss ein 
bequemes Mittel, um unliebsame Zeugnisse aus der Welt zu 
schaffen!" 

Die letzte Beschuldigung ist blos ein Ausfluss des Unwillens 
des Herrn Recensenten; denn er wusste, als er die Recension 
schrieb, selbst noch nicht, dass der Codex auf unsere Tage 
gekommen ist. Mir entging die Nachricht Dümmlers ^^) deshalb, 
weil mir zur Zeit der Verfassung meines Aufsatzes Dümmlers 
Werk nicht zu Gebote stand. 

Sobald ich jedoch anfangs August vom Herrn geh. Ober- 
regierungsrathe Dümmler hierauf aufmerksam gemacht worden 
worden war, habe ich nicht gesäumt die umfassendsten Forsch- 
ungen anzustellen. Da dieselben zu einer weitgreifenden Unter- 
suchung führten und mehrfach neue Gesichtspunkte eröffneten, 
welche ich ohne Beeinträchtigung meiner Beweisführung nicht 
übergehen darf, so bringe ich die Ergebnisse in dem nach- 
folgenden eigenen Abscimitte über 

Aventins Handschrift von Mönchsmünster. 

Aventin (f 1534) berichtet in seinem Annalium Boiorum 
libri Septem (nach der Ausgabe seiner Werke von Riezler IL 519) 
folgendes : 

Hoc hello (es war von dem Kriege der Franken gegen 
Liudewit, den Herzog der pannonischen Chor waten die Rede) 
scriptus est codex, qui ex membranis conpactus, monstratur in 
Monachorum Monasterio, quod a patria mea decem miUia passuum 
occidentem uersus hiemalem, in ripa Ilmi conditum extat. Sunt 
in illo libro descriptae vitae divorum a Paschasio e Graeca lingua 
in romanam translatae; item Hylarion divi Hieronymi, adeo 
antiquis literis, ut mihi repuerascendum et ad prima elementa 
redeundum fuerit. haec ad verbum in calce leguntur. hie Über 
fuit inchoatus in Hunia in exercitu, anno Domini 



**) Gesch. des ostfränkischen Reiches. 2. Aufl. Bd. I S. 36 Anmerk- 
ung 1: „Auf diesen Feldzug bezieht sich auch die Notiz in der jetzt 
Brüssler Handschrift 8216—18: Hie über inchoatus . . . (Pertz Archiv 
VIL 81; Turmair Werke IL 519 ed. Riezler)." S. übrigens den Nachtrag 
Riezlers a. a. 0. ÜI. 699. 



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218 Julius Strnadt: 

DCCCXVIIII. 4. nonas Junii et perfinitus apud sanc- 
tum Plorianum pridie idus Septerabris, in hebdomada 
quinta deciraa. 

Wenige Jahrzehnte darauf im J. 1580 hat diesen Codex 
Wigulaus Hund (Metropolis Salisburgensis I. Band vom J. 1582 
S. 250; auch IL Band ed. Gewold S. 357) trotz eifriger Nach- 
forschung nicht mehr im Kloster vorgefunden und blos ver- 
muthet, dass derselbe mit anderen Büchern an die herzogliche 
Bibliothek abgeliefert worden sei. 

Dieses plötzliche Verschwinden der Handschrift hat mich 
auf die in der Anmerkung 62 auf Seite 37 meiner Abhandlung 
ausgesprochene Vermuthung geführt, Aventin habe sich geirrt 
oder habe die Sache erfunden. 

Nun fand Dr. Ludwig Bethmann auf seiner „Reise durch die 
Niederlande, Belgien und Frankreich" vom Juni 1839 bis Sep- 
tember 1841 (Pertz Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Ge- 
schichtskunde VIII (1843) S. 25—101) eine Handschrift Heiügen- 
legenden in Brüssel, deren Schreiber am Ende bemerkte: „hie 
über fuit inchoatus in Hunia in exercitu a. D. 819 et perfinitus 
apud S. Florianum", worüber Bethmann S. 81 Anm. 1 sich dahin 
aussprach, dass ganz dasselbe, was er im Texte von dem Schreiber 
Leodhardus im Kloster S. Mariae de Claro Marisco unter Abt 
Nonantarius 804—814 gesagt: dass dessen Schrift schon so aus- 
gebildet sei, dass man sie ohne das Zeugniss seiner Unterschrift 
ins Ende des 9. oder in den Anfang des 10. Jahrhundertes 
setzen würde, — auch von der genannten Handschrift gelte. 

Die von Bethmann in der königl. Bibliothek in Brüssel 
(8216—18) wieder aufgefundene Handschrift ist der Codex, den 
Aventin um 1530 in Mönchsmünster eingesehen hat; denn auf 
ihrem letzten Blatte (Fol. 291) steht wirkHch die Notiz: „Hie 
über fuit inchoatus in Hunia in exercitu anno Domini dccc xvmi 
mi. n. Jun. et perfinitus apud sanctum Florianum IL Id. 
Sept. in ebd. xv ma." Sie ist mit etwas hellerer Tinte und 
mit kleinerer Schrift an den Schluss des Codex gesetzt, aber 
nach dem Urtheile Dr. Krusch's, welchem die Handschrift im 
letzten Herbste zu seinen Arbeiten für die Monumenta Germaniae 
historica vorlag, unstreitig gleichzeitig und wohl auch von 
dem Schreiber des Codex selbst herrührend, ganz fraglos, dass 
die Handschrift im J. 819 entstanden ist. 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 219 

Der Schriftcharakter ist sehr alterthüralich (durchweg ge- 
schlosseneji cc), weist auf keine bestimmte Schule und Gegend. 
Die Handschrift, welche die vitae patrum enthält, gehörte nach 
einer Eintragung auf fol. 1 schon im J. 1600 dem Jesuiten- 
coUeg in Ingolstadt an, an welches sie zugleich mit dem Kloster 
Mönchsmünster gelangt sein wird, und wanderte später, wie aus 
der Signatur 0. M. 5,5 zu schliessen, in das Museum der Bollan- 
disten. 

Welchen Ursprunges die Handschrift ist und wo sich die 
Oertlichkeit „apud s. Plorianum" befindet, wird der weitere 
Verlauf der Untersuchung mit jener Wahrscheinhchkeit, welche 
in solchen Dingen überhaupt zu erreichen ist, lehren. 

Zu diesem Zwecke gehe ich vorerst auf die Gründung und 
Entwicklung der klösterlichen Niederlassung Mönchsmünster 
zurück. Eine Stiftungsurkunde war bereits im 12. Jahrhunderte 
nicht mehr vorhanden, als K. Lothar III. das Kloster im J. 1133 
und 1134 über Verzicht des Herzogs Heinrich von Bayern und 
des von letzterem mit dem Klosterorte belehnten Markgrafen 
Diepold von Vohburg dem Bisthum Bamberg (Bischof Otto 
1102 — 1139) übergab. Von der Vergangenheit des Klosters lässt 
die Urkunde ddo. Mainz, 23. Oktober 1133*^) den Kaiser sagen: 
die Abtei Sueiga, wie sie in alten Privilegien hiess (die zweite 
Urkunde ddo. Merseburg, 6. Juli 1134 setzt bei „nunc auteni 
usitatior nomine monasterium vocatur") ^^) sei durch die Eingriffe 
der Könige und der Fürsten sowie durch die Nachlässigkeit 
ihrer Vorstände „a tempore regis arnolfi" unterdrückt und der 
Güter beraubt, der Ort selbst im Verlaufe der Zeiten lehen- 
weise ausgethan worden'*^). 

Die Angabe, König Arnolf (f 899) sei es gewesen, welcher 
dem Kloster die Güter entzog, ist entschieden fehlgegriffen; 
denn Arnolf unterstützte, wie die Beschlüsse der Synode von 
Tribur zeigen, die Bischöfe bei ihren Bestrebungen, verschiedene 
Kirchen fürst en erfreuten sich seiner Gunst und eines grossen 
Einflusses, nicht wenige Schenkungen wandte er der Kirche 
zu^^). Offenbar ist Herzog Arnulf von Bayern, der Sohn Luit- 

«) Mon. boic. XXIX. a, 259. 
**) Mon. boic. XXIX. a, 262. 

*^) „cum enim a regeamolfo aeoclesiae praefatae possessiones distractae 
ac deinde . . . locus ipse cum suis appendiciis esset coucessus^*. 
«) Dümmler a. a. 0. III. 401-40?, 



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220 Julius Sirnaclt: 

polds (f 907), gemeint, welchem die kriegerische Zeit tiefe Ein- 
griffe in das Vermögen der Klöster aufnöthigte, um seine Vas- 
salien auszustatten, deren er zum Kampfe gegen die Heerzüge 
der Ungarn bedurfte. Wenn die Vermuthung Nagels *^) richtig 
ist, dass Mönchsmünster von Arnulfs Vorfahren dotirt wurde, 
so mag er um so leichter die Güter zurückgenommen haben. 

Aus den Urkunden erhalten wir demnach keine Auskunft 
über den Zeitpunkt, in welchem Mönchsmünster entstand, und 
über seinen Stifter; denn die Meldung Hundt-Gewold *^), Mönchs- 
münster sei vom Herzog Oatilo gegründet worden, beruht auf 
einer Verwechslung mit Pfaffenmünster nächst Straubing, das 
Aventin*^) für eine Stiftung Oatilos ausgibt; die beiden Inschriften 
in der Kirche in Mönchsmünster sowie im Chore des nahen 
Klosters Weltenburg*®), welche die Stiftung dem Herzoge Tassilo 

*^) Origines domus Boicae p. 69. 
«) Metropolis Salisburg. IL 367, IIL 70. 

") Bayerische Chronik, Buch III, Cap. 68, herausgegeben von Lexer 
in Turmairs Sämmtliche Werke V, 92: „Von den stiften künig Huteis: 
Künig Hutel stiftet Niderburg zu Passau, Osterhofen, Pfaffen münster, 
Altaich unders und obers, Mansee Benedioten ordens." 

«>) Hundt-Gewold a. a. 0. III. 357; Mon. boic. XIII. 506. 
Inschrift in Mönchsmünster: 

Tassilo Diix Boium qui nomine dicitur ipso 

Tertius, ille pius fundat et aedificat 
Istud ooenohium Münster quod habere videtur 

A monachis nomen, utque hodie vooitant. 
Annis sum numero Domini septingintique decemque 

Lustra ierant, sed mox fit solitudo iterum. 
Princeps Arnolfus siquidera Bavarorum, agitatus 

Eumenidum furiis in cinerem redigit. 
ültrix illico quem Nemesis sequitur, meritumque 

PersoJvit poenam, Sylla velut moriens. 
Post divus veniens praesul Bambergius Otto 

Nempe Lotharius ut Induperator erat. 
Romulidum quo tempore destruotum reparavit 

MC sub uno anno . . Ems .... 
Historiae referuntque Ducem supra memoratum 

Cui monasterium hoc construere placuit. 
Aedes deinde monasterium fundavit amoenas: 
Sic fundatorem Leotor amice tenes. 
Inschrift in Weltenburg: 
Tassilo Dux Bauarie, fundator huius ecolesie, sex struxit in Bauaria 
Tassilo dux monasteria: Weltenburg, KremsmUnster, Loroh, WQsselprunn, 
Pfaffenmünster. 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 221 

beimessen, sind werthlos, denn die erstere, welche schon drei 
Tassilone in der Reihe der Agilulfinger kennt und deshalb nicht 
über das 14. Jahrhundert zurückreichen könnte, ist wegen der 
mythologischen Anklänge sogar in das 16. Jahrhundert herab- 
zurücken, während die zweite dem Bernardus Noricus entnommen 
ist und daher höchstens aus dem 14. Jahrhunderte stammt 
Jener Abt Arno, welcher als der letzte der Aebte verzeichnet 
ist, welche auf der Reispacher Synode anwesend waren *0 und 
von Nagel (p. 47) für Mönchsmünster in Anspruch genommen 
wird, lässt sich nicht identificiren, weil die lokalen Zusätze bei 
den einzelnen Aebten zweifellos erst späterhin beigesetzt 
worden sind. 

Das Traditionsbuch ") beginnt erst in der Zeit eines Königes 
Otto, wahrscheinlich Ottos III., um das Jahr 996 und reichte 
auch ursprünglich, da nur die zwei ersten Blätter fehlen, höch- 
stens bis gegen die Mitte des 10. Jahrhunderts zurück. Wir 
ersehen aus ihm, dass die Niederlassung bis in den Beginn des 
12. Jahrhunderts hinein ein CoUegiatstift war; denn so viele 
Mühe sich später ein Mönch gegeben hat, die Worte clerici und 
canonici zu tilgen, so sind sie doch mitunter stehen geblieben 
oder verräth der einzeln^ Buchstabe c, wie das Wort ursprüng- 
lich gelautet habe, endlich spricht das Fragment der trad.LXXXIV 
von einem Propste und Erzpriester Gerold, der noch um 1100 
dem S. Peterskloster vorstand. Erst um 1 120 wurde das Kloster 
den Benediktinern übergeben und als erster Abt jener Richar 
eingesetzt, welcher in der Königsurkunde von 1133 genannt 
wird ^^). 

Aus diesen gesichteten Nachrichten geht mit Bestimmtheit 
hervor, dass das Kloster Schwaig in seiner ersten Anlage eine 
Kleriker-Congregation gewesen ist und die Benennung Mönchs- 



**) Meichelbeck bist. Freising I a, 94 h%t das älteste Verzeichniss, 
in welchem jedoch „Arno" nicht als Abt, sondern als Archipresbyter be- 
zeichnet ist. 

°*) Jetzt im k. Reichsarchive in München Cod. Mönchsmünster No. 80; 
veröffentlicht von dem Pfarrer Nagel in Ror a/d. Um in seinen Orig. domus 
Boicae p. 1—43. Es ist von einer Hand des 10. «Jahrhunderts begonnen 
und von wechselnden Händen weitergeführt. 

") Auch die vorletzte Tradition No. LXXXV. hat seinen Namen 
bewahrt. 



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222 Julius Strnadt: 

raünster erst nach seiner Besiedlung mit Benediktiner-Mönchen 
empfangen hat. 

Möglich, dass die Verrauthung Nagels sich bewährt, Schwaig 
sei, weil auf Scheyern'schen Boden erbaut, von den Vorfahren 
des Markgrafen Luitpolds gegründet, habe schon vor den Ein- 
brüchen der Ungarn bestanden, daher in die Zeiten der Karo- 
linger zurückgereicht; aber eben nur möglich, da — wie Hirsch 
(Jahrbücher des Deutschen Reiches unter K. Heinrich U. L 102 
Anmerkung 3) zutreffend bemerkt — jedes Kloster vor der 
Umwälzung d. i. vor der Verheerung durch die Ungarn und 
der Aufsaugung des Besitzes durch Laien und Bischöfe dage- 
wesen sein und ungemeine Reichthümer besessen haben will. 

In keinem Falle aber kann das Kloster schon unter den 
Agilulfingern errichtet worden sein; denn es war, soweit wir 
zurückblicken können, ein CoUegiatstift und die Einführung des 
klösterlichen Zusammenlebens der Kleriker ist erst unter Kaiser 
Ludwig dem Frommen erfolgt. Damit ist die obere Zeitgrenze 
gegeben, jenseits welcher die Niederlassung von Kanonikern in 
dem nachmals sogenannten Mönchsmünster sich nicht vollzogen 
haben kann. 

Wir kommen daher auf die Einführung des geraein- 
samen Lebens der Kleriker zurück, über welche ich auf 
S. 73 — 74 meiner Abhandlung einen kurzen Ueberblick zu geben 
versuchte. Zeissberg, Simsen ^^) und Mühlbacher (in der ersten 
Auflage der Karolinger Regesten) setzten die Reichsversammlung 
in Aachen, auf welcher eine Regel für die Kanoniker und Ka- 
nonissen erlassen wurde, auf das Jahr 817 an, mit welchem 
Ansätze aber Simson schon deshalb ins Gedränge gerieth, weil 
nach seiner eigenen Begründung die Reformen für Mönche und 
Kanoniker gleichzeitig vorgenommen wurden, Abt Benedikt von 
Aniane (f IL Febr. 821) aber erwiesener Massen mit der Kloster- 
reform erst auf jener Reichs Versammlung betraut worden ist, 
welche nach Weihnachten 818, also anfangs 819 in Aachen 
stattfand. Nun hat sich inzwischen auch gezeigt, dass alle 
Drucke des Erlasses Kaisers Ludwig ^^), womit er kund that, 

^) Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Ludwig d. Fr. L 90 Note 5. 

") Mon. Germ. hist. Leg. l. 204 aus der Pariser Handschrift des 
IX. Jahrhundertes in tironischen Noten. Die Lesung der letzteren ist 
ausser allen Zweifel gestellt. 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 223 

dass er in seinem 5. Regierungsjahre berathschlagt habe, was 
jedem Stand, den Kanonikern, Mönchen und Laien fromme, 
dass er diese geraeinsamen Beschlüsse „quid canonicis proprio 
de his quidve monachis observandum" aufzeichnen und den 
einzelnen habe übergeben lassen, — irrig ,,quarto anno imperii 
nostri" statt „quinto anno^ hatten. Diesem bestimmten Datum 
gegenüber fällt die Angabe der auch sonst ungenauen vita 
Hludovici c. 28, welche auch die Verfügungen bezügUch der 
Kanoniker, die Freilassung für die Weihen, die Zutheilung eines 
Mansus an jede Kirche dem Aachner Reichstage vom J. 817 
zuweist, nicht ins Gewicht, wogegen Ermoldus Nig. III. 503 
(Mon. Germ. Poetae lat. II. 55) von dieser Gesetzgebung erst 
nach dem bretonischen Peldzuge von 818 erzählt. 

Es ist sonach ausser Zweifel gestellt, dass die Beschlüsse 
wegen Einführung des kanonischen Lebens erst der Aachner 
Reichsversammlung des Jahres 819 angehören, von welcher 
Einhard (Ann. rer. Franc.) berichtet: „Conventus post natalem 
domini habitus, in quo multa de statu ecclesiarum et mona- 
st^riorum tractata atque ordinata sunt, legibus etiam capitula 
quaedam pernecessaria, quia deerant, conscripta et addita sunt." 

Erst mit diesem chronologischen Datum ist die Meldung 
von Ad(^mar bist. III. 2 (Mon. Germ. Script. IV. 119) vereinbar- 
lich, dass in Gemässheit der im August 816 in Aachen abge- 
haltenen Synode •'^^) der Diacon Amalarius mit der Zusammen- 
stellung dieser Satzungen beauftragt worden sei, zu welchem 
Zwecke ihm die nöthigen Bücher aus der Pfalzbibhothek zur 
Verfügung gestellt wurden; denn für eine so umfängliche 
Arbeit wäre, wie Mühlbacher bemerkt •^^), die Zeit bis zur 
Aachner Versammlung im Juli des Jahres 817 zu kurz gewesen. 
Die zwei von den Ann. Lauriss min. erwähnten zwei Codices 
(„et duo Codices scripti sunt, unus de vita clericorum et alter 



^) „Concilium magnum ei praoceptum est, ut monachi omnes cursum 
8. ßenedicti cantarent ordine regulari." Ann. Lauriss. min. 

*^) Regesta Imperii I. zweite Auflage 181M) No. 622 a. Ueber den 
ürastÄnd, dass die Instruktion für die Königsboten wohl im unmittelbaren 
Anschluss an die Aachner Gesetzgebung 819 erlassen wurde, vgl. man 
Mühlbacher a. a. 0. No. 677 (634) und in dieselbe Zeit ist auch das Rund- 
schreiben zu setzen, von welchem das an Erzbischof Arno von Salzburg 
gerichtete (No. 678, resp. 6^35) überliefert ist. 



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224 Julius Strnadt: 

de vita nonnarum") wurden daher erst auf der Aachner Ver- 
sammlung des Jahres 819 approbirt. 

Demgeraäss hat auch Mühlbacher in der zweiten Auflage 
seiner Regesta Iraperii *^) diese Beschlüsse sowie die Instruktion 
für die Königsboten auf das J. 819 angesetzt. 

Für die Durchführung derselben hatte Kaiser Ludwig eine 
dreijährige Frist bestimmt, wie wir dem Briefe des Erzbischofs 
Hetti von Trier (f 847) an den Bischof Frothar von Toul 
(812/13— 847/48)5») entnehmen, welche also im J. 822 geendet 
hätte; aber noch im J. 828 verzeichnet ein Aachner Capitulare ®^), 
dass diese Reform noch nicht überall durchgeführt sei. 

Es verrückt sich demnach der Beginn der Massregeln zur 
Einführung der kanonischen Regel bis in das Jahr 819 
hinein, woraus folgt, dass in diesem Jahre in der Schwaig 



5«) Nummern 673 (629), 674 (630), 676 (633), welchen diese Darstellung 
in der Hauptsache entnommen ist. 

***) Hetti gracia Dei archiepiscopus venerabili in Christo et cum summa 
reverencia nominato Frothario episcopo Tullensi saluberrimam implorat 
salutem. Meminisse volumus sagacitatem vestram monitionis, quam 
instant! anno simillimis apicibus suscepistis expressam. Non nescitis euim, 
cum qua cautela hoc mandatum suscepiraus domni imperatoris, nos in 
diocesi nostra et episcopi singuli in parrochiis suis, id est de regula 
äugende religionis et de ministratoriis canonicorum officinis, ut si 
quibus in locis comt« (non) essent, deinoeps cum summa diligentia orna- 
rentur. Nunc autem in proximo est placitum, quo sine dubio sciscitabitur 
de obtemperatione sui dominus mandati. Quapropter scnitemini diligenter 
in parrochia vestra, in vestris aliorumque monasteriis, si praefata regula 
digne per omnia conservetur, et si officinae iuxta ipsius decreta constructe 
atque innovatae contineantur: ut, cum imperiali solerciae praesentabimus 
deiecta procul molimenta aliorum una nobiscum, ex omnibus illi a nobis 
veritas nuntietur. Per triennium enim haec monitio facta est. Idcirco 
nuUa potest inveniri occasio, ideoque quanto cuique fuerit inperfectior, 
tanto et fragilior. Valete in Domino et parvitatis nostrae nolite oblivisci. 
Deus pacis et dilectionis sit vobiscum. Amen. Mon. Germ. Script. Epist. 
V/I (1898) 278 No. 3 aug dem Pariser Codex 13090 (einst S» Germain) von 
einer Hand des 9. Jahrhunderts. 

^^) Mon. Germ. Leg. I. 327. Cap. Aquisgr. c. 9: „De institutione vitae 
canonicorum, quam Deo inspirante et administrante pia misericordia vestra 
ordinavit, ut omnes idem sentiant et huius proprio metropol itano cura 
delegetur, quatenus in singulis locis, ubicumque secundum iussionem 
vestram completa est, perfecte custodiatur, ubi necdum consummata 
est, Providentia et studiis perficiatur.'* 



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Die Passio s. Floriani und deren ÜrkundenfälschuDgen. 22B 

eine Kleriker-Congregation noch nicht bestanden haben 
kann und ebenso wenig im heutigen S. Florian bei Ens. 

Damit ist auch die Möglichkeit völlig ausgeschlossen, 
dass unter dem Ausdrucke „apud sanctum Florianum" der 
Schlussnotiz der Handschrift von Mönchsmünster das nachmalige 
Stift S. Florian zu verstehen wäre; die Notiz eignet sich daher 
nicht weiter als Beweismittel für den Bestand des sogenannten 
„alten" Klosters in diesem Zeitpunkte. 

Nach meiner Ueberzeugung hat der Geschichtsforscher nicht 
blos Unrichtigkeiten und Erfindungen zu beseitigen, sondern 
auch nach Möglichkeit klarzulegen, wie die Ereignisse in 
Wirklichkeit sich vollzogen haben. Nicht früher gab ich 
mich zufrieden, bis ich nicht die Ueberzeugung erlangt haben 
konnte, die viel citirte Oertlichkeit aufgefunden zu haben. Lange 
pochte ich an den Pforten Italiens, bis sie mir von freundlicher 
Hand geöffnet wurden; ich erfülle eine angenehme Pflicht, indem 
ich an dieser Stelle allen hochwürdigen geistlichen Herren und 
allen weltlichen Fachmännern in Italien, im österreichischen 
Küsienlande und in Tirol für die liebenswürdige Unterstützung, 
welche sie meinen Forschungen so unermüdet zu Theil werden 
liessen, meinen aufrichtigen Dank abstatte. 

Die Notiz der Handschrift meldet, der Schreiber habe sie 
am 2. Juni 819 auf der Heerfahrt nach Hunnien angefangen 
und am 12. September beim heiligen Florian beendet; das will 
sagen: nach seiner Heimkehr vom Kriege an einem Orte, der 
für ihn ein Ruhepunkt war und an dem sich eine Kirche be- 
fand, welche Reliquien des heil. Florian enthielt oder doch ihm 
zu Ehren geweiht war. 

Der Schreiber gehörte zweifellos dem Klerus an. nicht blos 
weil damals die Schreibkunst fast nur der Geistlichkeit zu eigen 
war, sondern auch deshalb, weil Heiligenleben zur Erbauung der 
Gläubigen mit oder ohne schriftliche Vorlagen verfasst und das 
Abschreiben selbst als verdienstliches Werk angesehen wurden 
denn, wie Dümmler^') hervorhebt, die Fortpflanzung und Ver- 
breitung des überlieferten Stoffes musste in diesem Jahrhunderte 
der selbstständigen Weiterbildung vorangehen. So waren damals 
die Aebte Waldo von S. Gallen und Reginbert von Reichenau 



«») a. a. 0. III. 660. 
Archivalifiche Zeitsohrift. Neue Folge IX. t5 



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22ß Julius Strnadt: 

fleissige Bücherschreiber; Willehad, nachmals Bischof von Bremen, 
schrieb während seines zweijährigen Aufenthaltes im Kloster 
Echternach die Briefe des Apostels Paulus und noch manches 
andere ab. 

Es mag auffallen, wie so ein Geistlicher, wenn er auch im 
eigenen Namen oder als Stellvertreter seines Oberen in den 
Krieg ziehen musste^^), sich im Felde mit Bücherschreiben ab- 
geben konnte; wir haben jedoch dafür einen bis auf das Jahr 
gleichzeitigen Beleg an dem Bischof Claudius von Turin ^*), 



^^) Wie trotz der Kirchengeset zo die durch die Lehen, welche sie 
inne hatten, zum Kriegsdienst verpflichteten Bischöfe und Aebte gleich 
den Grafen und Vassalien dem kaiserlichen Befehle nachkamen, zeigt 
schlagend der Aufgebotsbrief des Erzbischofs Hetti von Trier an den 
Bischof Frothar von Toul zur Heerfahrt gegen König Bernhard von Italien 
m J. 817, welchen ich eben deshalb aus Mon. Germ. Epist. V/I, 277 No. 2 
mit dem vollen Texte hierher setze: 

In nomine domini nostri Jesu Christi. Hetti misericordia Dei arci- 
episcopus diocescos Treforcnsis nee non et legatus Hluduuioi Sere- 
nissimi i m p e r a t o r i s venerabili fratri Frothario Tullensi episcopo oter- 
nam salutem. Notum sit tibi, quia terribile imperium ad nos pervenit 
domni imperatoris, ut omnibus notum faceremus, qui in nostra lega- 
cioue mauere videntur, quatenus huniversi se praeparent, qualiter pro- 
ficisci valeant ad bellum in Italiam, quoniam insidiante satana Bernardus 
rex disponit rebellare illi. Propterea tibi mandamus adque praecipiraus 
de verbo domni imperatoris, ut solorti sagacitato studeas cum summa 
festinatione omnibus abbatibus. abbatissis, comitibus, vassis domi- 
nicis vel cuncto populo parrochie tuae, quibus convenit miliciam regiao 
potestati exhibere, quatenus omnes praeparati sint, ut si vespere eis 
adnunciatum fuerit, mano, et si mane vesperi absqiio uUa tardiiate pro- 
ficiscantur in partes Italiae, quia domnus imperator suum iter praeparat, 
ut quando citius potcrit in partes illas una cum fidelibus suis pergat. 
Vergl. auch den Aufgebotsbrief K. Karls des Grossen (804) an Abt Fulrad 
(von S. Quentin Mon. boic. XI. KX)), ,,pleniter cum hominibus tuis bene 
armat is ac praeparatis**' am 17. Juni sich zum placitum generale in "ötaras- 
furt (Stasfurt an der Bodo) einzufmden. 

'^') ('laudius tritt als Bischof schon im J. 823 auf, war es wahrschein- 
lich aber schon 815 und starb nach dem Mai dos J. 827, jedenfalls noch 
vor dem 22. Jänner 8Ji2. Er war spanischen Herkommens — wie Bischof 
Jonas von Orleans in seinem Briefe an König Karl (den Kahlen c. 840 — 844 
Mon. Germ. Epist. V/I, 358 No. 32) berichtet — , ein eifriger Prediger, der 
seine neue Stellung als drückende Last empfand, zumal ihm selbe die 
Müsse zu den geliebten theologischen Studien beschränkte. S. Simsen 
Jahrbücher des deutschen Reiches unter Ludwig dem Frommen II. 247 
Note 1. 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 227 

welcher in der praefatio ad epistolas Pauli apostoli^*) sagt: Iro 
Winter nehme jetzt das Hin- und Herreisen an den Hof seine 
Zeit weg, nach der Mitte des Frühjahrs müsse er bewaffnet auf 
der Küstenwacht gegen Saracenen und Mauren liegen, doch 
nehme er unter den Waffen auch das Pergament mit und 
habe sich, wenn er bei Nacht das Schwert halten musste, am 
Tage jenem und dem Schreibrohr zugewandt, 
versuchend, das begonnene Werk zu vollenden. 

Eine solche herzenjuickende Gestalt, wie sie wirklich gelebt 
und nicht eine Romantigur aus Scheffels Ekkehart, muss auch 
unser Schreiber gewesen sein ; es verlohnt sich daher der Mühe, 
wenn auch nicht seinen Namen, doch seine Zuständigkeit aus- 
findig zu machen. 

Wir haben zu diesem Zwecke die damaligen Zeitverhältnisse 
genau ins Auge zu fassen, insbesondere auf die Feldzüge zurück- 
zugehen, welche im J. 819 von den Franken „in Hunnia" d. h. 
dem fränkisch gewordenen Teile des ehemaligen Machtgebietes 
der Avaren unternommen worden sind. 

Während dem Markgrafen des Ostlandes das obere und 
untere Pannonien bis zur Drau zugewiesen war, gebot in dem 
Zeitraum von 799 bis 828 der Markgraf von Friaul ausser dem 
eigentlichen Friaul über Kärnten, Istrien, Liburnien, Dalmatien 
und das Land zwischen der Drau und der Sau**^), wobei die 
Grenzen Karantaniens nicht weiter als bis zur Mur reichend 
gedacht werden dürfen*^''). 

Die Jahrbücher des fränkischen Reiches verzeichnen für 819 
eine einzige Heerfahrt nach diesen Gegenden, über welche 

^*) Dum enim victum labore et nummis emerem, oommodius in divinis 
scripturis mea versabatur intentio. Ad dioeceseos curam accedens, quot 
.causae surgunt, eo amplius soUicitudines pariunt. Brumale tempus vias 
palatinas terens euudo et redeuudo licet implere supra commemoratum 
amorera. Post medium veris procedendo armatum pergamenam 
pariter cum armis ferens, pergo ad excubias maritimas cum timore 
excubando adversus Agaronos et Mauros, noote teneus gladium et 
die libros et calamum, implere conans coeptum desiderium." (Migne 
Biblioth. patr. CIV. 839.) 

•*) Dümmler „südöstliche Marken des fränkischen Reiches unter den 
Karolingern" im Archiv der Wiener Akademie X. 16. 

**) denn die Lafniz (Labeoza) wird in der Urkunde K. Ludwigs II. 
vom 2. Oktober 804 (steierm. U. B. I. 11) bereits als in Pannonia befind- 
lich bezeichnet. 

15» 



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228 Julius Strnadt: 

hauptsächlich die sogenannten Annales Laurissenses majores, 
berichten, deren Auszug die Ann. Einhardi (gesta quorundam 
regura Prancorum) vorstellen. 

Sie melden nun zu 819, dass im Juli eine Reichsversamm- 
lung in Ingelheim stattfand und von Italien aus gegen 
Liudewit ein Heer abgesandt wurde, welches jedoch unverrichteter 
Sache zurückkehrte; nach der Rückkehr vom Feldzuge sei der 
Grenzgraf Cadolah in seiner Mark vom Fieber hinweggerafft 
worden, seinem Nachfolger Balderich aber sei es noch im selben 
Jahre geglückt, die in Kärnten eingedrungenen Schaaren Liude- 
wits an der Drau in die Flucht zu schlagen *^^). 

Erst für das folgende Jahr 820 berichten die Annalen 
(a. a. 0. 206), dass in Frühjahre drei Heere gegen Liudewit 
aufgeboten wurden, deren eines von Italien aus über die norischen 
Alpen, deren zweites durch Karantanien und deren drittes durch 
Bajoarien und Pannonien vorrückte. 

Es steht somit ausser Frage, dass im J. 819 der Ilaupt- 
schlag gegen die Slaven von Italien aus mit dem Heer- 
bann der grossen Mark Friaul geführt werden sollte. 

Wenn Simson ^^) aus der Freisinger Urkunde vom 4. JuH 819^*) 
auf eine Betheiligung bayerischer Mannschaft an diesem Feld- 
zuge scliliesst, so meine ich diese Ansicht dahin einschränken 

•^^j Ann. Lauriss. m. Mon. Germ. Script. I. 2()5 (theilweise auch Ann. 
Einh. a. a. O. 357). „Iterumque conventus mense Julio apud Igilunheim 
habitus, et exorcitus de Italia in Paunoniain propter Liudewiti 
rebellionem missus, qui rebus parum prospere gesiis, infecto pene negotio 

regressus est Kxercitu vero de Pannonia reverso, Cadolah, 

dux Foroiuliensis, febre oorreptus in ipsa marca deoessit." 

*^*j Jahrbücher des deutschen Reiches unter Ludwig d. Fr. I. 149. 

*^) Auf Fol. 250 r von Cozroh [k. allg. Reichsarohiv, Freising, Höchst- 
Lit. No. 3a, alt 187), publiciert in Meichelbeck bist. Frising. Ib, 246 No. 468. 
Schenkung des königlichen Dienstmannes Meginhard an die Kirche Frei- 
sing; Stellen: „si in ipso comilatu, quem contra Liudwinum hostiliter 
carpebant, dies suus eum presoquerotur" und „actum in Pannonia." In- 
diction und Mondalter stimmen mit dem J. 819 überein, das Regierungs- 
des Kaisers sollte statt V. das VI. heissen. 

Auf die Anwesenheit des Bischofs Hitto auf dem Zuge lässt sich 
schwerlich schliessen, die Tradition enthält nur das Actum, ist ihrem 
Wesen nach eine notitia, wegegen uns die carta, durch deren Tradirung 
„in manus Hittonis episcopi** die eigentliche üebergabe vollzogen worden 
ist, nicht erhalten blieb. 



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Die Passio 8. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 229 

ZU sollen, dass die bayerischen Mannschaften keinen Bestand- 
theil des Hauptheeres bildeten, sondern selbstständig eine Diver- 
sion versuchten ; denn Pannen ien, von wo aus deren Vorrückung 
erfolgte, gehörte nicht zur Arabacht Cadolah's und dessen Heer- 
bann brach erst nach der Ingelheimer Reichsversammlung auf, 
während die bayerischen Vassalien schon Anfangs Juli im Kampfe 
mit Liudewit stehen. Diese, wie ich glaube, sachgemässe Aus- 
legung beseitigt auch jeden Widerspruch zwischen Urkunde und 
Annalen. 

Das Hauptheer kehrte demnach nach Priaul zurück und mit 
ihm sicherlich auch der Schreiber der Handschrift Bruxelles 
8216 — 18. Nur hier oder auf der Rückzugslinie haben wir natur- 
geraäss den Ruhepunkt zu suchen , wo er sein Buch beenden 
konnte. 

Wenn aber nach Allem mit Recht angenommen werden 
muss, der Schreiber sei ein hochansehnlicher Kleriker gewesen 
und habe als Stellvertreter eines Kirchen fürsten dessen Vassallen 
in den Krieg geführt, so versteht sich wohl von selbst, dass 
derselbe nicht seinen Wohnsitz an einer abgelegenen Kirche 
wie S. Florian an der Losniz in Mittelsteiermark, in S. Florian 
am Coglio bei Görz, in Fleana (S. Florian) Pfarre Bigliana „an 
den Ecken" oder an einer der Florianskirchen in den nördlichen 
Bergen von Carnien: lUegio oder Raveo werde gehabt haben. 

Von Kirchenfürsten, welche ihre Mannschaft zu dem friau- 
lischen Heerbann stossen Hessen, können in der Mark Friaul 
nur zwei in Betracht kommen: die Patriarchen Maxentius und 
Fortunatus der mit einander rivaHsierenden Kirchen Aquileja 
und Grado, beide auf dem Festlande begütert, zumal Aquileja. 

Man könnte geneigt sein, zuerst an den abenteuerlustigen 
Patriarchen Fortunatus von Grado ^^), den Führer der antibyzan- 
tinischen Partei in dem venetianischen Seelande, zu denken, der 
bei Karl dem Grossen in hoher Gunst gestanden und bei dem 
die Lust zur persönlichen Beteiligung an einem Kriegszuge schon 
vorausgesetzt werden könnte. Allein gerade in diesem Zeitpunkte 
scheint Fortunatus seiner bisherigen Haltung untreu geworden 
und im Interesse seiner Kirche und wohl auch seiner Habsucht 



'*) Ueber ihn zu vergleichen Simson Jahrbücher des deutschen 
Reiches unter Karl d. Gr. II. 860, unter Ludw. d. Fr. I. 222; dann S. 
Giacoma „Fortunato patriarca di Grado" (Triest, 1876). 



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230 Julius Strnadt: 

mit Liudewit, dessen Erhebung er eine grössere Nachhaltigkeit 
zugetraut haben mag, in Verbindung getreten zu sein ; denn 
die Reichsannalen melden unter 82n*), es sei von einem seiner 
Priester, Namens Tiberius, bei Kaiser Ludwig gegen ihn die 
Anklage erhoben worden , dass er ' den Liudewit im Aufruhr 
bestärkt und ihn durch Zusendung von Baumeistern und Maurern 
im Burgenbau unterstützt habe. Es spricht nicht für seine 
Unschuld, dass er, zu Hof befohlen, nach Istrien reiste, dort 
ein Schiff bestieg und sich nach Zara und von da weiter nach 
Konstantinopel unter dem Schutz der ihm sonst nicht zugeneigten 
Oströmer begab. 

Bei so bewandten Umständen liegt es ausser dem Bereiche 
der Wahrscheinlichkeit, dass Fortunatus seine Mannen gegen 
den geheimen Freund zum fränkischen Heere stossen hess. 

Es bleibt demnach nur Patriarch Maxentius von Aquileja 
(811- 833) übrig, welcher gleich seinen Vorgängern Paulinus 
und Ursus zum Frankenreiche hielt; es sieht auch thatsächlich 
wie eine Belohnung für treu geleistete Dienste aus, wenn Kaiser 
Ludwig die Bestrebungen Maxentius', seine Metropolitangewalt 
über Istrien auszudehnen, begünstigte, den Klagen des venetia- 
nischen Patriarchen Venerius von ürado kein Ohr lieh und den- 
selben immer wieder an den Papst verwies. 

Wir dürfen also folgerichtig annehmen, dass der Schreiber 
des Codex 8216 — 18 im FeLdzuge gegen Liudewit <lie Vassallen 
des Patriarchen von Aquileja geführt habe. Ist dem aber so, 
so musste der Schreiber bei der Vertrauensstellung, welche ihm 
vom Patriarchen eingeräumt wurde, ein Mitglied des Capitels 



^') „Fortunatus patriarcha üradensis cum a quodam prespitero nomine 
TiberiOj apud imperatorem fuißset acousatus, quod Liudewitum ad per- 
soverandum in perfidia qua cooperat hortaretur, eumquo ad castella sua 
munienda artifices et murarios mittendo iuvaret, et ob boo ad palatium 
ire iuberetur, primo, velut jussionem imploturus, in Histriam profectus 
est, inde simulato reditu ad Gradum civitatem, nulJo suorum praeter eos, 
cum quibus hoc tractaverat suspicante, nanctus occasionem clam navigavit, 
veniensque Jaderam, Dalmaciae civitatem, Johanni praefecto provinciae 
eius fugae suae causas aperuit, qui eum statim navi impositum Constan- 
tinopolim misit/ Mon. Germ. Script. I. 208. Die Chronik des Johannes 
Diaconus ist diesstalls nur eine trübe Quelle. 



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Die Passio s. Floriaiii und deren Urkundenfälschungen. 231 

in Cividale^^j sein, welche Stadt seit fast einem Jahrhunderte 
die Residenz des Patriarchen von Aquileja war. 

Eine Florianskirche befindet sich allerdings — wenigstens 
derzeit — nicht innerhalb der Stadt Cividale, wohl aber fast 
vor ihren Mauern jenseits des Natisone an der Strasse nach 
Cormons an einem Hügelabhange in dem Pfarrorte Gagliano"^^). 
Die Pfarre ist seit undenklichen Zeiten eine Präbende des Dom- 
capitels Cividale. Fern vom Getriebe der Stadt hier in seinem 
Tusculum mag der kriegerische Kapitelherr von den Kriegs- 
mühen ausgeruht und unter den Augen des Heiligen (apud 
sanctum Florianum) sein verdienstliches Schreibwerk zu Ende 
gebracht haben. 

üer Bestand dieser Florianskirche lässt sich auch durch fast 
acht Jahrhunderte zurück verfolgeu; wäre das Kapitelarchiv in 
Cividale in grösserer Vollständigkeit auf unsere Zeiten gekommen, 
so würden uns wohl noch ältere Nachrichten nicht mangeln. 

Am 20. Jänner 1112^^) übergab nämhch der Priester Petrus, 
wahrscheinlich Mitglied des Capitels von Cividale, seiner Bluts- 
verwandten Namens Mathilde, Tochter des bayerischen Grafen 
Burkard von Mosburg und Nichte des schismatischen Erzbischofs 
Bertold von Salzburg, und ihren Kindern die sämmtlichen Liegen- 
schaften, welche dieselbe an ihn um 200 Pfund Silber verkauft 
hatte, zur Nutzniessung. Die Verhandlung ging vor sich „in 
Atrio Ecclesie S. Floriani". Der Ort ist nicht genannt, er 
wird jedoch sicherlich Gagliano gewesen sein; denn Mathilde 
war zu Attimis (Attemsj, welches Schloss sie von ihrem Oheim 



^*) Dieser sancta coDgregatio, quae ibidem sub sancto ordine vitam 
gerere videtur soll K. Karl nach de Rubeis Mouum. occi. Aquilej. Col. 360 
am 4. August 792 von Regensburg aus die freie Bischofswahl zugestanden 
haben. 

^') Carta del Friuli tra i fiumi Livenza ed Isonzo. Udine 1879. 

'*) Urkimde bei de Rubeis M. e. A. col. 613—614, welcher bemerkt, 
dass die chronologischen Daten nicht stimmen, und geneigt ist, die Ur- 
kunden nach 1130 anzusetzen. Sicher ist die Indiction III falsch, für 
1112 müsste sie V. lauten. Nach dem J. 1110 fiele die Indiction III auf 
das Jahr 1125, was mir das Richtigere schiene, weil Mathilde als Witwe 
auftritt und nach den bezüglichen Urkunden ihr Gatte Conrad im J. 1110 
kaum als verstorben anzunehmen ist. Zahn in den „Friaulischen Studien" 
8. 320 hat die Jahreszahl 1112 nicht beanstandet. 



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232 Julius Strnadt: 

Bertold überkommen hatte ^^), angesessen und dieses befindet 
sich nur zwei Stunden von Cividale entfernt in den Vorbergen. 

Cividale war auch in diesem Zeitalter einer jener Orte Ober- 
italiens, wo sich literarische Thätigkeit nachweisbar entfaltet 
hatte. Patriarch PauUnus (f Jänner 802), noch Lehrer der 
grammatischen Kunst (artis grammaticae magister), als König 
Karl ihm am 17. Juni 776 nach Niederwerfung des Aufstandes 
Herzog Hrodgauds eingezogene Güter verlieh, in seinem Trauer- 
gedichte auf den Markgrafen Erich von Friaul (+ 799) an 
klassische Muster erinnernd, war der vertraute Freund Alcuins, 
der dritte im Bunde mit Arno („Tertius Albinus vobis jungatur 
aniicus", wie Alcuin schreibt), ihn grüsst Alcuin durch Arno 
vieltausendmaH®). Dafür, dass die Kirche von Aquileja in 
diesen Bestrebungen unter den Nachfolgern Paulins nicht zurück- 
gegangen, spricht wohl die Thatsache, dass in den capitula 
ecclesiastica, welche auf der Reichsversammlung zu Corte Olonna 
im J. 825 erlassen wurden, Cividale für Friaul und Istrien unter 
den acht Schulorten aufgezählt wird, an welchen im fränkischen 
Italien zur Heranbildung des Klerus von eigenen Lehrern für 
die zunächst gelegenen Städte geistlicher Unterricht erteilt 
werden sollte ^^). 

Cividale kann, daher im J. 819 als die Stätte betrachtet 
werden, an welcher literarische Arbeit geleistet werden konnte 
und auch geleistet worden ist. Denn es ist zweifellos, dass die 
Residenz des Patriarchen von Aquileja viele handschriftliche 
Schätze in sich schloss, von welchen ein Evangeliarium aus dem 
5. oder 6. Jahrhunderte, welches angeblich der hl. Hieronymus 
im J. 381 der Kirche verehrt haben soll, der berühmteste war; 
Kaiser Karl IV. erbat sich von seinem Bruder, dem Patriarchen 
Nicolaus (1350-1358) zwei Blätter hiervon, die er nach Prag 
überbrachte, der übrige Theil befindet sich noch im Capitel- 
schatze von Cividale^'*). 

Kaiserbesuche waren schon zur Zeit Karls des Grossen den 



^*) Urkunden vom 3. November 1106 und 13. Februar 1107 (unrichtig 
1188) bei de Rubels Col. 609 ff. 

7«) Vergl. Büdinger österr. Gesoh. S. 141—147 und C. Giannoni „Pau- 
linus IL, Patriarch von Aquileja" (Wien, 1897). 

^') Mühlbacher Regesta Imperii I. No. 991. 

") Czörnig „Das Land Görz und Gradisca" S. 195, 455—457. 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 233 

Klosterbibliotheken gefährlich und K. Otto II. nahm bei einem 
Besuche, den er mit seinem Vater K. Otto I. im J. 972 dem 
Kloster S. Gallen abstattete, gelockt von den reichen Schätzen 
der Bibliothek, eine Anzahl der besten Bücher mit sich fort, 
von denen er erst auf Ekkehards (11.) Bitte einige später zurück- 
gab"). 

Auf solche Weise gelangten Handschriften aus dem Orte 
ihrer Entstehung nicht selten in weit entfernte Länder. Häufig 
wurden sie auch im Austausche erworben, wie das der Fall 
sein mag mit jenem Exemplare der Langobardengeschichte von 
Paulus Diaconus in S. Gallen, welchem Waitz in seiner Schul- 
ausgabe des Paulus oberitalienischen Ursprung zuerkennt. Nach- 
weisbar®*^) empfing S. Gallen von Erzbischof Ado von Vienne 
im J. 870 eine Handschrift mit Heiligenleben und erwarb eine 
andere vom Kloster S. Denis. Nach Weidlinger®*) mag der 
königliche Erzkaplan Grimald 855 oder 858 aus der Kloster- 
bibliothek dem Bischof Noting von Brescia ein psalterium bene 
glossatum zum Geschenke gemacht haben, wofür er dem da- 
durch verkürzten Kloster später ein anderes zustellte. Hincmar 
von Laon entlieh Handschriften aus Augsburg und stand in 
nahen Beziehungen mit dem oberitalienischen Brescia ^^). 

Zwischen Friaul und Bayern und dessen Neben- 
lande Kärnten speziell bestanden fast durch ein halbes Jahr- 
tausend zahlreiche Wechselbeziehungen ^^). Nach der Empörung 
des langobardisohen Herzogs Hrodgaud 776 vertraute K. Karl 
die Grafschaften meist nur Männern fränkischen oder deutschen 
Stammes an. Markgraf Erich (f 799) war von Geburt ein 
Strassburger , Cadolah (f 819) und Balderich (bis 828) waren 
Deutsche. Markgraf Eberhart (f c. 865) war reich begütert in 
Schwaben, Flandern und an der unteren Maas, sein jüngerer 
Sohn Berengar, der nachmalige Kaiser, überraschte mit Hilfe 
von Mannschaften aus Bayern im J. 905 seinen Gegner Ludwig 



'^) Wattenbach Deutschlands G.-Q. im M.-A. o. Aufl. I. 298 nach 
casuß 8. Galli Mon Germ. Scr. IL 147. 

«>) Dümraler a. a. 0. III. 656. 

»») Geschichte der ötiftsbibliothek von S. Gallen S. 397. 

") Dümmler a. a. 0. III. 667 Note 2. 

") Die Wichtigkeit Friauls für die Verbreitung der höfischen Lyrik 
nach den österreichischen Ländern ist den Literarhistorikern bekannt. 



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234 .Julius Strnadt: 

von Burgund in Verona ^^). Im J. 952 wurde Friaul von Italien 
getrennt und lag die vom Reiche übertragene Gewalt zuerst in den 
Händen der Herzöge von Bayern, dann jener von Kärnten, stand 
daher in erhöhtem Masse unter dem Einflüsse des bayerischen 
Stammes. Das deutsche Element fasste in Friaul festen Puss, 
zahlreiche bayerisch-kärntnische Geschlechter Hessen sich hier 
nieder und bauten Burgen : Cordenons finden wir im Besitze des 
Grafen Ozi, nachmals der Eppensteiner und der steyrischen Ota- 
kare; die Grafen von Zeltschach besassen Edlach (Addeliaco) 
bei Udine, der bayerische Graf Burkard von Mosburg, Vogt des 
Patriarchates (f c. 1100), und sein Bruder Bertold die grosse 
Herrlichkeit Attems, der freie Otto von Machland die halbe Ort- 
schaft Tarcento, die Grafen von Peilstein die Vogtei zu „Sibidat*^ 
und Latisana^^). 

Vom J. 1019 an bis zum J. 1251 war der Patriarchenstuhl 
in Cividale in fast ununterbrochener Keihe mit Deutschen besetzt; 
die Würdenträger sind folgende: 1019— 1045 Poppo aus dem 
kärntnischen Hause Treffen, 1045 — 1049 Eberhart, Canonicus 
von Augsburg, 1049 Gotspold, dann Ravanger (f 1068), 
1068- 1077 Sighard von Plaien, 1077-1084 Heinrich, Canonicus 
von Augsburg, 1085 — 1121 Ulrich 1., Sohn des Herzogs Mark- 
wart von Kärnten, bis dahin Abt von S. Gallen, 1132—1161 
Pilgrim 1., ein Sponheimer, 1161 — 1182 Ulrich IL von Treffen, 
1204-1218 der Bayer Wolfker, Bischof von Passau, 1218-1251 
Bertold von Andechs und nach einem Jahrhunderte wieder der 
Luxemburger Nicolaus 1350—1358, dann 1365-1381 Markwart 
von Randeck, bis dahin Bischof von Augsburg. 

Wäre die Geschichte des an der Üiöcösangrenze gelegenen 
Klosters Mönchsmünsters bereits bearbeitet und wären die Be- 
ziehungen desselben — abgesehen zur Hirschauer Congregation 
— besser zu erkennen, so würde sich vielleicht als Gewissheit 
herausstellen, was ich bei dem heutigen Stande nur als höchst 
wahrscheinliche Vermutung aussprechen kann: dass nämlich die 
Handschrift 8216—18 an das Kloster, wenn nicht durch einen 



«*) DQmmler a. -a. 0. I. 119, 213, 111. 537. 

") Vgl. hierüber Zahn „Friaulische Studien" im Archiv der Wiener 
Akademie LVIT. 279- 898 und dossolbon Verfassers liebenswürdiges Büch- 
lein „deutsche Burgen in Friaul." 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 235 

bayerischen Grossen, so durch Vermittlung eines der drei aus 
Augsburg stammenden Patriarchen gediehen sein wird. 

Ueber die Herkunft und das Verbreitungsgebiet 
des Cultus des heiligen Florian. 

Ohne dass es in meinem ursprüngHchen Plane lag, habe 
ich zur Lösung der vorstehenden Frage reichliches Material ge- 
sammelt. Am Schlüsse meiner Nachforschungen nach Florians- 
kirchen auf dem Gebiete der grossen karolingischen Mark Friaul 
angelangt, blickte mir unvermittelt ein überraschendes Bild 
entgegen. Was sich meinen Augen darbot, schien der Mühe 
weiterer Pinselstriche wert, soweit nur die Farbentuben langen 
mochten. Die leichten Umrisse, die sich vorerst von der Lein- 
wand abhoben, gewannen immer mehr plastische Gestalt, sie 
wurden zu einem farbenreichen Gemälde, welches in unverkenn- 
barer Deutlichkeit die Heimat des Floriancultus, den Gang 
seiner Verbreitung und seine Verpflanzung in fremde Gefilde 
zeigte, zu einem Bilde, das es verträgt, in der Nähe beschaut 
zu werden, ohne dass die einzelnen Striche an Correktheit Ein- 
busse erleiden. Ich spreche von der Darstellung der Patro- 
cinien des heil. Florian, welche sich als Niederschlag 
meiner fortgesetzten Forschungen ergeben hat. 

Der Werth der Kirchenpatrocinien für die Erkenntniss des 
Christianisirungsganges wurde zuerst von Alois Huber (Vogel) 
in ihrer hohen Bedeutung erkannt, wenn gleich das von ihm in 
seiner „Geschichte der Einführung und Verbreitung des Christen- 
tums im südöstlichen Deutschland" darauf gebaute System in 
vielen Fällen nicht Stand hält. Mit grösserer Sicherheit dagegen 
lässt sich jedenfalls aus dem mehr oder minder zahlreichen Vor- 
kommen von Kirchenpatrocinien eines bestimmten Heiligen auf 
den Centralpunkt seiner Verehrung zurücksclihessen; denn wenn 
auch manche Kirchen im Verlaufe der Zeiten bei Gelegenheit 
eines Neubaues und der Erwerbung von Reliquien eines hervor- 
ragenden Heiligen das Patrocinium gewechselt haben, so trugen 
doch in der grossen Regel auch die Neubauten den alten Namen 
fort und verblieben unter dem Schutze ihres ursprünglichen 
Patrons. Die Vergangenheit der einzelnen Kirchen im Norden 
habe ich, soweit es die kurze Frist zur Abgabe meiner Erwiderung 
gestattete, nach Möglichkeit, mitunter ziemlich eingehend, berück- 



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236 Julius Sirnadt: 

sichtigt, woraus sich nicht unwichtige Schlüsse auf den Zeitpunkt 
einer aligemeiner werdenden Verehrung des heil. Florian in 
deutschen Landen ergeben haben. 

Ich beginne die Aufzählung der S. Florian s- 
kirchen mit dem Süden, jenseits der Alpen. 

In Friaul sind im italienischen Antheile dieses 
Landstriches dem heil. Florian zu Ehren folgende Kirchen 
geweiht: 

1. in der Erzdiöcese Udine**^) drei Pfarrkirchen: in GagHano 
nächst Cividale^^j, dann in Illegio und in Raveo in den Bergen 
von Carnien, dann sieben Filialkirchen: in Brischis Pfarre 
S. Pietro am Natisone (degU Slavi), in DordoUa Pfarre S. Gallo 
di Moggio, in Adorgnano Pfarre Tricesimo, in Plaino Pfarre 
Pagnacco, in Villanova Pfarre Tercento, in Pozzalis Pfarre 
Madrisio di Fagagna und in Villanova Pfarre S. Giorgio di 
Nogaro. 

Einen Kilometer nördUch von Cividale unter dem zerstörten 
Schlosse Urusberg (Guspergo) am Natisone findet sich die min- 
destens in das zwölfte Jahrhundert zurückreichende Kapelle 
S. Florian; in den Bergen von Canebola Pfarre Faedis und in der 
Pfarre Drenchia (nordwestlich und nördlich von Cividale) ver- 
ehren die daselbst sesshaften Slovenen den heil. Florian, ohne 
eine demselben gewidmete Kirche zu haben****). Ueber diese 

*'*') Stato personale del Clero della cittä ed arcidiocesi di Udine per 
Tanno 1899; Annuario ecclesiastico con Tanno 1900 (Roma, S. Silvostro in 
capite). 

^^) Die Kirche in der grossen Ortschaft Gagliano, welche zuerst in 
einer im Besitze des Grafen Mels in Görz befindlichen Urkunde vom 
15. Juni 1126 erwähnt wird, jedoch nach dem Ausspruche eines Friaul'- 
schen Fachmannes leicht vorrömisch ist, wurde an Stelle der alten im 
vorigen Jahrhunderte erneuert. Dafür, dass sie die ecciesia s. Floriani 
des J. 1112 (1125) ist, spricht die Thatsache, dass der vormals mosburgische 
Besitz, wie er in der Urkunde vom J. 1170 (de Rubeis col. 604) aufgezählt 
wird, ausser der Burg Attems und dem Dorfe darunter das Schloss Parti- 
stagno in nächster Nähe und die Orte Nimis und Cergneu begriff, während 
nur kleinere Besitzobjekte im Görzischen lagen. 

Dass der Cultus des heil. Florian auf dem Gebiete des lango- 
bardischen Austriens thatsächlich in die ersten Zeiten des 
Mittelalters zurückgeht, werde ich bei der Diöcese Verona mit zwei 
Urkunden aus dem J. 905 belegen. 

*'^) Mittheilung des Professors Giusto Urion in Cividale ddo. 18. Jänner 
1900. 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 287 

Slovenen ist zum Datum des 16. August 1331 im Capitelarchive 
von Cividale eine eigenthümliche Nachricht überHefert, welche 
darauf hinweist, dass bei der grobsinnlichen Anschauung des 
Volkes die Reliquienverehrung völlig ausartete und erst nach 
Beseitigung der Gegenstände derselben (der Fällung des Baumes 
und der Verschüttung der Quelle) die Slaven durch eine eigene, 
nicht ohne Gefahr vordringende Mission aus Cividale wieder auf 
den rechtgläubigen Weg zurückgebracht wurden®^). 

2. In der Diöcese Concordia veneta (Portogruavo) verehren 
die Pfarrkirche S. Floriane di Tramonti di sopra^®) und die 
Filialkirchen S. Floriane bei Cimolais am Torrente Cimolina 
sowie S. Floriane am Fiurae Lemene (zwischen Casarsa und 
S. Vito al Tagliamento) den heil. Florian als Schutzpatron. 

Im österreichischen Antheile von Friaul in der Erz- 
diöcese Görz bestehen die drei Pfarrkirchen in S. Florian am 
Coglio bei Görz®^), in Serpenizza am oberen Isonzo und in 

®^) „Inter montes Cavoreti (Caporeto am oberen Isonzo) innumerabiles 
Sclavi venerabant pro Deo quandam arborem et fontem, qui erat ad 
radices dictae arboris, illam impendendo creaturae reverentiam, quae ex 
fidei debito creatori debetur." (J. Bianehi „Documenta historiae Foro- 
juliensis" im Archive der Wiener Akademie XLI, 452.) 

^) Tramonti ist in 3 Ortschaften getheilt: di sotto, di mezzo, di 
sopra. Als Besitz des Klosters Sesto wird Tramons in der Bulle des 
Papstes Lucius III. ddo. Velletri 13. Dezember 1183 erwähnt, dem Bisthume 
Concordia (unter Bischof Jonathan) von Papst Urban ddo. Verona 12. März 
1184 unter anderen Pfarrkirchen (plebes) auch jene „de Tramontio" be- 
stätiget. Die Kirche in T. di sotto ist der heil. Maria Maggiore, jene in 
T. di mezzo, welche 1760 erbaut und 1836 zur Pfarre erhoben wurde, dem 
heil. Abt Antonius geweiht; die S. Florianskirche in T. di sopra wird im 
J. 1445 bereits als seit längerer Zeit bestehend erwähnt, da in diesem 
Jahre der bischöfliche Vikar ,.al Cameraro di 8. Floriane** die Investitur 
auf die Lehen und den halben Zehent des Ortes, welche der Bischof ,,alla 
chiesa stessa" zugestanden hatte, ertheilte. Vgl. „La diocesi di Concordia. 
Notizie e documenti raccolti dal sacerdote Krnesto Degani cancelliere 
vescovile. Sanvito al Tagliamento" p. 53 Note 2, 98, 326, 327. 

**) S. Florian am Coglio hat eine ausgezeichnete strategische Lage 
Fundstücke lassen sogar auf prähistorische Existenz schliessen. Die Pfarre 
wurde im J. 1694 aus Lucinico gebrochen; der grösste Theil der Ortschaft 
mit ihren Weinbergen gehörte dem Frauenkloster Monastero bei Aquileja, 
wie durch das Verzeichniss der Klostergüter bezeugt wird, welches die 
Aebtissin um das J. 1170 anlegen Hess (unter dem Titel „Listina iz 1. 
1170—1190** von Trinke und Jusic in Udine tipogr. del patronato 1890 
veröffentlichte 



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238 Julius Strnadt: 

Heiligenkreuz (Veliko-Zablje) bei Haidenschaft am Karst, dann 
die Pilialkirche Fleana in der Pfarre Bigliana^^). 

In Friaul wird der heil. Florian als Schutzpatron gegen 
das Feuer angerufen. In I s t r i e n tiitt er dagegen hinter dem 
heil. Emygdius (San Emidio), Bischof und Märtyrer in Ascoli 
Piceno (Patron der dortigen Kathedrale), zurück, der in ganz 
Italien populär ist und welchem zu Ehren überall am Abend 
eine Stunde nach dem Avemaria-Läuten (ad un ora di notte) 
bei jeder Kirche die grösste Glocke geläutet wird; mit seinen 
drei heiligen Schülern Euphis, Germanus und Valentinus gilt er 
als patronus contra incendia, terraemotus et fulguris ictus. In 
Istrien verehrt nur das Dorf Covedo an der Quelle des Risano^'*) 
den heil. P^lorian und in der Pfarre Muggia bei Triest findet 
sich noch ein verfallenes Kirchlein, das den Namen S. Floriano 
führt ^^). Die alte Grenze Italiens in Istrien bildet sichtlich 
auch den östlichen Grenzstein für die Verehrung 
S. Florians. 

Der Cultus des heil. Florian in Friaul reicht in sehr alte 
Zeiten zurück'*^), für welche chronologische Daten nicht aufzu- 
bringen sind; nach dem entschiedenen Ausspruche cultuskundiger 
geistlicher Fachmänner des Landes ist er ein heimischer und in 
keinem Falle etwa durch deutschen Einfluss eingeführter; er 
figurirt mit eigenen drei Lektionen in dem handschrift^ 
liehen Breviarium ahne Aquileiensis ecclesie, das speziell für 
Triest im J. 1311 seinen Anfang und im J. 1345 seinen Ab- 
schluss hatte. In einzelnen Floriiuiskirchen, wie in Gagliano 
nächst Cividale, in Serpenizza, in S. Florian am Coglio sind 
Rehquien vorhanden, deren Authentiken aus Udine und Görz 

^*) Fleana oder Floriana Post Cormons — welch' letztere Stadt be- 
bekanntlich von 628 bis 737 Residenz der Patriarchen von Aquileja war 
— wird urkundlich zuerst erwähnt im J. 1147 als dem Otto von Hungers- 
bach gehörig. Der Name ist sprachlich nichts anderes als: Florian. 

®") Die Ortschaft Cubida wurde zuerst in der Königsurkunde vom 
5. März 1067 für Freising (Meichelbeck bist. Frising. I. l 261) genannt. 

^) Der Diöcesan-Schematismus von Triest enthält keine Florians- 
kirche. 

®^) „II culto che si professa nel Friuli uel Veneto e in Istria a S. 
Floriano ^ molto antico", schrieb mir am 6. Jänner ein geistlicher Fach- 
mann. 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 239 

stammen **^), zwischen welchen Kirchen bekanntlich die Kirchen- 
schätze von Aquileja getheilt worden sind. Schon deshalb wäre 
zu vermuthen, <lass die Reliquien von einem itahenischen Heiligen 
dieses Namens stammen, allenfalls von jenem aus Mailand, dessen 
Gedächtnisstag im Martyrolog am 6. Mai, also nur zwei Tage 
nach dem 4. Mai eingetragen ist. Jedenfalls muss es mehrere 
heilige Leiber gegeben haben, welche auf den Namen Plorianus 
„getauft" waren, denn auch der Leib jenes heil. Florian, welcher 
noch heutzutage in Krakau in Polen zur Verehrung ausgesetzt 
ist, wurde dahin im zwölften Jahrhunderte aus Italien verbracht. 

Das an Friaul östlich anstossende Herzogthum Krain 
ist erfüllt von Kirchen zu Ehren der Heiligen von Aquileja: 
Hermagoras und Fortunatus sowie des heil. Marcus, mitten 
unter ihnen in allen Theilen des Landes finden sich folgende 
Florianskirchen ^^): die Filialkirche S. Florian, zur Pfarrkirche 
S. Jakob in Laibach, welche nach Mittheilung eines Krainer 
Fachmannes sehr alt sein dürfte; die Pfarrkirche Nussdorf 
(Orehek) bei Adelsberg; die FiHalkirchen Haselbach S. Florian 
(Gurkfeld) und Lahovi^e Pfarre Zirklach (Cerklje), beide mit 
Friedhöfen; Blutsberg (Kervav<^ji Vas) Pfarre Semitsch mit Fried- 
hof; Gora Pfarre Watsch; Brezje Pfarre Tschernoschnitz bei 
Rudolfswert; Cerovec Pfarre S. Michael; Studen<^ice Pfarre Bre- 
znica bei Radmansdorf ; Ponikve Pfarre Gutenfeld (Üobrepolje) bei 
Reifniz; Retje Pfarre Laserbach (LoSki Potok); Racje Selo Pfarre 
Treffen; Seginke Pfarre Nassenfuss (Mokronog); Dobrepolje 
Pfarre Dornegg (Ternövo); Buje Pfarre S. Peter am Karst 
(Kosana); Kamnik Pfarre Pr^serje bei Franzdorf; Jehovec Pfarre 
Sora (Zayer); Sopotnica Pfarre Bischof laak; Bukovica Pfarre 
Selzach; Terzinj Pfarre Mannsburg (Menges), sowie Kapellen 
in Freiturn Pfarre Adlesice und Taubendorf Pfarre Nesselbach 
in Gottschee. 

Wie die Hermagoras- und die Marcus-Kirchen sich über 
den Saufluss nach Steiermark hinein fortsetzen, so ist 
dies auch bei den S. Florianskirchen der Fall. Wir finden in 
diesem Lande im Sprengel der üiöcese Lavant-'®) die Filial- 

••) Alles entnommen brieflichen Mittheilungen aus kirchlichen Kreisen 
von Friaul, Görz und Triest. 

®^) Diöcesan-Schematismus von Laibach. 

^^) Diöcesan-Schematismus der Diöcese Lavant (Marburg), 



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240 Julius Strnadt: 

kirchen S. Florian Pfarre Lichten wald an der Save, S. Florian 
am Wotschberg bei Rohitsch, S. Florian Pfarre S. Michael bei 
Schönstein, S.Florian in Dolic bei Missling Decanat Windisch- 
grätz, die Kapelle S. Florian in Merzla planina Pfarre S. Ruprecht 
ob Tüffer»^). 

Der Floriankultus hat auf dieser Seite nirgends das 
Bachergebirge überschritten und ist noch weniger bis an die 
Drau, die im J. 811 von K. Karl dem Grossen festgesetzte 
Grenze der Metropolitansprengel von Aquileja und Salzburg, 
vorgednmgen. 

Schreiten wir die Drau aufwärts, so betreten wir Kärnten 
und die dermalige Diöcese G u r k '^^). Auf diesem Boden treffen 
wir in unmittelbarer Nachbarschaft der Kirchen des heil. Herma- 
goras Pfarre Eberndorf und des hl. Marcus Pfarre Kanzian die 
Pfarrkirche S. Florian in Rinkenberg und weiter hinauf bei 
Villach die Pfarrkirche S. Florian in Deutschbleiberg, beide 
rechts von der Drau, über derselben zwischen Victring und 
Klagenfurt die Filialkirche S. Florian in Stein, nördlich von 
Klagenfurt die Filialkirche S. Florian der Pfarre Kappel am 
Krapfeld^^^) und bei Strassburg (Decanat Gurkthal) die erst in 
neuerer Zeit entstandene Curatie S. Florian am Gunzenberg^"^). 
Im obersten Theile des Gailthales, dem sogenannten Lessach- 
thaie, bis 1500 zu Kärnten gehörig, jetzt der Diöcese Brixen 
zuständig, steht eine Kirche in Unter-Tilliach, den heiligen 
Ingenuin, Albuin und S. Florian geweiht, Pfarre für 441 Seelen, 
consecrirt 1038. 

Damit sind wir auf dem Boden der Grafschaft Tirol 
angelangt, speziell auf jenem der Diöcese Brixen, welche in 
dem Theile südlich der Alpen 151, in dem Theile nördlich der 
Alpen (Inthal mit den Seitenthälern) 216 und in Vorarlberg 
124 Pfarrkirchen zählt '®^j. Keine einzige ist dem heiligen 

^) Nach Zahn Ortsnamenbuch der Steiermark erscheinen die Orte 
Tragussendorf (Dolic) 1286, Lichtenwald 1275 und S. Florian bei Sehön- 
stein 1490. 

'°") Diöcesan-Schematismus der Diöcese Gurk. Pfarrakten. 

'^') S. Florian ob Mannsberg, ein gut erhaltener Bau aus der Spät- 
gothik. 

*<**) Ein spätgothischer Bau aus dera Ende des 15. Jahrhundertes 
vormals Filiale von S. Stefan bei Strassburg, 1789 selbständige Kuratie. 

*"«) Diöcesan-Schematismus der Diöcese Brixen. 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 241 

Florian dedicirt; denn das Benefizium zum heil. Florian in der 
S. Katharina-Kirche in Mühlen im Thale Taufers, welche selbst 
erst seit 1389 urkundlich nachweisbar ist, wurde erst im J. 1497 
von der Witwe Barbara Fuchs auf dem Florians altar gestiftet 
und für dasselbe später auf der rechten Seite der Kirche eine 
eigene Kapelle erbaut, welche 1510 eingeweiht worden ist'^*); 
es ist also belanglos. 

Ebenso wenig sind mit Ausnahme der Dekanate Salurn und 
Klausen in den der Diöcese T r i e n t zugewiesenen deutschen 
Decanaten Schlanders, Meran, Lana, Passeyr, Sarnthal, Bozen 
und Kastelruth Florianskirchen vorhanden. Die beiden Filial- 
kirchlein S. Florian in Fonteclaus Pfarre Lajen und in Klamm 
Pfarre Velturns im Dekanate Klausen, erstere auch dem heil. 
Rochus gewidmet, wurden in den J. 1724 und 1773 consecrirt. 
Die Kirche S. Florian in Matzon an der Etsch gehörte jenem 
Augustiner Chorherrenstifte an, welches im J. 1145 von Ulrich 
von Eppan begründet und mit einer Colonie aus dem o.-ö. Kloster 
S. Florian besiedelt wurde (Wälsch S. Michael im Etschthale), 
diesem wurde sie am 6. Juni 1613 von Bischof Heinrich von 
von Trient einverleibt, die Pfarre im J. 1613 auf die S. Gertraud- 
kirche in Margreid übertragen *^^). 

Im italienischen Theile der Diöcese Trient bestehen 
folgende Florianskirchen: in Lavarone Decanat Levico, bereits 
im 13. Jahrhunderte erwähnt und schon 1490 Seelsorgsstation *®^) ; 
Valfloriana im Fleimser Thal, als Curatie 1558 errichtet *^0; 
Canezei, Expositur im Thale Fassa; Susa im Decanate Pergine, 
als Curatie errichtet 1800; Arsio im Decanate Fondo, bestand 
als Pfarrkirche bereits vor dem 14. Jahrhunderte; Lizzana im 
Decanate Rovereto, eine der vier ältesten Pfarren des Val 
Lagarina, welche im 12. Jahrhunderte erwähnt werden; Valmorbia 
Expositur, 1868 consecrirt; Riva di Valarsa Expositur, 1878 con- 
secrirt; Bolognano im Decanate Arco, als Expositur 1863 errichtet; 
Storo in der südlichsten Einbuchtung in die Diöcese Brescia, 
als Curatie 1446 errichtet. 



*") Tinkhauser Beschreibung der Diöcese Brixen I. 397. 
*<**) Voltelini Beiträge zur Geschichte Tirols I. 74; Staffier Tirol und 
Vorarlberg IL 1114; catalogus oleri dioecesis Trideutinae 1897 p. 129. 
»<»«) 0. Brentari Guida del Trentino I. 329. 
'^'') A. Perini Statistica del Trentino II. 640. 
ArchiyaliBohe Zeitsohrilt. Neue Folge IX. Iß 



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242 Julius Stniadt: 

Auch die sämmtlicben zwischen Trient und Udine liegenden 
Diöcesen, von welchen Concordia schon oben bei Priaul behandelt 
wurde, sind zum Theile mit Florianskirchen besetzt. 

In der zwischen Tirol und Priaul eingebetteten Diöcese 
B e 1 1 u n o und Peltre^*^®) bestehen 6 solche Kirchen : S. Ploriano, 
Mutterkirche von Pieve di Zoldo (n. Belluno), sehr alte Pfarre, 
vielleicht noch in das erste Jahrtausend unserer Zeitrechnung 
zurückreichend^®*); Riva (Rivamonte), Cüratie im Thale von 
Agordo, ausgeschieden aus der Pfarre Agordo etwa im 17. Jahr- 
hunderte; S. Ploriano di Cugnago, Filiale der Pfarre Sedico; 
S. Floriane di Coludi-Cugnan, Filiale der Pfarre Cädola Gemeinde 
Ponte nelli alpi; S. Pioriano oder Ploriano di Plois, Filiale der 
Pfarre Pieve d'Alpago; S. Floriane di Spert, Filiale der Pfarre 
Farra. 

In der Diöcese Ceneda findet sich bei Serravalle die chiesa 
Sacramentale di S. Ploriano mit einem an ihr angestellten 
Caplan*'«^). 

In der Diöcese Treviso erheben sich die Plorians-Pfarr- 
kirchen S. Floriane di Callalta an der strada callalta und 
S. Floriane di Campagna am Canale Piavon in der Richtung 
gegen die Lagunen'^*). 

Die Diöcese Padua enthält die Pfarrkirche San Ploriano 
di Vallonara Vicariat Lusiana^'*). 

In der Diöcese Vicenza ist in Vigardolo (n. Vicenza) die 
Pfarrkirche zu Ehren des heil. Florian geweiht*") 

In der Diöcese Verona, etwa vier Stunden oberhalb der 



108J Verzeiohniss der bisohöflicheu Curie in Belluno. 

**>^j chiese matrice della pieve di Zoldo, parroochia antichissima, 
forse anteriore al Mille. 

"*>) Stato personale del Clero della cittä e diocesi di Ceneda al 
15. Maggio 1897. 

"*) Stato personale ecclesiastioo della cittä e diocesi di Treviso uel 
Giugno 1896. 

"*) Annuario diocesano di Padova per Tanno santo 1900. 

"•) Annuario ecclesiastioo 1900. Ueber diesen Sprengel bin ich am 
wenigsten unterrichtet, da die bischöfliche Curie mir keine Antwort zu- 
gehen liess; hier ist eine Nachlese erforderlich, uro so mehr als eine mir 
aus dem Küstenlande zugekommene Nachricht vom 6. Jänner d. J. be- 
züglich des Floriankuitus insbesondere auf die Umgebung von Bassano 
hinweist. „E parimente ve ne ha uno [paese che ha nome S. Floriane] 
uel Bassanese.^ 



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Die Passio s. Floriam und deren Urkundenfälschungen. 243 

Stadt an der Etsch beginnend, zieht sich ein grosses Thal, das 
Val di Policella, nördlich gegen die monti Lessini hinauf. Hier 
befindet sich die alte Pfarrkirche S. Floriane oder Semonte, 
welche in der Bulle des Papstes Eugen III. vom J. 1145 („Piae 
postulatio voluntatis**) für die Bischöfe von Verona eine Collegiat- 
kirche genannt wird "^), Ueberreste der an die Kirche angebauten 
Wohnungen der Kanoniker sollen noch heute sichtbar sein^^^); 
thatsächlich hatte das schon zur Zeit K. Karls des Grossen 
bestehende Kloster S. Zeno in Verona nach dem Registrum s. 
Zenonis aus dem 13. Jahrhunderte Besitz in Valpolicella, ins- 
besondere in Valgattara, Castelrotto, S. Floriane, S. Vito, Arcfe, 
Settimo und S. Giorgio"^). Die heutigen Pfarren S. Pietro 
Incariano, Marano, Castelrotto, Fumane und Valgatara (Val- 
gattara) wurden nacheinander in den J. 1458, 1483, 1567, 1673, 
1793 von S. Florian abgetrennt; die Pfarrkirche in Pescantina 
an der Etsch, stromabwärts von ßussolengo, nunmehr mit dem 
Titel s. Lorenzo, hiess ehemals Capella Major s. Floriani^^^). 

An die alte Kirche S. Florian hat sich ebenfalls die alles 
vergrössernde Sage angehängt; ein kurz vor dem J. 1750 neben 
dem Kirchenportal eingefügter Denkstein will glauben machen, 
dass sie im J. 232 n. Chr. erbaut worden sei^'^), welche Angabe 
schon der Veroneser Historiker G. B. BiancoHni als unglaub- 
würdig verworfen hat^^^), wenn auch die Wahrscheinlichkeit 



"*) State personale del Clero della Diocesi di Verona al 1. Dicembre 
1891 p. 69. 

"'^) Mittheilung des cooperatore bei s. Lorenzo in Verona; Don An- 
tonio Pighi. 

**•) Der State vom J. 1891 bemerkt, dass diese Kirche schon im 
6. Jahrhunderte n. Chr. bestand: „Questa pieve esiste fin dal VI. secolo 
Botto il nome di s. Giorgio di V. P.* (p. 68). 

"0 »Era par. nel 1500; anticamente si chiamava Cappella Major s. 
Floriani.« State vom J. 1891 p. 62. 

"*) Die Inschrift lautet: „Ad Majorem Dei Gloriam Templum hoc 
aedificatum Anno CCXXXII, Restauratum Autem Ampliatum Et Sic Con- 
secratum Petrus Peretti Olim Vigasii deinde Cisani Postremo S. Floriani 
Archipb. Aere proprio Constmxit Anno MDCCXLIII.* Ich unterlasse 
nicht anzumerken, dass der Bisthumssprengel Verona noch im J. 380 zur 
mailändischen Kirchenprovinz gehörte, da Erzbischof Ambros damals über 
ein Urtheil des Bischofs Syagrius entschied. (Epist. S. Ambrosii Edit. 
Maurin. col. 766 ff.) 

"•) Notizie delle chiese di Verona III. 82. 

16* 



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244 Julius Strnadt: 

dafür spricht, dass sie in sehr alten Zeiten bereits bestanden 
hat. Die' heutige Kirche wurde im laufenden Jahrhunderte 
restauriert und das Pest des Patrons am 8. Mai 1898 mit einer 
Pestpredigt gefeiert, welche, mit historischen Anmerkungen ver- 
sehen, auch in Druck gelegt worden ist**®). 

Urkundlich wird die Pfarrkirche S. Plorian im Val di Poli- 
cella zuerst erwähnt in zwei Veroneser Diplomen des Königs 
Berengar I. von Italien aus dem J. 905 ***), dann in Urkunden vom 
24. Februar 1058 („in ualle prouinianese non longe a plebe sancti 
Floriani") und vom 2. November 1143 („Constat me Bonefacium 
aurificera habitatorem in ciuitate Verona . . accepisse a te viuiano 
clerico de plebe beatissimi floriani . . .**)*"). Vermöge der 
ersten Urkunde vom 26. Mai 905 schenkt König Berengar seinem 
Getreuen „teudiberto uallem pruuinianum habitatori in uilla uide- 
licet eiusdem uallis que nominatur canciaqum. vineas et terram 
arabilem in duobus locis ubi nuncupatur ad titulum. Nee non 
et fasenariam ex integre, cum montibus. atque planiciebus seu 
et quandam siluam que lamola dicitur et panicum . .", bisher 
königlicher Besitz. „Data VIL Kl. iun. Anno dominicae Incar- 
nationis DCCCCV. Domni vero Berengari inuictissimi regis XVIII. 
Indictione VIII. Actum ualle pruuiniano iuxta plebem sei 
floriani." '^*) Mittelst des zweiten Diploms vom 1. August 905 
verleiht König Berengar dem Diacon Audo von Verona „terrolam 
cum prato in ualle prouinianense pertinentem de eadem sculdasia 
non longe ab ecclesia beati floriani." Das vergabte 
Stück Land hatte folgende Anrainer: „ab Oriente siquidem et 
aquilone via publica, ab occidente res sancti Floriani et 
a meridie plures homines habentes". Die Identität der Oertlich- 
keit mit dem Thale Policella bei Verona hat CipoUa in der 



»«>) Mittheilung Don Pighi's. 

"') vom 26. Mai bei Muratori Dissertatione XVIII della Anticbitä 
d*Italia I. 1017 und bei Carlo Cipolla „La Valle di Pruviniano* im Archivio 
per Trieste, Tlstria e il Trentino (Roma 1882 vol. 2* fasc. P p. ö2j, daun 
vom 1. August in den Mittheilungen des Institutes für österr. Geschichte- 
forschung II. 102 (Verzeiohniss der Kaiserurkunden in den Archiven 
Veronas von Carlo Cipolla). 

"*) Cipolla ,La Valle di Pruviniano* p. 45, 46. Der Ausdruck plebs 
= Kirche hat sich zu dem heutigen Worte pieve ausgestaltet. 

"•) Verzeichnet auch bei Dümmler Gesta Berengarii S. 174, 47 (Böhmer 
Reg. No. 1332). 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 245 

Polemik gegen die Vermutung Professors Grion, welcher für 
das Thal Vrem in Istrien eingetreten war^***), durch die Er- 
bringung des Nachweises sämratlicher Localitäten im Val di 
Policella in dem in der Anmerkung 122 angeführten Aufsatze 
ausser allen Zweifel gesetzt. 

Durch diese Urkunden "*) ist festgestellt, dass der Cultus 
des heil. Florian in der Umgebung von Verona 
althergebracht und zum mindesten schon im 
neunten Jahrhunderte verbreitet war, da die 
Plorianskirche im J. 905 liegendes Gut besass, was notwendig 
voraussetzt, dass sie schon geraume Zeit früher be- 
standen hat. Heute gilt in dieser Gegend der Heilige als Noth- 
helfer gegen die Dürre **^). 

In der Diöcese M a n t u a verzeichnet das römische annuario 
ecclesiastico des J. 1900 mit dem Nebenpatron S. Benedikt vier 
Pfarrkirchen mit dem patronus principalis S. Florian : in S. Fermo 
(nw. Mantua), in S. Cataldo (sw. Mantua), in S. Giacomo und 
in S. Benedetto am Südufer des Po. Letztere war bis zum J. 
1529, zu welcher Zeit sie von der Herzogin Lucrezia Pica von 
Mirandola, Gattin des Arrigo di Appiano, zur Kirche erweitert 
wurde, ein Oratorium der Benediktiner-Mönche^*'). 

Der Name Florian haftete bereits zur Zeit des Bestandes 
des Langobardenreiches in dieser Gegend am Grund und 
Boden, welcher Umstand zu dem Schlüsse berechtigt, dass 
derselbe seit Langem üblich, wohl bekannt und auch 
ein einheimischer war. In den Schenk ungs- und Bestäti- 
gungs-Diplomen der langobardischen Könige Aistulf vom Fe- 
bruar 753 und Desiderius vom 16. Februar 758 "®) für das Kloster 

*•*) Archivio storico per Trieste, Tlstria e il Trentino vol I. p. 335. 

*«*) Die Originale mit Siegel finden sich, das erste aus S. Zeno im 
Arch. deir Orfanotrofio, das zweite im Archiv von S. Maria in Organe 
zu Verona in der Biblioteca comunale. 

'••) »Qui S. Floriano 6 invocato in tempo di siocitä.* Mittbeilung 
Don Pighi's. 

^^) Mittheilung der curia vesoovile di Mantova. 

*•«) „in territorio Mantuano . . . piscarias in finibus Regisianis et Fle- 
xicianis... ex una parte currente fluvio Moclena, de alia part«^ fluvio 
Bundeno, unum in fossa caput tenente, qui dicitur Firmana, seu Villula, 
et lacu per Floriana sive per Albaretum seu fossa Scavanorum (Scava- 
riorum) usque in Spinum, alium item capite in Pado tenente.** 

Codice diplomatioo Longobardo dal 568 al 774 di Cario Troya (Napoli 
1862-1859) parte IV. pag. 554, 669 No. 671 u. 721. 



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246 .Julius ätrnadt: 

Nonantula (ö. Modena) wird bei Bestimmung des örtlichen Um- 
fanges der Pischereirechte des Klosters ein Gewässer P 1 o r i a n a 
genannt, welches auf dem rechten Ufer des Po zwischen Sermide 
am Po, S. Martine in Spina, und Bondeno am Po di Volano 
sich befunden haben muss. 

Der Personennamen Florianus überdauerte in Italien den 
Zusammenbruch der römischen Herrschaft und kann für die Zeit 
des ostgothischen Herrschers Theodorich (f 526)^^) ur- 
kundlich belegt werden. 

Sechs Meilen vor der Mündung der Adige ins Meer befin- 
det sich in Mardimago eine dem heil. Florian geweihte Pfarr- 
kirche in der Diöcese A d r i a *^®). 

Die Lagunendiöcesen Venedig und Chioggia, welche anderen 
Cultusanregungen folgten, weisen keine Florianskirchen auf. 

Das vorstehende Verzeichnis ist nur bezüglich der Pfarr- 
kirchen vollständig, da manche stati personali und das annuario 
ecclesiastico überhaupt nicht auch die Filialkirchen verzeichne«. 

Scheinbar versprengt besteht nooh weit über dem Po in 
der Diöcese Reggio Emilia (zur Erzdiöcese Modena gehörig) 
die Florians-Pfarrkirche in Gavassa^^^). 

In keiner Diöcese der alten Lombardei d. i. dem Metro* 
politansprengel von Mailand, begegnet ims der heil. Florian als 
Kirchenpatron; nur in der Diöcese Brescia"^) gibt es noch zwei 
Florianskapellen, deren Ursprung ich nicht nachgehen konnte, 
in Coccaglio an der Strasse von Brescia nach Bergamo und in 
der Pfarre Grevo Vicariat Cedegolo ^^^). 

Der Kultus des heil. Florian verliert sich demnach im Westea 
mit der Grenze des Metropolitansprengeis von Aquileja. 

Ich kehre in der Aufzählung der Floriani-Patrocinien nach 
Südsteiermark zurück und überschreite die Drau; 25 

**®) Epistola 5 in Cassiodori Variarum libro I: „Floriane V. S. (viro 
speotabili) Theodoricus rex" arm. 507/511. (Monum. Germ. bist. Auotores 
antiquissimi XII. 16.) 

^*^) Stato personale del Clero della Diocesi di Adria nell Ottobre 1899. 

"*) Annuario ecclesiastico 1900. 

*'*) Das Calendario liturg^co von Brescia des J. löOO begeht am 
4. Mai nur den Gedäobtnisstag der s. Monica vid. 

*■■) Stato del Glero della diocesi di Brescia per Tanno 1900. Selbst 
die Erzdiöcese Mailand ermangelt jeder Florianskirohe. Vgl. „Milano 
sacro ossia stato del Clero della cittä e Diocesi di Milaao pel 1900." 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 247 

Kilometer von ihrem nördlichen Ufer, westlich von Leihniz und 
Wildon, erhöht sich die Pfarrkirche S. Florian an der Lassnitz 
fauch Gross-S. Florian genannt). Die Kirche mag in die ersten 
Zeiten der Bekehrung der Slovenen m dieser Gegend zurück- 
reichen, ein plebanus de sancto Floriane wird zuerst in einer 
Urkunde des Klosters Renn vom Jahre 1136^^*) genannt. Wei- 
tere 23 Kilometer nördlicher, gleich ausserhalb Graz, ist in der 
Pfarre Strassgang, welche durch Schenkung K. Heinrichs III. 
im J. 1055^*5) an das Erzstift Salzburg gelangt ist, dem heiL 
Florian eine Wallfahrtskirche, die nördlichste aller Florianskirchen 
am rechten Ufer der Mur, geweiht; von ihr ist nichts weiter 
als das Jahr ihrer Wiedererbauung 1597 bekannt ^^^). 

Oestlich von der Mur im Decanate S. Ruprecht an der Rab 
stossen wir auf eine isolirte Gruppe von vier Pfarr- und. zwei 
Filialkirchen, welche zu Ehren des heil. Florian geweiht sind. 
Es sind dies die Pfarrkirchen Eggersdorf, Kirchberg a. d. Rab, 
Loipersdorf und Unterrohr, von welchen aber nur die beiden 
ersten alte Pfarreien sind, dann die Zukirchen in der Pfarrei 
(U. L. Frau zu) Straden zwischen Rab und Mur nicht ferne der 
Ungarngrenz^ und in der Pfarrei Söchau zwischen Fürstenfeld 
und Riegersburg. Von diesen Kirchen fällt jedoch Eggers- 
dorf a. d. Rabniz weg, weil der heil. Florian hier erst in 
unserem Jahrhunderte Kirchenpatron geworden ist; im J. 1459 
war nämlich S. Bartholomäus der alleinige Patron *'^) , yon etwa 
1654 an erscheinen nach den Pfarrakten S. Bartholomäus und 
S. Florian als Patrone, in den Jahren 1855 bis 1862 wurde die 
heute bestehende Kirche in romanischem Baustile erbaut und 
dem heil. Florian geweiht, seither wird Bartholomäus nur als 
zweites Patrocinium gefeiert. Dieser Patrociniumswechsel bietet 
ein anschauliches Beispiel, wie der ursprüngliche 
Patron von einem modern gewordenen Neben- 
patron in die zweite Stelle zurückgedrängt wor- 
den ist. Kirchberg a. d. Rab dagegen erscheint in den Jahren 
1444 und 1463 als „Kirchperg in S. Florianspfarr, S. Florians- 
pfarr an der Raab** ^^^). Die Ortschaften Loipersdorf (Lowpclts- 

»»*) Steiermark. U.-B. L 171 No. 172. 
^•*) Juvavia diplom. Anhang p. 239 Nr. 100. 
'••) Diöcesan-Schematismus von Seckau (Gratz). 
*") Zahn Steiermark. Ortsnamenbuch 160. 
'^) Zahn a. a. 0. 97. 



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248 Julius Strnadt: 

dorf) und Unterrohr (Nider Kor) werden — ohne Kirchen — zu- 
erst in den Jahren 1464 und 1430 erwähnt*^*), letztere Kirche 
wurde im J. 1617 erbaut und 1786 zur Localie erhoben**®). Die 
Filiale S. Florian in der Pfarre Söchau kommt zuerst vor in dem 
libellus decimationis des J. 1285^**), wo es heisst: „ecclesia in 
Rukersperch cum ecelesia S. Ploriani solvit 50 marcas Grae- 
censes". Die Florianskirche in Rattenegg endlich stammt gar 
erst aus dem 19. Jahrhunderte; sie wurde in den J. 1817 bis 
1834 erbaut, am 3. Februar 1834 eingeweiht und als Lokalie 
von der Mutterpfarre Ratten ausgeschieden. 

Der Anlass zur Entstehung dieser Florians-Patrocinien dürfte 
auf das Wirken der Salzburger Erzbischöfe Gebhard, Thiemo 
und Chunrad zurückzuführen sein, wenngleich nicht in Abrede 
zu stellen ist, dass hier ursprünglich die Missionsthätigkeit der 
beiden Kirchen Salzburg und Aquileja sich begegnete und von 
jeder derselben, wie aus der Urkunde Kaiser Karls des Grossen . 
vom 14. Juni 811 ^^^) zu entnehmen ist, ganz Karantanien — 
von Aquileja von alters her, von Salzburg kraft päpstlicher 
Auctorität — in Anspruch genommen wurde. 

Mit Ausnahme der ephemeren Erwähnung einer „S. Florians- 
capellen** in Brück a. d. Mur, die wieder verschwunden ist, im 
J . 1470 **^) ist ganz Nordsteiermark (die ehemaligen 
Kreise Brück und Judenburg umfassend) vollständig leer 
von Florianskirchen. 

In der angrenzenden Erzdiöcese Salzburg mit 237000 
Katholiken und 308 Kirchen, worunter 183 Pfarrkirchen, ist der 
heil. Florian in der einzigen Pfarrkirche Ebenau Hauptpatron; 
da diese jedoch erst in den Jahren 1699 bis 1702 erbaut, 1704 
geweiht und 1702 zur Vicariatskirche bestimmt worden ist**^), 
vor dieser Zeit aber nicht bestanden hat, so kommt sie bei 
Untersuchung der Verbreitung des Florianskultus gar nicht in 

"«) Zahn a. a. 0. 316, 399. 

*") Pfarrakten von Unterrohr. 

"*) „arohidiaconatus inf. Marchie." Ausgale von Hauthaler „Libellus 
decimationis d. a. 1285" im Programme des f. e. Privatgymnasiums in 
Salzburg 1886/1887 S. 14. 

***) Juvavia diplom. Anhang 61 No. 16; steierm. Ü.-B. 1. 5 No. 4 

"») Zahn a. a. 0. 185. 

***) Personalstand der Säkular- und Regular-Geistliohkeit des Erz- 
bisthums Salzburg 1896. 



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Die Passio s. Floriani iind deren UrkundenfälsohungeD. 249 

Betracht. In der Kapelle U. L. Frau zu Dorf Pfarre Braraberg 
im Pinzgau figurirt der heil. Florian nur als Nebenpatron. Es 
ist daher Salzburg ebenfalls als leer von Florianskirchen anzu- 
sehen. 

Mit der Feststellung dieser Thatsache haben wir die Kette 
der Hochalpen bereits überstiegen und sehen die nördliche 
Reihe der Florianskirchen vor uns. Dieselbe wird von 
den südlich der Alpen gelegenen Kultusstätten durch einen 
neutralen Gürtel getrennt, dessen Breite von St. Florian 
zwischen Prien und SöUhuben in Oberbayern bis Untertilliach 
an der Gail 135 Kilometer, vom Kloster S. Florian bei Ens bis 
Gunzenberg in Kärnten sogar 148 Kilometer — in der Luftlinie 
gerechnet — erreicht. 

In Oberösterreich habe ich als erste Florianskirche in 
der Richtung von Kärnten her jene des Stiftes S. Florian ge- 
nannt, weil die dem heil. Florian dedicirte Pfarrkirche zu Stein- 
bach am Ziehberg erst in den Jahren 1770—1780 erbaut worden 
ist und der heutige Pfarrsprengel bis zum J. 1784 zu den Pfarren 
Kirchdorf und Viechtwang gehört hat. In der ganzen Diöcese 
Linz (763,000 Katholiken) mit 405 Pfarrkirchen, 140 Neben- 
kirchen und vielen Kapellen gibt es ausser der Klosterkirche 
von S. Florian nur noch weitere 4 Florianskirchen, nämlich S. 
Florian am In, deren Entstehung in dem folgenden 
Abschnitte über die Traditionen der Liutswind und der Brun- 
hilde eingehend erörtert wird, die Pfarrkirchen Neumarkt 
bei Grieskirchen und Wallern, dann die Filialkirche S. Florian 
Pfarre Helpfau-Uttendorf im oberen InvierteP^*). 

Letztere wurde im J. 1403 als Kapelle consecrirt und erst 
gegen Ende des 17. Jahrhunderts erweitert^*®). Neumarkt 
wird als Ortschaft zwar schon um 1228 genannt, die Kirche 
aber nicht früher als am 15. Dezember 1536 erwähnt, in 
welchem Zeitpunkte die Bürgerschaft in derselben ein Benefizium 



"*) Diöcesan-Schematismus von Linz. Directorien der Diöoese und 
der Klöster. Eine Florianskapelle (capella diui Floriani) in der Kirche 
des Chorherrenstiftes Spital am Pirn wird zuerst im J. 1511 erwähnt, als 
in derselben der Chorherr Kirchschlager (f 1515) eine Wochenmesse 
stiftete (Neorolog von Spital im Archiv der Wiener Akademie LXXII. 
114, 175). 

***) Pillwein Topografie des Landes ob der Ens. Inkreis S. 299. 



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250 Juliua S<»rnadt: 

stiftete ^*^). Wann der heil. Florian Kirchenpatron vpn Wallera 
wurde, ist aus den Urkunden nicht zu entnehmen; denn er wird 
weder von dem Priester Engilger, als derselbe im J, 815 die 
Kirche Aduualdi dem Bischof Hatte von Passau übergab ***), 
noch vom Bischof Ohunrad von Passau im 12. Jahrhunderte in 
dem Gabbriefe an das Stift S. Florian^**) genannt, er ist es 

"0 o.-ö. U.-B. II. 672; mein Werk Peuerbach S. 239. 

"«) Mon. boic. XXVIII. b, 41 No. XLIV. 

»") Die im o.-ö. U.-B. II. 260 nach Stülz Gesch. von S. Florian S. 256 
abgedruckte Urkunde, womit Bischof Chunrad dem Stifte S. Florian eocle- 
siam in Waldarn schenkt und demselben die von seinen Vorfahren ge- 
machten Schenkungen „specialiter ecclesiam sancte Marie iuxta riuuhim 
qui Palsentze dicitur sitam** bestätiget, darf ohne Bedenken als eine 
spätere Fälschung bezeichnet werden, welche zu dem Zwecke angefertigt 
wurde, um den mangelnden Rechtstitel für den Besitz der beiden Pfarren 
Wallern und S. Marienkirchen zu beschaflFen. Wie bereits Stülz bemerkte, 
sind alle chronologischen Daten widersprechend: nicht blos Regierungs- 
jahre des Königs und des Bischofes, sondern auch die Indiction. Dass 
man in der bischöflichen Kanzlei in Passau nicht einmal gewusst habe, 
dass Bischof Chunrad erst im 8. statt im 9. Jahre regiere, ist geradezu 
unglaublich. Auf Fälschung weist ausserdem der Beisatz zu domus sancti 
Floriani „qui etiam patauiensis ecclesie filia est specialis", welche sonder- 
bare Hervorhebung des Klosters auch in den Urkunden für S. Michael 
in der Wachau, welche ich sogleich behandeln werde, wiederkehrt. Der 
Zeuge Engelbert von Struben wird als „de strebin" bezeichnet, was nur 
einem Schreiber aus späterer Zeit, dem die Namen der Vergangenheit 
nicht mehr geläutig waren, passieren konnte. Welche Vorfahren Bischofs 
Chunrad sollen auch die Pfarre S. Marienkirchen verliehen haben ? Bischof 
Ulrich zählt im J. IUI den Klosterbesitz auf, über die Erwerbung der 
Kirchen Kazdorf, Lasberg und Feldkirchen sind die Urkunden vorhanden; 
der Bischof könnte im Sinne der gefälschten Stiftungsurkunde nur an noch 
weiter zurückliegende Zeiten denken und das macht die Echtheit der 
Urkunde schon an und für sich fraglich. Um nicht bei Besprechung der 
Florianskirchen in Niederösterreich eine weitere Bemerkung machen zu 
müssen, schreite ich gleich zur Untersuchung der obengenannten Ur- 
kunden für S. Michael, auch, aus dem weiteren Grunde, weil mit diesen 
die Fälschung für Wallern und S. Marienkirchen in unläugbarem Zu- 
sammenhange steht. 

Von Kremsmünster aus überliess Bischof Chunrad von Passau am 
1. Dezember 1162 (Mon. boic. XXVIU. b, 242, o.-ö. U.-B. IL 321) über die 
Beschwerde des Propstes Heinrich von S. Florian wegen Bedrückung der 
Hintersassen des Klosters von dem hoohstiftischen Schlosse Ebelsberg 
gegen Abtretung der namentlich aufgeführten 14 Höfe dem Kloster die 
Pfarrkirche S. Michael „in austria juxta danubium in „UVachOwe" mit 
allem Zugehör und „terminis antiquitus prefixis et assignatis.^' Das 



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Die Passio s. FJoriani uaddereUi Urkundenfälschungen. 251 

wahrscheinlich erst nach der Besitznahme der Kirche durch die 
Plorianer Chorherren geworden. 

Ich füge bei, dass in Oberösterreich hauptsächlich der Pro- 
toraartyr Stephanus, der fränkische Heilige Martinus, der Apostel- 
ist sichtlich die echte Verleihungsurkunde. Das Klosterarohiv bewahrt 
aber noch eine zweite vom J. 1159 (Mon. boic. XXVIII. b, 258; o.-ö. U.-B. 
IL 295), wornach dem Kloster die Pfarre schon damals zugefallen wäre. 
Es genügen zum Brweise ihrer ünechtheit vollständig die inneren Merkmale, 
wenn die Nieder-Altaicher Urkunden herangezogen werden, deren 
Inhalt Stülz in seiner Geschichte von S. Florian anzugeben unterlassen hat. 

Das Kloster Nieder- Altaioh besass bekanntlich seit dem Beginne des 
9. Jahrhundertes grosses Gut in der Wachau, über welches S. Florian 
pfarrliche Rechte in Anspruch zu nehmen begann. Bischof Ulrich ver- 
mittelte am 3. August 1220 (Mon. boic. XI. 189), indem er den Propst 
von 8. Florian zum Verzichte auf die Kirche in Spitz und zu dem Ver- 
sprecb^i zu bewegen wusste, dem Abte alle hierauf bezüglichen Briefe 
auszuliefern, wenn er etwa solche haben sollte („si qua instrumenta 
super; predicta ecclesia in Spitze forsitan haberet"). S. Florian hatte also 
im J. 1220 noch keine Dokumente über Spitz, sonst hätte es solche pro- 
ducirt und sich nicht zum Verzichte herbeigelassen. Nach dem Tode 
Ulrichs (1221) erneuerte S. Florian den Streit; es gab vor, Urkunden des 
Bischofs Chunrad aufweisen au können , welche sein Recht (auf Spitz) 
bekräftigen, („asserentes etiam se habere quedam scripta Chunradi 
episcopi... quibus causa sua videbatur roborari^'), beide Theile 
gingen an den apostolischen Stuhl, es fanden verschiedene Kommissionen 
statt, bis Bischof Gebhard beiden Theilen zu Gemüthe führte, dass es 
Klöstern nicht gezieme, miteinander zu hadern, und es ihm am 18. August 
1225 (Mqn. boic. XI. 197) gelang, den Streit dahin zu schlichten, dass 
Nieder-Ältaich an S. Florian eine Abfindung von 24 Pfund „monete 
publice" bezahlte, wornach im J. 1238 (Mon. boic. XV. 9.) die Pfarre Spitz 
von Bischof Rudeger dem Kloster Nieder-Altaich incorporirt wurde. 

Jene Schriften Bischof Chunrads, auf welche Sw Florian sich in Rom 
berief, J^önnen keine anderen gewvsen sein, als das der Zeit nach frühere 
Verleihuiig8diipk>m von 1159 und das angebliche Diplom Chunrads von 
116S, welches Incarnationsjahr StUlz in das Jahr 1163 einzurenken ver- 
suchte (Stülz Gesch. von S. Florian S. 266, o.-ö. U.-B. II. 826), wornach 
der BisChol nach vorausgegangener Untersuchung die „capella s. Mauricii 
in Kirchdorf, qui alio nomine Spize dicitur" als Filiale von S. Michael 
erklärt haben soll. In beiden Urkunden wird als Grund der Verleihung 
und Entscheidung hervorgehoben „quod iam dicta ecclesia (S. Florian) 
patauiensis ecclesie est filia^^ und „quod ecclesia s. Floriani nobis ceteris 
specialius est dovota", welche Ausdrücke die echte Urkunde von 1 162 
nicht gebraucht, wogegen das Diplom von 1159 wieder die abgetretenen 
UHöfemcbt verzeichnet und damit das ausschliessliche Interesse für die 
Neuerwerbung des Klosters verräth. Die Urkunden wurden zweifellos 



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252 Julius Stmadt: 

fürst Petrus und der Erzengel Michael Kirchenpatrone sind, so- 
wie dass im HinbHcke auf die von der vita s. Ruperti behaupteten 
Missionsthätigkeit des heil. Rupert bezeichnender Weise gar kein 
Rupertus-Patrociniura sich vorfindet. 

Niederösterreich ist in die Diöcese S. P ö 1 1 e n und die 
Erzdiöcese W i e n geteilt. Erstere mit 562000 Katholiken zählt 
unter 401 Pfarrkirchen nur 5 dem heil. Florian geweihte, näm- 
lich Zell a. d. Ybs, gegenüber von Waidhofen a. d. Ybs; Persen- 
beug an der Donau; Wösendorf bei St. Michael in der Wachau; 
Buchbach und Scheidldorf im Dekanate Waidhofen an der Thaia ^^). 
Die Pfarre Wösendorf wurde erst im Jahre 1784 bei Zerteilung 
der alten Pfarre S. Michael eine Pfarre, welche nur die Ort- 
schaften Wösendorf und S. Michael mit 484 Seelen begreift; 
ihr Alter als Filialkirche von S. Michael ist urkundlich nicht 
bestimmbar, ebenso wenig das Alter des Patrociniums, das jeden- 
falls erst nach 1162 entstanden ist***). Die Florianskirche in 
Persenbeug, vormals eine einfache Marktkapelle gothischer Bau- 
art, an welcher seit 1537 Benefiziaten angestellt waren, gehörte 
bis 30. November 1783 als Filialkirche zur S. Peter und Pauls- 
Pfarrkirche in Gottsdorf. Buchbach entstand 1784 aus der Er- 
weiterung einer unbekannt seit wann bestehenden Kapelle und 
wurde damals zur Pfarre erhoben, was auch bei der Lokalpfarre 
Scheidldorf, vormals nach Gross-Haselbach gehörig, zutrifft, wo- 
selbst die Kirche erst i. J. 1785 erbaut worden ist. Kirche und 
Pfarre in Zell an der Ybs endlich stammen gar erst aus dem 
J. 1786. 

InderErzdiöceseWien (1,900,000 Katholiken) mit 521 

zu Beweiszwecken gegen Nieder-Altaich zwisohea den Jahren 1221 und 
1225 angefertigt, und in dieselbe Zeit wird das Falsifikat fUr Wallern und 
S. Marienkirchen fallen, was der auch in diesem vorkommende ZwischOii^ 
satz „que etiam patauiensis ecclesia filia est specialis" nicht in Zweifel 
lässt. 

Nicht die „berüchtigte Chronologie der Bischöfe von Passau", wie 
Stülz vermeint, sondern die Ungeschicklichkeit des Fälschers hat das 
Wirrsal der Zeitangaben verschuldet. 

***) Diöcesan-Schematismus von S. Polten: Kerschbaumer „Ge- 
schichte" dieser Diöcese; Topografie von Niederösterreich. 

»»») Als „chappelle dacz Wesendorf* ohne Bezeichnung eines 
Patrociniums wird sie zuerst am 4. Juni 1365 (o.-ö. U.-B. VIII. 250) 
genannt, an welchem Tage Chunrad der Flander daselbst eine von dem 
Pfarrer von sand Michel zu pcrsol vierende wöchentliche Messe stiftete. 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 263 

Pfarrkirchen befinden sich nur 4 zu Ehren des heil. Florian, 
als: die S. Florianskirche in der Matzleinsdorf er Strasse ira V. 
Bezirke von Wien, in Gallbrunn im Decanate Fischamend, in 
Hanfthal bei Laa und in Pottenhofen an der mährischen Grenze 
südwestlich von Nicolsburg ^^*). Die Kirche in der Matzleinsdorfer 
Strasse wurde im J. 1725 erbaut an Stelle einer alten Kapelle 
zu Ehren der Vermählung der heil. Maria und des heil. Josef; 
es fand bei dieser Gelegenheit ein Patrociniumswechsel statt. 
Die Kirche in Galtbrunn entstand im J. 1773 aus einer 1708 
erbauten Florianskapelle, di« Pfarre 1784 durch Abtrennung von 
S. Margarethen am Mos. Die Kirche im Hanfthal entstand 1736 
aus der Erweiterung einer 1661 zu Ehren der Heiligen Florian, 
Sebastian und Rochus erbauten Votivkapelle, wurde Pfarre 1784. 
Die Kirche in Pottenhofen wurde 1780 bis 1784 an Stelle einer 
unbekannt seit wann bestehenden Kapelle erbaut und zur eigenen 
Pfarre erhoben. Die Filialkirche S. Florian in Ober-Aspang, 
jünger als die Pfarrkirche in Unter- Aspang , ist ein aus der 
Verfallszeit der Gothik stammender Bau^^'). 

Die jetzige Diöcese Passau (also der nach Ausschei- 
dung von Nieder- und Oberösterreich und nach der Regulirung 
der Diöcesangrenzen verbliebene Rest des alten Bisthumssprengels) 
mit mehr als 330,000 Seelen, 198 Pfarreien, 4 Vicariaten und 
11 Exposituren enthält nur zwei Kirchen, welche den heil. 
Florian zum Patron haben : die Nebenkirche Ober-Indling in der 
Pfarre Pocking im Rotthaie und die Nebenkirche zum heil. Ni- 
kolaus und heil. Florian in Birnbach Pfarre Erlbach ^^*). Letztere, 
ohne Friedhof und Gottesdienst, ist ein gothischer Bau, über 
dessen Entstehung jegliche Daten fehlen; sie gehörte vormals 
zur Pfarre Zeilarn. Ober-Indling gehörte bis 1681 zur Pfarre 
Hartkirchen am In, welche dem von Bischof Altmann gegrün- 

*") Diöcesau-Schematismus von Wien; sowie Mittheilungen aus Pfarr- 
akten, dann die vom Vereine für Landeskunde von Niederösterreich her- 
ausgegebene, bis zum Buchstaben L reichende Topographie von Nieder- 
österreich. 

iMj Nach Sacken , in den Mittheilungen des Wiener Alterthums- 
vereines IX. 54. 

'*♦) Pflugbeil „Chronik der Seelsorgstellen des Bisthums Passau" 
1881; Mittheilungen aus dem bischöflichen Ordinariate. Die Filialkirohe 
in Birnbach ist kein „uralter" Bau, wie Pflugbeil meint, sie kommt im 
15. Jahrhunderte noch nicht vor. Vgl. Anm. 157. 



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254 Juliua Stmadt: 

deten Chorherrensftifte S; Nicola zustand; da in dem letzteren 
S. Florian eine hohe Verehrung genoss und sein Gedächtnisstag 
als „summum festum** begangen wurde ^*^), so ist diese Plorians- 
kirche zweifellos von S. Nicola aus erbaut worden. Die beiden 
Plorianskirchen, wie ich hervorheben muss, schliessen sich in 
einer von S. Florian bei Schärding ausgehenden Linie an die 
übrigen Kirchen dieses Gultus in der Diöcese München an, wäh- 
rend der ganze übrige Teil der Passauer Diöcese von Florians- 
kirchen leer bleibt. 

In der heutigen ErzdiöceseMünchen-Freising mit 
835,000 Katholiken, welche im J. 1819'^«) 1828 Kirchen und 
Kapellen, darunter 387 Pfarrkirchen zählte, bestehen folgende 
Florianskirchen : 

a) im ehemaligen Salzburger Antheile: 

S. Florian, einzelnstehende Pilialkirche der Pfarre Prien, 
von derselben ^/i Stunden entfernt, ohne Friedhof und 
Gottesdienst; Wald, Filialkirche, ohne Friedhof und 
Gottesdienst, ^Ja Stunde von der Pfarrkirche Rattenkirchen 
A.-G. Mühldorf entfernt, über deren Entstehung alle 
Nachrichten mangeln; Tettenhausen am Wagingersee, 
Vicariat, vormals Filiale der Pfarre Petting"^). 

b) im übrigen Bisthumsbezirke: 

in Frauenberg, Decanat Erding, Lokalpfarre, aus einem 
im J. 1444 von den Herren Parcifal und Wilhelm von 



^") Siehe Calendarium des Klosters S. Nicola soc. XV. in Clm. 1620G 
der Münchner Staatsbibliothek bei A. Lechner „Mittelalterliche Kirchen- 
Teste und Kaiendarien in Bayern" S. 193. 

**«) „Tabellarische Beschreibung des Bisthums Freysing nach Ordnung 
der Decanate. Herausgegeben von der bischöflichen General- Vicariats- 
Kanzlei.** München 1820. Mit Lentner'schen Schriften. 

"') Der Ort Totinhusir in pago Salzburggave — ohne Kirche — 
kommt schon im Indiculus Arnonis vor (salzb. Ü.-B. L 9, Ind. VI. 8). Die 
jetzige Kirche in romanischem Baustile wurde erst im J. 1853 an Stelle 
der früheren, 1840 durch Blitzschlag stark beschädigten erbaut Der 
Thurm der alten Kirche war nach den Akten mit einer Kuppel bekrönt, 
über die Bauart weiss niemand mehr etwas zu sagen; sie stammte offen- 
bar nicht aus dem Mittelalter, da sie in dem Verzeichnisse „Omnes 
Ecclesie Parochiales et Gap eile Tocius diocesis Salczeburgensis" aus der 
Regierungszeit des Erzbischofs Bernhard (1468—1487) weder bei ihrer 
Pfarrkirche Petting (Notizenblatt der Wiener Akademie 1852 p. 267) noch 
überhaupt vorkommt. Das Vicariat wurde 1749 errichtet. 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 255 

Prauenberg gestifteten Benefizium entstanden; in Schwa- 
bersberg, einzelnstehende Pilialkirche, von der Pfarrkirche 
Walpertshofen, Decanat Erding, */4 Stunde entfernt- 
Kapelle S. Plorian in der Nicolaus-Pfarre Bittenhart im 
Decanate Höselwang bei Seeon; in der Hofmark Hof- 
stärring, Pilialkirche mit Friedhof, V* Stunde von der 
Pfarrkirche Steinkirchen, welche stets Präbende des üom- 
propstes von Preising war, im Decanate Dorfen, entfernt, 
über das Alter dieser kleinen Kirche mangeln alle Nach- 
richten ; endlich im Dorfe Widenzhausen, Pilialkirche 
mit Gottesdienst und Priedhof, von der Pfarrkirche Ein- 
spach, Decanat Egenhofen, eine Stunde entfernt. Diese 
letztere Pilialkirche kommt bei meiner Untersuchung 
nicht in Betracht, weil die Kirche ursprünglich 
der heil. Maria zu Ehren geweiht war, der Hoch- 
altar ist noch B. M. Virg. und dem heil. Plorian nur ein 
Nebenaltar dedicirt, als Marienkirche ist das Gotteshaus 
in den Jahren 1666/1667 erweitert worden ^^^). 
In der 730,000 Katholiken zählenden grossen Diöcese Augs- 
burg, welche sich auf beiden Ufern des Lech ausdehnt, im 
Westen bis an die Hier und an den Bodensee, im Süden an die 
Berge von Tirol, im ^Osten bis an die Um (auf 16 Kilometer 
Entfernung von Mönchsroünster), im Norden über die Donau bis 
Oettingen und nahe an Ingolstadt reicht, ist der heil. Plorian 
nicht in einer einzigen Pfarrkirche patronus principalis; 
nur als Nebenpatron wurde er, wahrscheinlich erst in später 
Zeit, der a. s. Jungfrau Maria in Waltenhofen bei Püssen, dem 
heil. Martin in Ebershausen, Landkapitel Mindelheim und dem 
heil. Georg in Reicholtsried Landkapitel Ottobeuren zugesellt *^^). 
Die Widerlegung der von Czerny aufgestellten und von Sepp 
zur seinigen gemachten Behauptung einer bereits im achten 
Jahrhunderte in der Augsburger Diöcese nachweisbaren Ver- 
ehrung des heil. Plorian ist in die Anmerkung^®®) verwiesen. 

^^) Mittheilung des Pfarramtes Einspach. 

***') Diöcesan-Sehematismus von Augsburg für das J. 1900 und brief- 
liche Mittheilungen aus kirchlichen Kreisen der Diöcese Augsburg. 

*®^) Mit Uebergebung meiner Charakterisirung der vita s. Magni auf 
S. 55-56 des Bandes VIII dieser Zeitschrift und unter Ignorirung der 
ganzen weitläufigen Literatur behauptet Herr Dr. Sepp auf Seite 26 
Note 20 seiner Brochüre ganz zuversichtlich: »Aus der gefälschten vita 



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256 Julius Stmadt: 

Im Bisthura Regensbiirg (mit 780,000 Katholiken), welches 

8. Magni erhellt mit Bestimmtheit, dass der heil. Florian, wenn nicht 
im 8., so doch im 9. Jahrhundert bereits in der Diöcese Augsburg verehrt 
wurde." 

Wenn überhaupt aus einer Fälschung etwas „mit Bestimmtheit* 
entnommen werden könnte, dann müsste nach den von mir gebrachten 
authentischen Daten der Cultus des heil. Florian in der Augsburger 
Diöcese seit einem Jahrtausend vollständig zurückgegangen sein; dem 
nicht voreingenommenen Forscher bedeutet das Schweigen der liturgischen 
Quellen des Mittelalters allein schon, dass dieser Cultus in der Diöcese 
Augsburg niemals auch nur einigermassen verbreitet, vielleicht sogar 
gleich Null gewesen ist. 

Augenscheinlich nimmt Dr. Sepp zu dem beliebten Auskunftsmittel 
des Bestandes einer älteren Legende die Zuflucht, dieselbe soll erst durch 
Pseudo-Theodor überarbeitet und verfälscht worden sein, um die relative 
Glaubwürdigkeit der vita und insbesondere die Glaubwürdigkeit der Er- 
zählung, dass der Heilige eine Kirche zu Ehren der heil. Maria und des 
heil. Florian erbaut habe, zu retten; für ihn hat die handgreifliche Fabel 
den Wert einer zwar getrübten, doch immerhin in gewisser Richtung 
beweiskräftigen Geschichtsquelle. 

Ich könnte mich begnügen, Herrn Sepp den Ausspruch eines be- 
deutenden katholischen Kirchenhislorikers der Gegenwart *) entgegen zu 
halten; aber die Rücksicht auf jene Leser, welche mit der sogenannten 
vita s. Magni sich näher zu beschäftigen keinen Anlass haben, legt mir 
die moralische Verpflichtung auf, die Aussprüche unbestrittener Auctori- 
täten auf dem Gebiete der Legendenkritik vorzuführen und der Ent- 
stehung der Wundergeschichte auf den Grund zu sehen, damit 
sie als Geschichtsquelle nicht weiter missbraucht werde. 

Schon im J. 1G19 machte der Benediktiner Jakob Metzler in S. Gallen 
den Abt Martin Stempfle von Füssen (1614—1661; auf den fabelhaften 
Inhalt der Legende aufmerksam **), ohne dass letzterer sich hierdurch ab- 
halten Hess, im J. 1621 die Lebensbeschreibung des Klosterheiligen mit 
allen ihren Ungeheuerlichkeiten herauszugeben. 

*) Prof. A. Ehrhard in No. 10 des Lileraturblattes der Leo-Gesell- 
schaft 1900: „Die Aufgabe unserer Zeit muss es nun sein, diese Zeugnisse 
der Verehrung und Liebe zu den Heiligen kritisch zu prüfen, die 
Legenden von den historischen Quellen zu scheiden, die lieber- und Um- 
arbeitungen auf die ursprünglichen Texte zurückzuführen imd auf dem 
dadurch grundgelegten Fundamente eine Geschichte der Heiligen aufzu- 
bauen, die strenger als unsere bisherigen „Leben der Heiligen* das 
Gesetz der Wahrheit beobachten kann, in der Ueberzeugung, dass sie 
dadurch besser sowohl dem Ruhme der Heiligen selbst, als den religiösen 
Bedürfnissen des katholischen Volkes dienen wird." 

*•) Anton von Steichele „Das Bisthum Augsburg" IV. 349— 3Ö5, wo- 
selbst die bezügliche Korrespondenz aus dem Archive des Klosters S. 
Magnus in Füssen angeführt ist. 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkunden fölsohungen. 257 

sich auf beiden Seiten der Donau von Ingolstadt bis zum Böhmer- 

Der Benediktiner Mabillon lehnte im J. 1669 in seiner Kritik der 
Legende es ab, die gänzlich werthlose Arbeit in seine Acta Sanotorum 
Ordinis S. Benedicti aufzunehmen*). 

Der Bollandist Constantin Sujsken yermuthete in einem Mönche 
von Regensburg den Verfasser oder wenigstens Interpolator der Legende **) 
und erklärte die Drachen tötung, welche der Erbauung des in Frage 
stehenden Kirchleins voranging, für eine simple Nachahmung der 
Erzählung im Propheten Daniel. 

Basnage***) urtheilt kurz und bUndig: „Nee igitur Theodori nee 
Ermenrici illud est opusculum sed cujusdam impostoris.^ 

Wattenbach f) hält die angeblich ältere Legende, welche ums J. 840 
Bischof ILianto von Augsburg bei der Leiche des heil. Magnus gefunden 
haben soll, Überhaupt für leeres Vorgeben des Fälschers, welcher ein von 
den gröbsten chronologischen Fehlern erfülltes Plagiat aus den vitae 
Columbani und Galli für das Werk eines Zeitgenossen ausgab. 

Es bedarf wohl keines besonderen kritischen Scharfsinnes, um aus 
der Erzählung von der Hinterlegung vou Theodors Nachrichten über das 
Leben des Heiligen in dessen Grabe, aus ihrer so gelegen kommenden 
späteren Auffindung auf ein Trugwerk zu schliessen, welches zur besseren 
Beglaubigung dem gelehrten Ermenrich in Elwangen unterschoben wurde; 
natürlich ist es ganz unzulässig, einer erwiesener Massen lügenhaften 
Geschichte in der Angabe über den Bearbeiter irgendwie Glauben zu 
schenken. Ueberhaupt lässt sich der Cultus des heil. Magnus nicht über 
das Jahr 896 ft) zurück verfolgen und darüber, dass er in Füssen be- 
graben liegen sollte, haben wir die einzige Nachricht Ekkehards IV. von 
S. Gallen ttt)> womach Bischof Adalbero von Augsburg im J. 898 dem Abt- 
Bischof Salomon einen Arm des heil. Magnus „de Faucibus sumptum*^ 
geschenkt haben soll. Der Bestand des Klosters in Füssen ist erst seit 
der Zeit des Bischofs Udalrich (f 973) beglaubigt tttt)> ^^^nn die Urkunde 
vom J. 919 (abgedruckt bei Steichele IV. 371 — 372) ist nach ihren inneren 
Merkmalen zweifellos unecht. Keine der auf uns gekommenen Kloster- 
urkunden, welche nur bis zum J. 1168 zurückgehen, enthält eine Be- 
ziehung darauf, dass der Heilige in Füssen ruhe; im Gegentheile wusste 
man zur Zeit des Abtes Johannes Hess (1458— 1480), wie aus dessen Auf- 
sohreibungen Erzbischof Steichele (IV. 442) anführt, gar nicht, wo sich 

*) Er sagt (Saeculum secundum p. 507): „Ista sufficere videntur, ut 
vulgatam sancti Magni vitam ut nullius prorsus auctoritatis scrip- 
tionem rejiciamus.^ 

•*) Acta Sanctorum September II. 701. 
***) Thesaurus etc. L 664. 

t) Deutschlands G.-Q. im M. A. 5. Auflage L 267. 
ft) Notiz im Chron. Lauresh. (Mon. Germ. Script. XXI. 381). 
ttt) Casus s. Galli. 1. c. II. 79. 
tttt) Gerhardi vita Oudalrici. 1. c. IV. 393. 
Arohivalisobe Zeitaohrift Neue Folge IX. 17 



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258 Julius Strnadt: 



Grab und Leib des heil. Magnus befönden, seine Nachgrabungen und jene 
welche später Abt Stempfle anstellte, blieben erfolglos. 

Interessant ist die auffallende Aehnliohkeit dieser Verhältnisse 
mit jenen, die ich bei S. Florian feststellte. Hier wie dort ein unbe- 
kannter Schutzheiliger, Unkenntniss der Begräbnissstätte und Fehlen von 
Reliquien, mangelnde urkundliche Bestätigungen über das Vorhandensein 
des Grabes, hier wunderbare Auffindung des Grabes und neuerlicher Ver- 
lust der Kenntniss von der Oertlichkeit, dort die sichtlich im Dienste der 
Legende stehende Entdeckung des Grabsteines der Valeria. 

Sowohl die kürzere als auch die längere Reoension der vita enthält 
die Erzählung von dem Kirchenbau, welche zum Beweismittel für die 
frühe Verehrung des heü. Florian in Schwaben erhoben worden ist. Die 
der vita angehängte translatio s. Magni*) ist eine blosse Erweiterung 
der Legende, welche sogar die Rede der Heiligenerscheinung zu ver- 
zeichnen weiss; sie verdient ebenso wenig Glauben als die vita. Die 
Handschriften (Codex No. 565 von S. Gallen, Codex von S. Maximin und 
der wohl aus einem oberdeutschen Kloster stammende Pariser Codex 
Suppl. lat. 165) reichen nicht über das 11. Jahrhundert zurück. Schon 
der völlige Mangel von Anzeichen früher Verehrung dos heil. Florian im 
Augsburger Bisthumssprengel weist darauf hin, dass die Legende ausser* 
halb desselben verfasst wurde, die unmotivirte Erwähnung des heil. 
Florian wieder begründet die Vermuthung, dass die vita in einer Zeit 
entstand, in weicher die Verehrung der klösterlichen Hauspatrone in Auf- 
schwung kam. 

Dieser Fall trat ein zur Zeit der grossen Reformen des Papstes 
Gregor VH. So kam erst unter Bischof Altmann von Passau, dem Gründer 
des Augustiner-Chor herrn Stiftes S. Nikola**), dem Regenerator von S. 
Florian, beispielsweise in Kremsmünster die Gedächtnissfeier des Schutz- 
heiligen Agapitus mehr in Aufnahme***). In Regensburg war der Mönch 
Othlo von S. Emmeram ein eifriger Anhänger der streng kirchlichen 
Richtung, welche in Bayern hauptsächlich von Gebhard von Salzburg und 
Altmann von Passau vertreten wurde. Im libro de temptatione f) be- 
richtete er, er habe nach seiner Rückkehr aus dem Kloster Fulda, also 

*) Mon. Germ. Script. IV. 425-427. 

**) Der Name des ersten Propstes dieses Klosters, Hartmann, scheint 
bei Zusammenstellung der Series praepositorum von S. Florian zur Aus- 
füllung der Lücke zwischen den J. 1071 bis IUI benützt worden zu sein. 
***) Annalen von Kremsmünster ad a. 1072: „et deinde festum sancti 
Agapiti coepit solemnius celebrari et festum Salvatoris mediocriter agi 
coepit.* 

t) Mon. Germ. Script. XI. 391. „Postquam vero redii, vitam sancti 
Magni scripsi,.compulsus fratnun duorum precibus intimis et assiduis, 
Wilhelmi scilicet ex congregatione nostra, et alterius qui ad nos discendi 
causa ex monasterio sancti Magni venit Adalham dictus, quique nunc in 
sanctae Afrae coenobio abbas est constitutus.** 



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Die Passio s. Floriani und dereo Urkundenfölschungen. 259 



nach dem J. 1067, das Leben des heil. Magnus über inständige Bitten 
seines Mitbruders Wilhelm und des in S. Emmeram um Lernens willen 
weilenden Mönches Adalham aus dem Kloster S. Magnus in Füssen ver- 
fasst habe. Er sagt ausdrücklich: vitam s. Magni scripsi, nicht correxi 
et emendavi, wie von der vita s. Wolfgangi; er schrieb sie daher wohl 
ohne Vorlage, hauptsächlich auf den Angaben Adalhams fussond. 8. 
Magnus war damals in Regensburg kein unbekannter Heiliger, da der 
Prior Udalrich von Zell im Schwarzwalde, ein gebürtiger Regensburger 
(t 1093), die Absicht hatte, ihm zu Ehren vor dem J. 1068 ein Kloster 
in Regensburg zu gründen, welches Vorhaben an dem Widerstände der 
Bischöfe Gebhard und Otto scheiterte. *) Dass der ernste Historiker Othlo 
auch eine glühende Phantasie besass und fabuliren konnte, davon gibt 
sein liber visionum vollgiltiges Zeugniss.**) Gerade die Erwähnung des 
heil. Florian scheint mir für seine Autorschaft der vita zu sprechen, da 
füglich kein anderer Verfasser als ein Anhänger Altmann's ein Interesse 
haben konnte, den Klosterheiligen aus der Passauer Diöcese unvermittelt 
nach Schwaben zu versetzen. Uebrigens hat schon Hansiz S. J„ wie 
derselbe in seiner Germania sacra (IV. 103) die im 11. Jahrhunderte 
in S. Emmeram zur Erreichung der Exemtion von der bischöflichen Gewalt 
angefertigten Fälschungen aufdeckte, den in diesem Zeiträume wirkenden 
Othlo in seiner gegen den Abt Job. Kraus von S. Emmeram gerichteten 
Illustrata apologia (p. 242) der Fälschung für fähig gehalten, wozu Hirsch 
(Jahrbücher des Deutschen Reiches unter K. Heinrich dem Heiligen I. 24 
Note 8) bemerkt hat: „Das S. Emmeram dieser Epoche verdiente eine 
Monographie, deren Mittelpunkt Othlo sein müsste."***) 

Gegen die zur Rettung des historischen Wertes der Erzählung von 
dem Kirchenbau versuchte Annahme, dass die Marienkirche in Walten- 
hofen nächst Füssen, welche den heil. Florian zum Sekundarpatron hatte, 
die von S. Magnus erbaute Kirche sei, hat sich bereits Steichele ****) 
gewendet, weil die Legende keine Erwähnung davon mache, dass der 
Heilige auf dem Wege von Rosshaupten nach Füssen auf das rechte Ufer 
des Lech übergesetzt hätte, daher der Erzähler sich die Gründung der 
Kirche an der Stelle des heutigen Füssen denke, damit freilich wieder in 

*) Cogitabat (Udalricus) coenobium facere apud sanctum Magnum." 
Vita 8. Udalrici Mon. Germ. Script. XII. 253. Das Augustiner Chorherren- 
stift S. Mang in Stadtamhof wurde nach Dr. Sepp (Verhandlungen des 
bist. Vereines für Regensburg und Oberpfalz Bd. 46) durch den ober- 
pfälzischen Edlen Gebhard im J. 1138 gegründet. Aus Handschriften 
dieses Klosters stammt der Abdruck bei Basnage. 

**) Vgl. Rietzier, Geschichte von Bayern I. 500. 

***) Siehe nunmehr die Erörterung von Job. Lechner „Zu den falschen 
Exemtionsprivilegien für S. Emmeram' im Neuen Archiv XXV (1900) 
S. 627—635: „Dass Othlo selbst der Fabricant der Privilegien sei, ist zwar 
eine Combinationj aber eine unabweisbare.** 

•**♦) Bisthum Augsburg IV. 344 Note 36. 

17* 



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260 Julius Straadt: 

walde ausdehnt, findet sich^*^) in der nördlichen Hälfte ausser 
der nicht sehr alten Kapelle „zur schönen Eiche" bei Stachets- 
ried, Pfarre Eschelkäm, Dekanat Cham, keine Cultusstätte des 
heil. Florian; in der südlichen Hälfte zählen wir ausser der so- 
genannten Wieskapelle unfern von Lichtenhag, Pfarre Gerzen, 
Decanat Dingolflng, eine einzige, dem heil. Florian zu Ehren 
gemeinsam mit S. Wolfgang geweihte Pfarrkirche: Kirchberg, 
Decanat Dingolfing, Amtsgericht Vilsbiburg und drei Neben- 
kirchen : Wühn, Pfarre Grafling (2 Stunden n. Deggendorf), welche 
im J. 1720 an Stelle einer früher bestandenen Kapelle gebaut 
wurde (bischöfliche Konsekration zweifelhaft), die Marktkirche 
in Bogen a. d. Donau, Pfarre Bogenberg, welche in spätgothi- 
schem Stile erst im J. 1486 erbaut worden ist, und die Neben- 
kirche in Rosenhof, Pfarre Mintraching s. ö. Regensburg, Decanat 
Schierling^**). 

In der Diöcese Eichstätt (Katholikenzahl 172,000) be- 
findet sich nicht eine einzige Florianskirche; im Mittel- 
alter war die Gedächtnissfeier des heil. Florian in ihrem Kalen- 
darium nicht ausgezeigt ^^•). 

Widerspruch mit der Thatsache komme, dass die alte Pfarrkirche von 
Füssen nicht der Mutter Gottes, sondern dem heil. Stefan zu Ehren 
geweiht war. Uebrigens kennen wir den ursprünglichen Titel der Kirclie 
in Waitenhofen gar nicht, weil derselbe in dem Tauschvertrage vom 
.1. 1206,*) mittels welchen der erwählte Bischof Hartwig die Pfarrkirche 
in Füssen gegen die Kirche in Waitenhofen überliess, nicht erwähnt wird. 

Die Möglichkeit, aus der S. Magnus Legende irgend einen historischen 
Gewinn zu erzielen, dürfte nach diesen Auseinandersetzungen meines 
Erachtens wohl endgiltig beseitiget sein. 

*^*) Matrikel des Bisthums Regensburg 1863; nach der allgemeinen 
Pfarr- und Kirchenbesclireibung von 1860 mit Rücksicht auf die älteren 
Bisthumsmatrikeln zusammengestellt; dann Mittheilungen der Pfarrämter 
Bogenberg und Grafliug. Ueber Kirchberg und Rosenhof konnte ich von 
den hierum ersuchten Pfarrämtern keine Auskunft erlangen. 

"*) In Schönach an der grossen Laber w. Straubing ist die Schloss- 
kapelle dem heil. Florian und Sebastian geweiht. Ich berücksichtige die 
ächlosskapellen nicht, da sie gewöhnlich der neueren Zeit angehören. 

*••) Eichstätter Pastoralblatt 1898 mit der Statistik der Patrocinien 
der Pfarr- und Nebenkirchen, sowie der Kapellen der Diöcese. 

♦) A. a. 0. 422 Note 126. Von Hopp , Pfründe-Statistik der Diözese 
Augsburg** wird im J. 1893 B. Maria Virgo in coelos assumpta als Titel 
angegeben, aber in einem Schematismus des J. 1762 erscheint noch 
S. Florian als Secundarpatron. 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 261 

Schliesslich sei noch bemerkt, dass in der Erzdiöcese 
Bamberg gleichfalls keineeinzige Floriankirche vorhanden 
ist, obwohl das Offizium des Heiligen sich im Proprium der 
der Diöcese findet'^). 

Mit der Durchmusterung der Diöcesen Augsburg, Eichstätt 
und Regensburg über der Donau habe ich nunmehr bereits die 
äusseren Grenzen der nördlichen Schichte der Florians- 
kirchen umschrieben; dieselbe reicht von der Isar und von 
Regensburg in Ober- und Niederbayern bis an die Leitha in 
Niederösterreich und verlässt in einer durchschnittlichen Breite 
von 70 Kilometern in Bayern und von 22 in Oesterreich von 
den Vorbergen bis zur Donau gerechnet, welche sie mit Aus- 
nahme der im 14. Jahrhunderte erscheinenden Kapelle zu Wesen- 
dorf in der Wachau im Mittelalter niemals, in neuerer und neu- 
ester Zeit nur mit vereinzelten Objekten überschreitet, nicht 
das Flachland. Die Belebung und Steigerung des Cultus unseres 
Lorcher Heiligen in den Wohnstätten des bayerischen Volks- 
stammes sowie die Ausbreitung dieser Verehrung, namentlich 
unter dem Landvolke gehört, den Umständen nach zu schliessen, 
dem Zeitalter der Gegenreformation an. 

Die auf S. 262 beigegebene Karte der Florian us-Patrocinien 
wurde nach dem Muster jener über die Rupertuskirchen von W. 
Hauthaler ^*^*) entworfen, jedoch in einem kleineren Massstabe, der 
indessen die Verzeichnung aller dieser Kirchen (abgesehen von den 
Kapellen) nördlich der Alpen gestattete. Von einer Eintragung 
aller fraglichen üultusstätten in den Suffragandiöcesen von 
AquUeja wurde zur Vermeidung einer Ueberfüllung der Karte 
abgesehen; zur leichten Auffindung der Oertlichkeiten dienen 
hier die im Texte gegebenen genauen Orientirungsdaten. Die 
Karte reicht von der liier und vom Bodensee bis an die Grenze 
von Ungarn, von dem Donaubogen bei Regensburg bis über 
den Po. 

Eine zweite Kartenskizze (ein Ausschnitt aus der Spezial- 
karte von Friaul) hat den Zweck, zu dem Exkurse über die 
Handschrift von Mönchsmünster die Verbreitung des Cultus des 



^^) Mittheilung von Seite der erzbisohöflichen Curie in Bamberg. 
*•*) ,Die dem heil. Rupertus, Apostel von Bayern, geweihten Kirchen 
und Kapellen. Salzburg 1£^, Verlag der f. e. Consistorial-Kanzlei. 



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262 



Julius Strnadt: 



heil. Florian in der nächsten Umgebung von Cividale zu ver- 
anschaulichen. 

Eine dritte Schichte von Plorianskirchen taucht in 
dem teilweise germanisirten Nordosten auf, jene des heil. Florian 
in Krakau, wohin der heil. Leib ira J. 1184 (1183) aus Italien 




verbracht worden ist. Ich rauss diesen Kreis zur weiteren Durch- 
forschung polnischen Historikern überlassen; derselbe ist jedoch 
hier insoferne in Betracht zu ziehen, als aus den Trans- 
lationsberichten auf die Herkunft des Floriane ultus 
und auf die passio selbst helle Streiflichter fallen. 



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Die Passio s. Florian! und deren Urkundenfälschungen. 263 

Ueber die Translatio dieses heil. Florian besitzt man in 
Polen keinen gleichzeitigen grösseren Bericht. Die drei 
Aufzeichnungen, welche sich damit befassen *^^) , sind Ende des 
dreizehnten Jahrhunderts oder gar erst im vierzehnten entstanden, 
beruhen auf mündlicher „Tradition" und haben fast gar keinen 
Werth. 

Nach ihnen waren irgendwo in einem Studium (nach I und 
11 in Padua) zwei Männer, die sich so lieb gewannen, daas einer 
dem andern versprach, ihm zu Hilfe zu kommen, sobald er eine 
höhere Stellung erlangt hätte. Der eine wurde Papst, der andere 
Bischof von Krakau. Der Papst ladet seinen früheren Socius 
zu sich nach Rom ein. Der Bischof schickt Gesandte an den 
Papst und theilt ihm mit, dass er keiner Benefizien bedürfe, 
dass er aber in seiner Diöcese keinen Heiligen habe, weshalb 
„ut ei aliquem de sanctis daret supplicavit. Tandem dominus 
apostolicus eins annuens precibus, ad basilicam s. Laurentii^^') 
cum suis cardinalibus ivit." Daselbst ruhten die Leiber des 
heil. Laurentius, des heil. Stephanus und des heil. Florianus. 
Laurentius und Stephanus erklären, nach Polen nicht gehen zu 
wollen; Florianus aber ist hierzu bereit. 

Nach I war Egidius, welcher den heiligen Leib nach Polen 
überbrachte, Bischof von Krakau; in 11 ist es Gethko, aber 1 
war dessenungeachtet die Quelle von 11. Sonst ist von Egidius 
gar nicht die Rede. 

In III ist der socius des Papstes ein polnischer Edelmann, 
kein Geistlicher. Der Papst beruft ihn nach Rom; da gleich- 
zeitig dahin die Nachricht kommt, der Bischof von Posen sei 
gestorben, so macht ihn der Papst zum Bischof dieser Diöcese. 
Das Weitere ist ziemlich im Einklang mit I und II, nur mit dem 
Unterschiede, dass die Geschichte in 111 in das elfte Jahrhundert 
verlegt ist^®*). 

>e«) Gedruckt in Monum. Poloniae historica IV. 755—762; im Nach- 
stehenden mit I, II, III unterschieden. 

"^) Die Uebertragungsgeschichten unterscheiden nicht zwischen <der 
basilioa Ö. Lorenzo fuori le mura (in Damaso) und der basilica S. Lorenzo 
in Lucina. • 

'•*) Ich verdanke diese Auszüge aus den mir nicht erreichbaren 
Mon. Poloniae bist, der grossen Güte des Directors des Ossolinskischen 
Nationalinstitutes in Lemberg, Herrn Dr. Wojciech K^trzynski, des aus- 
gezeichneten Kenners mittelalterlicher Geschichtsquellen Polens. 



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264 Julius Strnadt: 

Aus diesen fabelhaften Translationsberichten scheint wenig- 
stens die Thatsache durch, dass der Leib des heil. Florian von 
Krakau ursprünglich in Rom in der Basilica des heil. Lau- 
rentius geruht hat, dass man daher bei der Translation und min- 
destens noch bis in das vierzehnte Jahrhundert denselben nicht 
mit dem heil. Florian der passio identifizirte, da letzterer in der 
Nähe seines Leidensortes bestattet worden sein soll und daher 
nicht nach Rom gelangt sein konnte, wenn man nicht eine will- 
kürliche Vermuthung substituiren und diese zur historischen Ge- 
wissheit erheben will. Es ist daher höchst wahrscheinlich^ dass 
dieser Florianus einer der vielen Tausende von Heiligen war, 
deren Leiber die Päpste, insbesondere zur Langobardenzeit, den 
Katakomben entnahmen und in den Kirchen Roms zur Vereh- 
rung aussetzten ^^'). Wie sich an die passio s. Floriani, sobald 
sie in weiteren Kreisen des Klerus bekannt wurde, in Frankreich 
im zehnten Jahrhunderte die Lügengeschichte des heiL Floren- 
tius ansetzte, so wurden im 13./14. Jahrhimderte in Polen die 
Translationsgeschichten erfunden imd jedenfalls erst geraume 
Zeit darnach mangels einer eigenen Legende die passio des 
Florian von Lauriacmn auf den polnischen Heiligen übertragen ^^^). 

''^) Bei der Ortsbezeiohnung Romae steht in zwei Handsobriften 
des Martyrolg. Hieron. zu IV. Non. Mart. wirklich ein Florianus, an dessen 
Localisirung sich Dr. Sepp aus dem Grunde stösst, weil das Wort alibi 
vorangehe imd dieses andeute, dass Florianus zu einem anderen Orte 
gehöre. Die Weissenburger Handschrift, auf welche Dr. Sepp grossen 
Wert legt, hat jedoch das alibi nicht. Vgl. meine diesfällige Bemerkung 
auf seine Einwendung auf S. 194 dieses Aufsatzes. 

"^) Die passio s. Floriani ist in Polen in einigen Handsohriften 
verbreitet, welche M. Perlbach (j^die Anfänge der polnischen Annalistik*) 
im Neuen Archiv XXIV. (1898) S. 260 verzeichnet hat: Krakauer Kapitels- 
bibliothek n. 167 Archivum dociejow III. 110, Kumik Dzialinskische Biblio- 
thek I, D 62 Mon. Polon. bist. IV. 46; Krakau Czartoryskische Biblioth. 
Mon. Polon. hist. IV. 243. Dieselben stammen jedoch aus später Zeit, weil 
die Leidensgeschichte des angeblichen Blutzeugen von Lauriacum, welche 
ersichtlich mit der fabelhaften Darstellung der translatio nicht in ge- 
rfngstem Zusammenhange steht, erst dann auf den Florianus in Krakau 
übertragen worden ist, als die steigende Verehrung dieses Heiligen ge- 
bieterisch eine Auskunft über die Schicksale desselben verlangte. 

Allein der Cult des „Fremdlings", wie ihn Zeissberg („Kadhibek'' 
a. u. a. 0. 183) bezeichnet, konnte auf die Dauer nicht dem BedUrfuisse 
nach einem Nationalheiligen abhelfen; einen solchen erlangte Polen 
erst durch die Kanonisation des Krakauer Bischofs Stanislaus Sozepa- 



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Die Passio s. Florian! und deren Urkundeniälsohungeo. 266 

Diese Wahrnehmungen sind meines Erachtens in hohem 
Grade geeignet, die Ueberzeugung von der Unechtheit der passio 



nowsky (1072 — 1079) im J. 1263. Dass der Anlass zu seinem „Martyrium*, 
wie derselbe von einem seiner Nachfolger auf dem bisoböfliohen Stuble 
von Krakau, Viozentius Kadhibek (f 1223) erzählt wird, eine offenbare 
Gesohichtsfälschung ist, hat meines Eraohtens Maximilian Gumplo- 
wicz (t 28. November 1897) erwiesen.*) Erst die Geschichtsschreibung 
Kadlubeks, aus welcher Quelle auch die Kanonisationsbulle und die vita 
s. Stanislai**) geflossen sind, hat den Yertheidiger des polnischen Adels- 
olerus gegen den Gregorianer Boleslaw II. in einen Märtyrer der kirch- 
lichen Sache verkehrt, weshalb auch nicht auffallen kann, dass seine 
Heih'g«prcchung in Rom auf entschiedenen Widerstand fies Cardinais 
Reinhold von Ostia stiess.***) 

Zwar hat der Receosent des Wiener autonomistischen Tagblatt^s 
^Vaterland*, dessen Chiffre Ch den Namen des polnischen Kirchen- 
bistorikors Wladyslaw ChHkowski nur leicht verhüllt, das Ergebnis der 
XJntorsucliung «les jungen deutschen Forschers im Feuilleton des Morgen- 
blattes der genannten Zeitung Nummer 67 vom 8. März 1899 in heftigster 
Weise hestritten. Da diese Apologetik hauptsächlich mit Aufstellungen 
Gumplowicz««, welche auf die Entscheidung der Hauptfrage keinen Einfluss 
haben, sich beschält iget und überwiegend gegen die Besprechung eines 
Unbekannten in der Beilngezur Münchner Allgemeinen Zeitung (Nummer 46 
vom 24. l>bruar U99) geriehlct ist, die Mittel aber, welche zur Ver- 
breitung der Goschichlsfalsehung angewendet worden sind, auf dem 
Gebiete der Lo^^endonkrii ik <in allgemeineres Interesse beanspruchen ; 
so halle ich <lafilr, dass es gerade hier am Platze ist, die Gründe, 
welche für das Forsch m^-^-iergobniss Gumplowiozs sprechen, ühersichtlioh 
zu entwickeln und zugleich auf die Einwendungen Chotkowski's, welcho 
bi.sbor unhoantwortet blieben, einzugehen, dn, wie bereits Zeissberg 
i„Polnischc Gcichielitschreibung im Mittelalter** S. 84) hervorhob, der Ciilt 
des heil. Stnnislaus im Volke noch zur Zeit Kazimirs des Gerechten wenig 
bekannt gewesen sein muss, weil dieser Fürst sich aus Koni die Gebeine 
eines heil. Florian erbat, und gera*le die hohe Verehrung, zu welcher 
dieser Heilige rasch gelangte, den Wunsch nach dem Besitze eines 

*) „lieber «lie Geschichte Polens im Mittelalter', Insbruck 1898, 
Wagner. Exours „Boleslaw IL und der heil. Stanislaus** S. 239—258. 

♦♦) Acta Sanctorum Mai II. 200 ff., die Bulle 260—261. Die beiden 
Vitae sind nunmehr von W. K^trzynski in den Monum. Polen, bist. IV. 
238^-438 edirt. 

***) Die Vita lässt den Widersacher zur Strafe in eine schwere 
Krankheit verfallen; der Heilige erscheint ihm im Traume und belehrt 
ihn, dass derjenige, welcher dem Willen Gottes widerstrebe, unwürdig 
handle; der Cardinal bekehrt sich, wird gesund und unterstutzt nun die 
Saobe Stanislaus', der einstimmig unter die Heiligen versetzt wird. 



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266 ' JuKos Strnadt: 

wesentlich zu verstärken und ernstliche Zweifel an der Ver- 
wechslung mehrerer Heiligen gleichen Näraens einerseits, an 

aus dem. eigenen Volke hervorgegangenen Heiligen rege 
niachen musste. 

Der älteste polnische Chronist — gleichviel, ob er Martinus Gallus 
oder Balduin Gallus hiess, ob er aus Flandern und Abt von Lubin, spater 
Bischof von Krusw.ica war, wie Gumplowicz will, oder ein Mönch aus 
Saint Gilles in Südfrankreich war, wie Stanislaus K^trzynski (Sohn) in 
seiner Abhandlung „Gall-Anonim i iego Krpnikä*' vermuthet — welcher in 
den Jahren 1110 bis 1113, also nur ein Menschenalter nach dem gewalt-- 
samen Ende Stanislaus' schrieb, äussert sich über den Tod des Krakauer 
Bischofs nur kurz: „Quäliter autem rex Bolezlavus de Polonia sit ejectus, 
longum existit önarrare, sed hoc dicere licet, quod non debuit christianus 
in christianos peccatum quodlibet corporaliter vindicare. Illud enim 
raultum sibi nocuit, cum peccato peccatum adhibuit, cum pro traditione 
pontificem truncatione membrbrum adhibuit. Neque enim - t r a d i- 
toremepiscopum excusamus neque regem vindicantem sie se turpiter 
commendamus, sed hoc in medio deferamus." (Mon. Germ. Script.- IX. 441, 
wo angemerkt ist, dass jüngere Hand im Texte das Wort episcopum 
durch Rasur in episcopi zu verändern versuchte.) „In welcher Weise — 
übersetzt Roepell — aber König Boleslaw aus Polen vertrieben wurde, 
wäre zu lang zu erzählen; aber das darf man sagen, dass nicht der Christ 
hätte am Christen irgend einen Fehltritt körperlich rächen sollen. Denn 
Jenes schadete ihm am meisten, dass er bei der Sünde Sünde anwandte 
und für den Verrat den Bischof durch Abhauen der Glieder bestraft«. 
Denn weder entschuldigen wir den Bischof, den Verräther, noch 
loben wir den König, der so schändlich sich rächte, wir wollen das in der 
Mitte lassen.'' Zeissberg in seiner Monogpraphie über „Vincentius Kad- 
lubek und seine Chronik" bemerkt (Archiv der Wiener Academie 
XLtl. 179), dass der sogenannte Gallus „mit einigen verlegenen Worten" 
über die Tötung Stanislaus' und die damit in Verbindung stehende Ver- 
treibung des Königs hinwegeile; wie denn schon Roepell in seiner Ge- 
schichte Polens (1840 S. 199 ff.) die Vermuthung ausgesprochen hatte, 
dass der Conflict Boleslaws II. mit dem Bischof Stanislaus mit den all- 
gemeinen kirchlichen Bewegungen der Zeit zusammenhing, und bezweifelte, 
dass die Reformen des Papstes Gregor VII. auf Polen einen Einfluss hatten, 
weil die Nation noch ferne von der oocidentalischen BUdung stand. 

Will man die Worte des Chronisten, welcher den Ereignissen nicht 
gar ferne stand, nicht absichtlich miss verstehen-, so kann denselben kein 
anderer, als der natürliche Sinn unterlegt werden , nämlich der, 
Stanislaus habe an dem König Verrat geübt, dieser aber hierfür sich an 
ihm durch Abhauen der Glieder gerächt. 

Es handelt sich nur darum, unter Rücksichtnahme 'auf die Zeit- 
verhältnisse ausfiodig zu machen, welcher Art der Verrath des Bischofs 
gewesen sein mag, über den Gallus so grosse Zurückhaltung beobachten 
zu müssen glaubte, den er dennoch verurtheilte. 



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Die Passio s. Florian! und deren Urkundenfälschungen. 267 

ihrer allraähligen Tdentifizirung andererseits nicht mehr auf- 
kommen zu lassen. 



Zu jener Zeit, in welcher letzterer schrieb, waren die Reform- 
bestrebungen Gregors in Polen zum Durchbruohe gelangt; der päpstliche 
Legat Gualö (von Beauvais) hatte 1105 auf einer Landessynode zwei polnische 
Bischöfe abgesetzt, deren Namen der Chronist vorsichtig verschweigt und 
nur die Bemerkung nicht unterdrückt , Gualo habe sich weder durch 
Bitten noch durch Bestechung beeinflussen lassen, das Krakauer Dom- 
capitel war reformirt worden. Nicht der geringste Umstand lässt sich 
aufbringen, welcher den Verdacht statthaft erscheinen Hesse, der geist- 
liche Chronist habe einen dem päpstlichen entgegengesetzten Standpunkt 
eingenommen. Er sah nun aber in dem Bischof wirklich einen Verräther, 
der sich strafwürdig benommen habe, und tadelte den König nur deshalb. 
weil er die verrätherische Handlung — über die er sich nicht auslässt, 
da sie bekannt genug sein mochte — an einem Christen so barbarisch 
bestrafte, ihm war der Bischof der eigentliche Sünder, nicht 
der König, der sich nur durch die Art seiner Rache versündigte. Daraus 
werden wir folgerichtig schliessen, dass Bischof Stanislaus einen, wenn 
auch nicht nach eigener Ueberzeugung , antikirchlichen Standpunkt ein- 
genommen habe. Erinnern wir uns dabei an die Vorgänge im Investitur- 
streite im Deutschen Reiche, so sehen wir ja auch nicht selten den hohen 
und den beweibten niederen Klerus in offenem Widerstände gegen die 
päpstlichen Anordnungen , nicht wenige Bischöfe auf Seite der an ihren 
hergebrachten Rechten festhaltenden Könige und Kaiser; um so mehr 
sind ähnliche, wenn nicht viel ärgere Zustände in Polen zu vermuthen, 
in welchem Lande damals nicht einmal eine feste kirchliche Organisation 
bestand und der Geschlechtsverband alle Verhältnisse beherrschte. 

Mit dieser Anschauung steht auch die Bulle des Papstes Gregor VIL 
vom 26. April 1075 im Einklänge ; Gregor belobt den polnischen Herrscher 
ob der Treue und Willfährigkeit gegen den päpstlichen Stuhl*), zu ihm 
sendet er seine Legaten, welche mit ihm wegen Herstellung der kirch- 
lichen Ordnung zu verhandeln haben, indem er hervorhebt, dass kein 
fester Metropolitanverband vorhanden sei und die Bischöfe Polens (deren 
Diöcesen erst 1133 gegeneinander abgegrenzt wurden) ihre Ordination 
suchen, wo es ihnen beliebe. Zu diesen Bischöfen zählte auch Stanislaus, 
dessen Name sich in der epistola gar nicht findet, wie man doch meinen 
sollte, wenn er ein hervorragender Parteigänger Gregors gewesen wäre- 

*) „In hoc autem cognoscimus, quod excellentia vestra beatum 
Petrum apostolorum principem sinceris affectibus diligit et ad reverentiam 
ejus ardenti spiritu dilatatur, quoniam gratuita devotione vestris cum 
oblationibus honorantes, debitorem vobis fieri desiderastis et sicut in 
domino confidimus, promeruistis.* Der Papst spricht seine Unterstützung 
um so mehr an, „quanto fidem et oaritatem vestram et in obediendo 
promptiorem et in promerendo devotiorem intelligimus.'^ J. D. Mansi 
Sacr. conciliorum nova et amplissima collectio tom. XX. col. 182. 



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268 Julius Strnadt: 

Die Vergleichung der beiden kartographischen Darstellungen : 
der Rupertuskirchen einerseits und der Florianskirchen anderer- 

Stanislaus* Martyrium wird überhaupt zum erstenmale in den im 
Beginne des 13. Jahrhunderts angelegten sog. Kameozer Annaien (Mon. 
Germ. hist. Script. XIX 581) erwähnt, etwa 80 Jahre nach dem gewalt- 
samen Tode des Erzbischofs Thomas Becket von Canterbury, welcher 
den König Heinrich IL von England excommunicirt hatte (1170). 

Kadlubek, für dessen Chronik im zweiten Buche überall, zum Theile 
noch im dritten die Chronik des Gallus die Grundlage bildet, weicht von 
dieser Quelle — gegen welche er polemisirt, ohne Nachrichten an- 
zuführen, auf welche er seine andersgeartete Erzähl uug 
stützt — bei dem Jahre 1079 ab; seine ausführliche überschwängliohe 
Schilderung der Marter des heil. Stanislaus und die Stelle hierüber in den 
Annales capituli Cracoviensis sind fast gleichlautend, weshalb Zeissberg 
(a. a 0. 177) auch vermuthet hat, dass Kadlubek, von welchem überliefert 
ist, er habe ein Leben des heil. Stanislaus verfasst, den längeren Zusatz 
zum J. 1079 in den Capitelannalen offenbar selbst gemacht habe.*) 
Was die Wahrheitsliebe des Krakauer Bischofs betrifft, so hat Palacky 
(Geschichte von Böhmen I. 155 Note 124) diesen Verfasser der märchen- 
haften Urgeschichte Poleus in gleiche Linie mit dem böhmischen Lügner 
Hayek und dem Anonymus Belae regis notarius gestellt und bedauert, 
'lass es noch jetzt Männer gebe, welche solche historische Romansebrei ber 
aus falschem Nationalismus für die Geschichte zu retten sich bemühen, 
wogegen Gutscbmidts Urlheil noch schärfer und geradezu auf Betrug lautet. 

Hierzu kommt noch das unter diesen Umständen nicht bedeutungs- 
lose argumentum ex silentio. Die aus dem 12. Jahrhundert stammenden, 
in der ehemals im Benediktinerkloster Lysagora, nun in der kaiserl. 
Bibliothek in Petersburg befiüdlicheu Handschrift erhaltenen .\nnales 
Cracovienses vetusti, deren Ueberlieferung nach K^trzynski (Rozprawy 
akad. umiej. Krak. fil.-hist. XXXIII. 1-54, XXXIV. 164-^4) älter ist als 
jene der jetzigen Kapitelannalen (die eine Compilation aus noch beute 
vorhandenen Annaien oder deren Quellen vorstellen) und letzteren zu 
einer Vorlage gedient haben, wissen von einer Marter des heil. Stanislaus 
noch gar nichts, sie verzeichnen zum J. 1077 einfach: „Bolezlaus secundus 
coronatus est*", während erst die spätere Compilation hinzufügt: ,qui 
occidit sanctum Stanizlaum^. Die ältere Nachricht ist daher als die glaub- 
würdigere der Schilderung des Epigonen Kadlubek und der erst 1260 
von dem Dominicaner Vincenz von Kielce verfassten vita s. Stanislai 
vorzuziehen. 

Unvoreingenommene Forschung muss somit der Darstellung Gum- 
plowicz's zustimmen, welcher annimmt — was der geistlic^he Chronist 
schonend verschweigt — , Stanislaus habe sich an die Spitze des anti- 

*) Schon der Umfang der annalistischen Angabe in der mageren 
Umgebung lässt ihn als späteren Zusatz erkennen, wie Zeissberg 
a. a. 0. 183 bemerkt. 



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Die Passio s. Florian! und deren Urkundenfälschungen. 269 

seits bietet ein nicht gewöhnliches Interesse. Die Karte des 
Herrn Schulrathes P. Willibald Hauthaler zeigt, wie öich von 
dem Centrum Salzburg aus der Rupertuskult hauptsächlich gegen 



gregorianisch gesinnten polnischen Klerus gegen den die kirchlichen 
Reformen begünstigenden König gestellt, sei von diesem getötet, letzterer 
jedoch von dem übermächtigen Szlachta vertrieben worden. Dass Stanis- 
laus die Zlacbta in Schutz nahm und über den König den Kirchenbann 
verhängte, erzählt auch die vita, wenngleich in anderer Färbung. Der 
populäre Bischof geuoss fortdauernde Verehrung, welche man im drei- 
zehnten Jahrhunderte in kirchliche Bahnen lenkte, ihn in einen Märtyrer 
für die Sache der Kirche, Boleslaw dagegen in einen ausschweifenden 
Tyrannen umwandelte, welche fraus pia um so leichter durchzuführen 
war, als der Geschichtschreiber selbst der Kirche Krakau vorstand, die 
ein naheliegendes Interesse hatte, aus der Reihe der eigenen Oberhirten 
einen Nationalheiligen zu gewinnen; hat ja auch später die Fälschung 
nicht geruht, um durch eine angeblich von Papst Benedikt IX. im J. 1406 
ausgehende Bulle darzuthun, Bischof Aaron von Krakau (1046—1059) sei 
BIrzbischof gewesen und habe den Primat über ganz Polen erhalten. 

Was Chotkowski über die Bedeutung des Wortes traditor vorbrachte, 
lässt wirklich zweifeln, ob er seine Recension für nachprüfende Leser 
geschrieben habe; die von ihm aus Gallus Hb. I cap. 18 zu Hilfe gerufene 
SteUe steht in den Monum. Germ. Script. IX. 436; gerade aus ihr geht 
hervor, dass der Ausdruck „traditor" bei Gallus keineswegs ein wechselnder 
und zweideutiger ist, sondern dass er unter traditio, welchen Ausdruck 
Chotkowski zu bestimmen vermieden hat, den Abfall vom Herrscherhause 
und die Opposition gegen das letztere versteht. Wir können darüber gar 
nicht im Zweifel bleiben, da der Chronist selbst erklärt, er habe Geschichte 
und nicht ein Evangelium geschrieben („bella regum atque ducum, non 
evangelium me scripsisse") und sich über das Bestreben der Bischöfe, sich 
in weltliche Dinge zu mischen, in abfäüiger Weise ausspricht: „Sicut eniin 
pastores eeclesiae fructum animarum quaerere debent spiritualem, sie 
defensores honorem patriae famamque dilatare Student temporalem. 
Oportet enim Dei ministros in hiis, quaeDei sunt, Deo spiritualiterobedire, 
in hiis, quae sunt caesaris, honorem et servitium mundi principibus ex- 
hibere.'^ Diese Aeusserung ist denn doch eine deutliche Hinweisung, dass 
es Bischöfe gegeben habe, die sich gegen ihren weltlichen Herrn auf- 
lehnten, und von dem Standpunkte aus, den er unverhohlen ausspricht, 
nennt er den Bischof Stanislaus einen traditor, weil er seinen Unterthans- 
püichten zuwider sich an die Spitze der Opposition gegen seinen König 
gestellt hat. Die nähere Ausmalung der dunklen Begebenheiten gehört 
wohl in das Reich der Phantasie; aber für den Anlass zu denselben 
sprechen die obwaltenden Verhältnisse, für die gregorianische Gesinnung 
Boieslaws das päpstliche Schreiben an ihn, für das correcte Verhalten 
Stanislaus' dagegen nur die späte sogenannte „Tradition", welche keine 
Gewährsmänner (ür sich hat. Von einer Bannung des Königs durch den 



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270 Julius Strnadt: 

Südosten und Süden entwickelte, die Drau sowohl in Kärnten 
als auch in Südsteiermark überschritt und sich sogar in Krain 
mit zwei vereinzelten Kirchen festsetzte. Während jedoch die 
Rupertuskirchen ohne bedeutendere Zwischenräume von Norden 
nach Süden in grösserer oder geringerer Dichtigkeit sich anein- 
ander reihen, bietet die Karte der Florianskirchen ein ganz 
anderes, eigenartiges Bild. 

Von den Grenzen des Metropolitan.sprengels Mailand bis an 
jene des Bisthums Agram in Kroatien füllen die Florianskirchen 
den Metropolitansprengel von Aquileja, setzen theil- 
weise über die Drau und die Mur und machen dann auf der 
ganzen Linie vom Monte Adamello bis zur ungarischen Ebene 
in beträchtlicher Entfernung von den Alpen Halt; denn auch in 
Currätien gibt es keine dem heil. Florian dedicirten Kirchen 
oder Kapellen ^^^). Zwischen den Florianskirchen des italienischen 
und slovenischen Südens und jenen des bajoarischen Nordens 
gähnt ein Vacuum von 138 b i s 150 KilometerBreite, 
innerhalb dessen der Floriancultus kein Lebenszeichen von sich 
gibt. . 

Papst schweigen gleichzeitige Quellen; es bleibt daher als wahrscheinliche 
Ursache der Vertreibung des Königs füglicher Weise nur die Vermuthung, 
dass sie eine Wirkung der Adelsempörung gewesen ist. 

Die Berufung Ghotkowski's auf das Concil von Basel, welches im 
J. 1433 das Wuuder der Erweckung des Peter Strenaienozyk vom Tode 
(er musste dem Heiligen ein Kaufsgeschäft für die Kirche bezeugen) gegen 
die Hussiten geltend machte, und auf den Glauben der polnischen Krieger 
dass in ihren grossen Schlachten fUr die Christenheit der heil. Stanislaus 
über ihrer Schlachlreihe schwebend gesehen wurde, mag dem Theologie- 
Professor einen Beweis des Martyriums bilden, hat jedoch für die wissen- 
schaftliche Forschung keinerlei Bedeutung. Durch den Widerspruch des 
Krakauer Domherrn ist das Verdienst Gumplowiczs, das wahre Ge- 
schichtsbild wiederhergestellt zu haben, nicht kleiner geworden, mag man 
seine Methode billigen oder nicht, seine Aufstellungen nebensächlicher 
Natur für zwingend erachten oder als Phantasiegebilde ansehen. 

*^*) Das Offizium des heil. Florian findet sich allerdings im Breviarium 
Curiense vom J. 1595 (abgedruckt im 2. Bande von Grotefend Zeitrechnung 
des deutschen Mittelalters 2. Aufl.) und im Kalendarium des Domkapitels 
(Codex aus dem XU. Jahrhunderte) war das Fest ebenfalls verzeichnet; 
aber in das Proprium Curiense von 1646 wurde es nicht mehr aufge- 
nommen und wird nicht mehr gefeiert. Es würde daher ein grosser Fehl- 
schluss sein, aus dem Eintrage in das Kalendarium schon auf eine Ver- 
breitung des Cultus zu folgern. (Mittheilung des Canonicus Prof. G. Mayer 
in Chur, eingeholt im Wege des bischöflichen Ordinates.) 



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Die Passio s. Floriaoi und deren Urkundenfälschungen. 271 

Zwar finden sich im Norden der Alpen vom Lech bis an 
die Leitha verschiedene Florianskirchen, im West^o etwas häu- 
figer, im Osten nur sporadisch; aber der allergrösste Teil der- 
selben gehört, dem Ursprünge nach der neueren und neu- 
esten Zeit an, in welcher der Floriankultus immer mehr ge- 
pflegt wurde und nunmehr durch die vielen Abbildungen auf 
den Bauernhäusern sich äussert. Gerade in Oesterreich ob 
der Ens, dem Lande des Leidens und Sterbens des Märtyrers, 
wo naturgemäss zahlreiche Culturstätten dieses Heiligen zu ver- 
muthen wären, reichen von den fünf Florianskirchen nur zwei 
über das zwölfte Jahrhundert, zurück; noch bemerkenswerther 
aber ist die Erscheinung, dass keine einzige sicher alte Florians- 
kirche — das Kloster dieses Namens nicht in Anschlag gebracht 
— sich östlich von Passau und dem alten „S. Florian am 
In" befindet. 

Steigen wir nun an die Hturgische Quelle der Kalenda- 
rien der einzelnen Diöcesen herab, um au3 ihr den Grad der 
Verehrung des heil. Florian zu schöpfen. 

In der Erzdiöcese Aquileja wurde sein Gedächtnisstag mit 
dem letzten Festgrade der trium lectionum begangen. Der Heilige 
genoss demnach kein hervorragendes Ansehen, ebenso wenig in 
der Diöcese Trient, deren Kalendarium gar keinen Ritus ver- 
zeichnet. Von den nördlichen Diöcesen beging Salzburg den 
Tag mit dem mittleren Festgrad von IX Lectionen, Regens- 
burg, Basel, Prag und Olmütz mit dem niedrigsten Ritus, nur 
Chur — unbekannt weshalb — mit dem zweiten Festgrade des 
plenura. Ohne Bezeichnung des Ritus haben in ihr Kalendarium 
den Gedächtnistag eingetragen folgende Diöcesen: Augsburg, 
Bamberg, Brixen, Freising, Mainz, Münster, Strassburg, Worms; 
gar nicht verzeichnet die Diöcesen Eichstätt, Würzburg, 
Cöln, Trier, Metz, Toul, Verdun, Constanz, Utrecht. 

Auf den polnischen S. Florian haben Bezug die Eintrag- 
ungen in den Kaiendarien von Krakau (wo der Tag als Fest- 
tag rubrizirt ist und mit einem Duplex gefeiert wird), Gnesen, 
Camin, Lebus und. Breslau. 

Nach den von Grotefend^") veröffentlichten Kaiendarien 
von Pas sau aus dem Ausgange des Mittelalters wurde in dieser 



«) a. a. 0. II/I, 149. 



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272 Julius Strnadt: 

Diöcese der S. Plorianstag mit dem mittleren der daselbst 
üblichen fünf Festgrade, dem plenum officium, begangen. 

Ich habe mich mit den drei Kaiendarien von 1503, 1514 
und 1516, welche Qrotefend zu Gebote standen, nicht begnügt, 
sondern über seine Anregung auch noch die in der k. k. Hof- 
bibliothek in Wien befindlichen weiteren fünf Passauer Ka- 
lendarien des 15. Jahrhundertes zur Vergleichung herangezogen, 
aus welchen ich die betreffenden Auszüge hier folgen lasse: 
mscr. 1963. f. 3' „Floriani martiris Pleni" (offenbar Plenum), 
mscr. 2038* f. 1' „Iste libellus est monasterij sancte Dorothee 
virginis Wienne scriptus per fratrem . . anno do- 
mini 1498)«. 

(f. 6^ Ploriani martiris et soc. ple-off. 
mscr. 2039* (f. 10' „anno domni 1488® in vigilia S. Augustini 
incepi hunc libellum"). 
(f. 3^. Ploriani martyris r3 (lectionum III). 
mscr. 2467. f. 74 steht „hec tabula facta est anno domni 1440"). 
Jedem Monat entspricht eine Mojidcyclustabelle mit 
den Anfangsbuchstaben 1439, 1448, 1477, 1496. 
f. 5' „floriani martiris" (mit schwarzer Tinte ge- 
schrieben, während die Tage Philippi et Jacobi und 
invencio crucis rubricirt angegeben sind, 
mscr. 1873. (mit dem Vermerk auf der Innenseite des Vorder- 
deckels, dass die Handschrift von Bischof Faber 
für das coUegium apud sanctum Nicolaum ange- 
kauft worden sei d. d. prima die septembris anno 
salutis 1540). 

f. Ploriani martiris (schwarze Tinte, ebenfalls die 

Tage Philippi et Jacobi urtd invencio crucis rot 

angezeichnet) '"). 

Dass nach dem Kalendarium des Klosters S. Nicola bei 

Passau (Note '"), das Pest des heil. Florian als summum festum 

begangen wurde, erklärt sich aus den Ordensbeziehungen; S. 

Nicola war ebenso wie S. Florian ein Augustiner Chorherrenstift. 

Aus diesem Verhalten der liturgischen Quellen ersehen wir 

demnach, dass der in der , Tradition" des Stiftes S. Florian seis 

dem 13. Jahrhundert so hoch gepriesene Märtyrer Plorianut 

"*) Herr Bauer, Mitglied des Institutes für österr. Geschichtsforsch- 
ung, hatte die Güte, für mich diese Notizen auszuziehen. 



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Die Passio s. Floriani und deren UrkundenfUlschungen. 273 

weder im Süden noch im Norden der Alpen eine ausser- 
ordentliche Bedeutung hatte. An dieser Peststellung kann auch 
der von dem neuesten Haushistoriker von S. Florian geltend 
gemachte Umstand, dass in einem Freisinger Missale des neunten 
Jahrhunderts eine eigene Messe für S. Florian ausgesetzt 
sei, nichts ändern; denn einerseits hat Professor Czerny, durch 
einen Druckfehler seines Citates verführt, übersehen, dass das 
richtige Alter des fraglichen Codex (Clm 6421, nicht 
4621) auf den Seiten 191 und 202 von Friedrichs Kirchenge- 
schichte Deutschlands I. Band auf das zehnte Jahrhundert an- 
gesetzt ist, anderseits lässt sich aus der Festsetzung der beson- 
deren Messe höchstens auf das Bestehen des Cultus beim Dom- 
stifte (wenn selbe nicht allenfalls aus einem auswärtigen Codex 
abgeschrieben ist), nicht aber bei der verschwindend kleinen 
Anzahl von Cultstätten auf das Bestehen in der Diöcese selbst 
zurückschliessen. 

Aus der Untersuchung über die Patrocinien des heil. Florian 
' glaube ich als gesicherte Ergebnisse folgende gewonnen zu 

haben : 

1. Die Verehrung des heil. Florian ist ursprünglich im 
Sprengel des Patriarchates von Aquileja, 

I speziell in der Erzdiöcese selbst entstanden; in diesen 

Gegenden ist er von jeher als Schutzherr gegen Feuer 
und Felddürre angerufen worden. 

2. Erst nachträglich ist sie über die Alpen in das Land 
südlich von der Donau verpflanzt worden d. h. S. 
Florian ist in unseren Gegenden keinbodenständiger 
Heiliger. 

3. Die Verehrung des oberitalischen Heiügen als Feuerpatroh 
ging auf den bajoarischen Heiligen über im Wider- 
spruche zur passio, nach welcher letzterer im Tode 
über das Element des Wassers siegte und fügUch die 
Kraft seiner Fürbitte gegen Wassergefahr hätte zur Gel- 
tung kommen sollen. 

4. Der ursprüngliche Mangel oder der Verlust einer eigenen 
vita des oberitalischen Heiligen, aus welcher sich die 
Schutzherrschaft wider das Feuer entwickelt haben mochte, 
wird es bei den vielfachen Beziehungen zwischen Bayern 
und Oberitalien, zumal Friaul, zuwege gebracht haben, 

Archivaliscbo Zoitsohrift. Koue Folge IX. I3 



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274 Julius Straadt: 

dass, wie der Norden die Fürbitte gegen das Element 
des Feuers adoptirte, der Süden sich die passk) des Nor- 
dens aneignete, wie das bei dem polnischen Florian ohne- 
hin ausser Zweifel gestellt ist. 
Die Verehrung des heil. Florian hat übrigens im Norden 

der Alpen erst mehr im Ausgange des Mittelalters allgemeiner 

Eingang gefunden, wie P. Gregor Reitlechner 0. S. B. von S. 

Peter in Salzburg (im Diöcesanschematisraus von Salzburg auf 

das Jahr 1896) ganz richtig erkannt hat. 



Der Versuch einer Legendenbildung über jenen F 1 o r i a n u s 
mit sechs Brüdern, deren Reliquien das Kloster S. M a - 
d a r d nächst Soissons besass oder zu besitzen vermeinte, erhellt 
auch aus dem Berichte Nithards über die translatio des Jahres 
841 (siehe S. 195); diesem Florianus werden bereits 6 Brüder 
beigelegt, von welchen kein Martyrolog etwas weiss. Bevor je- 
doch die Legende feste Gestalt und Verbreitung gewinnen konnte, 
scheint sie wieder zerflattert zu sein, was in den Kriegen der 
karolingischen Brüder und den Verwüstungszügen der Normannen, 
welchen das Kloster fortwährend ausgesetzt war, seine Erklärung 
findet. 

Wenn Herr Sepp auf S. 13, Anmerkung 10, seiner Recension 
meint, „es sei ein B e w e i s , wie verbreitet unsere Plorianslegende 
im 9. (wie die Bollandisten meinen) oder spätestens gegen Ende 
des 10. Jahrhunderts in Frankreich war, weil sie im Kloster S. 
Florent le vieil zur ErweitJerung der Floren tiuslegende be- 
nützt wurde", so ist das ein Fehlschluss. Es geht vielmehr 
daraus nur hervor, dass die passio s. Floriani durch die Ein- 
schübe im grossen Martyrologium dem Klerus in Frankreich 
bekannt war und von einem Mitgliede desselben die an die Märchen 
von Tausend und einer Nacht gemahnende Lügengeschichte 
von der Fahrt im lecken Kahn über den Rhonefluss, von dem 
Schlangenberg und der Vertreibung der grossen brüllenden 
Schlange u. s. f. missbraucht worden ist. Dass dieser wirklich 
unverschämten Fälschung, die nur erfunden wurde, um eine lectio 
iiber den Heiligen zu haben, welchen erst Usuard als presbyter 
und confessor verzeichnet, eine ältere Legende zu Grunde 
liege, möge Herr Sepp, der eine blosse Vermuthung der Bollan- 



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Die Passio s. Sloriani und deren Urkundenfälschungen. 275 

disten in die Form einer gesicherten Thatsache gekleidet hat, 
auch beweisen, was er nicht vermag; denn P. Anton de Vacquerie 
fand in seiner Vita s. Plorentii (Paris 1637), dass die Fälschung 
des Mönches Ingilbert und jene Lebensbeschreibung des Heiligen, 
welche er im Kloster S. Florent gelesen hatte, keinerlei Unter- 
schiede aufweisen*'*). 
Ueber die Traditionen der Liutsuind und Brunhilde. 

Meine Betrachtungen und Ausführungen über die Herkunft 
und das Verbreitungsgebiet des Cultus des heil. Florianus leiten 
in geeigneter Weise über zur Erwiderung auf die Einwürfe und 
Behauptungen Herrn Dr. Sepps in Betreff der Schenkungen der 
Frauen Liutswind und Brunhilde an den heil. Florian. 

Denn leere Behauptungen ohne sachliche Gründe sind es, 
wenn Sepp docirt, die Beurkundungen Nr. 11 (Tradition Rodheri's), 
29 (Tradition Clauprehts), 65 (Tradition der Liutsuind), 67 
(Tradition der Prunnihil) und 84 (Tradition Cundpirin) des codex 
antiquiss. Patav. stimmen derart wörtlich überein, dass sie zeit- 
lich zusammengehören müssen; nun stamme aber Nr. 84 aus 
der Zeit des Bischofs Walderich von Passau, mithin ist unter 
dem „König" in Nr. 65 und 57 zweifellos Karl der Grosse zu 
verstehen. Quod erat demonstrandum, um die Beurkundungen 
der beiden Frauen (Blatt 25 und 25' des Codex) in dem Zeit- 
raum von 788 bis 800 unterbringen zu können. 

Nur die Behauptung, dass Nr. 84 unter Bischof Walderich 
fällt, ist richtig; ohne unhöflicher Weise die diplomatische Sach- 
kenntnis Herrn Sepps anzweifeln zu wollen, glaube ich, dass 
kein Diplomatiker seinem Vordersatze zustimmen wird, ganz ab- 
gesehen davon, dass die Kanzleiformeln keine vollständig gleichen 
und nicht auf die Regierungszeit Walderichs beschränkt sind. 
Auch steht ihm nicht ' vohl an, einen öfters begegnenden Zeugen- 
namen (Kaganhart) für eine chronologische Bestimmung zu ver- 
werthen, nachdem er meine Gebrauchnahme eines seltenen Na- 
mens (Podalunc) auf S. 24 als eine „Albernheit" zu bezeichnen 
für gut befunden hat. Vollends verwerflich ist der Versuch 
einer Identificirung der nach Mondsee vergabenden Liutswind 
vom J. 811 mit der an den heil. Florian alP ihr Vermögen dahin- 
gehenden Frau gleichen Namens, weil deren Habe sich im Matich- 



"*) Acta Sanctorum September VI. 411, 412. 

18* 



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276 Julius Strnadt: 

gau befand, erstere aber in Rohrbach in der heutigen Stiftspfarre 
S. Florian sesshaft war, und dennoch nicht, wie doch nahe ge- 
legen wäre, den grossen Ortsheiligen, sondern den Erzengel 
Michael bedachte; ausserdem ist der Name Liutswind in jenem 
ganzen Zeitalter ein zu sehr üblicher, als dass er als Anhalts- 
punkt für eine Zeitbestimmung verwendet werden könnte. 

Da der Herr Recensent auch von der Tradition des Grafen 
Günther aus der Zeit zwischen Ende 899 und 902 Erwähnung 
thut, so glaube ich im allgemeineren Interesse hier 
anmerken zu sollen, dass die Vorderseite des Blattes 17 des 
codex trad. antiquissimus, auf welcher der grösste Teil dieser 
Schenkung geschrieben steht, zu einem bedeutenden Teile, 
wahrscheinlich in Folge des Versuches, erloschene Stellen durch 
chemische Reagentien wieder hervortreten zu lassen, u n 1 e s b a r 
geworden ist, wie ich mich am 18. August 1899 durch 
Augenschein überzeugte. Vom Worte tradidit"*) bis zu den 
Worten Eigili vasallus suus^'*) sind nur mehr folgende 
Bruchstücke zu lesen: .... servien . . . Albrih vasallus 
... ab ipso Gundhario habuit acceptum . . . erilelaflf . . . humiüs 

antistitis manu potenti .... Ea videlicet ratione ut seu 

propinquorum contradicentium obstaculo et in alio loco. qui 
Pipurc a vulgo nuncupatur quicquid Eigili vasallus suus. Vom 
Worte Lahoriaha ^'^) ist die letzte Silbe ha unkenntlich ge- 
worden. 

Um nachträghchen Anfechtungen zuvorzukommen , hebe 
ich gleich hervor, dass Prof. Mühlbacher dargethan hat^'®), dass 
im J. 806 Pippin der Jüngere Baioarien, wie es Tassilo besessen, 
zu Italien erhielt und thatsächlich den Königstitel führte, dass 
Lothar I. in mehreren Urkunden des J. 816 »rex in Baicaria** 
genannt wird, dass endlich bei der sogenannten Divisio regni 
des J. 817 Ludwig der Deutsche ebenfalls den Königstitel 
erhielt und vom J. 825 an in Bayern auch nach seinen 
Regierungsjahren gezählt wird. Hierdurch erhält meine Angabe 



*") dritte Zeile des Abdruckes der Tradition in Mon. Boio. XXVII b, 
S. 32. 

"•) elfte Zeile auf S. 33 von oben. 

*") Zeile dreizehn von oben. 

''^j Regesla Imperii I, 2. Aufl. No. 528a (509a) und 650 (628); wo 
auch die Belegstellen verzeichnet sind. 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 277 

(S. 58 meiner Abhandlung), dass es auch nach dem J. 800 in 
Baioarien Könige gegeben habe, ihre quellenraässige und 
auctoritative Bestätigung. 

Was die Tradition der Liutswind betrifft, so habe ich mich 
S. 58 dahin ausgesprochen, dass sie deutlich zeige, wie die Gaben, 
welche das gläubige Volk dem heil. Florian spendete, unmittel- 
bar der Kirche Passau zufielen, sowie dass geradezu unverständ- 
lich sei, wie Czerny aus dieser Urkunde und jener der Brunhilde 
auf eine Einweihung der Pfarrkirche in S. Florian am In zur 
Zeit Karls des Grossen habe schliessen können. 

Ich will, was ich damals des beschränkten Raumes halber, 
über den ich verfügen durfte, übergehen musste, heute näher 
ausführen, weil gerade dieser Punkt die Art, wie 
für die Verbreitung des Cultus des landfremden 
Heiligen von Paasau aus vorgesorgt wurde, näher 
zu beleuchten geeignet ist. 

Die Pfarrkirche S. Florian, V« Stunde ober- 
halb Schärding, ist sehr alt; für ihr Alter spricht ihr aus- 
gedehnter vormaliger Sprengel, welcher die heutigen Pfarren 
S. Florian, Suben, Schärding, S. Marienkirchen und Brunnenthal 
(fast ganz), dann Theile der Pfarren Eggerding, Rainbach, Tauf- 
kirchen und S. Lamprechten umfasste. Sie gehörte bis 1182 
dem Domcapitel von Passau, dessen Besitz: ein Mairhof mit 
4 Hüben um das J. 1160 im codex trad. pat. quintus verzeichnet 
ist*^'). Die Pfarrkirche selbst wird um das J. 1150 das erste- 
mal erwähnt, jedoch damals schon als „ecclesia sancte 
Marie in Wihenflorian" bezeichnet ^®®). 

Hauptpatron war also, wie nach dem Directorium der Linzer 
Diöcese noch heutzutage, die seligste Jungfrau Maria; S. Florian, 
von welchem die Ortschaft den Namen führt und dessen Bild 
den Hochaltar ziert, konnte daher schon im 12. Jahrhunderte 
nur Neben patron sein. Dass letzterer vor der Mutter Gottes 



"•) ,ad wihanflorianam houesacha IUI hubanim.* Mon. boio. XXIX b, 
266; o.-ö. U.B. I. 519. 

'^) Mon. boio. XXIX b, 250; o.-ö. U.-B. I. 508: „De eoclesia sancte 
Marie in Wihenflorian. Nosse uelint Christi fideles, quod Perhta cum 
liberis suis Gertrude, Herrando et tota posteritate ipsius censualis est 
sancti Stephan! in usum fratrum (des Domkapitels). Testes sunt 
Reinbertus et fratres eins Wolfgangus. Irnfridus. Wernhardus." 



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278 Julius Stmadt: 

zurücktreten rausste, lässt sich durch den Umstand erklären, 
dass etwa im 9/10. Jahrhunderte ein Neubau der Kirche geschah 
und es gelang, für deren Hochaltar Reliquien der heiligen Maria, 
selbstverständlich vermeintliche, aufzutreiben. Vordem aber 
muss S. Florian der Hauptpatron gewesen sein, weil ja das 
Dorf seinen eigenen Namen für den dieses Heiligen aufgegeben 
und ungeachtet der Aenderung des patronus principalis fortan 
beibehalten hat. Das führt zu der logischen Vermuthung, dass 
hier frühzeitig der Verehrung des heil. Florian von 
Lauriacum eine Stätte bereitet worden ist, und 
zwar, wie nach dem Besitzstande und allen erhobenen Umständen 
wohl nicht weiter zweifelhaft sein kann, von dem nicht einmal 
vier Wegstunden entfernten Passau aus. Die Fassung „ad 
S. Floriani" in der Beurkundung der Brunhild, falls sie nicht 
dem ungrammaticalischen Latein des Zeitalters zuzuschreiben 
ist, würde mit der Annahme stimmen ,• dass etwa in der ersten 
Hälfte des neunten Jahrhundertes ein der Verehrung des neuen 
Diöcesan- Märtyrers gewidmetes Gotteshaus am Ufer des In 
entstand, wodurch die Vergabung von Besitz im Matichgau — 
welche selbst dem Historiker Stülz auffallend bHeb — sich in 
ganz natürlicher Weise erklärt, da die Grenzen des Matich- 
gaus nur einige Stunden südlicher laufen^®*). 

Es wird die Vermuthung kaum irrig sein, dass bei zunehmen- 
der örtlichen Verbreitung der Andacht gelegentlich der 
Einführung des kanonischen Lebens der Cult näher 
an den legendären Schauplatz des Martyriums nach der 
neuen klösterlichen Ansiedlung auf der Stelle 
des heutigen Stiftes S. Florian verlegt worden ist» 

Als einen weiteren Beitrag zur Beweisführung ex 
s i l e n t i gegen den Bestand des alten Klosters S. Florian zur 
Zeit der Vereinigung Bajoariens mit dem fränkischen Reiche 
glaube ich noch folgenden Umstand anführen zu dürfen. 

Es ist bekannt, dass König Karl auf seinem grossen Heer- 
zuge gegen die Avaren im J. 791 bei Lorch Halt machte und 
hier sein Lager aufschlug, um die Truppen der nördlichen Heer- 
säule zu sammeln. In seinem Gefolge waren nachweislich sein 

*•*) Diese Grenzen sind nachgewiesen in meinem „Pouerbach*' S. 61 — 62 
und auf der Nebenkarte der dem Werke beigegebenen grossen historisoben 
Karte. 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 279 

Erzkapellan: Erzbischof Angilram von Metz (f 26. Okt. 791), 
die Bisclu^fe Sindpert von Regensburg, Atto von Freising, Arno 
von Salzburg, vielleicht auch Walderich von Passau. Bevor der 
König den Grenzfluss Ens überschritt, wurden nach dem Vor- 
schlage des Klerus dreitägige Bussübungen (vom 5. bis 7. Sept.) 
im Heere abgehalten'®*); durch Prozessionen, Fasten und Almosen 
wurde der Segen des Himmels auf die fränkischen Waffen herab- 
gefleht. Jeder Priester, falls ihn nicht Krankheit abhielte, sollte 
eine besondere Messe lesen und die des Psalmodirens kundigen 
Kleriker je 60 Psalmen singen und während der Litaneien bar- 
fuss schreiten. Von allen Einzelheiten sind wir durch einen 
Brief **^) unterrichtet, welchen der König aus dem Feldlager an 
seine in Regensburg zurückgebliebene Gemahlin Fastrada ge- 
richtet hat. 

Man ist zur Frage berechtigt, wie es möglich war, dass die 
Reliquien des heil. Florian , dessen Gedächtniss doch 

***) „Cum dei adiutorio partibus . . Avarorum perrexerunt, ad Anisam 
vero fluvium properantes, ibi constituerunt letanias faciendi triduo mis- 
sarumque solemnia celebraudo dei solatium postulaverunt pro salute exRr- 
citus et adiutorio . . Christi ot pro victoria et vindicta super Avaros." 
Ann. Lauriss. — „Ibi supplicatio per triduum facta, ut id bellum prosperos 
ac felices haberet eventus." Ann. Einh. 

»»») überliefert in einer Handschrift des 9. Jahrhunderts in der Na- 
tionalbibliothek in Paris Cl. 2777 Ep. Carol. 6 bei Jaff6 IV. 849-351; Petz 
Script. I. p. XLV, Mansi sacr. coiiciliorum nova et amplissima coUectio 
XU. c. 843-844. 

„Nos autem, Domino adjuvante, tribus diebus litaniam fecimus, id est, 
Nonis Septembris, quod fuit Lunis die, incipientes et Marlis et Merooris, 
Dei misericordiam deprecantes, ut nobis pacem et sanitatem atque vic- 
toriam et prosperum iter tribuere dignetur ... Et a vino et carne ordi- 
naverunt sacerdotes nostri, qui propter infirmitatem aut seneotu- 
dinem aut'juventudinem abstinere poterant, abstinuissent: et qui redimere 
voluisset, quod vinum licontiam habuisset bibendi ipsis tribus diebus, 
ditiores et potentiores homines in uuaquaque die solidum unum dedissent; 
minus potentes juxta possibilit^tem ipsorum et qui amplius dare non 
poterat et yinum bibere volebat, saltem yel unum denarium donasset. 
Eleemosynam vero unusquisque secundum propriam atque bonam volun- 
tatem vel juxta possibiütatem fecisset Et sacerdos unusquisque missam 
specialem fecisset, nisi infirmitas impedisset: et derlei qui psalmos soie- 
bant, unusquisque quinquaginta cantasset: et Interim quod ipsas litanias 
faciebant, discalceati ambulassent. Sic consideraverunt sacerdotes 
nostri et nos omnes ita aptifioamus et Domino adjuvante comple- 
vimus . . .** 



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280 Julius Strnadt: 

nach Duchesne und Sepp durch die ganze Zeit, 
der Völkerwanderung hindurch an Ort undStelle 
sich fortgepflanzt haben und. gerade zu dieser 
Zeit (788—800) durch die Schenkungen der Liut- 
swind und der Brunhilde auch urkundliche Be- 
glaubigung erhalten haben soll (wie wenigstens Sepp 
will), nicht, wie der Glaube des Zeitalters an die Wunderthätig- 
keit heiliger Gebeine und der vorhandene Anlass es geboten 
hätten, in das fränkische Lager gebracht, nach damaliger Ge- 
pflogenheit in feierlichem Schaugepränge durch die Gassen des 
Lagers geleitet und vor denselben Andachtsübungen angestellt 
wurden, um die Fürbitte des Heiligen für den glücklichen Aus- 
gang des Krieges anzurufen, wenn das Grab desselben und 
seine Ueberreste sich wirklich an dem Orte, der nachmals seinen 
Namen trug, befunden hätten, bis wohin ja die Zelte der Franken 
und Bayern sich ausgedehnt haben dürften ? und das sogar 
nicht in Anwesenheit eines ansehnlichen Theiles 
des bayerischen Episkopates, welcher für die Anord- 
nung der Bussübungen eingetreten sein wird? Wäre es wirk- 
lich geschehen, so würden nicht die annalistischen Nachrichten, 
am allerwenigsten K. Karl in seinem Briefe über 
eine solche Ereignung schweigen. 



IT. Zweiter Abschnitt. 

Das historische „alte Kloster** S. Florian und die 
an die passio s. Floriani geknüpften Urkunden- 
fälschungen. 
Auch an der Echtheit der Königsurkunden vom 28. Juni 823 
und vom 18. Jänner 901 hält Herr Dr. Sepp fest; allerdings 
ohne sachliche Gründe gegen meine Ansicht von der Ver- 
unechtung der letzteren und von der Unechtheit auch der 
kürzeren Fassung der ersteren vorzubringen. Er behilft sich 
(Seiten 26 bis 28 seiner Apologie) damit, die Auctorität des 
Herrn Universitäts-Professors Dr. Engelbert Mühlbacher in Wien 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 281 

in die Wagschale zu werfen und selbe dadurch zu seinen Gunsten 
zum Sinken zu bringen. Wer sich die Mühe genommen hat, 
meine Ausführungen über die kürzere Fassung des Diploms 
von 823 in Band VIII, 77-82 zu lesen, dem brauche ich nicht 
erst zu versichern, dass es mir nicht in den Sinn gekommen 
ist, an dem diplomatischen Sachbefunde dieses für das Zeitalter 
der Karolinger massgebenden Gelehrten zu rütteln, geschweige 
denn — denselben anzufechten; dagegen glaube ich auch zu 
wissen, dass Herr Prof. Mühlbacher weit davon entfernt ist, die 
Echtheit der kürzeren Passung selbst dann aufrecht erhalten zu 
wollen, wenn dargethan wird, dass gewichtige Thatsachen und 
Umstände dagegen streiten, dass die Beurkundung jenem Zeit- 
alter angehöre, in dessen Kanzleiformen sie sich verkleidet hat. 

In der Erkenntniss, dass die von mir vorgebrachten Gründe 
noch weiterer Verstärkung bedürftig seien, wenn die Unechtheit 
der kürzeren Passung der Fälschung 823 28. 6. allgemeine Aner- 
kennung erlangen soll, habe ich seit Monaten alle in beiden 
Passungen erwähnten Besitzobjekte in ihrer weiteren Entwick- 
lung verfolgt und bin auf diesem Wege zu der persönlichen 
Ueberzeugung gelangt, dass die weitere Passung nicht 
vor dem zwölften, die kürzere Passung nicht vor 
dem Beginne des dreizehnten Jah rhundertes 
entstanden sein kann, weil vor diesen Zeiträumen für Passau 
keinerlei Nothwendigkeit vorlag, sich auf Besitztitel dieser Art, 
die bis in die Zeit Karls des Grossen zurückreichten, berufen 
zu müssen. 

Fälschungen oder Verunechtungen wurden dann angefertigt, 
wenn es sich darum handelte, für einen thatsächlichen Besitz 
einen urkundlichen Titel zuwege zu bringen, für spätere Besitz- 
erweiterungen oder auch für blosse, im Wesen nicht begründete 
Besitzansprüche sich ein Beweismittel zu verschaffen, sei es zur 
Vorlage bei Besitzbestätigungen, sei es zur Beweisführung in 
einem Rechtsstreite. 

Nicht bei allen Fälschungen gelingt es, die Ursache oder 
den Anlass ihrer Anfertigung ausfindig zu machen; bei der 
Fälschung vom J. 823 jedoch bin ich nunmehr in der Lage, 
nachzuweisen, dass bei den meisten Besitzobjecten, welche schon 
K. Karl der Grosse vor dem J. 804 dem Bisthum Passau ver- 
gabt haben soll, das Hochstift im 12. und 13. Jahrhunderte ein 



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282 Julius Stmadt: 

actuelles Interesse daran hatte, diesen Besitz als einen ihm schon 
von der frühesten Zeit der Besitzergreifung des Landes her an- 
gehörigen auszuweisen, weil es selbst über denselben rait anderen 
Interessenten in Streit gerieth oder seine Klienten zu schützen 
hatte oder aber weitgehende Besitzansprüche durchzusetzen be- 
strebt war. 

Da ich mir sehr wohl bewusst war, dass das aus der 
Durchforschung innerer Merkmale gewonnene Ergebniss meiner 
Untersuchung rait dem Ergebnisse der Schriftvergleichung Dr. 
ühlirz's^^) in Widerspruch gerate, so habe ich mich um ein- 
gehende Auskünfte über die äusseren Merkmale der beiden Aus- 
fertigungen der weiteren Passung, über das Alter der Ein- 
tragungen derselben in die passauischen Copialbücher, sowie 
der Eintragung der kürzeren Fassung in den Lonsdorfer Codex, 
endlich über den genauen Wortlaut des Textes der Oertlich- 
keiten und der strittigen Stelle, welche S. Florian und Linz be- 
trifft, an das königliche allgemeine Reichsarchiv in München 
gewendet, welcher Bitte die geehrte Direktion in umfassender 
Weise willfahrt hat, so dass ich knapp vor Beginn der Druck- 
legung der Arbeit diese letztere auch noch auf den fachmän- 
nischen paläographischen Befund stützen konnte. Für die mir 
erwiesene Güte glaube ich dem k. allgem. Reichsarchive nicht 
bloss persönlich, sondern insbesondere Namens der historischen 
Forschung den ergebensten Dank an dieser Stelle ausdrücken 
zu dürfen. 

Die auf die Echtheitsfrage einflussnehmenden Momente in 
möglichster Vollständigkeit im Einzelnen nachzuweisen, ist die 
Aufgabe der nun folgenden Erörterungen. 

I. 

Ich habe in Band VIU, 81, die Angabe des Diploms, dass 
in Sachsen und Ardacker schon zu Zeiten Karls des Grossen 
je zwei Kirchen bestanden haben sollen, als eine unglaubliche 
bezeichnet und hervorgehoben, dass die ältere Namensform für 
Sachsen „Sachsenkirchen" laute und erst vom 13. Jahrhunderte 



*^) Mittheilungen des Institutes fUr österr. Geschichtsforschung III. 
181 ff. Nach seinem Befunde hat der Schreiber der weiteren Fassung (WC) 
der Kanzlei K. Otto's IL angehört, fiele sonach die Fälschung in die Zeit 
Bischof Piligrims im 10. Jahrhunderte. 



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Die Paasio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 283 

aii die noch heute übliche PorraSaxen'sich einzubürgern beginne. 
Dass die Form Saxina für das beginnende 9. Jahrhundert 
anachronistisch ist, zeigt der Vergleich mit der Form gleicher 
Zusammensetzung: Sahsonaganc insula in Danubio in provincia 
orientali ^^^) aus dem J. 1021 und Sachsenriet ^®*) , sowie ich 
gleich beifüge, dass in der Schreibweise des 13. Jahrhundertes 
sich die Bezeichnung in Sachsen verändert ^^^), ohne dass die 
Hinzufügung des e etwas anderes als das helle a, das man in 
späterer Zeit durch die scheinbare Umlautung (ä) kenntlich 
machte, bedeutet haben wird. 

Auch die Namensform Artagrum ist unbeglaubigt. Ar- 
dacker kommt in Urkunden nicht früher als im J. 1049 vor, 
als am 7. Jänner d. J. K. Heinrich 111. dem Bischof Nitker von 
Freising das dem Fiscus heimgefallene Gut Ulrichs und Ascuuins 
in Ardacher gegen die Verpflichtung zur Errichtung und Her- 
haltung eines CoUegiatstiftes daselbst schenkte *^^). Es bestand 
daselbst noch keine Kirche, die neuerbaute Stiftskirche weihte 
erst am 4. September 1063 Erzbischof Anno von Köln ein^®^). 
Wie sich weiters aus dem Tauschbriefe des Bischofs Heinrich 
von Freising mit Passau '^®) und mit voller Zuverlässigkeit aus 
der Herzogenburger Original-Urkunde des J. 1159^^*) ergibt, 
lautete die älteste Namensform Ardacher oder Ardacker wie 
heutzutage. 

Unerhört und anachronistisch zugleich ist die Form Pelagum 
für Bielach. Sie ist eine handgreiflich erkünstelte, sie trägt das 
Gepräge der Erfindung; denn zur Zeit Karls des Grossen und weiter- 
hin war die Form Bielaha die gebräuchliche, wie aus der echten 
Urkunde K. Karls des Grossen vom J. 811 erhellt, durch welche 
derselbe dem Kloster Niederaltaich „locum quemdam, ubi Bielaha 
fluvius Danubium ingreditur" ^^*) verlieh. Die Urkunde ist zwar 
nur in Abschrift erhalten, die sich auf einer Urkunde K. Arnolfs 

»««) Mon. boic. XXVIfl. a, 506. 
»»•) Mon. boic. XXIX. a, 142. 

»") Mon. boic. XXIX. b, 41; o.-ö. U.-B. IL 517, 691. 
*»«) Archiv der Wiener Akademie VI. 293 aus einem Seitenstätter 
Codex sec. XII. 

"») a. a. 0. XLVl. 467 aus dem Seitenstätter Codex 238. 

»«►) a. a. 0. IX. 254. 

»•') a. a. ü. IX. 262. 

"*) Mühlbacher ^egösta Imperii I. 452. 



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284 Julius Strnadt: 

befindet, gehört nach Aeusserung Professors Mühlbacher bestimmt 
dem 11. Jahrhunderte ^^^) an; diese Form ist durchaus gesichert, 
da die Abschrift im Niederalt aich er Chartular (Mon. boic. XI, 101), 
welche die gleiche Bezeichnung liefert, von der erstgedachten 
Kopie unabhängig ist. 

Die Form Lintzea entspricht nicht einmal einem späteren, 
am allerwenigsten dem karolingischen Zeitalter, aus welchem 
wir mehrfache Belege haben. Der Ort hiess Linzae im J. 799, 
Linza im J. 820 und c. 840—860, Lintza in der Raffelstätter 
Zollordnung von c. 904*^^), niemals Linzea oder Lintzea. Die 
Einfügung des t vor z allein schon deutet auf spätere Schreib- 
weise, in welcher Linz zuerst in der nicht einmal unbedenk- 
lichen Urkunde Herzogs Leopold VI. für Otensheim vom 
22. Oktober 1228'***) und bezeichnenderweise in der gefälschten 
Urkunde Bischofs Ulrichs für S. Florian (weitere Fassung, siehe 
Band VIII, 91 -94) vorkommt. 

Die Form Naerdinum, welche die kürzere Fassung bietet, 
weist auf das 12. und 13. Jahrhundert, in KaroHngerzeit war 
noch die einfache Schreibweise Nardinum üblich; immerhin 
könnte sie dem Zusammensteller des LonsdorPschen Codex, Abt 
Hermann von Niederaltaich , zur Last fallen, obwohl derselbe 
wenigstens von den älteren Urkunden seines Klosters behauptet, 
dass er sie im Chartular „non mutatis nominibus, uel latinitate 
nee minuto uel addito numero litterarum^ wiedergegeben habe ^•*). 

Die Form Reode für Riede ist für Oberösterreich wenigstens 
nicht nachweisbar; ob die in der Raffelstätter Zollordnung er- 
wähnten Reodarii den Bewohnern des Landstriches, der nach- 
mals Riedmark genannt wurde, gleichzusetzen sind, lässt sich 
mit Sicherheit nicht entscheiden. 

Da die Abdrücke der in Frage kommenden Stellen in den 
beiden Ausfertigungen des Diploms vom J. 823 und im Lons- 
dorfer Codex nicht völlig correct sind, so lasse ich hier den 
Text nach der Mittheilung des k. allg. Reichsarchives*^^) folgen, 

^»•) Das im J. 1043 dieselbe Form Pielahe bietet. Cf. Fischer Kloster- 
neuburg IL 115 No. 1. 

»»*) Mon. boic. XXVIII. b, 36, 40, 41 ex cod. trad. pat. antiq.; Mon. 
Germ. Leges III. 480 aus dem Lonsdorfer Codex Bl. 58. 

»ö^) o.-ö. U -B. II. 673. 

»»«) Mon. boic. XL 13. 

»") ddo. 12. Mai 1900 E. No. 591. 



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Die Passio 8. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 285 

und zwar nach der von Uhlirz***) gewählten Bezeichnung von 
A für die kürzere Fassung, von Bi für das unbesiegelte und 
von B« für das besiegelte Exemplar der längeren Fassung. 

A. 

idem Treismam. Wachowam. pelagum. Naerdinum. Reode. 
Aspach. Wolfeswanch. Erlawam. et in Artagrum (ohne Ab- 
kürzungszeichen geschrieben). Basilicas duas et in Saxinura 
(ohne Abkürzungszeichen geschrieben) Basilicas duas. Sed post- 
quara uenerabilis uir Ragenarius huic sancte öedi episcopus sub- 
rogatus esset, que sunt praedicta loca' Godofredo comiti qui ea 
iniuste contradicebat. et perueracissiraam atque iustissimam 
Inquisitionen) reppertum est loca superius nominata. Insuper 
etiara domnus et genitor noster eidem contulerat Sedi Cellvlara 
sancti Floriani cum lintzea. 

Bi. 
... et in terra hunorom.Zeizzinmvrum. Treismam. vuachouuam. 
Pelagum. Nardinum. Reode. asbahc. vuoluesvuanch. Erlafam. et 
In artagrum (artagrü) basilicas duas. et in saxinam (saxinä) 
basilicas duas. 

Bs. 

et in terra hunorum Zeizzinmurum. Treismam. vuachouuam. 
Pelagum. Nardinum. Reode. asbahc. vuoluesvuanc. Erlafam. et 
in artagris basilicas duas et in saxina basilicas duas . . . 

In Bä ist das Abkürzungszeichen bei artagrü durch Rasur 
getilgt und der Buchstabe u in is corrigirt; ebenso ist daj Ab- 
kürzungszeichen bei saxinä wegradirt. 

11. 
Zwei Kirchen in Ardacker und zwei Kirchen 
in Sachsen hat nach dieser Beurkundung schon Karl der 
Grosse dem Bischof Walderich von Passau geschenkt. Da die 
Niederwerfung der Avaren erst im J. 794 beendet und die Ab- 
grenzung der Missionsbezirke von Salzburg und Passau erst 796 
gepflogen wurde, so müsste diese Vergabung in den Zeitraum 

**'*) „Die Urkundenfälschung zu Pas-au im X. .Julirhunderlo'* in den 
Mitiheiluugen des Inst, für österr. Geschichtsforschung lll. 177 — 228. 



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286 Julius Strnadt: 

von 796 und 804 (dem Todesjahre Walderichs ^®*) erfolgt sein. 
„Nicht in gewaltiger Fluth, im Beginne, wie es scheint, nur 
zögernd, . . ergossen sich seit 791 bairische Ansiedler über das 
an vielen Stellen entvölkerte ausgedehnte Gebiet östlich der 
Ens**, äussert sich Riezler -®*^). Es liegt wohl auf der Hand, 
dass es ganz unwahrscheinlich ist, dass augenblicklich zur 
Gründung von Kirchen, noch dazu von zweien in jedem Pfarr- 
sprengel — denn diesen Sinn hat der Schreiber der Urkunde 
jedenfalls der Ortsbenennung unterlegt — geschritten worden 
wäre. 

Untersuchen wir den Zustand des Landstriches, in welchem 
Sachsen gelegen ist, um das Jahr 800. Wir wissen nur, dass 
im J. 827 die Kirche Puchenau bestand, aber nicht als Pfarr- 
kirche, denn sie gehörte noch am Ende des 10. Jahrhundertes 
zur Pfarre Linz und die Freisinger Urkunde*®*) spricht nur von 
der Vermarkung des Kirchenbesitzes gegen die anrainenden 
Slaven; der ganze Strich von Linz donauabwärts bleibt im 
Dunkel begraben, erst im J. 853 erlangen wir aus dem Gabbriefe 
des Grafen Wilhelm an S. Emmeram *^®=**) die dürftige Kunde, 
dass es zwischen den beiden Bächen Aist und Narn Culturen 
gegeben habe, welche damals dem Kloster zufielen. In alle 
urkundliche Nachrichten ragt der Nordwald herein, welcher von 
der Donau sich kaum mehr als zwei bis drei Stunden entfernt 
hielt, wie denn auch Gallneukirchen (Novenkirchen s. Galli) 
kaum vor dem 11. Jahrhunderte entstanden sein wird. Nach 
dem Ungarnsturm haben wir die von einer Hand des XI. Jahr- 
hundertes herrührende Nachricht, dass zur Zeit Bischofs Piligrim 
(f 991) der Zehent von Altaist in dem nachmahgen Pfarrgebiete 
von Ried nach Narn gehört habe*^^), was den Bestand einer 
Kirche in Ried vor dem J. 804 höchst zweifelhaft erscheinen 
lässt. Die Kirche Sachsen wird nicht früher als in der Be- 
stätigungsurkunde Bischofs Reginbert von Passau für das Col- 

^^) Auf den Namen Walderichs wurde auch die in Urkunde von 789 
(Band VlII. 104) verfälscht, um KremsmUnster als ursprünglichen Besitz 
Passaus darzustellen. 

^^) Gesch. von Bayern I. 184. 

*o') Codex Kozroh Blatt 136'; Archiv der Wiener Akademie XXVII. 258. 

«^•J Ried codex dipl. Ratisb. I. 44. 

*^') Synode von Mistelbach. Aufschreibung im Codex trad. ant. 
Patav. Blatt 50'; Mon. boic. XXVIII. b, 89. 



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Die Passio s. Florian! und deren Urkundenfälschungen. 287 

legiatstift Waldhausen vom J. 1147 2®^) erwähnt, die benach- 
barten Pfarrkirchen Kreuzen, Pabneukirchen, Dimbach, S.Georgen, 
Sarmingstein und Königswiesen waren von Otto von Machland 
und seinen Vorfahren erbaut worden, in keinem Falle vor dem 
Ende des 10. und dem Anfange des 11. Jahrhundertes. 

Dagegen lassen sich im 12. und im Beginne 
des 13. Jahrhundertes wirklich zwei Kirchen in 
jedem der beiden Pfarrsprengel Sachsen und Ardacker 
nachweisen, über die Rechtsverhältnisse beider wurden damals 
Rechtsstreite geführt, bei beiden war Passau interessiert. 

Eine Viertelstunde von Sachsen entfernt befindet sich die 
unter K. Josef II. gesperrte S. Nicolauskirche in Hofkirchen. 
Sie besass nach der Waldhauser Urkunde'*®*) das Begräbniss- 
recht, zum Widdume gehörten vier Höfe, Kaplan und Frucht- 
niesser war der Stiftsdechant Perngar von Ardacker. Propst 
von Ardacker aber war damals der Dompropst von Passau^®*'). 
Wir sehen nicht klar, welche Rolle der in dem Schiedspruche 
erwähnte dominus H. de Ernestinge spielte, wenn er nicht allen- 
falls auf dem benachbarten Schlosse Klamm sass und Vogtei- 
rechte üble; Bischof Gebhard von Passau fand sich jeden- 
falls veranlasst einzugreifen und den Zwist mit dem Pfarrer 
Heinrich von Saehssenchirchen dahin zu entscheiden , dass die 
Hintersassen der Kapelle den grossen Zehen t dem Pfarrer, den 
kleinen aber dem Kaplan der Kapelle zu reichen haben. 

Was Ardacker betrifft, so kommt die unter K.Josef zu 
einer Lokalie erhobene Nicolauskirche „auf dem Berg" nicht in 
Betracht, da jede Nachricht über einen frühzeitigen Bestand 
derselben mangelt. Die Rolle einer zweiten Kirche von 
Ardacker ist hier der jetzigen Pfarrkirche Neust adl zuzu- 
weisen. Die Richtigkeit dieser Annahme ergibt sich aus nach- 
stehenden Thalsachen. Im J. 1161*^') weihte Bischof Chunrad 
von Passau eine Kirche „in monte, qui uocatur in vulgari hengst, 

^) o.-ö. U.-B. IL 237, 231. Die Bezeichnung beinwalt sollte richtig 
Pahinwalt lauten. Eine Durcharbeitung der Urkunden von Bauingarten- 
berg und Waldhausen zur Prüfung auf die Echtheit der einzelnen Stücke 
wäre höchst nothwendig. 

«>*) o.-ö. U.B. II. 690. c. 1226-1227. 

**•) c. 1225 Heinricus d. g. Pataviensis et Ardacensis praepositus. 
Archiv der Wiener Akademie XLVI. 477. 

^') o.-ö. U.-B. II. 308. 



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288 Julius Strnadt: 

in confinio Aradakcher" ein, deren fundus die edle Frau Chuni- 
gunde mit ihren Söhnen Herbord und Karl dem Kloster Säb- 
ni(^h (Waldhausen) überliess, und bestimmte unter Berufung auf 
eine frühere Ausmittlung seines Vorgängers Reginbert die 
zwischen Ardacker und Säbnich streitig gewordenen Grenzen. 
Allein sowohl diese Urkunde als auch die Vorurkunde des 
J. 1146, nach welcher die Kirchengründung von Passau aus- 
gegangen sein soll*®®) ist bedenklich, weil nach dem Schieds- 
sprüche vom J. 1216*®^) das Stift Ardacker im langjährigen 
Streite stets behauptete, dass die Kirche Niwenstat innerhalb 
der Pfarrgrenze von Ardacker gelegen sei, daher wohl auch 
früher nie den Anspruch aufgegeben hat, und ausdrücklich 
betont wird, dass das Kloster Waldhausen die Pfarre Neustadt 
zwar lange Zeit inne habe „licet fide ac titulo dubitato", schliess- 
lich auch selbe fürderhin mit einem Chorherrn von Ardacker 
besetzen muss. 

III. 

Aspach. Passauischer Besitz an diesem Orte ist in früher 
Zeit nicht nachweisbar, wohl aber hesass daselbst schon im 
J. 1049 das Erzstift Salzburg einen Herrenhof, zu welchem 
am 13. Februar d. J.*^<^), K. Heinrich III. einige königliche 
Mausen fügte. Es entgeht mir, an wen Salzburg diesen 
Besitz abgab, im 12. und 13. Jahrhunderte gehörte der Markt 
dem Hochstifte Freising, von welchem ihn Herzog Friedrich II. 
von Oesterreich im J. 1236**^) zu Lehen trug. 

Auch hier entspann sich im 12. und 13. Jahrhunderte ein 
Streit zwischen Freising und dem Kloster Seitenstätten, welchem 
Bischof Ulrich im J. 1116^^*) die Pfarre Aspach verliehen hatte, 
zuerst über die Zehente apud Clusam, welche Bischof Otto von 
Freising angesprochen hatte ^^^), dann über das Patronat der 
Kirchen Aspach, Waidhofen a. d. Ibs und Holleustein*'*). 

*>•) a. a. 0. 238. 

*^^) a. a. 0. 577. 

'*^) „quosdam regales mansos in Ensevvalde in comitatu Adalberti 
marchionis sitos curti eiusdem archiepiscopi Aspaoh diote contermi- 
nales." Juvavia diplom. Aahang 234. 

»") Meichelbeck bist. Frising. I. IL 15. 

•»») Fontes rer. austr. Dipl. XXXIII. 2. 

"») a. a. 0. 8. Urkunde 1158. 

"'*) Urkunden 1258—1267 ebenda 57—86, Meichelbeck hist. Frising 
II. II. 44, 52, 58, 59, 63, 65. 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 289 

Der Bischof von Preising sprach nänalich die Grundherrlich- 
keit über die Kirche Aspach und in dieser Eigenschaft kraft 
der Bulle des Papstes Innocenz II. vom 20. November 1141^^^) 
die Ausübung des Patronatsrechtes an, gegen welches Bestreben 
unter dem Schutze des Bischofs von Passau als episcopus Ordi- 
narius das Kloster Seitenstätten beharrlichen Widerstand leistete. 
Die Streitsache wurde endlich im J. 1267 dahin verglichen, dass 
dem Kloster Seitenstätten das Patronatsrecht auf Aspach ver- 
blieb, wogegen es seine Ansprüche auf Waidhofen und Holen- 
stein zu Gunsten des Bisthums Preising aufgab. 

Bei der dem Bisthum Preising eigenthümlichen Pfarre Prob- 
storf im Marchfeld dagegen gelang es dem Ordinarius von 
Passau nicht, das Patronatsrecht an sich zu ziehen ; in dem am 
27. April 1255*^^) an den Abt von Melk und den Propst von 
Neuburg als bestellte Schiedsrichter ergangenen Auftrage er- 
klärt Papst Alexander IV. über die Klage des Bischofs von 
Freising „quod hcet ei sit ab apostolica sede indultum, ut in 
ecclesiis in territorio, quod ecclesia Prisingensis in alienis dyo- 
cesibus obtinet, constitutis nuUus institui debeat eius irrequisito 
assensu, nichilominus tamen Wisinto de Wienna presbiter 
Patauiensis dyocesis fuit eo irrequisito per venerabilem fratrem 
nostrum episcopum Patauiensem in ecclesia in Probstorf sita in 
territorio, quod habet dicta Prisingensis ecclesia in ipsa diocesi, 
institutus, qui eam detinet in ipsius episcopi preiudicium et 
grauamen." Demgemäss wurde von den Schiedsrichtern am 
27. Juni 1256^^^) die Pfarre dem Preisinger Bischof zugesprochen. 

Es ist daher eine dicke Lüge der Passauer Kanzlei, in 
welcher das Lehenbekenntniss des Herzogs Priedrich IL von 
Oesterreich vom 11. März 1241 2^®) ausgefertigt worden zu sein 
scheint, wenn in demselben als eine der 12 von Passau lehen- 
rührigen Pfarrkirchen auch probestorf aufgeführt wird^^^). 

*^^) Meichelbeck bist. Fris. II. 11. 116 No. 181/1. „Sancimus etiani, ut 
in quocunque episcopatu in fundo Prisingensis ecclesie monasteria vol 
ecclesie edificate sint, assensu et consilio tuo in eis presbiteri statuantur.*' 

"«) Meicbelbeck II. II, HO. 

»") a. a. 0. II. II, 115. 

"«) Mon. boic. XXVIII. b, 254. 

"») Das Landbueh von Oesterreich und Steier verzeichnet (Mon. Germ, 
bist, deutsehe Chroniken III/2 p. 715) ganz richtig probestorf unter den 
Passivlehen des Herzogs vom Bisthum Freising. 
Arohivaliache Zeitschrift. Neue Folge IX. lö 



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29Ö Julius Stmadt: 

Man sieht, dass Passau ein hohes Interesse daran hatte, 
Besitz in Aspach in weit zurückliegender Zeit zu erweisen, um 
nicht bloss als Zehent-, sondern auch als Grund- und Lehens- 
herr gegenüber dem auswärtigen Kirchenfürsten auftreten zu 
können. 

IV, 

Die Wachau. Noch unter K. Otto IL im J. 972 hatte 
Passau in der Wachau keinen weiteren Besitz als einige Wein- 
gärten, deren Schenkung durch Kaiser Ludwig den Frommen 
es sich damals bestätigen liess^^®). Damit stimmt, dass in dem 
Diplom König Ludwigs des Deutschen vom 6. Oktober 830*^*), 
womit dem Kloster Niederaltaich die mit Genehmigung Kaiser 
Karls (f 814) erfolgte Besitzergreifung jenes Anteils der Wachau 
(uvahouua), welcher später den Pfarrbezirk Spitz bildete, be- 
stätigt wurde, wohl Eigen des Bisthums Freising, nicht aber 
auch des Bisthums Passau erwähnt wird. 

Nun habe ich in der Erörterung über die Herkunft und das 
Verbreitungsgebiet des Floriancultus Seite 251 Anmerkung 149 
gezeigt, dass in dem Streite der Klöster von S. Florian und 
Niederaltaich um die Pfarre Spitz an der Donau 2*^) es selbst 
zur Urkundenfälschung kam, um den Besitztitel des Klosters 
S. Florian zu verstärken ; es liegt daher auch nahe, dass Passau, 
von welchem letzteres die Pfarre S. Michael in der Wachau 
erhalten hatte, gegenüber dem zweifellos alten Rechtstitel von 
Niederaltaich sich eine Bestätigung noch älteren Besitzes zu 
verschaffen geneigt gewesen sein wird. 

V. 

Zeizinmurus . . et ipsum casteUum et vltra 
danubium ad trebinse et exinde ad Mochinleo 
et usque ad ezinburi et Treisma cum omni in- 
te g r i t a t e. 

Dieser Passus kommt zwar nur in den beiden Exemplaren 
der längeren Fassung vor, deren Unechtheit allgemein anerkannt 



»««) Mühlbacher Regesta Imperii I. No. 753 S. 278. 
««») Mon. boic. XI. 104. 

***) Spitz war bekanntlich später Lehen der Herzoge Bayerns von 
Niederaltaich. 



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Die Passio s. Ploriani und deren Urkundenfälschungen. ^9l 

ist, muss jedoch auch von mir berücksichtigt werden, weil die 
kürzere und die längere Passung in innigem Zusammenhange 
stehen, da sonst zum allermindesten „die beiden Kirchen von 
Ardacker und Sachsen" nicht gemeinsames Gut sein dürften. 

Die Frage ist schon von Uhlirz und neuestens wieder von 
Dr. Josef Lampel"*) behandelt werden; für meine Zwecke ist 
es ohne Belang, ob das Mochinleo von 823, das mochinle des 
Placitums des Herzogs Heinrich II. von Bayern (f 995), das 
Mauchenlfe des Landbuches und dasMuchileo des friedericianischen 
Lehenbekenntnisses Grossmugl oder Mallebern ist, es wird ge- 
nügen nachzuweisen, dass das unauffindbare Mochinle der Phan- 
tasie eines Fälschers entsprungen ist und keineswegs seine 
Wurzeln in die karolingische Aera erstreckt. 

Damit hängt die Lösung der Frage über die Richtigkeit 
des Inhaltes jener Aufschreibung zusammen, welche der codex 
traditionum antiquissimus pataviensis auf Blatt 49^^*) enthält. 
Sie rührt von einer und derselben Hand her, welche auch die 
Vergabungen Adalprehts (der Name steht auf Rasur) und des 
Diacons Udalrich unter Bischof Berengar (c. 1038) aufgezeichnet 
hat; sie wird von den Herausgebern der Mon. boica in das aus- 
gehende 12. Jahrhundert gesetzt ^2^). Es liegt mir ferne zu 
wiederholen, was zuerst Meiller 2^*^) und nach ihm Büdiuger^^^) 
gegen die Echtheit vorgebracht haben, im Einzelnen zu wieder- 
holen. Ich bescheide mich darauf hinzuweisen, dass m. E. von 
Meiller mit Recht als befremdender Umstand hervorgehoben 
wurde, dass auch nicht die kleinste Notiz über dieses placitum 
ausser der Passauer Aufschreibung aus dem reichen historischen 
Materiale bayerischer und österreichischer Archive und Biblio- 
theken bekannt geworden ist, obwohl ja auch über die Rechte 
und Besitzungen der übrigen Bisthümer und Abteien verhandelt 
worden sein soll (quod iure vniuscuiusque proprium esset de 
Ulis prediis que tunc sub ditione tenebantur dominica. et quid 
episcopatuum aut abbatiarum familie deberent marchioni). Ist 

**•) „Wo lag Mochinle?" in den Blättern des Vereins für Landes- 
kunde von Niederösterreich XXX. 46—76, XXXI. 97-258, XXXIII. 
436-474. 

»»*) Abdruck in Mon. boic. XXVIII. b, 86 und 208. 

•**) Coaeva quidem non est, sed exeuns saeculum XII. redolet. 

"«) Babenberger Regesten S. 190. 

»") Oesterreich. Geschichte S. 491-496 Excurs IV. 

19* 



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292 Julius Straadt: 

es glaublich, dass nur Passau allein sich veranlasst gesehen hat, 
die Bestimmungen dieses Tages aufzubewahren? Dass der Ver- 
fasser der Aufschreibung sichtlicher Weise bereits die längere 
Fassung des Diploms vom 28. Juni 823 benützt hat, ist schon 
Hirsch ^^®) aufgefallen. 

Was passauische Fälschung im 13. Jahrhunderte zu leisten 
vermochte, zeigt die Aufschreibung über die Schenkungen, 
welche Otto und Walchun von Machland und Frau Petrissa im 
12. Jahrhunderte an Passau gemacht haben sollen, im Lonsdorfer 
Codex (Arbeit des Abtes Hermann von Niederaltaich). Da heisst 
es^^^): „(tradiderunt) villam aput La ubi hodie est Oppidum. 
Item villam in Hagendorf. Item duas villas dictas Schaeter- 
lehen . . . Item tradiderunt Ecclesie castrvm Lobenberch. 
Item duo Castra Plasenstein et omnes Ministeriales ad dicta 
Castra pertinentes aput Machland preter ludicia. Item tradi- 
derunt Ecclesie duorum Monasteriorum aduocatiam Paumgarten- 
perge et Waldhausen . . . ." Die Ortschaft Laa gehörte nie- 
mals zu Passau, sie war stets landesfürstlich und selbst das 
fridericiauische Lehenbekenntniss vom J. 1241 kennt nur die 
Zehente um La („Item decime in Lauchoe et circa La et in 
partibus illis"), das Schloss Klamm mit Zugehör (darunter Plasen- 
stein) blieb freies Eigen von Ottos Bruder Walchun von Klamm, 
durch dessen Tochter Beatrix es an die Grafen von Velburg 
und von dem letzten derselben, Ulrich, an Herzog Leopold VI. 
gedieh (1218). Die Vogtei über Baumgartenberg, bewiesen die 
Mönche dieses Kloster im J. 1188^^^) dem Herzog Liupold V., 
gebühre ihm und er hinwieder übertrug den Schutz an den 
Grafen Otto von Klamm; und im J. 1189^^^) nannte Bischof 
Theobald von Passau selbst den Grafen Otto von Velburg den 
Vogt des Klosters Waldhausen (aduocati Walthusensis). 

Dass die Aufschreibung über das placitum eine sehr späte 
ist, zeigt der Ausdruck regnum für Bayern, welcher zur Zeit 
der Karolinger, aber nicht mehr gegen Ende des 10. Jahrhundertes 
üblich war, die Bezeichnung einer Urkunde aus der Zeit Bischofs 

*2*^) Jahrbücher des deutschen Reiches unter K. Heinrich II. I. 144 
Anmerkung 4. 

"«) Mon. boic. XIX. b, 214. 
^»^) o.-ö. U.-B. IL 411. 
•^3>) a. a. 0. 418. 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 293 

Adalbert (f 971) als „vor alten Zeiten" (antiquitus) ausgestellt, 
die Bezeichnung der Ortschaft Zeiselmauer als civitas, während 
sie im Passauer Urbar aus der Mitte des 13. Jahrhundertes"*) 
nur als houemarchia verzeichnet ist. 

Was es rait den boeraani auf sich habe, welche der Schreiber 
„tempore praesenti" in Perschling ansässig sein lässt, ist einfach 
unverständlich. 

Bei solchen Gebrechen der Form und des Inhaltes lässt sich 
nicht einmal die Angabe, dass Herzog Heinrich IL zur Ordnung 
der Verhältnisse eine inquisitio in der Ostmark angestellt habe, 
als wirkliches Geschehniss retten. 

Diese Aufschreibung ist meines Erachtens der Ausgangs- 
punkt für die Grenzbeschreibung von Zeiselmauer mit der 
fabelhaften Ausdehnung bis an die mährische Grenze gewesen; 
sie ist die einzige Beurkundung hierfür. Da mir alle Um- 
stände darauf zu weisen scheinen, dass die längere Passung der 
Fälschung vom 28. Juni 823 nicht vor dem Ende des 12. Jahr- 
hundertes entstanden sein kann, so glaube ich keine gewagte 
Vermutung aufzustellen, wenn ich nach dem Vorgange Hirsch's 
diese angebliche notitia als die Quelle der ins Einzelne gehenden 
Grenzbestimmung in der längeren Fassung erkläre. Aus ihr hat 
augenscheinlich auch der Redaktor des österreichischen Land- 
buches geschöpft, indem er die Grenzen des „Lusses von Passau *^ 
(d. i. wohl der überwiegenden Besitzsphäre des Hochstiftes) bis 
an die Thaya reichen Hess. In kürzerer Form „Item villas 
Trebense, Muchileo et quitquit inter illa est" wusste man sie 
auch in das Lehenbekenntniss Friedrichs IL einzustellen. Die 
Vorlage ist, wie man sieht ^^^), den Nachbildnern zeitlich nicht 
ferne gestanden. 

Ist diese Annahme richtig — und nach meiner Beobachtung 
sprechen die erhobenen Umstände dafür — , dann konnte die 
kürzere Fassung des Diploms vom J. 823 nicht schon zu Pil- 
grims Zeiten vorhanden sein, wie Uhlirz^^*) gefolgert hat. Mir 

«") Mon. boic. XXVIIL b, 185, 475. 

"*) Die Hand füllte mit dieser notitia und den beiden vorangehenden 
das ganze Blatt 49 des codex trad. antiq. Pat. aus. Die Eintragungen 
erfolgten keineswegs immer in der Reihenfolge der Blätter, es blieben 
mitunter Seiten leer, die erst eine spätere Hand ausfüllte; so ist beispiels- 
weise noch heute die Kehrseite des Blattes 51 ganz unbeschrieben. 

"*) a. a. 0. 217. 



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294 Julius Strnadt: 

scheinen keinerlei Thatsachen vorzuliegen , welche darauf 
schliessen lassen, dass für Passau in der zweiten Hälfte des 
10. Jahrhundertes eine Sicherstellung des Besitztitels für Zeisel- 
mauer und Umgebung nothwendig oder auch nur erwünscht 
gewesen sein sollte. Anders standen die Verhältnisse in späterer 
Zeit, als verschiedener Besitz streitig gemacht wurde und die 
Ansprüche des Hochstiftes ins Ungemessene wuchsen. 

VI. 

S. Florian und Linz. „Insuper etiam doranus et gen i- 
tor noster eidem contulerat Sedi Cellvlam sancti Floriani cum 
Hntzea." 

Nach diesem Passus müsste die Hintangabe der kleinen 
Zelle in S. Florian an Passau in dem Zeiträume von der Ein- 
verleibung Bajoariens in das Frankenreich bis zum Todesjahre 
des Bischofs Walderich d. i. zwischen 788 und 804 erfolgt sein. 
Diese Nachricht widerspricht allen feststehenden Verhältnissen: 
KlerikerrKongregationen gab es noch nicht, weil die Einführung 
dos kanonischen Lebens für die Weltpriester erst auf der Reichs- 
versammlung des J. 819 in Aachen beschlossen imd nur all- 
mählig durchgeführt wurde, Benediktiner aber haben in S. Florian 
niemals gewaltet; von einer Stiftung durch die Agilulfinger, als 
deren Rechtsnachfolger K. Karl mit der klösterlichen Ansiede- 
lung hätte verfügen können, wie er es beispielsweise mit dem 
S. Michaels Gotteshause in Mondsee gethan hat, meldet selbst 
die gefälschte Tradition nicht, weil ja das Kloster S. Florian seit 
dem ausgehenden Mittelalter den Anspruch erhob, das älteste 
Kloster des Landes und schon zu S. Severinus Tagen vorhanden 
gewesen zu sein. 

Der Schreiber dieses Passus bildete das Wort cellula oflFen- 
bar nach dem Ausdrucke cella in der Bestätigungsurkunde 
Kaisers Otto II. vom 22. Juni 976 (siehe Band VIII. 75) in die 
Vergangenheit entsprechend zurück, da ihm zweifelsohne die 
Kremsmünsterer Urkunde vom 1. April 888 (VIII. 69) verborgen 
blieb, in welcher S. Florian ein monasterium genannt wird. Der 
Mann hatte jedenfalls den Eugippius gelesen, welcher in der vita 
s. Severini (cap. XIX, XXII) dieses Wort für ein von wenigen 
Mönchen bewohntes Kloster gebraucht. 

Stihstisch auffallend ist die Verbindung der Oertlichkeit 



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Die Pasßio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 295 

Lintzea durch die Präposition cum mit der cella s. Floriani, als 
ob sie ein Zugehör von letzterer gewesen wäre, was niemals 
der Fall war; die zusammengeschobene Satzfügung und die 
durch nichts motivirte Bestätigung einer Vergabung Karls des 
Grossen an Passau in Bajoarien in einer Urkunde, deren Gegenstand 
die Zurückstellung widerrechtlich entzogenen Besitzes im vor- 
maligen Avarenlande ist, gibt der Vermuthung Raum, dass der aus- 
gefallene Hintersatz der Inquisition in den noch erhaltenen beiden 
Ausfertigungen: „ad praedictam sedem (oder ecclesiam) pertinere 
decrevimus" ursprünglich auch in der kürzeren Fassung vor- 
handen war, jedoch durch Rasur getilgt und an dessen Stelle 
dieser neue Passus gesetzt und die gedrückte Stilisirung durch 
Raummangel verursacht worden ist. 

Befremdend ist auch die eigenthümliche , unmotivirte Be- 
merkung, es sei der Verlust dieöer Erwerbung „partim ignavia 
cuiusdam huius sedis Pontificis" verursacht werden. Da 
zwischen Walderich und Reginhar (der in der archaisierenden 
Form Raginarius vorgeführt wird) nur Urolf (f 806) und Hatto 
(f 818) den bischöflichen Stuhl inne hatten, so müsste die — in 
ganz ungewöhnlicher Weise — behauptete Nachlässigkeit dem 
Bischof Hatto zur Last fallen, worüber keine urkundlichen Be- 
weise vorliegen. Wahrscheinlich hatte der Schreiber aufs Ge- 
ratewohl diese Behauptung aufgestellt. 

Was es mit Linz für ein Bewandtniss hat, habe ich theils 
im Bande VIIL 80, 105—106, theils unter Punkt I dieser Er- 
örterung erwähnt; Passau suchte gegen Herzog Friedrich IL 
von Oesterreich die Anerkennung der Lehenrührigkeit dieser 
Stadt vom Hochstifte durchzusetzen, was dem K. Piemysl 
Otakar gegenüber jedoch misslang, da wohl ein oberflächlicher 
Beobachter schon die Incongruenzen der Ausfertigung wahr- 
nehmen konnte, weshalb sie beim Ausgleiche eingezogen und 
vernichtet wurde, wogegen die beiden anderen Exemplare der 
Fälschung im bischöflichen Archive verblieben, da die Streitig- 
keiten, um deren willen sie geschmiedet worden sein werden, 
im Vergleichswege geebnet worden sind. 

Nach dem Eindrucke, welchen die Vergleichung der beiden 
Fassungen mit den correspondirenden Urkundengruppen hervor- 
bringt, hat das Hochstift Passau drei Exemplare der Fälschung 
bereit gehalten, die zwei der längeren Fassung zur Beweisführung 



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296 Julius Strnadt: 

über die in denselben beglaubigten Besitzansprüche, das dritte 
der kürzeren Fassung aber speziell zur Geltendmachiuig der 
Grund- und Lehenherrlichkeit über Linz benützt 

Meine Ansicht über die Unechtheit auch der kürzeren Fas- 
sung erhält nunmehr durch den diplomatischen Sachbefund des 
k. allgemeinen Beichsarchives (Anmerkung 197) auch in paläo- 
graphischer Richtung eine m. E. gewichtige Stütze. 

Die auf Grund der Uhlirz'schen Arbeit vorgenommene 
Untersuchung der beiden Ausfertigungen der längeren Fassung 
mit den im k. Reichsarchive verwahrten Originaldiplomen Otto's L 
und Otto's IL für Passau, mit dem Originaldiplora Otto's IL vom 

27. Juni 973 für Herzog Heinrich von Bayern, die Städte Bam- 
berg und Aurach betreffend (Stumpf Reg. No. 592), und mit 
den gefälschten Urkunden Karls des Grossen (Mühlbacher Reg. 
Imp. No. 290) und Amolfs (Böhmer Reg. Karol. 1141) hat näm- 
lich ergeben , dass die Schrift aller dieser Urkunden zweifellos 
einer und derselben Schreibschule angehört. Fraglich erscheint 
nur, ob wirklich die Uhlirz'sche Annahme, dass diese Urkunden 
alle und insbesondere auch die beiden Fälschungen vom 

28. Juni 823 von der Hand desselben Schreibers WC (Uhlirz 
a. a. 0. 181, 187) herrühren. Gerade die beiden letztgenannten 
weisen sowohl im Gesammteindruck als auch in der Bildung 
der einzelnen Schriftzeichen mannigfache Abweichungen auf: 
der ductus in der besiegelten Urkunde ist ziemlich unsicher, so 
dass es fast den Anschein gewinnt, als ob derselbe einer anderen 
Urkunde, die als Schrift vorläge diente, nachgezeichnet sei. Die 
unbesiegelte Urkunde, die sich von den anderen vorgenannten 
echten und gefälschten Diplomen auch durch die namhaft 
dünnere Beschaffenheit des Pergamentes wesentlich unter- 
scheidet, scheint übrigens früher — entgegen der Angabe 
Uhlirz's (S. 187) — doch besiegelt gewesen zu sein; das Per- 
gament zeigt, wenn man es nach Art der Ottonischen Urkunden 
zusammenfaltet, gegenüber dem eingeschnittenen Loche einen 
deutlichen Eindruck, welcher der Grösse des jetzt an der be- 
siegelten Urkunde befindlichen Siegels entspricht. 

Das Alter der Hände, welche die Kopie der längeren Fas- 
sung in die ältesten Passauer Kopialbücher eintrugen, konnte 
zwar nicht genau bestimmt werden. Doch lässt sich auf Grund 
der vom k. allg. Reichsarchiv angestellten Vergleichungen mit 



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Dio Passio s. Floriaui und deren Urkundeulalschungeu. 2^7 

einiger Sicherheit behaupten, dass der betreffende Eintrag auf 
Blatt 4 des sogenannten Liber copialis eccl. Patav. vetustissiinus 
(Passau Hochstift Litt. Nr. 7) die charakteristischen Merkmale 
der Bücherschrift des 12. Jahrhunderts zeigt. Die Schrift, in 
welcher die genannte Kopie auf Blatt 36 des sogenannten Codex 
traditionum alter (Passau Hochstift Litt. Nr. 2) und auf Blatt 41 
des Lonsdorfer Codex (Passau Hochstift Litt. Nr. 3) eingetragen 
ist, dürfte in das 13. Jahrhundert zu setzen sein. 

Bezüglich der Königsurkunde vom 18. Jänner 901 (900) und 
des sogenannten Stiftbriefes von S. Florian habe ich meinen 
Ausführungen im ersten Theile dieser Arbeit nichts weiteres 
beizusetzen "*). 



Wenn ich nach diesen vielseitigen und eingehenden Unter- 
suchungen die älteste Hausgeschichte des Klosters S. Florian, 
wie dieselbe in den letzten zwei Dritteln unseres Jahrhunderts 
im Hause selbst ausgebaut worden ist, als ein luftiges 
Gebäude von leeren Vermuthungen ohne quellen- 
mässigen Rückhalt und ohne logische Verknüpfung der That- 
sachen bezeichne, so glaube ich damit weder ein unbiUiges noch 
ein unrichtiges Urteil ausgesprochen zu haben. Zum Vergleiche 
lasse ich deshalb einen gedrängten, jedoch wortgetreuen Auszug 
aus der neuesten Stiftsgeschichte folgen *^^). 

„Kloster und Ortschaft verdanken ihre Entstehung dem 
heil. Florian, einem verdienten römischen Kriegsmanne, der in 
den Tagen Diocletians und Maximians unter dem Statthalter 
Aquilinus wegen standhaften Bekenntnisses des christlichen 
Glaubens im J. 304 in der Stadt Lauriacum nach verschiedenen 
Martern schliesslich in die Enns gestürzt wurde. Eine fromme 
Matrone zog den Leib, der an einen Felsen geschwemmt worden 
war, heraus und begrub ihn heimlich in S. Florian, 



*■*) Nur nebenbei bemerke ich, dass schon Meiller in seinen Baben- 
berger Regesteu es auffällig fand, dass die chronologischen Daten in allen 
Urkunden, welche die Befreiung S. Florians von der Landgerichtsbarkeit 
betrefTen, fehlerhaft sind, sowie dass der läagst verstorbene Graf Otto 
von Clamme in den beiden Urkunden vom 8. August 1212 (1213) als Zeuge 
geführt wird. O.-ö. U.-B. II. 553, 556. 

'•*) Czerny , Kunst und Kunstgewerbe im Stifte S. Florian", Linz 
1886, S. 1-18, dann 45. 



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298 Julius ötrnadt: 

als dem ihr vom Heiligen selbst in einer Vision angezeigten 
Orte. Die erste urkundliche Erwähnung des Heiligen 
und zugleich seiner Grabstätte taucht in den ersten 
Dezennien des achten Jahrhunderts auf. Der Wanderbischof Otgar 
hält zu Puche, wo der kostbare Märtyrer Florianus dem Leibe 
nach ruhte, eine Versammlung mit den Gläubigen ab. Darauf 
treffen wir ihn in den ältesten Martyrologien z. B. dem vom 
Kloster Gellon, älteste Handschrift um 804, und den darauf- 
folgenden bis in die Mitte des neunten Jahrhunderts, in manchen 
nicht blos mit der einfachen Namensnennung, sondern mit der 
Bezeichnung der näheren Umstände seines Todes. Die älteste 
noch vorhandene schriftJiche Aufzeichnung seiner Martyrerakten 
findet sich in einem Codex S. Emmerami aus dem neunten Jahr- 
hundert, den Hieronymus Pez abdruckte und dem zehnten Jahr- 
hundert beilegte, jetzt in München und dem neunten Jahr- 
hundert vindicirt. Eine andere lückenhafte Handschrift aus 
dem neunten Jahrhundert besitzt das Kloster Lambach. Die 
Kirche S. Florian bei Schärding ist schon unter 
Karl dem Grossen unserem Heiligen geweiht 
worden (o.-ö. U.-B. 1. 450 Nr. 21 u. 22). Noch viel früher 
wurde von Bischof Wichterp von Augsburg, der 
ein Zeitgenosse des heil. Bonifacius war , eine Kirche in 
der Ehre der Gottesmutter und des heil. Märtyrers 
Florian eingeweiht (Canisius Lect. antiquae ed. Basnage 
Band I. 667). Aus dem neunten Jahrhundert ist ein Freisinger 
Missale vorhanden, in welchem eine eigene Messe von ihm 
angesetzt ist (Friedrich, Kirchengeschichte Deutschlands I. 201). 
Der Ruf des Märtyrers hatte übrigens damals, als Bischof Otgar 
eine Versammlung ad puoche „bei den Buchen ** abhielt, 
die Bezeichnung des Ortes nach seiner natürlichen Beschaffen- 
heit, dem dichten Buchenwalde, noch nicht verdrängt. Eine 
Kirche oder Kapelle muss schon bestanden haben, denn man 
kann sich einen als kostbar erklärten Märtyrerleib nicht im ein- 
samen Walde ohne schützendes Obdach und unbewacht vor- 
stellen. Dass damit eine klösterliche Niederlassung 
verbunden war, ist höchst wahrscheinlich, wenn wir 
uns an den ausserordentlichen Wert erinnern, den man der 
irdischen Hülle der Märtyrer damals beilegte, und an den Eifer 
denken, mit welchem z. B. Bischof Rupert von Salzburg an der 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 299 

Errichtung eines Klosters bei der Grabstätte des heil. Maximilian 
(jetzt Bischofhofen) arbeitete. Es hatte demnach der Leib 
des heil. Florian die Stürme und Verheerungen der 
Völkerwanderung überdauert. Das Schweigen der 
Vita Severini über den Märtyrer findet darin seine Erklärung, 
dass der Autor Eugippius gar keine erschöpfende Darstellung 
des Lebenslaufes seines Meisters geben will; ihm kommt es nur 
darauf an, einige Beispiele anzuführen; er schöpft auch durchaus 
nicht aus eigener Erfahrung, so wenig er den heil. Severinus 
auf allen Reisen und Ausflügen begleitet hat, er gibt häufig 
nur wieder, was ihm Aeltere aus ihren Erfahrungen mittheilten. 
Dass nicht alle zurückgebliebenen Bewohner Noricums von 
den Keulen der Alemanen erschlagen wurden, geht unzweideutig 
aus dem Umstände hervor, dass das Hochstift Salzburg in seinen 
Flurbüchern aus dem achten Jahrhundert zahlreiche von 
Romanen bewohnte Höfe im Traungau zählte. Viele 
Ortschaften leiten ihre Namen von den Walen d. i. den Romanen 
her (Walling, walhelingen, wahliagin und Hausname Wallerstorf = 
Walchenstampf in der Pfarre S. Florian). Die Zurückgebliebenen 
hatten Verstecke genug, um den Abzug der Barbaren abzuwarten, 
die sich in dem schmalen zwischen der Donau und unbekannten 
Wäldern eingezwängten Theile des Traungaus aus Mangel an 
Lebensmitteln unmöghch lange halten konnten. Wir wissen ja 
aus dem Leben Severins, dass das alemanische und thüringische 
Raubgesindel aus eben diesem Grunde die Belagerung von Enns 
aufgeben musste. Der Zwischenraum zwischen dem Jahre 480, 
wohin der Abzug des grössten Theils der Bewohner Noricums 
zu versetzen ist, und 488 — 520, in welchem man die Einwande- 
rung der Bajuwaren annimmt, ist kein so grosser, um an der 
Erhaltung und dem Fortkommen einzelner Romanen zu zwei- 
feln. Durch diese den Wogen der Völkerwanderung aus- 
weichenden Provinzialen konnte der kostbare Schatz des 
heiligen Leibes in den Wäldern verborgen oder als sicheres 
Schutzmittel in ihre Verstecke mitgenommen worden 
sein, um bei Eintritt grösserer Ruhe an den alten Ort zurück- 
zukehren. Ist ja auch der Leib der frommen Valeria, 
welche den standhaften Glaubenshelden in der Tiefe des 
Buchenhaines begrub , durch alle Jahrhunderte 
bis auf unsere Tage erhalten worden. 



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300 Julius Starnadt: 

Wir haben uns das Kirchlein, welches den Leib des 
Heiligen barg, nach der Sitte der Zeit kaum anders als von 
Holz zu denken ; es war in eine tiefe Schlucht hinein- 
gebaut. Allerdings genügte der Begräbnissplatz so am best.en 
dem ursprünglichen Zwecke, das Grab gegen Späher und unbe- 
rufene Wandler möglichst sicher zu stellen. Da der Ort ziem- 
lich nahe an der Grenze lag, wird er kaum immer den jenseits 
der Enns hausenden Avaren unbekannt gehHeben sein, welche 
die an der Grenze liegenden Orte im achten Jahrhundert zu 
Zeiten durch ihre Streifzüge verheerten. 'Eine dauernde Er- 
oberung am diesseitigen Ennsufer haben sie aber nicht gemacht; 
das zeigt der Umstand, dass der heil. Rupert auf seinen Missions- 
reisen in Lorch Krankenheilungen vornimmt und dass beim 
Beginne des grossen Peldzuges gegen die Avaren im J. 791 
dasselbe Lorch als bestehender Flecken (Oppidum) mehrfach 
erwähnt wird. 

Wir lesen, dass Karl der Grosse das Klösterlein S. Florian, 
sowie dasjenige des heil. Martin in Linz dem Bischof von Passau 
ins Eigenthum übergeben habe. Es war gewiss ein grosser 
Gedanke, den Heiligen des wiedereroberten Noricums und Pan- 
noniens, den tapferen römischen Kriegern Florian und Martin 
Kirchen aufzurichten und lebensfähig zu machen. In einem 
andern Sinne wird wohl eine Uebergabe aus den 
Händen des grossen Kaisers nicht zu verstehen sein. Er 
war übrigens nicht der eigentliche Gründer der Kirche und 
des Klosters, indem die ältesten Ueberlieferungen, 
welche in der Sti ft ungsu rkun de Altmanns nieder- 
gelegt sind, besagen, dass der Beginn des Klosters von den 
Stiftungen der ältesten Bewohner des Lorchgaues herrühre. 

Kaiser Ludwig der Fromme nannte den bescheidenen Bau, 
welcher sich über dem Grabe des heiligen Florian wölbte, eine 
cellula. Cella war ein kleines Kloster, oft nur von drei bis 
vier Personen, welclie von einem grösseren oder dem Hochstifte 
selbst, wo ja auch die Canoniker klosterraässig beisammen lebten, 
abhängig war. Die Frage, ob Benediktiner oder Canoniker die 
cella des heil. Florian bewohnten, ist durch eine Urkunde vom 
J. 900 beantwortet, in welcher ein Graf Günther ein Besitzthum 
zwischen der Enns und Erlaf dem heil. Florian und der Gemeinde 
der Cleriker, welche dort Gott dient, vergabt. 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 301 

Die Cella S. Floriani verräth im Laufe des neunten Jahr- 
hunderts von Zeit zu Zeit ihre Existenz und gibt Zeichen fort- 
schreitender Entwickelung. Im J. 819 setzte der Aufstand des 
Slavenfürsten Liudewit auch Abtheilungen des bayerischen Heer- 
bannes in Bewegung und nach dem Peldzuge schrieb 
einer der Kapläne im Heere Kaiser Ludwigs zu 
S. Florian seine Heiligenlegenden, die er im alten 
Hunnenlande begonnen , zu Ende. Im J. 823 bestätigt Ludwig 
der Fromme dem Hochstifte Passau gewisse Schenkungen seines 
Vaters, darunter auch die cella S. Floriani. Um die Mitte 
des Jahrhunderts tauschen die Brüder das Pfarrrecht 
und den Pfarrzehent vom Bischof Hartwich von 
Passau gegen 10 Hüben, an der Ipf gelegen, ein. Im 
J. 888 hält sich Kaiser Amulph im Kloster S. Florian auf und 
bedenkt das nahe Kremsmünster mit einer Schenkung. Am 
19. Jänner 901 schenkt der Kaiserdie neu erbaute Ennsburg dem 
dem heil. Florian, auf diesem Hoftage zu Regensburg 
geschieht des Leibes des heil. Florian das letzte Mal 
Erwähnung. Um seine Bitte wegen Ueberlassung der neu- 
erbauten Ennsburg an das schwer heimgesuchte Stift zu unter- 
stützen, führt Bischof Richarius an, dass es die hochheilige 
Stätte ist, an welcher der Leib des seligsten Märtyrers zur Ver- 
ehrung der Gläubigen bestattet ist (locus in quo beatissimi 
martyris corpus venerabiliter humatum est). Gleichwohl 
rauss man gestehen, dass der Leib von da an nicht 
mehr in Urkunden erscheint, obschon der Glaube, erliege 
irgendwo im Stifte oder in der Kirche verborgen, sich durch 
das ganze Mittelalter erhielt. Graf Gunthari 900 thut auf- 
fallender Weise des Leibes oder Grabes S. Florians 
keine Erwähnung mehr, während er doch in derselben 
Urkunde anlässlich einer Vergabung an die Kirche 
zu Lorch der dort befindlichen Reliquien des heiligen 
Laurentius gedenkt. 

Am 17. Juni 907 bestätigt K. Ludwig das Kind zu S. Florian 
dem Bischof Burkard von Passau den Besitz von Oetting. 
Dümmler (Piligrim 65) erklärt die Urkunde interpolirt auf echter 
Grundlage; uns kommt es nur auf den Ausstellungsort 
an und diesen findet er im Einklänge mit den Zeitereignissen. 
Das Kloster wurde wahrscheinlich noch im selben Jahre aufs 



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302 Julius Strnadt: 

neue verwüstet. Die Pfarrrechte der Klosterherren gehen wieder 
verloren. Die Bischöfe Gumpold und Gerhard müssen sich 
gegen die geknickte Pflanzung hilfreich erwiesen haben, denn 
Propst Heinrich II. (1313—1321) führt sie in seinem Messbuche 
unter denen auf, deren er sich im andächtigen Gebete bei der 
Messe erinnern will. Bischof Adalbert (946—970), dessen An- 
strengungen zur vollen Wiederherstellung des Stiftes Bischof 
Altmann rühmend hervorhebt, verlieh den Brüdern in der 
Zeit zwischen 946 und 955 aufs neue Pfarrrecht und Pfarr- 
zehent gegen Aufgabe der festen Ennsburg in seinen 
Besitz, allein neue Einfälle und die Zerstörung des aufstreben- 
den Gotteshauses brachten neue Verwirrung in die Besitzver- 
hältnisse, abermals wurde die Pfarre vom Stifte getrennt, die 
Pfarrzehente rissen die Landherren gewaltthätig an sich. Das 
Kloster wurde nie bis zum Erlöschen vernichtet. Häuser von 
Holz sind bald wieder aufgebaut, auch versagte nicht 
Bischof Adalberts hilfreiche Hand. Im J. 976 bestätigt 
Kaiser Otto II. dem Bischof Piligrim den herkömmlichen Besitz 
der Cella S. Floriani. Im J. 1002 spricht Kaiser Heinrich II. 
noch immer von der grossen Dürftigkeit der Brüder, von de« 
Wohlthaten, welche er in früheren Zeiten (olim) den Brüdern 
erwiesen; unmöglich Hesse sich auch eine sogrosse 
Verehrung, wie sie hier der Kaiser und seine 
Gemahlin genossen, aus dem Geschenke einer 
einzigen Hube erklären. Dieser Zustand dauerte auch 
noch unter Bischof Engelbert (1045—1065) fort, der sich nach 
Altmanns Ausspruch der verlassenen Kirche annahm, aber 
wegen der unaufhörlichen Bedrängnisse seiner Diöcese durch 
die Barbaren die Sache nicht nach Herzenswunsch ausführen 
konnte. Wenn auch die Stiftungsurkuude Bischofs 
Altmanns von 1071 manche Unregelmässigkeiten enthält 
und in der gegenwärtigen Form nicht von Altmann herrührt, 
so enthält sie doch gesammelt die ältesten Nach- 
richten über S. Florian, welche durch Notizen, in 
Nekrologen, Urkunden, Chroniken, Legenden, die 
in das zwölfte und eilfte Jahrhundert hinaufreichen, 
theils bestätigt, theils ergänzt werden. 

Der grosse Mühlstein, welcher in der Hinterwand der 
Vorhalle der Krypta eingemauert ist, wurde laut der Inschrift 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 303 

unterhalb anno 1722 im Kreuzgange tief unter der Erde frei- 
liegend gefunden und in demjenigen verrau th et, welcher 
den heil. Florian in die Tiefen der Enns ziehen 
sollte." 



Hiermit schliesse ich. Nur bestrebt, in meiner Entgegnung 
die Beweiskraft der von mir aufgebotenen Gründe zu verstärken 
und die Darstellung durch Erweiterung und Abrundung noch 
überzeugender zu gestalten, glaube ich streng bei der Sache 
geblieben zu sein, so nahe auch oft die Versuchung herantrat, 
auf oflFenes gegnerisches Gebiet hinüber zu streifen : denn nicht 
zu verletzen, sondern der geschichtlichen Wahrheit zum Durch- 
bruche zu verhelfen, war das bei allen meinen Arbeiten unab- 
lässig im Auge behaltene höhere Ziel. Ob es mir gelungen, 
eine mit persönlichen Invektiven durchsetzte Vertheidigung alt- 
hergebrachter Vorstellungen mit Erfolg zurückzuweisen, darüber 
lege ich die Entscheidung getrost in die Hände objektiv ab- 
wägender Gelehrter. Unebenheiten in der Darstellung werden 
gütige Leser milde beurtheilen, wenn sie erfahren, dass die 
Arbeit in den geringen Mussestunden zustande kam, welche 
mir nach einer täghchen acht- bis neunstündigen Berufsthätig- 
keit verblieben ist. 

Kremsmünster, am 20. Februar 190 

Julius Strnadt. 



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304 Julius Stniadt: 



Nachträge. 

Zur Widmung (S. 176). Dem Gedächtnisse des grossen 
deutschen Forschers Felix Stieve, der sich durch objektive Dar- 
stellung des Verzweiflungskampfes unserer Bauern um Ober- 
österreich unvergängliches Verdienst erworben, mir und meiner 
Gattin als persönlicher Freund nahegestanden, ist der erste 
grundlegende Theil meiner Arbeit geweiht; der zweite abschlies- 
sende dem Andenken meiner geist- und gemüthvollen Lebens- 
gefährtin Antonie, geborenen Taferner aus Peuerbach, welche 
mir ein unabwendbares Verhängnis am 15. Juni 1900 entriss. 
Die Widmung entspringt nicht blosser Pietät des trauernden 
Wittwers, sie hat auch ihre volle sachliche Berechtigung. Eine 
sorgsame Hausfrau, selbstlose Gattin und Mutter, von Natur aus 
begabt mit weitschauendem Blick, scharfer Urtheilskraft und 
einem x\del der Gesinnung, welchen auch Undank und Untreue 
nicht zu ändern vermochten, ist mir die HerrHche während der 
der unsagbar glücklichen Tage unseres Herzensbundes bei allen 
geistigen Bestrebungen treu zur Seite gestanden, der Genius 
meines Lebens, die verständnissvolle Genossin meiner Arbeiten, 
wenn sie auch, ihr Glück im Hause findend, niemals in die 
Oeffentlichkeit trat. Bis zum Beginne der Todeskrankheit hat 
sie den Ergebnissen der Quellenkritik zur Passio s. Floriani ihre 
rege Aufmerksamkeit zugewandt: möge die Widmung ihr in 
der Gelehrtenwelt ein ehrenvolles geistiges Denkmal sichern, 
dauernder als der Granit auf dem stillen Dorffriedhofe von 
Kirchberg I 

Zu Seite 208 bis 209. Der daselbst aus der Mon. boic. 
gegebene Abdruck ist bis auf einige Kleinigkeiten mit der Ein- 
tragung im Codex tradit. patav. antiq. gleichlautend. Die ge- 
ringen orthographischen Differenzen sind folgende: 

Codex tr. p. ant. fol. 18. Abdruck in Mon. boic. 

anime mee animae meae 

basilice basilicae 



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Die Passio s. Ploriani und deren Urkundenfälschungen. 305 

trungouue Trungouuae 

otkario Otkario 

possesio possessio 

erchanfrido Erchanfrido 

Deothoc Deothoh. 

Die in Frage kommende Stelle lautet mit den Abkürzungen : 

In ea uo die manentibus otkario uocäto epö una cü filibus 
suis in loco nuncupante adpuoche. ubi precios mär florian corpore 
requiescit. 

Zu Seite 216. Das auf S. 67 Anm. 144 in Bd. VIII d. Z 
erwähnte Urbar von Mondsee (Anno doniini millesimo quadringen- 
tesimo decimo sexto VII "»^ Kl. mensis July sub venerabili patre 
ac domino Johanne dei gracia abbate Monastery in Maensee 
innouatus est iste Über continens omnes redditus eiusdem 
monastery in hunc modum), das mir heuer zu den Arbeiten 
für den historischen Atlas der österreichischen Alpenländer zu 
Gebote gestellt worden ist, verzeichnet im Traungau keine 
Besitzungen mehr östUch von der Traun, sondern nur solche 
um Schönau bei der Tratnach (Seruitium villicorum in Traun gae 
Pol. 60, dann um Oftering, Absperg und Pachhaim (Seruicium 
villicorum in inferiori Trungae Fol. 61') und die Lehen der edlen 
Leute (darunter „die vesst zu Tegernpach", sowie den Sitz 
zu Preyling Fol. 65'). Des Besitzes in der jetzigen Stiftspfarre 
S. Florian muss sich daher das Kloster frühzeitig entäussert- 
haben. 

Zu Seite 240. Die Filialkirche S. Florian in Stadibach, 
Pfarre Feistritz, Decanat Unterdrauthal ist im Schematismus von 
Gurk nicht ausgewiesen; die Plorians-Schlosskapelle in Tanzen- 
berg existirt nicht mehr. (Mittheilung Herrn August v. Jaksch.) 

Ueber das Alter des Floriankultus. Von Dr. Bernhard 
Sepp (Separatabdruck aus den Beilagen Nr. 47, 48 u. 49 zur 
,,Augsburger Postzeit\mg". 24 Seiten. Augsburg, 1900, Druck 
von Haas & Grabherr). 
Das durch verschiedene Umstände hervorgerufene langsame 
Portschreiten der Drucklegung des zweiten Theiles meiner Arbeit 
über die Passio s. Ploriani und ihr Gefolge von Urkunden- 
fälschungen — sie ist die letzte in der Reihenfolge und der 
erste Korrekturbogen S. 176 kam am 6. Juli 1900 zu meinen 

Arohiyalisohe Zeitoohrift. Neue Folge IX. 20 



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306 Julius Strnadt: 

Händen — hat offenbar die Geduld des Herrn Professors Sepp 
erschöpft. Begierig, den Streit mit Einem wuchtigen Schlage 
zu enden, mochte er die verspätete Ausgabe des IX. Bandes der 
Archivalischen Zeitschrift nicht abwarten, obwohl ich unmittelbar 
nach dem Bekanntwerden seiner Recension schon am Christ- 
abend 1899 in der Beilage der „Augsburger Postzeitung" meine 
Erwiderung in sichere Aussicht gestellt, die Leser aber wegen 
der langsameren Erscheinungsweise der Fachzeitschriften um 
einige Geduld gebeten hatte, obwohl ich auf diese Entgegnung 
am 15. Juli 1900 in der „Kölnischen Volkszeitung*^ ausdrücklich 
verwiesen halte, als mir an diesem Tage ein Exemplar dieses 
politischen Tagblattes, welches den Nachruf des Prälaten Adolf 
Franz in Gmunden an Albin Czerny (f 7. Juli 1900), mit Blau- 
stift angestrichen, enthielt, ganz unerwartet und unbestellt unt^jr 
Kreuzband zuging. Dr. Sepp hat sich beeilt, das Rüstzeug, 
welches ihm nach der publicistischen Versicherung des Prälaten 
Franz von dem dahingeschiedenen Haushistoriker von S. Florian 
zur Abwehr gegen meine „willkürlichen" Behauptungen zuge- 
stellt worden war, sofort zu benützen und abermals in Waffen zu 
erscheinen. Den Sonderabdruck seiner Auslassungen, welche 
„dem Andenken P. Albin Czerny's gewidmet" sind, sandte mir 
am 9. Oktober eine unbekannte Hand aus München zu. 

„Nichts Heiliges ist mehr, es lösen 
Sich alle Bande frommer Scheu. 

So möchte man mit dem Dichter ausrufen, wenn man die 
Verheerungen betrachtet, welche die negative Kritik unserer 
Tage unter den ältesten imd bewährtesten Legenden anrichtet. 
Nichts entgeht ihrer Verfolgungswuth. Weder der Tag, 
noch der Ort des Martyriums, den die Ueberlieferung angibt, 
soll mehr gelten, j a nicht einmal die Person des Heiligen 
bleibt unangetastet.** 

Mit diesen emphatischen Worten bricht sich Herrn Sepps 
Entrüstung über den „dreisten" und „nichtswürdigen" Versuch, 
die Passio als eine „Geschichtsfabel" hinzustellen und „von 
einem frommen Betrug zu reden'*, Bahn mit elementarer Gewalt. 
Nicht minder gehoben lautet der Schluss seiner vermeintlichen 
Abfertigung: „Ich (Sepp) rufe ihm (Strnadt) daher nach den 
wohlverdienten Zurechtweisungen, die ich ihm zu Theil werden 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 307 

lassen rausste, nochmals ein kräftiges hands off! zu/ Wenn 
die Chorherren von S. Florian, welche nach dem, was die »Köl- 
nische Volkszeitung ** verrieth, Herrn Sepp zur Vertheidigung 
ihres Klosterheiligen und der Echtheit der von mir als Fäl- 
schungen angefochtenen bischöflichen und Haus-Urkunden be- 
stellt haben, es darauf abgesehen gehabt hätten, mich statt mit 
Gründen — mit Schmähungen und Verdächtigungen zu be- 
kämpfen und auf diese Weise von der Fortsetzung der Quellen- 
kritik abzuschrecken, dann Haben sie mit dieser Wahl den 
richtigen Mann getrofiFen. Würde ihr Paladin seine Ungeduld 
loszuschlagen nur noch vier Wochen gezügelt haben , so 
wäre ihm präcise Antwort auf seine sämmtlichen Einwürfe, 
sowie über die Herkunft und die Verbreitung des Cultus des 
heil. Florian eine weit eingehendere und sorgfältiger ausge- 
arbeitete Zusammenstellung, als die seine ist, vorgelegen; dem 
Andenken Czerny's dagegen wäre die Verunglimpfung durch 
eine völlig unmotivirte Attaque auf einen längst zum Worte 
Gemeldeten erspart geblieben. 

Die Flugschrift, welche wie die erste Dr. Sepp jedem geist- 
lichen Hause in zwei Exemplaren zugehen Hess, bedarf keiner 
Erwiderung. Denn sie enthält keine neuen Belege und Gesiclits- 
punkte und die Widerlegung der unablässig wiederholten alten 
Einwendungen, ja noch viel mehr finden die Leser in meinen 
vorstehenden Auseinandersetzungen; wollen sie aber die Ver- 
wilderung des Tones und die Gehässigkeit einzelner Anhänger 
der sogenannten Legendenschule kennen lernen, so mögen sie 
sich einen Abdruck der zweiten Expektoration Sepps verschaffen, 
was nicht schwer fallen wird. 

Auf persönliche Invektiven einer Schrift, welche das Gepräge 
eines Pamphlets nicht verleugnen kann, irgend etwas zu erwidern, 
halte ich unter der Würde eines ernsthaften Forschers; es ge- 
nügt mir, zu wiederholen, was Papst Leo XIII. in der Encyclica 
an den französischen Klerus am 16. September 1899 aussprach: 
„Der Lüge bedarf Gott nicht." Der denkende katholische Klerus 
wird sich durch die Rodomontaden eines übereifrigen Laien in 
der Erkenntnis der Wahrheit nicht beirren lassen. 

Mit welcher Willkür Sepp mit dem Alter der Handschriften 
umspringt, je nachdem er es braucht, zeigt der Umstand, dass 

20* 



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30Ö Julius Stmadtt 

er in Anmerkung 18 (Seite 20) seiner zweiten Flugschrift den 
Münchner Codex Clm 15818 wieder saec. IX. geschrieben sein 
lässt, nachdem er ihn in der ersten saec. VIII/IX. angesetzt 
hatte; sein Citat ist aus dem zweiten Theile des Codex, von 
anderer Hand geschrieben und gehört nach dem Befunde Herrn 
Professors Chroust in die zweite Hälfte des IX. Jahrhundertes. 
Ich verweise hierüber auf Seite 205 bis 206, wo dieses Gut- 
achten abgedruckt ist. 

Nach solchen Proben Sepp'scher „wissenschaftlicher" Arbeit 
glaube ich der Billigung der Fachwelt sicher zu sein, wenn ich 
weitere Kundgebungen seinerseits nicht mehr beachte. 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 309 



Inhalts-Uebersicht. 

I. Charakteristik der Becension Dr. Bernhard Sepps. 

(S. 176 bis 184.) 
Näherer Anlass zu meiner quellenkritischen Untersuchung: 
Anzeige des Befundes Dr. Bruno Krusch's über die Unechtheit 
der Passio s. Floriani in der wissenschaftlichen Beilage zur 
Münchner „Allgemeinen Zeitung", Emanationen der publicisti- 
schen Organe des Erzbischofs von Salzburg und des Bischofs 
von Linz, Widerspruch Professors Dr. Bernhard Sepp in der 
Beilage zur ,, Augsburger Postzeitung'*, Veröffentlichung meiner 
Untersuchung im VIII. Bande der Archivalischen Zeitschrift 
(S. 176 bis 179). Recension der letzteren durch Dr. Sepp in 
der „Augsburger Postzeitung" vom 11. November bis 6. Dezem- 
ber 1899. Zurückweisung einer unwahren Unterstellung Sepp's 
S. 179 bis 182). Gegenüberstellung der Methode des Verfassers 
und jener Dr. Sepp's d. i. der modernen Kritik und der Legenden- 
schule (S. 182 bis 184). 

II. Einleitung. 

Ueber die Passio s. Floriani und deren Entstehung. 

(S. 185 bis 203.) 

Geringe Zuverlässigkeit der neuesten Ausgabe des Martyro- 
logiurn Hieronymiamura in den Act. Sanctorum. Abriss der Fort- 
setzung der Polemik zwischen Duchesne und Krusch über die 
Unechtheit der Passio (S. 185 bis 188). Beantwortwortung der 
Einwürfe Sepp's; der bisher nicht edirte codex Sangallensis 
gehört der Recension A an, Abweisung der Versuche Sepp's, in 
der Weissenburger Handschritt den Namen Petrus vor Florianus 
zu setzen und aus der überlieferten Passio „die reine unver- 
fälschte Gestalt" derselben herzustellen (S. 188 bis 189). Nach- 
weisung der späten Entstehung des von diesem Apologeten als 
^uralt" bezeichneten Martyrologs von Auxerre (S. 189 bis 190). 



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310 Julius Stroadt: 

lieber das abweichende Todesdatura im Sangallensis; Zurück- 
weisung einer falschen Unterstellung vermöge Ausnützung eines 
offenkundigen Schreibversehens durch Sepp (S. 190 bis 192). 
lieber die Lokalisirung der einzelnen Heiligen des Namens 
Florian. Ein Plorianus zu Rom, ein Plorianus mit sechs Brüdern 
im Kloster S. Medard-Soissons (S. 192 bis 195). Zunehmende 
Reliquien -Verehrung und Sucht, sich Rehquien auf jedem Wege 
zu verschaffen; Beispiele. Verzeichnisse von Reliquien im Stifte 
S. Florian und in Mönchsmünster (S. 195 bis 196). Der Grabstein 
der Valeria, durch fast ein Jahrtausend unbeglaubigt, aller 
Wahrscheinlichkeit nach erst ein Erzeugniss des dreizehnten 
Jahrhundertes. Bis in das späte Mittelalter in den Quellen keine 
Nachricht darüber, dass der Märtyrer an der Stätte des heutigen 
S. Florian ruhe; einer solcher Annahme widerspricht sogar die 
Fassung der Legende (S. 197 bis 202). Die Schnelligkeit der 
Mythenbildung durch ein Beispiel aus unserem Jahrhunderte 
erläutert (S. 202 bis 203). 



III. Erster Abschnitt. 

Prüfung jener Nachrichten* und Urkunden, welche 
für eine ununterbrochene Verehrung des heiligen 
Florian und für den vorkarolingischen Bestand des 
„alten" Klosters S. Florian zu sprechen scheinen, ~ 
Das testimonium ex silentio. 
Die Gesta s. Hrodberti und das wahre Alter der von Sepp 
in „saec. VIII/IX** gesetzten Münchner Handschrift Clm 15818 
(S. 204 bis 205). Sepp's Einwendungen gegen die Bestimmung 
des Zeitalters der Bischöfe Erchanfrid und Otkar und deren 
Reihung unter die Passauer Chorbischöfe (S. 205 bis 208). 
Ergebniss der diplomatischen Untersuchung der überlieferten 
Form der Tradition des presbyter Reginolf: dieselbe besteht 
aus zwei verschiedenen Beurkundungen zweier zeitUch aus- 
einander liegenden Handlungen, der carta antiquae traditionis 
und der epistola firmationis, welche mit Weglassung ganzer 
Urkundentheile in Eine Beurkundung zusammengezogen und 
durch eine selbstständige Erzählung des Kopisten, in welcher 
der Passus: ubi preciosus martyr Florianus corpore requiescit 
eingeschaltet ist, mit einander verbunden sind. Durch diese 



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Die Pasßio s. Florian! uad deren Urkundenfälschungen. 311 

Feststellung verschwindet auch die einzige scheinbare Beglau- 
bigung der Grabstätte des Heiligen (S. 208 bis 212). Die Chor- 
bischöfe unter den Karolingern und ihr Wirkungskreis. Erchan- 
frid und Otkar handeln in Vertretung des Diöcesanbischofs, 
auch in der zeitweilig verwaisten Bischofstadt, und sprechen 
folgerichtig von früheren Bischöfen als Vorgängern des episcopus 
Ordinarius. Die verschiedenen Oertlichkeiten Buch auf dem 
Wege von der Ostmark herauf nach Passau. Die These „das 
Alter des Cultus eines Heiligen ersetzt den Nachweis seiner 
Existenz*' auf Florian us von Lauriacum nicht anwendbar, weil 
gerade um seine angebliche Grabstätte bis zum J. 829 die vor- 
herrschende Verehrung des Erzengels Michael ununterbrochen 
bezeugt ist (S. 213 bis 217). Aventins Handschrift von 
Mönchsraünster. Beschreibung der Handschrift 8216 — 18 
in der königl. Bibliothek zu Brüssel, ihre Schicksale. Unter- 
suchung über die Gründung von Mönchsmünster, 
dasselbe ist keine agilulfingische Stiftung, war ursprünglich ein 
Collegiatstift (Schwaig) und wurde erst um das J. 1120 in ein 
ßenediktinerkloster umgewandelt. An Hand des kritischen Appa- 
rates der zweiten Auflage der Karolinger Regesten (Regesta 
Imperii I) wird nachgewiesen, dass die Einführung des canoni- 
schen Lebens erst auf der Aachener Reichsversammlung des 
Jahres 819 beschlossen wurde, weshalb die Beziehung des 
Ausdruckes apud s. Florianum auf das Stift S. Florian ausge- 
schlossen ist (S. 217 bis 225). Die Handschrift 8216—18 wurde 
von einem geistlichen Schreiber aus der karolingischen Mark 
Friaul angefertigt, und zwar von einem hervorragenden Mitgliede 
des Metropolitankapitels von Cividale, das „apud s. Florianum** 
der Handschrift ist, nach allen Umständen zu schliessen, die 
Florians-Pfarrkirche in Gagliano nächst Cividale. Belege hier- 
für aus Jahrbüchern und Urkunden (S. 225 bis 233). Wechsel- 
beziehungen zwischen Bayern und Friaul im Mittelalter (S. 233 
bis 235). Ueber die Herkunft und das Verbreitungs- 
gebiet des Cultus des heiligen Florian. Florians- 
kirchen in den Diöcesen Udine-Aquileja (S. 236 bis 239), Con- 
cordia (S. 237), Görz (S. 237 bis 238), Triest (S. 238), Laibach (S. 239), 
Lavant (S. 239 bis 240), Gurk (S. 240), Brixen (S. 240 bis 241), 
Trient (S. 241), Belluno und Feltre (S. 242), Ceneda (S. 242), 
Treviso (S. 242), Padua (S. 242), Vicenza (S. 242), Verona [mit 



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312 Julius Strnadt: 

Excurs über S. Floriane im Val di Policella] (S. 242 bis 245), 
Mantua (S. 245 bis 246), Adria (S. 246), Reggio Emilia (S. 246), 
Seckau (S. 246 bis 248), Salzburg (S. 248 bis 249), Linz [mit 
Ausführungen über die Urkundenfälschungen betreffend die 
Kirchen Wallern, St. Marienkirchen, S. Michael und Spitz in der 
Wachau] (S. 249 bis 252), S. Polten (S. 252), Wien (S. 252 
bis 253), Passau (S. 253 bis 254), München-Freising (S. 254 
bis 255), Augsburg [mit Exkurs über die vita s. Magni und 
deren Erfindung] (S. 255 bis 260), Regensburg (S. 256 bis 260), 
Eichstätt, Bamberg und Chur (S. 260 bis 261). Karte der 
Florian us-Patroc in ien und der Umgebung von Cividale 
(S. 262). Der heilige Florian von Krakau; die Auf- 
zeichnungen über die translatio desselben (S. 262 bis 264). 
Excurs über die Geschichtsfälschung in der Legende des 
polnischen National heiligen Stanislaus Sczepanowsky 
(S. 264 bis 270). Vergleichung des Verbreitungsganges des Cultus 
des heil. Rupert und des heil. Florian (S. 269 bis 271). Heran- 
ziehung der Calendarien der einzelnen Diöcesen, insbesondere 
jener von Passau, über den Grad der Verehrung des heiligen 
Florian im Mittelalter (S. 271 bis 272). Zusammenfassung der 
aus der Untersuchung über die Patrocinien gewonnenen ge- 
sicherten Ergebnisse: die Verehrung des heil. Florian ist im 
Sprengel des Patriarchates von Aquileja zu Hause und erst 
nachträglich über die Alpen verpflanzt worden, der Norden 
adoptirte des Schutzherrschaft des Heihgen gegen das Feuer, der 
Süden die bajoarische Passio (S. 273 bis 274). üie angebliche 
ältere Legende von S. Florentius (S. 274 bis 275). Ueber die 
Traditionen der Frauen Liutswind und Brunhilde an den heil. 
Florian; die Pfarrkirche S. Florian am In ist jener Ort, an 
welchem zuerst der Verehrung dieses Heiligen von Passau eine 
Stätte bereitet worden ist (S. 275 bis 278). Zum Beweise ex 
silentio: die Bussübungen des fränkischen Heeres im Lager an 
der Ens im J. 791 (S. 278 bis 280). 



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Die Passio s. Floriani und deren Urkundenfälschungen. 313 



IT. Zweiter Abschnitt. 

Das historische „alte Kloster** S. Florian und die an 
die passio s. Floriani geknüpften Urkunden- 
fälschungen. 
(S. 280 bis 303). 
Nach der Entwicklung der in beiden Fassungen der 
Urkunde vom 28. Juni 823 erwähnten Besitzobjekte ist die 
Fälschung der weiteren Fassung nicht vor dem zwölften, jene 
der kürzeren nicht vor dem Beginne des dreizehnten Jahr- 
hundertes anzusetzen (S. 281). Korrekter Text der strittigen 
Stellen (S. 285). Darstellung der auf die Echtheits frage einfluss- 
nehmenden Momente (S. 288 bis 294): I. Die theils anachroni- 
stischen, theils un beglaubigten Formen der Ortsnamen (S. 282 
bis 285). II. Die zwei Kirchen von Ardacker und von Sachsen 
(S. 285 bis 288). III. Der Besitz in Aspach (S. 288 bis 290). 
IV. Die Wachau (S. 290). V. Zeiselmauer, Mochinle und das 
Placitum Herzogs Heinrich 11. in der Ostmark (S. 290 bis 294). 
Beurtheilung des Charakters der ältesten Hausgeschichte de;:; 
Chorherrenstiftes S. Florian, gedrängter wortgetreuer Auszug 
aus der jüngsten Darstellung derselben von Albin Czerny (S. 297 
bis 303), Schlusswort (S. 303). 



V. Nachträge. 

Zu den Seiten 176, 208, 216 und 240 [Widmung, Tradition 
Reginolfs, Urbar von Mondsee, Florianskirchen in der Diöcese 
Gurkj (S. 304 bis 305). Die neueste Flugschrift Sepps über 
„das Alter des Floriankultus*^ (S. 305 bis 308). 



Tl. Drackyersehen. 

(S. 314.) 



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314 



Schreibversehen und Druckfehler. 

L im ersten Theile der Abhandlnngr Band YUI S. 1 bis 118. 

Sohreibver sehen. 
Seite 28 Zeile 18 von oben statt „des Archetypus" soll es heissen 



„der 



Legende." 
Seite 33 Zeile 7 von oben statt zerstörte soll es heissen: zerstört wurde. 

Druckfehler: 
Seite 49 Zeile 3 von oben statt „fünfte Hand" soll es heissen „vierte Hand." 



„ 60 


, 27 


»> 


» > 


, „Bischofes" „ 


» 


11 


Bischöfe. 


„ 61 


, 6 


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» > 


, derselben „ 


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denselben 


„ 74 


„ 9 


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, (Note 125) 


11 


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(Note 130) 


„ 76 


, 13 


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oonföderirten 


„ 77 


, 17 


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, verweltlichen „ 


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verweltlichten 


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, verbringt „ 


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vorbringt 


„ 83 


, 4 


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f demselben „ 


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denselben 


„ 104 


, 18 


11 


11 1 


, Zerstöung „ 


» 


11 


Zerstörung 


„ 106 


, 11 


» 


11 ) 


, Geburt meines Landes soll 


es heissen: Ge- 


burt 


des Landes 










Seite 114 


Zeile 8 von oben 


statt Handschift soll 


es 


heissen: Handschrift 



II. im zweiten Theile der Abhandlung Band IX 8, 176 bis S14. 

Druckfehler. 
Seite 203 Zeile 12 von unten statt „Ferchetpeudt" soll es heissen „Fer- 

chetpeundt" 
Seite 217 Zeile 18 von unten statt seinem 



218 
225 
229 
230 
237 
239 
265 



5 

6 
20 
10 

9 
13 

7 



unten 
oben 

„Geschichtschreibung" 
Seite 265 Zeile 18 von oben statt Ergebnis 
,, 269 „ 7 „ „ „ Zlachta 
„ 272 „ 12 „ unten „ fr 
„ 272 „ 4 „ „ „ „seis" 
„ 272 „ 3 „ „ „ Florianus 



soll es heissen seinen 

oben „ Wigulaus „ „ „ Wiguleus 

unten „ wurden „ „ „ wurden; 

oben „ Losniz „ „ „ Lasniz 

11 11 dem „ „ „ den 

„ „ Portogruavo „ „ „ Portogruaro 

Jehovec „ „ „ Tehovec 



„Geschichtsschreibung" soli es heissen 



soll es heissen Ergebniss 

„ „ „ Szlachta 

„ „ ,, f.3r(=f.3). 

11 11 11 „»Ulli 

„ ,, „ Florianus. 



Kleinere Versehen, welche der Aufmerksamkeit entgingen, mögen 
entschuldigt werden. 



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VI. Ein oberpfalzischer Aktensammelband. 

Von 
Albert Gürabel, k. Kreisarchivsekretär in Nürnberg. 



Das k. allgemeine Reichsarchiv in München verwahrt einen 
aus den Beständen des alten Amberger Regierungsarchivs stam- 
menden Sammelband von Aktenstücken des XVI. Jahrhunderts, 
dessen Beschreibung im Folgenden versucht sei. 

Vier noch unbekannte Stücke, nämlich eine Schilderung 
der Gefangennahme Herzog Heinrichs von Braunschweig durch 
den schmalkaldischen Bund bei Kahlfeld (21. Oktober 1545), 
eine kurze Chronik der Magdeburger Belagerung von 1550/61, 
endlich zwei Darstellungen des Kriegszugs Herzog Wolfgangs 
von Zwei brücken und seiner deutschen Söldner nach Frankreich 
zur Unterstützung der französischen Hugenotten bis zur Schlacht 
von Moncontour bezw. dieser letzteren Schlacht selbst (3. Okto- 
ber 1569) kommen daraus im Anhang zum Abdruck. Mag der 
Werth dieser Berichte als historischer Quellen bei der verhältniss- 
massig untergeordneten Stellung^) unserer theil weise unbekannten 
Berichterstatter, welche zudem nur die militärische Seite der 
Dinge ins Auge fassen, nicht sehr hoch zu veranschlagen sein, 
so dürften gleichwohl diese Beiträge zur Lebensgeschichte des 
Stammvaters des pfalz- bayerischen Regentenhauses und zur 
Geschichte zweier der wichtigsten Episoden des 4. und 6. Jahr- 
zehnts des deutschen Reformationszeitalters dem Historiker will- 
kommen sein. 



*) Nur der Verfasser des an letzter Stelle abgedruckten Berichtes 
dürfte hierin eine Ausnahme macheu. 



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316 Albert Gümbel: 

Aeusserlich stellt sich unser Codex dar als ein Polioband 
von 14() starken, oben rechts von alter Hand rait 1—144*) 
foliirten Papierblättem, gebunden in rait Pergaraent überzogene 
Pappendeckel, welche einen Anstrich von rother Farbe und 
Linienpressung zeigen; das Pergament war mit theilweise far- 
biger Majuskel beschrieben; den Verschluss bildeten 4 Leder- 
riemen. Auf der Innenseite des vorderen Deckels und auf dem 
Vorstossblatt befindet sich eine alte Signatur: Nr. 57. Die vor- 
handenen Brüche zeigen, dass die Stücke vor der Zusammen- 
fassung in einen festen Band ein- und mehrfach zusammen- 
gefaltet waren; beim Binden wurden sie mehr oder weniger 
beschnitten. 

Den Inhalt des Sammelbandes bilden 27 kürzere und 
längere Aktenstücke; nur eines gehört der Verwaltung an, die 
übrigen sind politischer Natur. Zeitlich umfassen sie die Jahre 
1545 — 76 und lassen sich sachlich etwa in folgende Gruppen 
ordnen : Braunschweiger Krieg vom J. 1545 (Zahl der Akten- 
stücke 1); Schmalkaldischer Krieg und Gefangenschaft Land- 
graf Philipp des Grossmüthigen von Hessen 1547/48 (8); Be- 
lagerung Magdeburgs 1550/51 (1); sog. Fürstenverschwörung 
und Beziehungen des Kaisers und der protestantischen Fürsten 
zu Frankreich 1552/53(6); Markgräfler Krieg 1553/54(2). Eine 
Gruppe von Aktenstücken (2) berührt ferner den oben erwähnten 
Kriegszug Herzog Wolfgangs von Zweibrücken. Eine weitere 
Gruppe von 5 Aktenstücken dürfte etwa unter dem Sammel- 
namen „Livländische Verhältnisse" zu gewinnen und hiezu auch 
die 2 auf den Regensburger Reichstag vom J. 1576 bezüglichen 
Stücke zu ziehen sein, da auf der genannten Reichsversamm- 
lung die Verhandlungen über die Eroberung bezw. weitere Be- 
drohung Livlands durch Zar Iwan den Grausamen von Russland 
einen breiten Raum einnahmen. So erübrigen schliesslich ein 
kurzer Auszug aus den Friedensabmachungen zwischen Frank- 
reich und Spanien zu Chäteau-Cambr^sis vom J. 1559 und ein 
Aktenstück der kurpfälzischen Statthalterschaft zu Amberg vom 
J. 1565. 

Wir haben in sämmtlichen vorliegenden Dokumenten (mit 
Ausnahme des letztgenannten) nur Abschriften vor uns; die 

»j Die Nr. 76 ist wiederholt, die Nr. 98, 122, 128 und 129 sind ver- 
sehentliob ausgefallen. 



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Ein oberpfölzischer Akten sammelband. 317 

französischen Sendbriefe, die anderweitigen Briefe, Instruktionen, 
Verträge etc. zeigen keine Spur von Besiegelung und Verschluss, 
die Correkturen sind nicht sehr zaiilreich und jedenfalls nicht 
so durchgreifend, dass man an Concepte denken könnte. Da- 
gegen weisen die recht häufigen, nicht getilgten fehlerhaften, ja 
oft sinnlosen Lesarten, sowie Auslassungen von ganzen unent- 
behrlichen Wortgruppen auf flüchtiges und verständnissloses 
Abschreiben von, vielleicht mitunter schwer lesbaren Vorlagen 
hin. Die Dokumente zeigen verschiedene (19) Copistenhände^). 
Beim Einbinden unserer Aktenstücke wurde eine chronologische 
Ordnung nicht gewahrt, Zusammengehöriges vielfach getrennt. 
Es erübrigt jetzt zum Schlüsse unserer einleitenden Be- 
trachtung noch die Erörterung der Frage nach dem Entstehungs- 
ort unseres Codex. Dass derselbe in einem gewissen Zusammen- 
hang mit der Kanzlei des Statthalters der Oberpfalz, Ludwig 
(nachmals als Kurfürst Ludwig VL), steht, beweist das oben 
bei der Skizzirung des Inhalts an letzter Stelle genannte Akten- 
stück. Ludwig war Statthalter 1563 — 76. Es gehören dieser 
Zeit ausser dem oben erwähnten Stück die Berichte über den 
Kriegszug Herzog Wolfgangs und die auf die livländischen 
Verhältnisse und den Reichstag zu Regensburg 1576 bezüglichen 
Akten an. Zu einigen dieser Akten könnten wir unschwer eine 
persönliche Beziehung Ludwigs herstellen. Er war erzogen am 
Hofe Philiberts von Baden*), der in der Schlacht von Moncon- 
tour (vgl. die Nr. 14 und 18) fiel; er vertrat den Vater, Kur- 
fürst Friedrich III. , auf dem genannten Reichstag zu Regens- 
burg. So könnten diese Bestandtheile unseres Codex sehr wohl 
durch ihn ins Amberger Archiv gekommen sein. Ob dies etwa 
auch noch bezügUch weiterer und vor die Zeit seiner Statt- 
halterschaft fallender Stücke zutrifft, ferner in welchem Umfange 
seine Vorgänger, sein Vat(T, Statthalter 1557 — 59, und dessen 
Vorgänger, Herzog Wolfgang der Aeltere (1544 — 51) und Wolf- 
gang der Jüngere von Zweibrücken (1551 — 57), an der Bildung 
unseres Aktenmaterials betheiligt sind, lässt sich nicht erkennen,, 
da in unserem Aktenband eben nichts weiter als die Kopien 
selbst vorliegt. 

*) Es stimmen überein die Hände von Nr. 1, 2 und 4; 3 und 17. 
0, 6, 7, 8 und 9; 16 und 27; 19 und 24. 

*) Häusser, Gesch. der rhein. Pfalz, II, 86. 



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318 Albert Gümbel: 

Eine Notiz über das Vorhandensein unseres Codex im Am- 
berger Archive findet sich in einem, von dem, allen Amberger 
Archivaren wohlbekannten Michael Münchmaier*) im J. 1670 
verfassten oberpfälzischen Archivrepertorium^) : „Designation 
der Akten die Pfalzgrafen insgemein Betr. Nr. 42." Dort ist 
er, entsprechend seiner alten Signatur Nr. 57, welche von 
Münchmaier herrührt, so vorgetragen: „57 Instruction des fran- 
zösischen Gesandtens, was er im Nahmen seines Königs an- 
bringen solF) [dazu von etwas jüngerer Hand] samt einem 
Buch Kriegs Handlungen mit Frankreich sö anderer Angelegen- 
heiten btr. 1521, 1552." 

Im einzelnen nun ist der Inhalt nach der Ordnung des 
Codex folgender: 

1. Pol. 2-7 der alten Zählung: 

„Sendtschrif ft der Küniglichen Mst. zu 

Pranckreich An die Chur- vnnd Pursten, 

Stend vnnd Stett das Haylgen Romischen 

Reichs Teutscher Nation, darin sye sich 

yhrer yzigen Kriegsrüstung halben vffs 

kürzist erklerett." [15]52^). 

Es ist dies das Ausschreiben, welches König Heinrich II. 

von Prankreich aus Pontainebleau unter dem 3. Februar 1552 

an die Fürsten und Stände des Reichs erliess, nachdem er mit 

einer Reihe deutscher, über die Pohtik Karls V. und namentlich 

über die lange Gefangenhaltung des Kurfürsten von Sachsen und 

des Landgrafen von Hessen erbitterter Fürsten, an ihrer Spitze 

*) Erscheint 1677 als Registrator, 1700 als kurfürstlicher Rath und 
Sekretär, 1707 als Kammerrath, stirbt im letzten Viertel des letztgenannten 
Jahres. (Nach Mittheilung des k. Kreisarchivs Araberg.) 

*) Jetzt im k. allg. Reichsarchiv, Oberpfalz, Literalien, Nr. 106. 

*) Mit dieser „Instruktion** zusammengebunden kam unser Codex 
unter obiger Aufschrift in das Reichsarchiv. Es ist diese „Instruktion" 
die deutsche Uebersetzung eines Schreibens des französischen Königs, 
Franz I., an seinen Gesandten am Wormser Reichstag von 1521, ßarrois, 
in Betreff der von Karl V. erhobenen Beschwerden über die Unterstützung, 
welche dessen aufrührerischer Vasall, Robert von der Mark, Herr von 
Sedan, Herzog von Bouillon, sowie der Herzog von Geldern und der König 
von Navarra bei dem König gefunden hatten. Den Inhalt dieses Schrei- 
bens (d. d. Villeneuve, 14. Aprü 1521) gibt Bd. 2 der „Deutschen Reichs - 
tagsakten. Jüngere Reihe**, Nr. 39 C. (Cf. dort auch den Druckort.) 

*) Darunter von anderer Hand: Diss ist gedruckt. 



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Ein oberpfälzischier Akiensammelband. 319 

Kurfürst Moritz von Sachsen, zu Chanibord, 15. Januar 1B52, ein 
Bündniss geschlossen und sich (gegen Abtretung v^on Carabrai, 
Metz, Toul und Verdun) mit grossen Geldsummen zu ihrer 
Unterstützung verpflichtet hatte; kurze Zeit darauf (im März) 
setzte er sich selbst gegen die deutsche Grenze in Bewegung^). 

Die auf der Münchener Staatsbibliothek befindlichen Drucke 
dieses Aktenstückes erwähnt und erläutert Druffel, Briefe und 
Akten zur Geschichte des 16. Jahrhunderts, Bd. III, pag. 370 ff. 
Sie gehören zu den gleichzeitigen Drucken des Ausschreibens, 
von welchen der Geschichtsschreiber Sleidan*) sagt: hoc scrip- 
tum [sc. regis] typis excussum et editum lingua populari prae- 
ferebat in fronte pileum inter duos pugiones idque symbolum 
esse libertatis asscriptum erat. Ueber den letzterwähnten „Hut" 
zwischen den beiden Dolchen, welche Symbole auch unser 
Exemplar, wenn gleich nur in roher Zeichnung an der Spitze 
trägt, vgl. Druffel a. a. 0.'*). Unsere Kopie zeigt das Wort 
„Libertas" unter dem Hut; das Band, auf welchem in einzelnen 
von Druffel aufgeführten Drucken dieses Wort steht, ist durch 
eine Schlangenlinie angedeutet. Darunter: Henricus secundus 
francorum Rex , Vindex libertatis Germaniae et principum capti- 
vorum; auf der nächsten Seite beginnt sodann der Text mit 
den Worten: Von gotts gnaden wir Heinrich der Künig zu 
Franckreich entbietten etc. Das Datum lautet: Gegeben in 
vnnserem Königlichen Hauss Fortennebio den 3. Februarij Nach 
Christj Geburt 1B52 vnnd vnnserer Regienmg des fünfften Jahrs. 



*) Voigt, Der FUrstenbund gegen Kaiser Karl V. in Raumers Hist. 
Taschenbuch, 3. Flg. 8.; Cornelius. Politik des Churfürsten Moritz von 
Sachsen. Dieser Autor nennt das Ausschreiben „unter allen Aktenstüokon, 
mit welchen jemals das deutsche Volk betrogen werden sollte, eine 3 der 
unverschämtesten." Issleib, Moritz v. S. gegen Karl V. (N. Arch. f. säohs. 
Gesch. VI, 243 ff.) 

*) De statu relig. et reipubl. commentarii 1. XXIV ed. Am Ende. 
Vol. III, pag. 350. 

*) Dazu weiter Grimm, Deutsche Rechtsalterthüraer, 4. Ausg. I, 208 
unter hut 5. Zu den von Grimm gesammelten Beispielen über den sym- 
bolischen Gebrauch des Hutes könnte noch ergänzend auf die bekannte 
Scene im 1. Buche von Goethes „Dichtung und Wahrheit** verwiesen 
werden, wo die Wormser im Pfeifergericht als Zeichen der Zollfreiheit, 
welche sie in Frankfurt geniessen, einen Filzhut darbringen und wieder 
einlösen. 



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320 Albert Gümbel: 

Verglichen wurde unsere Kopie mit dem von DruflFei zuerst 
erwähnten Druck Bibl. Mon. Eur. 337/47, 4®^), im ganzen mit 
dem Resultat sinngemässer Uebereinstimraung, im einzelnen aber 
ergeben sich, abgesehen von verschiedener Wortfolge und der 
kaum in einer einzigen Zeile ganz übereinstimmenden Wort- 
schreibung und -bildung^), auch Abweichungen im Ausdruck, 
wobei es allerdings bezüglich unseres Exemplars mitunter dahin- 
gestellt bleiben mag, was etwa auf falscher Lesung der Vorlage 
beruht^). Von solchen Abweichungen seien notirt (wobei D. 
den DruffeFschen Druck, R. A. unsere Vorlage bezeichnen soll): 
D. Fol. A. 2 retro, Zeile 13 v. o. „neuwer** Freundschaft, R. A. 
„trewer"; D. Fol. A 3 r., Z. 4/5 v. u. „vnnd andern fynden'S R. A. 
„vnnd frembden"; D. Fol. B 1, Z. 4 v. o. „schentliche oflFentliche 
Mandat**, R. A. „schendliche vnnd lesterliche Mandat** u. s. w. 
In dem einen oder anderen Falle ist unsere Kopie geeignet den 
Druck zu ergänzen, so fehlt in diesem offenbar, Fol. A. 4 r., 
Z. 6 V. 0., nach „gerichtet worden?** eine Phrase wie in unserem 
Exemplar „Sihet mann**. 

Die oben bezeichneten Abweichungen von R. A. und D. 
gelten auch für den Druck bei Hortleder^) und einem solchen 
der Züricher Stadtbibliothek ^), der auch äusserlich mit dera 
DruffeFschen übereinstimmt, nur ist das Lihenwappen am Schluss 



') Druffel vermisst in den ihm vorliegendem Ausgaben, wie er sagt, 
den Hinweis auf Flaminius, als Befreier Griechenlands. Dies ist, wenig- 
stens in Bezug auf diesen ersten von ihm citirten Druck ein Irrthum; 
auf Seite B 1 r., Z. 4 v. u. wird Flaminius genannt. 

*) Manche Verschiedenheiten der Wortformen beruhen wohl auf 
dialektischen Gründen; vgl. beiDruffol die durchgängigen Formen: ,,Rych*' 
für Reich, „Zyt" für Zeit; der Druckort ist Basel. 

') Unsere Kopie leidet an manchen offenbaren Versehen des Ab- 
schreibers z. B. liest er Fol. 4 r. gegen Schluss: „sovil der graffen, fursten 
vnnd stend**, anstatt so viler grosser fürsten; es musste, wenigstens 
einem deutschen Abschreiber, ohne weiteres klar sein, dass die Grafen 
nicht vor den Fürsten genannt werden konnten; unhaltbar ist ebenfalls 
Fol. 5 Mitte „Communion** statt „Commimen**; Fol. 4, Zeile 11 v. u. fehlt 
„Sitten" u. s. f. So ist es in manchen Fällen unmöglich zu entscheiden, 
was in der Vorlage enthalten war und was etwa auf Rechnung des 
flüchtigen Abschreibers kommt. 

*) Handlungen und Ausschreiben etc. Gotha 1645, 1. V, cap. 3, 
pag. 1290-94. 

^) Gall. XVIII, 149, Nr. 15. 



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Ein oberpfälzisoher Aktensammelband. 32 1 

nicht, wie bei D., mit Delphinen, sondern mit der Kette des 
französischen St. Michaelsordens umgeben. 

Die Schrift unserer Kopie zeigt einen zierlichen, wenig 
kanzleimässigen Ductus; von derselben Hand rühren auch, wie 
schon erwähnt, die Aktenstücke Nr. 2 und 4 her. 
2. Pol. 8-19 a. Z. 

„Der Hochlöblichn von Pranckreich Ant- 
wort vnnd verteydigüng auff der Kaiser- 
ischenn Schmechschrifften." [Untertitel an der 
Spitze des Textes „Königlicher Mst. Pranckreich 
Docttorn veranttwortüng vff der Keyser- 
lichn Schmachschrif ften.**] 
Im Jahre 1651 war es in Italien zu einem neuen Zusammen- 
stoss der kaiserlichen und französischen Politik gekommen, indem 
Octavio Parnese, dem Papst Julius III. Parma eingeräumt hatte, 
sich unter den Schutz Heinrichs IL von Prankreich begeben 
und von diesem französische Truppen als Besatzung Parmas 
erhalten hatte. Karl V., der um jeden Preis die Pestsetzung 
französischen Einflusses in Italien hindern wollte und darüber 
die bekannten langwierigen Kämpfe mit Franz I. geführt hatte, 
war über diesen Verstoss des französichen Königs aufs höchste 
aufgebracht. Aus dieser Stimmung erwuchsen eine Reihe von 
kaiserlichen Schmähschriften, auf welche man französischerseits, 
wie wir sehen, die Antwort nicht schuldig blieb ^). lieber die 
Schmähschriften und insbesondere die uns vorliegende franzö- 
sische Antwort, deren vermuthliche Verfasser etc. vgl. Hae- 
berUn'^), Barthold') und vor allem Druflfel*). 

Eine Vergleichung des an erster Stelle bei Dmffel erwähnten 
Druckes der Münchener Staatsbibliothek Eur. 346/38 mit 
unserem Exemplar ergibt sehr zahlreiche Abweichungen in der 
Passung, so dass von einer gemeinsamen Vorlage nicht mehr 
die Rede sein kann. Doch ist die Qruppirung der einzelnen 
Ausführungen dieselbe und handelt es sich bei den Abweichungen 
meist nur um grössere oder geringere Breite des Ausdrucks, der 
hiebei, bald hier, bald dort, gemildert oder auch oft in derber 

») Ranke, Reformationsgesch. V, 122 ff. 
') Neueste teutsohe Reichsgeschichte, II, pag. 19. 
') Deutschland und die Hugenotten, p. 117 u. Anm. 
*) a. a. O. pag. 372 ff. 
Arohivaliflohe ZeitBohritt. Noue Folge IX. 21 



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322 Albert GUmbel: 

Weise verstärkt erscheint; so heisst es z. B. im Drucke: Fol. B 1, 
Zeile 2 V. o.: „Wo nur der Keyser hinzeucht// Wirdt der lobliche 
Fuerst // Johan Friderich // Hertzog zu Sachsen // mit herumb ge- 
schlept^, in unserem Exemplar drastischer: „Johannera Friderich 
Hertzogn zu Sachssn fürn sye wie einen Bern an einer Ketten 
zum Spectackl vmbher." Eigenthümlich ist in der vorliegenden 
Kopie die Wortform „Grecken^ für Griechen und deutet auf einen 
französischen Urtext. Bemerkenswert ist in unserer Handschrift 
ferner gegenüber dem verglichenen Drucke die starke Kürzung, 
welche die Darstellung der faruesischen Händel erfahren hat; 
der Verfasser hat dies auch ausdrücklich motivirt: „und dieweil 
sie (= die Kaiseriichen) solche ursach uf uns wollen schieben, 
acht ich von nöten sein, ehe ich von diesem letzlichen türkischen 
krieg (desen ursacher sie uns zu sein beschuldigen) meidung 
thue, dass ich kurtzlich erzele, wie christHch und ehrhch der 
kirchen erstgeporner son, der kaiser, und bapst Julius in der 
parmischen Sachen gehandlet hab, wo solche handlung 
und die Ursachen, umb welche wir der pilligheit 
nach Octavium, den bege weltigten, on hilf und 
schütz nicht haben lassen kunten, nicht alle- 
bereit in truck ausgangen were." Die Worte von 
wo - were fehlen im verglichenen Druck *). 

Der Dnick bei Goldast ^) stimmt mit dem Drufferschen 
überein. 



*) Es ist vielleicht auf einen Baseler Druck angespielt, von welchem 
der schon bei Nr. 1 angeführte Codex der Züricher Stadtbibliothek ein 
Exemplar enthält. Er ist betitelt „Begriff / Gründtlicher warhafftiger 
anzeygung / des aller Christenlichsten Künigs in Franckryoh / vrsachen / 
die sin Künigklich Maiestet / des Keysers vorhaben ze begegnen / zu 
kriegshandlung / vnd gegenwer getrengt / vnd verursachet haben. Auch 
rechtmässige Verantwortung / vnd ableynung / der vnverschampten er- 
dichten Schmähungen / die syner Künig. Maiest. durch die Keiserischen / 
yetz schwebenden vnd angefengten Kriegs halben / zugemessen werden. 
Vss der Frantzosischen sprach / inn Tütsch transferiert vnd verdolmetscht. 
Im Martio / Anno etc. 1552. 

Hier wird eine sehr auführliche Darstellung der Kämpfe um Ptirma, 
Piacenza, Mirandola gegeben und dem Kaiser weiterhin ein langes Sünden- 
register vorgehalten , in welcher Weise er das französische Entgegen- 
kommen mit Intriguen und Feindseligkeiten erwidert habe. 

«) Pol. Reichshändel, XI, pag. 375-381. 



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Ein oberpfäldsoher Aktßnsammelband. 323 

3. Pol. 20—31 d. a. Z. 

„Ausschreiben des Königs zw Pranckh- 
reich an die Churfürsten, Pursten, gemaine 
Stendt vnd Stet des heiligen Römischen 
Reichs Theutscher Nacion. Anno etc. 1663." 

Nachdem KarPs V. Versuch, Metz wieder zu erobern, ge- 
scheitert war, suchte Heinrich II. von Prankreich dem Kaiser 
auch in Deutschland selbst Schwierigkeiten zu bereiten und 
sich dabei . abermals, wie im vorausgehenden Jahre des Kur- 
fürsten Moritz von Sachsen und anderer deutscher Pursten zu 
bedienen. In dieser Absicht erliess er Pebruar 1563 das vor- 
liegende Ausschreiben. Sleidan*) sagt über dasselbe: ad exitum 
Pebruarii mensis Galliae rex, cui iam creverat animus ob defen- 
sam Metim scriptum evulgat, typis excussum ad Imperii ordines, 
aculeatum inprimis et infestum Caesari. Seinen Inhalt qharak- 
terisirt gut de Thou*): „Peu de temps aprfes h Roi rendit 
publique le dernier joür du mois de Pevrier une lettre, qu'il 
avoit ^crite aux Princes et aux Etats de l'Empire, il y tächoit 
de leur inspirer de la haine et du m^pris pour TEmpereur en 
leur reprösentant, qu'ils n'avoient plus rien ä craindre d'un 
Souverain sans force, dont les vieilles ruses ötoient decouvertes 
et si infirme, qu'il ne sembloit vivre que par art.^ 

Von hieher bezüglichen Drucken konnte der Verfasser 
nur einen eruiren*); in dem schon wiederholt erwähnten 
Sammelband der Züricher Stadtbibliothek befindet sich ein 
Druck*), betitelt: Eyn Sendbrief des aller Christenlichsten 
Künigs zu Pranckreich/ an die weitberümpten Stend des hey- 
ligen Römischen Reichs Anno 1663; eine Vergleichung mit 
unserem Exemplar ergibt zwar Uebereinstimrnung im allgemeinen 
Gedankengang; in den Einzelheiten der Ausführungen zeigen 
sich jedoch grosse Verschiedenheiten. 

Das Datum des Druckes lautet: „Geben zu Paryss/ am 
27. tag Hornungs des 1662. jars/ nach Prantzischer rechnung/ 
aber sonst im 63. jar*', unser Exemplar hat den „25. tag Pebruarij 



») 1. c. XXIV, pag. 406. 
«) Hist. I, 1. 12, 142. 

•) Druffel behandelt dieses Ausschreiben vom J. 1553 nicht. 
*) Auf diesen wurde Verfasser durch die königliche Hof- und Staats- 
bibliothek aufmerksam gemacht. 

21* 



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324 Albert Gtimbel: 

Anno etc. 63**. OpeP) fand in den Papieren des Bischofs Pflug 
von Nauniburg-Zeitz die lückenhafte Abschrift eines lateinischen 
Briefes Heinrich II. „an den Kurfürsten Moritz ausschliesslich 
oder an die protestantischen Reichsstände im Allgemeinen" vom 
Inhalt unseres Ausschreibens, d. d. III. Cal. Martii (26. Feb- 
ruar) 1552 ad calculum GalUcum d. h. also nach unserer Zeit- 
rechnung 1553, und erwähnt einen Druck dieses Schreibens in 
französischer Abfassung unter dem Titel: Lettres du Roy escriptes 
aux Princes et estats du Sainct Empire, A Paris etc. 1653. 4**, 
8 Bll. 

4. Fol. 34—39 d. a. Z. 

„Hertzog Moritzn Churf. zu Sachsenn aus- 
schreiben neben der Landtgraffen zu Hes- 
sen, dise gegenwertige Kriegsrustüng be- 
langen d." 

Im Mar:? des Jahres 1552 hatten Churfürst Moritz von 
Sachsen, die Söhne des gefangenen Landgrafen von Hessen 
und andere über die PoHtik Karl V. missvergnügte deutsche 
Fürsten ihre Vorbereitungen, zu welchen namentlich der Ab- 
schluss eines Bündnisses mit Frankreich gehört hatte, beendigt ; 
Kurfürst Moritz warf die Maske der Ergebenheit, die er bisher 
mit grossem Geschick vorgenommen hatte, ab, und die ver- 
bündeten Fürsten gingen zum Angriff auf den vergebens ge- 
warnten Kaiser über. Vor ihrem Zuge gegen Süden erliessen 
sie das voriiegende Manifest*). 

Eine Vergleichung mit dem von Drufifel angeführten Druck 
J. publ. G. 1232/26») ergibt dasselbe Bild wie bei Nr. 1: Ab- 
weichungen, welche den Sinn des grossen Ganzen wesentlich 
verändern würden, sind nicht vorhanden, wohl aber manche in 
Ausdruck und Wortfolge und äusserst zahlreiche in den Wort- 
formen; auch hier muss es dahingestellt bleiben, was etwa auf 
missverständlicher Lesung durch den Kopisten oder Flüchtig- 

^) Denkschrift des Bischofs Pflug für Kurfürst Moritz in Arch. f. 
Sachs. Gesch. N. Flg. IV, p. 3 und 4, Anm. 

*) Lauze, Leben und Thaten Philippi Magnanimi, 2. Bd. p. 329 in 
Zeitschr. des Ver. für hess. Gesch. 2. Suppl. 1847; liier findet sich ein fast 
wörthchcr Auszug; Menzel, Neuere Gesch. der Deutschen HI, p. 465—59; 
er gibt ebenfalls einen ausführlichen Auszug; Druffel, a. a. 0. III, p. 374. 

') Die weiter von D. angeführten Drucke bieten nur „kleine typo- 
graphische und dialektische Abweichungen." 



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Ein oberpfälzisoher Aktensammelband. 325 

keit desselben beruht*). Von Abweichungen im Ausdrucke 
seien notirt: D. Pol. Air. „bestetigung** R. A. „befest igung"; 
D. Fol. A 2 „rundt*' R. A. „yzund^^; D. ibid., letztes Wort „er- 
kleret" R. A. „declarirt** ; D. Pol. B 1 letzte Zeile „erbuerbrue- 
derunge'* R. A. „erbbindüng" ; D. Pol. B 2 r. „ausseuget" R. A. 
„ausgeust** u. s. f. Der Schluss lautet in R. A. nach „vntherthanen 
halben**: „vns des gar vil liber enthalten vnd vberig sein weiten." 
Eigenthümlich ist unserem Exemplar gegenüber DruflFel 
(sowie auch den Drucken bei Goldast*) und Hortleder')) die 
Anführung des Markgrafen Georg Priedrich von Brandenburg 
und des Herzogs Heinrich von Mecklenburg an der Spitze des 
Aufrufs. Die Eingangsforrael lautet nämlich : „Von gotts 
gnaden wir Moritz Hertzog zu Sachsen des haylgen Römischen 
Reichs Ertz Marschalck vnnd Churf. Landtgraflf in Duringen 
vnnd MargraflF in Meissenn von wegen vnsers vnmündigen 
Jungen Vettern Hern Georg Pridenreichs Margraffen zu Branden- 
bürg vnnd von desselbigen gnaden wir Hans Albrecht Hertzog 
zu Mechelbürg von wegen vnser vnnd vnsers lieben Vettern 
Hertzog Hainrichs von Mechelbürg vnnd wir Wilhelm landtgr. 
zu Catzenelbogen entbietten . . .** Auf das Vorhandensein eines 
Exemplars dieses Manifestes, in welchem Georg Priedrich ge- 
nannt gewesen sein musste, schliesst schon Druflfel a. a. 0. aus 
einem Briefe, den er Bd. II, pag. 316 unter Nr. 1201 im Auszug 
gibt. Unsere Passung bietet eine Bestätigung hiefür und eine 
Erweiterung bezüglich Herzog Heinrichs von Mecklenburg. 

Die auf Pol. 40 — 54 folgenden Aktenstücke können wir als 
eine zusammengehörige Gruppe betrachten, wobei wiederum die 
Nr. 9 und 11 unserer fortlaufenden Nummerirung und 6 — 8 und 
wieder 10 (unpassender Weise durch 9 unterbrochen) enger ver- 
wandte Gruppen bilden. Die Nr. B— 8 und die sachlich nicht 
dazu gehörige Nr. 9 weisen eine Schreiberhand auf. 

^) Manche Abweichungen, Auslassungen etc. kommen sicher auf 
Rechnung solcher Mängel; so fehlen R. A. (mit R. A. sei wiederum unsere 
Kopie, mit D, der verglichene Druck bezeichnet) Fol. 37, Fol. 37 r. unten, 
Fol. 38, Zeile 11 v. ob. imentbehrliche Phrasen; Fol. 37 r. Zeile 7 y. ob. 
steht anstatt „belestigen" das dem Sinn geradezu entgegengesetzte „be- 
lustigen^^; die drittfolgende Zeile darunter ist ganz sinnlos u. s. f. 

«) a. a. 0. XXVI, 1061-1063. 

») a. a. 0. lib. V, cap. 4, pag. 1294—1298. 



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326 Albert Gümbel: 

Unsere Einleitungsbetrachtung fasst säramtliche genannte 
Aktenstücke ins Auge und zwar zunächst die zeitlich vorher- 
gehenden Nr. 9 und 11. 

Nachdem Johann Friedrich, Kurfürst von Sachsen, der 
mächtigste Gegner Karl's V. im schraalkaldischen Kriege, in der 
Schlacht bei Mühlberg (24. April 1547) in Gefangenschaft ge- 
rathen war, erübrigte für den Kaiser noch den zweiten gefahr- 
Uchen Gegner, Landgraf Philipp von Hessen, unschädlich zu 
machen. Unter Vermittlung des Herzogs Moritz von Sachsen 
und des Kurfürsten Joachim von Brandenburg unterwarf sich 
der Landgraf auf eine ihm vorgelegte Kapitulation hin. Für 
die Ausführung der Artikel derselben verbürgten sich dem 
Kaiser die beiden genannten Fürsten und der Schwiegersohn 
des Landgrafen, Herzog Wolfgang von Zweibrüoken. Diese 
Bürgschaftsurkunde liegt uns abschriftlich in Nr. 9 vor. Be- 
kanntlich wurde der Landgraf am Abend des Unterwerfungs- 
tages (19. Juni 1547) zum Gefangenen gemacht und musste als 
solcher dem kaiserlichen Hof lager folgen *). Von Heilbronn aus 
nun richtete der Landgraf einen Brief an den Kaiser, in welchem 
er dringend um seine Freigebung bat und sich dagegen zur 
Einführung des Interim in seinen Landen und Stellung seiner 
Söhne als Geiseln erbot. Dieser Brief liegt abschriftlich in Nr. 11 
vor. Vgl. über denselben und namentUch seine Authenticität 
Lauze^), welcher einen Auszug gibt, aber den Brief mit heftigen 
Worten für untergeschoben erklärt, ihm schliessen sich hierin 
Haeberlin^) und RommeH) an. 

Im Zusammenhang mit den oben geschilderten Ereignissen 
stehen die Vorgänge, welchen die Aktenstücke der zweiten, 

*) lösloib, Die Gefangennahme des Landgrafen Philipp von Hessen 
(Neues Arch. für Sachs. Gesch. Bd. XI, 1890). Bekannter Massen knüpft 
sieh an diesen Vorgang eine bis auf den heutigen Tag noch nicht ganz 
ausgetragene Gontroverse. Den deutschen Text der Nebenerklärungen, 
welche den Unterhandlungen der vermittelnden Fürsten mit dem Bischof 
von Arras vom 2.-4. Juni 1547 zu Grunde lagen, gibt nunmehr aus 
authentischer Abschrift die neueste kritische Untersuchung: Turba, Ver- 
haftung und Gefangenscliaft des Landgrafen Philipp von Hessen (Arch, 
f. östr. Gesch. Bd. 83); er hat den Ausdruck „weder zw Leybstraff noch 
zw Ewiger gefencknuss." 

«) a. a. 0. pag. 276 ff. 

») a. a. 0. I, p. 440-442. 

*) Philipp der Grossraüthige, II, p. 530. 



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Ein oberpfälsisoher Aktensammelband. 327 

enger zusammengehörigen Gruppe Nr. 5 — 8 und dann wieder 
Nr. 10 ihre Entstehung verdanken. Wir können ihnen den ge- 
meinsamen Titel: Werbung um Erledigung des Landgrafen 
von Hessen zu Innsbruck, November 1551, voraussetzen. Der 
Kaiser hatte sich nämlich, um dem Trienter Concil näher zu 
sein, nach Innsbruck begeben. Dorthin sandten nun die Kurfürsten 
Moritz von Sachsen und Joachim von Brandenburg ihre Räthe 
mit der Bitte um Freigabe des gefangenen Fürsten. Die In- 
struktion dieser Gesandten liegt uns in Nr. 5 vor. Desgleichen 
bewogen sie eine Reihe anderer Fürsten, sich ihrer Fürbitte 
anzuschliessen. Die Namen derselben, sowie ihrer Bevollmäch- 
tigten werden uns in Nr. 6 und 7, eine Instruktion für die 
Gesandten von Kurpfalz, Zweibrücken, Brandenburg- Küstrin, 
Mecklenburg, Baden und Württemberg wörtlich in Nr. 8 gegeben. 
Die Antwort des Kaisers enthält die Nr. 10. 

Nach der Ordnung des Sammelbandes nun sind die be- 
sprochenen Aktenstücke folgende: 
5. Fol. 40-47 r. a. Z. 

„Instrucktion darauf von gottes gnaden 
Moritz Hertzog zu Sachssen, des Hey. Ro. 
Reichs Ertzmarschalckh vnd wir Joachim 
V. desselben gnaden Margrave zu Branden- 
burg des Hey. Ro. Reichs Ertzkamerer Bayde 
Churfursten vnsere Rethe vnd lieben ge- 
treuen an die Rö. Kay. Mt. etliche Werbung 
zuthun abgefertigt." Datum fehlt. 
Unser Exemplar verzeichnet am Rande 39 Artikel, doch ist 
die Zählung nicht bis zum Ende durchgeführt. Eine Ver- 
gleichung mit dem Druck bei Lanz *) ergibt, abgesehen von 
unbedeutenden orthographischen Abweichungen, Worteinschalt- 
ungen resp. Auslassungen, bei welchen bald die Lesart des 
Ersteren, bald die unserer Kopie vorzuziehen sein dürfte, das 
Fehlen des in unserem Exemplar mit 17 am Rande bezeichneten 
Abschnittes im Lanz'schen Drucke. Dieser Abschnitt lautet: 
Es werden auch Irer Mt. Rethe sich gewislich änderst nicht 
erinnern können, dan das in der letzten Handlung gar keines 

') Staatspapiere zur Geschichte Kaiser Karl V. (Bibl. des literar. Ver. 
in'Stuttgart, Bd. XI, pag. 485—493). Nach einer Copie im Archiv der 
deutschen Staatskanzlei zu Brüssel. Vgl. die Vorrede bei T^anz. pag. VI. 



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328 Albert Gümbel: 

gefencknuss gewenel, vil weniger ist vns vermeldet vnd ange- 
zaigt worden, das der Landgraff nach gethanem fuesfall solte 
in ainiche gefencknus eingetzogen vnd angehalten werden. 

6. Pol. 47 r. 

„Verzaichnus der khonigkh-, Chur- vnd 
fürstlichen gesandten, so bei der Ro. Kay. 
Mt. ein vnderthenigste fürbitt für den ge- 
fangnen LandtgraffPhilipssen zu Hessen etc. 
den 17. Nouembr. Ao. etc. 61 zu Insprückh 
gethan haben etc." 

7. Pol. 48 r. (fälschl. 28). 

„Volgende[r] potentaten, Konig vnd Pursten 
schriftliche fürbitte sein der Kay. Mt. do- 
selbsten vberantwort." 

8. Pol. 49—50. 

Instruktion der Gesandten Kurfürst Fried- 
richs von der Pfalz, Herzog Wolfgangs von 
Zweibrücken, Markgraf Johanns von Bran- 
denburg, der Herzoge Heinrich und Johann 
Albrecht von Mecklenburg, MarkgrafErnsts 
von Baden und Herzog Christophs vonWürt- 
temberg btr. die Erledigung des Landgrafen. 
Nr. 8 ist gedruckt bei Bachmann, Zwölf Urkunden zur Er- 
läuterung der Geschichte der Gefangennehmung Philipp des 
Grossmüthigen. Aus dem Pfalz-Zweibrückischen Archiv heraus- 
gegeben etc. Mannhm. 1768, pag. 84 — 89. Die Vergleichung 
ergibt keine den Sinn alterirende Abweichungen. 

9. Pol. 60 r. und 51. 

Die Kurfürsten Moritz von Sachsen und 
Joachim von Brandenburg und Herzog Wolf- 
gang von Zweibrücken verbürgen sich mit 
LandundLeuten fürErfüllung derzwischen 
Karl V. und Landgraf Philipp von Hessen 
vereinbarten Capitulation durch den Letz- 
teren. „Geschehen vnd geben zu Halle, Sun- 
tagg nach Viti, 19. Junij, do wir Baide obbe- 
nante Churfürsten Sachssen vnd Branden- 
burg personlich gewesen nach Christi ge- 
purd 1547. Jare." 



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Ein oberpfalzischer Aktensammelband. 329 

Gedruckt bei ßachmann, a. a. 0. pag. 73-76 aus einem 
Registraturbueh des Pfalzzweibrückischen Archivs mit dem 
Datum: Naumberg, Mittwochs den 22. Junij, do wir 
beide obgenante Churfürsten, Sachssen vnd Brandenburg person- 
h'ch gewesen etc. 1547. Ueber diese Datumsverrückung, welche 
einem Wunsche der kaiserlichen Räthe entsprang, indem sie 
dem Landgrafen bei der Rückgabe der ersten Obligationsaus- 
fertigung (von welcher uns also in unserer Kopie ein Exemplar 
vorliegt) bemerken Hessen: die beiden Churfürsten hätten sich 
erst „nach dem abziehen von Hall zu Naunburgk** mit dem 
Kaiser verglichen, siehe Bachmann, a. a. 0. in der Vorrede 
pag. 20 und ebenda pag. 79—82 den Brief des Landgrafen an 
den Herzog Wolfgang in der Sache dieser Datumsänderung; 
der Landgraf sagt dann in dem Briefe weiter: „Dieweil dan 
dieser beider ^) Ding halben der BrieflF sey nottwendig zu 
ändern, So wurde bedacht, das gut sey auch den Anfang mit 
dem dato bemelter Capitulation In dem bürgen Brieff zu setzen 
vnd zu Inserieren.** In der That fehlt in unserem vorliegenden 
Exemplar diese Inserirung der Anfangs werte und des Datums der 
Kapitulation des Landgrafen mit dem Kaiser, findet sich dagegen 
in der von Bachmann abgedruckten Redaktion vom 22. Juni. 
10. Pol. 61 r. 

„Der Rom. Kays. Mayt. Recess au ff der ge- 
sandten Werbung, durch Herrn Doctor Sei- 
den, Vicekantzler zu Inspruck eröffnet." 
Den Inhalt der nur aus wenigen Worten bestehenden kaiser- 
lichen Antwort gibt Haeberlin *) im Wesentlichen überein- 
stimmend. 

U. Fol. 52—54 und 54 r. 

„Lanndgraven Schreiben Ann Rö. Kay. Mt. 
aus Heil brenn.'* 

„Datum freitags den 22. (daraus korrigirt 20.) Julij 
Ao etc. 48." 

In dorso: „Lanndgravens von Hessen an Kay. 
Mt. gethone Supplicatio n." 
Einen Druck dieses Briefes mit dem Datum freitags den 

*) Es fehlte iu der ersten Ausfertigung auch der Titel „Grave zu 
Veldentz" hinter dem Namen des Herzogs Wolfgang. 
«) a. a. O. II, pag. 137. 



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330 Albert Gümbel: 

XXII tag Junij (!) anno etc. XLVIII ohne Ausstellungsort gibt 
Arnold! bei Justi und Hartmann , Hessische Denkwürdig- 
keiten, I, pag. 96—103 nach einer von den Käthen Wilhelms 
von Nassau in der kaiserlichen Kanzlei genommenen Abschrift^) 
und Tross im Anhang zu dem von ihm herausgegebenen Tage- 
buch des Grafen Wolrad von Waldek während des Reichstags zu 
Augsburg 1548^) aus der Kindlingerischen Handschrift im Staats- 
archiv zu Münster i. W., Bd. 69, mit dem Datum: Hailbrun 
B>eitag den XXIl*®«^ Junii Anno 1548; er bezieht auf ihn die 
Worte des Tagebuches (pag. 205/6 unter dem 26. Juni): „inde 
(d. h. von der Besichtigung des Fugger'schen Hauses zu Donau- 
wörth) redeuntibus hospes nosler aethiopem cursorem, qui Hispano 
, custodiae principis Cattorum (d. h. des Landgrafen) praefecto a 
pedibus servit, conspectus hominem ad se vocavit. Quem ubi 
de principis valetudine et quonam locorum nunc asservaretur 
rogaremus respondit: Sub noctem cum capitaneo meo in Halle 
Suevorum'*) pernoctavit. In ea enim urbe hispanicus exercitus 
una cum landtgravio menses duos transiget. Jussi igitur aethio- 
pem nobiscum prandium sumere. Ostendit insuper et nobis in- 
scriptionem litterarum manu propria principis nostri ad Erasmum 
hispanicum secretarium caesaris exaratam . . . Volebat vero 
aethiops adhuc eadem Augustam contendere*)." 

*) Nach der Anmerkung DrufiFels zu soinem a. a. 0. Bd. I, pag. 129 
abgedrucktem lateinischen Brief des Liandgrafen an den Kaiser vom 
24. [Julii] 1548 aus Schwäbisch Hall wäre unser Schreiben aus Donau- 
wörth zu datiren. Er sagt nämlich dort: „Das Schreiben ähnlichen In- 
halts bei Justi 1548, 22. Juni, Donauwörth datirt, findet sich ab- 
schriftlich im Dresdener Archiv, Kriegssachen 164/121. Rommels Polemik 
gegen dessen Echtheit erscheint nicht als haltbar." Dies muss ein Irr- 
tlium Druffeis sein. Denn weder findet sich bei Justi, wie schon oben 
bemerkt, ein Ausstellungsort, noch auch trägt die Abschrift im Dresdener 
Archiv (III. Abth., Kriegssachen, Blatt 164, No. 10, Fol. 121 ff.), wie mir 
von dort raitgetheilt wurde, einen Ausstellungsort. Das Datum dieser 
Dresdener Kopie lautet: Dat Freitags den 22. tag Junij (die Endung 
wegen Schadhaftigkeit des Papiers nicht ganz sicher) anno XLVIII. Im 
Marburger Staatsarchiv findet sich weder das Originalooncept, noch eine 
Niederschrift des Briefes, wie er bei Justi gedruckt ist, sondern nur eine 
neuere Abschrift (Mittheilung von dort). 

*) Bibl. des Litterar. Vereins iu Stuttgart, Bd. 59. 

•) S. jedoch das Itinerar unten. 

*) lieber die Kindlingerische Kopie wurde dem Verfasser das Folgende 
von dem k. Staatsarchiv zu Münster freundlichst mitgetheilt: diese Ab- 



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Ein oberpfälzischer Aktensammelband. 331 

Eine Vergleichung der beiden Drucke mit unserer Kopie 
ergibt sachlich nur den Unterschied, dass der Name des dritten, 
von dem Landgrafen vorgeschlagenen Unterhändlers (neben dem 
Bischof von Arras und „dem von Lier") bei Tross „Eraso*^*) 
lautet, in unserer Kopie „Erasraum" (wie in der angeführten 
Stelle des Tagebuches); bei Arnoldi ist dieser dritte Name nur 
durch ein „etc." angedeutet. In Bezug auf die übrigen Ab- 
weichungen dürfte bald die Lesart bei Tross, bald die unserer 
Kopie, bald die bei Arnoldi den Vorzug verdienen bezw. wird 
Manches in allen dreien Kopien erst durch Vergleichung mit 
den übrigen verständlich. Im Allgemeinen entspricht der Werth 
der Kopien der eben angegebenen Reihenfolge. 

Es erübrigt jetzt noch zu erörtern, ob das auffallende Datum 
unserer Kopie (22. bezw. 20. Juli 1648) zu halten sei. Dafür 
könnte etwa der in der Anmerkung erwähnte lateinische Brief 
Druffers ähnlichen Inhalts vom 24. [Juli] aus Schwäbisch-Hall 
angeführt werden, dagegen sprechen die Daten der drei zum 
Vergleich herangezogerten Kopien. Wir werden der Lösung der 
Präge am nächsten kommen, wenn wir auf Grund sicherer Daten 
von anderen Schreiben des Landgrafen ein Itinerar des gefangenen 
Fürsten für die fraglichen Tage des Juni und Juli 1648 auf- 
stellen können. Unter folgenden Daten wurden nun Briefe des 
Landgrafen abgelassen*): Heilbronn, Juni 6., 14., 20., 22., 28., 
30., Juli 1.; Schwäbisch-Hall, Juli 9., 11., 12., 17., 19., 21. (Aug. 
2., 5., 6., 11., 17. etc.). Nachdem unsere Kopie in der Ueber- 
schrift selbst sagt, dass der Brief aus Heilbronn an den Kaiser 
gerichtet worden sei (während sich aus dem mitgetheilten 
Itinerar für die Zeit vom 20.— 22. Juli und darüber hinaus 
Schwäbisch-Hall als Aufenthaltsort ergibt) und nachdem sie 
mit der Kopie bei Tross, die Heilbroim hat, im Wortlaute 
übereinstimmt, werden wir unser ganz einzig dastehendes 
Datum und seine Korrektur auf ein Versehen und willkür- 



schrift ist gleichzeitig und die Notiz: 1548 Lantgraven zo Hessen schrieben 
an Rom. Key. Mat. uff das Interim, welche auf dem Vorsetzblatt steht, 
rührt von einem der Priestermitglieder des Kölner Domkapitels, vielleicht 
Johann Gropper, her. 

') Der seorötaire (secretario) Erasso erscheint in einem Schreiben des 
Kaisers an Kg. Ferdinand (Dröffel IV, 667) und in einem andern (ib. No. 673). 

•) Nach Mittheilung dcR Sta^itsarchivs Marburg. 



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382 Albert Gümbel: 

liehe Aenderung durch den Kopisten zurückführen dürfen. Der 
Abschreiber hat „Julij" statt „Junij" verlesen, bezw. aus seiner 
Vorlage herübergenommen und da er sah, dass der 22. Juli des 
Jahres 1648 nicht auf einen Freitag, sondern auf einen Sonntag 
gefallen war, veränderte er das „22" in das diesem Sonntag 
vorausgehende Freitagsdatum, nämlich „20". 

12. Fol. 56—59 a. Z. 

„Sumarij der fürnembsten Artickl dess 
Vertrags zwischenn dem Ken ig auss Franc k- 
rich vnd dem Kenig auss Hispanienn." 

In dorso: „Vertrags Artickell zwischen be- 
denn Kenigen Franckreich vnnd Engel- 
landt.*- 
Es handelt sich um die Artikel des Friedens von Chäteau- 
Cambr(5sis, welcher den Krieg zwischen Heinrich II. von Frank- 
reich und Philipp II. von Spanien beendete. Das Friedens- 
instrument findet sich vollständig bei Du Mont, Corps universel 
diplomatique V, partie I, pag. 34—41; in unserer Kopie ist der 
Inhalt entsprechend dem Ausdruck „Sumarij** sehr stark gekürzt 
wiedergegeben. 

13. Fol. 61-63 a. Z. 

,,Des vfgerichtenn Vertrags zwischennRö. 
Mt. dann dem gewesnen Jetzo gefangnen 
Churfürssten zu Sachsse n etc. vnnd andernn 
Inhallt etc.** 

In dorso: „Vertzaichnus Weihermassen mit 
Rö. Mt. etc. der Chur fürst vonSachssen vnnd 
andere vertragen 16 47.** 
Es liegt uns in dieser Kopie die sog. Wittenberger Kapitu- 
lation vor, welche Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen nach 
der Schlacht bei Mühlberg mit dem Kaiser abschliessen musste. 
Eine Vergleichung mit dem Drucke bei Hortleder a. a. 0. 
III, cap. 71, pag. 581 ergibt, dass unsere Kopie der dort ver- 
öffentlichten Redaktion der Kapitulation sehr nahe steht. Es 
stellt diese von Hortleder 1. c. abgedruckte Fassung der Kapitu- 
lationsartikel, wie Wenck*) vermuthet, die ungefähre Ausdrucks- 



') Die Wittenberger Kapitulation v. 1647 in Sybels Hist. Zeitschrift 
XX, p. 81, Anm. 3. 



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Ein oberpfälzischer Aktensammelband. 383 

weise einer der ersten Vorlagen dar, welche von kaiserlicher Seite 
für den gefangenen Fürsten abgefasst wurden und ist selbst 
schon eine erweiterte Redaktion unter Berücksichtigung von 
Gegenartikeln des Kurfürsten auf eine ihm vorgelegte noch 
firühere kaiserliche Pormulirung. Die definitive Passung gibt 
Hortleder in cap. .72. Vgl. auch Issleib, Die Wittenbrg. Cap. in 
Arch. für sächs. Gesch. Bd. XII, pag. 281 und Anm. 22. 

14. Pol. 64—69. 

„Verzaychent Ettlicherr Sachen Halben 
So in demvergangnenZeug inPranckreich') 
hatt wie vollgt. Im 69jschen." 

Ueber den Peldzug Herzog Wolfgangs von Zweibrücken zur 
Unterstützung der französischen Hugenotten, während dessen er 
selbst am 11. Juni 1569 starb, vgl. jetzt am ausführlichsten: 
Menzel, Wolfgang von Zweibrücken, München 1893, pag. 619 ff. 

Leider sind die Namen der Persönlichkeiten, für welche die 
uns vorliegende Schilderung dieses Peldzuges bestimmt war und 
von welchen sie erstattet wurde, dem Berichte (richtiger den 
2 Berichten) nicht zu entnehmen. Der erste Erzähler gehörte 
den 2 deutschen Regimentern an, welche Pfalzgraf Wolfgang 
gemäss seiner Abrede mit dem Prinzen von Condö. anzuwerben 
versprochen hatte, und zwar dem von Preiherrn von Geroltzeck 
befehligten; er schildert in lebhafter und anschaulicher Weise, 
mitunter nicht ohne Humor, die Ereignisse des Kriegszugs von 
der Musterung zu Cappel bis zur Schlacht bei Moncontour 
(3. Oktober 1569), in welcher bekanntlich der grösste Teil des 
deutschen Pussvolkes im Kampfe mit den Truppen des franzö- 
sischen Königs erschlagen wurde und auch der Oberst von 
Geroltzeck r.( ben dem Pührer des anderen Regimentes, von 
Granveil, und 27 Hauptleuten fiel ; unser Bericht bildet so eine 
willkommene Erzünzung zu der von Bachmann auf Grund des 
WolfFschen Tagebuches gegebenen Darstellung^). An den ersten 



') Etwa zu ergänzen: sich ereignet. 

•) Herzog Wolfgangs zu ZweybrUcken Kriegs-Verrichtungen etc. 
Mannheim 1769. Das Tagebuch befindet sich jetzt im k. geheimen Haus- 
archiv zu München. Vgl. Rockinger, A eitere Arbeiten zur bayerischen 
und pfälzischen Geschichte im geh. Haus- und Staatsarchiv. 1. Abth. 
Nr. 30 in Abh. der bist. Kl. der bayer. Ak. d. W., Bd. 14, 1878. Darnach 
berichtigen sich die Angaben bei Molitor, Geschichte der Residenzstadt 



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334 Albert Gümbel: 

Bericht, welchen wir bis zu den Worten (p. 68 a. Z. in der Mitte) 
„gefangen worden" annehmen müssen, schliesst sich unmittelbar 
ein zweiter, kleinerer des Bediensteten eines ungenannten Haupt- 
manns des deutschen Regimentes Geroltzeck, in welchem er 
über die Vorgänge, welche sich am Tage der Schlacht bei 
Moncontour, unmittelbar vor Beginn derselben, in der Nähe 
seines Herren abspielten, berichtet. Er schildert wie der „Herr** 
zuerst den Peldschreiber, dann, wie es Ernst wurde, ihn selbst 
hinter die Schlachtordnung schickte und sie mit dem Vollzuge 
seiner letzten Anordnungen für den Fall seiner Gefangennahme 
oder seines Todes beauftragte. Die Annahme liegt nahe, dass 
der Bericht für die „fraw'*, welcher die Beiden im Falle des 
Todes des Hauptmanns Rechnung ablegen sollen, oder für 
dessen Ehefrau (sie wird Anna genannt) bestimmt war; er fesselt 
uns durch die naive, ganz persönliche Färbung. 

Die Berichte scheinen noch unbekannt und wird ein Ab- 
druck in den Beilagen sub Ula gegeben, wozu der im Anhang 
(aus den Zweibrücken- Veldenzischen Kopialbüchern des k. allg. 
Reichsarchivs) veröffentlichte Bestallungsbrief für den einen der 
deutschen Obersten des Herzogs, Johann Jacob von Granweil, 
eine willkommene Ergänzung bilden dürfte. 

15. Fol. 70 — 86 a. Z. und in selbstständiger Unternummerirung 
1 — 18. (Der Unterschied ergibt sich dadurch, dass die Zählung 
mit Fol. 76 zweimal erscheint.) 

Kopie der kaiserlichen Proposition für 
den Reichstag zu Regensburg 1676. 

Von diesem letzten Reichstag Kaiser Maximilian's II. gibt 
eine „eingehende und sorgfältige^**) Darstellung Haeberlin^), 
dem diese Proposition in einer Wolfen bütteler Handschrift und 
aus einer weiteren archivalischen Quelle, die er mit Cod. Gebh. 
bezeichnet, vollständig vorlag. 

ZweibrückeD, 1885. Seite 225, An merk. 3 (auf welche auch Menzel, S. 520, 
Anm. noch verweist) und Schlichtegroll, Herzog Wolfgang, 1850, S. 31, 
Anm. und 75 ff. Nach diesen wäre das Tagebuch während der franzö- 
sischen Revolution verloren gegangen. Die Graf Drechserscben Frag- 
mente, aus welchen Schlichtegroll Einiges abdruckt, befinden sich jetzt 
im k. Kreisarohiv Neuburg. (Die Schreibung des Namens „Wolff** ist die 
des Tagebuches.) 

*) Kluckhohn, Briefe Friedrich des Frommen, II, 955. 

'^) a. a. 0. X, pag. 1 — 415, die Proposition p. 18 ff. 



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Ein oberpfälziecher Akteosammelband. 335 

16. Fol. 87— 90. 

„Legation, So der grosse Herr Gaar vnnd gross- 
fürstlwan was Solowitz aller Reussen bei seinem 
Bruedern Maximilian, dem Rö. Kay., durch seine 
gesanntten Kuezen Zachary Inanwitz Sucher- 
seckt, Statthaltern auffm See vnd andern Aretij 
basschaffen, seinen gesanten Thiaken oder 
Secretarien verrichten lassen." 
Im J. 1576 hatte Kaiser Maximilian eine Gesandtschaft an 
Iwan den Schrecklichen, Grossftirsten von Moskau, gesandt, um 
sich mit ihm über die polnische Königs wähl zu vereinigen und 
den Grossfürst^n von einer weiteren Bekriegung Livlands, das 
dieser bis auf die Städte Riga und Reval erobert hatte, abzu- 
halten. Daraufhin fertigte Iwan eine Gesandtschaft mit obiger 
Instruktion ab *). Haeberlin druckt das Aktenstück in der Vor- 
rede des 10. Bandes seiner „Neuest. Teutsch. Reichsgeschichte** ^) 
aus den schon bei Nr. 15 erwähnten archivalischen Quellen ab. 
Eine Vergleichung mit diesem Druck muss die Minderwerthig- 
keit unserer Kopie gegenüber der HaeberHn zur Verfügung 
gestandenen konstatiren; die russischen Namen sind in ersterer 
arg verstümmelt, auch leidet sie an Auslassungen und zahl- 
reichen Missverständnissen, die ersehen lassen, dass der Kopist 
sich um den Sinn seiner Vorlage nicht eben sehr kümmerte. 

17. Fol. 91 -96 a, Z. 

„Sendbrief der Kun. Mayt. zu Franck Reich an 
die Chur- vnd Fürsten, Stet und Steude des 
heiligen Römischen Reichs Teutscher Nacion, 
dar Jnnen sy sich Irer jetzigen Kriegs Rüstung 
halben aufs kurtzest Ercleren." 

In dorso: „Des Khunigs in Frankhreych Aus- 
schreyben." 
Es liegt uns in diesem „Sendbrief" eine zweite Kopie*) 
des französischen Ausschreibens vom 3. Februar 1552 vor (vgl. 
die Nr. 1); doch dürfte der Werth dieser Abschrift gegenüber 
Nr. 1 ein geringerer sein, denn sie leidet an offenbaren Miss- 
verständnissen ihrer Vorlage und bietet einen öfter geradezu 

') HermaD; Gesch. des russ. Staates IIl, 294. 

*) pag. 47, sub Nr. 5. 

•) Von der Hand des Aktenstückes Nr. 3. 



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336 Albert Gümbel: 

unverständlichen Text. Die bei Nr. 1 fehlende Unterschrift 
lautet hier: „Heinrice (oder — cus)" und darunter „Obebrante 
Spine", verlesen aus .,Henry de Laubespine**? cf. Druffel, III, 370. 
Der Hut zwischen den Dolchen und das Wort „Libertas" fehlen. 

18. Fol. 99—101 a. Z. 

„Zeuttungvon der Schlacht, so sich diser tagen 
in Prannkreich zwischen der Khü. W. Kriegs- 
volkh vnndt deren Rebellischen vnnterthanen 
zugetragen.** 
Wir haben abermals einen Bericht über die Schlacht von 
Moncontour (vgl. die Nr. 14) und zwar dieser allein und von der 
Gegenseite vor uns; denn gehören die Schilderer in Nr. 14 den 
deutschen Soldaten im Dienste Herzog Wolfgangs an, so kämpfte 
unser jetziger Berichterstatter auf Seiten des französischen Königs. 
Nähere Angaben über ihn oder den Adressaten sind dem Be- 
richte nicht zu entnehmen*). Abgefasst wurde er am nächsten 
Tage nach der Schlacht. Ein Druck folgt unter den Beilagen 
als Nr. III b. 

19. Pol. 102--106 a. Z. 

„Ducis Magni Holsatiae de nobilitate Harriensi, 
Genensi civitateque Revaliensi ad defectionera 
solicitandis*) Instructio, reperta in arce Reva- 
liensi [a] Capio^) Nicoiao Harcetio arceque 24. 
Martii sub nocte Anno 70 Recuperata^) a serenis- 
simo Suetie Rege Serenissimo Felonie Regi 
transmissa.*' 
Zu Anfang des Jahres 1570 hatte sich Claus Cursel, schwe- 
discher Feldoberst, mit einigen seiner Offiziere des festen Schlosses 
der Stadt Reval bemächtigt, weil sie schon längere Zeit keine 
Besoldung empfangen hatten. An ihn und die Räthe der Stadt 
Reval hatte Herzog Magnus von Holstein, der Bruder des Königs 
von Dänemark, welcher sich in den Besitz der Stifter Oesel, 

*) Dies ist gerade hier bedauerlich, denn im Gegensatz zu den Be- 
richterstattern in Nr. 14 dürfen wir ersteren wohl unter den vornehmen 
deutschen Herren suchen, welche die Schlacht unter den Fahnen des 
französischen Königs mitfochten, da er sich mit den Vorgängen und Per- 
sonen in einer Weise vertraut zeigt, wie sie nur von einem den leitenden 
Kreisen naher Stehenden zu erwarten ist. 

*) Or. solicitantis. — •) Capitaneo? — *) Im Or. nach Recuperata 
ein „et". 



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Ein oberpfölzischer Aktensammelband. 337 

Kurland und Reval gesetzt hatte und auch nach dem Besitze 
der Stadt Reval trachtete, schon Anfang Februar ein Schreiben 
mit der Bitte um Geleit für einige von ihm abzuordnende Ge- 
sandte geschickt. Dieses Gesuch wurde von Cursel bewilligt 
und nunmehr ordnete Magnus eine Gesandtschaft ab, deren 
Instruktion vom 23. Februar 1570 uns hier abschriftlich vorliegt. 
Doch ehe die Verabredungen zwischen dem Herzog und Cursel 
in Kraft treten konnten, wurde das Schloss dem Letzteren durch 
einen Handstreich des schwedischen Hauptmanns Nils Dobbler 
wieder entrissen (24. März 1570)'). Unsere Instruktion fiel, wie 
es in der lateinischen Ueberschrift heisst, nach Wiederoberung 
des Schlosses in die Hände der Schweden und wurde vom 
schwedischen König (Johann) an den König (Sigismund) von 
Polen überschickt. Der „eingelegte Zettel** meldet, dass Herzog 
Magnus eine Reise zum Grossfürsten von Moskau angetreten 
habe. Dies verhielt sich in der That so, indem sich der Herzog 
nach dem Scheitern des berührten Anschlags den Russen in die 
Arme warf, um dann im August mit einem russischen Heere 
wieder vor Reval zu erscheinen. Einen Druck konnte Verfasser 
nicht eruiren^). 

20. Fol. 108-111 a.Z. 

In dorso: „Vertrag zwischen Hertzog Augusto 
vnd dem Margraffen Albrecht. A. etc. 63.'* 

Am 9. JuH 1553 war Kurfürst Moritz von Sachsen im Kampfe 
gegen Markgraf Albrecht von Brandenburg bei Sievershausen 
tödtlich verwundet worden und starb wenige Tage darauf. Sein 
Bruder und Nachfolger Kurfürst August schloss, 11. Sept. 1553, 

*) Vgl. Busse, Herzog Magnus, König von Livland 1871, p. 46 ff., 
Seraphim, Der Feldoberst Klaus Kursell imd seine Zeit in Bibl. livländ. 
Gesch. I, Reval 1897, p. 108 ff., Monumenta Livoniae antiquae Bd. I, 
pag. 275 ff. Russowen, Chronica der Provintz Lyfflandt 1584 pag. 68, 
Hansen, Aus halt. Vergangenheit, Reval 1894. 

*) Ein Exemplar unserer Instruktion (Magni instruktion für sina 
sändebud, Arensburg "/« 70 Livon 92) im Reichsarchiv zu Stockholm erwähnt 
Annerstedt, Svenska väldet i Livlnnd 1564—1570 Göteborg 1877, pag. 54. 
Nach freundlicher Mittheilung des Stockholmer Reichsarchivs stimmt die 
dortige Abschrift (in der Sammlung „Livonica, Liffländska bref, Nr. 92) 
im Wortlaut mit der vorliegenden überein, jedoch wäre letztere z. B. in 
den Namen sehr fehlerhaft. Ein Druck ist auch dem Stockholmer Archiv 
nicht bekannt, ja sie wäre demnach selbst mehreren Forschern der liv- 
land ischen Geschichte unbekannt. 

ArohivaüBohe Zeitschrift. Neue Folge IX. 22 



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338 Albert Gümbel: 

zu Braunschweig unter Vermittlung König Christian's 111. von 
Dänemark, seines Schwiegervaters, und Kurfürst Joachims von 
Brandenburg, mit dem Markgrafen den Friedensvertrag, dessen 
Wortlaut uns hier in Abschrift vorliegt. Vgl. über das Vertrags- 
instrument, dessen jetzigen Aufbewahrungsort, irrthümliche An- 
gaben über den Ausstellungsort etc.: TreflFtz, Kursachsen und 
Prankreich 1551 — 1557^) und die dort angegebene Literatur. 
Demnach ist das Aktenstück mehrfach abgedruckt. Einen Druck 
hat auch Hortleder^); eine Vergleichung ergibt Abweichungen 
im Ausdruck nur an ein paar Orten, ohne dass hiedurch der Sinn 
wesentlich geändert würde. Im Allgemeinen leidet auch diese 
Kopie an Auslassungen und falschen Lesungen der Vorlage; 
doch dürfte hie und da, gegenüber Hortleder wenigstens, die 
Variante unserer Abschrift den Vorzug verdienen. 
21. Fol. 112—115. 

Brief des Hans Hetzen, hessischen Haupt- 
manns, an Georg, Landgrafen von Leuchten- 
berg, den Krieg der protestantischen Für- 
sten gegen Herzog Heinrich von Braun- 
schweig und dessen Gefangennahme betr. 
25. Oktober 1545. 
Im J. 1542 war der katholische Herzog Heinrich von Braun- 
schweig-Wolfenbüttel, welcher sich Goslars zu bemächtigen ver- 
sucht hatte, von dem Kurfürsten von Sachsen und dem Land- 
grafen von Hessen aus seinem Lande vertrieben worden, und 
als er 1545 versuchte, sich desselben wieder zu bemächtigen, 
wurde er von ebendenselben, denen sich noch Herzog Moritz 
von Sachsen anschloss, bei Kahlfeld am 21. Oktober 1545 sammt 
seinem Sohne gefangen genommen. Unter den von Issleib ^) 
und dem neuesten Bearbeiter dieser Episode, Brandenburg*), 
aufgeführten Berichten findet sich der unseres hessischen Haupt- 
manns nicht erwähnt. Ueber die Person des letzteren lassen 
sich aus dem Briefe nähere Angaben nicht entnehmen. Der 



•) pag. 108, Anm. 4. 

«) 1. VI, cap. 14. 

') Issleib, Der Braunschweiger Krieg im J. 1545. (Mittheilungen des 
K. Sachs. Alterthumsver. Heft 26, 1877.) 

*) Brandenburg, E. Die Gefangennahme Herzog Heinrichs von Braun- 
schweig durch den schmalkaldischen Bund 1645. Leipz. 1894. 



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Ein oberpfälzischer Aktensammelband. 330 

Adressat ist Landgraf Georg IV. von Leuchtenberg (1532 bis 
1555)*). Die Adresse lautet: Dem durchleuchtigen vnd hoch- 
gepornen Fürsten und Herrn Herrn Jörgen, Landgrafen zum 
Leuchtenberg vnd grafen ze Hals, meinem gnedigen Herrn. 
Siehe Beilage Nr. L 

22. Pol. 117—119 a.Z. 

Vff Sonnder Habenden des durchleuchtigen 
Hochgebornnen Fürsten vnnd Herrns, Hern Lud- 
wigen Pfaltzgraven bey Rein, Hertzogen Inn 
ßairn, der Übern Churfürstli chen Pfaltz Statt- 
halters etc., meines gnedigen Herns^) habe ich 
Jacob vonn Müffling, Pfleger vnnd Lanndt- 
schreiber zue Neuburg^), Thoma Phillipssen 
vonn Murach zue Nidernn Murach Wegen auss- 
stenndiger jerlicher nutzung vnnd einkhomens, 
ainundfünffzig gülden Zwen Schilling annder- 
halben und zwainzig Pfenning, Jörgen von 
Murachs etc. vnnderthonne mit glüb, aidt, 
Pflichten, gülden, Renten, Zinssen, vnnd aller 
Pottmessigkheit eingeben, So lanng vnnd weil 
ernannter Jörg von Murach solche vnnderthonne 
nit wider Richtig macht vnnd zue sich löst, Wie 
vnnderschidlich hernach volgt vnnd Nemblich 
erstlich . . ." 
Es folgen die Namen der übergebenen Orte, Unterthanen, 
Renten, sodann eine Kosten Verrechnung unter der Ueberschrift: 
Folgt Hernach der vncosten. In Welchem ermelter Jörg von 
Murach thoma Phillipsen auch von Murach Inn diesser sachen 
eingefürtt, wie vnderschiedlich verzeichnett . . . Geben vnnd 
geschehen öambstags, denn 18. Augustj, Ao. etc. 65isten. Das 

*) Ueber ihn vgl. Wittmann, Geschichte der Landgrafen v. Leuchten- 
berg. 3. Abth. in Abhandig. der bist. Classe der k. bayer. Akad. d. W. 
Bd. VL 

*) Etwa zu ergänzen ^Befehl." 

') i. e. Neunburg vorm Wald, cf. Verhandig. des hisl. Ver. von Ober- 
pfalz und Regensburg XIX, 178, wo erwähnt ist, dass der Pfalzgraf und 
Statthalter Ludwig dem Pfleger und Landschreiber Jakob von Mueffling 
sdie zwei vacirenden Messhäuslein in Berg neben dem Pfleghaus gegen das 
Schloss zu imd an der Ringmauer daselbst gelegen" im J. 15(38 über- 
geben habe. 

22» 



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340 Albert Gümbel: 

zu Ende aufgedrückt gewesene Siegel des Pflegers ist jetzt 
verschwunden. In dorso: „22 fl. 5 sh. Schwartzs thuet 6 sh. dl. 
Weysgeldes zu Neuburg vncostens Auff'ge wendet als zu ende 
dieses BrifFs zu finden etc." 

23. Fol. 120-125 a.Z. 

„Kurtze vertzaichnus et lieber Pürnehmen 
Historien des Krigs mit Magdeburg.*' 
In dorso: „Magdeburgisch Khrig." 

Im schmalkaldischen Krieg war Magdeburg geächtet worden 
und hatte sich der Einführung des Interim hartnäckig widersetzt. 
Auf dem Augsburger Reichstag im J. 1550 Hess sich Kur- 
fürst Moritz von Sachsen die Exekution der Acht übertragen 
und belagerte, obgleich im Herzen schon entschlossen mit dem 
Kaiser zu brechen, die Stadt vom Oktober 1550 bis Nov. 1551. 
Unser ungenannter Berichterstatter, wohl ein Magdeburger 
Bürger ^), verzeichnet in Tagebuchform die Ereignisse der un- 
zweifelhaft von ihm mitgemachten Belagerung von der Schlacht 
bei Hillersleben, 22. September 1550, in welcher Herzog Georg 
von Mecklenburg die Magdeburger besiegte, bis zum Tage des 
Einritts des Kurfürsten Moritz, 9. November .1551*), in die 
durch eine Kapitulation ihm überlieferte Stadt; mit diesem Tage 
schliesst unser Chronist seine Aufzeichnungen ab. Issleib') kennt 
unseren Bericht nicht. Auch gegenüber den ausführlicheren 
Darstellungen Besselmeiers'*) und Merckels (beide bei Hortleder) 
und dem im neuesten (27.) Bande der deutschen Städtechroniken 
publizirten Schilderungen in der „Portsetzung der hochdeutschen 
Uebersetzung der Magdeburger Schöffenchronik" und in dem 
Werkchen*) eines unbekannten Magdeburgers: „Von dem Kriege 

•) Dies könnte zweifelhaft erscheinen, weil Anfangs von den Magde- 
burgern immer nur in der Form „die von M.", „die M.'schen Knecht" ge- 
sprochen wird, später freilich ist der Ausdruck „die unsern* u. ähnl. 
überwiegend. 

*) Im Schlussdatum der Handschrift falsch „ü. October." 

^) Magdeburgs Belagerung durch Moritz von Sachsen 1550/51 (Neues 
Areh. f. sächs. Gesch. Bd. V). 

*) Auch der schon öfter erwähnte Codex der Züricher Stadtbiblio- 
thek hat einen Baseler Druck dieses Berichtes v. 1552. 

^) Diesem steht unser „Kurzes Verzeichnisse in der äusseren Form 
und im Werthe am Nächsten. Der Verfasser „Von dem Kriege v. M.* 
spricht immer in der Form: „die Magdebm*ger.* Vgl. die Vorbemerkung 
des Herausgebers Hertel, der den Verfasser gleichwohl für einen Magde- 
burger hält. 



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Ein oberpfälzisoher Aktensaminelbaad. 341 

vor Magdeburg" bietet unser „Kurzes Verzeichnisse* hie und da 
einen neuen Zug und sei deshalb im Anhang als Beilage II ein 
Abdruck gegeben. 

24. Pol. 127—132 a. Z. (die Pol. 128 und 129 sind in der 
Poliirung übersprungen). 

In dorso : „Copia Hertzog Magnuss absag- 
brieffs an die von Revel." 
Nachdem es Herzog Magnus von Holstein, der von dem 
Zaren den Titel eines Königs von Livland erhalten hatte, nicht 
gelungen war, sich durch Verrath der Stadt Reval zu bemäch- 
tigen (cf. die Anmerkungen zu dem Aktenstück Nr. 19), belagerte 
er die Stadt an der Spitze eines russischen Heeres vom 
21. August 1570 bis 16. März 1571 - ohne Erfolg. Am 
23. August 1570 betrat der Herzog, der an diesem Tage einen 
Vortheil über die Städter errungen hatte, noch einmal den Weg 
der Unterhandlung. Sein Schreiben an den Rath liegt uns hier 
vor. Vgl. Busse, a. a. 0. pag. 57 und Anmerk. pag. 58. Demnach 
kannte dieser unser Schriftstück aus einer beglaubigten Abschrift. 
25. Pol. 133-136 a.Z. 

Schreiben Markgraf Albrechts Alcibiades von 
Brandenburg-Kulmbach „Ann die Reinischen 
Craisverwannten, so zu Wurmbs beieinannder 
versamelt." ,,Dat. denn achten tag Octob. Anno 
etc. 54." 
Am 13. Juni 1554 war Markgraf Albrecht von den im Heidel- 
berger Bunde gegen ihn geeinten Fürsten bei Schwarzach ge- 
schlagen worden und musste seine Zuflucht zu König Heinrich II. 
von Prankreich nehmen. Im darauf folgenden August kamen 
auf Einladung der rheinischen Kurfürsten Gesandte der ober- 
rheinischen, schwäbischen und fränkischen Kreisstände zu Worms 
mit den kurfürstlichen Gesandten zusammen, um über die Mittel 
zur Abwehr eines etwaigen Angriffs seitens des Markgrafen zu 
rathschlagen ; in der That wurde auch beschlossen zu diesem 
Zwecke ein Reiterkorps im Elsass aufzustellen. Das wichtigste 
Resultat dieser Wormser Versammlung aber war die Ausschreibung 
eines allgemeinen deutschen Kreistages für den 14. Oktober d. J. 
nach Prankfurt am Main*). Druffel a. a. 0. IV, 532 hat ein 

^) Voigt, Albreoht Alcibiades IL, p. 217 und 219, Haeberlin, U, p. 464 ff. 
und über den Frankfurter Brief p. 469, Druffel, IV, pag. 523, Anm. 2. 



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342 Albert Gümbel: 

vom Markgrafen an die Stände des rheinischen Kreises zu Worms 
gerichtetes Schreiben vom 8. Oktober 1554 nach einer Kopie 
des Münchener Staatsarchivs und erwähnt in der Anmerkung 
eine an die vereinigten Stände zu Frankfurt gerichtete Zuschrift 
des Markgrafen vom gleichen Datum, in welcher dieser sich 
über Arras, Pfintzing und das Kammergericht, dann die streifende 
Rotte des rheinischen Kreises beklagt. (Kopie gleichfalls im 
Münchener Staatsarchiv.) Dabei bleibt aber das Datum des 
Schreibens an die Wormser Versammlung zu erklären, denn, 
wie oben bemerkt, tagte die letztere im August (4- — 28.), 
während der Wormser Brief DruifeFs das Datum des 8. Oktober 
hat; von einer gleichzeitigen Wormser und Frankfurter Ver- 
sammlung wird jedoch nicht berichtet. Hier geben uns die 
Dorsalnotizen auf einer Wiener und einer ßamberger Kopie') 
des Wormser Schreibens erwünschten Aufschluss. Die Dorsal- 
bemerkung der Ersteren lautet: „1554, Copi des Schreibens, so 
Marggraf Albrecht an die reinischen craiss verwandten zu Worrabs 
gethon und volgends erst auf dem versamblungstag zu Frannck- 
furt überantwurt worden", die entsprechende Notiz des Bamberger 
Exemplars : „Copia Meins g. h. Marggraf Albrechts zu Brannden- 
burg etc. Schreibens An die Kraissstennde , so zu Frannkfurt 
Am Main versamblet. Lectum Frankfurt 4. Nouembris Anno etc. 
64." Hieraus geht also hervor , dass der Wormser Brief des 
Markgrafen nicht mehr an seine Adresse gelangte, sondern erst 
in Frankfurt übergeben wurde und daselbst am 4. November 
zur Verlesung kam. Dass dem Schreiben des Markgrafen an 
die Frankfurter Versammlung in der That eine Kopie des 
Wormser Briefes beilag, erhellt auch aus dem folgenden Passus 
des Ersteren (nach unserer Kopie): „Derhalbenn wir vnnser vn- 
vermeidenlichen notturft nach nicht vnnterlassen wollen, die- 
weil wir im werk vnnser vnnschuld vber vnnser hievorige er- 
ganngene ausschreiben noch fernner , vnnd sonnderlich des 
Keisers vnnd vnser feind nichthaltenn halben, am tag zu geben, 
vnnd aber solichs in diser eil nicht gescheen mügen, E. L. soliche 



K. und K. Haus-Hof- und Staatsarchiv in Wien. R. A. Fol. 301 a 
bis 306 b; K. Kreisarchiv Bamberg, Reichstags-Acta, Brandenburger Serie 
de annis 1554 et 55 Prod. 154. Beide wurden Verfasser durch Abschrift 
freundlichst zugänglich gemacht, üeber ihr Verhältniss zur Copie unseres 
Codex und denen des MUnchener Staatsarchivs vergleiche unten. 



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Ein oberpfälzischer Aktensainmelbaiicl. 343 

schrifFten^) in mittels zu uberschicken , dergleichen auch 
was wir jungst an die Chur- vnnd Fürsten des Romi- 
schen (Wiener und Baraberger Kopie: reinischen) Krays 
auch geschriben*), wie dieselbenn (= die Frankfurter 
Kreistagsgesandten) aus beigelegtenn (W. K. : beygelegtem) 
schreiben zu vernemen haben." Mit diesem beigelegten 
Schreiben ist doch unzweifelhaft das Wormser gemeint. Der 
Vorgang dürfte demnach der gewesen sein, dass der Markgraf, 
als er von den Unterhandlungen des Wormser Tages insbesondere 
in Bezug auf die streifende Rotte hörte, die geharnischte Er- 
klärung an die Wormser Versammlung verfassto oder ver- 
fassen Hess, sie aber dann zurück hielt als er hörte, dass dieser 
Kreiskonvent schon auseinandergegangen und eine neue Ver- 
sammlung nach Frankfurt ausgeschrieben sei. Der Kürze halber 
legte er dann seinem Schreiben an die neue Versammlung eine 
Kopie des nicht an die Adresse gelangten Wormser Briefes bei. 
Das Datum des 8. Oktober (das auch unsere, sowie die Wiener 
und Bamberger Kopie gleichförmig haben) kann also nicht als 
Datum der Abfassung der Wormser Schrift gelten, (sie mag 
etwa Ende August oder Anfang September verfasst sein), sondern 
nur als der Tag, an welchem sie gemeinsam mit dem zweiten, 
kurzen Schreiben an die Frankfurter Versammlung abging. 
Dass auch sonst der Markgraf oder sein Beauftragter auf die 
Abfassung des Frankfurter Schreibens nicht viel Zeit und Mühe 
verwenden konnten oder mochten, beweist auch der Umstand, 
dass der erste Theil des letzteren dem Anfang des Wormser 
Schreibens ganz gleichgebildet ist, nur lieisst es jetzt statt „die- 
weil wir dann befinden, das E. L. jetzigen Zeit abermals zue 
Wurmbs bei einander sein sollen'^: „dieweil wir dann vernomen, 
das E. L. vnnd ir di anndern allerseits aus denn 6 Kreisenn 
des heilligen Reichs sich zusamen gein Frannckfurt am Meyn 
beschriben haben sollenn" und weiter unten entsprechend statt 
„Kraistag": „tag zu Frannckfurt**; schliesslich ist noch der, 
natürlich im Wormser Brief fehlende Passus über die Beilage 



*) Nämlich das Eingangs des Briefes erwähnte Schreiben des Car- 
dinais Otto, Bischofs von Augsburg, an den Markgrafen vom 25. Juni 1554 
(bei Dniffel, IV, 493) und die Antwort desselben. 

*) Münch. Staatsarohiv.: was widerumb von den Churfürsten des 
Rheinischen chrais auch geschrieben. 



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344 Albert Gümbel: 

eben dieses Briefes eingeschaltet. Auch der Schluss beider 
Briefe ist übereinstimmend. Erst im eingelegten Zettel giesst 
der Markgraf in originelleren Tönen nochmals die Schale seines 
Zornes über die „Blutreiter" aus. 

Eine Vergleichung unserer Kopie mit den beiden Kopieen 
im Münchener Staatsarchiv ergibt die Thatsache, dass unser 
Exemplar sich als eine Kombination aus diesen beiden Münchener 
Kopieen darstellt. Mit der Kopie des Staatsarchivs K. schw. 
157/11, fol. 577 fF. deckt sie sich bis zu den Worten „dringen 
lassen." Dann fehlt der ganze Absatz: „Sonnder vnns alls ein 
mitglid des Reichs — ein Pösseres versehen wellen** und es 
folgen gleich die Worte, wie in der Kopie des Staatsarchivs 
(ibid. fol. 581 ff., Brief an die Wormser Versammlung) ,,in- 
massen der frennckisch Krais . . ." ganz übereinstimmend bis 
zum Schluss. Dieselbe Bewandtniss hat es mit der Wiener 
Kopie: Anfang vom Frankfurter Schreiben, zweiter (grösserer 
Theil) vom Wormser Brief). Wir werden diese Kombination 
nicht aus einem Versehen, sondern aus der bewussten Absicht 
erklären dürfen in die Kopie nur das WesentHche aus beiden 
Schreiben aufzunehmen ; dies war in der That der Anfang des 
Frankfurter und der (weitaus grössere) Theil des Wormser Schrei- 
bens. Vielleicht entstand sie in der mit der Leitung der schriftlichen 
Geschäfte des Kreistags (u. A. Empfangnahme der einlaufenden 
Schreiben, Kopirung und Verteilung der Kopien unter die anwesen- 
den Fürsten) betrauten Kanzlei, hier wohl der kurmainzischen, als 
niederrheinischen Direktorialkanzlei. Uebrigens folgt im Wiener 

*) Dagegen stimmt die Bamberger Kopie des Wormser Schreibens 
mit der des Staatsarchivs Uberein; nur fehlt in letzterer der eingelegt 
gewesene Zettel : er sei desshalb hier im Wortlaute (nach der Abschrift 
des Kreisarchivs Bamberg) wiedergegeben: ^Cedula. Wiewol wir seithero 
bericht worden, das ettliclie von disor Pluttigon Straiffenden Rott abge- 
zogen, die vom Adel seindt vnnd villeicht Ir ehr vnnd herkomen bedacht, 
dieweil sie eins thails inn annderer Namen geworben, So wollen wir die- 
selben doch hiemit mit disem vnnserm Schreiben nit gemaint, Sonnder 
allain die Jhenigen beschuldigt haben, so noch Inn irem furhaben beharren 
vnnd vf vnns vnd der vnnseren Bluet vnnd allain, wie sie vnns vf die 
Flaisch Bannck vffopfern möchten, noch teglichs, vnuerwhart Irer ehrn, 
straififen, die wir mit der Zeit wol zu finden wissen, Demnach sie Ire 
Namen, die wir selbst gesehen, an allen Wirtzheiisern steen lassen. 
Actum vt in literis. Albrecht. Inn Meins g. h. Marggrafen Albreehts etc. 
Brief, an die Churfurstcn am Rein etc. vberschrieben, gehörig.** 



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Ein oberpfälzisclier Aktensammelband. 345 

Codex unmittelbar auf den Wormser eine Kopie des Frank- 
furter Briefes (fol. 307 a — 309b) übereinstimmend mit der des 
Münchener Staatsarchivs ^). 

26. Fol. 138-139. 

Mandat Kaiser Karl's V. gegen den Uebertritt 
in fremde Kriegsdienste und Ausfuhr von Kriegs- 
material. Geben Inn vnser vnd dess Reichs Statt 
Augspurg am 12. tage dess Monats September. 
Im Jahre 1551 drohte der Kampf zwischen dem Kaiser und 
der französischen Krone wieder auszubrechen und sah sich der 
Kaiser dadurch veranlasst, vorliegendes Mandat vom Reichstag 
zu Augsburg aus zu erlassen. Ein Druck konnte nicht eruirt 
werden, desshalb sei kurz der Inhalt vermerkt. Der Kaiser 
erinnert zunächst an die früher von ihm und dem römischen 
König erlassenen diesbezüglichen Verbote , gleichwohl sei ihm 
berichtet worden, dass aus dem Reich sowohl „allerlei Kriegs- 
wahre, alls Harnisch, Hackhen, Bantzer, Silber, Khueffer, 
Schweffell, Pley" unter dem Schein von anderen Kaufmanns- 
gütern in fremde Länder verführt werden, als auch Personen 
sich in den Dienst fremder Potentaten begeben haben; er ver- 
biete dies den Kauf- und Handwerksleuten ,,vnd andern 
Khunstnern*', dann allen Haupt- und Kriegsleuten bei Strafe der 
Vi^rwirkung des Kaufmannsgutes und den in den früheren Man- 
daten angedrohten Pönen. 

27. Fol. 141 r~ 142. 

In dorso: „Kurtzer ausszug der Proportion (!) 
So Ire Rom. Kay. Mt. den Stenden am 25. tag 
Junij Anno etc. 76 publice haben eröffnen lassen'*. 
Wie die Dorsalbemerkung besagt, ein kurzer Auszug aus 
der in Nr. 15 vollständig vorliegenden Proposition Kaiser Maxi- 
milians für den Reichstag zu Regensburg 1576. 

Der im Vorstehenden beschriebene Kodex, welcher früher 
mit der ,, Instruction** (s. oben S. 318 mit Anm. 3!) zusammen- 
gebunden bei den Literalien über Frankreich lagerte, bildet jetzt 
die Nummer 408'/» der Oberpiälzischen Literalien des k. allge- 
meinen Reichsarchives. 



*) Auch die Bamberger Reichstagsakton enthalten, anschHessend an 
den Wormser Brief, eine Kopie (Tomue 32, Prod. 156), welche mit der des 
Staatsarchivs übereinstimmt. 



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346 Albert Gümbel: 

Be ila2|:6ii.^) 

I. 

Schreiben des Hans Hetzen, hessischen Hauptmanns, an Land- 
graf Georg von Leuchtenberg, die Gefangennahme Herzog 
Heinrichs von Braunschweig durch den Schmalkaldischen Bund 
betreffend, d. d. 25. Oktober 1545. 
(Vgl. oben die Bemerkungen zu Aktenstück Nr. 21.) 

Durchleuchtiger, hochgeborner fürst, genediger herri E. 
fl. Gn. sein mein untertenig, gehorsam, willig dienst mit fleis 
zuvor! Genediger fürst und herrI E. fl. Gn. gib ich untertenig- 
lieh zu vernemen, nemhch dergestalt wie ich mit meinen 
knechten ins land zu Braunschweig komen bin uf dritthalbe 
moil vom veldleger, welchs da ist gewesen bei einer stat, Nort- 
haim genant, da sind di drei fürsten mit irem kriegsvolk ge- 
legen, benantlich Sachsen und Hessen^), samt herzogen Moritzen; 
aber der churfürst von Sachsen^) ist nit persenlich im feld ge- 
west^), doch hat er aber sein volk do gehabt, das sie bis in 
die zwaiundvierzigtausent zu fus und achttausent gerister pferd 
gehabt und stark seind. Genediger herr, nun hat sich herzog 
Heinrich von Braunschweig mit seinem volk am sontag, den 
18. octobris, sehen lassen und ist im willen gebest sich mit den 
fürsten zu schlahen und ist nichts gehandlt worden, dan das 
man hat gescharmitzelt , und desselben tags zu abent ist ein 
frid angestelt (worden], des herzog Moritz gemwt^) gewest ist, 
das er di sach gern in der gute vertragen hette, wie E. fl. Gn. 
weiter zu vernemen haben; nemlich also, das erstlich herzog 
Heinrich sich solle gefangen geben in herzogen Moritzen band; 
zum andern solle er das wort gottes anemen und in seinem 
land mit pn^digen und diese ^) religionordnung halten, wie es in 
der chur- und fürsten land gehalten werdet auch samt iren 



') Die Schreibung wurde (von den Ueberschriften abgesehen) nach 
dcu bekannten Grundsätzen vereinfacht. 

^} Landgraf Philipp von H. 

') Johann Friedrich. 

*) Ihn vertraten Herzog Ernst von Braunschweig- Lüneburg und Georg 
von der Planitz; doch hatte der Kurfürst sein Volk noch persönlich zum 
Sammelplatz (Mühlhausen) geführt. Brandenburg a. a. 0. p. 25. 

*) Wohl zu „muen" = sich bemühen, Lexer, Wörterbuch I, 2214. 

«) Vielleicht statt „der**. 



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Ein überpfalzisoher Akteusammelband. 347 

religionambt-verbanten ^) und sein gemain volk dar zu lassen 
lernen und halten und nieraands derwegen und darum strafen ; 
zum dritten, das er den uncosten solt den chur- und Fürsten der 
protestirende stend, was über den zug wer gangen, widerum 
erlegen und bezalen ; zum 4., das er solt anzaigen diejenigen, 
die ime zu solchem krieg rath und that geben und geholfen 
haben, und, so er also das anemen und thun wolt, solt ime 
sein land und leut wider eingeantwort und gevolgt werden etc. 
Solchs hat herzog Heinrich wellen eingeen und bewilligen , so 
haben ims seine herrn reth und beistend nit wollen zugeben 
und am ertag, den 20. octobris, ist er ufgeprochen und im abzug 
für ein stat, heist Einbeckh, wollen legem ; also und darauf ist 
der landgraf verursacht worden ime unter Augen zu zigen, 
wie ich dan denselben tag, den 20. octobris, zu abents mit 
meinem fehlen in ein dorf, eine halbe meil von Götting und 
2^2 nieil vom veldleger, komen bin, aldo ist mir ungeverlich 
um 8 ur zu nacht von dem landgrafen ein schreiben komen, 
das ich mich solt eilend ufmachen , angesicht des briefs mit 
meinem fenlen knecht und in das leger um 12 uren oder ein 
stund darnach komen: das hab ich gethan, die nacht gezogen 
bis um 1 ur nach mitternacht, da ist man mit allem häufen 
schon aufgewest, das ich gleich zum häufen mit meinen knechten 
komen bin; also seind wir dem von Braunschweig nachgezogen, 
und als es tag ward, sahen wir den von Braunschweig mit 
seinem volk zu allernechst vor uns in der Ordnung halten, das 
er hat dreissig und 1 fenlein landsknecht und in die dreitausent 
gerister pferd gehabt ; da haben wir unser Ordnung auch ge- 
macht mit reutern und fussknechten auf etlich häufen und imer 
entgegen und nachzogen, darauf imer der zurück gewichen und 
haben wir das veld[ge]schütz von ainer höhe uf die andern ge- 
pracht und hetten auch gern mit ime geschlagen, doch, wie er 
das gross gewaltig^) ersehen ime nachzuziehen, da hat er hinter 
seinem fusvolk gehalten jegen uns und alspalde hat er ein 
trumetter zu herzog Moritzen dermassen geschickt und ime 
lassen anzaigen, er welle den vorbemelten beretten vertrag an 
waigerung anemen etc.; da hat es der landgraf nit wellen 
thun, mit nichten nit; also hat man etlich hackenschützen 
lassen lauten, die seind dem einem geschwader reuter zuge- 

'j Statt Religionsanver wandten. - ^) Vielleicht zu ergänzen: volk. 



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348 Albert Gümbel: 

loffen und haben unter sie mit hacken wollen schleusen, daninter 
ist herzog Heinrieh von Braunschweig mitsamt seinem eltisten 
sone, herzog Karl, gewesen; so haben sie die schützen mit ge- 
nedigem gemüt angeschrien, sie sollen nit schiessen, sie wollen 
sich gefangen geben, wie dan gescheen; also hat sich herzog 
Heinrich und sein son samt den dreien gesch wader raisigen 
zeugen mit herren, edeleuten, reutern gefangen geben ins land- 
grafen band uf gnad und ungenad; das ist alles gescheen den 
21. octobris; darnach den andern tag hat man die zwen herzog, 
vater und son, gein CassP) geschickt, und die andern ge- 
fangen herrn und edeleut hat man uf ein schlos gefürt, ir etlich, 
die andern raisigen knecht haben müssen schweren, von stundan 
aus dem land zu reiten, aber das fusvolk ist für und für mit 
dem geschütz gezogen; da hat inen der landgraf ein trumeter 
zugeschickt, sie sollen die fenlen von den stenglen reissen, auch 
sich voneinander thon und aus dem land ziehen. Nun haben 
zehen fenlein das angenomen, die fenlen abgerissen, die andern 
seind beieinander pliben samt etlichen geschwader reuter, mit 
dem geschütz imer fortgezogen und haben änderst nit vermaint, 
sie wollen das geschütz mit inen hinwegbringen, 12 stuck etc. 
Nun aber seien wir inen nachgezogen und sie voneinander 
pracht bis uf 2 tausent , da hat man in das geschütz genomen 
und die wer, mit weissen stehlen^) aus dem land geschickt, 
auch haben sie sechs monat lang geschworn wider diese fürsten 
nit zu dienen; also haben wir das ganz land zu ßraunschweig 
wider eingenomen und darauf herzog Moritz mit seinem volk 
wider heimgezogen, auch des churfürsten und landgrafen land- 
volk alles heimzogen ; aber der landgraf hat noch bei ime zwai 
regiment landsknecht, Wolf von Schonberg fürt eins und Pern- 
harth von Dalhein das ander, sind beide 24 fenlein und 3 tausent 
gerüster pferd, da wollen wir [über! den graf CristoflF von 
Olichenburg^), den grafen von Rittberg*) und darnach über 

') Herzog Heinrich wurde nach Ziegenhain gebracht. Brandenburg p.70. 

*-') Als Zeichen, dass sie sich auf Gnade und Ungnade hatten ergeben 
müssen. Vgl. die Beispiele bei Grimm, Deutsche RochtsalterthUmer, 
4. Ausgabe, Bd. 1, 185 unter stab 2. 

*) Oldenburg cf. Issleib, Braimschweiger Krieg, p. 34 Anm. 102. Dem- 
nach wurde er beschuldigt, Herzog Heinrich Geschütz zugeschickt zu 
haben. 

*) Graf Otto von R. zog dem Braunschweiger selber zu; er trug die 



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Ein oberpfälzischer Aktensammelband. 349 

ander mer^); versieh raich man werd die knecht den winter be- 
halten*). Solchs, E. fl. Gn. , den ganzen grund des kriegs; 
will E. fl. Gn. raich in aller untertenikait bevolhen haben und 
will raich auch halten ein gut weil (?) [or. gotwilln], darob E. fl. 
Gn. ein genedigs gefallen sollen haben; bitt E. fl. Gn. wellen 
raeins weibs und kinds genediger herr sein. Dat. sontags den 
25. octobris ao. etc. 45 etc., im feldleger bei Stainburgkh^). 

Unterteniger und gehorsamer 

Hans Hetzen, 

Hessischer Haubtman. 

11. 
Kurtze vertzaichnuss etlicher Pürnehmen Historien des Krigs 

mit Magdeburg. 
(Vgl. die Bemerkungen zu Aktenstück Nr. 23*). 
Anno 1550, am 22. septembris, raontags nach^) Michaelis, 
sind die von Magdeburg zu Hildenslebenn an der Ohr durch 
herzog Jörgen von Mechelenburg geschlagen und ungeverlich 
1200 person, burger, knecht und am maisten pauern blieben, doch 
sind unter den erschlagnen auser der pauern vast so vil roter 
veldzaichen als der andern gelegen nach anzaigung vil glaub- 
wirdiger leute, so auf der maistat ^) gewesen^). 

Grafschaft Rittberg von Hessen zu Lehen; Philipp zwang die Vcste Ritt- 
berg zur Uebergabe und legte dem Grafen, dem nachher das Maimen- 
gericht seine Lehengüter absprach, eine Geldstrafe auf. Cf. Romniel 1, 
495 und die Berichte bei Hortleder. 

*) z. B. Jakob von Schulenburg und Alhard von Hoerde. 

*) Der Landgraf entliess seine Truppen Ende November nach der 
Einnahme von Rittberg, cf. Issleib, Herzog Moritz und der braunschw. 
Handel. Arch. f. sächs. Gesch. N. Flg. Bd. V. 

') Festung Steinbrück, mit deren Einnahme Herzog Heinrich den 
Feldzug eröffnet hatte und welche der Landgraf i.un wieder einnahm. 

*) Für die Sach 'Erklärung kann der Herausgeber jetzt auf die sorg- 
fältigen Kommentare Dittmars und Hertels zu den von letzterem im jüngst 
erschienen 27. Bd. der Chroniken der deutschen Städte publicirten Magde- 
burger Chroniken 1 und V und das dem Bd. angehängte Personen- und 
Ortsnamenverzeichniss verweisen. Einzelne daraus entnommene Notizen 
sind mit D. und H. gekennzeichnet. 

*) Muss heissen „vor"; die Schlacht fiel auf den 22. September. 

®) So auch noch zweimal unten ; man erwartet „walstat" wie unten 
S. . . Zeile . . v. . . 

') Da es sonst nirgends erwähnt wird, möge hier darauf hingewiesen 
sein, dase auch die deutsche Volkssage sich dieser Schlacht bemächtigte 
vgl. Gebrüder Grimm, Deutsche Sagen, 2. Aufl. Nr. 145. 



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350 Albert GQmbel: 

Nach solcher niderlag hat sich der feind jegen Schönbeck, 
IV-i rneil wegs von Magdeburg gelegen, über den closterberg zu 
feit geschlagen und vor andern graf Hans Jörg von Manssfelt 
zu den feinden ankommen. 

October.] Volgents den 2. diess herzog Moritz zu Sachsen, 
auch margraf Joachim, ourfürst, margraf Albrecht zu Branden- 
burg und Lazarus von Schwendi als kai. Mt. krigscommissarius 
etc., sonst sind herzog Moritz und margraf Joachim, curfürst, 
als velthern durch ire krigsleut in schrieften verraelt und ange- 
zogen. 

Den 9. ist fürst WolflF von Anholt in Magdeburg komen 
und die gute handeln sollen, volgents doctor Johan Scheiring, 
ein Magdeburgisch statkind, und itzt Mechelnburgischer canzler, 
mehrmals aus- und eingeritten und die gute handeln sollen; 
unterdes haben die feinde über dem klosterberge ein schanz zu 
Buchaw gebauet, volgentz die ander schanz zu Dessdorf. 

November.] Den 24. november haben die feind den zol 
bereut, den die von Magdeburg selbst haben lassen abbrennen, 
aber der feind hat Krockaw, das dorf darneben, eingenomen 
und volgentz ein schanz am zoll bei dem wasser gemacht. Den 
25. sind die feinde in die Neuestat gefallen und in der nacht 
eingenomen, darjegen auch deren von Magdeburg krigsvolk zum 
thail hinausgefallen und die Neuestat bis über das rathaus selbs 
abgebrent, etlich erstochen, etlicli gefangen hereinbracht. 

Sonabents nach Katharine^) hat die stat Magdeburg auch 
die ober vorstat, die Sudenburg genant, abgebrent, der feind 
aber hat die Neuestat, weit^) unverbrent, zu seinem forteil und 
für dem jeger eingenomen, sich jegen der alten stat vergraben 
und mit dreien schanzen versichert. Und wiewol der feind 
denen von Magdeburg an reutern und knechten weit überlegen 
und allenthalben um die stat in grosem forteil ligt, ist doch, 
got lob, unter vilfeltigen schermutzeln zuvorn und hernach denen 
von Magdeburg geringer schaden, gewisslich aber den feinden 
grosser abbruch geschehen; sonderlich aber, weil die stiftjunkern, 
iren pfaffen zu gefallen, den krig wider ir Vaterland und rehgion 
füren helfen, trift sie der unfal am maisten; ist auch der erst 
namhaft vom adel, ein Arnstet, erschossen und bei dem sich- 

*) 29. November. 

'^) Wohl gleich „soweit" oder es ist ein „so" zu ergänzen. 



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Ein oberpfalzischer Aktensammelband. 351 

haus von den Magdeburgischen knechten begraben, die andern 
neben ime in ein bronen gestortzt worden, 3. novembris. 

December.] Den andern December, do haben bürger und 
krigsleut auf dem blatz zusammen gemehret(l)^). Den 18. dieses 
in der nacht sind deren von Magdeburg reuter und knecht eins- 
thail, so darzu verordent gewest, zwischen baiden legem, Buckaw 
und Dessdorff, durchgezogen und haben das dorf Grossen-Otters- 
lebenn, ein grosse halbe raeil wegs von Magdeburg, überfallon, 
ein [starck gemeng von reutern worden]^), acht nidergelogt 
und, nach anzaichung der vilen gefangen, so sind auch im dorf 
gewesen die junkem mit irer rüstung, wie hernach volgt. 

Es sind auch die pferd fast alle, so nit verbrent, samt der 
tumpfaffen haubtleuten (I), darin fünf (I) Moritz gestickt^'), in 
die stat Magdeburg gebracht [worden]. 

Johan von der Aschenburg, rittmaister, 18 pferd, Mathias 
von der Schullenburg, fenderich, 22 pferd, Christof von der 
Schullenburg 3 pferd, Jobst von Felthaim 12, Juntzel von Velt- 
haim 6, Fritz Mullendorff 8, Jörg Gebhat edler Hlatau 7, Jochim 
Jörg und Jobst von Bissmarck 14, Hans Jacob und Jochim von 
Itzenblitz 13, Reimer von Aluensleben 5, Leuin von Mornholt 5, 
Curth von Bulau 6, Claus von Bueren 6, Hans Lassau 7, Cristof 
von Buern 4, Jacob Hoppendorp 4, Merta Kray 4, Christoff von 
Gebichenstain 8, Hans Schilling 6, Arnt von Ellenburg 6, Stephan 
Billick 4, Caspar Maier 4. 

Nachvolgende vom adel sind von Grosen-Ottersleben ge- 
fangen in die stat bracht worden: Ascha von Kram 6 pferd, 
Busche und Caspar von der Schullenburg 13, Zacharias Robel 8, 
Christof von Helden 6, Hainrich Rot 4, Balthazar vonn Warn- 
stet 2, Andre Hack 6, Hans Schlonewitz 3, Melchior von Leben 7, 
Joachim von der Luhe 2, Merta Rhor 2, Jörg und Wolff von 
Blataw 11, Vicke von Velthaim 4, Christof Schenck 7 [corr. 

') Bürger und Laiidskuechte schwuren sich auf dem Markte gegen- 
seitige Treue. Vgl. D, pag. 42. 

*) or.: starcke von reutern weniger. 

') Der Sinn der in dem vorliegenden Texte verderbten Stelle 
ergibt sich aus ßesselmeier und Merkel : die Magdeburger erbeuteten die 
Hauptfahne des Magdeburger Erzstiftes, auf welcher das Bild des heil. 
Mauritius und das erzbisohöfliche Wappen eingestickt waren. Das Dom- 
kapitel hatte seit 1546 die Stadt verlassen und stand im Bunde mit den 
Belagerern. V^gl. H. pag. 214 Anraerk. 2. 



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352 Albert Gümbel: 

aus 4], Caspar und Moritz von Arnhaim 6, Johann von Essen- 
beck 1 pferd. 

Nachvolgende vom adel haben obgeschriebnen gedinet: 
Jobst Gurt und Barthelt die SchilHng, Otto Wickau, Hanrich 
Holtzkau, Egidius Panirt, Poldewin von Zerbst, Assmus Klefft, 
Albrecht Breuss, Albrecht von Arnstet, Christof Groenwitz, 
Fabian Schadritz, Hans Schlegel, Christofel Schlonewitz. 

Einspennich ^) knecht sind 125 gewest, so mit iren pferden 
und rüstungen zum thail in die stat gefangen bracht worden. 

Den 25. (!) december, am abent Thorae^), ist in einem scher- 
mutzel vormittag in Magdeburg gefangen bracht worden herzog 
Jörg von Mechelnburg, mehr Levin Winterfeit, Gaspar Plauss, 
Albrecht von der Schullenburg, Hans Gotza und nachmittag 
Hans Drott. Donerstag nach Nicolai^) zuvor sind in einem 
schermutzel auf ein anzal 68 hackenschützen den feinden, deren 
von Magdeburg reulern, nahend, vor der schanz des dorfes N.(!)*) 
abgefangen in die stat bracht worden. Negestvolgenden tag 
sein ainzelich vom adel gefangen und in die stat bracht worden: 
ein Hunerkorp, Joachim Star, Jörg Malditz, mehr Joachim 
Kästet. 

Januar.] Den 11. januarii ist ein ausfall in die Neuestadt 
geschehen, der unsern 19 beschedigt worden, und zum thail 
tot, der feind .8 hackenschützen gefangen, etlich erschlagen. 
Den 15. dieses sind der von Magdeburg vischer und etliche 
knecht zu wasser ausgefangen, haben 7 brücken abgeworfen, 
die clausen abgebrent, einen munchen*^) und 2 reut^r mit zweien 
pferden, Jacob von der Schullenburg gehorich, gefangen samt 
etlichem geret und proviant in die stat bracht. Den 22. dieses 
ist Peter Hoier, rittmaister, erschossen und ein bürger von Dres- 
den samt 10 knechten zu fuss gefangen hereinbracht worden. 
Den 29. dises soll herzog Moritz mit im schermutzeln gewest 
sein, welcher hart unter den unsern bis in die 20 person be- 
schädigt ; die feinde werden iren schaden auch entfunden haben. 



') Nach H., Glossar: gewöhnliche Kriegsleute, gregarii. 
*) Dies wäre der 20., auf welchen Tag auch die übrigen Berichte die 
Gefangennahme des Herzogs verlegen. 
') 11. Dezember. 
*) Dorf Dc'ssdorf, H. pag. 243. 
"•j Mönch. 



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Ein oberpfälzischer AkteDsammelband. 353 

Februarii.] Den 6. ist kai. Mt. ehrnholt') mit 3 truraetern^) 
und einem drummelschlager für Magdeburg kommen mit reutern 
und knechten sprach zu halten, welches inen ist obgschlagen 
[worden] ; denselben tag sind 6 schützen hereingefangen worden. 
Den 10. februarii an der fassnacht haben die feind heftich nach 
S. Jacobsthurn geschossen, des tags 410 schuss, den volgenden 
tag am michwochen fru 40 schuss und hernach sehr vil schuss 
gethon, bis so lang sie den obern thail des ainen thurns ge- 
fellet. Den 13. dises ein starker schermutzel geschehen bei der 
Stainkul ; zu beiden Seiten schaden gelieden ; herein bracht ein 
wagen mit bir; unter andern drausen tot blieben: Vicke von 
Bulaw, ein ansehenlicher vom adel, item auch Lamprecht, ritt- 
raaister über die straifende rotte. Den 25. februar ein sehr 
starker schermutzel gehalten, unser reuter zum andernmal aus- 
gefallen , dergleichen unter dem schermutzeln in die Neuestat 
gefallen, zu beden Seiten im schermutzeln nit geringen schaden 
erlieden ; doch haben sie ire toden mit wagen abgefürt, der 
unsern 20 beschedigt, 3 tot, item der iren in der Neuestat 14 er- 
stochen , 11 gefangen hereinbracht, an ainichen schaden der 
unsern desselbigen orts. 

Marcii.] Den 4. hat marggraf Hans^) handlung halben 
sollen gen Magdeburg komen, aber, unbewust aus was Ursachen, 
ausenblieben. Den 9. dises haben unsere krigsleut Bechan und 
Proster*) vier nacht innengehabt, den feinden im grosen wasser 
proviant abgestrickt, brücken abgeworfen, schief, mit proviant 
und allerlei wol beladen, hereinbracht. Den 18. dieses in der 
Steinkul die neue schanz angefallen, der Gülicher'^) fenlein er- 
obert, 151 gefangen, die übrichen samt vilen schanzgrabern er- 
sehlagen , ein schanzfenlein im lermen zerrissen worden. Den 
19. raeuterei in der stat unter den knechten von wegen eins 
halben monatssolds für herzog Jörgen von Mechelburg***). Den 
21. sind 3 sonnen und 3 manneschein gesehen worden. Den 



1) = Herold. >- *) = Trompetern. 

') Markgraf Johann von Brandenburg-Küstrin. 

*) Zwei Dörfer östl. von Magdeburg. H. 

^) Besselmeyer: Es ward auch der Fendrich sampt dem Fähnlein, 
welches rot und grün von Färb und flammecht war, hereingebracht, 
welches dem Obersten in der Newstatt, Hans Gülcher genant, zustund. 

*) d. h. für die Gefangennahme desselben. 

Archivalisoho Zeitschrift. Neue Folge IX- ^3 



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364 Albert Gümbel: 

27. dieses, am karfreitag, den unsern der grosse schaden ge- 
schehen, 23 gefangen, 10 ader 11 wund und tot blieben, doch 
der irigen nit weniger erlegen. 

Aprilis.] Den andern aprilis abermals 3 sonnen gesehen 
und [2 regenbogen. Den 15. dises jegen morgen unser schief 
von Nigrip ') kommen, der iren bis in zwaihundert guter knecht 
zu wasser erlegt; Wiprecht von Bresskau, ein namhafter vorn 
adel, samt andern bis in 18 gefangen und allerlei vitalien mit- 
braoht, der unsern nit mehr, dan ein püchsenmaister und ein 
knecht dot blieben. Den 20. dieses auf der groen sat (!) in 
einem ausfal der iren bis in die 100 knecht erschlagen, 20 herein- 
gefangen und einen vom adel, Hans von Milen genannt. 

Maii.] Den 20. maii bis in 10 person und fast so vil pferd 
in einem schermutzel auf der walstat blieben, der unsern 5 
person und 2 pferd. Den 22. dises ist ein ausfal des nachts 
durch graf Albrechten verhindert worden. 

Junii.] Den dritten ist den unsern etlich vieh genoraen 
worden, etlich hirtenweiber und -knaben erstochen worden, 
darüber der irigen vil vom Adel, unter welchen her Christof 
von Lichtenstain auf Niclausburg und ein marschalk von 
Pappenhaim und nit wenich pferd tot blieben. Es ist auch 
diesmal ein statliche güldene ketten und anders samt etlichen 
rüstungen in die stat bracht worden. Den 16. dieses sind in 
einem schermutzel der feind bis in 100 geschlagen, wie die 
gefangen, deren 29 gewest, [welche] in die stat hereinbracht 
worden, selbst bekent haben, der unsern 15 person beschedigt, 
darunter etlich tot blieben. Den 24. dises haben die feind aus 
der Neuestat am abent Johannis Waptiste^) 12 feuerkugel in 
die stat geworfen, aber, got lob, keinen Schaden gethon. 

Julii.] Den ersten ein harter schermutzel und ein stark 
gemeng von reutern, doch haben die draussen wohl 3 pferd 
gegen unser eins gehabt; marggraf Albrecht hat sich selbst 
hören lassen , das von baiden thailen bis in 800 sollen bleiben. 
Nun sind der unsern nit mehr als 8 reuter beschedigt worden, 
einer tot, und fünf knecht und 17 pferd geschossen, sie aber 
haben ire toden mit wagen abgefürt und haben die unsern 
etliche von iren reutern geblündert, 9 von den erschlageneu 

') Dorf w. von Burg am recliten Eibufer. H. 
«) 23. Juni. 



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Ein oberpfalzisoher Aktensammelband. 355 

knechten eingescharret. Den 3. dieses sind unsere gesanten 
von Firnen widerkomen, welche den 19. junii handlung halben 
sind abgefertigt gewest zu herzog Moritzen. Den 22. julii 
iunge meutere! von wegen des birs in comiss. ^) Den 23. ein 
harter schermutzel, unbewust was dem feinde für schade ge- 
schehen, der unsern 4 beschedigt, der iren 1 reuter, ain knecht, 
1 pferd gefangen, 1 reuter geblündert worden, desgleichen vast 
geschehen des andern tags. Deselben tags, den 24. julii, haben 
die unsern ire reuter in die schanz und ire knecht in Rotters- 
dorffer teich gejagt, darin und darober ir 30 erlegt, der unsern 
5 ader 6 verletzt, Frantz Dene, ein waidlicher reuter, ist mit dem 
gaul tot blieben. Den 27. sind bei der nacht die stern sehr 
gefallen. Den 29. ist ein ausfal jegen dem berge ^) bis an die 
schanz Buckaw [geschehen], daraus drei starke geraeng von 
reutem worden; haben unser hackenschützen bis in 600 in irem 
fortel alle nahent auf der feinde reuter abgeschossen, daraus sie 
grosen schaden entf[anden] und, wie ire gefangene hernach 
selbs angezaigt, sind in die 50 guter leut blieben, in die 100 
pferd beschedigt , zum thail tot blieben , der unsern 22 person 
beschedigt, darunter 7 reuter, 3 knecht tot blieben. 

Augusti.] Den 13. augusti ein starker schermutzel , nit 
ungleich mancher zimlichen Schlacht, hat bis in 3 stund ge- 
weret; die feind sein sehr stark mit reutern und knechten, alles 
im fordel, gelegen, daraus sie doch von den imsern bei dem 
stainen bruckl geschlagen, nicht an grosen schaden irer knecht; 
darnach sind 3 gemenge von reutern worden am laufgraben, 
do irer je 3 auf unser einen gewest; der unsern sind bis in 
26 beschedigt worden, darunter etliche tod blieben von reutern 
und knechten, item bis in die 40 pferd beschedigt, darunter 
fünf auf der maistat (!) blieben, der iren 31 pferd auf der mai- 
stat bheben, 14 statliche vom adel geblündert worden, darunter 
Asmus Winterfeit, ritmaister. Item zu diesen 14 noch andere 
8 vom adel tot blieben , 103 pferd beschedigt und vil tot nach 
der gfangen aussage. Den 12. dieses ist ein siatlicher ausfal 
im fürhaben gewest, aber durch die grosen hanssen ^) und dopel- 

^) Grimm, Wörterbuch, II, 630 gibt von „commissi' die Erklärung: 

quod militibus distiibuitur. 

*) Kloster Berge. H. 

') Vergl. bei Schmeller, I, 1134 nach Avent. Gramm.: optimates, 

proceres. 

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356 Albert Gümbel: 

soldner verhindert worden; desgleichen auch den 14. augusti, 
darüber volgendes tages ein grose meuterei wider Henne Ale- 
man, den obristen biirgerraaister, entstanden. Den 18. die alt 
grefin von Manssfelt, graf Albrechts gemahel, geschossen; ein 
bain entzwai. Den 17. darvor ist margraf Albrechts rabsatzes- 
brief ^) voller lesterung hereinkommen. Den 19. sein 19 knecht 
auf dem marsch hereingefangen worden, 10 ader 11 erstochen 
und ersuflfen. Den 25. vom kirchthurn aus der Neuestat ein 
schwanger weib geschossen, das irs kind aus muterleib gefallen, 
nach rabsatzes dräuung, den 17. darauf 2) geschehen, das der 
jugent und kinder in muterleib nit solte verschont werden, 
welche, wie er selbst bekennet, in diesen feilen sunst pflegen 
für unschuldich gehalten [zu] werden. Den 3. echpsis solis. 

September.] Den 4. septembris ist her Hans von Haideck 
gutlich zu handeln in Magdeburg kommen , do sein canzler, 
Christof Arnt^), zuvor darin gewesen und oftmals ab- und zu- 
geritten , durch welche beide als raittlpersonen der ganze ver- 
trag ^) auch hernach gemacht und vollentzogen ist worden. Den 
9. dieses haben die gesanten vom rat mit herzog Moritzen in 
der Staynn kul Unterredung gehalten. Den 22. ein gesicht am 
himel gesehen worden. Den 12. darvor ist herzogen Jorgenn 
von Mechelnburg erlaubt worden mit herzoch Moritzen sprach 
zu halten. Den 28., an S. Michaels abent, sein des rats ge- 
santen gen Wittenberg^) abgefertiget worden, zu volzihung des 
Vertrags; sein den 9. october wider anhaim komen. [in marg. 
October.] 

November.] Den dritten novembris ist herzog Moritz, wie 
er [es] verlassen, im leger vor Magdeburg ankomen und ist sich 
des tags zuvor immer eins auflaufs zu besorgen gewest von den 
knechten in der stat, darum, das sich die handlung nu so lang 
bis in die 9 wochen aufgezogen und erstreckt hat und verreterei 
domit besorgt haben, sonderlich, da an der proviant mehr ab- 
gangen und die zeit des stilstands nichs furgenomen worden. 

^) Wohzul „rab" =^ raub (vgl. das Glossar zu Bd. 4 der Cbroii. d. 
deutsch. Städte) und j.seizen" = festsetzen zu ziehen; vgl. vrid.<iatz -=^ 
Waffenstillstand bei Lexer, Wörterbuch 111, 512. 

*) Statt zuvor. 

^) Arnold nach D. pag. 68, Anm. 2. 

*) Ueber die Kapitulation der Stadt. 

^) Zu Kurfürst Moritz. 



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Ein oberpfälzischer Akleusanimelband. 357 

Volgende tag, den 4., 5. und 6., ist der vertrag volzogen 
[worden] und sind am 6. die gefangen reuter und knecht auf 
geburliche ranssen ^) jegen einander ledich geben und iderraan 
frei in der stat aus- und eingangen. Den 7. ist der gefange 
herzog Jörg von Mechelnborch samt den andern vom adel frei, 
ungeranset, iosgeben und ist vor der stat bei dem blochhaus 
herlich entfangen und in die Neuestat eingefürt worden; für im 
her 12 drommetter und 14 drommelschleger. Item so ist auch 
diesen tag den Magdeburgischen reutern und knechten abge- 
dankt und gute bezalung geschehen. Den 8. haben si eilentz 
jegen abent abziehen müssen; sind darjegen fluchs auf dem 
fuss 5 fenlein von aussen angezogen. Die Magdeburgischen 
krigsleut sein mit aufgereckten fenlein mit irer wehre und 
habe abgezogen und werden vom herzog Jörgen von Mecheln- 
burg mit etlichen hundert pferden in herzog Moritzen land be- 
laitet. do sie sollen gesichert sein. Den 9. heutigs tag sol herzog 
Moritz in die stat einziehen und im huldigung geschehen. Got 
gebe, das es gut werde. Amen. 

Datum 9. octobris^) 1551 Inn Magdeburg. 

III a 3). 

Verzaychent Etthcherr Sachen halben, So In dem vergangnen 

Zeug in Franckreich**) Hatt wie vollgt im 69 Ischen. 

(Vgl. oben die Bemerkungen zu Aktenstück Nr. 14.) 

Erstlich sein mir zu Cappell am Rhein gemustert worden^) 
und den karfreitag '^) anno 69 aufgezogen mit zwai wolgerüster 

*) ranzion, Lösegeld, fr. rangon, Grimm, Wörterbuch, VIII, 113, vgl. 
unten: ungeranset. — *) Statt November. 

*j Für die Identifizirung der oft arg verstümmelten, bz. rein nach 
dem Gehör geschriebenen französischen Namen und für einzelne Sach- 
erklärungen in den hier abgedruckten Aktenstücken III a und b gaben 
ausser den Berichten bei Bachmann und Schlichtegroll gute Anhalts- 
punkte die Memoiren Castelnaus, Mergeys und La Neues (in Michaud et 
Poujoulat, Nouv. collection des m^moires etc. Bd. IX, pag. 407—644). 

*) Etwa zu ergänzen: sich ereignet. 

*) Für die Vorgeschichte des Krieges muss auf die oben angegebene 
Litteratur, bes. Menzel, verwiesen werden; hier sei zum Verständniss der 
Erzählung nur kurz angemerkt, dass die beiden Regimenter Fussvolk 
Herzog Wolfgangs, unter dem Befelil der Obersten, Freiherrn Quirin Gangolf 
zu Geroltzecks, und Johann Jacob von Granweils, dem vorangezogenen 
Herzog langsam nachrückten und sich erst am 22. April auf französischem 
Boden zu Membrey mit ihm vereinigten. — ®) 8. Aprü 1569. 



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358 Albert Gümbel: 

regement, die sein 26 fenlein stark ^) gewest; über das ain rege- 
ment ist oberister gewesen der wolgeborn herr Quirin Gangolff, 
Herr zu Hochen-Gereltz-Eckht und Sultz etc., über das [andere]^) 
regement ist obister gewesen her von GrunweilP). So sei[Q] 
mir den osterabent anno 69 zu Straspurg über die Reinpruck 
gezogen und alsdan den ostertag ain meil wegs von Straspurg 
stillgelegen. An Ostermontag sein mir widerum aufgezogen 
und erstlich auf der wisen darbei globt und geschworen, alsdan 
mit baiden regementen hinaufzochen vir Schietstatt; ist ein 
reichsstatt; die haben uns wol nit vil guten willen bewisen, 
dan si gar stark auf der mauren mit irer wer sein gelegen; also 
haben unsern bede oberisten lasen die schitzen losbrinen, des- 
gleichen haben auch die zu Schietstatt ^) auch mit iren toppel- 
haggen^) losgebrent auf der mauren und in des Geretzeckh 
regement einen doppelsoldner ^) zerschosen. 

Also sein mir vortgezochen und den andern tag oder den 
triten tag darnach sein mir auf die granitz komen, da es schon 
welsch und teisch ist gewesen. So sein mir auf Burgundi') 
zugezogen; da sein mir vir ein stadf*) komen, die ist mit Italleio- 
narin gar wol besetzt gewesen und uns nicht mer guts bewisen, 
dan kraut und lot^); alsdan so sein mir zu dem herzog Wolff- 
ganng kumen^®), des die hofleit hocherfreit sein gewest; alda so 
sein mir aufzogen all mitainander, die zwei regement, und 



*) im or: strackh. 

*) or. : ain. 

') Seinen Bestallungsbrief vom 1. September 1567 uacli einer Copie 
in Tomus XXXV der Zwoibrücken-Veldonz'schen Copialbüeher des k. allg. 
Reichsarchivs siehe im Anhang. 

*) Der vorangezogene Herzog selbst hatte hier keinen Widerstand 
gefunden. Schlichtegroll, p. 83. 

*) Ein schweres Schiessgewehr, das beim Abfeuern aufgelegt wird. 
Grimm, Wörterbuch, II, 1264. 

^) Die doppelten Sold beziehen. Grimm II, 1271. 

^) Die spanische Freigrafschaft. 

^) Man könnte an Lure (Lüder bei Wolff) denken, wo der voraus- 
ziehende Herzog dem ersten, ernstlichen Widerstand begegnet war. 
Die „Italiener" unseres Berichtes wären dann in Wirklichkeit Spanier 
gewesen. 

ö) = Pulver und Blei. 

*^) Die Vereinigung geschah zu Membrey, Menzel, pag. 554, Schlichte- 
groll, pag. 72. 



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Ein oberpfälzischer Aktensammelbaud. 359 

haben von stundan dieselbig nacht die ersten zwen lerrae 
gehabt, die uns der von Dal Damel^), stathalter zu Metz, und 
der raargraw^) zu Baden gemacht haben, den andern morgen 
sein mir vviderum aufgezogen und den ganzen tag am ziechen 
mit dem feind gescharmutzlet; als sein mir den driten tag vir 
ain kloster kumen^), die haben uns nicht[s] zu willen gewisen, 
dan kraut und lot ; da hat unser oberister, der von Geretz Eckht 
wellen das closter stürme[n] und aufmachen und mit ein grosen 
stuck lasen hineinschiesen, ist alsbald der feind herbeigwest 
und das closter entsetzt und mir alsbald haben miesen abziechen, 
also haben mir von stundan den fortel in dem feld eingenomen 
und uns auf die hoch gemacht und der feind stark auf uns ge- 
trungen ist; also haben mir zu stundan ein Schlachtordnung 
gemacht und die oberisten und haubtleit als zu fus sein abge- 
standen^), das mir nicht anders gemaint, dan der feind woll 
schlagen und mir flux gescharmutzlet haben und vil Frantzho- 
sichen sein beliben durch unser groses geschütz und also der 
feind widerum hat miesen abziechen und zunechst darbei ain 
stat-^) ist gelegen, die sich alsbald uns hat aufergeben ; also sein 
mir ain tag bei derselbigen stat stullgelegen , da hat man den 
knechten wein und brot geben. So sein mir widerum fortgezogen 
und sein vor einer grosen stat virüber gezogen, die heisst Disch- 
schon. Da ist der feind darin gelegen und herausgefallen in unser 
tross^) und uns darin gar vil schaden gethon; also haben mir 



*) Statt de Duilly cf. Mömoires de Vieilleville in Miehaud et Poujoulat, 
1. c. pag. 868. Wolff berichtet in der Schilderung der Belagerung von la 
Charitö von ihm: „Der von Duly, dess Marschalks de Vielle gendre, vir 
germanica virtute et integritate pracditus, ist diessen tag in der schannz 
mit einem Doppelhacken durch ein alte Druchen troffen worden- vnnd 
kurtz darnach sein enndt daselbst genommen.^^ 

*) Philibert. 

*) Die nachfolgende Schilderung deckt sich gut mit dem, was Wolff 
(ßachmann, pag. 108) zum 29. April über die Bestürmung eines Klosters 
bei Prissey sagt; allerdings würde dann ein (iedächtnissfehler unseres 
Berichterstatters vorliegen, indem der Vorüberzug bei Dijon auf den, 
diesem Scharmützel vorausgehenden Tag fällt. 

*) d. h. von den Pferden gestiegen. 

^) Also wohl Prissey. Von dem Rasttag daselbst am 30. April be- 
richtet auch Wolff. 

") Der Herzog von Aumale überfiel die Nachhut unter dem Befehl 
des Obersten von Cracow (Bachmann p. 108). 



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360 Albert Gümbel: 

gleich an der stat drei grose dörfer augezint und reiter und 
knecht in die Schlachtordnung gestanden; da ist der feind 
gweltig auf uns zu trungen, das mir flux mit grosen stucken 
haben under si geschossen, so hat er abermals kein pestand 
wellen haben und widerum zurück in die stat gewichen; also 
sein mir widerum vortgezogen und alsbald sein mir vir ain 
geschlos^) kumen, darin sein nur 18 pauren gewesen und ein 
alter edelman, mitsamt seinem frauenzimraer; do haben mir 
begert aus dem schlos fütterung und wein, so haben die paueren 
von stundan mit doppelhaggen gweltig under uns geschossen; 
da mir soliches vermerkt haben, hat herzog Wolffganng zu 
stundan das schlos lassen beschiessen und stürmen, weliches 
mir alsbald erobert, doch sich di pauren gweltig gewert haben 
mit schiesen und mit stainwerfen, haisen wasser etc. Alsbald 
mir aber sein hienein komen, ire zwelf pauren ob[en] in dem 
thuren durch ein loch auf einen grosen velsen herabworfen. 
Gleichwol noch 6-, die haben sich zu oberist in den thuren 
gemacht und die stiegen abgeworfen, das wir nicht alsbald 
haben kunen zu inen hinaufkomen; alsbald haben mir vil stro 
herunden nidergelegt und pulfer darauffgesträt, darmit die hitz 
und der rauch zu oberist in den thuren ist gangen; sein si zu 
stundan herab in das feuer gefallen und also auch verprunen; 
so ist noch ein alter edlman mitsamt seinem frauenzimer dage- 
west, welicher gefangen ist worden und durch den amerall*) 
verschickt ist worden, gleichwol er ainen iungen sun hat gehabt, 
welicher angezaigt hat, wie man ist hinein kumen, man soll in 
leben lasen, er well ain tona goltz zaigen, die sein herr vater 
in ainem weinperg hat vergraben ; aber durch einen gastgunier^) 
er erstochen ist worden. 

Also sein mir vor dem schlos abgezogen und zu ainer stat 

*) Die folgende lobendige Schilderung dürfen wir wohl mit der Dar- 
stellung in Verbindung bringen, welche Wolff (bei Bachmann, pag. 111) 
von der Erstürmung des Schlosses Breve gibt, wenn sich gleich in 
p]inzelheiten Verschiedenheiten zeigen. So nennt W. als Besitzer des 
Schlosses eine adelige Wittib, unser Bericht einen alten Edelmann; auch 
weiss er nichts von einem gebrochenem Geleit. Letztere Thatsache würdo 
allerdings die unmenschliche Grausamkeit, mit welcher gegen die Ver- 
theidiger seitens der Eroberer verfahren wurde, einigermassen erklären. 

*) Admiral Coligny. 

') Gascogner. 



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Ein oberpfUlzischer Aktensammelband. 361 

konien, haist Scherede^, weliches ain groser paseh*) ist, und 
haist das wasser Laor, rint für Orlientz und Paris, so haben 
mir begert, man soll uns hindurchpassieren lasen, weliches si 
nit haben wellen thon und si[ch] geweitig zu wer gestellt, dan 
ain grosen summa pappiste pfafen darin, weliche auf 24 meil 
wegs sein hinein geflochen und zuvor au(^h ein groser thomb^) 
darin gewesen ist, aber von kriegsvolk nichts besonders, dan 
bei ain 600 welsche paueren, weliche sich gcweltig gewert haben 
mit doppelhaggen, aber von grosen stucken nichts gehabt, allain 
3 flackenetel*) und 2 schlangen, aber gleichwol zimlichen schaden 
heraus gethon und sich acht tag darin erhalten; darvor ist der- 
schosen worden mit einem doppelhaggen Vllrich von Dersch ^), ain 
ritmaister, das er zu stundan gepliben, auch unser wachtmaister, 
der Sixmayr, durch einen Schenkel, aber gleichwol daran ge- 
storben und vil andere mehr, die mir unbekant sein gewest; 
da wir nun haben soliches erobert ^) und hineinkumen , ist es 
alles zumal erstochen worden, die pfafen und die pauren, auch 
vil stättliche pürger, die man erst über acht tag gefunden hat, 
weliche si[ch] verschlossen haben gehabt, also der ir etwan 
mögen pei 2000 darin gepüben sein; aber gar ein groses gut 
darin gewesen von silber, golt, samet und seiden, auch profant 
und wein, dan es gar ein grose handelsstat ist gewest. Also 
sein mir noch, nachdem mirs eingenomen haben, acht tag dar- 
vor und darin stillgelegen, dan alles gnugsam dar ist gew(»st 
von fütterung und allem; also sein mir widerum aufgezogen 

') La Charite sur Loir-e. Vgl. Menzel, pjig. 556 ff. Der Wolffsche 
Bericht über die Belagerung weicht von dem unsern in manchen Punkten ab. 

*) Statt pass, nämlich über die Loire. 

') EgHse de Sainte Croix. Vgl. über dieselbe Vivien de Saint Martin, 
Nouveau dictionnaire de g^ographie universelle, I, 689. Wie das Wörtch(»n 
„zuvor" anzudeuten scheint, befand sich die sehr alte Kirche schon da- 
mals, wie heute, in theilweise ruinösem Zustand. 

*) Statt Falkonett. Wie die gleich folgenden „Schlangen" eine Art 
Feldgeschütz. 

*) Bei Wolff: Wolpert von Ders. 

^) Nach Wolff ergaben sich Stadt und Schloss auf eine Kapitulation 
hin; das Blutbad iu der Stadt entstand nach diesem dadurch, dass das 
deutsche und französische Fussvolk des Herzogs eindrang, ohne den ent- 
sprechenden Befehl desselben abzuwarten. Nach Castelnau lieferte die 
Feigheit des Kommandanten und Verrat die Stadt nächtlicher Weile den 
beutegierigen Belagerern in die Hände. 



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362 Albert Gümbel: 

und sein auf Andolo zukumen, daselbst sein mir auch 8 tag 
stillgelegen; da^) ist herzog WolflFgang, ir fl. Gn., den 17. Junis 
gen nacht um 5 uhm in gott verschiden, also das uns teischen 
nicht wol zu niut ist gewest, dan sich alle sach verendret hat 
und ein jedlicher graf wolt Feldherr werden*). 

Als mir zu Andolo aufzochen, da kamen mir den andern 
tag zu dem ameraP), mitsamt seinen welschen alda in ainer 
Schlachtordnung stund, uns alda mit freidenschüssen empfieng 
und ser grosen ehren, aber doch der ameral sehr trauig ist 
gewesen; also sein mir mitsamt dem grosen hellen häufen vir 
ein stat [kumen], haist S. Diri^), die namen mir ein, wie es sich 
doch von stundan mit gutwilligkait aufgab (I), aber gar ain 
groser thumb^) zerprochen und pfafen all derstochen; da sein 
mir ungeverUch bei 14 tag dar stillgelegen; also hat der [könig?] 
uns einen tag geschriben, wir sollen komen und ime ain Schlacht 
liefern, weliches mir gar wol kumen sein mit vil tausent man 
und reiter und fusknecht, allesamt mit weisen hemetter, da 



*) Nach Wolff, einem Augenzeugen des Todes, starb der Herzog am 
11. Juni, 7 Uhr Abends zu Nessun („einem schönen, grossen Fleck"), in 
heutiger Schreibung Nexon, d^p. de la Haute Vienne, 18 km n. von Saint 
Yrieix, wo der Admiral mit seinen Truppen lagerte. Die Eingeweide 
wurden nach Wolff in der Kirche zu Nexon begraben, lieber die interi- 
mistische Beisetzung des Herzogs zu Angoulöme und die endliche üeber- 
führung seiner Gebeine in die Meisenheimer Gruft vgl. Menzel. Welche 
Ortschaft mit Andolo gemeint ist, konnte nicht mit Sicherheit bestimmt 
werden. Die französische Generalstabskarte hat, IV« km s. von Nexon, 
eine Ortschaft Namens Chanteleve. Die Namensform „Andolo" musste 
allerdings einem Soldaten des hugenottischen Heeres besonders nahe 
liegen, denn nach dem alten Besitzthum der Colignys im Jura, Andelot- 
L^s-Saint Amour, nannte sich der nicht minder bekannte Bruder des 
Admirals, d'Andelot, der erst im Mai d. J. verstorben war. 

*) Das Oberkommando hatte der sterbende Herzog dem Grafen Vol- 
rad von Mansfeld übergeben, Bachmann, p. 133. Trotzdem scheinen, 
unserem Berichte nach, Streitigkeiten hierüber entstanden zu sein. 

') Die Vereinigung mit den Truppen des Admirals geschah am 
15. Juni bei St. Yrieix, s. von Limoges, Menzel, p. 567 nach dem Wolff- 
öchen Tagebuch; Castelnau gibt den 23. Juni an. 

*) Saint-Yrieix-La Perche (döp. de ia Haute Vienne). 

^) Ueber diesen Dom bemerkt Saint-Martin , a. a. 0. V, 501: belle 
^glise, bätie en majeure partie vers 1180 . . . eile renferme trois beaux 
reliquaires du moyeu ago. 



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Ein oberpfälzischer Aktensammelband. 363 

haben mir ainen grosen vorti eingenomeii ^) auf einem grosen 
berg und ist der feind in einem thal gelegen bei aim wasser 
gelegen, aber gweltig under uns herauf geschosen; aber den- 
selbigen tag für und für gerengnet, das mir die weise hemetter 
wol genetzt haben; aber der feind kain bestand wellen haben 
und also miesen abziechen aber gar oft lerme gemacht; also 
sein mir für und für mit einander gezogen, der feind und mir, 
und miteinander gescharmutzlet , also sein mir vir ein schlos*) 
komen, da sein ir 30 welsch edlmanner darin gewest und auch 
ein stat hert an dem geschloss gelegen, die sich uns flux ergeben, 
aber die in dem schloss gar nicht, also haben wurs beschossen 
und gesturnet und erobret und ir bei 5 edleit under die porten 
gehengt und die anderen all erstochen. 

Darnach so sein mir aufgezogen und sein vir ein grose 
vesten kumen, heist Mellesine^). Da haben wir acht tag daran 

*) Es handelt sich bei dieser Erzählung um den Angriff der Hugenotten 
auf das Lager der Königlichen bei Rocheabeille, n.-ö. von Saint-Yrioix. 
Auch Wolff (in dem von Bachmann nicht mehr zu seiner Darstellung 
herangezogenen Theil seines Tagebuches) erwähnt dieses Treffen, in 
welchem nach ihm 200 Franzosen fielen und ein Verwandter der Königin, 
Strossi, gefangen wurde ; des heftigen Platzregens an diesem Tage gedenkt 
auch er und der gelehrte Licenciat erinnert sich des Livius: „reperitur 
simile apud Livium cum ab Hannibale capienda esset Roma (!)/* Die aus- 
führliche Schilderung dieser Schlacht siehe bei La Neue, pag. 683 und 
Castelnau, pag. 541 ; auch sie erwähnen die unaufhörlichen Regengüsse. 

•) Wolff erzählt, dass der Admiral den 15. Juli das Schloss Chouho 
stürmen und alle Soldaten, die darin gefunden wurden, „vber die Maur 
herauss henckeu*' Hess. Couh^-Verac ist ein Marktflecken an der Dive 
im Depart. de la Vienne, s.-ö. von Lusignan. 

») = Lusignan (d6p. de la Vienne, s.-w. von Poitiers). Melusina, die 
schöne Melusine des deutschen Volksmärchens, ist die sagenhafte Stamm- 
mutter der Grafen von Lusignan. Der nach ihr „Melusinenthurm" ge- 
nannte Teil des Schlosses wurde 1574 zerstört. Wolff berichtet (von Bach- 
mann nicht mehr mitgetheilt): „den 16. Juüi ist Admiral vor dass Vest 
der Melusina, Schloss Lusignan, geruckt, zum stürm beschossen, bis vff den 
20. ejusdem vnnd dasselbig par composition einbekommen. Das geschütz, 
da Nyort mit le conte de Lude beschossen hatt, ist alhie vber die 50 (XX) fl. 
gefunden worden." Auffallend ist, dass weder Wolff noch eine in dem 
Wolffschen Codex des k. geh. Hausarchivs befindliche ausführliche Dar- 
steUung der Belagerung von Poitiers in französischer Sprache, welche auch 
die Belagerung von Lusignan schildert, des von unserem Berichterstatter 
erwähnten Ueberfalls der abziehenden Besatzung gedenken. Lusignan, 
das der ebenerwähnte französische Bericht eine der stärksten Festungen 



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364 Albert Gümbel: 

zu schiessen gehabt, da sein ir bei 300 man darin gewesen, die 
sich um gnad gepeten, das mans mit ir Seiten wer welle lassen 
abziechen, also hat mans mit ir seilen wer ^) lassen abziechen 
und da si sein auf ein halbe meiis wegs komen, da sein 
unsere welschen hinder in hergewist und all derstochen; also 
hat man dieselbig vestung widerum besetzt und sein mir auf- 
gezogen und sein vir ein grose stat gezogen, die hat gehaisen 
Potierss^), die haben uns gar wol empfangen mit kartunän und 
flackeneckel, also sein mir 6 wachen^) darvorgelegen, dahaben 
mir alle tag ain Scharmützel oder 4 gehabt und uns der feind 
gar ain grosefn] abbruch hat gethan; also hat der feind ain stat 
eingenomen, haist Schaten Rhor*), ligt 6 meil von Pottiers, die 
hat der feind belegert und hart beschossen und dreimal gestürmt, 
auch vil Italiioner ''^) in dem stürm beliben; also haben mir die 
stat Potiers verlassen und sein Schatel Rho zugezogen und vor 
der stat Pottiers alle leger angezint und mit gwalt auf Schatel 
Rho sein gezogen; da wir vur Schatel Rho sein gezogen, da 
haben die feind uns in acht genumen und sein geflochen; das 
haben si aus lauter listigkait gelhon, darmit si uns in das veld 
pringen, da sein wir in geweitig nachgeilt und haben auch 
etliche wagen erlegt und genumen, also hat der feind ainen 
frid angestelt auf 6 tag, der hat gewert 14 tag, das hat er 
gethon, das er sein volk zusamenbring ; an sant Michaelis tag^) 
sein wur w^iderum zu häuf geruckt, da haben mir so einen grosen 
scharmitzel gehabt, das wir zwischen zwen berg sein komen 
und sein uns denselbigen tag mer als 12 hundert knecht er- 

des Königreichs nennt, war schon einmal in die Hände der Hugenotten 
gefallen, ihnen aber wieder entrissen worden; hierauf bezieht sieh unten 
das Wörtchen „widerum." 

*) „aveo Tesp^e et la dague" im französischen Bericht. 

*) Poitiers. 

«) 24. Juli-7. September. 

*) Chatellerault (d^p. de la Vienne). Dorthin hatte der Admiral seine 
Kranken bringi^n lassen und eilte nun der vom Herzog von Anjou be- 
drohten Stadt unter Aufhebung der Belagerung von Poitiers zur Hilfe. 
Cf. Delaborde, Caspar de Coligny, lll, pag. 143. 

^) La Noue, pag. 635 : „les Italiens du pape furent receus selon Paffec- 
tion que les hugenots portent k leur maistre." 

^} Vgl. über dieses Treffen bei S. Clair: La Noue pag. 636/37. Dieser 
und Castelnau verlegen es auf Freitag, den 30. September, ebenso unser 
zweiter Bericht (s. unt. S. 370). 



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Ein oberpfälzischer Aktensammelband. 365 

schössen worden, darnach am sambstag sein mir stillgelegen mit 
rue und am sontag hat uns der konig geschriben, er welle uns 
ein Schlacht Ufern und auf den montag sollen mir zu im auf 
den platz ziechen, das haben mir gethon und haben alle weise 
hemerter angelegt^) und sein dem feind under äugen gezoclien 
und sein ein stund oder vier in der Schlachtordnung gestanden 
bis auf zwaie uhrn, so hat sich der feind gegen uns gemacht, 
da hat er angriffen mit gewalt und uns von stundan umringt, 
dan sein unsere deischen reiter und auch waischen zum thail 
all von uns geflochen und haben die arme teischen knecht also 
sten lasen, die doch 2) zum thail al sein umkamen, gott welle 
irer seel gnedig sein. Amen. Also sein, E. V., wan ir bei 70 
darvonkomen und gefangen worden. — 

Erstlich da mir den driten Octobri am morgens friie sein 
mir aufzochen in weisen hembterter und sein gegen dem veind 
zuzochen, also sein mir ain stund oder vier in der Schlacht- 
ordnung gestanden, da hat der herr den veldschreiber, Davit 
Sehmann von Arnstat, hinweck, zwo stund vor der schlacht, 
vvechgeschickt, auch gegen ime gesagt: nun, Davidt, reit hin in 
gotts namen mit dem gelt, wo des oberesten gesind hinreit, da 
reit auch hin und so ich gefangen wir, so will ich dir schon 
.schreiben, ob ich eine rancion mus geben oder nit. Also ist 
der Davit von ime weckgeschiden ; also pin ich bei ime ge- 
hüben, pis man die Schlachtordnung gemacht hat und der feind 
gweltig uf uns zuzoch mit den Schweitzern ; also sagt der 
hauptman gegen den knechten: nun, ir lieben lanzknecht, es 
ist nicht änderst trän, dan mir miesen uns mit dem feind schlagen 
und darum, liebe lanzknecht, last ims nur dapfer weren, es ist 
doch nit änderst daran; also sten die haubtleit al ab zu vuss 
und auch die oberisten und nemen die spies in die hend; also 
vermant der oberist, der von Geroltzeckh, die knecht, si^) sollen 
sich gott bevelchen und dapfer weren; also sehnst der konug 
mit zwaien grosen stucken under uns und trifft almal von dem 
ersten man bis auf den letzten, also das die knecht anhüben zu 
zagen; spricht der haubtman gen mir: mm, Hans, reit hinder 

*) La Noue: ayant tous chemises blanches pour nous mieux reconoistre, 
s'il falloit combattre. 

^) Wohl verschrieben statt dort. 
') or.: sich. 



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36() Albert Gümbel: 

die Schlachtordnung, hinder*) [die] du gehörst, ninaer herfür 
und thue, wie ich dir und dem Tavidt pevolchen hab; sover 
uns got die genad gibt, das wir die Schlacht erobern und so 
last euch bald widerura finden bei mir, wo aber nit, das got 
über uns beut und mich unser herr aus dem jamerthal erlöst, 
SO wellest du und der Davidt, so dir gott darvon hülft, der 
frauen wol mit gepürlicher rechnung uberantwurten , alsdan 
wurt euch die frau wol wisen zu [fördern (?) *)] und auch von 
meniglich urlab nemen und mein liebe Anna, mein hausfrau, 
bitten, das si meinen son, den Hansenman, welle vleisig in die 
schul lasen, darmit er was lernet; also habe ich meinen hut 
gegen ime abgethon, mit waininden äugen gegen ime gesagt: 
vester haubtman, ich hoff, es solle darzu nit kumen und winsch 
E. V. vil glick, sig und heil; also da gleich hinder die Schlacht- 
ordnung reit, so kumpt der feind und trifft von stundan mit 
seinen Itallionern zu ross und fus auf uns tar, also schlagen 
mir die Itallioner flux zurück, da kumpt zu dem andern treffen 
der margraf von Baden mit fanen deischen reiterei und schlegt 
sich durch unsere gastionier hindurch, bis er auf uns teischen 
kom[)t, also begibt sieh unser folk in die flucht, das es all... 



Anhang* 

Herr Hanns Jacobs vonn Granweiler zu Gran- 
weiler Ritters etc. Bestallung vnnd Reverss, wie 
mein gnediger Fürst vnd Herr denselbigen zu 
sr. f. g. Obristen vnd dhiener etc. angenommen 
hatt. 
Ich Hans Jacob von Granweiler zu Granweiler, ritter etc. 
bekenne und thun kund öffentlich mit diesem brieve, das der 
durchleuchtig hochgeborn fürst und herr, herr Wolffgang, pfalz- 
grave bei Rhein, herzog in Baiern, grave zu Veldenz und Span- 
heim, mein gnediger fürst und herr, mich zu seiner fürstlichen 
gnaden diener und obristen über ein regiment, darunder zehen 
fändlin guter landsknecht seien, die ich seiner f. g. vf erfordern 
zufüren soll, bestelt und angenomen hat, vermöge einer von sr. 
f. g. innhabenden bestallung, [so] von werten zu werten also 
lautet: 



*) or. : hindere. — *) or.: uethren. 



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Ein oberpfälzisoher Aktensammelband. 367 

Wolffgang, von gottes gnaden pfalzgrave bey Rhein, herzog 
in Baiern, grave zu Veldenz und Spanheira, bekennen und thun 
kund öffentlich mit diesem brieve, und thun kund meniglich, 
das wir heut dato den gestrengen unsern lieben getreuen, Hanns 
Jacoben von Granweill zu Granweiler, rittern etc., zu unserra 
diener und obristen uf- und angenomen haben, also das er isich 
uf erfordern zu einem obristen geprauchen und uns uf solch 
erfordern ein regiment mit gebürlichem laufgelt zuzufueren 
schuldig sein soll, bestellen und annehmen den auch hiemit 
wissentlich und wolbedacht, dergestalt, das er uns wider menig- 
lich, niemands ausgenomen, als allein das haus Württemperg, 
als sein lehenherrn , nachgeendts das römisch reich , es were 
dann sach, das in solchem reich einer oder mehr uns, unser 
land oder leut beschedigen wolte , das gott gnedig verhueten 
woll, so soll vielgemelter unser obrister, haupt- bevelch- und 
kriegsleut sich wider dieselbige , als wider unsere feinde , zu 
unsern nöten geprauchen lassen, es seie zu veld oder in be- 
satzung oder, worzu wir seiner sonst in krigssachen zu rat 
und tat noturftig sein, dienen auch uns und unsern fursten- 
tumben treu und hold sein, unsern nutz und frommen auch 
bestes werben, schaden und nachtheil warnen und wo möglich 
wenden und in summa alles das thun soll, das einem treuen 
diener und obristen gegen seiner herrschaft zu thun gepurt, ge- 
zimt und wol anstet, auch sein aid und pflicht solchs aus- 
weiset; er soll auch keinen andern herrn annehmen oder sich 
in dienst und pflicht einlassen ohne unser zuvorwissen und zu- 
lassen. Und was er in angeregtem unserm dienst für heimlich- 
eiten sehen, hören oder erfahren wurdet, die soll er in sein 
grub verschweigen. 

Hieruml) und von wegen solchs seines diensts und obristen- 
ampts sollen und wollen wir ime järlichs und jedes iars be- 
sonder uf den ersten septembris, wie dann die erste erlegung 
uf den ersten septembris anno 1568 beschehen soll, zu wart- 
und dienstgelt aus unserer rentkamer alhie zu Neuburg durch 
unsern camermeister geben und gegen gepuerlicher quittung 
raichen lassen uf sein person und zu underhaltung der haupt- 
leut 1500 gülden, den gülden per 15 batzen oder 60 kreutzer 
gerechnet. Und wurdet er sich mit hauptleuten also verfasst 
zu machen wissen, damit, wann er gemahnet, er das regiment 



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368 Albert Gümbel : 

ersetzen möge, und wann wir ine also mit seim regiment zu 
veld oder in besatzung geprauehen werden, sollen imd wollen 
wir ine sampt den haupt- auch andern bevelchsleuten und ge- 
meinen knechten mit weiterer monatlichen besoldung auch 
seinen stadt und erst [stadt?^)] der hauptleut underhalten, wie 
solchs in des reichs auch ander chur- und fürsten im heiligen 
reich bestallung gepreuchig ist, daran sie sich benuegen lassen 
sollen und wo, wir uns mit einem oder mehr regiment knechten 
von der R. Kai. Mt., unserm allergnedigisten herrn, oder sonst 
einem grossmechtigen potentaten geprauehen Hessen, alsdann soll 
mehrgedachter unser obrister, seine haupt- und bevelchsleut, 
auch gemeine knecht, monatlich (wie andere in solchem dienst) 
underhalten werden; doch soll die järliche pension stillstehn, 
sopald sie in die monatliche besoldung treten, bis zu ausgang des 
zugs und die monatsbesoldung inen abgethan [wird]. Wir haben 
auch ime, Hans Jacoben von Granweil, ritter etc., gnediglich 
bewilligt , da wir ine neben diesem seinem oberstenampt in 
unsern Sachen und gescheften in ein oder den andern weg ge- 
prauehen oder verschicken wurden, das alsdann wir ine, was 
die zerung belangt der gepuer nach gnediglich bedenken und 
zu gutem benuegen entrichten wollen. Und so wir ine gehörter 
massen zu kommen und zu dienen erfordern und er in unsern 
gescheften sein [wird], alsdann von der zeit an, so er von haus 
ausreiten, und bis er wiederum anheimisch kommen wurde, [wollen 
wir] ine mit futer und mahl oder liefergelt, auch pferdschaden 
und andenn halten wie andere dergleichen unsere diener. Wann 
auch wir ine nicht lenger zu unserm obristen haben oder ime 
also lenger in imserm dienst zu sein nicht gelegen sein wolte, 
soll ieder theil dem andern ein vierteljar vor ausgang des jars 
aufkunden. Daruf hat uns gedachter Hanns Jacob vonn Gran- 
weill, ritter, gelobt und einen leiblichen aid zu gott geschworn, 
dem allem, wie obstet, treulich und unverspruchlich nachzu- 
kommen, alles nach laut und Inhalt eines reverssbriefs, den er 
uns desshalben übergeben hat, treuHch und sonder geverde. 
Und dess zu wahrem urkund haben wir unser secret zu ende 
diss briefs furtruckhen lassen. Der geben ist zu Newburg an 
der Thonaw uf den ersten tag septembris anno 1567. 

Und hieruf so hab ich obgenanter Hans Jacob von Gran- 

*) or. : bladt. 



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Ein oberpfälzischer Aktensammelband. 369 

weil zu Granweil, ritter etc., hoch gedachtem meinem gnedigen 
fursten und herrn einen aid leiblich zu gott geschworen, dem 
allem, was vorgemelte bestallung ausweiset und mir uflegt, ge- 
treulich und mit allem vleiss nachzukommen und zu geleben, 
getreuhch und ohne geverde. Dess zu wahrem urkund hab ich 
zu ende diss reverssbriefs mein aigen angeborn insigell ufge- 
truckt. Der geben ist zu Zwaipruckhen uf tag und iar, wie 
vorgemelte bestallung ausweiset. 

NB. der originalreverss ist den 8 ^®^ Martii Ao. etc. 68 gein 
Newburg zur rechencanamer geschickt. 

Zeuttung von der Schlacht, so sich diser tagen in Prannkhreich 

zwischen der Khu. W. Kriegsvolkh vnndt deren Rebellischen 

Vnnterthanen zuegetragen. 

(Vgl. oben die Anmerkung zu Nr. 18.) 

Den 3. octobris ao. etc. 69ten hat sich die Schlacht erhebt 
zwischen S. Jain^) und Mantanewer*) an solchen orten, auch 
der gestalt, wie die pletz, do die Schlacht geschehen, auch die 
gelegenheit der wasser und dorfer darvon verzeichnet und ab- 
gerissen in papir der Kö. W. zugeschikt worden. 

Es haben die rebellischen ir veldlager geschlagen an ein 
vast fürtreglich ort, da si allzeit beschlossen gewesen von einem 
feuer oder gewesser, da si allain ainen pass oder zugang zu 
inen^) zu kummen zu versorgen und zu verwaren gehabt, 
wehches si auch leichtlich zu thuen vermainten auf einem 
kleinen hügl negst dabei, ganz wol gelegen zu der wehr, und 

*) St. Jouin-les Marnes (d6p. de deux Sövres c. 2V2 km w. von Mon- 
contour). 

*) Wohl sicher aus Moncontour verschrieben. Die nachfolgende 
Schilderung von dem verschanzten Lager der Hugenotten auf einem 
„kleinen hügl negst dabei*' würde sehr gut auf einen von der französischen 
Generalstabskarte in lV»km n.-w. von Moncontour verzeichneten Hügel 
passen, der allerdings eine vortreffliche Vertheidigungsposition darstellt. 
Den massig hohen Hügel umfliesst im Osten die Dive, an welcher Mon- 
contour liegt, und westlich ein kleines Gewässer (wohl ein Arm derselben); 
beide vereinigen sich wieder n. des Hügels. Ausserdem ist letzterer von 
Sümpfen eingeschlossen. Das weiter unten genannte St. Clair ist e. 6V« km 
östlich von Moncontour zu suchen. 

') or.: irem. 
ArchivaliBche Zeiteohrift. Neue Folge IX. *^4 



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370 Albert Gümbel: 

daselbst ir geschütz verordnet hetten, damit sie zu^) betreten 
die unseren beschiessen und treffen mochten, welches alles ganz 
wol von inen bedacht und verordnet worden; verhoffen auch 
nit, das derowegen [si überwunden kunten werden an]*) so 
ainen wolgelegenen ort oder pletz, destwegen auch endhchen 
sich entschlossen, davon nit zu weichen. 

Der Kö. W. geliebter bruder, der herzog von Aniou, nach- 
dem ir fl. Gn. sich zuvorn, dann auch den 2. octobris allernechst 
bei inen sehen lassen, verhoffend sie dardurch zur schlacht an- 
zuraitzen und herauszuloken auf ein weit eben feld, gelegen 
zwischen amem dorf, genannt S. Clar und [dem] wasser Thoue^), 
daselbst si den vorigen tag einen grossen scharmutzl*) gehabt, 
an welchem wol in 300 pferd der rebellischen nidergelegt, aber 
doch das alles unangesehen sie nit zur schlacht herbei bringen 
kunnen. 

Derowegen entschlossen si[ch] ire fl. Gn. montags, den 
3. octobris, bei fruer tagzeit mit irem häufen aufzusein, damit 
si einen pass an dem ort des pruchs auch bei dem wasser, die 
Thoue genannt *), treffen möchten ; wie si den destwegen bis in 



*) Vielleicht verschrieben statt „beim". 

') or.: die Vberwundenen khundt werden so ainen etc. 

') or: vnderm Wasser Thoue. Es liegt offenbar, wenn wir nicht ein 
Schreibversehen annehmen wollen, eine Vorwechslung mit der nur 1 Stunde 
w. entfernten Dive vor. Der heute Le Thouet genannte Fluss (bei Castel- 
nau La Toue) fliesst 17 km. w. von St. Ciair; er nimmt die Dive in seinem 
Unterlaufe von rechts auf. Die Lesart „vnderm", etwa als Uebersetzung 
des französischen sur, ist sicherlich fehlerhaft, da einerseits St. Clair direct 
weder an dem Thouet noch der Dive liegt, andererseits das „zwischen" 
eine zweite Ortsbestimmung verlangt. 

*) Vgl. oben Seite 364 Anmerk. 6. 

^) Auch hier liegt eine Verwechslung mit der Dive vor. Die Situation, 
welcher der hier geschilderte Marsch des Herzogs von Anjou entsprang, 
war nach Casteluau und La Noue die folgende: der Herzog beabsichtigte, 
nachdem es ihm am 1. und 2. Oktober nicht gelungen war, die bei Mon- 
contour lagernden Hugenotten bei St. Clair zum entscheidenden Kampfe 
zu bringen, ihnen nunmehr den Abzug westlich nach Nieder- Poitou über 
den Thouet zu verlegen. Ein direkter Vormarsch westlich auf Moncontour 
verbot sich aber durch die von der Dive zwischen diesem und St. Clair 
gebildeten Sümpfe („pruch" bei unserm Autor). Der Herzog umging, mit 
dem Morgengrauen des 3. Oktober aufbrechend, in einem weiten Bogen 
nach Süden dieses Hinderniss, passirte die Dive nahe ihrer Quelle und 



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Ein oberpfälzischer Aktensammelband. 371 

ZWO grosse meilen umgezogen, besorgend heftig die feind wur- 
den sich dazwischen aufmachen und ausreissen. Und haben ire 
fl. Gn. sich mit irer kriegsrüstung im vorziechen für und für in 
der Schlachtordnung gehalten und dermassen beschlossen, das 
si zwischen 11 und 12 uhr ankumraen auf ein weit eben veld, 
gerad den feinden zuvorn in ir angesicht, die dann nit gerut, 
ze stundan sich in die Schlachtordnung gestelt und zu risten 
aufs höchste, wie vorgerneldt, das si also die platz zur Schlacht 
eingenommen und ire wagen, karrn, kriegsrüstung und provision, 
zusamt allem irem plunder^) hindn an inen gelassen. Und so- 
bald ir fl. Gn. häufen, wie jetz beraeldt, zum feind gerükt, 
haben si gleich angefangen ir grob geschütz auf die unsem 
abzuschiessen, darauf inen alsbald von den unsern [ser*)] wol ge- 
antwort und beschaid gethon worden [durch] ^) unser geschütz, 
so auch wol auf ein gleichmessigs reichs übergeben [worden]; 
den[n] inen verordnet war ein ganze stund auf si unabgelassen 
zu schiessen, dardurch auch die feind befugt, solchen iren ein- 
genommenen vortail zu verlassen. 

Die Schlacht ist angefangen worden etwas nach mittag und 
hat gewert vir grosser stund und darüber ; ist also greulich und 
erschröklich gewesen, dergleichen auch bei menschen gedenken 
nie keine gesehen worden und haben die Kö. W. überhand 
genommen und die ganz victori erhalten durch mittl, fürsehung 
und gute Ordnung irer Kö. W. bruders, des herzogen von Aniou, 
indem dann ir fl. Gn. so wol gevolgt und entsetzt worden*). 

zog am linken Ufer entlang, bis er auf den Admiral stiess. Vielleicht 
wäre es ihm aber nicht gelungen, rechtzeitig an den Feind zu kommen, 
oder er hätte ihn in einer minder vortheilhaften Stellung angreifen müssen, 
hätte nicht der Admiral durch eine Meuterei seiner Truppen kostbare 
Stunden verloren. Dieser hatte gleichfalls in früher Morgenstunde den 
Marsch gegen den Thouet, dessen Uebergänge (bei der Stadt Nirvault 
und weiter unten gegen Thouars hin) er bereits, dem Feinde zuvor- 
kommend, hatte besetzen lassen, anzutreten gedacht, verlor aber durch 
jene Meuterei ein paar Stunden und kurze Zeit, nachdem er sich wieder 
in Bewegung gesetzt hatte, sah er sich der königlichen Armee gegenüber. 

*) dh. Gepäck. — *) or.: so. 

■) or.: das. Die ganze Stelle scheint verderbt. 

*) Nämlich durch die Schweizer, welche dem bei seinem Angriff auf 
den Grafen Ludwig von Nassau arg ins Gedränge und selbst in Lebens- 
gefahr (siehe unten) gerathenen Herzog zur Hülfe eilten imd den Tag 
entschieden. Gastelnau, p. 547. 

24* 



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372 Albert (iümbel: 

Seind sovil von ritterraessigen fürsten, herrn, obristen, haiibt- 
leuien und weltlichen ') kriegsvolk aus der nation gegenwürtig 
gewesen; desgleichen zuvorn in keiner schlacht gesehen worden, 
das si[ch] die unsern so dapfer gebraucht oder bewisen haben. 

Von den unsern allen, so verletzt und umkommen, find man 
nit über 200. 

Der herzog von Guisch^) ist verletzt von einer kugl oben 
auf dem diech^) seines rechten fus und sagen die Wundarzt, das 
die wunden gar nit geferlich sei. 

Graf Petter Ernnst von Mansfeldt, obrister über der Kö. W. 
zu Hispanien reisigen^), ist verletzt an einem arm; der elter 
reingraf^) an einem waden verletzt; der herr von Pesstain^) ist 
verletzt an dem linken arm, welcher alle ire balbirer sagen on 
einiche geferligkeit sei. 

Margraf Philipp von Baden, do ir fl. Gn. also ritterlich als 
sonsten kein fürst gestritten, auf dem platz bliben, beklagt 
meniglich seinen tod heftig^). 

Landgraf Albrecht von Dietz, [dessen] zwen eltiste brüder 
am fieber zu Burgis gestorben, ist auch Selbsten in der schlacht 
bliben; seind also die drei brüder neulichen nacheinander um- 

*) Wohl statt weidllohem. 

*) Herzog Heinrich von Guise. 

*) Nach Grimm, Schmeller u. A. der dickste Theil des Oberschenkels, 
„au bas de la jambe" bei Brantöme, Hommes illustres (Forneron, les ducs 
de Guise et leur ^poque U, pag. 102.) 

*) Herzog Alba, Pbilipp's U. Statthalter in den Niederlanden, hatte 
dem französischen Könige den Grafen mit 3000 Mann zu Fuss und 
20Ü0 Reitern zur Hilfe geschickt. Cf. den Artikel Mansfeld, Peter Ernst I. 
in der Allg. deutsch. Biographie. 

^) Der ältere Rheingraf, Johann Philipp, wurde von Coligny, den er 
im Gesichte verwundet hatte, durch einen Pistolenschuss getödtet; viel- 
leicht bezieht sich imsere Notiz auf dessen Bruder, den jüngeren Rhein- 
grafen Friedrich. 

•) Es ist dies der von Castelnau unter den auf dem rechten Flügel 
des königlichen Heeres befindlichen deutschen Herren genannte Bassom- 
pierre, dessen Verwundung derselbe Autor weiter unten erzählt, lieber 
das lothringische Dynastengeschlecht der von Bettstein, welches seinen 
Stammsitz auf der Burg Bettstein oder Bassompierre , 2 Stunden n.-w. 
von Diedenhofen, im alten Herzogthum Bar hatte, vgl. Siebmaoher, 
Wappenbuch, II, 10. 

^) Sein Leichnam konnte nicht gefunden werden. Ueber seinen Tod 
vgl. Castelnau, pag. 547. 



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Ein oberpfälzischer Aktensammelband. 373 

kommen, das grosser schad ist; sonsten wais man von keinem 
toten oder verletzten unter den fürnemsten. 

Auf der rebellischen Seiten ist all ir geschütz, nemlich 
12 stuck, unter welchen die [vier] *) fürnemsten stuck hiebevor 
zu Lefingen^) erobert worden, [genommen worden]; haben allen 
iren plunder und herwagen verloren; die teutschen reiter, all ir 
fusvolk, sowohl auch Franzosen als Teutsche, erschlagen und 
umbracht [worden], auch all ir fenlein erobert von den unsern, 
und wurd der toten zal gerechnet 15 000. 

Sovil belangt ire reuter, haben si verloren 1200 pferd, so 
aufm platz bliben und haben die unsern [alle?]*) ire reuterfanen 
bekommen. 

Graf Vollrath von Mansfeldt, der rebelln unterthanen obrister 
über ire teutsche reiter, ist umkummen*). 

Was sonsten weiters von fürnemsten personen bliben und 
unter den toten gelegen, der namen noch zal wais man noch 
nit; den man noch heftig der victori nachvolgt und nicht zeit 
gehabt oder sich säumen wollen die durchsuchung unter den 
toten zu thuen, aber in kurz wurd man davon ein gewisse ver- 
zeichnus haben. 

Es haben die unsern sonderlich niemands wollen gefangen 
nemen, sondern den merern alles umbracht und [von] den fran- 
zösischen reutem haben ein gute anzal sich in die flucht geben 
und ir fusvolk samt den teutschen reitern erschlagen und um- 
bringen lassen. 

Die herrn von Datien*) und der von Naw*) seind gefangen 

*) orig.: für. 

*) Schloss Lusignan. Vgl. die Formen Lesignen, Lezingeii bei Zedier, 
Universallex. sub v. Lusignan. Die bei der Eroberung Lusignans von 
den Hugenotten erbeuteten Kanonen werden auch bei La Nouo erwähnt 
(„six Canons que le comte de Lude avoit laiss6 audit chasteau.") Cf. auch 
oben Seite 363, Anm. 3. 

■) or.: also. 

*) Dies ist nicht richtig. Der Graf entkam und führte die deutschen 
Hilfsiruppen Colignys bis zu deren ehrenvoller Entlassung nach Absohluss 
des Friedens von St. Germain-en-Laye, August 1570. 

^) D*Acier, einer der hervorragendsten Heerführer aus der Umgebung 
des Admirals. 

*) De Lanoue, unser schon öfter zitirter Memoirenschreiber und 
Generalleutnant Colignys in der geschilderten Schlacht. Ueber die Vor- 
gänge bei der Gefangennahme vgl. die Anm. bei Delaborde, a. a. 0. pag. 155. 



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374 Albert Gümbel: Ein oberpfalzischer Aktensammelband. 

[worden]^); do man si gefragt, ob der adrairal seinem alten ge- 
brauch nach sich in die flucht geben, hat der von Naw geant- 
wort nein und zeigt der Kö. W. bruder, dem herzogen von 
Aniou, für gewiss an, das gleich in diser stund, da der von 
Aw gefangen worden, sei der adrairal allernechst beneben im 
mit eim feistling durch den leib geschossen worden und glaubt 
nit, das er nach empfangenem schaden oder schuss hundert geng 
oder schritt lebendig weichen [kunen]^); man wais aber nit für 
gewiss, ob dem zu glauben, angesehn, das allererst gestern die 
Schlacht geschehen, aber man wurd in wenig tagen gewisse 
zeutung vernemen^). 

Es soll hiebei unangezeigt auch nit bleiben, das hocherraelter 
herzog von Aniou un[ter]*) dem häufen, so sein fl. Gn. ange- 
griffen, zur erden kumen, aber wider zu pferden aufgehoben 
durch den margrafen von Willers*), jetzigen admiral zu Prank- 
reich und sonsten irer fl. Gn. stalmaister genannt; ist auch un- 
gläubig, wie ritterlich und dapfer der junge fürst sich in der 
Schlacht verhalten. Der prinz *) von Vranien und seiner fl. Gn. 
bruder, Graf Ludtwig, seind 3 tag vor der Schlacht aus dem 
leger gen England gezogen^). 

*) orig.: welcher. 

*) or.: vnd. 

') Der Admiral wurde, wie oben bemerkt, im Gesicht verwundet, 
entkam aber glücklich aus dem Getümmel nach Parthenay. Delaborde, 
pag. 154. 

*) or. vnd. 

**) Le marquis de Villers. Castelnau, pag. 547. 

«) Wilhelm. 

') Nach Delaborde 1. c. III, 148 verliess nur erstorer Coligny, um 
neue Truppen in Deutschland zu werben; seine Brüder Ludwig und 
Heinrich blieben im Lager zurück. 



S. 349, Zeile 4 v. u., Anra. 6, ist zu ergänzen: S. 354, Zeile 14 v. o. 



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ARCHIV ALISCHE 

ZEITSCHRIFT. 



HERAUSGEGEBEN 



DURCH 



DAS BAYERISCHE ALLGEMEINE REICHS ARCHIV 

IN MÜNCHEN. 



NEUE FOLGE. ZEHNTER BAND. 



MÜNCHEN 
THEODOR ACKERMANN 

KÖNIGLICHER HOF-BCCHHÄNnLER 

1902. 



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I. Zur Geschichte des Lechrains und der Stadt 

München. 

Von Dr. Franz Ludwig Baumann, k. Reichsarchiv-Rath. 



1. 

Die Wappen der Lechstädte Priedberg und Landsberg sind 
nahe verwandt. Das von Landsberg zeigt ein einfaches rothes Kreuz 
auf grünem Dreiberg in weissem Felde, das von Priedberg ein 
gleiches Kreuz auf grünem Dreiberg in blauem Pelde, rechts und 
links umgeben von zwei weissen Lilien, deren grüne Stengel 
aus dem Dreiberge wachsen. Die beiden Wappen unterscheiden 
sich somit durch die verschiedenen Farben ihrer Felder, aber 
diese Verschiedenheit, auf die wir später zurückkommen werden, 
ist nicht von wesentlicher Art. Im Gegensatz zum Landsberger 
erscheint das Friedberger Stadtwappen ausserdem um die Lilien 
reicher, aber auch diese Lilien sind nur Beizeichen, keine wesent- 
lichen Bestandtheile des Wappens. In der That sind also die 
beiden Wappen nahe verwandt, ja in ihrem eigentlichen Wesen 
gleich. Man vergleiche nur^ um dies sofort zu erkennen, die 
Abbildung derselben auf Aventins Karte von Bayern aus dem 
Jahre 1523 n^it der Apians von 1562*); sie zeigen dasselbe 
Kreuz und beweisen damit, dass die Unterschiede, welche in 
der Darstellung dieses auf einem Dreiberge stehenden Kreuzes 
in den verschiedenen Siegeln und Darstellungen der Wappen 
von Friedberg und Landsberg im Laufe der Zeiten sich kund- 



') Herausgegeben von Oberhummer, München 1899. 
*) Oberbayr. Archiv, Band 39, Wappen Nr. 589 und 
Archivalische Zeitschrift. Neue Folge X. 



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2 Dr. ßaumann: 

gegeben haben, keine Bedeutung haben, sondern nur der Will- 
kür der Sterapelschneider ihr Dasein verdanken. 

Das wesenthche Wappenbild der beiden Lechstädte ist das 
einfache rothe Kreuz auf grünera Dreiberge. Steht dieses Kreuz 
im Zusammenhange mit den Namen oder mit der Geschichte 
von Priedberg und Landsberg oder ist es ohne inneren Grund 
das Wappenbild dieser Städte geworden ? Um diese sich selbst 
ergebende Frage beantworten zu können, haben wir vor allem 
festzustellen, dass die Wappen beider Städte nicht etwa erst 
jüngere Verleihungen, sondern dass sie von Alters her geführt 
worden sind. Dies beweist einmal die Thatsache, dass bereits in 
den ältesten erhaltenen Siegeln von Landsberg und Friedberg 
das Kreuz als Wappenschild erscheint, und dass schon in diesen 
ältesten Siegeln neben dem Kreuze beide Städte Beizeichen 
führen, die keinem andern Zwecke dienen , als eben die Siegel 
beider Lechstädte von einander zu unterscheiden. Folghch 
waren die Wappen beider Städte vor dem Aufkommen der 
Beizeichen gleich, mit andern Worten, sie zeigten seit ihrem 
Bestände als Wappenbild das Kreuz. 

Dieses Festhalten an dem einmal angenommenen Wappen 
können wir bei den Städten und Märkten des Herzogthums 
Bayern überhaupt in der älteren Zeit beobachten. Ihre grosse 
Mehrzahl hielt bis in die ersten Jahre des 19. Jahrhunderts 
hinein an ihren altererbten Wappen in Treue fest. Erst 1808 
traten hier manche Neubildungen ein, dass diese aber des öfteren 
den Gesetzen der echten Heraldik nicht gerecht werden, ver- 
steht sich bei Wappen Verleihungen der napoleonischen Zeit und 
Schule von selbst. Ich will hier nur zwei Beispiele dieser will- 
kürlichen Wappen Verleihungen in dieser Zeit namhaft machen. 
Pfaffenhofen a/Ilm musste damals sein uraltes redendes Wappen 
(einen halben Priester oder Pfaffen) aufgeben und bekam dafür 
von der Montgelas-Regierung das angebliche Wappen der Grafen 
von Scheyern (einen goldenen Zickzackbalken in blauem Felde). 
München sodann erhielt am 26. März 1808 anstatt seines 
„Kindls" ein neues Stadtwappen. Dasselbe bestand „in einem 
offenen Portale mit zwei dorischen (!) Säulen, ober dessen 
Schwibbogen eine Königskrone ruht, unten zwischen den beiden 
Piedestalen steht ein streitfertiger , links sehender Löwe ohne 
Krone, der in der rechten Pranke ein blankes Schwert, in der 



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Zur Geschichte des Lechrains und der Stadt München. 3 

linken aber einen silbernen Schild hält, worauf der lasurne 
Buchstabe M befindlich ist." Erst König Ludwig I. hat 1835 
mit den königlichen Worten : „es seien Allerhöchst ihre An- 
sichten, dass alte Namen und Zeichen durch Jahrhunderte fort- 
leben bis zu den spätesten Geschlechtern", diese heraldische 
Verirrung beseitigt und das Münchner Kindl wieder in seine 
Rechte eingesetzt.^) 

Aelter ist die Wappenänderung des Marktes Dachau, doch 
entstammt auch sie frühestens dem Ende des 16. Jahrhunderts, 
denn Apian kannte sie 1562 noch nicht. Das ursprüngliche 
Wappen von Dachau war ein weisser Sporn mit schwarzem 
Riemen im rothem Felde; dieses Wappen erfuhr im Laufe der 
neueren Zeiten eine Mehrung, indem zu ihm zwei weitere 
Schilde, der eine mit einem gelben Löwen in blauem Felde, 
der andere mit einer grünen Schlange in rothem Felde hinzu- 
gesetzt wurden. Das neue Wappen von Dachau besteht seit- 
dem aus 1,2 Schilden und bekam damit eine Gestalt, die ihres- 
gleichen unter den Wappen der bayerischen Städte und Märkte 
nicht wieder findet, denn keines von diesen besitzt drei Schilde. 
Entstanden ist dieses Dachauer Unicum offensichtlich aus einem 
Missverständnisse. Der unter dem Spornschilde stehende Löwen- 
schiid in diesem Wappen ist natürlich der bayerische, und zu 
ihm steht der mit der Schlange ohne Frage in engster Be- 
ziehung. Wir finden diese Verbindung des bayerischen mit 
diesem Schlangenschilde und dem Stadtwappen als ehedem be- 
malte Reliefs auch am stattlichen 1425 erbauten Bayerthore zu 
Landsberg. Solche mit einander verkehrende Wappen sind fast 
immer, wenn sie Gebäude und Thore zieren, die des Landes- 
herrn, unter dessen Regierung diese Gebäude und Thore erbaut 
oder hergestellt worden sind. Dies trifft gerade bei dem Lands- 
berger Bayerthore zu, denn die beiden Schilde über ihm sind 
nichts anderes, denn das Allianzwappen der Herzogin Elisabeth 
von Bayern-München, einer Tochter des Fürstenhauses Visconti 
von Mailand, deren angeborenes Wappen eben die Schlange 
war.*) Das ist sicher, denn diese Herzogin wurde 1395 gerade 



') Lipowsky, Matrikel der Wappen d^ r bayr. Städte und Märkte (Hand- 
schrift des K. Allgemeinen Reichsarchivs) III, 404; Oberbayr. Archiv 13,6). 

*) Kunstdenkmale des Königreichs Bayern I, 514, Abbildung auf der 
zugehörigen Tafel Nr. 61. 



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4 t)r. ßaumann: 

auf Laiidsberg verwidmet*) und war darum später die Nutz- 
inhaberin dieser Stadt. Aus gleichem Grunde und zu gleicher 
Zeit war sie auch Inhaberin des Marktes Dachau.*) Ohne 
Zweifel prangte deshalb ihr Allianzwappen über oder unter dem 
Dachauer Spornschilde, dem eigentlichen Marktwappen, an einem 
Thore oder am Rathhause zu Dachau als Zeichen, dass unter 
ihrer Herrschaft da gebaut worden ist. Erst die jüngere Zeit 
hat dies verkannt und die drei Schilde zusammen für das Voll- 
wappen von Dachau angenommen. 

Dem Mittelalter sodann, der Zeit der echten Heraldik, 
gehören vier Wappenänderungen bayerischer Städte an. Diese 
vier Städte, welche noch vor 1600 neue Wappen angenommen 
haben, sind Osterhofen, Reichenhall, Weilheim und München. 

Das Wappen von Osterhofen war ursprünglich ein glocken- 
artiges, unten offenes Gefäss; dies zeigt ein Siegel dieser Donau- 
stadt, das an einer Urkunde von 1423 (im k. bayer. Reichs- 
archive) hängt und das nach der Buchstabenform seiner Um- 
schrift nicht allzulange vorher geschnitten sein kann. Dieses 
Gefäss ist keine Glocke, denn es hat keinen Scliwengel, es ist wohl 
eine Fischreuse oder ein Korb von der Art, wie sie heute noch 
als Zufluchtstätten für die Küchlein auf Hühnerhöfen aufgestellt 
werden. Dieses Wappen kennt Aventin 1623 nicht mehr; seine 
Karte zeigt bereits das heutige Wappen von Osterhofen: ein 
weisses oben aus einer weissen Burg in blauem Felde heraus- 
wachsendes Lamm mit Fahne (d. i. ein Osterlamm). 

Reichenhall sodann führte nach seinem ältesten Siegel von 
1279 im 13. Jahrhundert im Wappen ein rechts schreitendes 
Osterlamm. Von Sigenfeld bestreitet zwar in seiner Al>handlung 
über das Landes wappen der Steiermark (S. 280), dass dieses 
Bild ein Wappen sei, und erklärt es lediglich für ein religiöses 
Symbol, aber mit Unrecht. Dass nämlich das Lamm Gottes 
als wirkliches Wappenbild Verwendung gefunden hat, zeigt 
uns das eben vorgestellte jüngere Wappen der Stadt Osterhofen, 
zeigt uns das Wappen des Bisthums Brixen , das einfach aus 
dem Gotteslamme besteht. 

Zu Ende des 13. Jahrhunderts Hess Reichenhall sein 
ältestes Wappen fallen und nahm nun einen gequerten Schild 



^) Oefele, Script, rer. Boicarum II, 200 «• 



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Zur Geschichte des Lechrnins und der Stadt München. 5 

an, in dessen oberem Felde ein Panther, in dessen unterem 
Felde die bayerischen Wecken standen. Nicht viel später wurde 
der Reichenhaller Schild wieder geändert; er erscheint jetzt 
anstatt gequert gespalten, und zwar so, dass im rechten Felde 
der Panther, im linken die Wecken stehen. Bald wurden auch 
Wecken und Panther gegenseitig verwechselt und vom 16. Jahr- 
hundert ab tritt gar an Stelle des Panthers vorübergehend 
ein Löwe. 

Das Wappen von Weilheim war ursprünglich, wie aus 
einem Siegel dieser Stadt von 1261 zu ersehen ist, eine zu- 
nehmende Mondsichel, oben rechts und links von einem Sterne 
begleitet. Seit dem Ende des 14. Jahrhunderts aber besteht 
das Weilheimer Wappen aus einem rothen Barbakanthore mit 
drei Thürmen in weissem Felde. 

Münchens ältestes Wappen endlich zeigte ein Stadtthor, in 
dem ein mit der Kapuze bedeckter Mönchskopf stand und über 
dem ein halber Adler schwebte. Im 14. Jahrhundert kam in 
das Thor ein ganzer Mönch und über dasselbe ein schreitender 
und später steigender Löwe. Seit etwa 1340 aber zeigt Mün- 
chens Wappen nur noch den Mönch allein. 

Nach dieser Vorerörterung können wir der Frage, in 
welchem Zusammenhange die Wappen von Friedberg und 
Landsberg mit dem Namen und der Geschichte dieser Städte 
stehen, näher treten. Ihre Beantwortung wird uns erleichtert 
werden, wenn wir wiederum zuerst einen Blick auf die alt- 
bayerischen Städte- und Märkte wappen überhaupt werfen. 
Sollten wir dabei selbst einige Wappen aus Schwaben und 
Pranken und vom Rhein zur Erläuterung beiziehen, so wird 
das wohl bei keinem Leser Widerspruch wachrufen. 

Die Wappen der altbayerischen Städte und Märkte weichen 
in ihrem Baue von den Süddeutschlands überhaupt nicht ab ; 
sie zerfallen, wie diese in mehrere Klassen. 

1. Auch in Altbayern führt manche Stadt, mancher Markt 
ein sprechendes oder Namenswappen^ d. h. das Bild des Wap- 
pens gibt den Sinn des betreflFenden Ortsnamen in heraldischer 
Sprache wieder. Ein solches Namens wappen ist, wie allbekannt, 
das von München, denn das ^Münchner Kindl" in diesem 
Wappen ist in Wahrheit ein schwarzer Mönch in gelbem Felde, 



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6 Dr. ßaumann: 

wiederholt also den Ortsnamen, der „bei den Mönchen, Ort der 
Mönche" bedeutet. 

Nicht selten vertritt in redenden Wappen ein Theil das 
Ganze, so erscheint z. B. in den ältesten Siegeln von München 
anstatt des ganzen Mönchs nur ein mit der Kapuze bedecktes 
Mönchshaupt. Eine solche Vertretimg findet insbesondere dann 
statt, wenn der Ortsname sich nicht wohl ganz im Wappen 
ausdrücken lässt. So zeigt das Wappen des Marktes Dorfen 
nicht etwa ein ganzes Dorf, sondern nur 2,1 Häuser. 

Selbst weit hergeholte Vertretung ist in redenden Wappen 
gestattet; im Wappen von Landshut dienen z. B. 2,1 Helme, 
um „der Hut des Landes" heraldischen Ausdruck zu geben. 

Ist ein Ortsname aus zwei selbständigen Begriffen zusammen- 
gesetzt, so kann diese Eigenschaft auch im Ortswappen des 
betreffenden Ortes zum Ausdrucke gelangen; dies geschieht 
z. B. in dem des Klosters Ebersberg, denn dasselbe zeigt einen 
Eber, der einen Dreiberg hinansteigt. Dass auch bei solchen 
Wappen der Theil das Ganze vertreten kann, ist selbstverständ- 
lich. Im Wappen von Holzkirchen z. B. erblicken wir eine 
Kirche inmitten Tannen, den Vertretern des Holzes, das im 
Namen lebt. Ebenso enthält das Wappen von Mittenwald als 
Darsteller des Waldes drei Tannen, die inmitten von zwei 
Felsen gewachsen sind. Auf diese Weise will dasselbe auch 
die „Mitte" im Ortsnamen heraldisch zur Anschauung bringen. 

Häufig gelangt aber bei den Wappen also benannter Orte 
nur ein Begriif zur Darstellung, wobei wieder der Theil auch 
das Ganze vertreten kann. So führt Waldmünchen einen grünen 
Waldbaum im weissen Felde im Wappen ; in demselben ist also 
nur der ^Wald" (und zwar nur durch einen Stellvertreter), 
nicht auch der zweite Namenstheil „München" zur heraldischen 
Aussprache gelangt. 

Zur Zeit, als unsere Städte und Märkte Wappen erhielten, 
war der Sinn ihrer Namen zum Theil nicht mehr bekannt. 
Das hatte zur Folge, dass man diesen Namen einen unrichtigen 
Sinn unterstellte und aus letzterem redende Wappen erkünstelte. 
So entstanden die weit verbreiteten falschen Namenwappen, die 
insbesondere in Altbayern gar nicht selten sind. Schärding am 
Inn führt z. B. im Wappen eine Scheere, obwohl der Name 
dieser Stadt mit diesem Schneiderwerkzeuge nichts zu schaffen 



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Zur Geschichte des Lechrains und der Stadt München. 7 

hat. So hat im Wappen Kraiburg eine goldene Krone in blauem 
Felde, Sirabach sieben weisse Bäche in rothem Felde, Cham 
einen Kamm, Murnau einen widersehenden Lindwurm, wie 
wenn in diesen Namen Krai aus „Krone", Sim aus „sieben", 
Murn aus „Wurm" entstellt wären. Das Wappenthier von 
Wolfratshausen sodann ist ein Wolf, obwohl der Name dieses 
Marktes nicht Haus der Wölfe bedeutet, sondern Haus des 
Mannes Wolfrat, dessen Name allerdings den dieser Raubthiere 
in sich schliesst. Im Namen des Marktes Reichertshofen ferner 
steckt der des Mannes Reichger; das aber war zur Zeit, als 
dessen Wappen aufkam, nicht mehr bekannt, und so stellte man 
in dieses, wie wenn der Name des Marktes mit den Reihern 
zusammenhinge, zwei weisse von einander gekehrte .Reiherköpfe 
in blauem Felde. Das jetzige Wappen von Osterhofen endlich 
zeigt, wie S. 4 bereits erwähnt wurde, ein wachsendes Oster- 
lamm, wie wenn der Name dieser Stadt vom Osterfeste ab- 
geleitet wäre, während er in Wahrheil mit der Lage der Stadt 
zusammenhängt, dieselbe als das östlich gelegene Höfen im 
Gegensatze zu Buchhofen und Langenisarhofen kennzeichnen will. 

Auch bei diesen falschredenden Wappen kann anstatt des 
ganzen Ortnamens nur ein Theil desselben vertreten sein. So 
enthält das Wappen von Eschelkam einen goldenen Kamm im 
rothen Felde, lässt also den Namenstheil „Eschel" unberück- 
sichtigt. 

Auch eine weit hergeholte Vertretung ist bei falsch- 
redenden Wappen ebenso wie bei echten möglich. Das von Erding 
z. B. enthält eine Pflugschar. Man hat eben im Namen dieser 
Stadt falsch die erste Silbe als Erde, Ackerland, aufgefasst und 
als heraldischen Ausdruck für Erde im Wappen das wichtigste 
Werkzeug für die Bearbeitung des Bodens, die Pflugschar, ver- 
wendet. 

2. Auch die Lage eines Ortes kann in seinem Wappen 
mehr oder minder getreu zum Ausdrucke kommen. Straubing 
z. B. führt im Wappen seit alter Zeit einen Pflug, dieser Pflug 
aber ist als Symbol für die Lage dieser Uonaustadt inmitten 
des niederbayerischen Hauptgetreidelandes zu verstehen. Stadt- 
amhof sodann hat im Wappen drei geschränkte rothe Schlüssel 
auf weissblau gewecktem Felde. Diese Schlüssel sind sichtlich 
den beiden geschränkten des Regensburger Wappens, mit denen 



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8 Dr. BaumanD: 

sie die F^arbe geraein haben , nachgebildet und erscheinen zur 
Unterscheidung von diesem Wappen um einen vermehrt. Das 
Wappen von Stadtamhof will besagen, dass diese Stadt ein 
Vorort von Regensburg sei; dass dieser aber nicht zu dieser 
Stadt, sondern zum Herzogthum Bayern gehöre, bezeichnet die 
Farbe seines Wappenschildes, der im Gegensatze zum weissen 
Felde der Reichsstadt weissblau geweckt ist. 

Auch die Städte und Märkte, deren Namen auf — berg 
enden und die damit im Einklang zumeist auf Anhöhen oder 
zu Füssen von gleichnamigen Burgen liegen, haben in der 
Regel im Fusse ihres Wappens einen Dreiberg. Wir sehen 
dies gerade in den Wappen von Friedberg und Landsberg. 
Auch die Städte, deren Namen auf das mit — berg gleich- 
bedeutende — stein ausgeht, haben gerne diesen Dreiberg, so 
führt z. B. Traunstein im Wappen zwei goldene Lilien auf 
grünem Dreiberg in blauem Felde. 

3. Des öftern dient als Wappen von Städten und Märkten 
das Bild ihres Schutzheiligen. Das Wappen des uralten Wall- 
fahrtsortes Altötting z. B. ist bekanntlich die dort verehrte 
schwarze Muttergottes in goldenem Felde, das von Inchenhofen 
das Bild des hl. Leonhard, nach dem dieser Markt in älterer 
Zeit sogar „St. Leonhard** schlechthin benannt worden ist. 
Aibling und Diessen am Ammersee führen im Wappen den 
hl. Georg, Nandlstatt das Haupt des hl. Johannes auf der 
Schüssel. 

4. Häufig führen Städte und Märkte das Wappen ihrer 
Grund- und Landesherrn. So hat die Stadt Moosburg dasselbe 
Wappen wie ihre längst ausgestorbenen Herrn, die gleich- 
namigen Grafen, nämlich 2, 1 Rosen. Auch der Markt Haag 
hat sein Wappen (eine weisse Gurre oder Stute in rothera Felde) 
von seinen alten Herrn, den Gurren von Haag, entlehnt. Ebenso 
übernahm der Markt Ortenburg das Wappen der gleichnamigen 
Grafen, die bis 1805 seine Grund- und Landesherrn gewesen 
sind (einen weissen doppeltgezinnten Schrägbalken in rothera 
Felde). Das Wappen von Braunau a/Inn vollends zeigt in 
rothera rankengeziertem Felde zwei neben einander stehende 
Schilde, den Wecken- und den Löwenschild; diese Stadt hat 
also im Gegensatze zu den andern altbayerischen Gemeinden, 
welche nur den landesherrlichen Weckenschild in ihr Wappen 



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Zur Geschichte des Leohrains und der Stadt München. 9 

genommen haben, die Vereinigung beider Wappen ihres Fürsten- 
hauses zu dem ihrigen gemacht. 

Nicht selten erscheint das Wappen der Herren in den 
ihrer Städte und Märkte zur Unterscheidung mehr oder weniger 
geändert. Ich nenne da Abensberg; die Herren von Abens- 
berg führten einen weiss-schwarz geschrägten Schild, ihre 
Stadt aber einen schwarz-weiss geschrägten, dessen unterer 
Theil jetzt zudem noch mit zwei schwarzen Balken belegt ist, 
während im Siegel derselben, das an einer Urkunde von 1368 
hängt, der ganze Schild mit einem Querbalken bedeckt erscheint. 
Die Stadt Dillingen sodann hat im Wappen einen weissen 
Schrägbalken in blauem Felde, oben von einer goldenen Lilie, 
unten von zwei goldenen Sternen begleitet ; die Grafen von 
Dillingen aber führten den Schrägbalken golden in rothem 
Felde, oben und unten von zwei weissen einander folgenden 
Löwen begleitet. Ihr Wappen erfuhr also bei seiner Umwand- 
lung in das der gleichnamigen Stadt in Farbe und Figuren 
bedeutende Aenderungen. Verschieden von seinem Stamm- 
wappen ist auch das der Stadt Rain. Dasselbe ist, wie das 
von Braunau, aus den bayerischen Wecken und dem Pfälzer 
Löwen zusammengesetzt, hat aber die beiden Wappen nicht, 
wie das dieser Stadt, neben einander unverändert stehen lassen. 
Sie verschmolz vielmehr beide, indem sie ihr Wappen theilte 
und in das untere Feld die weissblauen Wecken, in das obere 
aber anstatt des Pfälzer Löwen blos einen gerade aussehenden, 
gekrönten goldenen Löwenkopf in schwarzem Felde setzte. 

Einen Fall, dass ein Ort beim Wechsel seiner Herrschaft 
das Wappen der früheren mit dem der neuen vertauscht hat, 
finde ich in Altbayern in alter Zeit nicht. Dies hat die schwäbische 
Stadt Messkirch 1351, als sie aus dem Besitze der Truchsessen 
von Waldburg-Rohrdorf in den der Freiherrn von Zimmern über- 
ging, gethan. Bis zu diesem Herrschafts Wechsel bestand näm- 
lich ihr Wappen aus den 3 wald burgischen Löwen, seit dem- 
selben aber aus dem zimmerischen Löwen mit der Hellebarte.') 

Dagegen haben wir im älteren Münchener Wappen ein 
Beispiel für den Wechsel des in einem städtischen als Beizeichen 
dienenden landesherrlichen Wappens, denn der Löwe, wie der 

*) Fürstenberg. Urkundenbuch V, Siegel Nr. 78 und 79. 



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10 Dr. Baumann: 

halbe Adler in den Münohener Stadtsiegeln des 13. und 14. Jhdts. 
sind nichts anderes, denn die Wappen der Stadtbeherrscher alter 
Zeit. Wir haben davon im vierten Abschnitte zu handeln. 

Wie in den ältesten Münchener Siegeln, tritt das Herrschafts- 
wappen auch bei anderen Orten ganz oder theilweise zu dem 
des betreffenden Ortes hinzu, dient also in diesem Falle als 
Beizeichen. Als Beizeichen gibt sich das Herrschaftswappen 
insbespndere dann deutlich zu erkennen, wenn es über oder vor 
dem eigentlichen Wappen steht, und insbesondere, wenn es im 
Wappen des betreffenden Ortes einen eigenen Schild besitzt. 
So steht in dem von Inchenhofen vor dem hl. Leonhard ein 
kleiner Weckenschild, so führt Schongau im Wappen den ein- 
fachen Reichsadler, auf dessen Brust der Weckenschild sitzt. 
Dieser Gebrauch ist jedoch in Altbayern nur Ausnahme, in der 
Regel ist da das Weckenwappen mit dem eigentlichen Orts- 
wappen zu einem vereinigt; ersteres stellt dann, wie bei Stadt- 
amhof, das Wappenfeld dar, oder dient als Schildhaupt oder als 
zweites Feld des Gesammtwappens. Deggendorf z. B. hat unter 
einem geweckten Schildhaupte ein Thor. 

Das Herrschaftswappen kann auch erst später zu dem 
der betreffenden Stadt hinzugekommen sein. Ein sicheres Bei- 
spiel hiefür haben wir in dem Kelheimer Wappen. Dasselbe 
ist jetzt (und war ebenso schon 1523 nach der Darstellung 
Aventins) geschrägt und enthält im oberen Felde die Wecken, 
im untern eine Weintraube; im Siegel der Stadt Kelheim aber, 
das an einer Urkunde von 1436 hängt (im k. AUg. Reichsarchiv) 
und wegen seiner Darstellung beachtenswert ist,') erscheint nur 
eine Traube ohne Wecken. 

Zuweilen kommt es auch vor, dass das landesherrliche 
Wappen aus dem einer Gemeinde wieder ausgeschieden wird. 
Dies hat z. B. die Stadt Landau an der Isar gethan. Im Siegel, 
das diese Stadt 1263 gebraucht hat, erscheint nämlich ein ge- 
wecktes Schildhaupt über den zwei Schrägbalken, die heute und 
so schon bei Aventin allein das Wappen derselben bilden. Auch 
München hat, wie wir bereits wissen, im 14. Jhdt. den landes- 
herrlichen Löwen aus seinem Wappen entfernt. Ebenso fehlt 



') Die Traube steht zwischen einem oben geschlossenen Doppel- 
balken, auf dem dor Name der Stadt steht. 



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Zur Geschichte des Lechrains und der Stadt München. H 

heute im Wappen von Holzkirchen das geweckte Schildhaupt, 
das noch zu Apians Zeiten in demselben stand. 

Des öftern erinnern nur die Farben eines Wappens an das 
des Landesherrn. Dies geschieht bei Landshut, das, wie be- 
kannt, 2, 1 blaue Helme in weissem Felde als Wappen führt. 

Nicht häufig ist in Gemeindewappen die Vereinigung zweier 
Herrschafts Wappen. Dies ist der Fall bei Reichenhalls jungem 
Siegel, denn da beziehen sich die Wecken auf die bayerische 
Landeshoheit, während der Panther wahrscheinlich aus dem 
Wappen der Reichenhaller Grafen, der sog. Hallgrafen, entlehnt 
ist.*) Das Wappen von Reichenhall ist somit eine Art Gegen- 
stück zu dem alten der badischen Stadt Ettlingen, das im Felde 
einen aufrechten Schlüssel unter einem Schrägbalken' zeigt. 
Dieser Balken ist der der Ettlinger Landesherrn, der Markgrafen 
von Baden, der Schlüssel aber ist der des Apostel Petrus, des 
Schutzpatrons des Klosters Weissenburg, das in alter Zeit in 
Ettlingen Grundherr war, und bezeichnet also die Grundherr- 
sehaft.«) 

5. Auch Gebäude und Gobäudetheile dienen als Wappen 
der Städte und Märkte. Beispiele haben wir oben in den Wappen 
von Dorfen und Holzkirchen kennen gelernt. Kirchen sind 
regelmässig die Wappen jener Orte, deren Namon auf — kirch, 
— kirchen enden. Eine Kirche findet sich aber auch im Wappen 
von Gaimersheim. Auch Neuötting hat im Wappen eine Kirche 
und unter ihrem offenen Thore die Altöttinger Madonna; hier 
ist die Kirche an sich also das Beizeichen, das die Wappen der 
Nachbarorte Alt- und Neuötting unterscheiden soll. 

Häufig erscheinen als Wappenbilder von Städten auch Stadt- 
thore, oder in mittelalterlichen Sprache, in der „Burg" auch 
„Stadt" bedeutet, „Burgthore". Dieser Gebrauch ist leicht ver- 
ständlich, das Thor ist der vornehmste Theil der Stadtbefesti- 
gung und deshalb vor allen anderen Theilen der Mauern zum 
Wappenbilde seiner Stadt berufen. So selten erscheinen andere 
Theile der Befestigung, z. B. ein Thurm, in einem Stadtwappen, 
dass es, wenn eine Wappenzeichnung solche enthält, geradezu 



*) Von Sigenfeld*s Annahme (Landeswappen der Steiermark 279), 
dass dieser Panther der des Brzbisthums Salzburg sei, kann ich nicht als 
erwiesen erachten. 

«) Von Weech, Siegel der badischeu Städte, Tafel 48. 



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12 Dr. Bau mann: 

Zweifel erregt, ob der Zeichner sich nicht geirrt hat. Ist die 
Verwendung solcher Theile in einem Wappen aber echt, so kann 
auch der Grund dieser auffallenden Erscheinung meist nachge- 
wiesen werden. Neuburg a./Donau hatte vor 1506 ein Thor mit 
2 Thtirmen im Wappen und gebrauchte dieses Wappen auch in 
seinem Siegel; in ihrem Sekrete aber, das diese Stadt im 15. Jhdt. 
geführt hat, steht nur ein Thurm. Die Kleinheit des dem Siegel- 
stecher gegönnt-en Raumes hat ihn eben veranlasst, in diesem 
Sekrete das Wappenbild Neuburgs zu vereinfachen.^) 

Häufig zeigen die Stadtthore in den Wappen (z. B. in dem 
obengenannten jüngeren von Weilheim) das Barbakansystem, 
d. h. links und rechts vom Thore stehen in der Stadtmauer zwei 
dasselbe beherrschende Thürme und hinter dem ersten Thore 
in der Mitte ein höherer Thorthurm, der mit den beiden Vor- 
thürmen durch Mauern verbunden ist, so dass zwischen ihm und 
dem ersten Thore ein geschlossener Raum besteht. Ein Muster 
eines wirklichen Barbakanthores ist heute noch trotz aller Durch- 
brechungen das Münchener Isarthor. 

In den Wappen kann anstatt des Thores auch nur ein 
Schlüssel oder eine Mehrzahl von solchen erscheinen, der Schlüssel 
vertritt hier das Thor geradeso, wie dies die Schlüssel thun, die 
eine Stadt zum Zeichen ihrer Uebergabe dem Belagerer ein- 
händigt.*) 

6. Nicht wenige Städte- und Märktesiegel lassen sich nicht 
unter eine der eben besprochenen Klassen einreihen ; es möchte 
fast scheinen, als ob die Willkür ihnen Wappen geschaffen hätte. 
Was sollen z. B. die Lilien von Traunstein bedeuten? Wir 
dürfen jedoch nicht so weit gehen; es gibt in Wahrheit auch 
auf heraldischem Gebiete keine sinnlose Willkür. Alle Wappen 
haben einen Sinn, dies gilt auch von denen, die wir noch nicht 
enträtseln können. Schon jetzt ist die Zahl der ehedem unver- 

') Aus diesem Sekrete hat ohne Zweifel Apian sein uorichtiges 
Wappen von Neuburg, das ebenso wie das Sekret nur einen Thurm, kein 
Thor zeigt, entlehnt. 

'J Man muss jedoch beachten, dass nicht in allen Stadtwappen, die 
einen Schlüssel zeigen, derselbe das Sinnbild des Thores ist; bei den 
Städten, die selbst oder deren Grundherrschaft den Apostel Petrus zum 
Schutzheiligen haben, stellt der Wappenschlüssel den dieses Himmels- 
pfiirtners vor. Ein Beispiel hiefür haben wir oben im Wappen von Ett- 
lingen kennen gelernt. 



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Zur Geschichte des Leohrains und der Stadt München. 13 

ständlichen Wappen in Folge des vertieften heraldischen Stu- 
diums nicht unbeträchtlich verringert; sie wird, das dürfen wir 
getrost behaupten, mit der Zeit immer kleiner und kleiner werden. 
7. Um nahe verwandte Wappen unter sich und um Ge- 
meindewappen von den verwandten ihrer Herrschaften zu unter- 
scheiden, haben wir im Laufe unserer Erörterung bereits einige 
heraldische Mittel kennen gelernt. Man . half sich da durch 
Aenderung der Farben, wie wir bei Abensberg gesehen haben, 
oder durch Aenderung der Farben und Wappenbilder zugleich, 
wie in besonders klarer Weise die Wappen der Grafen von 
Dillingen und der gleichnamigen Stadt zeigen. Auch eine 
Mehrung des Wappenbildes konnte da dienlich sein ; das Wappen 
von Stadtamhof z. B. hat die zwei Regensburger Schlüssel um 
einen gemehrt. Hieher gehört des weiteren die Gepflogenheit, 
in den Wappen jener Gemeinden, deren Namen auf — berg enden 
und die deshalb im Schild fusse einen üreiberg führen, die Wappen - 
bilder, wenn anders sie sich dazu eignen, mit diesem Dreiberg 
zu vereinigen. So zeigt das Wappen der Witteisbacher Stadt 
Heidelberg seit dem 14. Jhdt. den Pfälzer Löwen nicht, wie dies 
in dem der Pfalzgrafen selbst der Fall ist, im Schilde schwebend, 
sondern lässt ihn auf dem Dreiberge mit den Hinterfüssen stehend) 
Nicht selten gab man gleichen Wappen auch unterscheidende 
Beizeichen. Als solche dienten, wie wir bereits wissen, mit Vor- 
liebe die Wappen der Gemeindeherrschaften, in Bayern insbe- 
sondere die weissblauen Wecken. Als Beizeichen können aber 
auch andere Figuren verwendet werden ; als solche dienten z. B. 
im alten Wappen von Weilheim zwei Sterne. In dem des Marktes 
Diessen hängt als Beizeichen an der Fahne des hl. Georg ein 
Fisch, zugleich eine Anspielung auf die Lage dieses Ortes am 
fischreichen Ammersee.'^j Am Wappen von Neuötting sodann 
haben wir oben gesehen, dass auch ein Kirchengebäude Bei- 
zeichen werden kann. Reizend endlich ist das Beizeichen , das 
die Stadt Neuburg a./Donau erhielt, als sie 1506 Hauptstadt der 
jungen Pfalz wurde. Seitdem erscheinen in ihrem althergebrachten 
Wappen vor den nunmehr mit weissblauen Wecken gezierten 
Thorthürmen zwei nackte Knaben auf zwei Steckenpferden reitend 

*) Siegel der badischen Städte, Tafel 18. 

*) Bei Apian hat in diesem Wappen St. Georg, der da der Fahne 
entbehrt, in jeder Hand einen Fisch. 



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14 Dr. BaumaDn: 

und bewacht von dem auf dem Thore liegenden Pfälzer Löwen, 
offenbar ein Hinweis auf die Thatsache, dass die ersten Landes- 
herren des neuen Pürstenthum$ die fürstlichen Kinder Ottheinrich 
und Philipp gewesen sind. 

Eine besondere Abart heraldischer Beizeichen findet sich 
nur in alten Siegeln, nicht auch in den eigentlichen Wappen 
von Städten. In solchen Siegeln ist nämlich zuweilen das Feld 
um das eigentliche Wappen herum mit einem Stadtthore aus- 
gefüllt, das die Aufgabe hat, allgemein zur Kennzeichnung des 
Städtecharakters zu dienen. Ein Beispiel dieser Art ist das 
älteste Siegel der Stadt Augsburg, denn in demselben steht das 
eigentliche Stadtwappen, die bekannte Zirbelnuss, unter einem 
stattlichen Thore. 

Zu welcher dieser Wappengruppen nun gehören die Wap- 
pen von Priedberg und Landsberg? Dass dieselben nicht im 
eigentlichen Wortsinne sprechend sind, wird unbestritten bleiben. 
Meines Wissens hat bisher auch noch Niemand das Wappen 
von Landsberg zu den redenden Wappen im weitern, uneigent- 
lichen Sinne gezählt, wohl aber ist dies schon bei dem Pried- 
berger geschehen. 

Zuerst hat Luber in seiner Geschichte von Priedberg 1801 
das Wappen dieser Stadt als sprechend im weitern Sinne ge- 
deutet; er sagt da (S. 30), die Stadt sei leider durch so viele 
tragische Schicksale, die sie zu dulden hatte, so merkwürdig 
und berühmt geworden, dass sie ein rothes Kreuz nebst zwei 
Lilien in ihrem Wappen erhielt. 

Zurückhaltender drückt denselben Gedanken Lipowsky 
aus, denn er sagt in seiner Matrikel der Städte- und Märkte- 
wappen im Königreiche Bayern*): „Da diese Stadt in Zeiten 
des Kriegs so vieles, besonders aber von der Reichsstadt Augs- 
burg mit ausharrendem Muthe und Treue gegen seine an- 
geborenen Landesfürsten erduldete, so glaubt man, Kaiser 
Ludwig der Baier habe dieser Stadt erwähntes Wappen*) zur 



') Handschrift von 1813 im K. Allg. Reichsarchive II, 161. 

*) Er beschreibt es als „lazurnen Schild, in welchem drei Felsen- 
hügel sich befinden, auf dessen mittleren Hügel ein braunes Kreuz stehet 
und aus dem unten zwei weisse Lilien mit grünen Blättern sprossen.* 
Es gelte diese Beschreibung auch als Muster der unwissenschaftlichen 
Heraldik des angehenden 19. Jhdts. 



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Zur Gescbiobte des Lechrains und der Stadt München. 15 

Ehrung und zum steten Denkmale ihrer Beharrlichkeit ver- 
liehen.*' Neu ist hier die allerdings nur als Annahme, nicht 
als verbürgte Thatsache ausgesprochene Behauptung, das 
Wappen von Priedberg sei zum Ehrendenkmale für die treue 
Ausdauer der Stadt in den Kriegsstürmen ihr von Ludwig dem 
Bayern verliehen worden. Diese Annahme ist irrig, denn das 
Wappen von Priedberg ist sicherlich älter, als Ludwig der 
Bayer. Zudem hat dieser Kaiser überhaupt noch keine Ehren- 
wappen verliehen, denn diese Sitte kommt erst im 16. Jahr- 
hundert auf. Zur Zeit Ludwigs lohnte man die Treue noch 
mit wirklichen Werten. So erhielt von ihm, um nur ein Bei- 
spiel für diesen Satz anzuführen, Landsberg 1316 zum Ersätze 
des Brandes, den sie im Kriegsdienste ihres Herrn am 2. Sep- 
tember d. J. von Herzog Leopold von Oesterreich erlitten hat, 
das Umgeld, den Lechthor- Wagenpfennig und die Preiheiten 
der Stadt München. 

Luber und Lipowsky bringen also das Wappen der Stadt 
Priedberg in Zusammenhang mit den Schicksalsschlägen, die 
vor der Zeit der Wappenentstehung über dieselbe ergangen 
waren. Ihre Aussage wird von der des Geschichtsforschers 
von Kaiser*) weit überholt, denn ihm „significirt das auf einem 
Berge zwischen zwei Lilien , welche den Unschulds- oder 
Priedenszustand andeuten, errichtete Versöhnungskreuz zugleich 
die ausserordentlichen Erlittenheiten dieses Städtchens, welches 
in 600 Jahren (von 1296-1796) 13 mal berennt, belagert und 
erobert, 1 1 mal geplündert und verheert und 6 mal abgebrannt 
wurde!** 

Die Unmöglichkeit einer derartigen Wappendeutung liegt 
auf der Hand. Nach v. Kaiser hätte der Schöpfer des Pried- 
berger Wappens prophetisch die traurigen Geschicke der Stadt 
Jahrhunderte vor ihrem Eintritte vorausgeschaut und das Er- 
gebniss seiner Sehergabe im Stadtwappen verkörpert! Das ist 
ebenso unmöglich, wie die Aussprache eines Unschulds- oder 
Friedenszustandes durch ein Wappen, wie die Verleihung eines 
Wappens zum Ausdrucke besonderer Ausdauer und Treue im 
klassischen ZeitaUer der Heraldik, im 14. Jahrhundert, unmöglich 
gewesen ist. 



*) Wappen der Städte und Märkte des Oberdonaukreises. S. 83. 



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16 Dr. BaumaDD: 

Luber, Lipowsky und von Raiser verdienen jedoch milde 
Beurtheilung, sie sind Kinder einer Zeit, die von der echten 
Wappenkunde weit abgeirrt und deshalb solche romantische 
Einfälle und Unmöglichkeiten in die Wappen hineingeheimnisste. 

Sonderbar berührt es, dass auch ein Heraldiker, wie Otto 
Titan von Hefner, an solchen Deutungen, freilich etwas ver- 
schleiert, festhalten mochte; er behauptet nämlich, man könne 
das Wappen von Priedberg „mit etwas Metathese*' sprechend 
nennen.^) Nach solchem Vorgange ist es nicht auffallend, 
wenn auch Steichele*) noch schreibt: „Der Absicht und Be- 
deutung des Namens Friedberg, wie sie den Gründern von 
Burg und Stadt vorgeschwebt haben mag, Friedens-Berg, 
entspricht das altherkömmliche Wappen der Stadt, ein rothes 
Kreuz von zwei Lilien umgeben, auf einem Berge stehend." 

Eine solche Sprache spricht die echte, alte Heraldik nicht. 
Das Kreuz im Wappen von Friedberg, wie in dem von Lands- 
berg, bedeutet weder Frieden, noch Unschuld, noch Leiden; 
mit andern Worten die Wappen beider Städte sind auch im 
weitern Sinne des Wortes nicht redend. Ebensowenig sind sie 
in der zweiten, dritten und fünften unserer eben besprochenen 
Wappengruppen unterzubringen. Wohl aber gehören sie, wenn 
nicht alles täuscht, zu jenen Gemeindewappen, die aus den der 
Gemeindeherren erwachsen sind. Um diese Aufstellung zu 
erhärten, müssen wir hier uns etwas mit der Urgeschichte von 
Friedberg und Landsberg beschäftigen. 

II. 
1. Die älteste Geschichte der Lechstadt Landsberg wurde, 
wie die so vieler Gemeinwesen, nach und nach vom Gestrüppe 
leerer Fabeleien überwuchert. Dieselbe soll nämlich die Schöpf- 
ung eines Grafen Theodor von Wettin sein, diesem Irrthum 
liegt aber nach gefälliger Mittheilung des Reichsarchiv-Direk- 
tors E. Freiherr v. Oefele nicht blos der Aehnlichklang von 
„Wettin** und „Phetine" zu Grunde, sondern auch der Umstand, 
dass derWettiner Dietrich, Markgraf der Niederlausitz, (f 1185) 
das Schloss Landsberg bei Halle erbaut hat, wonach er und 
sein gleichnamiger Sohn auch Grafen von Landsberg hiessen. 



*) Siebmachers neues Wappenbuoh I, 4. S. 3. 
*) Bisthum Augsburg IV, 72, Anm. 4. 



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Zur Geschichte des Leohrains und der Stadt München. 17 

Nach anderer Ansicht sei unsere Stadt vorzeiten Sitz 
eines eigenen Grafengeschlechtes gewesen, das mit einem Grafen 
Heinrich von Landsberg im 12. Jahrhundert geendet habe. 
In dieser Sage schlummert in der That ein wahrer Kern ; es 
gab nämlich im 12. Jahrhundert Preiherm, viri nobiles von 
Landsberg, unter denen am meisten in den Geschichtsquellen 
seiner Zeit und Gegend einer Namens Heinrich genannt wird. 
Es kann kaum einem Zweifel unterliegen, dass die Sage diese 
Preiherrn von Landsberg nach und nach zu Grafen erhoben hat. 

Von wem und wann der Boden Landsbergs zuerst besiedelt 
wurde, wissen wir nicht, wir wissen nur, dass im 12. Jahr- 
hundert auf diesem Boden ein Ort Namens Phetine stand.*) 
Wie sein Name beweist, geht die Gründung dieses Ortes mit 
hoher Wahrscheinlichkeit in ferne Zeiten zurück, denn dieser 
Name lässt sich ungezwungen kaum aus der deutschen Sprache 
erklären, macht es also sehr wahrscheinlich, dass Phetine schon 
in der vordeutschen Zeit besiedelt worden ist. Er ist wahr- 
scheinlich ein Ueberbleibsel aus der Zeit der Römer, die ihn 
von den Vindeliciern , wie wenigstens die Namen von Epfach, 
Kempten, Partenkirchen nahelegen, übernommen haben mögen. 
Nach einer mir gefälligst mitgetheilten Vermuthung des Bib- 
liothekars Dr. Holder in Karlsruhe ist es freilich ebenso möglich, 
dass Phetine, wenn vordeutsch, mit dem römischen Gentilnamen 
Paetinius zusammenhängt, also das Landgut eines Paetinius 
bedeutet. Ist dem so, dann wäre Phetine^) erst nach der 
Eroberung Vindeliciens durch die Römer entstanden. 

Im 12. Jahrhundert gehörte Phetine, dessen ältere Ver- 
gangenheit uns ganz unbekannt ist und wegen des Mangels an 
allen Quellen unbekannt bleiben wird, den Weifen. Den Theil 
des Ortes, der sich unter der Burgstelle hinzieht, haben die 



*) Man wollte diesen Namen nur für einen Theil von Landsberg 
gelten lassen, aber mit Unrecht, denn wie wir bald hören werden, hiessen 
Burg und Kirche Landsberg ursprünglich Phetine, folglich gebührt dieser 
Name auch dem ganzen zwischen Burg und Kirche gelegenen Landsberg, 
wie es vor der mittelalterlichen Stadterweiterung war. 

*) Auch dieser Name zeigt, wenn wirklich vordeutsch, wie der von 
Pfronten die Lautverschiebung nur halb, nicht ganz, wie in den Namen 
Pforzen, Pfunzen, durchgeführt. Noch rückständiger ist da allerdings der 
Name Parten-Kirchen, denn dessen erster Theil enthält das romanische 
Paithanum ganz unverschoben. 

Archivalischo Zeitschrift. Neue Folge X. 2 



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18 Dr. ßaumann: 

Weifen frühzeitig an Dienstmannen verliehen, die sich nach 
demselben schon im 12. Jahrhundert benannten und heute noch 
im freiherrlichen Hanse von Pfetlen fortblühen. Diesen Theil, 
über den die Herren von Pfetten bis 1848 Grundherren ge- 
blieben sind, nannte man später im Gegensatze zu „Landsberg 
in der Stadt", d. i. dem landesherrlichen Theile, „Landsberg 
im Dorfe".') Wir haben also in Landsberg dieselbe Erscheinung, 
wie in der ehemaligen Reichsstadt Ueberlingen am Bodensee, 
in der ebenfalls bis zur Stunde Ueberlingen die Stadt von 
Ueberlingen dem Dorfe unterschieden wird; ja die beiden 
Theile dieser Bodenseestadt sind heute noch durch Mauer und 
Graben von einander getrennt, obwohl sie schon seit Jahr- 
hunderten gleichberechtigte Glieder eines und desselben Gemein- 
wesens sind. 

Entscheidend für die Zukunft von Phetine war es, dass 
Herzog Heinrich der Löwe auf der Höhe über dem Orte eine 
Burg erbaute. Dass dieser mächtige Weife diesen Bau unter- 
nommen hat, folgt mit Sicherheit aus der Angabe des Tradi- 
tionsbuches des Klosters Schäftlarn aus dem 12. Jahrhundert, 
nach der Heinrich der Löwe diesem Gotteshause eine Schenkung 
gemacht hat „in constructione castri Phetene", d. i. während 
der Erbauung der Burg Pfetten.^) Leider erfahren wir nicht, 
wann denn dieser Bau begonnen und vollendet wurde. Da 
jedoch Herzog Heinrich vor seiner Belehnung mit dem Herzog- 
thum Bayern im September 1156 dieses Land nicht betreten 
hat, und da er auch 1167 von ihm ferne war, so Hegt die An- 
nahme nahe, dass er frühestens im Frühjahre 1158 einen solchen 
Burgenbau begonnen hat. 

Die neue Weifenburg verlor alsbald auch den Namen 
Phetine, der durch den deutschen „Landsberg" verdrängt wurde. 
Zuerst nennt diesen neuen Namen das ebenfalls im 12. Jahr- 
hundert angelegte Traditionsbuch von PoUing, und zwar zwei- 
mal, leider wieder ohne genaues Datum. Die eine dieser An- 
gaben lehrt, dass die Burg im unmittelbaren Besitze des 
Löwen war, denn nach ihr hat derselbe eine Schenkung seines 
Dienstmannes Rudiger von Pforzen an das Kloster Polling 



^) Gefällige Mittheilung von dem K. Jusbizrath Zint^raf in Münclieii 
und von dem K. Reallehrer und Inspektor Schober in Landsberg. 
«) Mon. Boica VIII, 432. 



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Zur Geschichte des Lechrains und der Stadt München. 19 

„in Castro suo Landespurc** bestätigt. Nach der zweiten 
PoUinger Angabe aber hatte Herzog Heinrich „in Castro suo 
Landespurch"^) eine Zusammenkunft mit dem Grafen Berthold 
von Andechs, den Pfalzgrafen Friedrich und Otto von Wittels- 
bach, dem Burggrafen Heinrich von Regensburg, den Preiherrn 
Heinrich von Stoffen und Heinrich von Beuren und einer Reihe 
von Dienstmannen. 

Diese Zusammenkunft fällt vor ein Rechtsgeschäft, das 
am 29. August 1162 in Besangen stattgehabt hat,^) beweist also, 
dass die neue Burg seit mindestens einiger Zeit in bewohn- 
barem Zustande sich befand, also spätestens 1161 erbaut worden 
ist. Sie beweist aber auch, dass die Burg von Anfang an 
einen stattlichen Umfang hatte, denn andernfalls wäre für eine 
so zahlreiche und vornehme Gesellschaft in ihr kein Raum vor- 
handen gewesen. 

Weshalb hat aber Herzog Heinrich eine solche Feste an 
der Lechgrenze seines Herzogthums und zugleich seines Allodes 
in Bayern erbaut? Gewiss schützte dieselbe das umliegende 
Stammgut ihres Bauherrn, aber dazu wurde sie kaum erbaut, 
denn der Besitz des Löwen am Leche war keineswegs so gross, 
dass er einer solchen Feste zu seinem Schutze bedurft hätte. 
Auch die Lechgrenze des Herzogthums war unter der Regierung 
Heinrichs nie bedroht, denn einmal lebte er mit den Staufern, 
den Herzogen des Nachbarlandes Schwaben, in den hier allein 
in Betracht kommenden Jahren von 1156—70 in ungetrübtem 
Einvernehmen, sodann gehörte gerade der Landsberg gegen- 
überliegende Landstrich Schwabens seinem Oheime Weif VL 
Es bedurfte also damals am Leche wegen der politischen Lage 
keineswegs einer Feste grossen Umfangs. Bei dem Baue der 
Burg Landsberg war sonach Heinrich der Löwe von anderen 
Beweggründen geleitet. 

Im spätem Mittelalter war Landsberg der Hauptplatz des 
Salzhandels nach Oberschwaben. Dies war die Stadt aber 



*) Die Form „Landsburg* erscheint nur in diesen beiden Polliuger 
Angaben (Mon. Boioa X, 18, 20), hiess die neue Burg wirklieh in ihrer 
ersten Zeit ao, so ward dieser Name doch alsbald von „Landsberg" ver- 
drängt. Uebrigens ist der Sinn von Landsburg und Landsberg vollständig 
gleichwerthig. 

») Mon. Boica X, 20. 

2* 



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20 Ör. Baumann: 

ebenso schon im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts, denn ihr 
Salzzoll ertrug damals 200 Pfund Augsburger Pfennige, erreichte 
also eine bemerkenswerthe Höhe,^) die beweist, dass der Lands- 
berger Salzverkehr damals nicht erst entstanden war, sondern 
auf einen langen Bestand zurückblicken durfte. Landsberg 
war sonach schon lange vor dem letzten Viertel des 13. Jahr- 
hunderts ein Stapelplatz des bayerischen Salzhandels am Leche, 
gerade wie München der Hauptumsatzplatz für diesen Handel 
an der Isar war. 

München hat Heinrich der Löwe 1158 auf Kosten Föhrings 
dazu gemacht, und derselbe Fürst hat auch die Burg Lands- 
berg, unter der sich eine so bedeutende Salzniederlage bildete, 
erbaut, und zwar gleichzeitig oder nahezu gleichzeitig mit 
seiner Münchner Gründung, denn, wie wir eben gehört, fällt 
der Bau der Burg Landsberg zwischen die Jahre 1158 und 
1161. Ein solches Zusament reffen ist nicht Spiel des Zufalls; 
zwischen der Anlage der Salzstätte München und dem gleich- 
zeitigen Bau der Feste Landsberg durch denselben Fürsten be- 
steht ein Zusammenhang. 

Hätte Heinrich der Löwe 1158 nur geplant, die Einkünfte 
des alten Salzhandelplatzes Föhring in seine Gewalt zu bringen, 
so hätte es wahrlich nicht der Zerstörung desselben bedurft, 
dazu hätte genügt, Föhring dem Bischöfe von Freising weg- 
zunehmen. Gerade, dass Heinrich der Löwe sich damit nicht 
zufrieden gab, dass er dem Salzhandel auf Kosten Föhrings in 
München einen neuen Isarübergang und eine neue Handelsstätte 
schuf, und dass er gleichzeitig am Leche eine so grosse Burg 
über einem Orte, der auch Salzstapelplatz wurde, erbaute, lässt 
den Zusammenhang dieser beiden Ereignisse ohne weiteres 
erkennen. Heinrich der Löwe hat 1158 durch die Verlegung 
des uralten Uebergangs der Salzstrasse über die Isar von 
Föhring nach München nicht nur bezweckt, die Salzstrasse von 
der Isar nach Augsburg, die damals nur den Ausgangspunkt 
von Föhring nach München verlegen musste, sonst aber auch 
weiterhin ihren alten Zug behielt, in seine Gewalt zu bringen, 
sondern er hat neben ihr eine neue kürzere Salzstrasse von 
München nach Oberschwaben ins Leben gerufen. Dadurch 



•) Mon. Boica 36», 201. — Im 14. Jhdt. ertrug der Landsberger Salz- 
zoll noch mehr, jährlich 320 ffi ^ (a. a. 0. 36 b, 521). 



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Zur Geschichte des Lechrains und der Stadt München. 21 

stärkte er sein eigenes Einkommen und ausserdem erreichte er 
dadurch, dass der Salzhandel bis an den Bodensee durch die 
Lande seines Oheims Weif VI. geleitet wurde. Es ist bezeich- 
nend, dass gerade der Hauptsitz dieses Weifen, Memmingen, 
im Mittelalter der Hauptsalzhandelsplatz in Oberschwaben war. 
So erscheint die Gewaltthat Heinrichs des Löwen von 1158 als 
Ausfluss weiter blickender Hauspolitik im Interesse des ge- 
sammten Weifenhauses. Diese Politik hat dem Salzhandel die 
neue Strasse von der Isar an den Lech geöffnet, deren Anfangs- 
und Endpunkte in seinem Herzogthume, München und Lands- 
berg, Heinrich der Löwe durch Befestigungen gesichert hat. 

Der Bau der Landsberger Burg bezweckte also nichts 
anderes, denn den Salzhandel auf der neuen Strasse und seinen 
neuen Lechübergang gegen Räuber und Fehden zu schirmen. 
Die Lösung dieser Aufgabe bedurfte einer grösseren Mannschaft 
und zu deren Aufenthalt einer grösseren Burg. Diese hatte so- 
nach die Aufgabe, zu Gunsten des Salzhandels den Landfrieden 
von Landsberg aus längs der neuen Strasse zu schirmen, und 
daher stammt auch ihr neuer Name, denn Landsberg, ein 
Synonym von Landshut, bedeutet „Schirm, Hut des Landes."*) 
Mit dieser Aufgabe möchte ich auch die Thatsache, dass nach 
Landsberg im 12. Jahrhundert sich die Preiherrn Wernhart und 
Heinrich benannt haben, in Zusammenhang bringen. Dass diese 
Freiherrn nämlich mit den gleichnamigen und gleichzeitigen 
Edlen von Stoffen identisch waren, hat auch Riezler erkannt.^) 
Ihr Zuname von Lands berg kann auch nicht so gedeutet 
werden, als ob sie dort eigenen Besitz gehabt hätten, denn 
Landsberg war theils unmittelbar weifisch, theils weifisches 
Dienstlehen der Ministerialen von Pfetten. Sicher beweist aber 
ihr Name von Landsberg, dass Wernhart und Heinrich von 
Stoffen dort einen Wohnsitz gehabt haben , dies aber konnte 
nach dem gesagten nur «ler Fall sein, wenn dieser Wohnsitz 
sie in irgend eine Verbindung mit Heinrich dem Löwen ge- 
bracht hat. Diese Freiherrn sind die Mannen, denen der Löwe 



») Man darf oatürlich nicht denkpn, dass Heinrich der Löwe eine 
kunstgerechte Landstrasse von MUnohen nach Landsberg gebaut hat; für 
den Saum verkehr des 12. Jhdts. genügten im ganzen die alten Wege, die 
vielleicbt noch zum Theile aus der Römerzeit stammen mochten. 

*) Geschichte von Bayern II, 16. 



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22 Dr. BaumaDn: 

seine Burg Laudsberg und mit ihr den Schutz der Landsberger 
Landstrasse als Vasallen, also unbeschadet ihres freien Standes, 
anvertraut hat. Dieselben waren in der That seine Vasallen, 
denn sie waren auch seine Untervögte über das Kloster Wesso- 
brunn. Heinrich von Stoffen-Landsberg insbesondere erscheint 
auch sonst bei Herzog Heinrich dem Löwen, sowie derselbe in 
Bayern weilte,^) war also sichtlich sein Vertrauensmann. 

Von der Burg Landsberg ging ihr Name auf den unter 
ihr liegenden Ort über. Eine Schenkung des oben genannten 
Rudiger von Pforzen an das Kloster Fölling wurde in Landes- 
berc ultra pontem vor dem 1170 gestorbenen Grafen Gottfried 
von Ronsberg, somit spätestens in diesem Jahre bestätigt; in 
dieser Angabe beweist die Erwähnung der Lechbrücke sicher, 
dass hier nicht die Burg Landsberg, sondern der Ort uuter ihr 
gemeint ist.*) Kaum trifft dies bei der Erwähnung von Landes- 
perch 1176 und 1192 zu, denn 1176 handelt es sich um einen 
dort geschlossenen Vertrag Heinrichs von Stoffen mit dera 
Kloster Wessobrunn, im zweiten um eine Auseinandersetzung 
dieses Klosters mit Wernhart von Stoffen über die von seinem 
Vater Heinrich demselben widerrechtlich entzogenen Güter,') 
hier ist doch wohl die Burg Landsberg, der Amtssitz dieser 
beiden Herren gemeint. 

Die Verdrängung des alten Namens Phetine durch den 
neuen ging überhaupt nur langsam vor sich, noch 1179 erscheint 
der Ort Landsberg unter dem alten Namen Phetine. Insbesondere 
die Landsberger Kirche behielt noch im 13. Jahrhundert den 
Namen ecclesia Phetine. Ja noch 1401 redet Papst Bonifaz VIII. 
von der ecclesia in Ijandesberch „alias Phetine*^.*) Das war 
freilich eine veraltete Benennung, denn 1401 war dieser Name 
längst erloschen und lebte nur noch in dem der Herren von 
Pfetten und der Augsburger Bürger Pfettner fort. Ein der- 
artiger Namenswechsel ist übrigens nicht ohne Beispiel. Von 
der Burg Landeck im Oberinnthale ging in derselben Weise 
ihr Name auf die unter ihr gelegenen Orte Angedeir und Per- 



») S. z. B. Mon. Boiea III, 59, 115, 269, 322, 325, 464, 548. VI, 357. 
VII, 342, 359, 363, 367. 

<) MoD. Boioa X, 23; vgl. Baumann, Gesch. des Allgäus I, 334, 488. 

•) Mon. Boica VII, 363, 367. 

*) Mon. Boica VII, 386, 389, 401, 409. 



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Zur Geschichte des Lechrains und der Stadt München. 23 

fuchs, die zusammen das Dorf Landeck bilden, über. Auch 
Rankweil in Vorarlberg hat seinen alten Namen Vinomna im 
Mittelalter gegen den neuen vertauscht. 

Wenig erfahren wir über die Geschichte von Landsberg 
im 13. Jahrhundert. Wir wissen jedoch, dass Herzog Otto II. 
von Bayern Herr der Kirche Phetine war und dass er dieselbe 
dem Kloster Wessobrunn geschenkt hat. Da der Besitz dieser 
Kirche dem Kloster am 20. Mai 1219 vom Papste Honorius be- 
stätigt wurde,^) so fällt diese Schenkung spätestens in die 
ersten Wochen des Jahres 1219. Um diese Zeit sind regel- 
mässig jene Kirchen, die Laien zugehören, im Besitze der 
Herren der Orte, in denen sie liegen. Polghch erweist die 
Schenkung der Kirche Phetine durch Herzog Otto II. diesen 
Fürsten als Herrn von Landsberg zu Anfang des Jahres 1219. 
Nach ihm erscheint als solcher sein Schwiegersohn , König 
Konrad IV., denn auf seine Bitten hat dieser Staufer zu Ende 
September 1246 in Augsburg die Vergabung der Kirche Phetine 
an Wessobrunn bestätigt.^) Diese Bestätigung erfolgte nämlich 
nicht aus königlicher Gewalt, denn eine solche Bestätigung 
war in jener Zeit kein Ausfluss dieser Gewalt an sich. Deshalb 
wurden auch die Schenkungen der Kirchen Weilheim und 
Wielenbach an Wessobrunn durch denselben Herzog Otto nicht 
von diesem Könige, wohl aber vom Bischofß von Augsburg 
und vom Papste bestätigt.'*) Um die Schenkung des Herzogs Otto 
in Landsberg bestätigen zu können, muss König Konrad dort 
eigenes Recht besessen haben, mit anderen Worten, sein Rechts- 
akt von 1246 erweist ihn als Herrn von Landsberg. 

Landsberg war also im 12. Jahrhundert im Besitze des 
Weifen Heinrich des Löwen, um 1219 in dem 4es Witteisbacher 
Otto, 1246 in dem des Staufers Konrad IV. Wie dieser Besitz- 
wechsel sich erklärt, werden wir später erfahren. 

Das Salz hat aus Phetine den bevölkerten Ort Landsberg 
geschaffen und denselben trotz seiner ungünstigen Lage zwischen 
dem wilden Lech und einer verkehrsfeindlichen Steilhöhe zu 
einem Handelsplatze gemacht. Schon im 13. Jahrhundert war 
dies Landsberg, das beweist sicher der Umstand, dass 1291 



») Mon. Boica VII, 389. 
») Mon. Boica VH, 399. 
•) Leutner, Hist. mon. Wessofontani 309. 



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24 I^i'* Bau mann: 

Juden dort ansässig geworden waren.*) Was das Salz für 
Landsberg bedeutete, war noch zu Anfang des 18. Jahrhunderts, 
also zu einer Zeit, in der die Blüthe von Landsberg schon 
längst der Geschichte angehörte, nicht vergessen. Das lehrt 
Wening, denn er sagt in seiner Topographia Bavariae I, 130, 
die Bürgerschaft von Landsberg habe „vor Jahren grosses 
Gewerb und Handel geführt mit dem Salzverschleiss in die 
Schweitz und Schwaben, so däss es ein Sprichwort wäre: „wer 
in Landten zu Bayern sich niederzulassen gesinnet, soll wün- 
schen, dass er eintweders auff Landtsperg oder Rosenheim falle, 
denn fallt er auf Landtsperg, so fallet er in die Silbergrueb; 
fallet er auff Rosenheim, so fallet er in die Schmaltzgrueb.** 

München war schon unter Heinrich dem Löwen von einer 
Mauer umgeben, die sogar unter ihm einen besonderen Kom- 
mandanten, Namens Otto, hatte. Dieser Otto, „qui preest muro**, 
erscheint als Zeuge für den um 1170 gestorbenen Grafen Kon- 
rad I. von Valley,^) hat also sein Amt jedenfalls 1170 inne. 
Bei der Art, wie München zum Salzhandelsplatze wurde, ver- 
steht es sich von selbst, dass Heinrich der Löwe den Ort sofort 
nach seiner Gewaltthat von 1158 befestigt hat, um ihn und 
seinen Salzhandel gegen einen Angriff von Seiten des schwer 
geschädigten Bischofs von Preising zu schützen. Sollte nicht 
auch der Ort Landsberg und insbesondere seine Lechbrücke zu 
gleicher Zeit mit der Burg in irgend einer Art gegen feindlichen 
Ueberfall gesichert worden sein ? Diese Frage wird Niemand ver- 
neinen ; das verbietet die gleichzeitige Befestigung von München. 

Wie München, so wird auch Landsberg nicht unmittelbar 
nach seiner ersten Umwallung Stadt geworden sein. Bis 1246 
geben die gleichzeitigen Nennungen von Landsberg keinen 
Anhaltspunkt dafür, dass es bereits Stadtrecht besessen habe. 
Erst 1291 erscheint Landsberg im Rechnungsbuche des obern 
Vicedomamtes des Herzogs Ludwig des Strengen*) bestimmt 
als civitas, d. i. als Stadt. Diesen Rang hat aber dasselbe schon 
vorher eingenommen; das wissen wir aus dem oberbayerischen 
Urbare des eben genannten Herzogs, dessen Entstehung ziem- 
lich genau festzustellen ist. 



Oberbayr. Archiv 26, 281. 

«) Mon. Boica VlII, 410. 

•) Ed. Edmund von Oefele im Oberbayr. Archive 26, 272 flF. 



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Zur Geschichte des Lechrains und der Stadt München. 25 

Zu denti Grundstocke dieses in prächtiger Bücherschrift 
geschriebenen Urbars gehört auch die Angabe, dass der Hof 
Weng Eigenthum des Herzogs Ludwig war.^) Dieser Eintrag 
ist jedoch durchstrichen und am Rande ist von jüngerer Hand 
bemerkt, ,^domine de Hohenowe*^ d. h. der Hof gehöre dem 
Frauenkloster Altenhohenau am Inn. An dieses Kloster kam 
der Hof Weng in der That am 22. November 1271 durch 
Schenkung des Herzogs Ludwigs.^) Das oberbayerische Urbar 
verzeichnet ferner auch das Vogtrecht aus drei Mühlen in 
Blindheim bei Höchstädt als Besitz dieses Fürsten,^) das der 
dortigen Sandmühle aber hat derselbe schon am 8. September 
1271 an das Kloster Kaisheim vergabt, er besass also seitdem 
dort nur noch 2 Mühlen vogt rechte Folglich ist der Grundstock 
dieses Urbars vor dem 8. September 1271 geschrieben, er kann aber 
erst nach der Theilung der conradinischen Erbschaft zwischen 
dem Herzoge Ludwig und seinem Bruder Heinrich vom 28. Sep- 
tember 1269 entstanden sein, denn die Blätter, auf denen Lud- 
wigs Antheil an diesem Erbe verzeichnet ist, gehören bereits zum 
Grundstock des Urbars. Dasselbe ist somit zwischen dem Spät- 
herbste 1269 und dem September 1271, also wohl 1270, nicht erst, 
wie die bisherige Annahme will, um 1280 entstanden. 

Der Grundstock desselben nennt Landsbeig noch nicht 
ausdrücklich Stadt. Dies thut erst ein Zusatz in schlichter 
Urkundenschrift, der mit hoher Wahrscheinlichkeit dem letzten 
Viertel des 13. Jahrhunderts angehört, der somit nicht viele Jahre 
nach dem Grundstocke geschrieben ist. Dieser Zusatz lehrt 
also, dass Landsberg spätestens nur wenige Jahre nach 1270 
Stadtrecht besessen hat. Landsberg ist also zwischen 1246 und 
c. 1270 Stadt geworden. 

Das genaue Jahr glaubte Meichelbeck angeben zu können, 
er behauptet nämlich, dass Landsberg 1258 Stadt geworden sei,*) 
aber diese Behauptung des sonst so verdienten Geschichts- 
forschers ist in WirkUchkeit, wie schon Zintgraf erkannt hat,^) 
ebenso unrichtig, wie die, dass unsere Stadt einmal Ludowinges- 



») Mon. Boioa 36 a, 235. 

') Originalurkunde im K. Allgem. Reichsaroliive. 

») Mon. Boica 36 a, 311. 

*) Chronicon Benedictobur. II, 30. 

*) Lnndsberg a./Lech und Umgebung, 2. Aufl. S. 2. 



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26 Dr. Baumann: 

berg geheissen habe. Meichelbeck stützte sich auf eine Urkunde 
des Ritters Heinrich von Lechsberg, die 1268 „in nova urhe 
Lechesperg*^ gegeben wurde, und bezog diesen Namen, da er 
von einer also benannten Stadt nichts wusste, auf die Lechstadt 
Landsberg. Er übersah, dass im mittelalterlichen Latein das 
eigentliche Wort für „Stadt" civitas war, dass urbs aber in 
dieser Sprache regelmässig nicht Stadt, sondern Castell, grössere 
Burg oder Marktflecken bedeutet. So nennt der Codex Falken- 
steinensis (ed. Petz in „Drei bayr. Traditionsbüchern" des 
12. Jahrhunderts S. 6 und 10) die Burgen Palkenstein und 
Hadraarsberg mit ausdrücklicher Bezugnahme auf ihre daneben 
stehenden Abbildungen urbes, so heisst auch im oberbayr. 
Urbar von 1270 der Markt Diessen urbs (Mon. Boica 36a, 201.^) 
Heinrich von Lechsberg hat deshalb seine Urkunde von 1258 
nicht in einer Stadt, sondern in einem neugebauten Castell 
Lechsberg ausgestellt. Dieses Castell aber ist keine andere 
Feste, denn die naraengebende Burg der Lechsberger, das 
heutige Rauhenlechsberg. Dass diese Burg in der That einen 
grösseren Umfang hatte als sonstige Dienstmannenburgen, dass 
sie also 1258 nicht mit Unrecht urbs genannt wurde, zeigt die 
Abbildung derselben bei Wening.*) Somit ist Landsberg nicht 
1258 Stadt geworden; es bleibt vorerst bei der Erkenntniss, 
dass Landsberg zwischen 1246 und c. 1270 Stadtrecht erlangt 
hat. Näher werden wir den Zeitpunkt aber wohl bestimmen 
können , wenn wir das Gründungsjahr der Stadt Friedberg zu 
Rathe ziehen. 

2. Auch Friedberg ist, wie Landsberg, keine uralte Stadt, 
sondern erlangte erst im 13. Jahrhundert Stadtrecht. Trotz seiner 
Jugend herrschte bisher aber Unbestimmtheit über die Zeit und 
die Ursache der Entstehung Friedbergs und über seinen Gründer. 

PViedberg besteht auch heute noch aus zwei Theilen, dem 
Schlosse und der getrennt vor diesem gelegenen Stadt. Dass 



*) Wenn Diessen 1231 in einer Urkunde des Herzogs Otto von 
Meranien (Mon. Boica VIII, 179—81) civitas genannt wird, so ist dies buch- 
stäblich gemeint. Dieser Fürst hat seinen „prinoipalis locus Diessen* 
zur Stadt erhoben. Der Ort behauptete jedoch diesen Rang nicht, als sein 
Herrscherhaus erlosch. So erging es auch anderen Orten, z. B. Ottobeuem 
s. Baumann, Gesch. d. Allgäus I, 329. Auch Friedberg schwankte im 14. 
bis 15. Jhdt. zwischen den Namen „Stadt" und „Markt*. 

•) Beschreibung von Bayern I, 171. 



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Zur Geschichte des Lechrains und der Stadt München. 27 

diese beiden Theiie nicht gleichzeitig gebaut wurden, dass das 
Schloss älter als die Stadt ist, darüber besteht keine Meinungs- 
verschiedenheit. Nach der gewöhnlichen Annahme hat die 
Burg Priedberg Herzog Ludwig der Strenge von Bayern, und 
zwar im Jahre 1247 erbaut, aber diese Annahme ist trotz ihrer 
Bestimmtheit unhaltbar, denn 1247 war Herzog Ludwig noch 
nicht regierender Fürst, er war also damals auch nicht berech- 
tigt, eine Feste zu bauen. Hat er das Schloss Friedberg erbaut, 
so kann er dies erst nach der Uebernahme der Herzogsgewalt, 
erst nach 1253 gethan haben. In der That verlegt eine ano- 
nyme Chronik Bayerns^) die Gründung der Friedberger Burg 
durch Herzog Ludwig in das Jahr 1257; diese Angabe verdient 
auch, da gegen sie keinerlei Gründe sprechen, Glauben. Mir 
ist es nicht zweifelhaft, dass das angebliche Baujahr 1247 
ledighch aus 1257 entstellt ist. 

Auch über das Entstehungsjahr der Stadt Friedberg be- 
steht Meinungsverschiedenheit. Nach Luber wurde dieselbe 
zwischen 1257 und 1258, nach Riezler um 1264, nach Steichele 
zwischen 1247 und 1258, nach Hampe seit 1254 gegründet.^) 
Alle diese Annahmen sind haltlos, denn am 6. Februar 1264 
sagt der alsbald zu nennende Gründer der Stadt klar und 
deutlich, er habe beschlossen, in Friedberg eine Stadt zu bauen. 
Somit stand an diesem Tage die neue Stadt noch nicht, denn 
sonst hätte ihr Gründer in der betreffenden Urkunde sich nicht 
so dunkel ausgedrückt, sondern da gesagt, er habe in Fried- 
berg eine Stadt gebaut. Am 20. Oktober 1264 sodann ver- 
weilten König Konradm und sein Vormund, Herzog Ludwig 
von Bayern, in Friedberg,^) aber ihren Aufenthalt haben sie 
sicherlich in der dortigen Burg genommen. Die Anwesenheit 
der beiden Fürsten in Friedberg beweist somit keineswegs, dass 
der Bau der Stadt im Oktober 1264 schon vollendet gewesen 
ist. Dagegen spricht auch Aventin, denn er erzählt, dass 1266 
die Stadt Friedberg gebaut worden sei. Obwohl wir seine 
Mittheilung auf keine alte Quelle zurückleiten können, so ver- 
dient sie dennoch Glauben, denn der Bau einer Stadt, der im 



*) Steichele, Bisthum Augsburg IV, 71. 

*) Oefele, Script, rerum ßoic. I, 389 a. 

•) Gesch. Bayerns II, 197; Steichele a. a. 0. 72, Hampe, Conradin 51. 

*) Mon. Boioa, 30 a, 341. 



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28 t)r. Baumann: 

Februar 1264 geplant war, hat ohne Frage längere Zeit in 
Anspruch genommen, er konnte aber 1266 vollendet sein. So- 
mit dürfen wir mit hoher Wahrscheinlichkeit den Bau der 
Burg Friedberg in das Jahr 1267, den der Stadt in die Jahre 
1264—66 veriegen. 

Wer aber ist der Bauherr von Friedberg? Alle Geschichts- 
schreiber von Johann Ebran von Wildenberg im 15. Jahr- 
hundert an bis zu Hampe, die von dem Friedberger Baue be- 
richten, bezeichnen als solchen den Herzog Ludwig von Bayern. 
Sie sagen auch nicht, dass er dabei etwa als Bevollmächtigter 
eines andern gehandelt habe, sie halten ihn also für den Herrn 
des Grundes und Bodens, auf dem Burg und Stadt Friedberg 
sich erhoben, und lassen ihn den Bau somit kraft eigenen 
Rechts ausführen. Sie glauben des weitern die Absicht zu 
erkennen, deretwegen Herzog Ludwig Friedberg gebaut habe, 
sie lassen ihn dasselbe nämlich als Bollwerk gegen den Bischof 
von Augsburg oder gegen die Bürger dieser Stadt oder gegen 
Bischof und Bürger zugleich erbauen. Diese Angaben über 
die Ursache der Friedberger Gründung aber sind nicht zu be- 
weisen, im Gegentheil, zu der Zeit, da Friedberg entstand, in 
den Jahren 1257 — 1266 hatte Herzog Ludwig als Landesherr 
von Bayern keinen Grund, vom Bischöfe und von den Bürgern 
zu Augsburg Feindseligkeiten zu befürchten und deshalb gegen 
sie ein Bollwerk vor den Thoren von Augsburg zu errichten. 
Friede herrschte in jenen Jahren zwischen Bayern und Schwaben 
überhaupt, und da Schwabens Herzog Konradin der Neffe des 
Bayernfürsten war und in diesem seine Hauptstütze und seinen 
Erzieher verehrte, so war 1257—1266 auch für die Zukunft 
nach menschlichem Ermessen ein Krieg zwischen Bayern und 
Schwaben nicht zu erwarten. 

Friedberg ist keine Gründung des Herzogs Ludwig von 
Bayern kraft eigenen Rechts. Dass dem so ist, lehrt die schon 
erwähnte Urkunde vom 6. Februar 1264,^) denn aus ihr lernen 
wir den wahren Bauherrn von Friedberg kennen. 

Ausgestellt ist diese Urkunde gemeinsam von König 
Konradin und Herzog Ludwig. Wenn wir an der Hand dieser 
Thatsache die Urkunde ihrem Buchstaben nach auslegen, so 



Mon. Boica, 30 a, 337-340. 



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Zur Geschichte des Lechrains und der Stadt München. 29 

müssen wir sagen, dass der Satz derselben „civitatera aput 
Fridberch erigere disposuimus" sich auf beide Aussteller be- 
zieht. Diese Deutung kann aber nicht richtig sein, denn dann 
wäre die Stadt Priedberg als geraeinsamer Besitz des Staufers 
Konradin und des Witteisbachers Ludwig erbaut worden. Ein 
solches Condominat aber hat es im 13. Jahrhundert nicht ge- 
geben. Wohl entstanden im Mittelalter Condominate durch 
Theilung eines Ortes unter Sprossen derselben Familie, aber 
die Schöpfung eines solchen durch den Bau einer Stadt ist 
wenigstens in Süddeutschland beispiellos; davon wissen die 
mittelalterlichen Geschichtsquellen nichts. Gemeinbesitz war 
stets die Ursache von Unannehmlichkeiten selbst unter Eng- 
versippten, die denselben durch Theilung von FamiHengut erlangt 
hatten; wer hätte denn einen solchen von Anfang an schaffen 
wollen? Somit kann von den beiden Ausstellern der Urkunde 
vom 6. Februar 1264 nur einer Friedberg gebaut haben ; 
Bauherr dieser Stadt war entweder Konradin oder sein Oheim, 
Herzog Ludwig. 

Konradin nahm die Vogtei über Stadt und Bisthum Augs- 
burg als Erbe seiner Väter in Anspruch. Bischof Hartmann von 
Augsburg aber anerkannte diesen Anspruch nicht, sondern be- 
hauptete, diese Vogtei stehe zu seiner freien Verfügung, sie sei 
kein von seinen Vorgängern dem staufischen Hause verliehenes 
Erblehen. Darüber entstand ein längerer Streit, während dessen 
die Stadt Augsburg eines Vogtes entbehrte. Dies fiel ihr um 
so raisslicher, als auch sie über die beiderseitigen Rechte mit 
ihrem Bischöfe Hartmann in ewigem Streite lebte und deshalb 
eines schirmenden Vogtes benöthigte. In dieser Lage nun kam 
die Urkunde vom 6. Februar 1264 zu Stande. Wegen der Wichtig- 
keit derselben für unsere Untersuchung sei es mir gestattet, den 
eigentlichen Inhalt derselben hier zu wiederholen und in dieser 
Wiedergabe die Theile und Sätze, in die die Urkunde zerfällt, 
mit Ziffern auseinander zu halten. 

I, 1 : Universitati civium Augustensium profitemur, quod 
nos, ipsorum rationabilibus precibus inclinati, eosdem donec ad 
proximum festum beati Georii nunc venturum et exinde per tres 
annos continuos, quantum ad res, personas seu iura ^civitatis pre- 
dicte in nostram protectionem specialem recepimus, 2. eisdem 
contra quaslibet violentias auxilium prestituri, sive post deci- 



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30 t)r. Baumann: 

sionem questionura, quas cum dilecto consanguineo nostro, vene- 
rabili patre, domino Hartraanno Augustense episcopo ad presens 
haberaus, sive etiam ante easdem contigerit irrogari, 3. nolentes 
civitatem vel cives supradictos sive pro nobis sive pro episcopo 
memorato in rebus seu personis suis infra nostros districtus 
occasione cuiuscunque pignoris detineri. 4. Concedimus insuper 
civibus memoratis, ne a quoquam de horainibus nostris, nisi sub 
iudicibus infra civitatem, ipsam iudicantibus, valeant conveniri, 
vice versa, si quicquam contra homines nostros habuerint, sub 
nostris iudicibus responsuri, 5. volentes, ut, si que de rebus vei 
personis eorundem occasione pignoris vel fideiussionis a quo- 
cumque de nostris detinentur, ad personas, vel post hec infra 
spatium supradictum detineri contigerit, in statura pristinum 
revocari, detentoribus ipsis coram iudicibus civitatis iustitiam 
recepturis, 6. tollen tes omnes iniquas exactiones, que vulgo di- 
cuntur ungelt, per supradictum episcopum vel alium quemcunque 
de novo in ipsius civitatis preiudicium institutas, 7. nichil etiam 
talium ab eis per nos ipsos aliquatenus exacturi, 8. statuentes 
etiam pedagia nostra debita et conswota trans flumen Lici recjpi, 
sicut ante. 9. Promittimus insuper, quod occasione civitatis, 
quam aput Fridberch erigere disposuimus, stratas publicas aut 
pontes inter Licum et civitatem Augustensem aliunde non obli- 
quabimus, quam hactenus sit conswetum. 10. Nee etiam cives 
supradicte civitatis Augustensis civitatem Fridberch inhabitare 
vel ibidem, si noluerint, merces suas deponere vel ultra consweta 
pedagia persolvere infra dictum trium annorum spatium cora- 
pelleraus. 11. Item quotienscumque civitatem Augustam nos in- 
trare contigerit, nuUos nobiscum manifestes offensores eiusdem 
civitatis preter voluntatera ipsorum civium inferemus. 

11^ 12. Item quod si de advocacia ipsius civitatis iudicio 
principum, quos ad hoc curia edicta sollempniter evocari con- 
swetum est, intromittere nos contingat, nullum eidem advocacie 
vice nostra donec ad iestum beati Georii sequens proximura 
preponemus, 13. et eidem civitati extunc omnia iura seu im- 
munitates sibi a nostris progenitoribus competentes, dato sibi 
super hoc privilegio nostro, conservabimus illibatas, 14. deputa- 
turi eisdem nichilominus tres defensores, duos in Bawaria et 
unum in Swevia, qui in absentia nostra vices nostras subpleant 
in predictis, cum de hoc fuerint requisiti, 



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Zur Geschichte des Leohrains und der Stadt München. 31 

III, 15. promittentes insuper pensionera trecentarum librarum 
Augustensium, quam nobis ratione huiusmodi defensionis singulis 
annis trium predictorum ultro se promiseruiit et spontanee solu- 
turos, quocumque casu emergente raedio tempore non augere. 

Diese Urkunde, deren von den Augsburgern ausgestellter 
Gegenbrief leider nicht erhalten blieb, berichtet von einem Ueber- 
einkommen, das nach ihrer klaren Angabe auf Bitten der 
Bürger von Augsburg zu Stande gekommen ist. Sie zerfällt in 
drei Theile ; im ersten wird bestimmt, was während der 3 Jahre, 
in denen das Uebereinkommen giltig sein sollte, zum Nutzen der 
Stadt und ihrer Bürger zu geschehen habe, im zweiten ist der 
Fall, dass die Augsburger Vogtei wieder besetzt wird, ins Auge 
gefasst, und im dritten ist das jährlich von der Stadt Augsburg 
während der drei Jahre zu gebende Schirmgeld auf 300 Jf, Augs- 
burger Pfennige bestimmt. 

Die meisten Sätze dieser Urkunde könnten an sich ganz 
gut auf König Konradin und Herzog Ludwig zugleich sich be- 
ziehen; wir dürfen aber bei ihrer Beurtheilung nicht aus dem 
Auge verlieren, dass das Uebereinkommen vom 6. Februar 1264 
nur vorübergehende Wirkung haben, dass es gewissermassen 
einen Ersatz für den fehlenden Augsburger Schirm vogt schaffen, 
und dass es seine Giltigkeit verlieren sollte, sowie die Vogtei 
Augsburg wieder einen Inhaber bekomme. 

Diese Vogtei aber beanspruchte damals keineswegs Herzog 
Ludwig, wohl aber Konradin, nur auf diesen Staufer kann sich 
deshalb die ganze Urkunde mit all ihren Bestimmungen beziehen. 
Unter diesen sind zudem solche, die nur dann verständlich sind, 
wenn sie Konradin aufgestellt hat. Es ist einmal der Satz 2. 
denn mit dem Bischöfe Hartmann hatte bis 1264 Herzog Ludwig 
für seine Person keine Streitigkeiten, dieser Satz bezieht sich 
also nur auf Konradin, der sich von jenem durch die Nicht- 
helehnung mit der seinen Ahnen zugestandenen Augsburger 
Vogtei verletzt fühlte. Im 6. Satze wird das vom Bischöfe auf- 
erlegte Ungeld aufgehoben; dazu hatte Herzog Ludwig für seine 
Person auch nicht einen Schein von Berechtigung, dies trifft 
nur bei Konradin insoferne zu, als dieser König sich für den 
rechtmässigen Augsburger Vogt hielt und seine Nichtbelehnung 
von Seiten des Bischofs als Rechtsverletzung erachtete, denn als 
Vogt hatte er bei solchen Auflagen allerdings auch mitzureden. 



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32 Hr. Baumann: 

Endlich hat der Aussteller der Urkunde ira Satze 13 verheissen, 
er werde nach dem Empfange der Vogtei alle den Augsburgern 
von seinen Voreltern verliehenen Rechte bestätigen. Dieser Satz 
gilt sicher nur für Konradin, denn nur seine Vordem, nicht die 
des Herzogs Ludwig, waren im Besitze der Augsburger Vogtei 
gewesen, und nur er, nicht Herzog Ludwig hat die Vogtei 1264 
vom Bischöfe gefordert und 1267 auch zurückerhalten. Somit 
ist der eigentliche Aussteller der Urkunde König Konradin. Dies 
geht zum Ueberflusse auch aus einem äusseren Umstände her- 
vor; das • Uebereinkommen vom 6. Februar 1264 wurde nach 
seiner eigenen Angabe auf den Rat des Bischofs Eberhard von 
Constanz und des Abts Berthold von St. Gallen getroffen und 
zum Zeichen ihrer Zustimmung von diesen beiden Fürsten mit- 
besiegelt. Diese Fürsten hatten nämlich 1264 mit dem Herzoge 
Ludwig nichts zu schaffen, wohl aber waren sie die Hauptstützen 
des jugendlichen Staufers in Schwaben. Auch ihre Theilnahme 
zeigt also, dass das Uebereinkommen von 1264 zwischen der 
Stadt Augsburg und ihrem rechtmässigen Vogte Konradin ver- 
abredet wurde, dass Konradin der eigentliche Urkundenaussteller 
ist. Folglich gehört ihm der ganze Inhalt der Urkunde zu, also 
auch der Satz, er habe den Bau der Stadt Friedberg geplant, 
d. h. die Urkunde vom 6. Februar 1264 erweist Konradin als 
den Bauherrn von Fried berg. 

Derselbe war jedoch an diesem Tage noch unmündig. Da 
nämlich nach schwäbischem Rechte der Jüngling mit dem vollen- 
delen 12. Lebensjahre geschäftsfähig wurde, so erreichte Kon- 
radin, geboren am 25. März 1252, erst am 25. März 1264 diesen 
Zeitpunkt. Für ihn handelte deshalb am 6. Februar d. J. noch 
sein Vormund, Herzog Ludwig von Bayern. Dass trotzdem die 
Urkunde in Konradins Namen ausgestellt wurde, ist nicht auf- 
fallend, denn alle Urkunden desselben, die vor seiner Volljährig- 
keit ausgefertigt wurden, sogar die aus seinen ersten Lebens- 
jahren, sind, wie wenn er selbst sie ausgestellt hätte, unter seinem 
Namen und Majestätssiegel gegeben. Auffallend ist vielmehr, 
dass die L^rkunde vom 6. Febr. 1264 ausnahmsweise den Vor- 
mund Konradins als Mitaussteller namhaft macht; offenbar sollte 
damit bekannt gemacht werden, dass Herzog Ludwig das Ver- 
sprechen Konradins gegen die Stadt Augsburg auch zu seinem 
persönlichen mache, d. h. nöthigenfalls auch mit seiner Macht 



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Zur Geschichte des Lechrains und der Stadt München. 33 

die Augsburger schützen werde. Dass dem so sein dürfte, folgere 
ich namentlich aus der Angabe der Urkunde, dass sie den Augs- 
burgem drei Viceschirmherrn , zwei in Bayern und einen in 
Schwaben, verspricht. So gross war ja Konradins bayerischer 
Besitz nicht, dass er selbst in ihm zwei Schirmer den Augs- 
burgern hätte aufstellen sollen. Hier wird einer der bayerischen zwei 
Schirmer dem Herzoge Ludwig für seine Person zuzuweisen sein ; ist 
dem so, dann fällt in dieser Stelle allerdings dem Urkundenschreiber 
eine allzu grosse Knappheit des Ausdruckes zur Last. 

So wenig ferner Konradin seine Urkunden bis 1264 selbst 
gegeben hat, ebensowenig hat er selbst den Bau der Stadt Fried- 
berg begonnen, dies, that selbstredend sein Vormund, Herzog 
Ludwig, für ihn. Insoferne sind wir berechtigt, auch weiterhin 
diesen Fürsten den Gründer von Friedberg zu nennen, wir dürfen 
nur nicht vergessen , dass Herzog Ludwig dabei nicht aus 
eigenem Rechte, sondern nur als Vormund des wahren Bauherrn 
Konradin thätig gewesen ist. 

Auch als Vormund des letzten Staufers hat Herzog Ludwig 
Friedberg gewiss nicht, wie die allgemeine Annahme will, den 
Augsburgern oder ihrem Bischöfe zu Trutz erbaut. 

Die Urkunde vom 6. Februar 1264, nach der ja dieser Bau 
erst geplant, noch nicht vollendet war, zeigt seinen königlichen 
Mündel und deshalb auch ihn selbst in bestem Einvernehmen 
mit den Augsburgern. Man nimmt doch Leute, gegen die man 
einen Trutzbau plant, nicht auf drei Jahre ohne alle Ein- 
schränkung in Schirm, man regelt mit solchen Leuten doch 
nicht den gegenseitigen Gerichtsstand, man gelobt denselben 
doch nicht, ihre Zölle und Abgaben in der bisherigen Höhe zu 
belassen und in ihre Stadt keine Feinde mitzubringen. Zu all 
dem hat König Konradin in dem Uebereinkommen vom 6. Fe- 
bruar 1264 sich verpflichtet;') lag doch die Pflege eines guten 
Einvernehmens mit der Stadt Augsburg im eigenen Interesse 

') S. oben Satz 1, 2, 3, 4, 5, 7, 8, 9, 11 dieses Uebereinkommens. 
Merkwürdig ist insbesondere auch dessen Bestimmung im Satze 10, dass 
kein Augsburger gezwungen werden sollte, in der neuen Stadt Friedberg 
sich niederzulassen. Diese Bestimmung verräth nämlich, dass die zahl- 
reichen Städtegründer des 13. Jhdts., um Einwohner für ihre Städte zu 
bekommen, nöthigenfalls auch nicht vor Zwangsansiedelungen zurück- 
geschreckt sind, sonst wäre ihre Aufnahme in das Uebereinkommen vom 
6. Februar 1264 gegenstandslos gewesen. 

Arcbivalisoho Zeitsobrift. Neue Folge X. 3 



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34 I^r. ßauinann* 

desselben, denn dadurch stärkte er seine keineswegs gesicherte 
Stellung in seinem schwäbischen Herzogthum. 

Dasselbe gilt ebenso von Konradins Verhältniss zu Bischof 
Hartmann von Augsburg. Wohl bestand 1264 zwischen ihm 
und diesem ein Zwiespalt wegen der Augsburger Vogtei , aber 
dieser Zwiespalt war nicht so geartet, dass er zu schwerer 
Feindschaft auszuwachsen gedroht und dadurch den Bau einer 
Trutzfeste gegen den Bischof gerechtfertigt hätte. Letzterer 
war ja im Uebrigen ein getreuer Anhänger Konradins. Die 
Urkunde vom 6. Februar 1264 setzt denn auch eine baldige 
gütliche Beilegung jenes Zwiespaltes durch einen Fürstenspruch 
voraus. Eine solche Beilegung hätte der Bau einer Trutzfeste 
unmöglich gemacht, das aber hätte Konradins Stellung in 
Schwaben geschwächt. Kein Anhänger desselben, am wenigsten 
seine Vormünder Herzog Ludwig nnd Bischof Eberhard von 
Constanz, der ja auch am Uebereinkommen vom 6. Februar 1264 
mitgewirkt hat, konnten etwas unternehmen oder zulassen, was 
ihrem jugendlichen Neffen und Herrn geschadet hätte. Deshalb 
ist es ausgeschlossen, dass Herzog Ludwig in Friedberg für 
seinen Mündel eine Trutzfeste gegen dessen Anhänger, Bischof 
Hartmann von Augsburg, zu bauen 1264 geplant hat. 

Wie konnte sich aber die Annahme, dass Herzog Ludwig 
von Bayern diesen Plan gehabt habe, so hartnäckig bis jetzt 
erhalten ? Man schloss eben aus der Thatsache , dass Herzog 
Ludwig mit Bischof Hartmann nach Konradins Ende 1271 unter 
ganz geänderten Verhältnissen Krieg geführt hat und dass die 
Bürger von Augsburg Friedberg, freilich erst 1296, belagert und 
(»s, freihch gar erst 1372, sogar verbrannt haben, ohne Grund auf 
einen von Anbeginn Friedbergs an beabsichtigten feindseligen 
Gegensatz dieser Stadt und des Bayemherzogs zu Augsburg und 
seinem Bischöfe. Diese grundlose Annahme lehrt aufs Neue der 
Satz: „post hoc, ergo propter hoc" mit Vorsicht anwenden. 

Die Gründung der Stadt Friedberg hängt in Wahrheit mit 
der staufischen Städtepolitik des 13. Jhrts. zusammen, und diese 
wiederholt ihrerseits nur das damals allgemeine Streben nach 
Städten. Die süddeutschen, insbesondere die schwäbischen 
Fürsten, Grafen und Herren dieses Jhdts. waren alle bestrebt, 
durch die Anlage von Städten sich neue und zudem stetig und 
reichlich fliessende Einnahmequellen zu erschliessen. In Folge 



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Zur Gesohichte des Leohrains und der Stadt München. 35 

dieses Strebens überdeckte sich damals Süddeutschland mit 
neuen Städten und Städtchen. 

So handelten auch die Staufer, mit Recht sagt A. Schulte:') 
„Seit 1200 überziehen die Staufer das ihnen gehörige Reichs-, 
wie ihr Hausgut mit einem Netze von Städten, und so vollzieht 
sich der Umschwung: aus dem städtischen Hausgute der Staufer 
und dem Lande, das die wenigen alten Pfalzen umgab, wie 
aus dem Reste des sonstigen Reichsbesitzes wurde ein Gebiet, 
in dem die Städte durchaus die Hauptsache sind." In diesem 
Netze Staufischer Städte ist unser Friedberg eine der jüngsten 
Maschen. Priedbergs Gründung ist somit ohne jeden kriege- 
rischen Hintergedanken^ sie ist eine That des Friedens. 

Es ist nicht glaubwürdig, dass die Stätte, auf der Stadt 
und Schloss Friedberg 1257 — 66 erbaut wurden , vor diesem 
Baue unbewohnt gewesen ist. Wir haben zwar kein Zeugniss 
für eine alte Ansiedelung auf dieser Stätte, aber für eine solche 
spricht die so günstige Lage von Friedberg, die schon in uralten 
Zeiten zur Besiedelung den Menschen einladen musste. Wie 
diese vermuthliche Uransiedelung geheissen hat, ist uns nach 
dem Gesagten natürlich unbekannt, keinesfalls hiess sie Punen. 
Ein Ort d. N., bestehend aus drei Höfen, ist zwar in Friedberg 
aufgegangen, aber er wurde noch um. 1270 von dieser Stadt unter- 
schieden ; seine Flur war damals den Bürgern von Friedberg gegen 
Zins überlassen.*) 

Friedberg bildete die äusserste Spitze des welfisch-staufischen 
Lechrains gegen Norden ; ja ein Theil seiner Flur war gar nie 
staufisch, sondern gehörte zum altwittelsbachischen Gute. Bei 
Friedberg lag nämlich ein Hof Winzenburg, der nach dem ausdrück- 
lichen Zeugnisse des ältesten bayerischen Urbars zum bayerischen 
Kasten Aichach 1224 gegiltet hat,') aber schon um 1270 von 



') Zeitschrift für Geech. des Oberrheins 52, 436. 

«) Mon. Boica 36 «, 177. 

■) Dass dieses älteste bayerische Urbar zwischen 1222—28 entstanden 
ist, hat Riezler (Herzogthum Bayern 232) nachgewiesen. Die Entstehungs- 
zeit lässt sich aber noch näher begrenzen. Am 13. Januar 1224 (Urkunde 
im Allgem.Reiohsarohive, abgedruckt Mon. Witteis bacensia I, 25) gab Herzog 
Ludwig der Kelheimer dem Kloster Prüfeniug das reichslehnbare Gut 
Königswiesen; da dasselbe in jenem Urbar nicht mehr genannt wird, so 
kann letzteres nicht vor dem 13. Januar 1224 geschrieben sein. Da ferner 
im Laufe dieses Jahres Landau a./l8ar Stadt geworden ist, das älteste Urbar 

8* 



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36 ^' Naumann: 

Herzog Ludwig von Bayern den Friedbergem gegen Zins ver- 
liehen war.*) Allmählig ist dann dieser Hof ebenso, wie Punen, 
das im ältesten Urbar nicht erwähnt wird und deshalb nicht wittels- 
bachisch, sondern staufisch war, in Priedberg ganz aufgegangen; 
heute sind meines Wissens selbst die Namen beider Orte verschollen. 

3. Die Städte, die im 13. Jhdt. in Deutschland entstanden 
sind, hatten von Anfang an Wappen. Dies gilt folglich auch 
von Priedberg. Wir haben deshalb, wie S. 16 verheissen, nun- 
mehr nachzuweisen, dass das Priedberger Wappen zu jenen ge- 
hört, die aus den der Stadtherrn erwachsen sind. Nicht in 
Präge kommt hiebei das Wappen der späteren Herrn von Pried- 
berg, der Witteisbacher, denn weder deren Wecken, noch deren 
Löwe sind selbstverständlich das Vorbild des Priedberger 
Wappens gewesen. In Frage kommt zunächst das des Fürsten, 
der vor den Witteisbachern Herr von Priedberg gewesen ist, 
also das seines königlichen Bauherrn Konradin. Ich möchte in der 
That das Wappen unserer Stadt aus dem dieses Staufers ableiten. 

Auf dem Siegel Konradins erscheint kein Wappen, denn 
dasselbe ist ein Majestätssiegel und bietet deshalb nur das Bild, 
nicht auch das Wappen des jugendlichen Königs. Aus dem 
ausschliesslichen Oebrauche eines Majestätssiegel durch den- 
selben folgt aber, dass er dem entsprechend auch ein könig- 
liches Wappen geführt hat. Ausgeschlossen ist deshalb, dass 
Konradin das Wappen seines Hauses oder das seines schwäbischen 
Herzogt hums geführt hat. Ebensowenig kann das Wappen des 
Reiches, der Adler, das Konradins gewesen sein, denn er war 
ja nie römischer König. In Frage kommen nur die Wappen 
der Königreiche Jerusalem und Sicilien, denn die Namen dieser 
beiden Reiche führte er ständig in seinem Titel. Da aber das 
Königreich Jerusalem als das vornehmste der Christenheit galt, 
so ist zu schliessen, dass König Konradin auch dessen Wappen, 
nicht das des päpstlichen Lehens SiciHen geführt hat. Dem ist 
in der That so; in der Heidelberger Liederhandschrift, die aus 
der ersten Hälfte des 14. Jhdts. stammt, jedoch nur Copie eines 
älteren Codex ist, erscheintals Konradins Wappen ein schweben- 



diese Thatsacbe aber nooh nicht kennt, so ist es naoh dem 13. Januar 1224 
im Laufe dieses Jahres noch vor der Erhebung Landaus zur Slädt abge- 
fnsst worden. 

>) Mon. Boica, 36», 86, 177. 



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Zur Geschichte des Lechrains und der Stadt München. 37 

des silbernes Kleeblatt-Steckkreuz in goldenem Felde, das, wie 
die Verbindung der beiden heraldischen Metalle in ihm beweist, 
kein anderes ist, als das des Königreichs Jerusalem. 

Das Wappen dieses Königreichs erscheint in verschiedenen 
Gestalten. Heute zeigt es in silbernem Felde ein schwebendes 
goldenes , von vier goldenen Krückenkreuzchen zwischen den 
Kreuzesarmen umgebenes Krückenkreuz. So erscheint es schon 
in Grünenbergs Wappenbuch zu Ende des 15. Jhdts. ' Auch im 
Donaueschinger Wappenbuche von 1433 finden wir im Wappen 
des Königreichs Jerusalem das goldene Krttckenkreuz in silbernem 
Felde, hier aber von vier einfachen Kreuzchen umgeben. Dass 
diese begleitenden Kreuzchen überhaupt weder in dieser noch 
jener Form ein ursprüngUcher und wesentlicher ßestandtheil 
dieses Wappens sind, ersehen wir aus der Thatsache, dass die- 
selben auch ganz fehlen dürfen. Das ist ausser der Heidel- 
berger Liederhandschrift gerade bei der ältesten Abbildung dieses 
Wappens in deutschen Landen der Fall. Sie zeigt im Schilde 
des 1188 in Bayern gemalten Bildes des Kaisers Barbarossa als 
Kreuzfahrer ein schwebendes goldenes Passionskreuz (d. h. ein 
Kreuz, dessen Balken kürzer ist, als der Stamm) in silbernem 
Felde.*) Auch in der Zürcher Wappenrolle erscheint das Kreuz 
von Jerusalem ohne Nebenkreuzchen ; es ist hier (Tafel VI, 122) 
ein goldenes Krücken - Steckkreuz in silbernem Felde. Die 
Historia Anglorum des Matthäus Parisiensis (Handschrift des 
Britischen Museums zu London von 1258) endlich zeichnet das 
Jerusalemer als einfaches Kreuz. Nach gefälliger Mittheilung 
des Heraldikers Ferdinand Gull in St. Gallen besteht nämlich 
das Wappen des Königreichs Jerusalem in dieser Handschrift 
aus einem silbernen Kreuze , dessen Arme bis an den Schild- 
rand reichen und den goldenen Schild dadurch in vier Felder 
theilen ; in den beiden oberen dieser Felder stehen je vier, in 
den beiden unteren je 2, 1 braune einfache Kreuzchen. 

Da wir al3o das Jerusalemer Kreuz als Krücken-, als 
Kleeblatt-, als Steck- und als einfaches Kreuz in den mittel- 
alterlichen Darstellungen finden, so ist klar, dass die Kreuzform 
selbst in alter Zeit für dieses Wappen gleichgiltig war. Das 
Wappen des Königreichs Jerusalem war gegeben, sowie in 



') Abgebildet bei Stacke, Deutsche Geschichte L 465. 



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38 ^r. Baumann: 

seinem Kreuze, mochte man das darstellen, wie man wollte, 
und in seinem Schilde beide heraldischen Metalle vorhanden waren. 

Heute ist in diesem Wappen das Kreuz golden, das Feld 
silbern. Es scheint jedoch, dass in älterer Zeit die beiden 
Metalle da beliebig wechseln konnten, sonst wäre nicht wohl 
zu begreifen, wie die in Deutschland entstandene Heidelberger 
Handschrift und die so weit von derselben geschaffene Historia 
Anglorum in gleicher Weise im Jerusalemer Wappen das Kreuz 
silbern, den Schild golden darstellen. 

Diese Vereinigung beider Metalle ist das eigentliche Cha- 
rakteristikum des Jerusalemer Wappens und zwar in ganz 
besonderem Grade, denn dieselbe wird von der echten Heraldik 
nur in diesem einzigen weltlichen Wappen gestattet.^) Nur dieses 
Wappen bildet eine Ausnahme von der heraldischen, übrigens 
von den Gesetzen der Optik selbst geforderten Grundregel, dass in 
einem Wappenschilde nur Metall auf Farbe, nicht aber Metall auf 
Metall, Farbe auf Farbe stehen dürfen.*) Diese Ausnahme sollte 
den Vorrang des Königreichs Jerusalem vor allen andern der 
Christenheit bildHch zum auffalligen Ausdrucke bringen. 

Weil diese Verbindung von Gold und Silber also das aus- 
schliessliche Vorrecht des Wappens des Königreiches Jerusalem war, 
so versteht es sich von selbst^ dass in einem Wappen, das von 
demselben abgeleitet ist, dieses Vorrecht erlosch, und dass für 
dieses abgeleitete Wappen die eben genannte heraldische Grund- 
regel wieder in Kraft zu treten hatte. Es musste also in einem 
solchen Wappen, auch wenn es sonst ungeändert blieb, doch ent- 
weder das Gold oder das Silber durch eine Farbe ersetzt werden. 

Diesen Satz sehen wir in der That in dem Wappen einer 
von Konradin beherrschten Stadt verwirklicht, in dem von 



') Phantastisoh und unrichtig ist das Jerusalemer Wappen in Haggen- 
bergs St. Galler Wappenbuch von 1488 (Handschrift der Stiftsbibliothek 
zu St. Gallen) und in einem Donaueschinger dargestellt. In dem ersteren 
zeigt dasselbe ein einfaches silbernes Doppelkreuz auf grünem Dreiberge 
in rothem Felde, im zweiten (einer im 16. Jhdt. genommenen Gopie eines 
älteren Wappenbuches) ein nach rechts geneigtes goldenes Kleeblatt- 
Doppelkreuz auf goldenem Dreiberge in blauem Felde. Diese verwandte 
Darstellung dieses Kreuzes in zwei WappenbUchern ISsst schliessen, dass 
dieselben aus einer gemeinsamen Quelle abgeleitet sind. 

») Vgl. Otto Titan von Hefner, Praktische Heraldik 36—38; Seyler 
Geschichte der Heraldik 127-128. 



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Zur Geschichte des Lechrains und der Stadt München. 39 

Meramingen. Das Wappen dieser Stadt , die nach Konradins 
Tode an das Reich fiel und bis 1802 Reichsstadt blieb, besteht 
nämlich aus einem gespaltenen Schilde, in dessen goldenem 
Vorderfelde .ein halber schwarzer (Reichs-)Adler steht und in 
dessen weissem hinterm Felde ein rothes, gekerbtes Kreuz 
schwebt. Wie jedoch daj älteste, nach seiner Mache noch im 
13. Jhdt. geschnittene Memminger Siegel') zeigt, stand ur- 
sprünglich das Kreuz in diesem Wappen rechts, der Halbadler 
links, ein Beweis, dass das Kreuz das ursprüngliche Wappen- 
bild von Memmingen war, zu dem der Halbadler erst nach dem 
LJebergange der Stadt an das Reich, also erst unter König 
Rudolf von Habsburg hinzutreten konnte. Woher dieses 
Kreuz aber stammt, lehrt das ebenfalls aus dem 13. Jhdt. 
stammende Siegel des Memminger Stadtgerichts, das im ge- 
spaltenen Schilde rechts den halben Reichsj^dler, links den 
Kopf eines jugendlichen umlockten Königs enthält.*) Wem 
anders sollte dieser Kopf zugehören, als dem königlichen Jüng- 
linge Konradin, dem Herrn von Memmingen? Damit stimmt, 
dass das älteste Memminger Stadtsiegel das Kreuz mit Perlen 
besäet enthält ; das zeigt nämlich , dass es mit diesem Kreuze 
eine besondere Bewandtniss hat, dass es vornehmer Art ist. 
Da es zudem im Schilde schwebt, so kann es kaum einem 
Zweifel unterliegen , dass das Kreuz im Memminger Wappen 
von König Konradin stammt, dass es mit andern Worten das 
des Königreichs Jerusalem ist, denn in allen eckten Abbildungen 
des letzteren (mit Ausnahme der Hisloria Anglorum von 1258) 
ist das Kreuz schwebend. Von diesem Kreuze unterscheidet 
sich das Memminger allein durch seine rothe Farbe, aber dieser 
Farbenwechsel war ja nach dem eben gesagten unumgänglich. 
Hiebei trat übrigens Roth nicht willkürlich an die Stelle von 
Gold, sondern bei diesem Wechsel wurde eine alte Ueber- 
lieferung berücksichtigt. Jerusalems erster König Gottfried von 
Bouillon habe, so sagt diese Ueberlieferung, seinem Reiche als 
Wappen ein rothes Kreuz in silbernem Felde bestimmt, erst 
auf den einmüthigen Wunsch seiner Ritter habe er ein goldenes 
Kreuz in das weisse Feld gesetzt.*) 



^) AbbilduDg bei Baumann, Geschichte des AUgäus II, 79; Seyler, 
Geschichte der Heraldik 284. 

*) Abbildung bei Baumann a. a. 0. II, 251. 
•) Otto Titan v. Hefner, Prakt. Heraldik 80. 



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40 ^i"* Baumann: 

Diese Ueberlieferung war auch in Deutschland nicht ver- 
gessen. Das Donaueschinger Wappenbuch No. 499, das zwar 
erst im 16. Jhdt. geraalt wurde, das aber nur die Copie 
eines viel älteren \ind deshalb von heraldischer Bedeutung ist, 
zeichnet das Wappen des Königreichs Jerusalem geradezu als 
rothes Krücken-Stockkreuz, umgeben von vier rotheii einfachen 
Kreuzchen, in weissem Felde. 

Das Kreuz im Wappen der Stadt Memmingen ist somit ohne 
Zweifel das des Königreichs Jerusalem. Diese Stadt führt also im 
Wappen zugleich den Adler ihrer jüngeren Herrschaft, den des 
Reiches, und das Kreuz ihres letzten Erbherrn,desStaufersKonradin. ^) 

Wie Memmingen, führte im Mittelalter noch eine zweite 
welfisch-staufische Stadt, und zwar Ravensburg, die Hauptstadt 
der welfisch-staufischen Lande in Oberschwaben, das Wappen 
des Königreichs Jerusalem, wenn auch nicht als eigentliches 
Wappenbild, so doch als unterscheidendes Beizeichen. Das 
Wappenbild dieser Stadt ist nämlich ein redendes, ein 
Burgthor, in den mittelalterlichen Siegeln derselben aber erscheint 
im Gegensatze zu dem heute gebrauchten Wappen über dem Thore 
ein perlenumsäumter, also vornehmer Schild mit einem schweben- 
den Kreuze, dessen vier Enden kräftig ausladen. Nach dem 
eben gesagten ist dieser Kreuzschild nichts anderes, als das 
zweckdienlich umgeformte Wappen des letzten Staufers, der 
Erbherr des wolfischen Handgemais Ravensburg gewesen ist,- 
des Könij^s Konradin. Sclion 1270 war dasselbe im Gebrauche.^) 

Auch im Wappen Friedbergs ist das dieses Königs ent- 
halten, dass aber dieses Wappen nicht, wie die von Memmingen 
und Ravensburg, das Jerusalemer Kreuz (abgesehen von der 
Farbe) unverändert wiedergibt, sondern von ihm sich weiter 
entfernt, ist nicht auffallend. Da nämlich der Name unserer 
Stadt auf -berg endet, bekam ihr Wappen nach der auf S. 8 
erörterten Gepflogenheit in den Schildfuss einen Dreiberg, und 



*) Memmingen war schon vor Konradin Stadt ; dass es dessen Wappen 
zu dem seinigen erkoren hat, spricht sicher dafür, dass diese Stadt dem 
letzten Staufer eine besondere Förderung verdankt, aber der Mangel an 
Quellen über Memmingen s Geschichte im 13. Jhdt. lässt uns nicht er- 
kennen, worin diese Förderung bestand. 

*) Wirten berg. Urkundenbuch VIT, 1 17. — Abgebildet ist dieses Ravens- 
burger Siegel bei v. Weech, Siegel von Urkunden aus dem bad. General- 
landesarchiv zu Karlsruhe, Tafel 41, 3. 



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Zur Geschichte des Lechrains und der Stadt München. 41 

in diesen wurde nach der S. 13 angegebenen heraldischen Regel 
das Kreuz gesteckt, dasselbe Hess sich ja ungezwungen also 
mit dera Dreiberge vereinigen. Dies konnte im Meraminger 
Wappen nicht geschehen; da der Name dieser Stadt nicht auf 
-berg endet, erhielt ihr Wappenschild auch keinen Dreiberg, 
der das eigentliche Wappen, das Kreuz, angezogen hätte, hier 
blieb darum das Kreuz, wie in seinem Urwappen, schwebend. 

Nach Otto Titan von Hefner ') soll das Kreuz im Pried- 
berger Wappen ursprünglich ein goldenes Antoniuskreuz (d. i. 
ein Kreuz ohne Haupt) auf goldenem Dreiberge in blauem Felde 
gewesen sein ; ein solches Friedberger Wappen findet sich jedoch 
weder in einer Abbildung, noch in einem Siegel vor, diese 
Angabe beruht darum ohne Zweifel auf einem Irrthume. 

In Wirklichkeit enthält das Wappen von Friedberg nach 
Aventin und Apian ein rothes einfaches Kreuz auf einem Drei- 
berge zwischen zwei Lilien ; dass dies das althergebrachte 
Wappen dieser Stadt aber war, beweisen die Siegel derselben, 
denn dieselben zeigen seit der ersten Hälfte des 14. Jahr- 
hunderts alle ein einfaches, sehr schlankes Passionskreuz auf 
einem Berge zwischen zwei Lilien. 

Nach Otto Titan von Hefner^) steht dieses Kreuz in einem 
weissen Felde, so dass nach ihm das Wappen von Friedberg 
in seiner Farbe mit dem von Memmingen übereinstimmt. Die 
Angabe dieses Heraldikers widerstreitet jedoch der heute all- 
gemein geltenden Ansicht über die Farbe des Friedberger 
Wappenschildes, denn nach dieser ist derselbe blau. Diese 
Ansicht kann sich zudem auf ein ziemliches Alter stützen, denn 
schon 1523 setzte Aventin in das Friedberger Wappen ein 
rothes Kreuz in blauem Felde. Trotzdem kann sie nicht richtig 
sein, denn sie verletzt das heraldische Grundgesetz, dass in 
einem Felde Metall und Farbe wechseln müssen. Da dieses 
Grundgesetz aber eine Forderung der Optik ist, so ist aus- 
geschlossen, dass zu einer Zeit, in der man die Wappen noch 
zu Schimpf und Ernst gebrauchte, ein solches Räthselwappen 
geführt worden sei. Man stelle sich z. B. auf einem Kampf- 
schild als Wappen ein rothes Kreuz in blauem Felde gemalt 
vor: schon auf kleine Entfernung verschwimmt dieses Bild, es 



*) Neuer Siebmacher I, 4 S. 3, Abbildung Tafel 4. 
*) Neuer Siebmacher I, 4 S. 3. 



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42 t)r. Baumann: 

ist also unpraktisch. Erst als die Kanipfschilde ausser Gebrauch 
kamen, also erst nach dem Ende des Mittelalters konnte eine 
so fehlerhafte Tinktur entstehen. Ich möchte dieselbe wieder 
auf einen Irrthum zurückführen; bekanntlich wird Silber auch 
in Handschriften durch Oxidation grau, blau, schwarz. Ohne 
Zweifel geht deshalb Aventins Tinktur auf eine also chemisch 
veränderte Vorlage zurück, die der Zeichner der aventinischen 
Wappen gedankenlos nachgemacht hat. Aventins verbreitete 
Karte wird dann auch die Ursache sein^ dass man das Wappen 
von Friedberg also falsch allgemein bemalt hat. 

Otto Titan von Hefner hat somit das Priedberger Wappen 
richtig in seinem Neuen Siebmacher beschrieben und gezeichnet. 
Es zeigt also in Wahrheit ein rothes Kreuz in weissem Felde, 
also genau, wie das von Landsberg, und unterscheidet sich von 
die.«em nur durch die beigegebenen Lilien. 

Die beiden benachbarten Städte, von denen die erstere 
1264, die zweite 1246 in staufischem Besitze erscheint, die also 
um die Mitte des 13. Jahrhunderts demselben Herrscherhause 
zugehört haben, besitzen somit in der That an sich das gleiche 
Wappen. Wie bei Friedberg, muss deshalb dieses Wappen auch 
bei Landsberg aus dem ihres Herrn, des Königs Konradin, ent- 
standen sein, mit anderen Worten, solange nicht nachgewiesen 
wird, dass Landsberg schon vordem Stadt geworden ist, zwingt 
uns sein Wappen zum Schlüsse, dass Landsberg, wie das mit 
dem gleichen Wappen begabte Friedberg durch den letzten 
Staufer Stadtrecht erlangt hat. Kaum der besonderen Er- 
wähnung bedarf es, dass auch die Erhebung von Landsberg 
anstatt Konradins sein Vormund, Herzog Ludwig, bewerkstelligt 
hat. Dieser Fürst hat also für seinen Mündel zwei Städte ge- 
schaffen , eine That, die ihn ebenfalls als pflichtgetreuen, als 
guten Vormund erweist. 

Seit Landsberg und Friedberg Stadtrecht hatten, besass 
der staufische Lechrain vier Städte, die in nahezu gleichen 
Abständen von einander gelegen waren. Am Fusse des Gebirges 
lag Füssen, wo die Hoheitsrechte den Staufern kraft der Vogtei 
zugehörten, dann kam Schongau , die älteste Stadt des Lech- 
rains, dann Landsberg und endlich Friedberg. Von diesen vier 
Städten hat Füssen ein redendes Wappen, Schongau aber führte 
im Schilde den oinköpfigen Reichsadler, d. i. das Wappen ihrer 



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Zur Geschichte des Lechraiiis und der Stadt München. 48 

früheren staufischen Erhherren, die römische Kaiser und Könige 
gewesen sind (Heinrich VI., Philipp, Friedrich IL, Heinrich VII. 
und Konrad IV.). Landsberg und Fried berg endlich bekamen 
zum Wappen das Kreuz ihres jugendlichen Herrschers Konradin. 

Dass diese beiden Schwesterstädte dasselbe Wappen hatten, 
musste bei ihrer Nähe zu Unzukömmlichkeiten führen. Es 
war also gerathen, dass wenigstens eine derselben ihr Wappen 
durch ein Beizeichen von dem der Nachbarstadt unterscheide. 
Dies that Friedberg; diese Stadt erkor zu Beizeichen zwei 
LilieU; die man mit dem eigentlichen Stadtwappen in sinniger 
Weise vereinigte, indem man sie rechts und links vom Drei- 
berge neben dem Kreuze herauswachsen Hess. Wann diese 
Lilien in das Friedberger Wappen gekommen sind, ist unbekannt, 
da uns weder ein Kampfschild, noch ein Siegel der Stadt aus 
ihrer Frühzeit erhalten blieb. Jedenfalls zierten sie schon in 
der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts das Friedberger Wappen, 
denn sie erscheinen bereits in dem Stadtsiegel, das 1340*) im Ge- 
brauche war und wie seine (freilich recht band werksmässige) Mache 
zeigt, nicht allzulange vor diesem Jahre geschnitten wurde. Seitdem 
bilden bis zur Stunde die beiden weissen Lilien auf grünen Sten- 
geln einen Nebenbestandtheil des Friedberger Stadtwappens. 

Auch von der Stadt Landsberg ist kein Wappen, kein 
Siegel aus dem 13. Jhdt. bis auf uns gekommen. Wohl wurde 
an eine Urkunde ihres Bürgers C. Enserer 1293 das sigillum 
communitatis civium in Laadsperg gehängt, aber dieses Siegel 
ist längst nicht mehr an der sonst sehr gut erhaltenen Urkunde 
vorhanden.^) Trotzdem kennen wir das Landsberger Wappen 
noch in einer sehr alten, wahrscheinlich sogar in der ursprüng- 
lichen Gestalt. Am Bayerthore zu Landsberg prangt, wie schon 
S. 3 gesagt, das Stadtwappen , dieses Wappen aber zeigt 
lediglich ein schwebendes, einfaches Kreuz, stimmt also mit 
dem ältesten Wappen der Stauferstadt Memmingen überein ; es 
unterscheidet sich von diesem nur durch den Mangel der Perlen- 
zierde, die nicht wesentlicher Art ist. Dieses Wappen am 



*) Es erscheint erstmals an einer Urkunde des Augsburger Stadt- 
spitals aus diesem Jahre. (Gefällige Mittheilung des Stadtarchivars Dr. 
Bufif in Augsburg.) 

*) Original im K. Allgem. Reichsarchive, abgedruckt Mon. Boica 
VIII, 51-62. 



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44 I^r- Baumann: 

Bayerthore stammt zwar erst aus dem Jahre 1425, aber seine 
Uebereinstimraung mit dem Memminger beweist, dass der Stein- 
metz , der es geschaffen , nur eine Vorlage früherer Zeit in 
seinem Werke wiederholt hat. Mit den Stadtwappen hat man 
seit ihrem Bestehen ja die Thore allenthalben geschmückt, wir 
haben deshalb anzunehmen , dass auch Landsberg dieser Sitte 
schon im 13. Jhdt. gehuldigt, dass schon damals auf seinen 
Thoren das Wappen angebracht war , das wir aus seiner Er- 
neuerung am Bayerthore von 1425 kennen. 

In diesem Jahre war allerdings diese einfache Form des 
Stadtwappens schon längst veraltet. Auch in Landsberg hatte 
man für gut erachtet , das Stadtwappen mit unterscheidenden 
Beizeichen zu versehen. Wir kennen die so entstandene Form 
dieses Wappens aus dem ältesten erhaltenen Siegel der Stadt, 
das, wie sein Aeusseres beweist, aus der ersten Hälfte des 
14. Jhdts. stammt, also mit dem ältesten Friedbergef Siegel 
gleichen Alters ist, aber dieses durch seine handwerksmässige, 
unkünsterliche Darstellung wo möglich noch übertrifft. Es ist 
auffallend, wie diese beiden Lechrainstädte zu einer Zeit, in der 
die Kunst der Siegelstempelschneider die herrlichsten Werke in 
Süddeutschland erzeugte, sich mit so ärmlichen Siegeln be- 
gnügen mochten. 

Der grösste Theil dieses für eine Stadt sehr kleinen Siegels 
von Landsberg hat der Stempelschneider dem an sich neben- 
sächlichen, von ihm recht unschön behandelten Berge, der nur 
den Schildfuss bedecken sollte, eingeräumt und deshalb das auf 
diesem Berge stehende eigentHche Wappenbild, das Kreuz, noth- 
gedrungen sehr klein dargestellt. Auch den vom Berge und 
Kreuze nicht beanspruchten Schildraum hat derselbe ausgefüllt, 
denn in diesem Räume brachte er die wohl erst jetzt ausge- 
wählten Beizeichen des Stadtwappens unter. Als solches stallte 
er unter den Berg in den Schildfuss einen Stern, dessen heraldi- 
sche Bedeutung noch unbekannt ist, in dem wir aber nicht ein 
blosses Ausfüllsel erblicken dürfen, denn eines solchen bedurfte 
das so überladene Landsberger Siegel wahrhaftig nicht. Es gibt 
in der Heraldik des 13. und 14. Jhdts. überhaupt keine bedeu- 
tungslosen Zuthaten in Wappen, selbst die Beigabe von Thoren 
in Gemeindesiegeln ^ die wir S. 14 berührt haben, ist nicht ohne 
Bedeutung, denn sie weist allgemein auf den Städtecharakter der 



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Zur Geschichte des Leohrains und der Stadt München. 45 

betrefiFenden Gemeinden hin. Ausser diesem Stern enthält das 
älteste erhaltene Siegel von Landsberg noch zwei Beizeichen, 
nämlich oben im Schilde rechts und links vom Kreuze zwei 
Schildchen, von denen das rechte Wecken, das linke einen Löwen 
zeigt. Diese Schildchen wiederholen somit die beiden Wappen 
der wittelsbachischen Landesherrn unserer Stadt. 

Otto Titan von Hefner hat gemeint , das also zusammen- 
gesetzte Siegel von Landsberg sei von Ludwig dem Bayern 
der Stadt verliehen worden.^) Er hielt 'nämlich das Wappen- 
thier in dem linken Beischildchen unbegreiflicher Weise für den 
Reichsadler, obwohl es deutlich ein Löwe ist, und schloss 
daraus, dass Kaiser Ludwig seiner getreuen Stadt Landsberg 
dieses Siegel und Wappen verliehen habe. Das war ein Trug- 
schluss, wahr bleibt nur, dass dieses Siegel unter der Regierung 
des Kaisers Ludwig, also in der ersten Hälfte des 14 Jhdts., 
entstanden ist, denn das beweisen seine Mache und die Buch- 
stabenform seiner Umschrift. 

Man hat das Löwenschildchen auch schon auf die Herrn 
von Pfetten, die Grundherrn eines Theils der Stadt, zurück- 
leiten wollen, aber wieder mit Unrecht. Es kommt nämlich 
nicht vor, dass in einem Wappen oder Siegel als Beizeichen 
der Schild des Landesfürsten und neben ihm, wie diesem gleich- 
berechtigt, der eines ihm unterthänigen Geschlechts aus dem 
niederen Adel steht. Zudem ist das Wappen, welches die 
Herrn von Pfetten in der ersten Hälfte des 14. Jhdts. gebraucht 
haben , von dem des Löwenschildchens im Landsberger Siegel 
verschieden. Paul von Pfetten führte z. B. 1338 einen ge- 
theilten Schild, in dessen oberer Hälfte ein Löwe nicht, wie in 
jenem Schilde, steht, sondern nach rechts schreitet; Heinrich 
von Pfetten aber hatte 1308 im getheilten Schilde oben einen 
auf einem Balken nach rechts schreitenden Löwen.*) 

Ob diese drei Beizeichen je auch die wirklichen Wappen 
von Landsberg auf seinen Thoren und auf den Kampfschilden 
seiner Bürger geziert haben , muss dahingestellt bleiben , denn 
es haben sich keine solchen Wappen erhalten. Zur Zeit 
Aventins waren sie, wenn sie je im Gebrauche gewesen sind, 



*) Neuer Siebraacher I. 4, S. 2. 

*) Diese beiden Pfettner Siegel hinterliegen im K. Allg. Reichs- 
archive. 



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46 Dr. Baumann: 

schon wieder verschwunden. Damals enthielt das Landsberger 
Wappen, wie auch heute noch, in weissem Schilde ein rothes 
Kreuz auf grünem Dreiberge. Dieser Dreiberg, der noch dera 
Wappen auf dem Bayerthore fehlt , ist also allein aus dem 
ungeschlachten Siegel des 14. Jhdts. nach und nach in das 
Landsberger Wappen herübergekommen. Damit hat auch diese 
Stadt die Regel hinsichtlich der Wappen jener Orte , deren 
Namen auf -berg enden, befolgt. 

Im Siegel von Landsberg kamen die Beizeichen übrigens 
im Laufe des 15. Jhdts. wieder ab. An Stelle des oben be- 
schriebenen unschönen Siegels *) Hess die Stadt um 1460 ein 
neues stattliches von einem wirklichen Künstler schneiden , in 
dem Kreuz und Dreiberg in dem richtigen gegenseitigen Ver- 
hältnisse ohne Beizeichen erscheinen und in dem der Wappen- 
schild von Engelsköpfen , gleichsam von Schildhaltern , be- 
gleitet ist. 

Die Beizeichen konnten im Landsberger Wappen als 
unnöthig fallen , weil die Lilien das Wappen der Nachbarstadt 
Friedberg hinlängHch von ihm unterschieden. Das einfachere 
Landsberger Wappen steht deshalb auch in seiner heutigen 
Form seinem IJrbilde, dem Wappen Konradins, näher, als das 
von Friedberg. 

111. 

1. Friedberg und Landsberg waren also im Besitze des 
Staufers Konradin und erscheinen in der Zeit nach dessen Endo 
in dem des Hauses Witteisbach. Umsonst suchen wir aber 
ihre Namen in den Urkunden , durch die das staufische Gut 
im Lechrain als Pfand und weiterhin als Eigen thum an dieses 
Haus gelangt ist. Diese auffallende Thatsache haben wir an 
dieser Stelle zu erklären. 

Als Bestandtheile des staufischen Lechrains erscheinen in 
diesen Urkunden: 1266 Mering, Peiting, Schongau, Ammergau 
und Füssen ^) und nochmals Ammergau, Schongau, Peiting und 
Mering mit dem Heibisch,*) 1267 Peiting und Ammergau,*) so- 



^) Dasselbe erhielt sich im Stadtsekrete bis in das 16. Jhdt. herein. 

*) MoD. Boica 31 a, 593. 

•) Jäger, Geschichte Konradins 105. 

*) Jäger a. a. O. II l. 



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Zur Geschichte des Lechrains und der Stadt München. 47 

wie Schongau und Mering mit dem Heibisch,') 1268 die curia 
super montem und die Klostervogtei Füssen,*) 1269 Mering mit 
dem Heibisch, Schwabeck und Schongau,^) 1274 Schongau, 
Peiting, Ammergau, die curia super montem , die curia Stauffe, 
Igling, Türkheim, Mering mit dem Heibisch, Schwabeck.*) 
Diese Orte bekommen in diesen Urkunden öfters auch be- 
schränkende Zusätze , z. B. Peiting erscheint da als castrum 
Pitengaw, Schwabeck als castrum Swabekk, Schongau als 
oppidum Schongaw, Mering als villa Moringen; man möchte 
also meinen, es seien damit nur die also gemeinten Oertlich- 
lichkeiten in engstem Sinne gemeint. Dies ist jedoch nicht 
durchweg der Fall , das beweist klar die Urkunde Konradins 
vom 27. Dezember 1267, in der zuerst vom castrum Pitengew 
und von Amergaw, dann aber genauer von districtus ac judicia 
Pitengaw et Amergaw die Rede ist.*) Dasselbe gilt ebenso von 
Schongau , Füssen , Schwabeck , Mering und der curia supra 
montem, nur die curia StauflFe, Igling und Türkheim sind von 
diesen Bestandtheilen des Lechrains wahrscheinlich Einzelnorte 

Frühzeitig wurde das staufische Gebiet am Lechrain in 
Verwaltungs- und Gerichtsbezirke eingetheilt, die den Namen 
„ofTicia, Aemter" bekamen und an deren Spitze „praepositi, 
officiati*^ ^) standen. Solche Bezirke haben wnr unter den oben- 
genannten Namen zu verstehen. 

Von denselben gehören zum bayerischen Lechrain Mering, 
Peiting, Ammergau und die curia supra montem, alle anderen 
liegen im schwäbischen Lechraine. Man hat zwar die curia 
Stauffe auch schon in Stoffen bei Landsberg, also auf der baye- 
rischen Lechseite gesucht, jedoch mit Unrecht, denn dieselbe 
liegt in Schwaben. Dies folgt aus dem oberbayerischen Urbar- 
buche von 1270, denn dieses setzt ihren Namen nach Erpfting 
und vor Schwabeck und rechnet ihr Erträgniss zu den redditus 
von Schwabeck.'') Sie entspricht dem Hofe auf dem Stauffers- 

Mon. WitteUbacensia I, 223. 
•) MoD. Witt. I, 224. 
•) Mon. Witt. I, 235. 
*) Mon. Witt. I, 270. 
*) Jäger a. a. 0. Hl. 
•) Mon. ßoica 30», 109. 

^) Mon. Boica 30 a, 190. Dagegen lag die in diesem Urbarbuche zum 
Amte Mänching gerechnete curia desolatn apud Stufen (n. a. 0. 195), die 



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48 I^r. Baumann: 

berg oder StaufTenberg (westlich von Landsberg), der noch 1432 
eine eigene Vogt^i bildete *). Diese Bezirke waren nicht klein, 
der von Ammergau erstreckte sich z. B. noch im 15. Jhdt. von 
der Kirche Peiting bis gen Eschenlohe.^) Auch die curia 
super montem , die nicht auf dem Peissenberge liegt , sondern 
Berghof bei Trauchgau ist, war nicht etwa ein einzelner Hof, 
sondern der Mittelpunkt eines Bezirkes, der 1270 allen Besitz 
des Herzogs Ludwig von Bayern von der Grenze des Peitinger 
Amtes bis gen Breitenwang und bis an den Plansee in Tirol, 
ja sogar noch ein Vogtrecht zu Mittenwald an der Isar in sich 
vereinigte.^) 

Somit drücken sich die Urkunden , welche 1266 — 70 vom 
staufischen Lechraine reden , fast zu lakonisch aus. Diese für 
Urkunden, die doch so wichtige Rechtsgeschäfte dauernd be- 
kannt geben sollen, ungeeignete Ausdruckweise wird nur durch 
die Annahme verständUch , dass neben diesen Urkunden ein 
ihre Angaben erklärendes Salbuch der staufischen Besitzungen 
bestand, aus dem jene einfach die Titel der in Frage kommen- 
den Bezirke entlehnt haben. Sie setzen stillschweigend voraus, 
dass aus diesem Salbuche ihre Angaben vervollständigt würden. 
Das Vorhandensein eines Salbuchs aber wird durch die geregelte 
Verwaltung der Staufer im 13. Jhdt. wahrscheinlich gemacht; 
dass dasselbe wie das etwa gleichzeitige älteste bayerische von 
1224, wie die jüngeren ober- und niederbayerischen Urbare und 
das habsburg-österreichische Salbuch nach Bezirken geordnet 
waren, versteht sich selbst. Aus diesem verschollenen Salbuche also 
sind die lakonischen Ortsangaben jener Urkunden : Ambergau, 
castrum Pitengaw, villa Moringen cum toto Hibisch entlehnt. 



von der obigen verschieden ist, ohne Zweifel in Stoffen bei Landsberg. 
Der Hauptbesitz daselbst aber gehörte sicherlich den gleichnamigen Frei- 
herrn und kam nach deren Ende unmittelbar an das Haus Witteisbach 
(Mon. Germ. Script. XVII, 377). 

*) Lori, Lechrain 121. Dies hat schon Dellinger richtig erkannt 
(Oberbayerisches Archiv 12, 50). 

«) Lori a. a. 0. 91. 

") Mon. Boica 36* , 331 ; dort ist irrig diese curia zum Amte Peiting ge- 
zogen, denn im Original erscheint sie als eigener, von diesem Amte durch 
eigene Aufschrift getrennter Bezirk. Der Plansee heisst dort Pleseh (im 
Drucke der Mon. Boica steht irrig Pleseh), er zinst« jährlich 900 gediirrte 
Forellen. 



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Zur Geschichte des Leohrains und der Stadt München. 49 

Von diesen Bezirken war wohl der ausgedehnteste der von 
Mering, denn dieser allein hat in diesen Urkunden einen stän- 
digen Zusatz, es heisst da immer Moringen cum toto Hibisch, 
Moringen et totus Hibisch. Ueber die Bedeutung dieses Zu- 
satzes wurden bisher mehrere Ansichten ausgesprochen. Die 
Wurzel des Wortes ist hiwe, d. h. Gatte, Hausgenosse, Dienst- 
mann, deshalb bedeutet hi wisch, hiwiski Familie, Hausgesinde, 
Geschlecht. Von dieser Bedeutung des Wortes ausgehend, 
meinte Steichele,') der Meringer Heibisch umfasse wahrscheinlich 
die zu Mering gehörenden Lehensleute und ihre Besitzungen. 
In der That gelangte hiwisch von der Bedeutung „Geschlecht, 
domus" aus zu der weitern „Wohnsitze dieser domus." Hiwisch 
ist in dieser Bedeutung ein Seitenstück zu dem AUgäuer 
Namen „Tigen, Getigen", der, abgeleitet von degen , d. i. Ge- 
folgsmann, nach und nach den Begriff eines Bezirks, in dem 
die Hörigen eines bestimmten Herrn wohnen, erlangt hat.*) Von 
da aus kam man ohne grossen Sprung zu der weiteren Bedeut- 
ung von Heibisch ;,Gegend überhaupt", den dasselbe schon im 
12. Jhdt. erlangt hat. In der Oberpfalz gab es bereits um 1120 
eine regio, que dicitur Hewisch.') 

An dieser Bedeutung hätte man auch bei dem Meringer 
Heibisch festhalten sollen; es war unglücklich, dass Lang bei 
demselben diesen allgemeinen Begriff einschränkte und meinte, 
man habe darunter eine wenig angebaute Gegend zu verstehen, 
nämlich das ganze rechte Lechufer von Priedberg bis Landsberg.^) 

Dass auch unser Heibisch in Wahrheit nur Gegend schlechthin, 
nicht etwa nur einen nicht oder nur wenig angebauten Bezirk be- 
deuten will, beweist schlagend dieThatsache, dass König Konrad IV. 
im September 1246 denselben beschreibt als „contratam, que 
dicitur Hibishe, terre de Moringen et eins pertiuentiis attinentem 
cum militibus, rusticis, agriculturis, pratis, terris cultis et incultis, 
silvis, quesitis et inquirendis , cum omnibus pertiuentiis, ratio- 
nibus et proventibus."^) Nach dieser Beschreibung wohnten 



») Bisthum Augsburg II, 489. 

*) Baumann, Forschungen zur Schwäbischen Geschichte 190—91. 
») Mon. Boica XXVII, 4, 12. 
*) Bayerns alte Grafschaften 382. 

*) Fontes rerum Austriacarum II, 1, S. 1; Huillard-Bri^holles, Hist. 
diplom. Friderici secundi VI, p. 2, S. 875 

Arcbivalisohe Zeitschrift. Neue Folge X. 4 



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60 Ör. Baumann: 

im Meringer Heibisch nicht nur Bauern , sondern selbst Ritter, 
und fand man in ihm Wälder, Wiesen und Aecker, wir haben 
also in ihm durchaus keine unbebaute, sondern eine bevölkerte, 
bebaute und ausgedehnte Gegend zu erkennen. 

In den südlichen Lechrain erstreckte sich diese Gegend 
nicht, denn dort lagen die selbständigen stauflschen Bezirke 
Berghof, Ammergau und Peiting, und ausserdem gehörte nach 
allen Urkunden , die den Lechrainer Heibisch nennen , derselbe 
zum staufischen Bezirke Mering. Somit lag er nördlich von der 
Grafschaft Peiting, mit anderen Worten alles welfisch-staufische 
Gebiet im bayerischen Lechrain nördlich von dieser Grafschaft 
wird mit der Angabe „villa Moringen cum toto Hibisch" umfasst. 
Somit lagen auch Konradins Städte Friedberg und Landsberg im 
Meringer Heibisch, sie beschirmten seine Nord- und Südgrenze. 

Zuletzt wird derselbe 1274 genannt*), nach dieser Zeit 
gerieth der Name Heibisch am Loche in Vergessenheit. Dies 
hängt damit zusammen, dass Herzog Ludwig von Bayern, nach- 
dem er denselben im September 1269 erworben hatte , alsbald 
aus ihm und dem angrenzenden ehedem andechsischen Gebiete 
drei Aemter Moeringen, Maenchingen und Landsberg neu ge- 
bildet hat.^) Da diese Aemter, die bereits im oberbayerischen 
Urbare von 1270 erscheinen, seitdem Jahrhunderte hindurch ihren 
Bestand bewahrt haben, so wurden sie allmählich volksthümlich 
und Hessen den alten Namen Heibisch verschwinden. 

Wohin Priedberg damals eingetheilt worden ist, wissen 
wir nicht, denn das Urbar von 1270 weiss nur, dass die Bürger 
von Priedberg die damals zum Amte Witteisbach zugetheilten 
Orte Punen und Winzenburg gegen Zins von Herzog Ludwig 
erlangt hatten. Friedberg selbst wird in diesem Urbare gar 
nicht genannt, obwohl doch dort wenigstens Gericht und Zoll 
dem Herzoge Ludwig seit 1269 gehört haben. ^) Dieser Mangel 



») Mon. Wittelsbacensia I, 269. 

-) Im Gegensätze dazu blieben die staufischen Aemter Peiting, 
Ammergau und ßerghof auch nach ihrer Einverleibung in Herzog Ludwigs 
Land unverändert bestehen. 

') In der Ausgabe des Urbars (Mon. Boica 36 &, 177) sind der Bräu- 
hof und der Hof Gerungs in Friedberg genannt, und zwar als Bestandteile 
des Grundstocks, allein hier irrt der Herausgeber, denn diese beiden Bin- 
träge gehören durchaus nicht zum Grundstöcke, sondern sind erst um 
1338 nachgetragen. 



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Zur Geschichte des Lechrains und der Stadt München. 51 

kann nur der Vergesslichkeit des Urbarschreibers zur Last ge- 
legt werden. 

2. Zum Schlüsse haben wir noch zu untersuchen, welche 
Herrn der welfisch-staufische Lechrain im 13. Jhdt. gehabt hat. 
Damit lösen wir auch das S. 23 gegebene Versprechen ein, wie 
es denn komme, dass Landsberg nach einander weifisch, witteis- 
bachisch und staufisch gewesen sei. 

Der grössere Theil des bayerischen Lechrains hat der 
schwäbischen Linie des Weifenhauses zugehört, aber auch die 
bayerischen Weifen waren in demselben, insbesondere in seinem 
nördlichen Theile , also im Bezirke Mering-Heibisch begütert. 
Ihnen gehörte da namentlich Landsberg und ein Antheil an 
Mering selbst. 

Diesen allodialen Besitz am Lechraine verlor Heinrich der 
Löwe 1180 ebenso wenig, wie seinen freihch unbedeutenden Antheil 
am weifischen Stammgute in Oberschwaben. Dass er letzteren 
auch nach seinem Sturze innegehabt hat , wissen wir daraus, 
dass Güter, welche seine Dienstmannen Konrad und Gerung 
von Sulgen in Tepfenhart, Alberweiler und Feiben (bei Ravens- 
burg) 1194 an das Kloster Salem mit seiner Erlaubniss verkauft 
haben, geradezu sein „Patrimonium*' genannt werden, und dass 
er und seine Söhne gemeinsam ihren Dienstmannen überhaupt 
erlaubt haben, an dieses Kloster Güter zu schenken.*) Ein solches 
direktes Zeugniss für das Pesthalten seines lechrainischen Be- 
sitzes durch Heinrich den Löwen haben wir zwar nicht, aber 
dass dem doch so war, ergibt sich unzweideutig aus der alsbald 
zu besprechenden Urkunde seines Sohnes Otto von 1208. Dies 
hat denn auch Roman Zirngibl schpn zu Anfang des 19. Jhdts. 
erkannt und scharf betont.^) Erst die neueren Geschichts- 
schreiber haben diese Thatsache übersehen, sie alle haben an- 
genommen, dass Heinrich der Löwe in Folge seiner Aechtung 
all sein Gut in Süddeutschland verloren und bei seiner Be- 
gnadigung nur sein Allod in Sachsen zurückempfangen habe.^) 
Derselbe bekam aber in Wirklichkeit bei seiner Aussöhnung 



*) Von Weech, Codex diplom. Salem itanus I, 75—77. 

') Neue histor. Abhandlungen der kurfiirstl. Akademie (München) 
III, 5Ö6. 

•) So insbesondere Frey, Schicksale des Reichsguts unter den letzten 
Staufern 97-99. 

4* 



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52 tu*. Baumann: 

mit dem Kaiser all sein AUod im Norden wie im Süden zurück. 
Dies ergibt sich aus der klaren Angabe des gut unterrichteten 
Zeitgenossen Arnold von Lübek, dass bei der Aussöhnung des 
Löwen mit dem Kaiser bestimmt wurde, „ut Patrimonium 
SU um, ubicunque terrarum fuisset, sine orane 
contradictione liberrime possidere t." *) 

Von ihm vererbten mit all seinen Allodien auch die in 
Bayern und Schwaben auf seinen Sohn Otto, das lehrt abermals 
die eben genannte Urkunde von 1208 und die Kunde der Acta 
s. Petri in Augia (S. 38) , dass von König Otto der Markgraf 
von Ronsberg einen Hof zu Sederlitz bei Ravensburg zu Lehen 
getragen hat. Dass dies weifische Allod in Bayern während des 
Kampfes zwischen Heinrich dem Löwen und Barbarossa 1180 
bis 1181 und wieder während des Krieges zwischen Otto IV. 
und Philipp von Staufen um das Reich 1198—1208 von den 
Staufern beschlagnahmt wurde, sagt uns keine gleichzeitige 
Kunde, aber dies ist dennoch nicht zu leugnen, da ganz Schwaben 
und Bayern in diesen Jahren auf Seiten der Staufen standen, 
die Weifen also damals in diesen Landen machtlos waren. 

Als jedoch Otto nach der Ermordung seines Gegners 
Philipp 1208 auch in Süddeutschland allgemein als König aner- 
kannt wurde, erscheint er mit seinen Brüdern wieder als Herr 
seines väterlichen Erbes am Lechrain. Wir erfahren dies aus 
der bereits zweimal erwähnten Urkunde vom 15. Nov. 1208.*) 
Da dieselbe für die Geschichte des welfisch-staufischen Lech- 
rains besonders bedeutsam ist, sei es mir zur grösseren Bequem- 
lichkeit der Leser gestattet, die Sätze dieser Urkunde, welche 
hier in Betracht kommen, wörtlich zu wiederholen. Sie lauten : 
„Insuper concedimus eisdem (d. i. dem Herzoge Ludwig von 
Bayern und allen seinen Nachfolgern) curtem Moringen , que 
olim illustrissimi genitoris nostri extitit, cum pertinentiis eins, 
et partem illam, qu§ contingit filias quondam Philippi regis, 
simul eidem duci et heredibus suis tradimu» et donamus, per 
concambium vel alio quolibet modo disposituri, quod dict§ regis 
(ilie nominatam hereditatis su§ portionem grato assensu in 
manus nostras resignabunt. Sic quoque dispositum est et 
statutum, ut dictum dux cum curte memorata a nobis teneat 

') Mon. Germ. Script. XXI, 142. 
*) Mou. Wittelsbacensia [, 9—11. 



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Zur Geschichte des Lechrains und der Stadt München. 53 

ducentas marcas in liberis reditibus , et si de hac summa 
quicquam defuerit , nos de aliis reditibus nostris in Bawaria M 
defectum illum supplebimus. Si autem in bonis ipsis aliquid 
de summa prescripta superfuerit, illud in nostros usus cedet, et 
cum fratibus nostris HfeinricoJ , palatino coraite Rheni , et 
Wfilhelmo] duce taliter ordinavimus, quod de bonis et hominibus 
quondam incliti patris nostri adversum ducem Bawarie et 
heredes eius nuraquam actionem habebunt." 

König Otto trat also nach dieser Urkunde 1208 an den 
Bayernherzog Ludwig die curtis Moringen ganz ab und über- 
nahm hiebei auch die Gewähr dafür, dass diese curtis dem- 
selben jährlich die grosse Summe von 200 Mark ertrage , eine 
Summe, die unmöglich Mering allein liefern koimte, die also 
beweist, dass unter dieser curtis der ganze später Moringen 
cum toto Hibisch genannte Bezirk zu verstehen ist. 

Dieser Bezirk kam freilich in Wirklichkeit damals noch 
nicht an das Haus Witteisbach, denn die Urkunde von 1208 
wurde nicht verwirklicht. Das wissen wir aus der Thatsache, 
dass 1220—27 ein königlicher Propst, Namens Ulrich, in Mering 
sass.^) Diese Thatsache beweist nämlich, dass der staufische 
Theil des Meringer Bezirks , der nach obiger Urkunde den 
Töchtern des Königs Philipp gehörte, 1220 dem Staufer 
Friedrich, dem Erben aller Güter seines Hauses, zustand, also 
von diesen Töchtern nie an den Bayernherzog mit dauernder 
Folge abgetreten wurde. Dasselbe gilt auch vom An theil des 
Königs Otto und seiner Brüder an Mering, denn nach dem 
Urbar von 1224 hatte Herzog Ludwig keinen Besitz daselbst, 
dieses Urbar nennt nicht einmal den Namen Moringen. 

Dass die Abtretung von Mering 1208 trotz der Beurkundung 
nicht stattgehabt hat, findet seine Erklärung in der Verlobung 
des Königs Otto mit Beatrix, der ältesten Tochter des Staufers 
Philipp, im Mai 1209, denn mit dieser Verlobung übernahm 
Otto bekanntHch auch sofort das Herzogthum Schwaben und 



*) Diese Worte widerlegen die Annahme Frey 's (a. a. 0. 98), dass 
das ehemalige Allod Heinrichs des Löwen nicht an König Otto erblich 
gekommen sei, denn nach ihnen steht die curtis Meringen den „alii red- 
ditus** desselben in Bayern gegenüber, sie gehörte also auch zu den hayeri- 
sehen ^redditus* des Königs Otto. 

•) Mon. Boica VL 511, 513, 514, 518. 



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54 ^^' Bau mann: 

alles staufische Gut in Deutschland. Damit war auch die Lage 
am Lechrain verändert. Bis dahin waren die dortigen weifisch 
gebliebenen Besitzungen so weit vom übrigen Gute des Weifen- 
hauses entfernt, dass sie für dasselbe keinen hervorragenden 
Werth hatten. Dies wurde aber anders, als König Otto durch 
seine Braut Beatrix den ganzen Besitz der Staufer in Süd- 
deutschland erlangte, denn jetzt schloss sich das Lechrainer 
Allod seines Vaters mit dem staufischen Oberschwaben zu 
einem grossen Ganzen zusammen. 

Zehn Jahre später aber gab es am Leche kein Weifengut 
mehr, jetzt gehörte dasselbe dem jugendlichen Witteisbacher 
Otto; dies beweist der Umstand, dass dieser Fürst, wie wir 
wissen, spätestens im Frühjahre 1219 als Herr des zu diesem 
Gute gehörigen Landsberg erscheint. Dieser Besitzwechsel be- 
weist, dass der weifische Lechrain von König Otto, als es mit 
seiner Macht unaufhaltsam abwärts ging, an seinen Bruder, den 
Pfalzgrafen Heinrich bei Rhein, und von diesem 1212 an seinen 
gleichnamigen Sohn mit der Pfalz bei Rhein übergegangen ist. 
Dies geschah, um den süddeutschen Besitz des Weifenhauses 
diesem zu sichern, denn zu diesem Zwecke trat der junge 
Pfalzgraf Heinrich sogar gegen seinen Vater und gegen seinen 
Oheim, den Kaiser Otto, zu ihrem Gegner Friedrich II. über. 
Dieses unnatürliche Verhältniss hat freilich den Weifenbesitz 
am Rheine und am Leche den Weifen nicht gerettet, denn der 
junge Pfalzgraf Heinrich starb schon im Frühjahre 1214. Ihn 
beerbte nicht sein Vater, denn dieser stand damals dem Be- 
herrscher des gesammten deutschen Südens, dem Staufer 
Friedrich II., feindselig gegenüber, sondern seine Schwester 
Agnes, seit 1214 Braut des eben genannten Witteisbachers 
Otto. 

Wie sofort 1209 nach der Verlobung des Königs Otto mit 
Beatrix das Staufergut an denselben gefallen ist, so ging es 
auch 1214; auch jetzt kam das Erbe des Pfalzgrafen Heinrich 
sofort an den Bräutigam seiner Schwester. Da aber dieser da- 
mals erst ein Knabe von acht Jahren war, so wurde sein Vater, 
Herzog Ludwig von Bayern, als sein Vormund mit den Reichs- 
lehen seines verstorbenen zukünftigen Schwagers von Fried- 
rich II. belehnt. Dass Herzog Ludwig auch das Allod seiner 
künftigen Sohnestochter, der Pfalzgräfin Agnes, als Vormund 



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Zur Gesohlohte des Leohrains und der Stadt MUnoben. 55 

seines Sohnes Otto 1214 in seine Verwaltung nahm, ist all- 
bekannt.*) 

Um den neuen Besitz dem Hause Witteisbach zu sichern, 
erfolgte die Vermählung des Prinzen Otto mit der Pfalzgräfin 
Agnes zu Worms ungewöhnlich früh, schon im Jahre 1218, 
zu einer Zeit, da Otto erst zwölf Jahre, also nach deutscher 
Rechtsgewohnheit eben erst volljährig geworden war. Dass 
nämlich diese folgenreiche Hochzeit in diesem Jahre statt- 
gefunden hat, sagen uns die Notae s. Emnierami, die einzige 
gleichzeitige Qeschichtsquelle , die über dieses Ereigniss be- 
richtet.*) Diese frühe Verheirathung lässt sich leicht verstehen, 
durch sie wurde erreicht, dass Herzog Otto, wenn auch die 
Ehe 1218 noch nicht thatsächlich vollzogen wurde, in den 
rechtlichen Besitz der Güter seiner Gemahlin eingetreten ist 
und gegen fremde Ansprüche an dieselben gesichert wurde. 
In der That hat denn auch sein Schwiegervater, von dem in 
erster Reihe ein Anspruch an die weifischen Güter in Süd- 
deutschland zu erwarten war, selbst nach seiner Aussöhnung 
mit Friedrich II. im Juli 1219 keinen solchen je wieder geltend 
gemacht. 

IV. 

Der weifische Besitz in Bayern, den die Pfalzgräfin Agnes 
ihrem jugendlichen Gemahle mitgebracht hat, lag nicht allein 
am Lechraine. Dies lehrt wieder die oft angezogene Urkunde 
vom 16. November 1208, denn in ihr verpflichtete sich Otto IV., 
sowie die curtis Mering dem Herzoge Ludwig jährlich nicht 
200 Mark einbringe, das fehlende „de aliis reditibus nostris in 
Bavaria" zu ergänzen. König Otto hatte deshalb 1208 ausser 



Vgl. darüber Winkelmaon, Philipp von Sohwaben und Otto von 
Braunschweig I, 510—12. 

•) Mon. Germ. Script. XVII, 575: ,Anno dominice iucarnationis 1218 
.... Bub ipso tempore Otto maior, filius Ludewici, Wormatie filiam 
palatini Rheni Heinrioi uxorem duxit.* Auf die verschiedenen neuen An- 
sichten über die Zeit dieser Vermählung glaube ich nicht näher eingehen 
zu sollen, denn sie ermangeln entweder des Beweises oder sie beruhen 
auf der Verwechselung der am 14. Mai 1228 zu Straubing erfolgten Wehr- 
haftmaohuiig des Herzogs Otto mit seiner Hochzeit. In diesen Fehler ist 
meines Wisseqs zuerst unter den bayerischen Geschichtschreibem Aventin 
verfallen. 



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56 I^r- Baumann: 

dem Besitze in und um Mering noch weiteres Gut in Bayern. 
Dieses Gut hat Roman Zirngibl, der einzige ältere Forscher, 
der von diesem Verhältnisse Kenntniss nahm, am Leche selbst 
gesucht,*) aber mit Unrecht, denn was dort 1208 weifisch war, 
gehörte, wie S. 56 gesagt, zur curtis Mering. 

Ich suche dieses Gut in München, gebe aber von vorn 
herein zu, dass der schon von Krenner*) so lebhaft beklagte 
Mangel an zeitgenössischen Nachrichten über München in der 
Zeit zwischen 1180 und 1230 nicht erlaubt, diese Annahme 
mit voller Sicherheit als wahr nachzuweisen, ich muss mich 
begnügen , im folgenden alles zusammenzustellen , was für 
ihre Berechtigung spricht. 

Vorerst haben wir zu prüfen, ob denn das München Hein- 
richs des Löwen seinen Sturz 1180 ohne dauernden Schaden 
überwunden hat. Nach den Schäftlarner Annalen wäre dies 
nicht der Fall gewesen, denn dieselben melden zum Jahre 1180: 
„Dux Heinricus ducatu privatur, Otto maior palatinus loeo eins 
dux constituitur, Munichen destruitur, Feringen reedificatur.*'*) 
Diese gleichzeitige Angabe der Annalen eines München so nahe 
gelegenen und mit München Verkehr pflegenden Klosters dürfen 
wir nicht so ohne weiteres als unrichtig abweisen, nur dürfen 
wir sie nicht voll nach dem Buchstaben auslegen. Wir müssoÄ 
da beachten, dass diese Annalen bei Ereignissen, die zur Zeit 
ihrer Erwähnung erst im Entstehen begriffen oder doch noch 
nicht abgeschlossen waren, mit Vorliebe das Praesens gebrauchen, 
während völlig vollendete Thatsachen von ihnen im Perfekte 
erzählt werden. Von diesem Standpunkte aus haben wir obige 
Nachricht zu würdigen. So wenig 1180 der Sturz Heinrichs 
schon vollendet war, so wenig kann die gleichzeitige Angabe 
über München Vergangenes berichten. Sie besagt nur, dass in 
diesem Jahre in München zerstörende Kräfte ihre Wirksamkeit 
entweder begonnen oder doch angedroht haben, nicht dass da- 
mals der Ort zerstört worden sei. Damit stimmt auch der 
Regensburger Spruch vom 13. Juli 1180^ denn er hat ja keines- 
wegs den Untergang Münchens, sondern lediglich die Rück- 



') Neue histor. Abhandlungen der kurfUrstl. Akademie zu MUncben 
III, 587. 

«) A. A. II, 161. 

»j Mon. Germ. Script. XVIL 337. 



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Zur Geschichte des Lechrains und der Stadt München. 57 

Verlegung des Marktes und der Brücke von dort gen Pöhring 
angeordnet.^) München hat denn auch dies begonnene oder 
wenigstens angedrohte Zerstörungswerk von 1180 überlebt; 
das beweist die Thatsache, dass im Frühjahre 1189 dort Herzog 
Berthold von Meranien geweilt hat.^) Die Anwesenheit dieses 
Fürsten in München spricht nämlich nicht etwa nur für die 
Fortdauer des Ortes nach 1180 überhaupt, sondern sie zeigt, 
dass München 1189 Gelegenheit genug bot, um dem grossen 
Gefolge, mit dem sich die Grossen jener Zeit allenthalben um- 
gaben, Unterkunft und Verpflegung zu gewähren. Da aber 
damals München nur eine kleine und wenig fruchtbare Feld- 
mark besass, so konnte es eine stärkere Bevölkerung nur er- 
nähren, wenn es damals ein Handelsplatz war. Dass es dies 
in der That auch nach 1180 geblieben ist, zeigt des weitern 
die Thatsache, dass zwischen 1190 und 1196 ausdrücklich 
„raercatores de Munichen" genannt werden.^) Folglich wurde 
der Regensburger Spruch entweder gar nicht oder doch nur 
theilweise und vorübergehend durchgeführt. 

Das lag in der Natur der Verhältnisse. Heinrich der Löwe 
hatte, wie wir bereits S. 20 gehört haben, bei der Verlegung 
des Marktes und der Brücke von Föhring die Herstellung einer 
kürzeren Salzstrasse von der Isar über Landsberg nach Ober- 
schwaben im Auge gehabt. Gerade deshalb war er veranlasst, 
den Uebergang der Salzstrasse über die Isar von Föhring süd- 
wärts zu verlegen. 

Diese nunmehr 22jährige Strasse war dem Eingehen preis- 
gegeben , sowie der Regensburger Spruch zur Ausführung ge- 
langte, denn derselbe erzielte die Herstellung der alten Handels- 
verhältnisse vor 1158, die nur die Strasse von Föhring nach 
Augsburg gekannt hatten. Die Rückverlegung des Marktes 
und der Isarbrücke von München gen Föhring vernichtete also 
nicht nur den Handelsplatz München, sondern gefährdete auch 
ernsthch die Strasse von ihm nach Landsberg und damit auch 
die mit dieser seit 1158 verwachsenen Interessen der weifischen 
Lande in Oberschwaben. Dass die dortigen aufstrebenden 



») Mon. Boica 29 a, 438-40. 
*) Mon. Boica VI, 146. 

') Ich handle des Raumes wegen über die Stelle, der wir die Kenntniss 
dieser Thatsache verdanken, im Anhange. 



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58 ^i*- Baumann: 

Weifenorte, wie Kaufbeuren, Meinmingen, Ravensburg dieser 
Gefahr rechtzeitig zu begegnen versucht haben werden, wird 
wohl von keiner Seite bezweifelt werden. Das wirksamste 
Mittel, um den Handelsverkehr dieser Orte zu sichern^ war die 
Nichtausführung des Regensburger Spruches; in diesem Sinne 
werden sie bei ihrem Herrn Weif VI. und seinem Erben vorstellig 
geworden sein; dieser Erbe aber war kein geringerer, als der 
Aussteller des Regensburger Spruches, als Kaiser Friedrich selbst 

Bestand der Bischof von Freising auf der Durchführung 
des Regensburger Spruches, so gerieth er bei dieser Sachlage 
voraussichtlich alsbald in Misshelligkeiten mit Weif VI. und mit 
dem Kaiser. Diese Erwägung wohl hat ihn veranlasst, auf 
sein in Regensburg gewonnenes Recht zu verzichten und Markt 
und Brücke in München zu belassen ; er hat dies jedoch nicht 
umsonst gethan. 

Dem Bischöfe von Freising war 1158 als Entschädigung 
für den Verlust des Föhringer Handelsplatzes ein Antheil am 
Zoll und an der Münze zu München für immer zugesprochen 
worden. Später aber bezog er aus München ein grösseres Ein- 
kommen. Hier gehörte nachweislich im 13. Jhdt. der Brücken- 
zoll ihm allein, und ausserdem gebührte ihm in München jähr- 
lich nach Ausweis seines Salbuchs von 1305 Antheil am Klein- 
zolle und an der Münze, sowie an den Gefällen des Stadt- 
gerichts, er hatte also im 13. Jhdt. da in der That Einnahmen, 
von denen 1158 noch nicht die Rede gewesen war.*) In dieser 
Mehrung seines Münchener Einkommens ist ohne Zweifel der 
Preis zu erkennen , um den der Bischof von Freising auf die 
Durchführung des Regensburger Spruches verzichtet und damit 
in den Fortbestand des Handelsplatzes München eingewilligt hat. 

Da es sich dabei auch um die Wahrung der Interessen Welfs VI. 
und seines Erben Barbarossa gehandelt hat, so ist e^ nicht 
wahrscheinlich, dass dieser bischöfliche Verzicht erst längere 
Zeit nach dem Regensburger Spruche erfolgt ist, er fällt also 
vermuthlich in das Jahr 1180, so dass es nie zur wirklichen 
Abschaffung des Marktes in München gekommen sein wird. 

Für diese Annahme möchte ich mich auf die Chronik des 
Münchener Angerklosters berufen, welche der dortige Pranzis- 



») S. Muffats Darstellung in Band XV der deutschen Städteohroniken 
S. 420-22. 



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Zur Gesohiohte des Lechrains und der Stadt München. 59 

kanerguardian Hermann Sack 1424 geschrieben hat.^) Dieselbe 
berichtet: „Anno domini 1180 incepit civitas Monacensis edificari, 
unde versus: 

MOL tria X^) anno, imperante Fridrico, 
Hainricus Pruiiswig Bawarum Saxonura rexit ducatum, 
Monacum tunc villa, sed Veringen forum pro illa. 
Libertates vere civitati donate fuere. 

Sed anno domini M«- CC^ V1II<>- Otto ßawarie dux fun- 
davit hospitale in Monaco et Ezol silvam^) pro dote donavit."*) 

Diese Angabe über das Entstehungsjahr der Stadt München 
ist an sich ebenso unrichtig, wie die mit ihr vereinigte über 
das des dortigen Spitals. Wir werden aber später sehen, dass 
die letztere dennoch einen wahren Kern enthält, darum werden 



') Sie bildet die Einleitung zu dem ebenfalls von Sack geschriebenen 
Todtenbuche des Angerklosters (jetzt im k. Reichsarchive zu MUnchen). 

*) Wie aus den weiteren Versen dieser Chronik: 
„M ter C viginti Septem nocte Valentin! 
Teroia Monaci pars corruit igne voraoi** 
zu ersehen ist, muss da Em, Ce, El. Jx gelesen v/erden, damit das Vers- 
mass einigermassen klappt. Diese Kenntniss verdanke ich Dr. Bell, Gustos, 
und Dr. Pfeiffer, Assistenten an der k. Hof- und Staatsbibliothek zu München. 

') Unbekannt ist dieser Wald; er hiesse heute, wie der bekannte 
Schweizer Berg bei Einsiedeln, etwa „Etzel'*. Man darf da nicht an eine 
Verw^echselung mit dem Münchner „Ehezoll" denken. 

*) Um 1450 schrieb auf den hinteren Innendeckel des Todtenbuchs 
von Indersdorf (jetzt im k. Allg. Reichsarchiv) ein unbekannter Schreiber: 
„Anno Christi 1180 inceptio civitatis Monaci in Bavaria sub Friderico 
primo, sed anno domini 1208 fundatum fuit hospitale ibidem.* Diese An- 
gabo ist mit einigen anderen Notizen in den Mon. Germ. Script. XVII, 
332 unter dem Sammeltitel „Annales Indersdorfenses'' veröffentlicht, sie ist 
jedoch keine Abschrift einer den von ihr gemeldeten Ereignissen gleich- 
zeitigen Aufzeichnung, sondern lediglich ein an sich wertloser Auszug aus 
der obigen Stelle und ihren ungeschlachten Versen. Aus diesen Ann. 
Indersdorf, haben sodann ohne Zweifel Arnpeck in seinen Chron. Baioariae 
(Pez, Thes. anecdot. III, 3, 233) und die Fai-rago Ratisponensis von 151U 
(Oefele, Script, rer. Boic. II, 503) ihre Mittheilungen über die Gründung 
von München geschöpft. Wenn in der Farrago als Gründungsjahr dieser 
Stadt MCLXXV genannt wird, so ist das nur ein Lese- oder Druckfehler 
für MCLXXX. - Auch die in den Mon. Germ. Script. XVII, 332—33 mit- 
getheilten Notae Indersdorfenses sind nur wenige, aus den viel umfäng- 
licheren chronikalen Angaben, die hinter dem Todtenbuche von Indersdorf 
stehen, ausgewählte Stellen. Diese Angaben sind zwischen 1433—46 be- 
gonnen und von mehreren Händen im 15. Jhdt. fortgesetzt worden. 



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BO I^r. ßaumaan: 

wir dasselbe auch bei der über die Stadt annehmen dürfen. 
Wir dürfen nur nicht ausser Auge lassen, dass Sack in dieser 
Angabe keine der von ihm erzählten Ereignissen gleichzeitige 
Quellenstelle wiederholt, sondern lediglich eine mündliche lieber- 
lieferung, eine zu seiner Zeit in München lebende Sage auf- 
gezeichnet hat, diese Sage aber hat in der unrichtigen Be- 
hauptung, die Stadt München sei 1180 erbaut worden, die 
Erinnerung an ein für diese Stadt hochwichtiges Ereigniss 
dieses Jahres in ihrer Art festgehalten. Dieses Ereigniss aber 
möchte ich gerade darin erblicken, dass noch in demselben 
Jahre 1180, das im Regensburger Spruche über den Handels- 
platz München das Todesurtheil gefällt hat, dessen Vollzug 
glücklich abgewendet wurde. Ist dem so, dann hat die Sage 
nicht unrecht, denn dann ist 1180 in der That das zweite 
Gründungsjahr der Stadt München und hat verdient, dass man 
dort sich seiner ebenso, wie Heinrichs des Löwen von Geschlecht 
zu Geschlecht dankbar erinnert hat. 

Seit 1180 war München nach allgemeiner Annahme im Be- 
sitze des Witteisbachers Otto I., an den es als Bestandtheil des 
Herzogthums Bayern gekommen sei, und nach seinem Tode in 
dem seines Sohnes Ludwig des Kelheimers. 

Dass Herzog Otto I. im Besitze von München gewesen sei, 
behauptet in der That Veit Arnpeck. Derselbe hatte jedoch 
bei seinem Berichte über die Beziehungen zwischen dem Herzoge 
von Bayern und dem Bischöfe von Preising, die wegen München 
und Pöhring im 12. Jhdt. entstanden sind, in seinem Chronicon 
Baioariae nur eine einzige und zudem eine magere zeitgenössische 
Quelle, nämlich Conradi Gesta episcoporumFrisingensium vor sich. 
Aus dieser Quelle kannte er den Regensburger Spruch, denn 
dieselbe enthält eine wörtliche Abschrift desselben ; er wusste 
ferner, dass trotz dieses Spruches der Handelsplatz München 
bestehen blieb, dass Münchens Herren seit langem bis zu seiner 
Zeit ununterbrochen die Witteisbacher gewesen waren und dass 
die Kirche Preising in München Antheil am Zolle hatte; er 
wusste endlich auch aus Conradi Gesta, dass zwischen Bischof 
Otto II. von Preising und dem Herzoge Ludwig dem Kelheiraer 
ein Zwist geherrscht hat. All diese Dinge suchte Arnpeck 
zusammenzureimen, dazu aber benöthigte er, da seine einzige 
Quelle die gewünschte Auskunft nicht ertheilte, selbstgezogener 



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Zur Geschichte des Lechrains und der Stadt München. ßl 

Schlussfolgerungen. Alle seine Angaben über diese Dinge, die 
nicht aus seiner einzigen Quelle entstammen , sind deshalb nur 
Vermuthungen und darum ohne Beweiskraft. 

Dies gilt also auch von seiner Angabe über die Herrschaft 
Ottos I. in München, denn sie stammt nicht aus den Gesten 
Conrads, sondern ist eine Schlussfolgerung Arnpecks. Man 
höre nur: nachdem Arnpeck eine Abschrift des Regensburger 
Spruchs gegeben und den Antheil des Herzogs Otto an ihm zu 
Gunsten des Bischofs von Freising betont hat, sagt er von 
diesem Fürsten : „Mirum dictu, licet et ipse in iudicio imperiali 
et mandato seu privilegio testis fuerit, non minus tamen forum 
huiusraodi cum ponte ac teloneo inde proveniente, sicut ante- 
cessor suus, ipso cum haeredibns suis sibi usurpavit." *) Hier 
zeigt doch der Stil allein schon, dass Arnpeck lediglich versucht, 
den Regensburger Spruch von 1180 in einen annehmbaren 
Zusammenhang mit der ihm widersprechenden Fortdauer des 
Handelsplatzes München in der folgenden wittelsbachischen 
Herzogszeit zu bringen. Arnpecks Aussage über die Herrschaft 
Ottos I. in München entbehrt also der Beweiskraft. 

Dasselbe gilt von der Behauptung, dass Otto I. dem 
Apostelfürsten Petrus in München ein Gotteshaus gebaut und 
dazu 1181 persönlich den Grundstein gelegt habe, und dass 
dieser Bau 1190 von Bischof Otto II. von Freising in Gegenwart 
Ludwigs des Kelheimers eingeweiht worden sei.^) Diese Be- 
hauptung steht lediglich in der handschriftlichen Chronik der 
Peterskirche zu München (z. Z. Eigenthum dieser Pfarrkirche,^) 
welche 1779—81 der „adjungierte Küstner** Johann Georg 
Keyser zusammengeschmiedet hat. Eine Quelle für seine Be- 
hauptung gibt er nicht an, man sucht auch umsonst nach einer 
solchen. 

Es lässt sich somit nicht erweisen, dass Herzog Otto I. 
Herr von München gewesen ist. Dasselbe gilt von seinem 
Sohne Ludwig dem Kelheimer. Wohl war dieser Herzog in 
München bei einem das Kloster Neustift vor Freising be- 
rührenden Rechtsgeschäfte, das bisher in die Zeit um 1195 



') Fez, Thesaurus anecdotorum III, 8, S. 281. 
*) Wolf, Gesch. von München I, 7. 

') Für die Brlaubniss, diese Chronik einsehen zu dilrfen, erstatte icli 
Herrn Geistl. Kath Schiessl, Stadtpfarror zu St. Peter, geziemenden Dank. 



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62 I^r. Baumann: 

gesetzt wurde, anwesend,^) aber aus dieser Anwesenheit kann 
man doch ernstUch nicht folgern, dass Herzog Ludwig damit 
als Herr von München erwiesen werde 1 Dazu kommt, dass 
dieses Rechtsgeschäft in Wahrheit erst in die Jahre 1215 — 18 
fällt, also in eine Zeit, da München bereits wittelsbachisch ge- 
wesen ist. Wir kennen dasselbe nur aus dem Traditionsbuch 
des Klosters Neustift; in diesem aber ist die betreffende Auf- 
zeichnung nachgetragen, und zwar von zwei Schreibern. Ihr 
Anfang stammt noch vom Schreiber des Traditionsbuches selbst, 
der seine Arbeit nicht vor 1215 gethan hat, denn er copierte 
im Traditionsbuche auch eine in diesem Jahre gegebene Ur- 
kunde des Preisinger Bischofs Otto 11.^ Der Schluss der Auf- 
zeichnung über dieses Rechtsgeschäft, bei dem Ludwig der 
Kelheimer in München zugegen war, dagegen rührt von einer 
Hand her, welche unmittelbar darnach eine vom 21. Oktober 
1218 datierte Urkunde in dieses Traditionsbuch eingeschrieben 
hat. Polglich ist diese Aufzeichnung nicht lange vor diesem 
Tage eingetragen , das von ihr beschriebene Rechtsgeschäft 
aber, weil sie nicht mehr zum Grundstocke des Neustifter Tra- 
ditionsbuches gehört, wohl nicht allzulange vor seiner schrift- 
Hchen Pestlegung in diesem Buche, also rund 1215—18 voll- 
zogen worden. 

Häusser hat des weiteren behauptet, die Pfalzgräfin Agnes, 
die Schwiegertochter des Herzogs Ludwig, sei seit 1214 in 
München erzogen worden,*) allein seine Angabe findet in keiner 
gleichzeitigen Quelle Bestätigimg. Sie ist sicherlich unbegründet, 
denn es hat damals in München noch keine Burg gegeben, die 
einen fürstlichen Hofhalt hätte beherbergen können. Es ist 
bezeichnend, dass von allen erhaltenen Urkunden des Herzogs 
Ludwig nur eine, und auch diese erst 1222, zu München ge- 
geben ist.*) 

Derselbe soll da des weiteren 1204 ein Pilger- und Armen- 
haus erbaut haben. Dies wird bis zur Stunde von allen Lokal- 
forschern Münchens behauptet, obwohl sie trotz allen Suchens 
kein altes Zeugniss für diese Behauptung auffinden konnten; 



») Mon. Boica IX, 560. 

») Gedruckt Mon. Boica IX, 575. 

») Gesch. der Rheinpfalz I, 76. 

*) Koch und Wille, Regest^n der Pfalzgrafen am Rhein Nr. 169. 



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Zur Geschichte des Lechrains und der Stadt München. 63 

sie lässt sich nur auf den 1763 gedruckten zweiten Band der 
bayerischen Geschichte Falkensteins zurückführen.*) Palken- 
stein aber hat sie aus der ^erläuterten Germania Princeps" 
Johann Peters von Ludwig abgeleitet. Dieser Geschichts- 
schreiber erzählt nämlich in dem 1747 erschienenen zweiten 
Bandes seines Werkes,*) Herzog Ludwig habe 1204 in München 
ein Spital gebaut, worin noch zu seiner Zeit viele arme Leute 
Pflege fänden. Daraus hat Falkenstein dann sein Pilgerhaus 
gemodelt; mit dessen Gründung im Jahre 1204 ist es also in 
Wahrheit nichts. Herzog Ludwig hat aber 1204 in München 
auch kein Spital, wie die Germania Princeps will, gestiftet, 
denn der Gründer dieses Spitals ist sein Sohn Otto. Das wusste 
bereits die Chronik des Angerklosters (s. S. 59), diese irrt nur 
darin, dass sie Otto das Münchener Spital schon 1208 stiften 
lässt, denn damals war Otto erst zwei Jahre alt. Schon der 
verdiente Krenner hat erkannt, dass in der Jahreszahl 1208 der 
Ängerklosterchronik eine Lücke ist, und glaubte, sie sei in 1238 
oder 1248 zu verbessern. Da das Münchner Spital urkundlich 
erst im Jahre 1250,*) vorher aber auch nicht einmal erwähnt wird, 
so müssen wir annehmen, dass erst im Jahre 1248 Otto dieses 
Spital gestiftet und mit dem verschollenen Walde Ezol aus- 
gestattet hat, dass also in der Angerklosterchronik die Jahres- 
zahl MCCVIII in MCCXLVIII zu ergänzen ist. 

Somit hat Ludwig der Kelheimer 1204 in München ebenso- 
wenig wie ein Pilgerhaus, das Spital gestiftet. 

Wir hören ferner, dass dieser Herzog wegen der Münchner 
Salzzölle mit Bischof Otto IL von Freising in Fehde gerathen 
sei. Von dieser angeblichen Fehde weiss namentlich Aventin 
in seinen Annalen und in seiner Chronik*) eingehend zu erzählen; 
er meldet, Bischof Otto von Freising habe die Feste Ottenburg 
(zwischen Schieissheim und Freising) erbaut und besetzt, wegen 
des Salzzolles dem Bayernherzoge und den Münchnern den 
Krieg erklärt, die Salzfuhren nach Föhring und Ottenburg ge- 
zwungen und alle übrigen Strassen gesperrt. Dann lässt er 
den Freisinger Bischof im Bunde mit dem zu Regensburg und 



') Hier steht sie S. 63. 

») S. 689. 

•) Huhn, Gesch. der Pfarrei Hl. Geist 41. 

*) Aventins Werke HI, 2ry2 und V, 1, 358. 



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64 ^r. ßaumaiin: 

dem Erzbischofe von Salzburg den Krieg fortsetzen, bis König 
Philipp den drei Kirchenfürsten Frieden gebietet. Man sieht, 
Aventin ist scheinbar sehr unterrichtet; nur Schade, dass seine 
Erzählung, die allen späteren Berichten über diese Fehde zu 
Grunde liegt, diese also ohne weiteres werthlos macht, von alten 
Zeugnissen nicht gestützt wird. 

Aventin bringt die Fehde in Zusammenhang mit dem 
Kriege, den Bischof Konrad zu Regensburg und Erzbischof 
Eberhard von Salzburg 1203—4 mit Herzog Ludwig geführt 
haben und den höchstwahrscheinlich König Philipp beigelegt 
hat, aber ohne Grund, denn nach den chronologisch geordneten 
Conradi Gesta episcoporum Frisingensium, deren Bericht über 
den Streit zwischen Bischof Otto von Freising und dem Herzoge 
Ludwig von Bayern wir alsbald kennen lernen werden, beschäf- 
tigte diese Angelegenheit den Bischof Otto unmittelbar vor einem 
Streite, der zur Entscheidung vor den Kaiser Heinrich VL kam; 
folglich fällt dieselbe nicht in die Jahre 1203 — 4, sondern 
spätestens in das Todesjahr dieses Kaisers, in das Jahr 1197. 
Aventin hat also mit Unrecht dieselbe mit der Bischofsfehde 
von 1203/4 vermengt und mit Unrecht sie durch König Philipp 
beseitigen lassen. 

Auch der erste Theil der aventinischen Erzählung über 
die Ottenburger Fehde ist kein selbständiger Bericht, sondern 
nur eine phantastische Ausschmückung der entsprechenden An- 
gabe Arnpecks in seinem Chronicon Baioariae. Dies hat schon 
Kronner erkannt, er sagt geradezu, jener habe Arnpeck „bloss- 
wärts" ausgeschrieben, nur nicht mit der gehörigen Beurtheilungs- 
kraft und Vorsicht.^) 

Diese Angabe Arnpecks lautet:*) (Adeptus ergo pontifica- 
tus dignitatem, quanta circa pauperes largitas morumque probitas, 
quanta in eo fuerit humilitas, non est meae facultatis evolvere. 
Sed strenue suam regens ecclesiam, murum se firmum pro domo 
dei firmiter opposuit et ut vir prudens et sapiens pastor pius 
suis ovibus benignus prefuit. Castrum donique construxit) et 
suo ex nomine Ottenburg vocavit, ex quo viriliter pugnavit 
super Monacum pro ecclesiae suae bonis. Demum conventione 
facta portio quaedam ex teloneo vel libra in Monaco ecclesiae 

^) Neue histor. Abhandlungeti der kurrdrstl. Akademie IL 149. 
^) Pez a. a. 0. III, 8, S. 232. 



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Zur Geschichte des Lechrains und der Stadt Müjich^n. 65 

Frisingensi addicta fuit, quae annuatim ad quiiKjuaginta donario- 
ruin usiialium talenta vel (juasi nostris temporibus se extendit " 
Von dieser Stelle sind die eingeklammerten Theile theils wört- 
lich, theils getreu dem Inhalte nach ans Conradi Gesta entlehnt, 
der Schluss aber gehört Arnpeck allein an , ist also nach dem 
oben gesagten werthlose Schlussfolgerung dieses Chronisten. 
An ihrer Stelle sagen die Gesten Conrads: „In prirao castrum 
in Otenburch munire cepit, expendens in edificiis circiter mille 
raarcas et domino duci Bawarie totis viribus se opponens pro 
advocatia, quam indebite abusus est per graves exactiones, 
liti finera inposuit, sicut in subscripto privilegio habetur."*) 

Die Gesten Conrads wissen also nichts von München. 
Nach ihnen — und sie verdienen wegen ihrer gleichzeitigen 
Aufzeichnung am Sitze des Hauptbetheiligten vollen Glauben 
— bestand Streit zwischen dem Bischöfe und dem Herzoge, 
jedoch nicht etwa wegen der Nichtausführung des Regens- 
burger Spruches und wegen der Portdauer des Münchner 
Marktes und Salzhandels, sondern wegen der schweren Be- 
drückungen, die sich der Herzog als Vogt des Hochstifts Frei- 
sing hatte zu Schulden kommen lassen. 

Um diesen Bedrückungen zu begegnen, baute der Bischof 
die Feste Ottenburg, die offenbar ihrer Nachbarburg Dachau, 
dem Hauptwehrplatze des Herzogs Ludwig in dieser Gegend, 
Trutz bieten sollte. Es scheint übrigens gar nicht zum Kampfe 
zwischen dem Bischöfe und dem Herzoge gekommen zu sein, 
denn die Bezeichnung dieses Streites in den Gesten mit „lis** 
und der Ausdruck „totis viribus se opponens" müssen nicht 
im kriegerischen Sinne ausgelegt werden, sie sprechen (zu- 
sammengehalten mit der vorausgeschickten Beurtheilung des 
Bischofs als „vir prudens et sapiens, pastor pius*^ eher dafür, 
dass die Sammlung der bischöflichen Streitmacht allein genügte, 
um den herzoglichen Vogt von seinen Uebergriffen abzubringen. 

Diese Ursache des Zwistes konnte Arnpeck, wenn er seinen 
Zweck durchfüh